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Kategorie: grenzenlos

#ClosedNovember (1)

#ClosedNovember (1)

Das Kind hat sich heute ein Herz gefasst und endlich seinen Vater angerufen. Das hat er mittlerweile seit – wenn ich mich nicht völlig irre – Ende August vor sich hergeschoben.

Das war ganz schön belastend für ihn. Also das aktive Nichtmelden und auch Nichtdrangehen, wenn der Kv von sich aus anrief.

Aber die letzten Gespräche zwischen Vater und Sohn waren vermutlich belastender. Sonst wäre das Kind dem Kontakt nicht so aus dem Weg gegangen.

Über zwei Monate sind natürlich eine lange Zeit, in der sich auch Angst vor der Angst aufbauen und einem – also dem Kind – hin und wieder den Schlaf torpedieren kann.

Ich lasse dem Kind die Entscheidung, ob und wann er mit seinem Vater kommunizieren will, aber wir sprachen die vergangenen Tage vermehrt darüber. Und dass das Gefühl nicht besser wird mit der Zeit. Dass er das Telefonat aber selbst führen muss (auch wenn ich natürlich für ihn da bin).

Also rief er an.

Und nun ist er erleichtert. Weil es getan ist. Weil es fast überfällig war.

Bedingen

Bedingen

Zweite Welle: Tag 55

Die Koinzidenz ist durchaus interessant. Ob es nur eine temporäre oder auch eine kausale ist, muss noch beobachtet werden:

Das Kind ist derzeit erstaunlich entspannt. So hier im Alltag. Selbst die Schule wird gerade nicht gehasst. Im Gegenteil so langsam weichen sich die Cliquen auf und er wird von den anderen angenommen – in seiner ganzen Andersartigkeit. Er ist selbstständig, zuverlässig und für sein Alter gut organisiert. Hier zu Hause ist er – wie es sich gehört – präpubertär aufmüpfig, aber noch erträglich. Und ich bin mir sicher, dass es Jammern auf sehr hohem Niveau ist, weil eben „selbstständig, zuverlässig und für sein Alter gut organisiert“. Das Rugby-Training macht ihm wieder großen Spaß und ich freue mich, dass er das Bouldern für sich entdeckt hat.

Zeitgleich geht der Kontakt zum Kv immer weiter zurück. Seit Wochen lehnt das Kind jede Kontaktaufnahme ab. Er sagt, er fühle sich nicht bereit und er habe keine Lust, belatschert zu werden. Er möchte ernst genommen werden. Und nein, das passiert beim Kv nicht. Der Kv sieht vorrangig sich selbst und seine Bedürfnisse. Er redet von seinen Rechten, aber was das Kind will, ist egal zweitrangig. Wenn der Kv sich meldet, dann ist immer ein Unterton dabei. Neutrale, interessierte Kommunikation ist von Seiten des Kv nicht möglich. Und das will das Kind – zurecht – nicht mehr ertragen.

Haben also der Nicht-Kontakt und der entspanntere Alltag miteinander zu tun? Bedingt das eine das andere? Möglich ist das. Vielleicht ist es aber eh ein Prozess, den das Kind gerade durchmachen würde. Was ich auf jeden Fall beobachte: Das Kind reflektiert sich sehr stark und benennt eindeutig, welche Verhaltensweisen vom Kv kommen. Warum er manchmal handelt, wie er handelt. Er erkennt dabei auch, dass diese Verhaltensweisen nicht immer gut ankommen (können) bei Unbekannten. (Wenn er wen länger kennt und Vertrauen hat, kommen die nicht so zu tragen.) Und durch den Nicht-Kontakt und insbesondere dadurch, dass er nun über acht Monate nicht in Frankreich war, bekommt er diese Verhaltensweisen auch nicht mehr „regelmäßig“ vorgelebt. Denn hier finden die unter Garantie nicht statt – eher im Gegenteil.

Und ich sitze hier und staune über mein Kind. Ich sehe, wie er sich wiederfindet, weil er nicht mehr zerrissen* ist. Weil der RB und ich ihn so nehmen, wie er ist. Weil er sein Ding machen darf. Weil er nicht die Bedürfnisse eines (oder hier halt zwei) Erwachsenen mitdenken muss.

