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Kategorie: moi

Pandemüde?

Pandemüde?

Ich bin so müde. So unendlich müde. Ich weiß gar nicht, ob ich schon mal so müde war. Ich komme morgens nur schwer raus. Mir graust es schon vor der Zeitumstellung. Sobald ich am Schreibtisch sitze, geht es erstmal. Ich trinke einen Liter schwarzen Tee. Das hält auch wach. Erstmal bis zum späten Nachmittag. Ab 17h00 fährt mein Körper runter. Es geht von jetzt auf gleich nichts mehr. Spätestens um 18h00 muss (!) ich mich hinlegen. Seit Tagen Wochen geht das nun schon so. Und wenn ich doch nur wüsste, woran das liegt. Beim Blutspenden hatte ich einen ziemlich guten Hb-Wert. Eisen ist es wohl nicht. Bleiben noch

  1. Pandemie
  2. Papas Tod
  3. Vitamin-D-Mangel
  4. schlechter/zu wenig Schlaf
  5. zu wenig Bewegung
  6. zu wenig frische Luft
  7. zu viel zu tun
  8. zu wenig Flüssigkeit
  9. falsche Ernährung

Ad 4:
Ja, ich komme zu spät ins Bett. Ich bin eine Eule und ich leide an Revenge Bedtime Procrastination. Verstärkt durch das abendliche Hinlegen(müssen). Ausschlafen wäre toll, würde aber das Problem nicht lösen, denn ich muss ja zwischen 9 und 10 am Schreibtisch sitzen bzw. wenn das Kind vormittags Schule hat, um spätestens 7h30 aufstehen.

Ad 7:
Das kann ich gerade nicht abstellen und ich sagen schon „nein“. Dennoch schieben sich manche Projekte schon seit Wochen durch meine To-Do-Liste. Und es wird nicht weniger. Es ist auch nur suboptimal, dass ich in der Woche nach Ostern Urlaub habe, aber der ist dringend nötig.
Vom Haushalt will ich gerade nicht reden. Wenn der RB nicht so viel machen würde, würden wir hier heillos untergehen. Außerdem können wir das Problem mit Geld beschmeißen:

  • einmal Pro Woche kommt die Putzhilfe
  • gekocht wird größtenteils mittels Kochbox
  • punktuell wird Essen bestellt
  • die restlichen Einkäufe lassen wir oft liefern.

Vieles andere wird hier einfach mal ignoriert.

Das Kind kommt völlig zu kurz. Ich weiß gar nicht, wie ich das finde. Ich fürchte, ich bin zu müde, um ein schlechtes Gewissen deswegen zu haben. Er hat die Schule, das tut ihm auf gewisse Weise gut. Er hat seinen Sport wieder, das ist sehr wichtig. Er hat verschiedene Kumpel, mit denen er online zocken kann, das genießt er sehr. Und er hat regelmäßig Kontakt mit der Oma, die ihm bei den Hausaufgaben beisteht.

Ad 8:
Das schwankt. Diese Woche war es besser. Allein dadurch, dass ich einen Liter Tee trinke, ist schon mal viel gewonnen. So trinke ich auch sonst mehr. Ich muss darauf aber noch mehr achten.

Ad 9:
Wir lowcarben nicht mehr. Ich esse wieder zu viele Süßigkeiten. Aber ich kann darauf gerade nicht achten. Auch wenn ich weiß, dass es mir gut tut, auf Süßes zu verzichten, ist die „Sucht“ gerade stärker und ich brauche den Zucker auch, um meine Konzentration aufrecht zu halten. Dank der Kochboxen sind derzeit mindestens 4 Mahlzeiten pro Woche vegetarisch.

Ad 5:
Wenn wir nicht einmal pro Woche wandern gingen, würde ich mich vermutlich gar nicht bewegen. Diese Woche war ich bislang nicht einmal draußen. Mein Bewegungsradius ist also maximal klein. Erstaunlicherweise verkrafte ich die Wanderungen (sind ja in der Regel zwischen 12 und 17 Kilometern) recht gut. Ich müsste mich auch zu Sporteinheiten dazwischen aufraffen, aber hier grätschen mir 4 und 7 und natürlich meine unendliche Müdigkeit dazwischen.

