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Kategorie: moi

Haushalten

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Lockdown, Tag 35

Ich muss haushalten. Mit meinen Kräften. Deswegen werde ich erstmal nur noch unregelmäßig bloggen. Wenn ich wirklich Zeit und Muße habe.

Ich schlafe schlecht. Das liegt vermutlich an vielem, aber insbesondere auch daran, dass ich so wenig rauskomme. Aber Rausgehen ist mit viel Aufwand verbunden derzeit: drölfzig Schichten, damit eine nicht friert. Ja, ich sollte es machen. Sauerstoff wäre meiner Konzentration sicherlich auch zuträglich. Aber dann denke ich wieder: Wenn ich schon so schlecht schaffe, dann kann ich nicht auch noch ne Stunde für Rausgehen verplempern. Und irgendwie ist das ein Teufelskreis. Ein Teufelskreis ist auch, dass ich wegen schlechtem Nachtschlaf am späten Nachmittag so k.o. bin, dass ich mich für eine Stunde oder so hinlege. Tja und dann kann ich nachts natürlich auch nicht (besser) einschlafen. Wenigstens hier habe ich heute hoffentlich gebremst: Obwohl die Nacht wirklich grottenschlecht war, habe ich am Abend nicht geschlafen.

Die Pandemie zeh/rrt weiter an uns. Das Kind ist unleidlich und unmotiviert. Wir geraten im HomeSchooling sehr aneinander (heute nicht und er hat festgestellt, dass sich das gut anfühlt und dass es sich auch gut anfühlt, Aufgaben wegzuarbeiten). Er vermisst seinen Pre-Pandemie-Alltag: Fahrten nach Frankreich, Familie, Rugby, Bouldern und sogar Schule. Ja, wir sind soweit, dass er es nicht mehr besonders toll findet, nicht in die Schule gehen zu müssen.

Wir wandeln auf einem Grat, an dem sowohl rechts als auch links der Lagerkoller lauert. Ich hoffe, dass es noch so lange gut geht, wie es gut gehen muss.

Noch bin ich guter Dinge, dass wir, also der RB, das Kind und ich – ohne langfristigen (die Autokorrektur schrieb „langfrustigen“) Schaden durch die Pandemie kommen. Aber dafür müssen wir hier gut auf uns aufpassen – und auch jede auf sich.

Und obwohl ich den Winter – vor allem mit Schnee – sehr liebe, sehne ich mich sehr nach Frühling, nach Leben draußen. Selbst wenn dann immer noch Pandemie ist (was sicher so sein wird), lässt sich mit Licht, Frühlingsluft und Sonne einiges besser ertragen.

Und bis dahin haushalte ich mit meinen Kräften…

Schnaps…

Schnaps…

…zahlen-Geburtstag. Heute.

Üblicherweise mache ich einmal im Jahr bei 12von12 mit, nämlich im Januar. An meinem Geburtstag. Und eigentlich wollte ich es auch heute so machen. Aber … es war einfach zu viel bzw. dadurch zu wenig Fotogenes los.

#1: Der RB hat gebacken (ich werde mich noch daran gewöhnen, dass er jedes Jahr ein anderes Rezept probieren will)

#2: Twitter verheißt beim Aufstehen eine Tatsache, die ich kaum zu hoffen gewagt habe: Schnee. Ich traue mich fast nicht den Rolladen zu öffnen, aber … tadaaaa …

Ich gebe hiermit zu Protokoll: Schnee an meinem Geburtstag gab es seit Jahren nicht mehr. Das ist ein gutes Zeichen!

Danach ging ich duschen und hübschte mich auf, denn ich hatte – trotz Geburtstag – diverse Kundentermine und direkt um 10h00 die erste Videokonferenz

#3: Symbolbild für den Tag. Ich hing von 10h00 bis 13h00 in Videocalls und von 15h00 bis 16h30 nochmal.

#4: Mittagspause – mit Kind, RB und Kuchen

Gegen 17h00 erlaubte ich mir den Rechner auszumachen. Ich skypte mit meiner Mutter (und kurz mit meinem Vater). Es tut gut zu sehen, wie gut meiner Mutter der Umzug getan hat. Dann bestellen wir Geburtstags-Wunschessen:

#5: Koreanisch – nomnomnom

Vor der Geburtstags-Twitterkneipe musste ich mich dann kurz hinlegen. Dann war ich ausgeruht, um (zu) lange durchzuhalten.

