Beherrschung

Beherrschung

Es hat mich heute sehr viel Beherrschung gekostet, bei Kilometer 28 nicht ganz laut zu fluchen. Ein paar Meter zuvor hatte es sich schon angekündigt. Der rechte Oberschenkelmuskel machte Andeutungen, ziemlich gleich zuzugehen (ich bin mir nicht sicher, ob das ein Krampf ist, es fühlt sich anders an). Also machte ich den Fuss aus dem Cleat, um das Bein auszuschütteln. Doch dabei deutete der linke Oberschenkelmuskel an, ebenfalls gleich zuzugehen. Gut, dass der rechte Fuß schon vom Pedal gelöst war. Vermutlich wäre ich sonst vom Rad gefallen, denn beide Muskel waren in dem Moment, in dem ich zum Absteigen bremste, zu. Da ging gar nichts mehr. Irgendwie kam ich vom Rad und dann musste ich warten. Vorsichtig massieren. Kleine Bewegungen. Trinken. Essen. Vorsichtig massieren. Kleine Bewegungen. Nach ein paar Minuten ging es dann wieder. Ich schob das Rad den Rest der kleinen Steigung hoch und schwang mich dann wieder aufs Rad. Ich versuchte, nicht zu viel zu powern. ABER dabei kann ich mich halt nur schwer beherrschen. Da war es ganz gut, dass bei Kilometer 32 eine U-Bahn-Haltestelle war, an der ich in „meine“ U-Bahn eingesteigen konnte. Es war zwar nur eine Haltestelle weit, aber es ersparte mir die Ansteigung nach Hause. (Zum Glück kann ich mich dahingehend mittlerweile gut beherrschen, dass ich niemandem was auf dem Rad beweisen muss.)

Aber ansonsten war es eine tolle Tour.

Prost, Papa!

Prost, Papa!

Die Sorgen waren schon groß in den letzten Wochen, seitdem mein Papa mit Lungenentzündung ins Krankenhaus gekommen war. Die Betonung liegt auf Kranken-Haus, denn nicht nur meine Mutter hat sich einen Infekt dort eingefangen, sondern mein Vater ist auch noch im Krankenhaus gestürzt – als eine Schwesternschülerin ihn begleitet hat – und auch sonst wurd überhaupt nicht wirklich darauf geachtet, welche pflegerischen Sonderleistungen mein Vater als Schlaganfallpatient benötigt. Hinzu kam, dass er durch den Infekt körperlich stark abgebaut hatte, sodass er Hilfsmittel benötigte, für die sich letztlich aber niemand zuständig fühlte. Abgesehen vom auskurierten Infekt kam er in einem deutlich desolaterem Zustand aus dem Krankenhaus als er eingewiesen wurde. Aber es heißt halt Kranken- und kein Gesundheitshaus. (Und ja, ich weiß, dass das Personal am wenigsten für die gruselige Versorgungslage kann.)

Nach den Telefonaten mit meiner Mutter, zusammen mit der Erinnerung an seinen Zustand im Februar drehte sich das Gedankenkarussell* immer wieder und wieder. Tränen flossen auch.

Meine Mutter war gestresst. Sie organisiert ALLES für meinen Vater. Und das wäre unter besten Umständen schon ziemlich viel. Aber auch unser Gesundheitssystem krankt und so muss sie sich mit unwilligen Ärztinnen rumschlagen, die nötige Therapien nicht verschreiben wollen – sei es aus Regressangst**, sei es, weil sie meinen, dass ein Mensch von 72 Jahren so eine umfangreiche Therapie nicht mehr braucht*** -, sie telefoniert deswegen und wegen tausend anderer Dinge mit der Krankenkasse, sie kümmert sich um Ersatz für die unwilligen Ärztinnen, macht Termin mit diversen Therapeutinnen und übernimmt ganz nebenbei auch komplett die Pflege meines Vaters. Das ist natürlich großes Glück für meinen Vater und wer weiß, wie all das liefe, wenn sie nicht mittlerweile verrentet wäre.