Ad 6:
Hat viel mit 5 und 7 zu tun. Ich sollte konsequent in der Mittagspause wenigstens eine halbe Stunde rausgehen. Ich hoffe darauf, dass es bald wärmer wird und ich so wieder BalkonOffice machen kann.

Ad 3:
Joah, mit Blick auf 6 ist das nicht völlig abwegig. Auch habe ich meine Vitamin-D-Einnahme etwas schleifen lassen. Da bin ich gerade wieder hinterher.

Ad 2:
Ich kann nicht sagen, ob und welchen Einfluss Papas Tod und die Beerdigung auf meinen Zustand haben. Ich will gar nicht abstreiten, dass es einen Einfluss hat/haben könnte. Aber ich kann noch nicht richtig ausmachen, welchen bzw. inwiefern. Vielleicht werde ich dazu mehr wissen, wenn ich in meinen Urlaubstagen Ruhe habe.

Ad 1:
Joah, das liegt auf der Hand. Ich bin immer noch im Katastrophen-Modus: Dinge und ich sollen funktionieren. Ich lebe im Moment. Ich habe keine Angst vor dem Virus bzw. einer Erkrankung. Ich habe Respekt. Aber es ist nun mal Pandemie und damit eine Naturkatastrophe. Ich mache das, was ich machen kann, was ich für richtig halte: Mich soweit wie möglich abschotten, FFP2-Maske tragen, Händewaschen. Und ich mache das unabhängig von den politischen Entscheidungen, denen ich mich aber auch nicht machtlos ausgeliefert fühle, denn ich kann ja das machen, was ich für richtig halte. Hinsichtlich der Politik habe ich gewissermaßen resigniert. Das macht mich durchaus müde.

Ich denke nicht darüber nach, was in einszweidrei Monaten ist. Ich denke tatsächlich auch nicht drüber nach, wann ich geimpft werde und dass es hoffentlich bald ist. Ich werde geimpft, wenn ich dran bin. Daran ändert sich auch nichts durch den kurzfristigen (!) AstraZeneca-Stopp oder weil sich Hinz und Kunz sich irgendwie in die Impflingliste drängeln (können). Vielleicht habe ich einfach keine Kraft mehr, mich darüber aufzuregen. Vielleicht bin ich auch einfach zu pragmatisch, dass ich weiß, dass sich darüber aufregen nicht lohnt.

Und in diesem Pragmatismus machen mich die 80 Millionen Virologinnen, Epidemiologinnen, Logistikerinnen, Pharmaproduzentinnen, Immunologinnen, Impfstoff- und Zulassungsexpertinnen sehr müde. So viel Meinung basierend auf Halbwissen Überschriften ist gruselig. Und ja, da spielt viel rein: Verunsicherung, Angst, fehlende Kommunikation, Vertrauensverlust. Aber Füße stillhalten und die wahren Expertinnen ihren Job machen lassen, scheint nicht mehr zu gehen.

Mich macht es sehr müde, wie wenig solidarisch unsere Gesellschaft ist bzw. wie deutlich wird, wie wenig solidarisch unsere Gesellschaft in den letzten Jahren geworden ist. Es wird auf die Politik – zurecht – geschimpft. Aber Kraft für wirklich effektive Schritte hat anscheinend keine. Es wird nur geschimpft. Es werden Stellvertreterkriege angezettelt, bei denen ich so viel „ich, ich, ich“ raushöre, dass ich echt erschrecke. Wie Menschen auf einmal bereit sind, über Leichen zu gehen.

Natürlich wäre es super, wenn die Pandemie vorbei wäre. Auch ich freue mich auf das Ende. Aber nur weil die Politik uns was anderes vorlebt, kann ich doch nicht unsere Gesellschaft noch weiter einzweien. Es läuft viel schief in diesem Land, in diesem Staat. Aber die Gesellschaft zu verraten, weil ich nicht an erster Stelle der Impfreihenfolge stehe, während ich abgesichert, mit einem Job ohne Existenzsorgen zu Hause im warmen HomeOffice arbeiten kann, das will mir nicht in den Kopf. Unser Problem ist eine kapitalistische und korrupte Politik und nicht, dass ein Impfstoff geprüft wird und dadurch für drei Tage nicht verimpft wird. Aber ich bin sicher, dass das die meisten nicht mehr interessiert, sobald sie dann endlich geimpft sind und ihre Freiheit, die ihnen weder jemals genommen, noch wirklich eingeschränkt wurde, wiederhaben.

