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Liebes Tagebuch am Fünften (Juni 2019)

Liebes Tagebuch am Fünften (Juni 2019)

Auch heute wieder fragt Frau Brüllen: WMDEDGT?

Und so kurz wie meine Einleitung ist, so könnte auch meine Antwort ausfallen: Arbeiten. Aber ich versuche mal es genauer zu rekapitulieren.

8h10 Ich werde kurz wach, weiß aber, dass ich noch 45 Minuten schlafen kann (und sollte). Als dann der Wecker klingelt, bin ich natürlich nicht fit und es braucht noch bis 9h20 etwas panisch wach werde, weil mir direkt bewusst ist, dass ich um 9h30 telefonieren muss. Zum Glück klingelt das Telefon mit 10 Minuten Verspätung. Danach e-Mails gecheckt. Feedback zum Großprojekt. Absprachen. Während Dinge umgesetzt werden, kümmere ich mich um Text1 und verschicke ihn. Der RB ruft zum Frühstück. Das ist gut. Sonst käme ich gar nicht vom Rechner weg. Aber es macht mich unruhig. Das ist nicht gut. Zurück in den Flöz: Wieder Absprachen. Arbeit an Text2. Der RB lockt mich nach draußen, damit ich das Fahrrad von meinem Papa ins Auto bringe. Dann wieder ins BettOffice. Bekomme eine e-Mail, die mich etwas nervt*. Ich verschicke das Zwischenergebnis vom Großprojekt und bekomme parallel Feedback. Gut, also telefonieren. Die Ansprechpartnerin ist gerade in USA, aber um 14h30 ist bei ihr auch schon morgen. Wir sind uns einig, dass wir auf einem guten Weg sind. Danach telefoniere ich gleich nochmal. Ich esse ein halbes Bötchen. Dann kommt ein Projekt mit Prio1-Ansage zurück, also direkt mal bearbeiten und zurückschicken. Ich sage dem RB ab, heute abend beim Tasting dabei zu sein. Nach Alkohol ist mir eh nicht. Nun wieder zu Text2, den ich endlich fertig mache und zum Gegenlesen verschicke. Ich esse zwei Möhren. Während ich auf das Feedback warte, kümmere ich mich um das Großprojekt. Ich steigere mich in Details rein, aber weiß, dass die Vorarbeit wichtig ist, damit wir das Projekt bald ohne weitere Reibungsverluste abschließen können. Der Kollege machte erfreulicherweise auch etwas länger, um mir noch Text2 zurückzuschicken. Ich arbeite sein Feedback ein und schicke den Text raus. Dann wurschtel ich mich noch weiter durch das Großprojekt, bis ich es endlich um 20h00 verschicke. Dann schreibe ich noch meine Zeiten auf, bekomme einen kleinen Schock, sodass ich um 20h50 noch der Team-Leitung den Status-Quo melde (es geht nicht mehr bis zum Urlaub). Um 21h05 verlasse ich dann das Haus, um was zu essen zu besorgen. Ich laufe ein bisschen durchs Viertel. Als ich feststelle, dass ich mein T-Shirt auf links anhabe, verstecke ich mich hinter der katholischen Kirche, um es umzudrehen. Dann lande ich zufällig im neuen Supermarkt und besorge mir je ein halbes Kilo Blau- und Erdbeeren**. Ich wandere zurück und esse endlich in Ruhe.

Jetzt bekomme ich langsam Entspannungskopfschmerezen, vielleicht lege ich noch eine Runde Yoga ein***.

————————————
* Ich kann gerade ganz unverblümt sagen, dass der Kunde so gut läuft, ist mein Verdienst. Da finde ich etwas übergriffig, wenn die Beratung, die – im Gegensatz zu mir – ein extra-langes Wochenende genießen konnte, mir sagen will, was ich priorisieren soll.

** dazu noch etwas Sushi. Und zum Testen: Rafaello-Himbeere**** und Hummus Chips*****

*** Alternativ könnte ich auch noch arbeiten.

**** Nicht kaufen. Örgs. Künstliche Himbeere.

***** Ganz lecker. (Sorte: Sour Cream & Chives)

Außerordentlich

Außerordentlich

Ein Stöckchen, das keins sein soll. Oder vielleicht doch?! Zumindest fragt Frau Rabe heute: „Und Ihnen? Geht es Ihnen gut?“ Und auch wenn Frau Rabe und ich uns im offline- und weitestgehend auch im online-Leben duzen, fühle ich mich aufgefordert, die Frage zu beantworten

Als elender Optimistin geht es mit natürlich gut. Mir geht es eigentlich immer gut. Es geht mir auch an Tagen gut, an denen ich schimpfe und meckere, an denen mir irgendwas zu schaffen macht, an denen ich Sorgen habe oder an denen ich gestresst oder traurig bin. In der bislang ätzendsten Phase meines Lebens habe ich täglich Glückstagebuch geschrieben, um mir zu verdeutlichen, dass jeden Tag mindestens eine gute Sache passiert. Dass mein Leben gut ist. Dass Dinge gut werden. Aus dieser Zeit sind die Jahres-Lichtblicke geblieben, mit denen ich das Jahr Revue passieren lassen. Das hilft mir sehr, mich zu hinsichtlich meines Wohlergehens genordet zu halten.

