Lehrbuch

Lehrbuch

Ich halte mich durchaus für aufgeklärt – also im sexuellen Sinne. Aber bis ich auf instagram The Vulva Gallery folgte, war mir nicht wirklich bewusst, wie unterschiedlich Vulven aussehen. Ich habe mir darüber bis dahin keine kaum* Gedanken gemacht. Ich habe das Glück, – achtung, TMI – dass meine Vulva sehr dem gängigen Bild entspricht, das einer in üblichem Aufklärungsmaterial vermittelt wird. So hatte ich nie Bedarf, das zu hinterfragen. Und da ich doch sehr hetero bin, bin ich bislang noch nicht anderen Vulven in freier Wildbahn begegnet. Selbst beim gemeinsamen Duschen sieht eine ja nicht wirklich viel.

Ich will nicht sagen, dass ich ein völlig unverkrampftes Verhältnis zur Sexualität habe, aber ich würde mich als sehr offen bezeichnen und möchte auch, dass das Kind da gewisse Dinge mitnimmt: Neben einem korrekten Wording (Vulva vs. Vagina) möchte ich, dass er einerseits gelassen mit Sex umgeht, aber immer „Safety first“ im Kopf hat. Erlaubt ist, was den Beteiligten gefällt und ohne Konsens geht es nicht. Ich rede offen mit ihm – sei es, weil er fragt, weil es gerade Thema in der Schule ist oder weil ich meine, er müsste mir gerade mal wieder zuhören.

Letztens habe ich ja den Wohnbereich umgestaltet. Dazu zählte auch die Neuanordnung von Bildern. So, dass wir noch Platz für neue Bilder hatten. Ein Loch füllten wir mit einer Eule. Aber dann war da noch ein Loch.

Das ich kurzerhand mit einem Druck von The Vulva Gallery füllte.

Nicht nur, dass es sich gut einfügt. Ich finde es darüber hinaus auch gut, dass das Wording (fürs Kind) so ganz normal im Alltag präsent ist.

Neben dem Bild habe ich auch noch das Buch bestellt.

Und ich möchte Eltern – gerade auch – mit weiblich gelesenen Kindern dieses Buch empfehlen. Auch wenn es auf Englisch ist, sprechen die vielen Bilder der unterschiedlichen Vulven für sich. Ich kann mir vorstellen, dass es den Kindern die Angst nehmen kann, dass mit ihnen etwas „nicht stimmt“, nur weil ihre Vulven nicht aussehen wie im Schulbuch.

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* Ich habe mich immer mal wieder darüber gewundert, wenn ich über Schamlippen-Schönheits-OPs las.

Unsortiertes

Unsortiertes

Ich sehe, dass der Mord von Idar-Oberstein nur der Anfang war. Dämme sind gebrochen. Es wird noch mehr Tote geben. Und ich weiß nicht, ob und wann etwas passieren wird – politisch.

Das Kind teilt dem Kv mit, dass er in den Herbstferien nicht kommen will. Der Kv rastet aus. Das Kind legt auf. Die Abgeklärtheit von diesem 12jährigen Kind ist der Wahnsinn. Es ist eine Unverschämtheit vom Kv, das Kind so in die Erwachsenenrolle zu drängen.

Morgen geht es zu Friseur. Ich habe mir schon überlegt, das ich einleiten werden mit den Worten: „Du wirst zaubern müssen.“ Es darf ja nicht gefärbt werden, mein Ansatz ist mittlerweile ca. 4 cm lang. Für den Unterschied schwarz-blond ist das viel fürs Schneiden ist es wenig. Mal sehen, was mein Friseur sich einfallen lässt.

Ich habe gewählt. Ich bin gespannt, wie es am Sonntag ausgeht, fürchte aber nichts Gutes.


Aber für mich wäre vieles nichts Gutes. Nein, auch die Grünen sind für mich nichts Gutes und auch noch nicht einmal das kleinest Übel. Aber wie eingangs steht: Ich habe gewählt, es nützt nichts mich von irgendwas überzeugen zu wollen.