Vielleicht bin ich nicht pandemüde, sondern gesellschaftsmüde.

Danke.

Danke.

Der Tod meines Vaters und die Tage danach bzw. seitdem waren und sind ereignis- und erkenntnisreich. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass ich eine Familienaufstellung spannend finde(n könnte). Vermutlich ist es normal, dass in solchen emotionalen Ausnahmesituationen familiäre Beziehungsgrundmuster und Spannungen besonders deutlich werden. Und auch dass sich nichts schlagartig ändert an gewachsenen Beziehungsmustern, nur weil wir uns ein Erlebnis teilen.

Dennoch ist es für mich irritierend, wie nah meine Mutter und ich uns waren in den knapp 48 Stunden, nachdem mein älterer Bruder und ich endlich angekommen waren. Ich habe meine Mutter in diesen zwei Tagen so viel umarmt wie mein ganzes Leben nicht – also der Part, an den ich mich aktiv erinnere. Es war ungewohnt, aber fühlte sich nicht falsch an. Wir waren uns so nah, dass ich ihr sogar mein Tattoo gezeigt habe, das ich mir für Papa habe machen lassen. Wir waren uns auch so nah, dass sie mir indirekt eingestand, dass sie mir nie so nah war, wie mein Vater und ich es uns waren*.

Als ich dann erstmal wieder nach Hause fuhr, vereinbarte ich mit meiner Mutter, dass ich drei Tage drauf wiederkäme. Mit dem Kind. Damit sie die Tage vor der Beerdigung nicht alleine ist. Aber ich spürte auch, dass ich das Kind und den RB um mich brauchte. Und ums Kind musste ich mich auch kümmern: Dem hatte ich bislang nur per Videoanruf vom Tod des Opas erzählt. Das war natürlich suboptimal. Auch wenn der RB alles tat, um das Kind aufzufangen.

Die zwei Tage zu Hause taten gut nach den beiden Tagen im emotionalen Ausnahmezustand**. Das Kind brauchte dringend Beistand beim Trauern. Ich brauchte Normalität. Ich arbeitete sogar ein bisschen. Mein Vater hätte es auch so gemacht.

Als das Kind und ich wieder bei meiner Muter waren, war sie wieder da, die Distanz, die uns seit jeher begleitet. Kurzfristig fragte ich mich, warum ich überhaupt so viel vor der Beerdigung gekommen bin. Ich fühlte mich wie ein Fremdkörper. Und womöglich war ich das für meine Mutter auch: Ein geschäftiger, nicht trauernder Fremdkörper, der Dinge erledigt, die erledigt werden müssen. Ich weiß, dass es ihr gut tat, dass ich Dinge einfach gemacht habe, aber mein vermeintlichens Nichttrauern wirkte womöglich befremdlich. Es ist schwer zu beschreiben, aber es war klar, dass ich in diesen Tagen meiner Mutter den Rücken freihalten wollte und auch konnte. Dass ich diese Tage nicht zum Trauern brauchte. Ich brauchte auch die Beerdigung nicht zum Trauern oder zum Abschiednehmen.

Ich trauere nicht bzw. nur wenig nach Außen. Dadurch wirke ich sehr sachlich, kühl und emotionslos.

Nicht, dass ich nicht geweint habe. Mich hat es bei der Abschiednahme in der Trauerhalle zerrissen. Dabei habe ich es gar nicht lange in der Trauerhalle ausgehalten. Ich wollte eigentlich gar nicht rein. Aber es war gut. Ich habe lange und heftig weinen müssen. Allein.