Auch wenn ich manchmal dem Kind wünsche, dass er nie wieder Kontakt zum Kv haben muss, weiß ich, dass das nicht richtig wäre. Also nur richtig wäre, wenn das Kind es selbst will. Und ich weiß, dass er eigentlich nach Frankreich will. Dass er gerne dort ist.

Doch erstmal ist Pandemie. Die Zahlen in Frankreich und in der Bretagne steigen und steigen. Das Kind will da nicht hin. Außerdem ist der Kv vom Sockel gestürzt und nun liegt ein Scherbenhaufen vor dem Kind, mit dem er erstmal klarkommen muss. Und es ist gut, dass er die Zeit dazu hat.

Ach, mein liebstes Lieblingskind, ich bewundere Dich für Deine Resillienz.

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* Er benannte die Zerrissenheit lange damit, dass es unterschiedliche Sprachen sind. Auch hing er zwischen den Erziehungsstilen. Schule und Ferien. Landleben und Großstadt…

X-3 Tage bis zur zweiten Welle

X-3 Tage bis zur zweiten Welle

Bis zum Urlaubsbeginn wird es hier nicht wirklich spannender: Meine To-Do-Liste ist ziemlich lang und ich arbeite sie nur im Schneckentempo ab. Weil immer wieder irgendwas geklärt werden muss, oder den Job anderer Leute machen muss. Orrrr.

Mittags rief die Anwältin an und bestätigte meine Wunschvorgehensweise*.

Das Kind hat festgestellt, dass er bei dem guten Wetter rausgehen kann und war am nachmittag im Park.

Ich habe am Nachmittag mal wieder gesportelt. Und war danach irgendwie so ausgepowert, dass ich nicht mehr richtig denken konnte. Mit Blick auf die To-Do-Liste nur suboptimal. Aber mei. Das wird schon irgendwie.

Weil der RB abends Tasting hatte**, gingen das Kind und ich uns ein Eis holen. Und redeten etwas darüber, wie das mit dem Kv und Frankreich weitergehen sollte. Er hatte am Nachmittag versucht, der französischen Oma zu erklären, was das Problem sei.***

Wir haben ein Amselbaby im Hof wohnen.**** Das ist schon ein bisschen niedlich. Und das Kind ist auch niedlich, wie andächtig er zuguckt und auf dem Balkon rumschleicht, um es nicht zu erschrecken und zu beobachten.

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* Aussitzen und abwarten, was da kommt.

** online von zu Hause aus

*** Ich fürchte, sie kann und will es nicht verstehen. Und letztlich ist ihre einzige Sorge, ob das Kind ihr in irgendeiner Weise gram ist. Das hilft dem Kind echt weiter.

**** Und ein Taubenprächen brütet in der Zierkirsche.

Abschottung, Tag 24

Abschottung, Tag 24

Ich bin eine schlechte HomeSchooling-Mutter. Ich habe noch immer nicht die letzten Hausaufgaben von letzter Woche an die Lehrerinnen geschickt. Das Kind hat aber auch noch kein Feedback von ebendiesen Lehrerinnen zu vorherigen Aufgaben. Da fällt es mir etwas schwer, da so streng nachzuhalten. Wobei das Kind wohl fertig ist mit den Aufgaben.

Nächste Woche habe ich Urlaub und das ist auch wirklich gut so. Es war ja eh nicht geplant, dass wir wegfahren. Dass das Kind da ist, war ja auch nicht geplant. Aber gerade ist eh nichts geplant. Dennoch wird es uns allen gut tun, wenn ich nicht arbeiten muss. Ausschlafen, wirklich Zeit miteinander – vor allem das Kind und ich. Mein Job fordert mich gerade sehr. So wie immer. Covid-19 hat auf meine Projekte noch keinen direkten Einfluss. Hier und da indirekten, aber sicherlich haben wir dadurch weniger, sondern eher mehr zu tun.

Arbeit besteht heute aus vielen Telefonaten. Als das letzte Telefonat geschafft ist, ist es spät genug, dass ich den Teig für die Burgerbuns vorbereiten. Während der Teig geht und ich nochmal arbeite, kümmern sich der RB und das Kind ums Hack.