Und heute?! Heute geht es mir auch gut. Sogar außerordentlich gut aus verschiedenen Gründen:

  • Ich habe ausgeschlafen. Fast etwas zu lang, denn ich war um 10h30 wieder etwas matschig.
  • Der RB und ich haben zusammen gefühstückt.
  • BettOffice ist ob der Temperaturen durchaus entspannend.
  • Das Wetter ist großartig.
  • Es entspannt mich durchaus sehr, dass das Kind auf Klassenfahrt ist. Dass morgens keine Frühstücksbox fällig ist und es auch auch am Nachmittag ruhig ist.
  • Ich habe ein Projekt fertig gemacht und direkt Lob dafür bekommen. Und dieses Lob ist auf vielen Ebenen viel wert.
  • Zu einem anderen Projekt hatte ich irgendwann die zündende Recherche-Idee, worauf hin der Text so rausflutscht.
  • Es ist durchaus beruhigend zu wissen, dass es Menschen gibt, bei denen sich eine auch mal Luft machen kann. Hilft ja auch manchmal, damit eine gar nicht erst irgendwelche Grabenkämpfe anzettelt.
  • Ich habe ein To-Do wiedergefunden, bevor es mir auf die Füße fällt. (Wobei ich mir ob des Lobs da nicht so viele Sorgen machen muss.)
  • Der RB und ich waren heute nochmal essen. Koreanisch und es war höchstlecker.
  • Nun sitzen wir mit Wein im Strandkorb und genießen die laue Sommernacht.
  • Ich weiß, dass es dem Kind auf der Klassenfahrt gut geht.
  • Wir sind soweit alle gesund.

Und wie ist es so bei Euch? Wie geht’s? Seid Ihr glücklich oder wenigstens zufrieden?

Nur vor den Kopf

Nur vor den Kopf

Bestandsaufnahme. Ich habe den Spiegel-Artikel gelesen. Und auch den Zeit.Online-Blogpost. Ich habe Anke Gröners Analyse gelesen. Ich habe Mlle ReadOn einmal persönlich getroffen.

Ich habe ihren Blog nicht regelmäßig gelesen, denn ihr besonderer Stil war mir an vielen Tagen zu anstrengend. Manchmal waren mir die Geschichten zu dicht, zu intensiv. Ihre Geschichten berührten oft und rührten am Menschlichen in den Leserinnen. Vermutlich hätten die Leserinnen ihre Texte anders gelesen, hätten sie sie bewusst als Fiktion gelesen. Viele hätten sie vermutlich gar nicht gelesen. Das vermeintlich Persönliche hat Nähe geschaffen.

Ich bin mir recht sicher, dass die beiden Zeitungsartikel Recht haben. Die Fakten sind stichhaltig und logisch.

Aber ich bin nicht schockiert. Ich schäme mich auch nicht, es nicht früher erkannt/ gewusst zu haben. Dafür habe ich letztlich ihr Blog nicht intensiv genug gelesen. Ich fühle mich noch nicht einmal betrogen. Zumindest nicht persönlich. Ja, sie hat ihre Leserschaft betrogen. Und nein, keine ihrer Leserinnen sollte denken: „Aber ich habe mich betrügen lassen.“ Das ist wie wenn Frauen denken, dass sie wegen des Minirocks / Lippenstift / Lächelns eine Mitschuld an sexuellen Übergriffen haben. Oder halt wie – insbesondere – Frauen oft denken, wenn sie in einer toxischen (ja, ich weiß, viele finden den Ausdruck überzogen oder gar „albern“) Beziehung stecken, dass sie mindestens Mitschuld haben daran, dass sie da jetzt drinstecken, dass sie leiden. Sie hätten sich ja früher trennen können / müssen. Sie hätten es doch erkennen müssen. Wie konnten sie nur auf so einen Blender reinfallen. Etcetcetc.

Ich kenne das. Ich habe das erlebt. Und vielleicht hilft mir diese unschöne Erfahrung mit dem Kv, dass mich all das um Mlle ReadOn nicht schockiert.

Die menschlichen Abgründe sind tief und vielfältig.

Wir können noch so gebildet sein. Meinen, dass wir noch so eine gute Menschenkenntnis haben. Letztlich können wir unseren Mitmenschen doch nur vor den Kopf gucken.

(Darüber hinaus hoffe ich, dass das Fräulein (professionelle) Hilfe hat.)

Liebes Tagebuch am Fünften (Mai 2019)

Liebes Tagebuch am Fünften (Mai 2019)

Draußen kann es regnen, stürmen oder schnei’n … Frau Brüllen, will trotzdem wissen, was ich an einem kalten, latent össeligen Sonntag Anfang Mai gemacht habe. Also hier meine Antwort auf die Frage: WMDEDGT?

0h00 Ich habe mir gerade „Kindeswohl“ angemacht, nachdem ich „Maria by Callas“ abgebrochen haben, da ruft der RB an. Weil ich mich noch nicht so ganz ans neue Handy gewöhnt habe, drücke ich ihn weg, um direkt zurückzurufen. Wir telefonieren eine knappe Viertelstunde. Dann gucke ich den Film weiter. Parallel kümmere ich mich weiter um den Blogumzug. Da keines der WordPress-Migrationstools funktioniert, muss ich das händisch machen. 36 Posts sind schon umgezogen, 1.426 Posts fehlen noch. Dabei muss ich Bilder ebenfalls händisch umziehen und neu einfügen (weil halt alles händisch) und irgendwann auch mal diverse bloginterne Links ändern. Aber ich möchte das alte Blog nicht einfach löschen (das würde voraussichtlich passieren – zumindest die Bilder – wenn ich die domain bzw. das WordPress-Paket kündige).

