Danke.

Danke.

Der Tod meines Vaters und die Tage danach bzw. seitdem waren und sind ereignis- und erkenntnisreich. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass ich eine Familienaufstellung spannend finde(n könnte). Vermutlich ist es normal, dass in solchen emotionalen Ausnahmesituationen familiäre Beziehungsgrundmuster und Spannungen besonders deutlich werden. Und auch dass sich nichts schlagartig ändert an gewachsenen Beziehungsmustern, nur weil wir uns ein Erlebnis teilen.

Dennoch ist es für mich irritierend, wie nah meine Mutter und ich uns waren in den knapp 48 Stunden, nachdem mein älterer Bruder und ich endlich angekommen waren. Ich habe meine Mutter in diesen zwei Tagen so viel umarmt wie mein ganzes Leben nicht – also der Part, an den ich mich aktiv erinnere. Es war ungewohnt, aber fühlte sich nicht falsch an. Wir waren uns so nah, dass ich ihr sogar mein Tattoo gezeigt habe, das ich mir für Papa habe machen lassen. Wir waren uns auch so nah, dass sie mir indirekt eingestand, dass sie mir nie so nah war, wie mein Vater und ich es uns waren*.

Als ich dann erstmal wieder nach Hause fuhr, vereinbarte ich mit meiner Mutter, dass ich drei Tage drauf wiederkäme. Mit dem Kind. Damit sie die Tage vor der Beerdigung nicht alleine ist. Aber ich spürte auch, dass ich das Kind und den RB um mich brauchte. Und ums Kind musste ich mich auch kümmern: Dem hatte ich bislang nur per Videoanruf vom Tod des Opas erzählt. Das war natürlich suboptimal. Auch wenn der RB alles tat, um das Kind aufzufangen.

Die zwei Tage zu Hause taten gut nach den beiden Tagen im emotionalen Ausnahmezustand**. Das Kind brauchte dringend Beistand beim Trauern. Ich brauchte Normalität. Ich arbeitete sogar ein bisschen. Mein Vater hätte es auch so gemacht.

Als das Kind und ich wieder bei meiner Muter waren, war sie wieder da, die Distanz, die uns seit jeher begleitet. Kurzfristig fragte ich mich, warum ich überhaupt so viel vor der Beerdigung gekommen bin. Ich fühlte mich wie ein Fremdkörper. Und womöglich war ich das für meine Mutter auch: Ein geschäftiger, nicht trauernder Fremdkörper, der Dinge erledigt, die erledigt werden müssen. Ich weiß, dass es ihr gut tat, dass ich Dinge einfach gemacht habe, aber mein vermeintlichens Nichttrauern wirkte womöglich befremdlich. Es ist schwer zu beschreiben, aber es war klar, dass ich in diesen Tagen meiner Mutter den Rücken freihalten wollte und auch konnte. Dass ich diese Tage nicht zum Trauern brauchte. Ich brauchte auch die Beerdigung nicht zum Trauern oder zum Abschiednehmen.

Ich trauere nicht bzw. nur wenig nach Außen. Dadurch wirke ich sehr sachlich, kühl und emotionslos.

Nicht, dass ich nicht geweint habe. Mich hat es bei der Abschiednahme in der Trauerhalle zerrissen. Dabei habe ich es gar nicht lange in der Trauerhalle ausgehalten. Ich wollte eigentlich gar nicht rein. Aber es war gut. Ich habe lange und heftig weinen müssen. Allein.

Es gab immer wieder Momente, die mir die Tränen in die Augen trieben. Vieles davon sind geschriebene Momente. Besonderes schön-traurig war die Nachricht einer Tweep, die mir schrieb, dass ein Buch meines Vaters sie durch das Studium begleitet hat. <3 Es tut so gut zu wissen, dass sein Schaffen Spuren hinterlassen hat.

Mit ausgesprochenen Beileidsbekundungen hingegen kann ich nur schlecht umgehen. Sie wirken auf mich so floskelhaft – auch wenn sie das natürlich nicht sind. Der Papa vom RB brachte es auf den Punkt, als der RB ihm vom Tod meines Papas erzählte: „Liebe Grüße an B. und was man so sagt. Du weißt schon.“

Wenn ich daran denke, dass Papa nicht mehr da ist, ist das komisch. Und ich denke, wie unfair dieser Schlaganfall war. Was er Papa genommen hat. Und ich sehe Bilder aus der Zeit, auf denen er zuversichtlich lächelt. Er hat sich nicht unterkriegen lassen. Er hat immer daran geglaubt, dass noch was Gutes kommt. Er hat immer nach vorne geschaut. Sein ganzes Leben lang.