Es gab immer wieder Momente, die mir die Tränen in die Augen trieben. Vieles davon sind geschriebene Momente. Besonderes schön-traurig war die Nachricht einer Tweep, die mir schrieb, dass ein Buch meines Vaters sie durch das Studium begleitet hat. <3 Es tut so gut zu wissen, dass sein Schaffen Spuren hinterlassen hat.

Mit ausgesprochenen Beileidsbekundungen hingegen kann ich nur schlecht umgehen. Sie wirken auf mich so floskelhaft – auch wenn sie das natürlich nicht sind. Der Papa vom RB brachte es auf den Punkt, als der RB ihm vom Tod meines Papas erzählte: „Liebe Grüße an B. und was man so sagt. Du weißt schon.“

Wenn ich daran denke, dass Papa nicht mehr da ist, ist das komisch. Und ich denke, wie unfair dieser Schlaganfall war. Was er Papa genommen hat. Und ich sehe Bilder aus der Zeit, auf denen er zuversichtlich lächelt. Er hat sich nicht unterkriegen lassen. Er hat immer daran geglaubt, dass noch was Gutes kommt. Er hat immer nach vorne geschaut. Sein ganzes Leben lang.

Ja, ich bin „seine“. Ich habe viel von ihm – neben einer latent „preußischen“ Grundhaltung*** halt auch seine Zuversicht. Und vielleicht sieht meine Trauer deswegen so anders aus: Ich trauere nicht, dass er gehen musste, sondern bin froh und dankbar für die Zeit mit ihm, für das, was er mir mit auf den Weg gegeben hat.

Danke, Papa.
Für alles.

———————————–
* „Du warst immer seine. Da konnte ich loslassen. Er war so stolz auf Dich. Und er hat Dich so lieb gehabt.“

** nicht nur wegen des Todes meines Vaters, sondern vor allem auch wegen der Konstellation vor Ort.

*** Dinge, die getan werden müssen, werden getan. Ohne Murren.

Eine Narbe bleibt

Eine Narbe bleibt

Am 28.1. wollte ich noch schnell FFP2-Masken im Backofen aufbereiten. Ich griff schief in den Backofen und da machte es schon „zisch“ und ich hatte mir eine ordentliche Brandwunde an der Hand zugegezogen. Zum Glück war der Backofen „nur“ 80 °C heiß. Dennoch roch es verbrannt.

Das war gegen 13h10.

Drei Stunden später machte mein Vater seinen letzten Atemzug.

Die Wunde blieb. Ich spürte sie ständig. Ich spüre sie immer noch.

Trotz Wund- und Brandgel zickte die Wunde rum. Entzündete sich leicht. „Da wird eine veritable Narbe bleiben“, dachte ich.

Am Samstag haben wir meinen Vater beerdigt.

Meine Wunde ist deutlich verheilter.

Aber eine Narbe wird bleiben.

Nicht nur auf der Hand.

Glück in weiß

Glück in weiß

Lockdown, Tag 38

Sonntag ist Wandertag. So will es das Pandemiegesetz. Und gestern war klar, dass es heute schneien soll. Also in den höheren Lagen Schnee und bei uns inne Stadt halt Matsch. So war es auch beim Aufstehen: Schneematsch vor der Tür. Wie es Richtung Taunus aussah, konnte ich natürlich nicht sehen. Aber ich hatte zwei Touren ebenda geplant. Das Kind wollte nicht mit (und Spoiler: Es war gut so. Er hätte sehr geflucht.). Nur mit dem RB unterwegs zu sein, ist ja auch ganz schön.

Ich haderte kurz mit meiner #ZeroHose-Politik, probierte die Schneehose an und war wieder geheilt. Auch hier ein Spoiler: Die doppelten Thermoleggings, der Rock und der Fuktionsmantel haben wirklich gut warm gehalten. (Für die Beine könnte ich bei noch mehr Schnee über wasserdichte Gamaschen nachdenken.)

Und falls ich es noch nicht erwähnt habe: Schneeeeeeee <3 So viel Schnee. Schnee macht mich wirklich wirklich glücklich. So glücklich, dass ich den wirklich steilen Aufstieg (3 Kilometer, tw. 19 % Steigung) auch nur ein kleines Bisschen schlimm fand und gar nicht geflucht habe (das Kind hätte spätestens nach 500 Metern gestreikt – trotz Schnee).