4h30 Wenn sich eine so vertieft mit dem Rechner beschäftgt, kann sie auch mal die Zeit vergessen. Insbesondere wenn da keiner im Bett auf sie wartet. Nun aber trotzdem flott ins Bett.

8h30 (ungefähr) Der RB sagt mir „guten Morgen“. Er ist nur auf dem Sprung da, um das Auto zu holen. Ich schlafe wieder ein.

12h00 Das Kind weckt mich. Er habe schon den Tisch gedeckt und erzählt mir aufgeregt, dass der RB Brötchen mitgebracht habe. Und dass er ihm geraten hatte, mich nicht zu wecken.

13h00 Frühstück fertig. Ich rege das Kind an, endlich die Rahmen für die Verwandtschaft zu gestalten, damit die schönen Bilder von ihm endlich mal dem Kv, Mamie&Papy sowie Oma und Opa zugeschickt werden können. Danach macht er Schreibübungen und ich fange an, dass Wohnzimmer aufzuräumen. Hier sparkt gar nichts joy und ich bin genervt.

15h45 Es ergibt sich doch noch, dass das Kind zu einem Kumpel kann. Ich räume weiter auf. Mache Kisten, in die ich den Kram nach Zugehörigkeit schmeiße sortiere. Zwischendurch immer wieder Twitter aufgrund einer recht spannenden Diskussion über Wohl und Wehe des selbstgewählten Wohnortes.

18h10 Es klingelt. Ich bin kurz irritiert, aber dann fällt mir ein, dass eine der Besten vorbeikommen wollte, um ihren Helm abzuholen.

18h35 Die Freundin und das Kind geben sich die Klinke in die Hand. Ich rödel immer noch ein bisschen; sauge das Wohnzimmer. Erinnere dabei das Kind, sein Zimmer so weit aufzuräumen, dass er auch saugen kann.

19h20 Der RB verkündet, dass er auf dem Rückweg ist. Was für mich bedeutet, dass ich anfange zu kochen. Tipp an dieser Stelle: Wenn eine Roulade dicker als die anderen ist und es zudem eine weniger als geplant/eingekauft ist, dann hat eine vermutlich eine Roulade doppelt gewickelt.

20h00 (irgendwas um den Dreh) Juchee, der RB ist wieder da. Wir können auch quasi sofort essen. Sehr lecker diese Rouladen in Erdnusssoße.

Rouladen in Erdnusssoße auf Moodles und Edamame-Nudeln

Und die Ananas ist auch so nachgereift, dass sie jetztsofort als Nachtisch herhalten muss. Dank einem Rest Kokosmilch kommt quasi ein Piña-Colada-Gefühl auf.

21h15 Nun muss das Kind aber mal ins Bett. Er geht Zähneputzen, der RB das Auto umparken. Das Kind und ich machen Quatsch mit den Kuscheltieren.

21h45 Licht aus und Tür zu beim midi-monsieur. Ich mache mir dann mal einen Tee und dann mal schauen, was der RB und ich so mit dem Rest des Abends machen, nachdem er nun 3 Tage lang nicht da war.

Impfen hilft

Impfen hilft


Entsprechend liege ich dem RB seit über einem Jahr in den Ohren, dass er sich um seinen Impfstatus kümmern muss. Wobei der Status mittlerweile eindeutig ist: unklar. Das sieht auch seine neue Hausärztin so. Er müsste also endlich mal einen Termin machen.


Immerhin hat er es VOR der Saison zur Grippeimpfung geschafft (bei seinem Job ja nicht total doof) und so verseucht (Nebenhöhlen, nech?!) wie er dennoch den Winter über war, hat ihn das vermutlich vor Schlimmerem bewahrt.

Nun braucht er also – wie alle Erwachsenen nach StIKo-Empfehlung – eine Auffrischung der Impfungen Tetanus, Diphterie und Pertussis (Keuchhusten; TDP) und Masern. Das sind zwei Spritzen: Einmal mit dem TDP-Kombinationsimpfstoff und einmal mit einem MMR-Kombiimpfstoff, da es Masern nicht als Mono-Impfstoff gibt. Danach gilt es, die TD-Impfung (NICHT Pertussis und Masern) halbwegs regelmäßig etwa alle 10 Jahre aufzufrischen. Gibt es übrigens eine belegte Grundimmunisierung mit TDP, ist keine erneute Grundimmunisierung erforderlich, auch wenn die letzte Auffrischung mehr als 10 Jahre her ist.

Kurz gefasst gilt für erwachsene, „normal gesunde“* Erwachsene, die im Kindesalter bereits einmal mit mindestens TDP grundimmunisiert wurden, aber jetzt nicht mehr wissen, wann und was bei der letzten Auffrischung geimpft wurde**:

  • einmalig TDP und MMR
  • danach alle 10 Jahre TD***

Und ganz ehrlich: Da weiß ich wirklich nicht, wann welche Titer warum bestimmt werden sollten.****

Für alle, die keine Ahnung von ihrem Impfstatus haben und auch nicht belegen können, dass sie im Kindesalter grundimmunisiert wurden, gilt:

  • einmalig Grundimmunisierung TDP und Polio
  • einmalig MMR
  • danach alle 10 Jahre TD

Und es ist auch wirklich kein Beinbruch, wenn Ihr Euren Impfpass verschlampt verloren verlegt habt: Dafür gibt es keine Strafen und die Ärztin wird sicherlich auch nicht schimpfen, sondern vielmehr froh sein um jede, die sich impfen lässt. Und zur weiteren Beruhigung sei der Twitter-Thread von Anna Aridzanjan empfohlen:

Zu weiteren „individuell“ erforderlichen Impfungen aufgrund des Berufs oder für Reisen (z.B. Hepatitis A/B) klärt Euch Eure Ärztin sicherlich gerne auf. Auch Schwangere und Menschen, die schwanger werden wollen, sollten sich von ihrer Ärztin bzw. Frauenärztin beraten lassen.