Ja, ich bin „seine“. Ich habe viel von ihm – neben einer latent „preußischen“ Grundhaltung*** halt auch seine Zuversicht. Und vielleicht sieht meine Trauer deswegen so anders aus: Ich trauere nicht, dass er gehen musste, sondern bin froh und dankbar für die Zeit mit ihm, für das, was er mir mit auf den Weg gegeben hat.

Danke, Papa.
Für alles.

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* „Du warst immer seine. Da konnte ich loslassen. Er war so stolz auf Dich. Und er hat Dich so lieb gehabt.“

** nicht nur wegen des Todes meines Vaters, sondern vor allem auch wegen der Konstellation vor Ort.

*** Dinge, die getan werden müssen, werden getan. Ohne Murren.

Rund um die Ronneburg

Rund um die Ronneburg

Lockdown, Tag Drölf Million 66

Gestern drehten der RB und ich schon eine Runde im frühlingsmilden Wetter. Hachz, das fühlt sich schon ganz anders an. Es ist erstaunlich, wie sehr sich sogar auf mich, die große Winterliebhaberin, dieser Wetterunterschied auswirkt. Die Trägheit der letzten Tage ist wie weggeschmolzen. Und weil die Runde gestern nur eine kleine durchs Viertel war, war klar, dass wir das superkalifragilistikexpialigetische Wetter nutzen müssen und wollen. Und weil ich nach Etappe 3 oder so von der Hohen Straße überlegt hatte, dass wir den alten Handelsweg auf jeden Fall bis Büdingen nachlaufen (bevor wir uns was Neues suchen). Zwei Etappen fehlen uns noch. Heute war eine davon dran. Der Ausgangspunkt hätte auch die Ronneburg sein können, aber mein innerer Monk versucht immer so anzuknüpfen, dass wir direkt da weiterlaufen können, wo wir zuvor die Hohe Straße verlassen haben. Daher ging die Tour quasi rund um die Ronneburg.

Dieses Wetter tat so gut. Nur mit dem RB allein tat so gut. Auch mal wieder deutlich über 10 Kilometer (15 Kilometer) zu wandern, tat gut. Jetzt fehlen uns nur noch 7,5 der insgesamt 38,3 Kilometer von Frankfurt nach Büsingen.

Das Essen bestellten wir auf der Fahrt und holten es auf dem Weg nach Hause ab. Das war gut. Das Abholen und das Essen. 😉

Morgen fängt der Wechselunterricht an. Das Kind ist darüber höchst ambivalent. Zum einen fehlt es ihm wirklich, andere Kinder zu sehen. Zum anderen hat er arber Angst, weil wer seine Pappenheimerinnen kennt und jede einzelne, die sich nicht richtig an die Pandemieregeln hält, für ihn ein großer Stressfaktor ist.

Eine Narbe bleibt

Eine Narbe bleibt

Am 28.1. wollte ich noch schnell FFP2-Masken im Backofen aufbereiten. Ich griff schief in den Backofen und da machte es schon „zisch“ und ich hatte mir eine ordentliche Brandwunde an der Hand zugegezogen. Zum Glück war der Backofen „nur“ 80 °C heiß. Dennoch roch es verbrannt.

Das war gegen 13h10.

Drei Stunden später machte mein Vater seinen letzten Atemzug.

Die Wunde blieb. Ich spürte sie ständig. Ich spüre sie immer noch.

Trotz Wund- und Brandgel zickte die Wunde rum. Entzündete sich leicht. „Da wird eine veritable Narbe bleiben“, dachte ich.

Am Samstag haben wir meinen Vater beerdigt.

Meine Wunde ist deutlich verheilter.

Aber eine Narbe wird bleiben.

Nicht nur auf der Hand.

Glück in weiß

Glück in weiß

Lockdown, Tag 38

Sonntag ist Wandertag. So will es das Pandemiegesetz. Und gestern war klar, dass es heute schneien soll. Also in den höheren Lagen Schnee und bei uns inne Stadt halt Matsch. So war es auch beim Aufstehen: Schneematsch vor der Tür. Wie es Richtung Taunus aussah, konnte ich natürlich nicht sehen. Aber ich hatte zwei Touren ebenda geplant. Das Kind wollte nicht mit (und Spoiler: Es war gut so. Er hätte sehr geflucht.). Nur mit dem RB unterwegs zu sein, ist ja auch ganz schön.

Ich haderte kurz mit meiner #ZeroHose-Politik, probierte die Schneehose an und war wieder geheilt. Auch hier ein Spoiler: Die doppelten Thermoleggings, der Rock und der Fuktionsmantel haben wirklich gut warm gehalten. (Für die Beine könnte ich bei noch mehr Schnee über wasserdichte Gamaschen nachdenken.)