Nochmal das Kind: Heute morgen hat er sich selbst sein Pausenbrot gemacht und ist dann früher als eh schon losgefahren. Und auch sonst sehen wir uns wenig(er). Er kommt nach Hause und zieht los zum Sport: Rugby, Schwimmen, Bouldern. Er würde gerne noch Rudern testen. Ich gehe dann mal recherchieren.

Ach und nochwas zur BTW:

Das mit der Müdigkeit ist noch nicht besser. Könnte sein, dass ich zu wenig schlafe… Ich bin nicht gemacht für einen Tagesrhythmus, der vor 10h00 anfängt. Vielleicht schule ich aber wie der RB irgendwann mal auf Lerche um.

Genervt

Genervt

… meine Ovarien (oder zumindest einer) schulen gerade um auf Seesternmagen – so fühlt es sich jedenfalls an. Erwähnte ich schon, dass ich die Perimenopause echt kacke finde?! Ich könnte auf das Gelärsch auch gut verzichten. Fortpflanzung ist eh abgeschlossen.

… die eine Kollegin ist maximal überfordert und leitet es gerade an mich ab. Erwartungsmanagement bei den Kundinnen kann ich halt nur leisten, wenn ich in den Calls dabei bin. Wenn nicht, erwarte ich das von den Kolleginnen. Aber Kundinnen das Blaue vom Himmel zu versprechen, wenn die Personaldecke dünn ist, ist einfach ein sehr uncooler move. Ich kann aber nix dafür, dass Menschen krank werden und wir Personal nicht von dem Bäumen pflücken können*. Der kleine Anteil Überstunden, den ich mühsam abgebaut habe, ist so ratzfatz wieder auf dem Zeitkonto.

Kombination aus beidem führt halt zu großer Genervtheit. Ich mag mich so ja nicht, aber ändern kann ich es auch nicht. Morgen hoffentlich besser.

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* Und ich habe schon 2,5 neue Kolleginnen angeschleppt.

Möge es so weiter gehen

Möge es so weiter gehen

Über drei Wochen vom neuen Schuljahr sind um. Drei Wochen an der neuen Schule fürs Kind.

Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, ob er wirklich wechseln soll. Aber nachdem wir ja schon zu Grundschulzeiten das Thema hatten und ich es vermutlich da auch nochmal forciert hätte, wenn die unsägliche Klassenlehrerin nicht schwanger geworden wäre. Aber sie hatte in den ersten zwei Jahren schon sehr viel verbockt – beim Kind und für die Klassengemeinschat, in der er erst ganz am Schluss Fuß fassen konnte. Dem Kind hätten noch ein bis zwei Jahre Grundschule gut getan. Um Klassengemeinschaft zu erleben, um die ersten beiden Schuljahre zu „vergessen“, naja wenigstenszu kompensieren. Das gibt das deutsche Schulsystem aber nicht her (außer in Berlin).

Der Wechsel auf die weiterführende Schule war ähnlich blöd wie der auf die Grundschule: Kein Kind, mit dem er gut klarkam, wechselte auf diese Schule. Er stand – wieder – allein auf weiter Flur und in der neuen Klasse eingeschworenen Cliquen gegenüber. Es lief von Anfang an nicht rund. Früh sprach er von Schul- oder wenigstens Klassenwechsel. Ich führte Gespräche mit den Klassenlehrkräften. Ich war nicht happy. Das Kind auch nicht. Aber dann kam die Pandemie und Schule war anders, war nicht mehr Klassenverband, in dem er sich nicht wohlfühlte, sondern lernen, wann und wie es ihm gefiel. Das tat ihm gut. Auch der Wechselunterricht war okay. Das Kind hatte Spaß an Schule, Bock auf Lernen.