Hadern

Hadern

Lockdown, Tag 24

Puh, ich hadere. Ich hadere mit meinem Muttersein. Ich finde mich gerade so furchtbar schlecht als Mutter: Das Kind und ich leben nebeneinander her. Ich schaffe es zunehmend weniger, mir Zeit für ihn zu nehmen. Ich reagiere so ungehalten, wenn er mich bei der Arbeit unterbricht. Ich reagiere aber auch nach der Abend ungehalten – wenn er den Abend mal wieder verlängert, während ich Feierabend haben will. Während ich mit dem RB einfach auf dem Sofa abhängen will bzw. ich einfach allein sein will.

Ich merke, wie sehr es mir fehlt, dass das Kind seit einem Jahr nicht mehr beim Kv war. Wie sehr mir diese Auszeiten vom Muttersein fehlen. Wie sehr mir aber auch das Alleinsein fehlt. Nein, ich möchte den RB nicht missen, aber ich hätte gerne mal wieder einszweidrei Tage nur für mich. Gerne in der Wohnung. Auch mit Arbeit. Tage, an denen ich ausschließlich in meinen Rhythmus leben und arbeiten kann. Dinge abarbeiten und dann zufrieden mit meinem Tagewerk rausgehen, was für mich tun, mit mir alleine sein. Ich bin nicht dafür geschaffen, dass ständig jemand um mich rum ist.

Ich bin so auch nicht sozialisiert worden: Klar haben sich meine Eltern immer gekümmert und ich habe ja auch Brüder, die „immer“ da waren. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir ständig aufeinander geklebt haben bzw. kleben mussten (und auch nicht konnten). Genauer betrachtet: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich ständig an wem geklebt habe. Ich habe „schon immer“ mein Ding gemacht und ich hatte da auch viele Freiheiten. Nein, ich war als Kind und Teenie alles andere als Einzelgängerin. Aber ich durfte sehr selbstbestimmt meine Freizeit gestalten.

Nein, das Kind klebt nicht an mir. Meistens zumindest nicht. Also so lange nicht wie er mindestens eines seiner Devices hat. Sobald er sich selbst beschäftigen muss, hat er keine Geduld, keine Muße, keine Idee und er braucht Anleitung und Bestätigung. Er braucht dann Nähe. Wir sind an diesen Punkten so unterschiedlich, dass es sich fremd anfühlt.

Durch die Pandemie und dass dadurch die Freizeitgestaltung vom Kind nicht mehr so ist wie er es braucht und gewohnt ist, driften wir mit unseren Bedürfnissen noch weiter auseinander. Und je mehr mir nach Alleinsein ist, desto mehr sucht er Nähe. Und je mehr er Nähe sucht, desto mehr ist mir nach Alleinsein.

Und dann reagiere ich genervt. Genervt, weil ich ihm nicht geben kann, was er braucht. Genervt, weil meine Idee von Muttersein eine so andere ist, als nötig wäre. Genervt, weil ich damit so schlecht umgehen kann, dass das Kind so anders ist als ich es bin. Genervt, weil ich es nicht schaffe, über meinen Schatten zu springen und auch mal Dinge zu machen, die ich doof finde oder in denen ich keinen Sinn sehe. Genervt, weil ich keine Spielemama bin.

Wir haben natürlich auch gute Momente miteinander. Momente, in denen wir uns nah sind. Wir reden oder auch Dinge machen.

Aber ich bin mir sicher, dass er retrospektiv sagen wird, dass ich zu wenig für ihn da war, zu viel geschimpft habe, zu viel wollte, dass er funktionierte. Und das tut mir regelmäßig abends leid und ich nehme mir vor, am nächsten Tag mehr auf ihn einzugehen. Ihm definitiv Exklusiv-Zeit einzuräumen. Und dann scheitere ich wieder … an mir selbst.