Aber lasst Euch bitte impfen.*****

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* also ohne chronischen Erkrankungen u/o nicht-immunsupprimierte

** Wer nach StIKo geimpft wurde hatte mit ca. 10 Jahren die letzte TDP-Polio-Auffrischung im Kindesalter und sollte so mit 20 Jahre die erste Auffrischung als Erwachsene haben

*** Tetanus gibt es als Mono-Impfstoff, Diphterie jedoch nicht.

**** Ich weiß gar nicht, wann dieser Titerbestimmungshype aufkam. Auf jeden Fall ist er relativ fehlgeleitet. Letztlich macht er ja nur Sinn bei Menschen, die nicht geimpft werden können, um zu gucken, ob sie einer besonderen Gefährdung ausgesetzt sind. Oder halt bei Schwangeren oder Menschen, die schwanger werden wollen, um zu gucken, ob sie gegen impfbare teratogene Erkrankungen ausreichend geschützt sind.

12von12 (im April 2019)

12von12 (im April 2019)

Etwas „late to the party“ (also erst nachdem Kind und Mann aus dem Haus waren), aber dennoch ausreichend Bilder heute gemacht.

Kurzer Einschub, weil mich das Brotbelagsfieber gepackt hat:

Aber dann weiter mit 12von12:

Mehr 12von12 sammelt wie jeden Monat Draußen nur Kännchen.

———————
* Wegen des Kaffees vergesse ich meine Tee und das hängt mir heute den ganzen Tag nach.

** New Model Army – Thunder and Consolation

*** Tweeps und Muggles

**** Essen und Trinken war heute irgendwie nicht ganz stimmig.

Liebes Tagebuch am Fünften (April 2019)

Liebes Tagebuch am Fünften (April 2019)

Dass ich heute Frau Brüllens Frage: WMDEDGT? beantworten kann, gleicht einem Wunder, denn eigentlich bin ich kurz davor, an schlimmer Männergrippe zu versterben.

0h30 Wir haben gerade S502.10 von Vikings beendet und damit vorerst die ganze Serie. Ich bin heilfroh, dass es nun vorbei ist. So richtig warm bin ich mit der Serie nicht geworden. Sie war aber okay genug, um sie nicht abzubrechen. Und wenn Staffel 6 kommt, werde ich sie sicher vermutlich auch gucken. Zumal danach wirklich Schluss sein soll.

2h00 oder so wird es gewesen sein, als ich endlich einschlafe. Ich fühle mich ziemlich matschig und huste. Ich hasse husten.

7h35 Der RB weckt mich. Ich bin nicht in der Lage aus dem Bett zu springen, um das Kind zu versorgen. Der midi-monsieur ist aber auch gerade so beschäftigt, dass er sich nicht schnell fertig machen kann.

7h45 Ich kann immer noch nicht aufstehen. Das Kind könnte sich jetzt zwar fertig machen, aber irgendwie und überhaupt beschließe ich, dass ich keine Lust auf Stress habe. Ich sage dem Kind, dass er in Ruhe frühstücken und erst zur zweiten Stunde in die Schule gehen soll. Das lässt er sich natürlich nicht zweimal sagen.

8h15 Aufstehen geht immer noch nicht. Ich grummele bitte den RB an, dass er dem Kind das Pausenbrot macht. Und weil er schließlich Schuld hat an meiner Misere so toll ist, steht er tatsächlich auf.

8h35 Das Kind verabschiedet sich. Ich bin so halb wach, muss husten und leiden und kann nicht wieder einschlafen. Der RB bereitet Heißgetränke und bringt sie ans Bett.
Ich schnappe mir irgendwann den Rechner und gucke, was heute ganz Wichtiges erledigt werden muss. So wie es aussieht, ist heute ein guter Tag zum Sterben Kranksein.
Ich wurschtel so vor mich hin, suche Klamotten fürs Kind zusammen.

11h30 Ich fasse einen Duschbeschluss.

12h10 Ich bin geduscht und angezogen und kann nun Proviant für das Kind besorgen. Danach packe ich den Koffer zu Ende.

12h45 Das Kind kommt nach Hause, er isst was und dann ist er so rappelig, dass ich ihn in sein Zimmer verbannen muss.

13h30 Mir fällt ein, dass ich dem Kind ja noch die Haar schneiden wollte. Also ab ins Bad und Haarschneider an.

13h50 Unter der Wolle war tatsächlich das Kind versteckt.

14h20 Auf zur befreundeten Rugby-Familie. Der Vater, der eh mit seinem Sohn nach Prag fuhr, ist so nett und nimmt auch das Kind und einen weiteren Rugby-Kumpel mit.

15h15 Abfahrt nach Prag für die Rugby-Spieler. Für mich geht es auch nach Hause.

15h40 Kurzes Telefonat mit der Agentur. Wenigstens ist nichts dringend. Ich werde wohl noch einen Text übers Wochenende fertig machen, aber sonst entspannt. Zeit, gesund zu werden.

17h30 Fertig. Total. Ich schlafe vor Netflix ein.

18h15 Wieder wach. Erstmal zu mir kommen. Ich verfolge kurz den Standort vom Rugby-Shuttle. Dann habe ich Hunger. Riesenhunger auf Hühner-Nudelsuppe.