Doch als das 6. Schuljahr wieder mit Vollpräsenz lief, war er wieder unglücklich. Ihm ging es nicht gut. Diese Klasse tat ihm nicht gut. Ich führte wieder Gespräche. Wie schon ein Jahr zuvor schwang „victim blaming“ mit: Das Kind sei auch kein Engel. Er würde diesdasjenes machen. Er bräuchte sich nicht wundern, wenn die anderen Kinder darauf reagieren. Die Lehrkräfte sahen wohl nur eine Henne-Ei-Frage dabei. Außerdem müsse das Kind verstehen, dass in der Klasse einige halt Schwierigkeiten hätten. Er sei ja ein Leistungsträger in der Klasse, die anderen bräuchten mehr Unterstützung. Uff. Wenn das Inklusion sein soll, dann will ich das nicht. Es kann nicht sein, dass von unten in das System gestopft wird und die Leistungsstarken dadurch „oben“ rausfallen. Und gerade eine IGS muss das mit der Binnendifferenzierung schaffen.

Als nach der Winter-Schulschließung der Wechselunterricht wieder startete, blieb das Kind zunächst zu Hause. In Hessen war das zum Glück möglich. Dann kam der Vollpräsenzunterricht und die Lehrkräfte bestückten die Lernplattform nicht mehr (auch wenn sie gemusst hätten). Nach reiflichem Abwägen ging das Kind wieder in die Schule. 6 Tage lang. Dann eskalierte die Situation. Der RB nannte es so treffend: „Schule ist nicht Survival of the Fittest, sondern Survival of the Fiesest.“

Auf jeden Fall war die Situation so nicht mehr tragbar und ich kümmerte mich umgehend, wohin das Kind wechseln könnte. Es ging alles schnell und vielleicht war das auch gut so. Die Frankfurter Schulsituation ist so dermaßen angespannt, dass wir keine Wahl, aber wenigstens einen Alternative hatten.

Schlussendlich fällte das Kind die Entscheidung, denn ihn betrifft es hauptsächlich: Der Wechsel sollte geschehen.

Was mich durchaus erleichtert: Während die Schulleitung der alten Schule sich auf die Wechselnachricht gar nicht rührte*, war sich die eine Klassenlehrkraft nicht zu blöde, dem Kind noch einen „schlechte“ Note** reinzuwürgen. Die andere Klassenlehrkraft hat sich gar nicht mehr gemeldet.

Insgesamt hatte das Kind durch das alles 9 Wochen Sommerferien, in denen viel passierte und wir viel sprachen. Auch darüber, dass der Schulwechsel eine Chance für einen Neuanfang ist.

Er scheint es verinnerlicht zu haben. Er hat direkt erste Kontakte geknüpft und kommt gut gelaunt aus der Schule.***

(Und ich merke, wie mich allein diese drei Wochen mit einem entspannteren Kind entspannen.)

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* Ich habe aus AG-Zeiten immer noch einen Schlüssel der alten Schule.

** eine 3 in einem Fach, in dem das Kind bislang IMMER eine 1 oder 2 hatte. Außerdem wurde bei den Kopfnoten nochmal nachgetreten. Danke für nichts, Du arme Wurst.

*** Ich glaube ja auch, dass es ihm gut tut, dass er morgens und nachmittags 6 Kilometer mit dem Rad fährt.

Von Impf und Musik

Von Impf und Musik

Ich war heute impfen. 2. FSME-Impfung. Dabei erfuhr ich, dass der Grippeimpfstoff schon da ist. Also direkt einen Termin auch für diese Impfung ausgemacht. „Ich sehe“, lobte mich meine Ärztin, „Sie haben ja alle Impfungen, die es so gibt. Das ist gut, jede Impfung stärkt das Immunsystem.“ Und dann meinte sie noch, dass wir jetzt durch den Winter kommen müssen. Gesund. Dass sie davon ausgeht, dass nach dem Winter 95 % der Menschen Antikörper haben werden – entweder durch Impfung oder halt genesen.