Und falls ich es noch nicht erwähnt habe: Schneeeeeeee <3 So viel Schnee. Schnee macht mich wirklich wirklich glücklich. So glücklich, dass ich den wirklich steilen Aufstieg (3 Kilometer, tw. 19 % Steigung) auch nur ein kleines Bisschen schlimm fand und gar nicht geflucht habe (das Kind hätte spätestens nach 500 Metern gestreikt – trotz Schnee).

Ich hoffe, wir werden noch ein paar Schneetage habe. Ich muss noch ein bisschen weißes Glück tanken. Das war so schön.

(Schön war auch, dass Kassiopeia leckerste Kartoffelsuppe gekocht hatte, während wir wanderte. Genau das richtige Essen nach so einer Wanderung.)

Haushalten

Haushalten

Lockdown, Tag 35

Ich muss haushalten. Mit meinen Kräften. Deswegen werde ich erstmal nur noch unregelmäßig bloggen. Wenn ich wirklich Zeit und Muße habe.

Ich schlafe schlecht. Das liegt vermutlich an vielem, aber insbesondere auch daran, dass ich so wenig rauskomme. Aber Rausgehen ist mit viel Aufwand verbunden derzeit: drölfzig Schichten, damit eine nicht friert. Ja, ich sollte es machen. Sauerstoff wäre meiner Konzentration sicherlich auch zuträglich. Aber dann denke ich wieder: Wenn ich schon so schlecht schaffe, dann kann ich nicht auch noch ne Stunde für Rausgehen verplempern. Und irgendwie ist das ein Teufelskreis. Ein Teufelskreis ist auch, dass ich wegen schlechtem Nachtschlaf am späten Nachmittag so k.o. bin, dass ich mich für eine Stunde oder so hinlege. Tja und dann kann ich nachts natürlich auch nicht (besser) einschlafen. Wenigstens hier habe ich heute hoffentlich gebremst: Obwohl die Nacht wirklich grottenschlecht war, habe ich am Abend nicht geschlafen.

Die Pandemie zeh/rrt weiter an uns. Das Kind ist unleidlich und unmotiviert. Wir geraten im HomeSchooling sehr aneinander (heute nicht und er hat festgestellt, dass sich das gut anfühlt und dass es sich auch gut anfühlt, Aufgaben wegzuarbeiten). Er vermisst seinen Pre-Pandemie-Alltag: Fahrten nach Frankreich, Familie, Rugby, Bouldern und sogar Schule. Ja, wir sind soweit, dass er es nicht mehr besonders toll findet, nicht in die Schule gehen zu müssen.

Wir wandeln auf einem Grat, an dem sowohl rechts als auch links der Lagerkoller lauert. Ich hoffe, dass es noch so lange gut geht, wie es gut gehen muss.

Noch bin ich guter Dinge, dass wir, also der RB, das Kind und ich – ohne langfristigen (die Autokorrektur schrieb „langfrustigen“) Schaden durch die Pandemie kommen. Aber dafür müssen wir hier gut auf uns aufpassen – und auch jede auf sich.

Und obwohl ich den Winter – vor allem mit Schnee – sehr liebe, sehne ich mich sehr nach Frühling, nach Leben draußen. Selbst wenn dann immer noch Pandemie ist (was sicher so sein wird), lässt sich mit Licht, Frühlingsluft und Sonne einiges besser ertragen.

Und bis dahin haushalte ich mit meinen Kräften…

Schnee

Schnee

Lockdown, Tag 32

In der Nacht schneite es schon. Yeah. Beim Aufstehen lag das weiße Glück immer noch. Da war auch vergessen, dass ich mal wieder grottenschlecht – der verdammten Heizung sei dank – geschlafen. Spätes Frühstück. Dann zog der Schnee das Kind in den Park (jaja, vermutlich nicht 100 % pandemiekonform) und den RB und mich in den nördlichen Grüngürtel. Ein schöner Spaziergang durch den Schnee.

Unabgesprochen kamen wir alle fast zeitgleich wieder zu Hause an. Zum Aufwärmen gab’s Waffeln.

Dann machte ich mit dem Kind HomeSchooling. Es war klar, dass die erste Woche nicht ganz rund laufen würde hinsichtlich Lernen in häuslicher Umgebung. Selbstorganisation will halt gelernt werden.

À propos: Weil ich Freitag so furchtbar unproduktiv war, musste ich eine Nachtschicht einlegen. Sonst erschlägt mich mein To-Do-Liste nächste Woche.

Unproduktiv, sehr.

Unproduktiv, sehr.

Lockdown, Tag 30

So einen unproduktiven Tag hatte ich schon ewig nicht mehr. Ich habe nix, gar nichts, gebacken bekommen.

