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Kategorie: Oh, wewewe

Neutral ist keine Option

Neutral ist keine Option

Auf Twitter habe ich eine Umfrage gestartet. Aktueller Zwischenstand:

65 Prozent von 17 sind 11 Bloggerinnen. Anscheinend alles Bloggerinnen, die ich nicht lese, denn ich erinnere mich nicht an einen Post, in dem sich die Schreiberin klar antifaschistisch / antirassistisch positioniert. Und verlinkt hat auch bislang nur eine.

Aber vielleicht macht die Frage ja auch noch mit anderen was. Sehr gefreut habe ich mich über diesen Post. Denn er bringt vieles auf den Punkt:

Das Private ist immer politisch.

Klingt abgedroschen, ist aber so. Wir können nicht wie Amöben durch unsere Gesellschaft wabern und meinen wir kommen durch.

Ja, ich kann mir vorstellen, dass sich die eine oder der andere gut im Leben eingerichtet hat oder sich noch sicher fühlt.

Aber ein bisschen frage ich mich schon: Wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt keinen Bedarf sehe – warum auch immer -, mich politisch zu positionieren, wann denn dann?

Wir können in der Frage „Faschistin oder Antifaschistin“ nicht neutral sein. Wer auch nur etwas im Geschichtsunterricht gelernt hat, sollte wissen, wie es enden kann. Wir können nicht auf unseren hohen Rössern sitzen und mit dem Finger auf unsere Großeltern-Generation (zumindest in meinem Fall) zeigen und fragen: Warum habt ihr nichts getan?

Wir müssen jetzt das tun, was diese Generation vielleicht nicht tun konnte. Wir müssen jetzt aus unserer Komfortzone raus, denn wir wissen, wie es weitergehen kann und wird.

Wir schimpfen auf Medien, die sich als Steigbügelhalter der Nazis anbiedern.

Aber seien wir ehrlich: Wer schweigend und vermeintlich neutral hinnimmt, was derzeit passiert, in der Hoffnung, es gehe von selbst wieder weg, wird genauso mitschuldig sein, wenn das System komplett umkippt.

Liebes Tagebuch am Fünften (Oktober 2019)

Liebes Tagebuch am Fünften (Oktober 2019)

Der Fünfte ist der Fünfte ist der Fünfte. Und egal, ob Werktag, Feiertag oder eben Wochenende – Frau Brüllen fragt: WMDEDGT?

1h00 ich verschwinde ins Bett. Der RB ist noch aufgekratzt wach, aber ich bin nach einem Tag zu Fuß durch Stuttgart k.o. Schlafe schnell ein und durch bis

9h45, als der Wecker klingelt. Semiversehentlich. Ich stelle den Wecker eine Stunde weiter und bleibe erstmal liegen. Allerdings fordert die Blase ihren Tribut. Danach lese ich etwas im Internet, bis um

10h45 der Wecker erneut klingelt. So spannend ist das alles nicht. Ich beschließe, dass der RB nun auch wach sein sollte und gehe zu ihm.

11h30 Der RB geht, um Heißgetränk zu bereiten. Bei Tee und Kaffee werden wir wach(er) und besprechen, was wir die nächsten Tage essen wollen. Dann gehe ich duschen.

12h55 Aufbruch zum Markt: Bank, Metzger, Drogeriemarkt, Gemüsestand, Supermarkt.

14h00 Wir sind wieder zu Hause. Ich helfe noch schnell beim Verräumen.

14h10 Ich breche auf, weil ich im Museum für Kommunikation mit Tweeps verabredet bin. Nach Kaffee und Kuchen vergnügen wir uns in der ständigen sowie aktuellen Sonderausstellung.

17h00 Wir verlassen das Museum und am Willy-Brandt-Platz trennen sich unsere Wege. Ich entscheide mich spontan dazu, noch ein Stück zu Fuß zu gehen. Die neuen Hochhäuser und die Innenstadt habe ich schon lange nicht mehr bei Tag gesehen.

Natürlich war es nur semischlau, abends um 17h30 über die Zeil zu laufen. Umgekehrt wäre es aber auch genauso albern, von der Hauptwache zur Konsti zu fahren, um dort in die Bahn nach Hause umzusteigen.

18h30 Endlich wieder zu Hause. Ich habe Hunger und mache mich ans Kochen.

20h30 Der RB geht „kurz“ einkaufen. Braucht allerdings für vier Artikel zwei Anläufe.