Von letzter auf diese Woche haben sich so wenig erstimpfen (ca 500.000) lassen, dass die gerundete Prozentzahl sich nicht verändert hat (75 % aller Impfbaren bzw. 67 % aller Bundesbürgerinnen). Fehlen noch 28 % bis zur Prognose meiner Ärztin – in Zahlen: 23,2 Mio Menschen. Das finde ich sehr gruselig. Vor allem, weil es (zu) viele Kinder sein werden.

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Völlig unrelated und noch nicht einmal meine Musik, aber trotzdem sehr interessant: die hr-Serie über HipHop und Rap aus Frankfurt. Klar kenne ich Moses Pelham (immerhin habe ich ihn schon mal angepöbelt) und Sabrina Setlur und weiß auch, dass sie aus Frankfurt kommen. Aber irgendwie war Frankfurt für mich – obwohl auch so gar nicht meine Musik – die Keimzelle des deutschen Techno.

Wo leben wir …

Wo leben wir …

… wenn so ein verdammter Coronaignorant und Egoist einfach jemensch erschießen kann, nur weil er ein Maske tragen sollte.

Es ist erschreckend.

Wütend machend.

Angsteinflößend.

Widerlich.

Wieso habe ich ein Kind in diese Welt gesetzt?!

Ein Ehe-Rant

Ein Ehe-Rant

Ich bin eine Grinchin. Ich bin eine radikale, feministische Anti-Heirats-Grinchin*. Ich könnte jetzt schreiben, dass es mir leid tut. Aber das tut es halt nicht. Eine könnte mir auch vorwerfen, dass ich ja selbst schon mal verheiratet war. Und nein, das hat mich nicht radikalisiert – sicherlich auch weil diese Ehe endete, bevor die „staatliche Patriachatsfalle“ komplett zugeschnappt hat**.

Radikalisiert hat mich vielmehr die Situation meiner Bekannten, die sich quasi zeitgleich von ihrem Mann trennte. Sie – zu Beginn der Ehe selbsttändig tätig – hatte ihn finanziell durchs Studium getragen und als dann die Kinder kamen und er beruflich durchstartete, gab sie ihren Job auf und war knapp 10 Jahre Hausfrau und Mutter und aus dem Job raus. Als sie sich trennte, stand sie vor dem Nichts. Naja, noch weniger als vor dem Nichts, denn im romatinschen Glauben hat sie blind vertraut und was – wie sich zeigte – ausgenutzt worden war. Sie musste um jeden Cent streiten. Die Rechtslage hatte sich zwischenzeitlich geändert und nachehelicher Ehegatten-Unterhalt stand ihr so nicht mehr zu. Sie musste aus dem Haus raus, in dem sie mit den Kindern lebte – auch weil er sie gelinkt hatte. In ihren alten Job konnte sie nicht wieder einsteigen. Ihr blieb nicht viel übrig und musste mit Anfang 40 eine komplett neue Ausbildung anfangen. Während sie in der nächsten Abhängigkeit hing: Sie zog sehr schnell mit ihren Kinder mit dem neuen Partner zusammen.

Versteht mich nicht falsch: Ich finde es toll, wenn sich zwei Menschen zueinander bekennen und füreinander sorgen wollen, bis das der Tod sie scheidet. Ich finde es aber ganz und gar nicht toll, dass die staatliche Ehe dazu führt, dass Frauen (ja, in der Regel sind es Frauen) (berufliche) Chancen, Karriere, finanzielle Unabhängigkeit und Sicherheit aufgeben bzw. um diese gebracht werden. Ehen, in denen beide Geld verdienen, sollten per se IV/IV besteuert werden. Steuerklasse V ist eine Unverschämtheit. Männer, die ihren Frauen einreden, dass III/V die bessere Wahl sei, sind unverschämt***: „Weib, Deine Arbeit ist nicht so viel wert wie meine, daher ist auch egal, was am Ende dabei rausspringt“. Edit: Maximal wenn es ums Elterngeld geht, merken Frauen, welche Auswirkungen III/V haben kann. Aber dann ist es meistens schon zu spät, weil _sie_ danach ja eh kürzer treten will und so in die nächste Falle tappt: weniger Rentenpunkte (ja, III/V hat keine direkte Auswirkung auf den Rentenanspruch). Es ist ein Trauerspiel.