Das wenige Sinnvolle an diesem Tag war, dass ich dem Kind die Hausaufgaben gescannt und beim Upload assistiert habe. Dass ich im Kanninchenbau „Bücher und DVDs ausmisten“ verloren gegangen bin. Dass ich gekocht habe.

Vor der Twitterkneipe spielten wir eine Runde Carcassonne mit dem Kind. Danach gab es eine Runde Gruppenkuscheln und siehe da, das Kind schlief geisterfrei ein.

Der bleiche Hai

Der bleiche Hai

Noch im letzten Jahr, kurz vor den Ferien, als schon die Präsenzpflicht ausgesetzt war, hatte das Kind einen Kontrolltermin beim Kieferorthopäden. Soweit alles ok, aber er hatte einen gelben Zettel dabei, auf dem der Kieferorthopäde eine Zahnäztin kollegial um die Entfernung eines Milchzahns bat. Wie schon an anderer Stelle kam der bleibende nicht unter dem Milchzahn durch, sondern davor (oder hinter oder neben – je nach Blickwinkel halt). Mein kleiner Hai halt.

Das stresste mich kurzfristig, denn zum einen haben wir Pandemie und zum anderen hat das Kind keine feste Zahnärztin. Er war zweimal mit bei meinem, aber a) den will ich wechseln, b) ist der 30 Minuten Fahrzeit weg und das ist mir aktuell zu viel Gegurke (auch der Grund für a). Ich grübelte und befragte den Twitterschwarm, konnte mich aber nicht entscheiden.

Weihnachten kam. Silvester verging. Ich fing wieder an zu arbeiten. Beim Teekochen ließ ich meinen Blick durchs Fenster über die Straße schweifen.

„Ach, stimmt ja“, denke ich „da drüben ist ja auch eine dentalmedizinische Praxis.“ Nein, das ist nicht neu für mich. Seit über acht Jahren kann ich in ein Behandlungs- und das Wartezimmer gucken. Ich war sogar einmal da. Aber da die damals keine PZR anboten, bin ich bei meinem „alten“ Zahnarzt geblieben.

Lustig, wie blind eine wird für Dinge, die direkt vor ihrer Nase stattfinden.

Heute war der Termin. Das Kind war aufgeregt, weil er halt bislang nicht regelmäßig zur Zahnärztin gegangen ist (weil es in Hessen? zumindest in Frankfurt Schulzahnärztinnen gibt – auch an der weiterführenden Schule) und weil klar war, dass etwas gemacht werden müsste (er hat super Zähne und kein Karies, sodass außer dem kieferorthopädischen, kein dentalen Eingriffe bisher nötig waren).

Der Zahnarzt war nett, setzte eine lokale Betäubung und holte dann recht flux den Zahn raus.

Das Kind stand auf und … war recht bleich um die Nase.

Gut, dass der Heimweg nicht so weit war.

Schnaps…

Schnaps…

…zahlen-Geburtstag. Heute.

Üblicherweise mache ich einmal im Jahr bei 12von12 mit, nämlich im Januar. An meinem Geburtstag. Und eigentlich wollte ich es auch heute so machen. Aber … es war einfach zu viel bzw. dadurch zu wenig Fotogenes los.

#1: Der RB hat gebacken (ich werde mich noch daran gewöhnen, dass er jedes Jahr ein anderes Rezept probieren will)

#2: Twitter verheißt beim Aufstehen eine Tatsache, die ich kaum zu hoffen gewagt habe: Schnee. Ich traue mich fast nicht den Rolladen zu öffnen, aber … tadaaaa …

Ich gebe hiermit zu Protokoll: Schnee an meinem Geburtstag gab es seit Jahren nicht mehr. Das ist ein gutes Zeichen!

Danach ging ich duschen und hübschte mich auf, denn ich hatte – trotz Geburtstag – diverse Kundentermine und direkt um 10h00 die erste Videokonferenz

#3: Symbolbild für den Tag. Ich hing von 10h00 bis 13h00 in Videocalls und von 15h00 bis 16h30 nochmal.

#4: Mittagspause – mit Kind, RB und Kuchen

Gegen 17h00 erlaubte ich mir den Rechner auszumachen. Ich skypte mit meiner Mutter (und kurz mit meinem Vater). Es tut gut zu sehen, wie gut meiner Mutter der Umzug getan hat. Dann bestellen wir Geburtstags-Wunschessen:

#5: Koreanisch – nomnomnom

Vor der Geburtstags-Twitterkneipe musste ich mich dann kurz hinlegen. Dann war ich ausgeruht, um (zu) lange durchzuhalten.