Als er wieder da ist, leiten wir den gemütlichen Teil des Abends:

Peaky Blinders, Guinness und passende Chips Crisps.

Schönes Restwochenende allerseits.

Banksy gesehen

Banksy gesehen

Sagen wir es mal so: Wenn die Gesellschaft stimmt, ist es mir auch egal, wo ich mich gerade aufhalte. Daher war es auch nicht schlimm, dass wir uns heute in Stuttgart getroffen haben. (Liebe Stuttgarterinnen, nicht böse sein, aber ich werde mit eurer Stadt nicht warm.) Es fing schon auf der Hinreise an, dass mein Zug ausfiel und im Ersatzzug die Reservierungen nicht mehr gültig waren. Gut, da kann Stutttgart nichts dafür. Dann waren im Zug ganz viel Menschen in Tracht. Und ich finde Tracht eh schon schlimm, aber wenn sich Norddeutsche Nicht-Bayerinnen in Dirndl und Lederhosen zwängen, ist das Grauen durchaus perfekt. Naja, bald ist Halloween. Dass ein Teil dieser Trachtenträgerinnen mit mir ausstieg, war dann auch nicht besser. Da war dann der Bahnhof, oder die Katastrophe, die Hauptbahnhof genannt wird. Die Innenstadt war proppevoll. Diese Stadt ist definitiv nicht für so viele Menschen ausgelegt. Wenigstens haben wir was Nettes fürs Mittagessen gefunden, aber ganz einfach war das auch nicht. Immerhin waren wir dann ausreichend gestärkt, um die Staatsgalerie leerzugucken. Also wenn die uns gelassen hätten und nicht bereits um 17h00 (an einem Freitag und zudem Brückentag) zumachen würden. Aber ein bisschen was haben wir gesehen:

Ich bin ja froh, dass wir direkt im richtigen Teil der Staatsgalerie gelandet sind, also Kunst ab 1800, und nicht bei den wirklich ollen Schinken.

Späti

Späti

Schade, dass der Kv heute über 50 Minuten brauchte, um vom Frankfurter Hauptbahnhof nach Bornheim zu kommen. Sonst hätte ich heute einen Auftritt à la „Ich bin die Frau vom Chef und ich nehme jetzt dies und das mit“ hinlegen können und damit vermutlich für viel Aufruhr gesorgt.

Obwohl… vermutlich hätte es, obwohl ICH ja nur 30 Minuten von Bornheim nach Offenbach brauchte, trotzdem nicht ganz gereicht. Gut für die Allgemeinheit, schade für meinen inneren Widerborst.

Trotz aller Verzögerung einen schönen Abend mit der lieben J. verbracht. Jaja, nicht über Dich reden. Hihi.

Und auf dem Weg nach Hause ein leichtes Gefühl von Späti gehabt, als ich noch schnell drei Flaschen Wein und zwei Flaschen EmmaSchoppen einkaufte aus dem Laden holte.

(Und von der Haltestelle Ledermuseum zur Haltestelle Kaiserlei brauche ich 7 Minuten zu Fuß. Gut zu wissen.)

Medienkompetenz

Medienkompetenz

Ja, das Kind hat ein Smartphone. Es hat so einen Halbvertrag auf Prepaid-Basis. Er hat ein gar nicht so geringes Datenvolumen und zu Hause hat er zwischen 7h00 und 21h00 Zugang zum WLAN. Er hat auch ein Tablet – ohne SIM-Karte – und mit eingeschränkterem WLAN-Zugang. Zudem hat er noch eine Switch.

