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Monat: März 2021

Digitale Demo

Digitale Demo

Ich dachte echt, ich lese nicht richtig, als ich das Ergebnis von dieser Aktion sehe.

Fazit:

Die Politik‘ ist sich überhaupt nicht bewusst, dass es da draußen Menschen gibt, die nicht nach Lockerung sondern nach einer Lösung im Bezug auf die Pandemie gieren, dass es Unternehmer gibt, die nicht nur ‚öffnen, öffnen, öffnen‘ rufen, sondern lieber das Virus besiegen wollen. Die Quer’denker‘ und Öffnungsfetischisten bestimmen nach meinem Eindruck den Diskurs innerhalb der Politik.

Unter welchem Stein leben die Politikerinnen? Oder sind wir, die wir die Pandemie und die daraus resultierenden Kontakteinschränkungen ernst nehmen, wirklich nicht sichtbar? Tja, wie auch. Demos fallen ja wegen Kontaktbeschränkungen und Abstandhalten aus. Zumindest überlegt sich derzeit jede, die ansatzweise versteht, dass die Pandemie kein Spaß ist, mehrmals, ob sie wirklich auf eine Demo gehen will.

Wie also sichtbar werden?!

Die jeweiligen Mitglieder von Bundes- und Landtag kann eine sehr einfach ergoogeln. Und dann ran an die Tasten. Ich hatte es gestern schon versucht, aber mir fiel nichts ein, was nicht unflätig gewesen wären und „Euch brennt doch der Hut“ war dabei noch das Freundlichste. Heute beim Frühstück kamen mir dann ein paar Fragmente in den Sinn, die ich erstmal grob notierte. Dann töckelte ich zwischen Frühstückende und Start zur heutigen Wanderung meine Gedanken zusammen und verschickte sie dann an „meine“ MdB und LdB. Auch an unsere Bundeskanzlerin schickte ich eine Nachricht, die sich in vielen Teilen gleich war zu denen an die anderen.*

Der Brief ist nicht perfekt und ich wollte auch nicht „zu viel“ Fässer aufmachen, aber vielleicht dient er der einen oder anderen zur Inspiration:

Sehr geehrte XXX,
ich wende mich an Sie als „meine“ Bundstags-/Landtagsabgeordnete. Meine Anliegen: Der Umgang mit dem Pandemiegeschehen in Deutschland. Seit gut 13 Monaten haben wir Pandemie. Seit gut 13 Monaten arbeite ich im HomeOffice. Ich werde – solange die Infektionszahlen nicht auf ein Minimalniveau gesunken sind – auch weiterhin im HomeOffice arbeiten. Ich bin sehr froh, dass meine Arbeitgeberin die Ansichten der Wissenschaft teilt und Arbeit im Büro nur in Ausnahmefällen erlaubt. Aber ich weiß, dass meine Arbeitgeberin mit dieser Haltung eher die Ausnahme ist.

Daher fordere ich Sie auf, die wissenschaftlichen, epidemiologischen Erkenntnisse zum anzuerkennen und sich für einen sogenannten harten Lockdown einzusetzen, der allen voran Folgendes beinhalten muss:

  • Keine weiteren Lockerungen
  • Keine Öffnungen von Restaurants, Cafés, Hotels ets.
  • Einkauf weiterhin nur mit begrenzter Personenzahl im Laden und nachweislichem Hygienekonzept
  • Härteres und unmittelbares Durchgreifen (Auflösen) bei sogenannten Hygiene-Demos
  • KEINE MENSCHENVERSUCHE durch sogenannte Modellstädte/-regionen mit Durchseuchung der nicht-vulnerablen Mitbürgerinnen.

Es kann nicht angehen, dass sich ein Großteil der Bevölkerung seit über einem Jahr massiv einschränkt, nur damit die Wirtschaft weiterlaufen kann. Es kann auch nicht sein, dass Repressalien wie Ausgangssperren die Ultima Ratio ist – noch bevor die Wirtschaft deutlich mehr in die Pflicht genommen wurde. Daher erwarte ich, dass Sie sich stark machen für

  • HomeOffice-Pflicht in allen Bereichen, in denen es geht. Und wir wissen alle, dass es in viel mehr Bereichen geht, als es derzeit möglich ist. Das Potential der Kontaktreduzierung ist immens und noch lange nicht ausgeschöpft.
  • Test-Pflicht in allen Betrieben, in den kein HomeOffice möglich ist. Jede Arbeitnehmerin muss mindestens 2x pro Woche getestet werden.

Bei der diesjährigen Bundestagswahl werden für mich (und auch mein Umfeld) die Haltung der einzelnen Parteien zur Pandemie und insbesondere zur Pandemieeindämmung entscheidende Punkte sein, wem ich meine Stimmen gebe. Und eins ist sicher: Mit Lockerungen und Menschenversuchen werden Sie keine Wählerstimmen gewinnen.

Next Step: Anrufen.

Lasst uns laut sein.

—————————
* Musste erstmal googeln, welche Anredeformel für die Bundeskanzlerin richtig ist.

 

Pandemüde?

Pandemüde?