Und – und das ist vermutlich eine sehr akademische Sicht – ich frage mich: Aus welcher finanziellen Situation kommen die beiden Partnerinnen, dass sie unbedingt Steuerklasse III/IV brauchen?! Entweder habe die beiden bereits zusammen gelebt und kamen mit I/I (IV/IV ist ja das Gleiche) aus oder sie haben noch nicht zusammengelebt, dann wird das Leben durch gemeinsame Wohnung etc aber idR tortzdem günstiger, sodass IV/IV ausreichen müsste.

Ja, ich weiß, dass nicht nur die Steuerklasse in die staatliche Ehe „zwingt“. Es sind auch verschiedene Rechte: Auskunft im Krankheitsfall, Erben (mehr fällt mir gerade nicht ein).

Wer wegen Kindern heiratet, der sei gesagt: Lasst es. Das braucht es nicht. Mit Vaterschafts- und Sorgerechtserklärung seid ihr eh für immer bis zum 18. Lebensjahr**** des (jüngsten) Kindes aneinander gebunden. Da hilft auch keine Scheidung. Und denkt bitte daran: Ob ihr schon verheiratet seid oder eben nicht, wenn ihr Kinder bekommt, ändert sich steuerlich bzw. finanziell gar nichts. Auch daran sieht eine, dass die staatliche Ehe mit Steuerklasse III/IV nicht dafür gedacht ist, um Familien zu fördern, sondern um Frauen vor allem langfristig im Patriachat zu fixieren.

Ich werde die staatliche Ehe nicht abschaffen, aber ich muss sie nicht unterstützen*****. Wem die staatliche Ehe – warum auch immer – trotzdem wichtig ist, der empfehle ich, sich wirklich zu informieren, was im Fall einer Trennung passiert. Was passiert, wenn der Partner (die Partnerin) womöglich verstirbt. Was die Ehe für die eigene Rente bedeutet******. Und bitte, bitte, macht – so unromantisch das auch ist – einen Ehevertrag, insbesondere wenn ihr Euch gegen IV/IV oder für eine Allein-Verdienerinnen-Ehe entscheidet, mit dem fixiert, wie der geringere Verdienst / das geringere Netto bzw. der finanzielle Nachteil der Partnerin ausgeglichen wird.

Denn im Fall der Fälle zahlt eine rosarote Brille keine Miete, keine Milch und kein Brot.

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* Impliziert „Grinchin“ gegen etwas zu sein? Wäre ich als Anti-Heirats-Grinchin letztlich doch pro Heirat?! Also, ich bin gegen dieses komische Heiraten – zumindest das offizielle mit Standesamt und so.

** Wir waren hauptsächlich verheiratet, solange ich studiert habe. Bös formuliert, könnte eine sagen, dass er mir das Studium finanziert hat. Ich denke aber, dass wir finaziell beide gut profitiert haben.

*** Denn das vermeintlich übers Jahr „verloren gegangene“ Geld, bekommen die Paare bei der Steuererklärung immer zurück.

**** oder Ausbildungsende

***** Zumal: Sollten der RB und ich heiraten, hätte das Kind keinen Anspruch mehr auf Unterhaltsvorschuss. Welch ein Hohn.

****** Denn selbst wenn die Ehe tatsächlich „bis das der Tod euch scheidet“ hält, wird es finanziell sehr schwierig, wenn die Ehepartnerin, die die höhere Rente bezieht, zuerst verstirbt – trotz Witwenrente.