19h00 Ich ziehe mich wieder an und gehe einkaufen.
Im Supermarkt sehe ich den einen Vater aus der Klasse, der zum Dummschwätzen neigt. Ich muss meine Route durch den Supermarkt ändern, damit ich ihm nicht begegne. Ich habe keine Lust und Nerven.

19h50 Zu Hause erstmal die Dosensuppe vererbsen und warm machen, währenddessen inhaliere ich 300g Blaubeeren und einen großen Apfel. Ich flätze mich vor den Fernseher.

20h45 Via geteiltem Standort sehe ich, dass der Rugby-Shuttle am Hotel in Prag angekommen. Ich gucke weiter Fernsehen.

Und viel mehr passiert hier auch nicht mehr. Ich warte noch auf den RB und dann geht’s ins Bett.

rrb

rrb

Nein, ich habe mich nicht verschrieben. Es geht nicht um den Rundfunk Berlin-Brandenburg. Es geht um ein Thema, dass beim heutigen Tweep-Meet irgendwann zwischen Vorspeise und Kaffee aufkam. Also genau genommen von Silke aufgebracht wurde. Es gibt ja viele Dinge (in unserem Land), die fallen in die Kategorie „Die Menschheit hat zu viel Zeit“. So auch das Event, das auf einem Aushang, den Silke fotografierthatte, angeboten wurde: eine Rauf-Party bzw. eine Rauf-Kuschel-Party. Ja, googelt das ruhig. Ich bin aus dem Staunen nicht rausgekommen.

Ehrlich Leute, ihr trefft euch mit Wildfremden zum Raufen*, Rangeln**, Balgen***?

Und um das fachmännisch (sic!) anzuleiten – es gibt nämlich ein umfangreiches Regelwerk – reist Siggi doch tatsächlich nach Darmstadt. Denn dieses Happening findet in der – und ja, das denke ich mir nicht aus – Bessunger Knabenschule statt.

Enganliegende Wechselkleidung sowie ein Spannbettlaken müssen mitgebracht werden.

Ich habe Fragen. Aber ich glaube nicht, dass ich die Antworten darauf haben möchte.

——————
* Verhörer vom RB: saufen

** Verhörer von C.: rammeln

*** mein Verhörer: blasen

Fridays For Future – ein Statement

Fridays For Future – ein Statement

Dem höchst treffenden rantigen Thread bzw. Thread-Rant von Ulrike auf Twitter zu #FridaysforFuture ist nix hinzuzufügen:

Diese Diskreditierungsversuche von #FridaysForFurture aus der (deutschen) Politik machen mich so wütend, dass ich jetzt mal einen Sonntagmorgenthread dazu ablassen muss.

1) Verweis auf die Schulpflicht: Ich halte die allgemeine Schulpflicht insgesamt für eine gute Sache, aber für dieses Argument wird sie instrumentalisiert – u. a. von denen, die es seit Jahrzehnten (!!) nicht nur nicht hinbekommen, die Schulen zu erfolgreichen Lernorten für alle zu machen, sondern die es offenkundig überhaupt nicht juckt, wie viel Unterreicht wegen Lehrkraftmangel sowieso ständig ausfällt. Ich brauche nur an die Diskussion mit einem Bremer Lokalpolitiker zu denken, der mir allen Ernstes erklärt hat, Eltern würden den Unterrichtsausfall überschätzen, seine Statistiken zeigten, dass Unterricht zu 98 % stattfinden könnte.

2) Seit Beginn der PISA-Studien (die auch problematisch sind, aber anderes Fass) wissen wir, dass es auch in den deutschen Schulen massive Probleme gibt. Die Politik reagiert darauf mit hektischem Hin und Her in der Schulpolitik, echte Besserung ist m.E. nicht in Sicht. Trotzdem soll oberste Piorität sein, auch nur ja keine Stunde des schulischen Angebots zu versäumen?

3) Wen das PISA-Argument nicht überzeugt, braucht nur mal darauf zu schauen, wie sich schulische Bildung zum Rest des gesellschaftlichen Lebens verhält – angefangen von dem Konsens, dass Schule ein notwendiges Übel sei („soll ja auch keinen Spaß machen“, „muss halt sein“, „Horrorfach Mathe“), über die wenig nachhaltige Wissensvermittlung („braucht man nie wieder im Leben“, „habe ich mal in der Schule gelernt, aber soooo lange her“) bis hin zu Phänomenen wie Flat Earthern Homöoopathiegläubigen und Impfverweigerern, die es gar nicht geben dürfte, wenn die Schule flächendeckend ihren Bildungsauftrag erfüllen würde. Mal ganz abgesehen von dem mangelnden Verständnis der Ergebnisse der Klimaforschung.

3) Ähnlich wie 2): Alle, die es bisher in verantwortlichen politischen/gesellschaftlichen Positionen verbockt haben, das Ruder rumzureißen, um die globale Erwärmung zu stoppen, haben doch die schulische und in der Regel noch weitere Bildungsanstalten durchlaufen – das allein nützt offensichtlich nichts.

4) Da es mir hier bes. um die Äußerungen aus der dt. Politik geht: Eure Parteien haben alle Jugendorganisationen. Viele eurer Promis sind als ganz junge Leute in eben diese Jugendorganisationen eingetreten – & jetzt argumentiert ihr, in dem Alter hätte man keine Ahnung? Meint ihr im Ernst, so lockt man Nachwuchs an? Indem man jungen Leuten sagt, sie wüssten nix, könnten nix und sollten erstmal alt werden, wenn sie mitreden wollen? Mir bleibt da echt der Mund offen stehen.