Fehlerteufel 2

Fehlerteufel 2

Lockdown, Tag 22

Ich rege mich nicht über die Beschlüsse der Ministerinnenkonferenz mit der Kanzlerin auf. Es nützt nix. Es ändert nix. Nix ändert irgendwas. Es ist zum Auswandern, wenn ich nur wüsste wohin und wenn es sich nicht nach „die Ratten verlassen das sinkende Schiff“ anfühlen würde.

Wenigstens ist in Hessen die Präsenzpflicht für die Schulen aufgehoben. Zumindest für des Kindes Klassenstufe.

Semi-gute News: Ich habe das 100ste Quadrat vom #AfghanHueShift fertig gestrickt.

Leider hat sich in den letzten 10 Quadraten ein blöder Fehler eingeschlichen – aka: ich habe bei den Knäuel nicht aufgepasst. Und die ersten 25 sind auch nicht so schön wie die restlichen 75 geworden. Daher werde ich wohl 35 Quadrate aufribbeln müssen. Aber erstmal zwei Auftrags-Pussyhats stricken.

2020-F&A

2020-F&A

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
Für mich ganz persönlich: 8.

Zugenommen oder abgenommen?
Zu- und abgenommen.

Haare länger oder kürzer?
Weder noch.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Nicht kurzsichtiger, dafür bräuchte ich eine Lese- bzw. Gleitsichtbrille. Eventuell. Irgendwann.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Weniger.

Der hirnrissigste Plan?
Gefühlt: im Sommer in den Urlaub zu fahren.

Die gefährlichste Unternehmung?
Ich neige immer noch nicht zu gefährlichen Unternehmungen.

Der beste Sex?
Gab es dieses Jahr auch.

Die teuerste Anschaffung?
Neue Bezüge für Sofa und Sessel.

Das leckerste Essen?
Wir haben uns viel gutes Essen gegönnt.

Das beeindruckenste Buch?
Ich habe die Inselbuchhandlungs-Reihe von Julie Peters verschlungen.
Damit ließ sich toll eskapieren.

Der ergreifendste Film?
Systemsprenger.

Die beste CD?
Von den neuen keine. Ich habe viel in „alter“ Musik geschwelgt.

Das schönste Konzert?
40 Years of NMA.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
… mir, Arbeit, dem RB und dem Kind.

Die schönste Zeit verbracht mit…?
… dem RB und dem Kind.

Vorherrschendes Gefühl 2020?
Wir kommen da schon irgendwie durch.

2020 zum ersten Mal getan?
Eine Pandemie miterlebt.
Regelmäßig Mund-Naschen-Schutze getragen.
Homeschooling Lernen in häuslicher Umgebung begleitet.

2020 nach langer Zeit wieder getan?
Berlin besucht (das klingt wie aus einem anderen Leben).

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
– Pandemie
– Pandemie-Leugnerinnen, /-ignorantinnen
– Dass wir meine Eltern nicht sehen konnten

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
#NazisRaus

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Flug für das Kind.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Der „Teekocher“.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Danke für das Einrichten der Twitterkneipe.“

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Das mögen bitte andere beurteilen.

Mehr Kohle oder weniger?
Mehr.

Besseren Job oder schlechteren?
Weder noch. Nur nicht mehr selbstständig.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Erfahrungen und Erkenntnisse, neue Freundinnen.

Mehr bewegt oder weniger?
Ich habe einiges in Bewegung gebracht – insbesondere fürs Kind.
Ansonsten haben wir uns ab Mai viel und v.a. regelmäßig bewegt.

Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Erfreulicherweise nichts Ernstes.

Davon war für Dich die Schlimmste?
Nichts.

Dein Wort des Jahres?
Antifa.

Dein Unwort des Jahres?
Eigenverantwortung und Lockerungen.

Dein Lieblingsblog des Jahres?
Ich habe immer noch keinen Lieblingsblog.

2020 war mit einem Wort…?
Interessant*.

Dein grösster Wunsch fürs kommende Jahr?
Vermutlich würden jetz viele „Impfung“ sagen. Ich bin mir nicht sicher, ob das MEIN größer Wunsch ist (auch wenn ich mich sicher impfen lassen werden). Wobei mein Wunsch indirekt damit zusammenhängt: Wieder auf ein Konzert gehen.

2019.