Das Kind am Fleischwolf

Ich klappe den Rechner zu und forme mit dem Kind Patties. Dann ist der Teig gegangen und ich forme Buns. Während die gehen, kümmern wir uns um die weiteren Burgerzutaten. Dann kommen die Buns in den Ofen.

Perfect Buns*

Der RB verschwindet auf den Balkon. Dort ist es angenehmer als auf dem Balkon und so beschließen wir zu ersten Mal** in diesem Jahr draußen zu essen.

Nomnomnom

Danach mache ich noch was für die Arbeit, das Kind skypt mit dem. Kv, der RB verflucht seinen Apfel***.

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* Der Trick war unbeasichtigt: Kurz vor Backende hatte irgendwer versehentlich die Temperatur auf 250 °C hochgedreht.

** Stimmt nicht ganz, wir hatte Anfang der Abschottung schon Kaffee und Kuchen auf dem Balkon.

*** Hah! Meine Rede. Seit 3 Monaten.

Abschottung, Tag 14

Abschottung, Tag 14

Hui, zwei Wochen also schon in der Abschottung. Dabei bin ich ja schon seit 4 Wochen im HomeOffice – abgesehen von dem einem Kundentermin. Es geht die zweite HomeSchool-Woche zu Ende. Noch eine Woche bis zu den Osterferien. Ich muss endlich mal das Flugticket stornieren.

Weil Abschottung und HomeSchooling meine tägliche Produktivität etwas einschränken, ist der Freitag aktuell nicht mehr mein FREItag. 30 Stunden auf 5 statt 4 Arbeitstage zu verteilen, ist unter den derzeitigen Umständen deutlich entstressend. Die Projekte laufen insgesamt gut.

Das Kind hatte morgens Geschichtsunterricht beim RB. Mittags jagdte ich ihn ins gute Wetter. Er sollte musste frische Luft schnappen und damit er nicht nach 5 Minuten wieder reinkommt, bekam er meine Spiegelreflex und eine Fotoralley* in die Hand gedrückt.

Mein Hauptprojekt wartet immer wieder mit neuen spannenden Unwägbarkeiten auf. Aber es läuft gut zwischen unserer Hauptansprechpartnerin und unserem Team. Das ist viel wert.

Um 16h00 verabschiede ich mich aber dann doch in Wochenende.

Vorerst.

Um 16h40 kontaktiert mich die Kollegin. Es muss doch noch dringend was gemacht werden.

Das Kind startete um 17h00 wieder Kinderquatschen. Aber entweder passte der Termin nicht oder zu große Schüchternheit führten dazu, dass nur kurz ein anderes Kind dabei war. Der midi-monsieur war – verständlicherweise – sehr enttäuscht.

Ich klappte erst um 18h00 den Rechner zu.

Dann wollte ich kochen, allerdings musste ich nochmal kurz einkaufen. Naja, was sich in diesen Zeiten kurz nennt. Unser Supermarkt hat nun endlich auch Zugangsbeschränkungen und so war vor dem Laden eine kleine Schlange, in der jede gut 2 Meter Abstand zur Vorderfrau hielt. Das Gute an den Zugangsbeschränkungen: Der Laden ist nicht mehr so ausgeräubert und der Einkauf ohne zu viele Menschen durchaus entspannter. So konnte ich wenigstens kochen, was sich mein Hirn sponant überlegt hatte, als ich das Hackfleisch sah, das dringend verarbeitet werden wollte:

Tom Kha Köttbullar**

Das war sehr lecker.

Dann ging es in die CorotäneKneipe und es war wieder mal eine gute Ablenkung von der Abschottung.

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* Was Gelbes, 4 verschiedene Blätter, ein Quadrat, Blüten, Wasser – nur ein Regenbogenbild hatte er nicht gefunden.

** TomKhaIrgendwas mache ich nach diesem Rezept. Immer angepasst an das, was gerade da ist. Das Hack hatte ich mit Salz, Cumin und Paprikapulver gewürzt, kleine Bällchen geformt, angebraten. Als Gemüse: Möhre, Paprika, Champignons und Bambus. Und als Einlage Reis.