Ich bin so müde. So unendlich müde. Ich weiß gar nicht, ob ich schon mal so müde war. Ich komme morgens nur schwer raus. Mir graust es schon vor der Zeitumstellung. Sobald ich am Schreibtisch sitze, geht es erstmal. Ich trinke einen Liter schwarzen Tee. Das hält auch wach. Erstmal bis zum späten Nachmittag. Ab 17h00 fährt mein Körper runter. Es geht von jetzt auf gleich nichts mehr. Spätestens um 18h00 muss (!) ich mich hinlegen. Seit Tagen Wochen geht das nun schon so. Und wenn ich doch nur wüsste, woran das liegt. Beim Blutspenden hatte ich einen ziemlich guten Hb-Wert. Eisen ist es wohl nicht. Bleiben noch

  1. Pandemie
  2. Papas Tod
  3. Vitamin-D-Mangel
  4. schlechter/zu wenig Schlaf
  5. zu wenig Bewegung
  6. zu wenig frische Luft
  7. zu viel zu tun
  8. zu wenig Flüssigkeit
  9. falsche Ernährung

Ad 4:
Ja, ich komme zu spät ins Bett. Ich bin eine Eule und ich leide an Revenge Bedtime Procrastination. Verstärkt durch das abendliche Hinlegen(müssen). Ausschlafen wäre toll, würde aber das Problem nicht lösen, denn ich muss ja zwischen 9 und 10 am Schreibtisch sitzen bzw. wenn das Kind vormittags Schule hat, um spätestens 7h30 aufstehen.

Ad 7:
Das kann ich gerade nicht abstellen und ich sagen schon „nein“. Dennoch schieben sich manche Projekte schon seit Wochen durch meine To-Do-Liste. Und es wird nicht weniger. Es ist auch nur suboptimal, dass ich in der Woche nach Ostern Urlaub habe, aber der ist dringend nötig.
Vom Haushalt will ich gerade nicht reden. Wenn der RB nicht so viel machen würde, würden wir hier heillos untergehen. Außerdem können wir das Problem mit Geld beschmeißen:

  • einmal Pro Woche kommt die Putzhilfe
  • gekocht wird größtenteils mittels Kochbox
  • punktuell wird Essen bestellt
  • die restlichen Einkäufe lassen wir oft liefern.

Vieles andere wird hier einfach mal ignoriert.

Das Kind kommt völlig zu kurz. Ich weiß gar nicht, wie ich das finde. Ich fürchte, ich bin zu müde, um ein schlechtes Gewissen deswegen zu haben. Er hat die Schule, das tut ihm auf gewisse Weise gut. Er hat seinen Sport wieder, das ist sehr wichtig. Er hat verschiedene Kumpel, mit denen er online zocken kann, das genießt er sehr. Und er hat regelmäßig Kontakt mit der Oma, die ihm bei den Hausaufgaben beisteht.

Ad 8:
Das schwankt. Diese Woche war es besser. Allein dadurch, dass ich einen Liter Tee trinke, ist schon mal viel gewonnen. So trinke ich auch sonst mehr. Ich muss darauf aber noch mehr achten.

Ad 9:
Wir lowcarben nicht mehr. Ich esse wieder zu viele Süßigkeiten. Aber ich kann darauf gerade nicht achten. Auch wenn ich weiß, dass es mir gut tut, auf Süßes zu verzichten, ist die „Sucht“ gerade stärker und ich brauche den Zucker auch, um meine Konzentration aufrecht zu halten. Dank der Kochboxen sind derzeit mindestens 4 Mahlzeiten pro Woche vegetarisch.

Ad 5:
Wenn wir nicht einmal pro Woche wandern gingen, würde ich mich vermutlich gar nicht bewegen. Diese Woche war ich bislang nicht einmal draußen. Mein Bewegungsradius ist also maximal klein. Erstaunlicherweise verkrafte ich die Wanderungen (sind ja in der Regel zwischen 12 und 17 Kilometern) recht gut. Ich müsste mich auch zu Sporteinheiten dazwischen aufraffen, aber hier grätschen mir 4 und 7 und natürlich meine unendliche Müdigkeit dazwischen.

Ad 6:
Hat viel mit 5 und 7 zu tun. Ich sollte konsequent in der Mittagspause wenigstens eine halbe Stunde rausgehen. Ich hoffe darauf, dass es bald wärmer wird und ich so wieder BalkonOffice machen kann.

Ad 3:
Joah, mit Blick auf 6 ist das nicht völlig abwegig. Auch habe ich meine Vitamin-D-Einnahme etwas schleifen lassen. Da bin ich gerade wieder hinterher.

Ad 2:
Ich kann nicht sagen, ob und welchen Einfluss Papas Tod und die Beerdigung auf meinen Zustand haben. Ich will gar nicht abstreiten, dass es einen Einfluss hat/haben könnte. Aber ich kann noch nicht richtig ausmachen, welchen bzw. inwiefern. Vielleicht werde ich dazu mehr wissen, wenn ich in meinen Urlaubstagen Ruhe habe.