—————————–
* gut, spannend und ermüdend

(Un-)froh

(Un-)froh

#ClosedAdvent (11)

Das Kind hat zunächst Zahnschmerzen und geht erst zur zweiten Stunde. Als er aus dem Haus ist, bin ich wach. Der RB bringt mir Tee und irgendwie ist es kalt. Als ich mich an den Schreibtisch setze, stelle ich fest: Die Heizung ist mal wieder ausgefallen. Das ist natürlich super, da heute die Putzhilfe kommt. Mit kaltem Wasser putzt es sich ja bekanntlich super. Der RB und ich machen eine Essens- und Einkaufliste, damit wenigstens er weg ist, wenn die Putzhilfe kommt. Ich kann nicht raus, ich habe heute keinen FREItag. Ich habe diversen Kleinkram und eine Besprechung, auf die ich keinen Bock habe. Die auch kurz entsprechend eskaliert. Gerne hätte ich noch mehr geschafft, aber um 16h00 findet unsere Mini-Weihnachtsfeier, die – wie in diesen Zeiten üblich – digital statt. Insgesamt ist es ganz unterhaltsam, aber es wäre durchaus nett gewesen, wenn wir vorher irgendwas zugeschickt bekommen hätten. Aber gut, es sind auch nur zwei Stunden. Es soll ja im Frühjahr oder wann es halt geht ein Fest nachgeholt werden.

Danach habe ich Hunger und bin sehr froh, dass der RB sich schon ums Abendessen gekümmert hat. Froh bin ich auch, dass endlich Wollnachschub für den Afghan Hue Shift angekommen ist. Blöd, dass eine Farbe immer noch fehlt. Ich werde doch in den Dorf-Wollladen müssen (vor dem Lockdown).

Sehr unfroh werde ich während des Essens. Da eskaliert es zwischen mir und dem Kind. Uff, ich bin enttäuscht, traurig, wütend und auch verzweifelt. Er steht sich so dermaßen selbst im Weg, dass ich langsam nicht mehr weiß, wie ich ihm helfen kann. Und er legt Verhaltensweisen an den Tag, die er definitv nicht hier vorgelebt bekommt. Da steckt etwas tief in ihm drin und es wird so verdammt schwer, dass er aus der Nummer rauskommt.

Danach fühle ich mich wie eine ausgequetschte Zahnpastatube. Ich schicke das Kind in sein Zimmer. Ich will und kann ihn nicht sehen. Er soll nachdenken oder was auch immer tun. Ich kann gerade gar nichts machen. Ich weiß nicht wohin mit mir und bin froh, dass der RB mich ins Bett schickt. Mir dröhnt der Kopf, aber ich bin so leer, dass ich trotzdem einschlafe.

Als ich wieder wach werde ist es nach 23h00. Ich finde einen Brief, den mir das Kind unter der Tür durchgeschoben hat. Der macht mich auch traurig. Das Kind schläft mittlerweile, er hat sich komplett selbst ins Bett gebracht. Das ist das erste Mal ever (abgesehen von Abenden, an denen wir eh nicht zusammen waren), dass er ohne Gute-Nacht-Sagen ins Bett muss. Es tut mir so leid. Ich fühle mich nicht gut. Ich bin ratlos über die Situation. Der RB auch. *seufz* Ich klettere kurz zum Kind aufs Bett und kuschel ihn ein bisschen. Ach, ach. Morgen werden wir sprechen müssen.

2 für 1

2 für 1

#ClosedAdvent (10)

Zwei Tweets, die den Tag zusammenfassen (der Rest war Arbeit):

Familie

Familie

#ClosedAdvent (8)

Ich habe zwei Brüder und drei Nichten und zwei Neffen*. Dazu noch drei Tanten und einen Onkel – jeweils mit PartnerIn -, zwei Cousinen, vier Cousins. Meine Großeltern auf beiden Seiten sind schon eine Weile tot**. Es gibt noch über meinen Großvater eingeheiratete „Onkel“ und „Tanten“, aber zu denen bestand eigentlich nur Kontakt auf Familienfeiern, die meine Großeltern iniitert haben. Allerdings besteht auch zu meinen anderen Verwandten kein Kontakt mehr – abgesehen von losen Kontakten mit einer Nichte und einer Tante.