Abschottung, Tag 4

Abschottung, Tag 4

Ist es das, was das Kind braucht?! Ganz klare Strukturen?? Seit ca. 8h00 war er vermutlich wach, schaffte es aber sich erstmal selbst zu beschäftigen. Gegen 8h30 kam er zu mir. Um 8h45 klingelte mein Wecker. Ich wurde langsam wach. Das Kind war hochmotiviert und hatte schon Rührei vorbereitet. Während ich aufstand, hörte ich wie er die Kaffeebohnen für den RB mahlte. Er war ganz aufgeregt. Gegen 9h30 saß ich am Tisch und guckte kurz in den Arbeitsrechner. Das Kind rührte Rührei und sah seinen Zeitplan schon am ersten Tag an die Wand fahren. Sollte er doch von 10-12 Uhr Englischaufgaben bearbeiten.

Um 9h45 saßen dann alle am Frühstückstisch und um 10h05 saß das Kind am Schreibtisch. Ich saß am Rechner. Der RB auch. Ich arbeitete Dinge ab. Das Kind lernte, wie er mit einem Wörterbuch umgeht. Ich hoffe, dass das Kind am Ende dieser Zeit nochmal einen deutlichen Schub in Richtung Selbstlernen und Selbstorganisation gemacht haben wird.

Ich arbeitete weiter. Der RB fuhr in den Landen. Das Kind hielt sich recht penibel an seinen Zeitplan. „Gestört“ wurde er nur von seinem Termin beim Kieferorthopäden, den wir nicht im Zeitraster bedacht hatten. Zum Glück ist das Kind (noch) flexibel genug und der Termin dauert auch nur 30 Minuten (also von Losgehen bis Wiederkommen). Dann folgte er weiter seinem Plan und ich arbeitete immer noch.

Um 17h30 ging nichts mehr bei mir. Der Stecker war gezogen (vermutlich eine Mischung aus nicht ganz so gutem und ganz ausreichendem Nachtschlaf + zu wenig getrunken). Ich legte mich auf den Fakir und war binnen Sekunden eingeschlafen. Um 18h30 wurde ich wieder wach und um 19h00 kochte für das Kind und mich. Das Essen war zwar vor 20h00 fertig, aber halt so knapp, dass ich die Twitterkneipe kauend öffnen musste. Aber so ist das halt in der Kneipe: Die einen essen, die anderen trinken, weitere rauchen. Die Leute kommen und gehen. Es ist unterhaltsam, es ist wunderbar durchmischt.

Voll besetzte Twitterkneipe

Ach, danke, ihr Lieben, die ihr dabei wart, für den schönen Abend. Das machen wir jetzt öfter, damit uns die Abschottung nicht so sehr entsozialisiert. Ich freue mich schon aufs nächste Mal!

Rien ne va plus*

Rien ne va plus*

Nein, es ging nicht (gar) nichts mehr heute, aber es ging recht wenig, so zum Beispiel ging

  • ein Zug morgens nach Paris,
  • ich 6,6 Kilometer durchs 9. Arrondissement,
  • die eine oder andere Busverbindung,
  • fast am Gare du Nord verloren,
  • das alltäglich Leben in Paris weiter,
  • das Taxibusiness in Paris sehr gut,
  • der midi-monsieur mit mir 500 Meter stramm den Boulevard de Strasbourg entlang,
  • die Rückverbindung trotz dreimal Umsteigen sehr gut.

Nicht (mehr) ging

  • meine ursprünglich geplante Verbindung hin (daher 2 Stunden früher los**),
  • der größte Teil des Pariser ÖPNV, insbesondere die Metros,
  • irgendwann der Bus, in dem ich saß,
  • es mit dem Taxi weiter, als wir 500 Meter vor dem Gare de l’Est waren,
  • was bei mir am Abend zu Hause nach dem Essen*** und als das Kind im Bett war.

Ich stehe dem Streik in Frankreich recht wohlwollend gegenüber****, denn ich kann wirklich verstehen, dass die Französinnen keine Agenda2010 haben wollen*****. Und so normal das Leben in Paris weiterging, so zeigte sich deutlicher als sonst schon:

  • Die Stadt ist nicht für den motorisierten Individualverkehr ausgelegt.
  • Die Maßnahmen, die die Stadt sehr massiv getroffen hat, um den ÖPNV (Busse) und den nicht-(verbrenner)motorisierten Individiualverkehr (Fahrrad, e-Roller) zu stärken******, schränken den motorisierten Individualverkehr ein. Das ist gut so, funktioniert aber nicht, wenn der unterirdische ÖPNV nicht zur Verfügung steht.