Seine Bildschirmzeit ist hier durchaus ein Thema. Obwohl es rational betrachtet durchaus Quatsch ist: Das Kind hat montags und donnerstags bis 15h50 Schule, gegen 16h10 ist er zu Hause und um 16h30 muss er wieder los zum Sport. An den anderen Tagen hat er bis 14h00 Uhr Schule (wobei eigentlich noch ein weiterer Tag bis 15h50 gehen sollte), ist gegen 14h30 zu Hause. Am Dienstag hat er nichts weiter am Nachmittag. Am Mittwoch muss er um 16h30 und am Freitag um 16h45 zum Sport. Am Wochenende ist oft genug ein Rugby-Tunier. Am Ende der Woche bleibt – ganz rational betrachtet – gar nicht so viel Zeit zum Zocken. Trotzdem fühlt es sich so an, als würde er die ganze Zeit ausschließlich zocken. Zudem weiß ich ziemlich genau, was er macht: Auf der Switch spielt er Zelada und auch wenn ich selbst keinen Vertrag mit Videospielen habe, finde ich das Spiel nicht wirklich schlimm. Das Tablet nutzt er oft dazu, um auf you.tube irgendwelche Let’s-Player zu gucken, um sich Tipps für Zelda zu holen. Außerdem skypt er damit mit dem Kv und spielt Minecraft. Er hat auch noch ein paar andere Spiele drauf. Aber wogegen ich mich explizit ausgesprochen habe – auch wenn es „alle“ spielen -, ist Fortnite. Und er fand das auch nur kurz nicht gut, aber auch nicht so wirklich. Und nun in der neuen Schule ist es gut, dass er es gar nicht spielt. (Wer nicht spielt, spielt halt nicht, aber utner denen, die spielen, gibt es ordentlich Hackordnungskämpfe.)

Auf dem Handy hat er Skype und sonst nichts. Wenn ich noch ein altes nicht-mobildatenfähiges gehabt hätte, hätte er das und nicht mein altes Smartphone bekommen. Aber nur, weil das Smartphone smart ist und er Datenvolumen hat, heißt das für mich noch lange nicht, dass er das ausreizen muss oder gar darf. Er hat daher auch kein WhatsApp (Nein, es ist nicht erst ab 16 Jahren erlaubt. Wenn Eltern früher einverstanden sind, dürfen die Kinder auch früher.), kein Instagram, kein Twitter, kein Snapshat, kein TikTok und was es nicht sonst noch so an SocialMedia-Apps gibt. Sogar you.tube habe ich ihm runtergeschmissen, damit sich das nicht im Bus mit den Freundinnen und Kumpels so hochschaukelt und das Datenvolumen schubdiwupp weg ist.

Außerdem bin ich der Auffassung, dass Kinder in dem Alter nur selten all dies sinnvoll nutzen können. Es sind zu viele Informationen, zu viele Möglichkeiten, die Kinder mit 10 Jahren noch nicht überblicken und filtern können. Daran gebunden ist auch Rechtliches, von dem die Kinder keine Ahnung haben.

Eines dieser Rechtlichen Dinge ist: das Recht am eigenen Bild. Das Kind ist sich seines Rechtes ziemlich bewusst. Er authorisiert jedes Bild, das von ihm hochgeladen wird. Entspechend kann ich seinen Ärger verstehen, wenn er von Klassenkameradinnen fotografiert oder gefilmt wird und dann nicht weiß, ob diese Aufnahmen irgendwo hochgeladen. Denn einige haben halt schon die eine oder andere SocialMedia-App. Und ja, es wird versucht, den Coolnessfaktor der einzelnen daran zu bemessen, ob und welche Apps auf dem Handy sind.

Das wird noch ein zähes Ringen die nächsten Monate oder gar Jahre. Da werden noch einige Gespräche laufen – mit dem midi-monsieur, um ihn zu stärken, mit den Lehrerinnen, mit den anderen Eltern. Ich gehe davon aus hoffe, dass sich einiges mit der Zeit verwächst. Ich baue darauf, dass die Kinder – trotz Pubertät – dazulernen.

Das Gute ist: Die Lehrerinnen vom Kind sind durchaus auf Zack, haben ein Verständnis für das, was bei den Kindern aktuell ist und sie hören zu, wenn die Kinder oder die Eltern sich an sie wenden.

Happy Blogday

Happy Blogday

Soso, 12 Jahre also bin ich Bloggerin. Naja, Bloggerin klingt auch eher nach Profession denn Passion bzw. profaner Spaß an der Freude. Außerdem nicht durchgehend und schon gar nicht durchgehend unter der gleichen URL.

Es fing an mit LittleBInBigF.wordpress.com Das Blog schlief aber KV-bedingt bereits nach knapp einem Jahr ein. Und wurde wegen Kind auch nicht wiederbelebt.