Ich bin kein Familienmensch. Ich fand schon immer das Narrativ „Blut ist dicker als Wasser“ schwierig, ebenso das Konstrukt, dass Familie ein besonderes Band sei. Nur weil ich mir mit ein paar Menschen zufällig ein paar Chromosomen „teile“, muss ich mich nicht automatisch mit ihnen verstehen.

Während ich mich lange wirklich gut mit meinen Brüder verstanden habe, hatte ich mit einen Großteil meiner Tanten und Onkels schon immer keinen wirklichen Vertrag. Und mit meinen Cousinen und Cousins schon mal gar nicht. Die sind – bis auf einen – so viel jünger als ich, dass wir einfach keine Beziehung zueinander haben. Und das ist auch schon ein Kernproblem: Auf Familienfeiern war ich immer die einzige in meinem Alter und allein auf weiter Flur. Das war auf Familienfeiern mit Oma und Opa immer besonders schlimm. Da konnte ich mit niemandem spielen. Dazu kam, dass meine Eltern keinen Wert darauf legten, dass ich irgendwie niedlich und mädchenhaft unterwegs sein musste. Aber mit der kleinen Draufgängerin konnte keine was anfangen. Das war einzig bei meinen Großeltern anders – insbesondere mit meiner Großmutter. Sie hat mich immer so genommen, wie ich war. Mich bestärkt und stets für voll genommen. Die Familienfeiern bei ihnen waren zwar auch nicht optimal für mich, aber dennoch erträglicher. Zu meinen Großeltern bin ich auch immer wieder in den Ferien gefahren.

Ich bin ich froh, dass diese Familienfeiern nicht mehr stattfinden. Die letzte große war die Hochzeit meines jüngeren Bruders. Und uff, ich wusste danach wieder, warum ich keinen Kontakt zur Verwandtschaft pflege.

Mittlerweile habe ich ja auch keinen Kontakt mehr zu meinen Brüdern. Dadurch ist auch dieses elende „wenigstens zu Weihnachten sehen wir uns alle“ weggefallen. Das war nämlich in der Regel stressiger als schön.

Ich vermisse nichts.

Möglicherweise habe ich ein Eremiten-Gen von meinem Vater geerbt, denn ich kann ganz gut ohne Menschen um mich rum sein. Ehrlich gesagt können mir Menschen, wenn ich die Zeitspanne der Nähe nicht abschätzen kann, auch schnell zu viel werden. Dabei würde ich noch nicht einmal sagen, dass ich Menschen nicht mag. Ich bin auch gerne unter Menschen. Aber ich mag es eben auch sehr, allein zu sein. Und unter diesem Gesichtspunkt frage ich mich manchmal echt, wie sinnvoll es war, ein Kind zu bekommen. Aus der Familiennummer komme ich wohl erstmal nicht mehr raus.

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* Das ist zumindest mein letzter Stand.

** Ich habe die Todesdaten nicht aktiv abgespeichert.

Ausgeflippt

Ausgeflippt

#ClosedAdvent (6)

Der Tag beginnt sehr unadventlich und unnikolausig. Er beginnt damit, dass das Kind um 9h15 zum ersten Mal angetapert kommt und die Fernbedienungen* will. Aaaargh, ich flippe aus und werfe das Kind verbal aus dem Zimmer. Ja, natürlich bin ich auch selbst schuld, dass ich um 9h15 noch nicht ansprechbar bin, aber verdammich ich bin nunmal eine Eule und am Wochenende will ich ausschlafen. Und mal ehrlich: Das Kind hat drölf Millionen Spielsachen in seinem Zimmer, Bücher, Hörspiele. Der könnte sich beschäftigen. Er könnte auch ausschlafen**.

Um 10h30 klingelt mein Wecker, weil ich ihn nicht ausgemacht hatte. Das nutzt das Kind, um erneut nach den Fernbedienungen zu fragen. Ja, ich könnte aufstehen, aber dieses Wecken findet in einer so fiesen Schlafphase statt, dass ich nicht in der Lage bin aufzustehen. Das Kind trollt sich.