Und abgesehen von dem Stress wegen des ausgefallenen Busses auf dem Weg zum Montparnasse und der Taxifahrt vom Gare Montparnasse zum Gare de l’Est (nach 40 Minuten stiegen wir aus (s.o.), mit der Métro 20 Minuten) hatten, hatte ich eine insgesamt gute Zeit und einiges zu sehen:

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* Nicht geht mehr.

** weswegen ich gefühlt gar nicht total schlecht geschlafen hatte

*** total fertig

**** ja, so von außen und ohne betroffen zu sein, sagt sich das leicht, aber dennoch…

***** auch wenn sich sicher nicht um eine Renten- und auch Arbeitsmarktreform herumkommen werden, aber das schlechteste vom Schlechten aus Deutschland zu übernehmen kann es nicht sein.

****** Aus normalen Fahrspuren wurden Busspuren (auf denen auch Fahrräder und Limes, aber auch Taxis fahren dürfen) oder baulich abgetrennte Fahrradwege.

17

17

Ich nahm den ersten Zug (5h58) nach Paris. Hui, drei Stunden Schlaf waren nicht viel. Zum Glück konnte ich im Zug nochmal drei Stunden schlafen, sonst hätte ich den Tag wohl nicht überstanden. Und schon gar nicht den schönen Spaziergang:

Am Gare Montparnasse, wo ich dann das Kind in Empfang nahm, war ich dann 17 Kilometer gelaufen. Huiii.

Und als das Kind und ich heute Abend um 21h20 wieder zu Hause waren, war ich auch 17 Stunden auf den Beinen…
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* Komoot

** Bubble Sky par Patrícia Cunha

*** Das sind insgesamt vier Gebäude, die alle gleich aussehen: Zwei Gebäudeteile, die im rechen Winkel zueinander stehen und damit ein aufgeklapptes Buch stilisieren sollen.

**** Ich hatte auf meinem Spaziergang extra zwei Umwege eingelegt, um an Läden vorbeizukommen, die den verkaufen. Der erste hatte Ferien und der zweite machte später auf als ich vorbeikam. Zum Glück gibt es direkt am Gare de l’Est einen Laden (das wusste ich eh, aber ich wusste nicht, ob die Zeit reicht, da noch einzukaufen).

Es reicht

Es reicht

… mir reicht es zumindest zunehmend. Regelmäßig ärgere ich mich über die Politik, über die zunehmende rechte Haltung, die durch die Gesellschaft wabert und sich langsam aber stetig manifestiert.

Es lässt sich nur mutmaßen und spekulieren, was hinter dem Schmierentheater vom Seehofer tatsächlich steckt. Der RB hat eine Theorie. Ich eine andere. Aber egal welche, so ein Verhalten ist nicht tragbar. Nicht ertragbar und schon gar nicht durch welche Theorie auch immer zu rechtfertigen.

Doch das Schlimmste für mich ist die Haltung: Im Großen und Ganzen geht es uns extrem gut in unserem Wolkenkuckucksheim Deutschland. Vieles Gejammere findet auf extrem hohen Niveau statt. Ja, eine darf das nicht mit der gesamten Weltlage relativeren und ich will auch die Probleme der einzelnen nicht schmälern, aber letztlich geht es uns sehr gut.

Und aus dieser Position heraus krähen ein paar, denen es entweder gar nicht schlecht geht (weil Politiker) oder gar nicht wissen, wovon sie reden (Menschen in Gegenden mit einer extrem niedrigen Migrantenquote), dass „unser Boot“ voll sei.

Es ist einfach nur widerlich, dass diese Leute krähen und Theater machen (dürfen), während und auch damit Menschen bei der Flucht umkommen. Es werden Menschen aktiv daran gehindert, diese Menschen zu retten. Dieser Tweet trifft mein Wut ziemlich gut:

Mich macht diese Bigotterie, dieses Messen mit zweierlei Maß fassungslos und wütend. Und sie ist real. Das ist keine Überspitzung. So sieht es derzeit aus und so kann es nicht weitergehen.