Durchatmen

Durchatmen

Ups, die Pandemie ist wohl vorbei. Oder war kurzfristig vorbei. Der Mann und ich haben das wöchtentliche Wandern schleifen lassen. Wobei er ja immerhin regelmäßig zur Arbeit läuft. Ich laufe nur vom Schlafzimmer ins Bad, in die Küche und dann an den Schreibtisch. Alles innerhalb unserer Wohnung versteht sich. Nicht viel also. Wir waren vor 5 Wochen das letzte Mal wandern. Ups.

Der Mann ist dieses Wochenende (mal wieder) nicht da. Aber ich muss mich bewegen. Das kann ich ja auch ohne ihn. Bis ich heute in die Gänge komme, dauert es etwas. Dann bin ich unleidlich darüber, dass ich nicht weiß, wo ich laufen soll. Letztlich fasse ich einen Stadtwaldbeschluss. Da komme ich gut hin und da war ich schon lange nicht mehr.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig Menschen im Stadtwald unterwegs sind.

Bei Kilometer 10 (von 14) zeigte sich, dass ich seit 5 Wochen nicht mehr wandern war: Ich bekam einen veritablen Krampf in der rechten Wade . Uff. Das war sehr unangenehm. Aber immerhin bekam ich ihn gelöst und konnte entspannt weiterlaufen.

Das tat sehr gut.

Durchatmen.

Ein Abend für mich

Ein Abend für mich

Mein Heute-Ich war meinem Vor-Wochen-Ich sehr dankbar. Denn vor ein paar Wochen, als ich irgendwo in den SoMe darüber gestolpert war, hatte ich mir in meinen Kalender mit Erinnerung eingetragen, dass Justin Sullivan solo heute in Frankfurt spielen wird. Open-Air. Als ich es eintrug, dachte ich noch: Mal schauen, wie das Wetter ist und wenn es dann noch Karten gibt, gehe ich hin. Außerdem war es ja ein Solo-Konzert mit expliziten Solo-Stücken, die ich mir mal angehört hatte, und ich nicht ganz sicher war, ob ich ein Konzert nur damit gut finden könnte. Sie lassen sich gut anhören – so im Hintergrund.

Vor zwei Wochen oder so offenbarte mir der RB, dass er an diesem Wochenende nicht da sein würde. Die Info ist irrelevant, weil sie nichts mit meiner Entscheidung zu tun hat.

Ich hatte heute einen produktiven Tag – danke liebe Hormone, danke liebes Vitamin D – und war am späten Nachmittag, als mein Kalender mich an das Konzert erinnerte, auch nicht k.o. Ich fragte das Kind – rhetorisch -, ob es für ihn problematisch sei, wenn ich heute auf ein Konzert ginge. Er fragte nur, wie lange ich weg sei und hatte Pläne … die ich im Keim erstickte. Vor allem, weil ich mir recht sicher war, dass andere Eltern ihr Kinder nicht abends noch zum Kind lassen würden. Aber gut, ungestörte Zockzeit war auch ausreichend attraktiv, dass ich ausgehen durfte.

Etwas verzögert kam ich los, hatte aber Glück, dass ich just an der Haltestelle ankam, als die Bahn kam (und ich kein 15 Minuten warten musste).

Vor Ort wurden Impfzertifikat in der App und wenigstens der Perso dazu angeguckt. Was so schwer daran ist, den QR-Code vom Impfzertifikat zu scannen, erschließt sich mir nicht. Da ich eine Abendkassenkarte brauchte, die nicht personalisiert war, brauchte es Kontaktverfolgung (gemäß neuer Regelung eigentlich nicht, aber ist ja nicht verkehrt): Zu Wahl standen Luca-App (nein, einfach nein) oder profaner Zettel. Joah, was so schwer daran ist, einen QR-Code fürs Einloggen via CWA zu generieren, erschließt sich mir nicht.