Sie ist so nah an meinem Vater wie sonst niemand anderes. Ihre Berichte über ihn beschönigen nichts (mehr), aber Drama war noch nie ihrs. Daher war nach den letztes Telefonaten mit ihr klar: Meinem Vater geht es sehr schlecht.

Entsprechend wichtig war es mir, ihn zu sehen. Entsprechend mulmig war mir aber auch.

Gedankenkarussell.

Heute dann fuhren der RB und ich hin. Und schon bei der Begrüßung war klar: Papa ist viel besser drauf als erwartet. Der Händedruck (ja, mein Vater möchte per Handschlag begrüßt werden – und wenn er nicht gerade hilflos rumliegt, ist alles andere auch völlig fehl am Platz) war kräftig wie noch nie seit dem Schlaganfall. Er war wach und fit und sah für seine Verhältnisse sehr gut aus. Er beteiligte sich so gut es die Aphasie zuließ an unseren Gesprächen. Er aß mit großen Appetit Grie Soß. Kurzum: Puh! Aufatmen.

Prost, Papa! Auf Dich, aufs Leben!

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* Manche davon kann ich (noch) nicht aussprechen.

** Was bei Schlaganfallpatientinnen Quatsch ist, da diese idR außer Budget laufen.

*** O-Ton: „Er ist ja keine 22 mehr und schon verrentet.“

Balkonliebe

Balkonliebe

Wenn ich nicht so piensig wäre, wenn es darum geht, meine Hände in irgendwelche feucht-weiche Materialien zu stecken, dann hätte ich heute tiefschwarze Fingernägel.

Aber weil ich auch beim Gärtnern weitestgehend Handschuhe trage, hielt sich die Verdreckung meiner Nägel in Grenzen. Obwohl ich den ganzen Nachmittag in Erde gewühlt habe.

Schon eine lange Weile ohne Lack. Aber sonst könnte eine das bisschen Arbeit gar nicht sehen.

Dafür haben wir jetzt aber den Balkon schön. Sehr schön. Alles ist um- und/oder eingetopft.

Wein habe ich auch gesetzt …
… ähm … also einen Rieslingstock, den der RB als „Gage“ bekam, habe ich eingepflanzt.

Haachz, der Balkon ist so toll. Ich freue mich schon auf den Sommer, aufs BalkonOffice, auf noch mehr Grillen, auf eigene Erd- und Himbeeren, auf lange Abende im Strandkorb.

(Und viel heißer als es jetzt schon ist, muss es nicht werden. Nur abends noch etwas wärmer.)

40

40

40 ist die neue Dreißig. Oder ist 30 die neue Vierzig? Naja, egal, auf jeden Fall waren der RB und ich heute 40 Kilometer unterwegs, von denen wir 30 Kilometer auf dem Rad selbst verstrampelt haben. Die übrigen zehn sind wir drei Stationen mit der RB gefahren – also der RB von der Bahn (herrje, das fällt mir ja jetzt erst auf, dass es da eine Konfusion geben könnte, naja, immer noch besser als die Abkürzung für seinen Laden). Auf jeden Fall war es ein sehr schöner Nachmittag bei bestem Wetter. Das fand Scott auch, der un.be.dingt mit wollte und das Glück hatte, dass ich immer noch die Lenkertasche habe.

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* Das Internet (und der Muggle) sind nicht im Bild. Dafür das Deutsche Goldschmiedehaus.