Zumindest für 45 Minuten.  Dann braucht er ganz dringend und unbedingt sofort die Fernbedienungen. Da flippe ich aus. Und nein, ich flippe nicht aus, weil er mich weckt. Ich flippe aus, weil dieses Kind wieder mal total im Bildschirm-Rausch ist und es trotz Nikolausgeschenken und diversester Spielsachen nicht schafft, sich ohne ein elektronisches Device zu beschäftigen. Ich flippe durch die Wohnung und kassiere die Adventskalender und Nikolausgeschenke ein. Dann sehe ich, dass das Kind nicht nur seine Nikolausgeschenke reingeholt hat, sondern gleich alle Schuhe geplündert hat. Ich flippe nochmal rum.

Dann frühstücke ich mit dem RB. Das Kind möchte ich (erstmal) nicht dabei haben.

Irgendwann habe ich mich abgeregt.

Der Rest des Tages verläuft unaufgeregt. Das Kind geht irgendwann raus. Der RB geht auch kurz raus. Ich räume auf, kümmere mich um Krempel und dekoriere ein bisschen die Wohnung.

Zwischendrin machen wir eine #BAdventskaffee-Generalprobe:

Keks-Qualitätstest mit Glögg***

Dann telefoniere ich mit meiner Mutter. Wir essen Bestelltes und vom RB Abgeholtes. Das Kind geht relativ früh ins Bett. Ich nutze den ruhigen Abend, um mich um ein paar Kisten des Grauens zu kümmern. Uff, es wird.

Das Kind war übrigens so ganz ohne Device und mit einer Runde draußen durchaus ausgeglichener als an digital intensiven Tagen.

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* Zum Fernsehen braucht eine bei uns mindestens zwei Fernbedienungen, wenn Gestreamtes geguckt werden soll, dann braucht es eine dritte.

** Wobei da (noch) die Gefahr besteht, dass ihm das seinen Schlafrhythmus kaputt macht.

*** für die Erwachsenen, das Kind hat warmen Traubensaft

#ClosedNovember (22)

#ClosedNovember (22)

Gestern Abend warf ich – twitterbedingt – etwas verkürzt eine Überlegung in den virtuellen Raum:

Ich führe das mal etwas aus. Natürlich will ich Weihnachten nicht nur deswegen nicht feiern, weil wir Pandemie haben. Allerdings wecken diese ganzen obskuren Aussagen der Politiker à la – bitte habt JETZT Norbert Blühms Stimme im Ohr – „Aber des Fescht ist sischer“ auch meinen Trotz. So ein Bullshit. Wenn „die da oben“ das Fest wirklich retten wollen würden, hätten wir nicht so einen halbherzigen Lock Shut – ach, eigentlich ist gar nichts down, sondern klare Beschränkungen, die auch die Verschwörungsdullis (Grüße an Rezo (guckt das Video, falls noch nicht)) in ihre Löcher zurücktreiben und dafür sorgen würden, dass sie da nie wieder rauskommen. Dann wären die Schulen geschlossen und auch die Geschäfte wieder deutlich begrenzt. Warum haben wir im Frühjahr doch gleich die Kurve so schnell und effektiv „geflattet“?! Ich komm einfach nicht drauf….

Aber zurück zum Thema: Ich liebe Advent. Ich liebe Winter. Ich mag es auf den 22.12. hinzuarbeiten, denn dann ist der dunkelste Tag des Jahres geweseb und es geht lichttechnisch wieder aufwärts. Ich mag allerdings nicht Höllisch Abend und die folgenden zwei Weihnachtstage. Wobei ich mag, dass dann für 2,5 Tage alles vieles still steht und es insgesamt still(er) ist. Aber für mich ist Weihnachten kein schönes Fest, sondern ein stressiges – zumindest früher: Am 24. hat die Kernfamilie zusammen gefeiert – mit verschiedenen Ritualen: meine Mutter schmückte immer den Baum, wenn wir Kinder mit meinem Vater in der Kirche waren. Es durfte keine in den Raum, in dem der Baum stand. Es gab das berühmte Glöckchen, das bimmeln musste, damit wir in den Raum durften. Bis dahin war mein jüngerer Bruder in der Regel immer schon völlig fertig vor Aufregung. Wir mussten Blökflöte spielen oder eine Gedicht aufsagen, dann erst fing die Bescherung an. Oft hatte ich größere Geschenke unterm Baum mit dem Vermerk, dass sie ja auch für meinen Geburtstag knapp drei Wochen später mitgelten. Oder es gab nur Kleinigkeiten, weil es das große Geschenk erst zum Geburtstag gab. Nach der Bescherung gab es Kartoffelsalat mit schlesischen Weißwürsten. Oft hat meine Mutter als Erzieherin noch bis zum 23.12. gearbeitet, daher rauschte sie sehr gestresst in die Weihnachtstage. In der Zeit, in der mein Vater außerhalb arbeitete, kam er auch oft erst am 23.12. an.