5) Oft gesagt, aber offensichtlich immer noch nicht verstanden: die Forderungen von #FridaysForFuture sind doch gar nicht neu – das fordern Wissenschaft und große Teile der Gesellschaft schon lange, nur bisher leider nicht in dieser Radikalität. Ich bin soooo dankbar, dass die Jungen ihre Energie und Leidenschaft und Freiheit einsetzen, um so laut zu sein.

6) Zu allen diesen Punkten, besonders zu den Mängeln in der Schullandschaft (hallo, liebe dt. Politik, schon vergessen, wie lange ihr euch gerade erst beharkt hab, als es darum ging, dt. Schulen langsam mal auf den Stand zu bringen, der in jedem Unternehmen Mindeststandard ist?) könnte ich noch erweiternde Unterpunkte aufmachen, aber das erspare ich euch & mir.

Ich mache jetzt Waffeln & Tee & gehe laufen, & wenn ich zurückkomme, will ich in meiner TL keine Anti#FridaysForFuture-Statments aus der dt. Politik mehr sehen. Danke und schönen Sonntag!

Erst die Arbeit, dann … die Care-Arbeit

Erst die Arbeit, dann … die Care-Arbeit

Gestern wurde ich auf einen SZ-Artikel zum Thema HomeOffice aufmerksam. Huch. Tja.

Ich fange mal beim Text selbst an:

  • Das Bild geht gar nicht. Bei wem HomeOffice so aussieht, macht meiner Meinung nach was falsch. Aber dazu später mehr.
  • „Beruf und Familie zu vereinbaren, wird für Millionen Deutsche zur Herausforderung, seit Mütter arbeiten gehen.“
    Dieser Satz ist eine Unverschämtheit, denn er suggeriert, dass die Herausforderungen bei der Vereinbarung alleinig daher rühren, dass Mütter arbeiten gehen (von Wollen vs. Müssen will ich gar nicht erst anfangen).
  • Das Beispiel mit der Ärztin hinkt (zudem ist es aus der Studie „geklaut“), denn als Ärztin ist HomeOffice wahrlich nicht so einfach. Insbesondere wenn sie praktisch (also niedergelassen oder in der Klinik) arbeitet. Und selbst wenn die Praxis in dem Haus ist, ist das nun doch nicht HomeOffice (zumal sich wohl jede Ärztin dreimal überlegt, ob sie ihr Kind mit in (ihre) Praxis schleppt).
  • „Beruf und Familie zu vereinbaren, wird für Millionen Deutsche zur Herausforderung, seit oft beide Eltern arbeiten gehen.“
    Ach, der Satz geht auch in etwas neutraler. Tjanun, ist nur nicht so ein plakativer Einstieg.
  • „Homeoffice und flexibles Arbeiten gelten als Abhilfe: Wer den Weg ins Büro spart und den Tag frei einteilen kann, bringt Kinder und Karriere leichter unter einen Hut.“
    Wenn ich bedenke, was manche Menschen täglich an Weg zur und von der Arbeit absolvieren, bringt das nicht nur „Kinder und Karriere“, sondern generell mal „Leben und Karriere“ unter einen Hut.
  • „Homeoffice ermöglicht Müttern, sich jede Woche drei Stunden mehr um ihre Kinder zu kümmern.“
    Ganz einfache Rechnung: Wenn ich nicht mehr 1,5 Stunden pro Weg tote Zeit habe, kann ich die ins Kind investieren. Und wenn ich zu Hause arbeite, kann ich auch früher anfangen und habe effektiv mehr vom Tag.
  • „Sie [die Studie] zeigt aber auch: Flexibles Arbeiten zementiert traditionelle Rollen von Mann und Frau.“
    Dieser Schluss ist an dieser Stelle nicht offensichtlich. Ist mir auch zu einfach. Aber auf die Studie gehe ich später noch ein.
  • „Denn Väter nutzen Homeoffice ganz anders: Sie machen im Durchschnitt einfach zwei Überstunden mehr die Woche als Kollegen, nehmen sich aber nicht mehr Zeit für die Kinder.“
    Ah, hier kommt die vermeintliche Erklärung für den Satz davor. Da ist bei mir eine Werbung zwischen, wodurch natürlich der vorherige Satz erstmal prima wirken kann.
    Ich stehe Überstunden ja kritisch gegenüber. Insbesondere, wenn sie sich kurz- bis mittelfristig nicht ausgleichen. Dann hat eine nämlich grundlegend zu viel zu tun.
  • „Sie [die Mütter] sind doppelt belastet und bleiben mit dem Stress allein.“
    Das liegt aber nicht am HomeOffice, sondern daran, dass da etwas grundlegend ungleich verteilt ist bei diesen Frauen und ihren Partnern. Das kommt dann in den folgenden Zitaten gut raus:
  • „‚Wie es für die Familie genutzt wird, hängt von der Einstellung von Vätern und Müttern ab.‘ Gerade männliche Führungskräfte glaubten, viele Überstunden leisten zu sollen. ‚Die Mütter machen bei dieser Verteilung mit. Sie halten weiter den Männern den Rücken frei.'“
    Ich sagte ja, das Problem ist nicht das HomeOffice, das Problem ist die Partnerschaft, das Verständnis und die Verteilung der Care-Arbeit.
  • „… Mütter … gehen in Teilzeit. Auch wenn dadurch ihre berufliche Entwicklung leidet und sie finanziell von ihrem Mann abhängig werden.“
    Ich sage da ja immer: Erwachsene Menschen treffen da Entscheidungen. Aber auch hier gilt: Das hat nichts damit zu tun, ob die Mutter im HomeOffice arbeitet oder nicht.
  • „Väter arbeiten viele Stunden am Stück. Mütter stückeln ihren Tag, um sich zwischendrin immer wieder mit den Kindern zu beschäftigen. Der Nachwuchs spricht die Mutter an … seltener den Vater, der zu Hause ist.“
    Hier möchte ich beiden Seiten zurufen: „Selbst schuld!“ Es hängt ja viel davon ab, wie der Job geartet ist und ob eine Stückelung überhaupt möglich ist.
  • Der erste Absatz unter dieser Überschrift: „Väter, die traditionelle Muster ändern wollen, stoßen genauso auf Hürden“ ist interessant. Mal abgesehen davon, dass nicht erklärt wird, auf welche Hürden Väter so stoßen. Aber ja, die Sache mit dem HomeOffice hat sich noch nicht so wirklich durchgesetzt. Natürlich ist nicht jeder Job geeignet für HomeOffice. Aber selbst die, die einen Job haben, der auch gut im HomeOffice zu erledigen wäre, stoßen nur allzu oft an irgendwelche obskuren Argumente. Vielleicht sind „die Deutschen“ da zu preußisch: Arbeit wird in der Fabrik, der Wekrstatt, im Büro erledigt. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Und überhaupt, das war schon immer so! Wo kommwa denn hin mit sonnem neumodischen Gedöns.
    Umdenken ist gefragt. Umdenken auf allen Seiten. Ich kann als Arbeitgeberin keine Agilität und Felxibilität von meinen Arbeitnehmerinnen erwarten, wenn ich ihnen keine ermögliche. Und Arbeitnehmerinnen müssen aus der Dankbarkeits- und Beweisfalle raus.
  • Die beiden letzten Absätze hingegen haben – mal wieder – nichts mit HomeOffice zu tun. Es geht viel mehr darum, wie der Ungleichverteilung vor allem von Care-Arbeit entgegengewirkt werden kann. Was da steht ist alles wichtig und richtig, aber hey, es ging um HomeOffice.