Ich hoffe, wir werden noch ein paar Schneetage habe. Ich muss noch ein bisschen weißes Glück tanken. Das war so schön.

(Schön war auch, dass Kassiopeia leckerste Kartoffelsuppe gekocht hatte, während wir wanderte. Genau das richtige Essen nach so einer Wanderung.)

Haushalten

Haushalten

Lockdown, Tag 35

Ich muss haushalten. Mit meinen Kräften. Deswegen werde ich erstmal nur noch unregelmäßig bloggen. Wenn ich wirklich Zeit und Muße habe.

Ich schlafe schlecht. Das liegt vermutlich an vielem, aber insbesondere auch daran, dass ich so wenig rauskomme. Aber Rausgehen ist mit viel Aufwand verbunden derzeit: drölfzig Schichten, damit eine nicht friert. Ja, ich sollte es machen. Sauerstoff wäre meiner Konzentration sicherlich auch zuträglich. Aber dann denke ich wieder: Wenn ich schon so schlecht schaffe, dann kann ich nicht auch noch ne Stunde für Rausgehen verplempern. Und irgendwie ist das ein Teufelskreis. Ein Teufelskreis ist auch, dass ich wegen schlechtem Nachtschlaf am späten Nachmittag so k.o. bin, dass ich mich für eine Stunde oder so hinlege. Tja und dann kann ich nachts natürlich auch nicht (besser) einschlafen. Wenigstens hier habe ich heute hoffentlich gebremst: Obwohl die Nacht wirklich grottenschlecht war, habe ich am Abend nicht geschlafen.

Die Pandemie zeh/rrt weiter an uns. Das Kind ist unleidlich und unmotiviert. Wir geraten im HomeSchooling sehr aneinander (heute nicht und er hat festgestellt, dass sich das gut anfühlt und dass es sich auch gut anfühlt, Aufgaben wegzuarbeiten). Er vermisst seinen Pre-Pandemie-Alltag: Fahrten nach Frankreich, Familie, Rugby, Bouldern und sogar Schule. Ja, wir sind soweit, dass er es nicht mehr besonders toll findet, nicht in die Schule gehen zu müssen.

Wir wandeln auf einem Grat, an dem sowohl rechts als auch links der Lagerkoller lauert. Ich hoffe, dass es noch so lange gut geht, wie es gut gehen muss.

Noch bin ich guter Dinge, dass wir, also der RB, das Kind und ich – ohne langfristigen (die Autokorrektur schrieb „langfrustigen“) Schaden durch die Pandemie kommen. Aber dafür müssen wir hier gut auf uns aufpassen – und auch jede auf sich.

Und obwohl ich den Winter – vor allem mit Schnee – sehr liebe, sehne ich mich sehr nach Frühling, nach Leben draußen. Selbst wenn dann immer noch Pandemie ist (was sicher so sein wird), lässt sich mit Licht, Frühlingsluft und Sonne einiges besser ertragen.

Und bis dahin haushalte ich mit meinen Kräften…

Schnaps…

Schnaps…

…zahlen-Geburtstag. Heute.

Üblicherweise mache ich einmal im Jahr bei 12von12 mit, nämlich im Januar. An meinem Geburtstag. Und eigentlich wollte ich es auch heute so machen. Aber … es war einfach zu viel bzw. dadurch zu wenig Fotogenes los.

#1: Der RB hat gebacken (ich werde mich noch daran gewöhnen, dass er jedes Jahr ein anderes Rezept probieren will)

#2: Twitter verheißt beim Aufstehen eine Tatsache, die ich kaum zu hoffen gewagt habe: Schnee. Ich traue mich fast nicht den Rolladen zu öffnen, aber … tadaaaa …

Ich gebe hiermit zu Protokoll: Schnee an meinem Geburtstag gab es seit Jahren nicht mehr. Das ist ein gutes Zeichen!