Das nächste Blog startete ich, als wir in Hamburg lebten: LittleBInHH.wordpress.com Doch kaum hatte ich mich wieder eingebloggt, war klar, dass wir nicht in HH bleiben würden. Ich behielt die URL erstmal und machte das „Beste“* draus. Dieses Blog begleitet mich nun über 5 Jahre. Es bekam mit den Jahren erst eine eigene Domain (littleb.blog). Seit dem 3.8.2015 – verstärkt durch eine Wette mit Frau Novemberregen – blogge ich täglich. Im August vergangenen Jahres legte ich eine gut sechsmonatige Blogpause ein (ja, ein paar einzelne Unterbrechungen ab Ende Dezember gab es). Die Zeit nutzte ich, um mir zu überlegen, dass ich das Blog doch lieber selbst hosten möchte.**

Leider ist der Umzug von der alten Domain auf die aktuelle immer noch nicht ganz vollzogen, weil wordpress.com und wordpress.org nur semikompatibel sind und ich mich immer noch weigere 129 Euro dafür zu zahlen, dass irgendein wordpress.comorg-Heinzel das macht. Vermutlich muss ich das aber machen, wenn ich die noch nicht umgezogenen 1.415 Posts händisch umziehen möchte.** (Vielleicht sollte ich eine Praktikantin einstellen, solange ich es noch kann…)

Vielleicht ist es ein bisschen schade, dass ich 12 Jahre nicht durchgehend gebloggt habe. Aber so ist es halt. Ich weiß auch nicht, ob ich die nächsten 12 Jahre noch bloggen werde. Ich mag das Bloggen. Noch. Es hat schon was von einem Tagebuch und ich gebe sicherlich auch einiges Preis. Aber letztlich ist es doch nur ein kleiner Ausschnitt aus meinem Leben.

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* Aus HH „Hessens heimliche Hauptstadt“ zu machen war sicherlich nicht das „Beste“, aber das Einfachste, um die URL nicht schon wieder zu ändern.

** Vielleicht sollte ich mich nochmal vertrauensvoll und natürlich gegen Bezahlung an einen Profi wenden, um mir nochmal ein paar Tipps oder so geben zu lassen.

12von12 – oder eben nicht

12von12 – oder eben nicht

Heute morgen dachte ich irgendwann: „Achja, 12von12.“ Aber dann fühlte ich mich so zombiehaft wegen der schlechten Nacht und dem wenigen Schlaf – und das obwohl ich echt früh im Bett war. Also keine 12 von heute. Aber mal überlegen, welche Fotos ich hätte machen können:

#1: Ein um 7h30 noch schlafendes Kind, das mit seinem Wecker kuschelt. (Herrje, was dieses Nicht-Lerchenhafte anbelangt ist der midi-monsieur ja schon mein Kind.)

#2: Selfie von mir allein im Bett mit Scott im Arm. (Ich musste micht nochmal hinlegen. Und allein bin ich, weil ich den RB ich heute Nacht schon vertrieben hatte.)

#3: Aufgeklappter Rechner mit Tee daneben. (Irgendwann bin ich wieder wach und sitze wie ein Zombie vor dem Rechner und tue so, als ob ich arbeite.)

#4: Kündigungsbestätigung vom JournalFrankfurt. (Es ist einfach nur peinlich und ich bin froh, gekündigt zu haben.)

#5: Brot mit Erdnussbutter und Schokostreusel. (Deutlich nach dem Tee esse ich erstmals. Mein Essverhalten ist eh etwas suboptimal in letzter Zeit.)

#6: Verschwommene Mail, mit der ich einen Auftrag annehme. (Nachdem ich vorher mit dem RB geklärt habe, ob er mal wieder einen Tag mit dem Kind alleine bleiben kann.)

#7: Blanko-PowerPoint-Präsentation. (Ich bin ja eigentlich mehr so Word-Nutzerin. PowerPoint nutze ich in der Regel nur, um Experten-Präsentationen anzugucken.)

#8: Aus Gründen mache ich einen Test zur Medienerziehung. Mit Note 2 bin ich zufrieden.

#9: Das Kind und ich am Herd. (Ich erkläre ihm, wie er sich die Spaghetti-Bolo warm machen soll.)

#10: Wenn ich schon eine Tweep habe, die den gleichen Vornamen hat, dann _muss_ ich ja zur Lesung ihres Romans.

#11: Nächtliche Skyline oder – was technisch allerdings nicht möglich wäre – Selfie von mir auf dem Rad, wie ich nachts durch Frankfurt fahre und dabei mein Handy um den Hals trage und die Taschenlampe an habe und als Frontlicht benutze. (Das Klemmlicht hatte ich zwar rausgesucht, aber nicht mitgenommen.)