Ich bin nicht aggressiv

Ich bin nicht aggressiv

Orrrr *schimpf* *mecker* *fluch* ja, meine Laune war schon den ganzen Tag subptimal*, aber bis ca. 15h30 noch in Ordnung. Es hatte mich etwas genervt, dass ich etwas zu lange geschlafen habe (war wohl nötig), dann hatte aber der RB schon Brötchen besorgt hat und Tee ja eh schon ans Bett gebracht, da konnte ich ja schon nicht mehr genervt sein. Dann hatte ich aber doch Hummeln im Hintern und wollte ein paar Dinge fertig machen. Gemütlich frühstücken geht mit mir so nicht. Ich wurschtelte so vor mich hin, der RB ebenfalls. Dann klingelte das Telefon: längere Besprechung. Um 13h30 unterbrachen wir wegen Hunger und so. Betonung auf „unterbrachen“, denn nach dem Essen sollte es weitergeführt werden. Um 15h30 immer noch kein Rückruf. Orrrrr, ich wollte doch zum Märktchen fahren, aber ich brauche noch Feedback zu einer Sache und eigentlich sollte die Besprechung auch noch weitergeführt werden. 17h00 Anruf: Besprechung heute nicht mehr, Feedback zur der einen Sache kommt noch. KEINE Entschuldigung dafür, dass ich meinen Nachmittag für nichts freigehalten habe**. Aber fimpschig reagieren, wenn ich sage, dass wir am Dienstag NUR morgens telefonieren können. Danach war meine Laune im Keller. Und ich hätte wen fressen können, wäre wer dagewesen. Ein Hoch auf das HomeOffice! 17h15 kam das ersehnte Feedback, was mich nochmal Nerven kostete und darin endete, dass ich das Projekt erst nach 18h00 abschließen aka rausschicken konnte. Ich war zu dem Zeitpunkt sooooo genervt, dass klar war, dass ich heute nicht mehr unter Leute sollte. Ich wurschtelte noch an einem anderen Projekt und dann war klar: Wenn ich mich heute nicht mehr bewege, also turne, dann finde ich vermutlich doch noch in den Nachrichten statt. Die Energie reichte dann auch für ein 45-Minuten-Programm.

Und jetzt (22h15) muss ich unbedingt was essen, sonst bekommt der RB gleich doch noch Laune ab, obwohl er es nun gar nicht verdient hat.

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* Joah, die Zyklus-App meint, sie können das auch begründen. Pah, ich lass mir doch nicht von so ein paar Hormonen nicht die Laune bestimmen. SO.WEIT.KOMMT.DAS.NOCH!!! Orrrrr

** Ich hätte wenigstens zwischendurch mal turnen können.

hmhmhm

hmhmhm

Wenn ich mal endlich Ruhe und Muße hab, schreibe ich mehr zu

und

Bis dahin suche ich meinen Kreislauf und meine Fitness (vielleicht hilft auch einfach richtig schlafen), arbeite und esse lecker mit dem RB.

Endlich angespargelt

… und auch angegrillt

Neustart

Neustart

Großes Mööööp für mein Gesportel. Das habe ich nämlich ganz schön lange schleifen lassen. Das fing schon im Sommer an, als es so heiß war. Da konnte ich nämlich vor lauter Hitze nicht sporteln. Das hätte mein Kreislauf doof gefunden. Außerdem habe ich noch drölf Millionen andere Ausreden, die ich gar nicht erst aufführen muss, weil eben Ausreden. Denn zum Teil gelten die auch für den nicht mehr so heißen Herbst und gar nicht mehr heißen Winter. Irgendwie bin ich aus dem Tritt gekommen und dann hat auch noch der Schweinehund den Plan gefressen. Und das Ende vons Janze?! Die Hosen kneifen. Letzte Woche war es aber ganz arg: Krank lag ich rum und fühlte mich wie eine dicke weiße Made. Und so sehnte ich es herbei, dass ich mich wieder fit(ter) fühlen würde, um endlich wieder meine Youtube-Video-Auswahl nachzuturnen.

Heute dann also.

Yeah!

(Und dann muss ich auch wieder aufs Rad.)

Sonntag

Sonntag

„Euer Montag ist mein Sonntag“, pflegt der RB zu sagen. Denn der RB arbeitet oft auch am Sonntag. Nur am Montag ist sein Laden immer zu. Aber frei hat er deswegen noch lange nicht.

Heute hatte er quasi HomeOffice. Ausnahmsweise mal weniger Bürogedöns, sondern Verkostung. Tja, und da muss ich dann auch mit ran: Es gab 7 Weine und 3 Ginse. Und wer jetzt an einen illustren, feuchtfröhlichen Abend denkt, liegt falsch. Denn 10 alkoholische Getränke so zu konsumieren, dass eine noch etwas schmeckt, erfordert Konzentration und SaufTrinkkontrolle (wenn was schmeckt).