Wie das heutzutage so ist, braucht es beim Konzert einen Sitzplatz. Es ist schon absurd. Vor der Pandemie habe ich sogar auf Konzerte verzichtet, wenn sie nur bestuhlt geplant waren oder ich nur noch einen Sitzplatz bekommen hätte. Nun freut sich eine, überhaupt wieder Live-Musik erleben zu können – auch im Sitzen.

Ich besorgte mir was zu essen und einen Sitzgelegenheit (der Platz ist leider etwas verwinkelt und mit Bäumen, sodass nicht überall ein guter Blick auf die Bühne möglich war und auch schon viele Tische belegt waren).

Justin fing recht pünktlich an und saß da nur mit seiner Stimme und seinen Gitarren auf der Bühne und spielte. Und war wahnsinnig präsent so allein, nur er, seine Stimme und seine Gitarren.

Und als er ein paar New-Model-Army-Songs spielte – allein -, war klar, wie sehr die Band von ihm geprägt ist – auch wenn der Sound von New Model Army mit Schlagzeug, Keyboard, Bass und zweiter Gitarre natürlich anders ist. Achja, seufz. Meine New-Model-Army-Karte für ein Konzert im November 2020 ist nun auf 2022 verschoben worden. Aber ich freue mich immer noch vor.

Die Songs von NMA und auch seine Solo-Songs erzählen Geschichten und/oder zeigen Haltung. Und so nehme ich neben toller Musik, „fucking Brexit“ und einer starken anti-nationalistischen Haltung einen inspirierenden Gedanken zur Pandemie mit:

Die Pandemie hat uns alle zu einer extremeren Version von uns selbst werden lassen. Durch die fehlenden Sozialkontakte findet weniger Reibung statt, die unsere Ecken und Kanten abmildert bzw. in Relation setzt.

Das trifft sehr auf mich zu. Ich habe das Gefühl, dass ich sonderbarer, ungnädiger, kompromissloser, eigenbrödlerischer, ungeduldiger geworden zu sein. Auch daher ist es gut, dass die Impfungen und 2G Sozialkontakte wieder möglich machen und ich muss mich noch immer überwinden.

Danke für den großartigen und inspirierenden Abend <3
Plastikfrei(er)

Plastikfrei(er)

Ich komme mir vor wie eine Nachmacherin, dabei war das schon lange geplant, ich war nur von meiner Eingenwilligkeit und Lieferschwierigkeiten ausgebremst.

Der RB hatte sich schon vor einiger Zeit neue Grätschaften zum Rasieren besorgt: Rasierhobel und Rasierseife mit Pinsel*. Um das Rasieren endlich plastikfreier** zu gestalten-. Das erinnerte mich daran, dass ich eigentlich neue Klingen brauche bzw. erinnerte mich daran, dass ich keine neuen Klingen, sondern auch einen Rasierhobel kaufen wollte. Aber gut, dass der Mann schneller war als ich, so konnte ich feststellen, dass mir die anscheinend gängige Grifflänge zu kurz ist. Dazu wollte ich dann auch noch einen Hobel „Made in Germany“. Ich hatte zwar befürchtet, dass es unmöglich wäre, diese beiden Wünsche in einem bezahlbaren Rahmen zu erfüllen, aber ich wurde fündig. Musste halt etwas warten, da das Wunschobjekt vorrübergehend nicht lieferbar war.

Noch unbenutzt, denn ich habe vor der „freien“ Klinge durchaus Respekt.

Wenn ich schon nicht bei meinem Duschgel auf plastikfrei*** umsteigen darf zur Zeit, dann wenigstens schon mal diesen Schritt.

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* mit ohne echten Dachshaaren

** mit ohne echten Dachshaaren ist halt mit echten Polyesterschweinhaaren

*** Dabei liegt hier schon was rum, weil ich so froh war, endlich ein festes Duschgel gefunden zu haben, das nicht nach RoseGurkeKokosMinzeStinkWürg riecht, sondern ganz einfach parfümfrei ist.