#12: Teller Spaghetti-Bolo. (Ja, Hartweizennudeln, aber ich habe beschlossen, dass wir die Tiefkühltruhe leermachen und abtauen müssen.)

Die andere Landeshauptstadt

Die andere Landeshauptstadt

Herrje, habe ich schlecht geschlafen. Ich konnte nicht einschlafen und als ich dann endlich schlief, war nicht mehr so viel von der Nacht übrig. Den RB habe ich wohl auch aus dem Bett vertrieben, weil ich seinen Klogang um 5h00 ausnutzte, um mich im Bett und auf seiner Bettdecke so auszubreiten, dass er keinen Platz mehr im Bett hatte und ins Gästezimmer auswanderte.

Das Kind hatte wohl auch schlecht geschlafen und kam nur schwer in die Gänge.

Ich legte mich nochmal hin. Wurde – wie befürchtet – später wach als geplant. Ich duschte schnell, setzte mich an den Rechner. Dann musste ich aber auch schon bald los, denn ich hatte ein TweepMeep in der Landeshauptstadt des Nachbarbundeslandes. Die Bahn hatte Problem und ich fürchtete schon, dass ich deutlich später käme als geplant. Doch ein beherzter Sprint am Bahnhof rettete den Zeitplan. In der Bahn gearbeitet. Und erstmals mit dem Bus von der einen Landeshauptstadt in die andere gefahren.

Mit der Tweep gut unterhalten und lecker gegessen.

Irgendwie ist die „andere“ Landeshauptstadt hübscher als unsere. Ich muss da nochmal hin. So weit ist es ja nicht.

PS: Der Maxibrief ist direkt heute angekommen. Ohne Nachporto. (Hoffe ich jetzt mal.)

Nur vor den Kopf

Nur vor den Kopf

Bestandsaufnahme. Ich habe den Spiegel-Artikel gelesen. Und auch den Zeit.Online-Blogpost. Ich habe Anke Gröners Analyse gelesen. Ich habe Mlle ReadOn einmal persönlich getroffen.

Ich habe ihren Blog nicht regelmäßig gelesen, denn ihr besonderer Stil war mir an vielen Tagen zu anstrengend. Manchmal waren mir die Geschichten zu dicht, zu intensiv. Ihre Geschichten berührten oft und rührten am Menschlichen in den Leserinnen. Vermutlich hätten die Leserinnen ihre Texte anders gelesen, hätten sie sie bewusst als Fiktion gelesen. Viele hätten sie vermutlich gar nicht gelesen. Das vermeintlich Persönliche hat Nähe geschaffen.

Ich bin mir recht sicher, dass die beiden Zeitungsartikel Recht haben. Die Fakten sind stichhaltig und logisch.

Aber ich bin nicht schockiert. Ich schäme mich auch nicht, es nicht früher erkannt/ gewusst zu haben. Dafür habe ich letztlich ihr Blog nicht intensiv genug gelesen. Ich fühle mich noch nicht einmal betrogen. Zumindest nicht persönlich. Ja, sie hat ihre Leserschaft betrogen. Und nein, keine ihrer Leserinnen sollte denken: „Aber ich habe mich betrügen lassen.“ Das ist wie wenn Frauen denken, dass sie wegen des Minirocks / Lippenstift / Lächelns eine Mitschuld an sexuellen Übergriffen haben. Oder halt wie – insbesondere – Frauen oft denken, wenn sie in einer toxischen (ja, ich weiß, viele finden den Ausdruck überzogen oder gar „albern“) Beziehung stecken, dass sie mindestens Mitschuld haben daran, dass sie da jetzt drinstecken, dass sie leiden. Sie hätten sich ja früher trennen können / müssen. Sie hätten es doch erkennen müssen. Wie konnten sie nur auf so einen Blender reinfallen. Etcetcetc.

Ich kenne das. Ich habe das erlebt. Und vielleicht hilft mir diese unschöne Erfahrung mit dem Kv, dass mich all das um Mlle ReadOn nicht schockiert.

Die menschlichen Abgründe sind tief und vielfältig.

Wir können noch so gebildet sein. Meinen, dass wir noch so eine gute Menschenkenntnis haben. Letztlich können wir unseren Mitmenschen doch nur vor den Kopf gucken.

(Darüber hinaus hoffe ich, dass das Fräulein (professionelle) Hilfe hat.)