Generell gilt für mich bei Wein: Schmeckt oder schmeckt nicht. 1-2 Schlucke reichen aus, um dieses Urteil zu fällen. Dem RB geht es aber auch nicht darum, dass ich ihm fancy Tastingnotes präsentiere, sondern einfach sage, was ich meine. Wobei das oft nicht (verbal) nötig ist, denn wenn ich was im Mund habe, kann ich meine Gesichtskirmis nicht kontrollieren: Eine sieht mir direkt an, ob ich was mag oder nicht. Vermutlich wird mich der RB auch nie mit zu einem Weingut nehmen deswegen. Außerdem habe ich einen recht eingeschränkten Weingeschmack. Bei Weißwein am liebsten nur die Rieslinge von Dalgaard&Jordan. Bei Rotwein bin ich etwas offener. Aber im Holz ausgebaute Weine sind eigentlich nie was für mich.

Bei Gin bin ich viel offener und gebe jedem eine Chance. Manche gehen für mich nicht, aber das sind die wenigsten. Generell stehe ich aber auf Gin, der auch danach schmeckt, also mit einer ordentlichen Wacholdernote und gerne ein paar spannenden Botanicals. Er sollte pur gut schmecken. Mit Tonic* wird es bei mir mittlerweile immer schwieriger.

Beim Verkosten heute mussten wir die 3 Ginse erst pur verkosten. Klar. Dann mit Tonic, denn die Kundinnen wollen wissen, welches Tonic dazu passt. Also eine Runde mit dem Allrounder*: Passt das gut, oder was macht es mit dem Gin? Welches andere Tonic könnte besser passen? Und weil sich zwei der drei Ginse nicht mit dem Tonic vertrugen, gab es eine zweite Runde mit einem anderen Tonic. Wieder schmecken: Wie passt es jetzt und was macht es mit dem Gin?

Die Oliven fand ich ganz angenehm zum Neutralisieren**.

So ein Abend ist natürlich nicht total dröge, aber es hat auch nicht so viel mit Genuss zu tun.

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* Tipp für ein gutes universelles, nicht teures Tonic: das graue von Schweppes

** Aus dem Neutralisierungsmaterial zwischen verschiedenen Ginsen kann eine auch eine Wissenschaft machten. Natürlich ist Weißbrot deutlich neutraler als Oliven.***

*** Zwischen Whiskys wird in einigen Destillerien kandierter Ingwer zum Neutralisieren angeboten.

Wiedergeburt

Wiedergeburt

Ich habe schon im Vorfeld den RB aufgezogen, dass der heutige Hauptact wie Ramones klingt. Was jetzt noch nicht einmal despektierlich gemeint ist. Immerhin waren Ramones der Anfang meiner musikalischen Sozialisierung. DamalsTM – vor 30 Jahren – waren das die erste Platten*, die ich mir von einem Klassenkameraden** (Benutzt noch wer das Wort?! Ich bin echt alt.) lieh, um sie auf Kassette zu überspielen.

So richtig lang hat meine Ramones-Begeisterung nicht gehalten. Zumindest nicht so, dass ich mir später eine Ramones-CD gekauft hätte. Aber wenn es irgendwo läuft, höre ich es ganz gern.

Heute also zog es uns nach Weinheim, um halt Ramones äh Red London zu sehen und hören.

Red London***: Die Skinhead-Wiedergeburt der Ramones

Da ich Ramones ja nie live gesehen habe, war ich mit der Reinkarnationsversion durchaus zufrieden. Aber es war wohl mein erstes Konzert, bei dem ich die Vorband**** besser fand.
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* ja, noch Vinyl

** Der sitzengeblieben war und in dessen Zwillingsbruder ich lange verliebt war*****

*** Sänger, Bassist und Drummer. Die Gitarristen waren von der Vorband geliehen.

**** The Almighty Uprisers

***** Quasi erfolgreich: Er war mein erster Knutschpartner und später auch mein erster Freund.

Sieben

Sieben

Sieben ist nicht acht. Das ist blöd, denn heute habe ich sieben Knoblauchzehen in ein Essen für acht Personen gemacht.

Vermutlich wird mein Monk sehr schlecht schlafen.