Danach ging ich duschen und hübschte mich auf, denn ich hatte – trotz Geburtstag – diverse Kundentermine und direkt um 10h00 die erste Videokonferenz

#3: Symbolbild für den Tag. Ich hing von 10h00 bis 13h00 in Videocalls und von 15h00 bis 16h30 nochmal.

#4: Mittagspause – mit Kind, RB und Kuchen

Gegen 17h00 erlaubte ich mir den Rechner auszumachen. Ich skypte mit meiner Mutter (und kurz mit meinem Vater). Es tut gut zu sehen, wie gut meiner Mutter der Umzug getan hat. Dann bestellen wir Geburtstags-Wunschessen:

#5: Koreanisch – nomnomnom

Vor der Geburtstags-Twitterkneipe musste ich mich dann kurz hinlegen. Dann war ich ausgeruht, um (zu) lange durchzuhalten.

Hadern

Hadern

Lockdown, Tag 24

Puh, ich hadere. Ich hadere mit meinem Muttersein. Ich finde mich gerade so furchtbar schlecht als Mutter: Das Kind und ich leben nebeneinander her. Ich schaffe es zunehmend weniger, mir Zeit für ihn zu nehmen. Ich reagiere so ungehalten, wenn er mich bei der Arbeit unterbricht. Ich reagiere aber auch nach der Abend ungehalten – wenn er den Abend mal wieder verlängert, während ich Feierabend haben will. Während ich mit dem RB einfach auf dem Sofa abhängen will bzw. ich einfach allein sein will.

Ich merke, wie sehr es mir fehlt, dass das Kind seit einem Jahr nicht mehr beim Kv war. Wie sehr mir diese Auszeiten vom Muttersein fehlen. Wie sehr mir aber auch das Alleinsein fehlt. Nein, ich möchte den RB nicht missen, aber ich hätte gerne mal wieder einszweidrei Tage nur für mich. Gerne in der Wohnung. Auch mit Arbeit. Tage, an denen ich ausschließlich in meinen Rhythmus leben und arbeiten kann. Dinge abarbeiten und dann zufrieden mit meinem Tagewerk rausgehen, was für mich tun, mit mir alleine sein. Ich bin nicht dafür geschaffen, dass ständig jemand um mich rum ist.

Ich bin so auch nicht sozialisiert worden: Klar haben sich meine Eltern immer gekümmert und ich habe ja auch Brüder, die „immer“ da waren. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir ständig aufeinander geklebt haben bzw. kleben mussten (und auch nicht konnten). Genauer betrachtet: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich ständig an wem geklebt habe. Ich habe „schon immer“ mein Ding gemacht und ich hatte da auch viele Freiheiten. Nein, ich war als Kind und Teenie alles andere als Einzelgängerin. Aber ich durfte sehr selbstbestimmt meine Freizeit gestalten.

Nein, das Kind klebt nicht an mir. Meistens zumindest nicht. Also so lange nicht wie er mindestens eines seiner Devices hat. Sobald er sich selbst beschäftigen muss, hat er keine Geduld, keine Muße, keine Idee und er braucht Anleitung und Bestätigung. Er braucht dann Nähe. Wir sind an diesen Punkten so unterschiedlich, dass es sich fremd anfühlt.

Durch die Pandemie und dass dadurch die Freizeitgestaltung vom Kind nicht mehr so ist wie er es braucht und gewohnt ist, driften wir mit unseren Bedürfnissen noch weiter auseinander. Und je mehr mir nach Alleinsein ist, desto mehr sucht er Nähe. Und je mehr er Nähe sucht, desto mehr ist mir nach Alleinsein.

Und dann reagiere ich genervt. Genervt, weil ich ihm nicht geben kann, was er braucht. Genervt, weil meine Idee von Muttersein eine so andere ist, als nötig wäre. Genervt, weil ich damit so schlecht umgehen kann, dass das Kind so anders ist als ich es bin. Genervt, weil ich es nicht schaffe, über meinen Schatten zu springen und auch mal Dinge zu machen, die ich doof finde oder in denen ich keinen Sinn sehe. Genervt, weil ich keine Spielemama bin.