Am liebsten würde ich Wände einrennen, Menschen schütteln und eine Revolution anzetteln.

Geht aber nicht, aber dafür gehe ich erstmal auf eine Demo

Eigentlich wollte mich der RB ja zu meinem ersten Fußballspiel überhaupt schleppen, aber wir sind uns einig, dass die Demo wichtiger ist.

Neben der Demo in Berlin finden am Samstag, 7. Juli, auch in anderen Städten Demos statt:

  • Bremen
  • Zwickau
  • Frankfurt
  • Hannover
  • Heidelberg
  • Leipzig
  • Gießen

Demos sind schon mal ein guter Anfang. Aber eine Revolution wäre auch nicht so verkehrt.

Passmacht

Passmacht

Der deutsche Pass, also der Reisepass, ist der „mächtigste* Pass“ der Welt. Wer einen solchen besitzt – besitzt man einen Pass?** -, darf in 158, 161 bzw. 176 (je nach Quelle) Länder visafrei reisen.*** Das bedeutet als Deutsche*r darf man zwischen 82 und 91 Prozent aller Staaten der Welt visafrei bereisen.

Ich besitze – theoretisch – einen solchen Pass. Praktisch ist mein Reisepass seit August 2017 abgelaufen. Ich reise nicht viel und wenn dann bewege ich mit ins europäische Ausland und da reicht bekanntlich ein Personalausweis. Wobei ich gar nicht weiß, wann ich den zum letzten Mal in einem „fremden“ Land vorzeigen musste. Europa (und nicht nur die EU) sind grenzenlos. Mir gefällt das. Denn – mal abgesehen von Sprachbarrieren – falle ich erstmal nicht als Ausländerin bzw. Deutsche auf.

Ich habe das Glück**** gehabt, in Deutschland als Tochter von Eltern mit deutschen Pässen geboren worden zu sein. Ich habe nichts zu meiner Nationalität beigetragen. Ich lebe zwar gerne in Deutschland, aber ich würde mich nicht übers Deutschsein definieren, auch wenn ich mich als Deutsche bezeichne(n kanndarfmuss), weil ich das nunmal bin.

Doch letztlich fühle ich mich – wenn überhaupt – europäisch. Ich mag den Grundgedanken der Europäischen Union, vom Schengener Abkommen. Oft erwische ich mich aber auch dabei, dass ich leider nicht genug über das ganze politische Konstrukt dahinter weiß.

Was ich aber weiß, ist, dass ich mit meiner Nationalität in einer Zeit quasi grenzenloser Freiheit lebe. „Wir Deutschen“ dürfen (!!!) uns frei bewegen – nicht nur innnerhalb Deutschland, sondern auch über unsere unmittelbaren Außengrenzen und weit darüber hinaus. Und es will mir nicht in den Kopf, warum wir dieses Geschenk und Privileg auf der einen Seite als unantastbar – quasi gottgegeben – vorausssetzen***** und nutzen, aber auf der anderen Seite, diese Freiheiten Menschen mit nicht-europäischen Nationalitäten nicht zugestehen wollen. Freiheit funktioniert nicht als Einbahnstraße. Freiheit funktioniert nur, wenn man sie teilt.

Und wie schnell es mit der Freiheit vorbei sein kann – trotz vielleicht „richtiger“ Nationalität, aber falschem irgendwas -, hat uns die Geschichte des 20. Jahrhunderts eigentlich einbrennen sollen. Aber weil das einige immer wieder vergessen, ist das verehrte Fräulein ReadOn so wichtig … mit ihrem Blog, aber auch – ganz aktuell – mit dieser beeindruckenden Rede (ab 1:07:50).

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*Ich höre schon „meinen“ Politologen moppern, der sich regelmäßig über die mächtige Stellung Deutschlands in Europa auslässt.

** Ganz hinten im Pass steht: „Dieser Reissepass ist Eigentum der Bundesrepublik Deutschland“

*** Auf der Seite des Auswärtigen Amts finde ich keine (validen) Daten dazu.

**** Ich finde schon, dass es Glück ist, in einem so priviligierten und wirtschaftlich gut aufgestelltem Land wie Deutschland leben zu dürfen.

***** Das war nicht immer so. Und bis 1990 war es auch für einen Teil der Deutschen quasi unvorstellbar.