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Tag: 29. Mai 2020

Abschottung, Tag 77

Abschottung, Tag 77

Als der Wecker um 9h30 klingelt, möchte ich noch nicht aufstehen. Gegen 10h00 bringt mir der RB Tee ans Bett. Gegen 10h15 wanke ich Richtung Schreibtisch. Ich werde schon vermisst und ärgere mich ein wenig darüber, dass die Kolleginnen denken, dass ich bei einer 30-Stunden-Woche 24/5 erreichbar und verfügbar bin.

Ich beende ein paar Projekte. Das tut gut.

Um 16h00 mache ich den Rechner nicht nur zu, sondern auch aus. Irgendwann ist mal gut. Außerdem will ich noch Dinge einkaufen. Ich scheuche das Kind auf, mich zu begleiten. Zusammen machen wir uns auf den Weg. Ich zu Fuß, das Kind per Roller.

Kurz vor dem ersten Ziel stürzt das Kind mit dem Roller. Auf der Straße. Weil er so weit vorgerollert ist, sehe ich es nicht sofort, sondern höre ihn nur. Ich sprinte los und sammel ihn von der Straße. Das linke Knie ist aufgeschlagen, der Ellenbogen angekratzt. Die Handgelenke tun etwas weh. Ich überprüfe, dass die Handgelenke nichts Ernstzunehmendenes haben. Zum Glück scheint es nur die Haut zu sein, die schmerzt. Aus dem 2. Stock im Haus, vor dem wir gerade stehen, ruft uns eine Dame zu: „Brauchen Sie das?“ und winkt mit einem Päckchen Taschentücher. Ich bin sehr dankbar, denn ich habe so gut wie nie Taschentücher bei mir. Noch nie. Wir haben Wasser dabei und können so die Wunde am Knie reinigen. Das Kind ist tapfer und damit er sich nicht in seinem vermeintlich Unglück verliert, sage ich ihm zum Trost: „So müssen Kindersommerknie aussehen. Ich sah als Kind jeden Sommer so aus.“

Die Worte wirken. Wir können unseren Weg fortsetzen: Asialaden und dann bester Mini-Baumarkt. Zum Schuhladen – für endlich mal Wanderschuhe fürs Kind – will er nicht. Stattdessen gehe ich kurz in den Drogeriemarkt und hole noch was zur desinfizierenden Wundversorgung. Und einen kleinen Schokoriegel fürs Kind.

Wieder zu Hause verheddere ich mich in der Zeit und habe keine Lust, alles zu kochen, was wir geplant haben. Etwas zu spät gehe ich nochmal in den Supermarkt. Dadurch essen wir auch erst später als geplant und können erst später in die Kneipe. Wobei der RB erstmal „auf“ ein Konzert geht.

Die heute doch recht kleine Runde dauert wieder lang. Aber schön ist es, wie wir uns immer mehr kennenlernen. Ich mag die Diskussionskultur in unserer Runde.

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Nachtrag von Mittwoch: Endlich hat das Finanzamt meine Steuerklasse geändert. Nach nur 23 Monaten und 9 Tagen seit der ersten Nachricht meinerseits ob der Steuerklassenwechsels hat es endlich geklappt.