Wir haben natürlich auch gute Momente miteinander. Momente, in denen wir uns nah sind. Wir reden oder auch Dinge machen.

Aber ich bin mir sicher, dass er retrospektiv sagen wird, dass ich zu wenig für ihn da war, zu viel geschimpft habe, zu viel wollte, dass er funktionierte. Und das tut mir regelmäßig abends leid und ich nehme mir vor, am nächsten Tag mehr auf ihn einzugehen. Ihm definitiv Exklusiv-Zeit einzuräumen. Und dann scheitere ich wieder … an mir selbst.

Fehlerteufel 2

Fehlerteufel 2

Lockdown, Tag 22

Ich rege mich nicht über die Beschlüsse der Ministerinnenkonferenz mit der Kanzlerin auf. Es nützt nix. Es ändert nix. Nix ändert irgendwas. Es ist zum Auswandern, wenn ich nur wüsste wohin und wenn es sich nicht nach „die Ratten verlassen das sinkende Schiff“ anfühlen würde.

Wenigstens ist in Hessen die Präsenzpflicht für die Schulen aufgehoben. Zumindest für des Kindes Klassenstufe.

Semi-gute News: Ich habe das 100ste Quadrat vom #AfghanHueShift fertig gestrickt.

Leider hat sich in den letzten 10 Quadraten ein blöder Fehler eingeschlichen – aka: ich habe bei den Knäuel nicht aufgepasst. Und die ersten 25 sind auch nicht so schön wie die restlichen 75 geworden. Daher werde ich wohl 35 Quadrate aufribbeln müssen. Aber erstmal zwei Auftrags-Pussyhats stricken.

2020-F&A

2020-F&A

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
Für mich ganz persönlich: 8.

Zugenommen oder abgenommen?
Zu- und abgenommen.

Haare länger oder kürzer?
Weder noch.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Nicht kurzsichtiger, dafür bräuchte ich eine Lese- bzw. Gleitsichtbrille. Eventuell. Irgendwann.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Weniger.

Der hirnrissigste Plan?
Gefühlt: im Sommer in den Urlaub zu fahren.

Die gefährlichste Unternehmung?
Ich neige immer noch nicht zu gefährlichen Unternehmungen.

Der beste Sex?
Gab es dieses Jahr auch.

Die teuerste Anschaffung?
Neue Bezüge für Sofa und Sessel.

Das leckerste Essen?
Wir haben uns viel gutes Essen gegönnt.

Das beeindruckenste Buch?
Ich habe die Inselbuchhandlungs-Reihe von Julie Peters verschlungen.
Damit ließ sich toll eskapieren.

Der ergreifendste Film?
Systemsprenger.

Die beste CD?
Von den neuen keine. Ich habe viel in „alter“ Musik geschwelgt.

Das schönste Konzert?
40 Years of NMA.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
… mir, Arbeit, dem RB und dem Kind.

Die schönste Zeit verbracht mit…?
… dem RB und dem Kind.

Vorherrschendes Gefühl 2020?
Wir kommen da schon irgendwie durch.

2020 zum ersten Mal getan?
Eine Pandemie miterlebt.
Regelmäßig Mund-Naschen-Schutze getragen.
Homeschooling Lernen in häuslicher Umgebung begleitet.

2020 nach langer Zeit wieder getan?
Berlin besucht (das klingt wie aus einem anderen Leben).

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
– Pandemie
– Pandemie-Leugnerinnen, /-ignorantinnen
– Dass wir meine Eltern nicht sehen konnten

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
#NazisRaus

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Flug für das Kind.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Der „Teekocher“.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Danke für das Einrichten der Twitterkneipe.“

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Das mögen bitte andere beurteilen.

Mehr Kohle oder weniger?
Mehr.

Besseren Job oder schlechteren?
Weder noch. Nur nicht mehr selbstständig.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Erfahrungen und Erkenntnisse, neue Freundinnen.

Mehr bewegt oder weniger?
Ich habe einiges in Bewegung gebracht – insbesondere fürs Kind.
Ansonsten haben wir uns ab Mai viel und v.a. regelmäßig bewegt.

Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Erfreulicherweise nichts Ernstes.