Die Studie
Lott Y. Weniger Arbeit, mehr Freizeit? Wofür Mütter und Väter flexible Arbeitsarrangements nutzen. WSI Report 2019; 47.

  • In der Studie geht es darum, wofür Mütter und Väter flexible Arbeitszeitmodelle – HomeOffice, Gleitzeit, selbstbestimmte Arbeitszeiten – nutzen. Also was machen sie mit der Zeit.
  • Deutschland hat im internationalen Vergleich eine höchst ungleiche Verteilung von Sorgearbeit.

Gender Care Gap

  • Mütter wenden pro Woche an Werktagen durchschnittlich 21,01 Stunden für die Kinderbetreuung auf, Väter nur 8,6.
    • Veränderung von 2000 – 2016: Frauen -1,49 Stunden; Männer: +1,3 Stunden. Wenn das in dem Tempo weitergeht, sind wir in 60 Jahren ungefähr auf gleichem Level.
  • Bei der geneuen Betrachtung, wie sich flexible Arbeitszeitmodelle auf die Care-Arbeit auswirken, kommen in der Studie allerdings andere Zahlen raus:
    • Frauen bringen im HomeOffice gut 21 Stunden für die Care-Arbeit auf (vs. 18 Stunden bei Frauen, die nicht im HomeOffice arbeiten).
    • Männer investieren – ob im HomeOffice oder nicht – 13 Stunden pro Woche in die Kinderbetreuung.

Gender Time Gap:

  • Mütter arbeiten im HomeOffice eine Stunde zusätzlich als Mütter ohne Homeoffice.
  • Männer machen im HomeOffice 6 Überstunden (vs. 4 Stunden ohne Homeoffice).

Gender Leisure Gap
(Keine Zahlen zum HomeOffice)

  • Generell verbringen Mütter 1,5 Stunden weniger mit Freizeitaktivitäten als Väter (4,5 vs. 6 Stunden).
  • Väter mit festen Arbeitszeiten haben die meiste Zeit für Freizeitaktivitäten (> 6 Stunden).
  • Bei Müttern ist die Auswirkung des Arbeitszeitmodels nicht so stark ausgeprägt.

Fazit

  • Väter arbeiten bei flexiblen Arbeitszeitmodellen mehr und wenden gleichzeitig weniger Zeit für die Care-Arbeit auf.
  • Mütter arbeiten mit flexiblen Arbeitszeitmodellen mehr als ohne, wende dabei aber mehr Zeit fr die Care-Arbeit auf.

Tja, was zeigt uns das?! Frauen müssen ihre Partner mehr in die Pflicht nehmen. Sie müssen sich weniger verantwortlich für alles fühlen und sich auch das Recht rausnehmen, etwas für sich zu tun. Flexible Arbeitszeiten können dazu viel beitragen, aber wenn das Potenzial nur von den Vätern genutzt wird, ist es halt auch eine Einbahnstraße. Und damit wären wir wieder bei meinem Frauentags-Appell.