Ad 1:
Joah, das liegt auf der Hand. Ich bin immer noch im Katastrophen-Modus: Dinge und ich sollen funktionieren. Ich lebe im Moment. Ich habe keine Angst vor dem Virus bzw. einer Erkrankung. Ich habe Respekt. Aber es ist nun mal Pandemie und damit eine Naturkatastrophe. Ich mache das, was ich machen kann, was ich für richtig halte: Mich soweit wie möglich abschotten, FFP2-Maske tragen, Händewaschen. Und ich mache das unabhängig von den politischen Entscheidungen, denen ich mich aber auch nicht machtlos ausgeliefert fühle, denn ich kann ja das machen, was ich für richtig halte. Hinsichtlich der Politik habe ich gewissermaßen resigniert. Das macht mich durchaus müde.

Ich denke nicht darüber nach, was in einszweidrei Monaten ist. Ich denke tatsächlich auch nicht drüber nach, wann ich geimpft werde und dass es hoffentlich bald ist. Ich werde geimpft, wenn ich dran bin. Daran ändert sich auch nichts durch den kurzfristigen (!) AstraZeneca-Stopp oder weil sich Hinz und Kunz sich irgendwie in die Impflingliste drängeln (können). Vielleicht habe ich einfach keine Kraft mehr, mich darüber aufzuregen. Vielleicht bin ich auch einfach zu pragmatisch, dass ich weiß, dass sich darüber aufregen nicht lohnt.

Und in diesem Pragmatismus machen mich die 80 Millionen Virologinnen, Epidemiologinnen, Logistikerinnen, Pharmaproduzentinnen, Immunologinnen, Impfstoff- und Zulassungsexpertinnen sehr müde. So viel Meinung basierend auf Halbwissen Überschriften ist gruselig. Und ja, da spielt viel rein: Verunsicherung, Angst, fehlende Kommunikation, Vertrauensverlust. Aber Füße stillhalten und die wahren Expertinnen ihren Job machen lassen, scheint nicht mehr zu gehen.

Mich macht es sehr müde, wie wenig solidarisch unsere Gesellschaft ist bzw. wie deutlich wird, wie wenig solidarisch unsere Gesellschaft in den letzten Jahren geworden ist. Es wird auf die Politik – zurecht – geschimpft. Aber Kraft für wirklich effektive Schritte hat anscheinend keine. Es wird nur geschimpft. Es werden Stellvertreterkriege angezettelt, bei denen ich so viel „ich, ich, ich“ raushöre, dass ich echt erschrecke. Wie Menschen auf einmal bereit sind, über Leichen zu gehen.

Natürlich wäre es super, wenn die Pandemie vorbei wäre. Auch ich freue mich auf das Ende. Aber nur weil die Politik uns was anderes vorlebt, kann ich doch nicht unsere Gesellschaft noch weiter einzweien. Es läuft viel schief in diesem Land, in diesem Staat. Aber die Gesellschaft zu verraten, weil ich nicht an erster Stelle der Impfreihenfolge stehe, während ich abgesichert, mit einem Job ohne Existenzsorgen zu Hause im warmen HomeOffice arbeiten kann, das will mir nicht in den Kopf. Unser Problem ist eine kapitalistische und korrupte Politik und nicht, dass ein Impfstoff geprüft wird und dadurch für drei Tage nicht verimpft wird. Aber ich bin sicher, dass das die meisten nicht mehr interessiert, sobald sie dann endlich geimpft sind und ihre Freiheit, die ihnen weder jemals genommen, noch wirklich eingeschränkt wurde, wiederhaben.

Vielleicht bin ich nicht pandemüde, sondern gesellschaftsmüde.

Im Schilder-Wald

Im Schilder-Wald

Lockdown, Tag 80

Ich bin froh ob unseres festen Wandertermins. So komme ich wenigstens einmal pro Woche wirkich an die frische Luft und in Bewegung. Wobei ich gestern draußen war, weil ich ein Tweep-Date hatte, genaugenommen hatten das Kind und ich ein Doppeldate. Und das tat uns beiden sehr gut. Am Freitag war ich auch schon unter Menschen, das war aber nicht so unterhaltsam, sondern vorranig altruistisch, denn ich war beim Blutspenden. (Und nun hoffe ich, dass mein Tätowierer aus der Versenkung auftaucht, damit ich mir ein Soli-Puffin-Tattoo stechen lassen kann.) Ansonsten muss ich aber irgendwie etwas mehr an meiner Work-Life-Balance arbeiten, denn derzeit ist es ein recht unausgeglichene Work-Sleep-Disbalance. Daran ändert auch das Wandern nicht so viel. Aber wenigstens ein bisschen.

Also, Wandern. Der RB und ich waren wandern. Das Kind war nicht mit. Der hat ab Montag wieder Rugby-Training, der muss nicht am Wochenende sporteln. Der beschäftigt genießt die Zeit ohne und mit Kumpels beim Zocken. Außerdem hätte er uns heute sehr verflucht, denn die Tour hatte es steigungstechnisch in sich. Aber das Wetter war super und die Strecke sehr schön. Ich habe es sehr genossen.

Wir wanderten 16 Kilometer, von denen die meisten auf dem zweiten Teil der Safari-Route verliefen.