Davon war für Dich die Schlimmste?
Nichts.

Dein Wort des Jahres?
Antifa.

Dein Unwort des Jahres?
Eigenverantwortung und Lockerungen.

Dein Lieblingsblog des Jahres?
Ich habe immer noch keinen Lieblingsblog.

2020 war mit einem Wort…?
Interessant*.

Dein grösster Wunsch fürs kommende Jahr?
Vermutlich würden jetz viele „Impfung“ sagen. Ich bin mir nicht sicher, ob das MEIN größer Wunsch ist (auch wenn ich mich sicher impfen lassen werden). Wobei mein Wunsch indirekt damit zusammenhängt: Wieder auf ein Konzert gehen.

2019.

—————————–
* gut, spannend und ermüdend

(Un-)froh

(Un-)froh

#ClosedAdvent (11)

Das Kind hat zunächst Zahnschmerzen und geht erst zur zweiten Stunde. Als er aus dem Haus ist, bin ich wach. Der RB bringt mir Tee und irgendwie ist es kalt. Als ich mich an den Schreibtisch setze, stelle ich fest: Die Heizung ist mal wieder ausgefallen. Das ist natürlich super, da heute die Putzhilfe kommt. Mit kaltem Wasser putzt es sich ja bekanntlich super. Der RB und ich machen eine Essens- und Einkaufliste, damit wenigstens er weg ist, wenn die Putzhilfe kommt. Ich kann nicht raus, ich habe heute keinen FREItag. Ich habe diversen Kleinkram und eine Besprechung, auf die ich keinen Bock habe. Die auch kurz entsprechend eskaliert. Gerne hätte ich noch mehr geschafft, aber um 16h00 findet unsere Mini-Weihnachtsfeier, die – wie in diesen Zeiten üblich – digital statt. Insgesamt ist es ganz unterhaltsam, aber es wäre durchaus nett gewesen, wenn wir vorher irgendwas zugeschickt bekommen hätten. Aber gut, es sind auch nur zwei Stunden. Es soll ja im Frühjahr oder wann es halt geht ein Fest nachgeholt werden.

Danach habe ich Hunger und bin sehr froh, dass der RB sich schon ums Abendessen gekümmert hat. Froh bin ich auch, dass endlich Wollnachschub für den Afghan Hue Shift angekommen ist. Blöd, dass eine Farbe immer noch fehlt. Ich werde doch in den Dorf-Wollladen müssen (vor dem Lockdown).

Sehr unfroh werde ich während des Essens. Da eskaliert es zwischen mir und dem Kind. Uff, ich bin enttäuscht, traurig, wütend und auch verzweifelt. Er steht sich so dermaßen selbst im Weg, dass ich langsam nicht mehr weiß, wie ich ihm helfen kann. Und er legt Verhaltensweisen an den Tag, die er definitv nicht hier vorgelebt bekommt. Da steckt etwas tief in ihm drin und es wird so verdammt schwer, dass er aus der Nummer rauskommt.

Danach fühle ich mich wie eine ausgequetschte Zahnpastatube. Ich schicke das Kind in sein Zimmer. Ich will und kann ihn nicht sehen. Er soll nachdenken oder was auch immer tun. Ich kann gerade gar nichts machen. Ich weiß nicht wohin mit mir und bin froh, dass der RB mich ins Bett schickt. Mir dröhnt der Kopf, aber ich bin so leer, dass ich trotzdem einschlafe.

Als ich wieder wach werde ist es nach 23h00. Ich finde einen Brief, den mir das Kind unter der Tür durchgeschoben hat. Der macht mich auch traurig. Das Kind schläft mittlerweile, er hat sich komplett selbst ins Bett gebracht. Das ist das erste Mal ever (abgesehen von Abenden, an denen wir eh nicht zusammen waren), dass er ohne Gute-Nacht-Sagen ins Bett muss. Es tut mir so leid. Ich fühle mich nicht gut. Ich bin ratlos über die Situation. Der RB auch. *seufz* Ich klettere kurz zum Kind aufs Bett und kuschel ihn ein bisschen. Ach, ach. Morgen werden wir sprechen müssen.