Es gab einige Heilige Abende, an denen ich wutentbrannt zu meiner besten Freundin gefahren bin, weil einfach alles so gezwungen schön sein sollte und dadurch nur stressig war.

An den Weihnachtstagen sind wir traditionell an dem einen zu meinen Großeltern und am anderen zu Oma und Opa gefahren. Immer war dann auch noch mehr Verwandtschaft. Die Fahrerei war stressig und die Verwandtschaft in der Regel auch. Irgendwann fiel wenigstens weg, dass wir an den Weihnachtstagen zu fünft in einem Passat durch die Republik gondeln musten. Zumindest zeitweise. Dann kamen die Nichten auf die Welt und wir fuhren dorthin. Die Familie vom Ex wohnte auch nicht ums Eck. Und mit dem KV mussten wir ja sogar bis in die Bretagne. Und immer war es irgendwie angespannt, weil es ja nett und besinnlich sein sollte – immerhin war ja Weihnachten.

Erst mit der Trennung vom Kv wurde es wirklich besser: Das erste Weihnachten ohne Kind war eine Offenbarung. Es war zunächst etwas komisch, aber letztlich war es super: kein Stress, kein „Es muss aber schön sein“, kein Geschenke-Overkill, kein „Wir müssen uns doch lieb haben“. Ich konnte schlafen, meinen Trott machen. Nix machen. Zwei Jahre drauf beim zweiten Weihnachten ohne Kind war es noch besser – da war ich es ja auch schon deutlich mehr gewohnt, allein zu sein und die kindfreie Zeit zu genießen. Wie schön war es, alleine zum Römer zu laufen, dem Stadtgeläut zu lauschen und danach allein auf dem Sofa zu versacken. Aber auch die Weihnachten die danach kamen (2018 mit Kind und erstmals RB bei meinen Eltern, 2019 ohne Kind und ohne RB bei meinen Eltern) waren deutlich entspannter.

Dieses Jahr ist alles anders. Dieses Jahr bringt uns alle an unsere Limits und ganz ehrlich: Ich möchte nicht für ein Fest, dessen ursprünglicher Anlass für keine in diesem Haushalt von Bedeutung ist, an oder gar über meine Limits gehen. Es ist auch ein wenig heuchlerisch, ein Fest zu feiern, an dessen Fundament eine nicht glaubt (bzw. umgekehrt: Der Anlass für das Fest ist der Ursprung des christlichen Glaubens.). Das Problem ist, dass unsere westliche Gesellschaft darauf ausgerichtet ist. Dass der Jahresrhythmus von den christlichen Feiertagen bestimmt wird.

Der RB, der olle Grinch, war eh d’accord. Der wird auch bis zum 23.12. mindestens arbeiten und dann einfach alle Limits überschritten haben.

Beim Kind war ich mir nicht sicher. Wobei ich auch nicht wüsste, an welcher ultimativen Weihnachtstradition er hängen sollte, da bislang jedes Weihnachten für ihn anderes war. Heute nach dem Essen nutzte ich unser Zusammensitzen und verkündete, dass wir Weihnachten dieses Jahr ausfallen lassen würden. Was das bedeuten würde, fragte das Kind. „Kein Weihnachtsbaum und Geschenkezinnober für die Erwachsenen.“ „Geil. Das ist ein Weihnachten nach meinem Geschmack“, antwortete das Kind und dann überlegten wir, wie wir es uns schön machen, was wir Leckeres essen wollen. Dass wir drei Tage im Onesie Pyjama raumschlumpern werden. Dass wir einfach die Auszeit von allem genießen werden.

Das wird schön.