Mein HomeOffice

Ich konnte mir lange Zeit nicht vorstellen, im HomeOffice effektiv zu arbeiten. Und nutzte es als Arbeitnehmerin auch nur selten. Außerdem fand und finde ich den zwischenmenschlichen Austausch im Büro ja durchaus nett. Er kann allerdings auch nerven. Als ich im ersten Jahr alleinerziehend (noch) festangestellt war, wollte ich keine HomeOffice-Lösung. Ich wollte, dass der Job zu Ende ist, wenn ich das Büro verlasse. Mir hatten die drei Monate alleinerziehend mit Wurschtel-HomeOffice-Lösung in Hamburg gereicht, danach war ich fertig.

Doch dann kam die Entscheidung, selbstständig freiberuflich zu arbeiten, was natürlich impliziert, dass ich erstmal in der Regel im HomeOffice arbeiten muss (außer ich hätte mir ein Extra-Büro gemietet). Mein erster Auftraggeber bot mir dann aber tatsächlich an, auch vor Ort zu arbeiten, was ich aber aufgrund der Entfernung nur gelegentlich in Anspruch nahm.

Anfangs war es etwas schwer, wirklich in den Tritt zu kommen. Das Kind war zwar vormittags in der Schule und danach im Hort, aber oft machte ich erstmal dieses und jenes, bevor ich anfing zu arbeiten. Erschwerend kommt dazu, dass ich morgens oft unglaublich langsam bin. Was ich abends in zwei Stunden schaffe, dafür brauche ich vormittags oft zweieinhalb bis drei Stunden. Und ich mag auch die Ruhe am späten Abend.

Mittlerweile hat sich das alles ganz gut eingependelt mit dem HomeOffice. Was sicherlich auch daran liegt, dass ich als Festfreie mit einem definierten Stundenkontingent pro Monat dieses erstmal abarbeiten muss. Das alles in die Abendstunden zu legen, wäre höchst ambitioniert. Außerdem arbeite ich meiner Auftraggeberin nicht nur zu, sondern stehe auch selbst im direkten Kundenkontakt, was eine gewisse Erreichbarkeit voraussetzt.

Vom Prinzip her gibt es feste Zeiten, zu denen ich grundlegend verfügbar bin. Was aber nicht bedeutet, dass ich außerhalb dieser Zeiten nicht arbeite. Entweder nutze ich die Zeit für andere Aufträge oder halt um aktuelle Projekte, die jetztsofort fertig werden müssen, zu bearbeiten. Diese Projekt-Peaks gibt es in meinem Bereich immer wieder. Genauso wie Flauten. Was auch ein Grund ist, warum ich lieber selbstständig denn angestellt arbeiten möchte. Gerade bei Flauten kann ich so einfacher sagen: „Diese Woche stehen nur wenig an. Ich bin an den und den Tagen nicht erreichbar.“ Das ist angestellt (immer noch) schwierig. Dazu kommt, dass ich stundengenau abrrechne. Es wird nicht erwartet, dass ein gewisser Anteil an Überstunden schon direkt abgegolten ist (in „meiner“ Branche durchaus üblich). Umgekehrt habe ich natürlich keinen Urlaubsanspruch und auch bei Krankheit ist das mein Problem. Doch das Stundenkontigent lässt es zu, dass auch das möglich ist.

Ich bin regelmäßig bei meiner Hauptauftraggeberin, aber täglich würde ich nicht hin wollen. Denn es würde mich täglich zwischen 2-3 Stunden Fahrtzeit kosten. Das ist wertvolle Zeit, die ich nich abrechnen kann, die ich aber auch nicht fürs Kind, den Haushalt oder mich nutzen kann. So bin ich in der Regel zu Hause, wenn das Kind nach Hause kommt. Wenn es die Zeit zulässt und meine Motivation ausreichend hoch ist, habe ich dann auch schon eine Sporteinheit absolviert. Außerdem können der RB und ich durchs HomeOffice morgens entspannt zusammen frühstücken. Allein unter diesen Aspekten ist das HomeOffice für die Vereinbarkeit super.

Allerdings geht das Kind zwar vormittags in die Schule, aber nur an drei Tagen in den Hort (demnächst nur noch zwei und ab Sommer dann hoffentlich auf eine Ganztagsschule). An Tagen, an denen er nicht in den Hort geht, heißt das aber nicht, dass ich mit ihm Halligalli mache (außer es ist gerade mal Flaute). Dann wird gegessen. Danach macht er Hausaufgaben. Allein. In seinem Zimmer. Danach muss er – sofern ich arbeiten muss – in seinem Zimmer spielen. Ja, da hilft uns das Tablet viel. Aber auch an Tagen, an denen – warum auch immer – Tablet-Verbot besteht, klappt das in der Regel gut. Mittlerweile. Anfangs hat er nicht verstanden, dass ich zwar zu Hause, aber letztlich – für ihn – nur anwesend und nur bedingt verfügbar bin. Aber ich kann meine Arbeit nicht machen, wenn ich mich nicht mal eine Weile am Stück konzentrieren kann. Das führt auch dazu, dass der RB nicht immer Musik hören darf, wenn er morgens mit mir im Wohnzimmerbüro sitzt.

Was aber ohne HomeOffice nicht möglich gewesen wäre: Dass das Kind zum Rugby geht. Ich wüsste nicht, wie ich es hätte schaffen sollen, dass er pünktlich um 17h00 am Pitch ist – außer mit einer externen Bereuungsperson.

Die Hausarbeit hat nichts vom HomeOffice. Ja, vielleicht werfe ich mal eine Waschmaschine mehr an. Und die Maschine muss nicht nur abends laufen, aber sauberer ist es bei uns auch nicht und das Thema Putzhilfe ist weiterhin ein großes. Wobei ich mich frage, wo ich dann hin soll, wenn die Person gerade in der Wohnung wirbelt.