Impulskontrolle

Impulskontrolle

Auf Instagram wurde mir folgendes Zitat in die TL gespült:

Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum.
In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion.
In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.

Viktor Frankl

Es ist eine wunderbare Umschreibung für „Impulskontrolle“. Wunderbar, weil es so aktivierend ist. Weil es den Druck rausnimmt, dass eine sich „kontrollieren“ muss. Ich darf reagieren, aber ich entscheide, wie und wann ich reagiere. Diese Formulierung gibt mir den Raum, nicht unmittelbar reagieren zu müssen. Das ist nicht immer einfach. Ich bin da nicht (immer) sonderlich gut drin.

Meine Herausforderung ist, dass ein Reiz, also eine Situation, eine Info oder gar nur ein Wort einen Impuls in mir auslöst. Beziehungsweise ist mein Problem, dass ein Reiz – ja, ich kann es Trigger nennen -, der meine Impulskontrolle herausfordert, so unmittelbar eine körperliche Reaktion auslöst, dass ich dem Impuls direkt zu reagieren, mit viel Energie entgegenarbeiten muss. Ja, dabei geht es auch um Kontrolle. Ich muss durchaus kontrollieren, dass die körperliche Reaktion sich nicht direkt im Sprachzentrum – ohne jedes weitere Nachdenken – Bahn bricht. Das geht nicht immer, aber es geht zunehmend besser.

Es ist aber auch nicht immer einfach, das Gegenüber in einer Diskussion mit „Gib mir bitte einen Momement“ zu vertrösten. Deswegen bin ich oft eine Freundin davon, kritische Themen schriftlich vorzuformulieren oder anzukündigen. Damit nicht eine Seite von einem Thema „überrascht“ wird, was die andere Seite bereits durchdenken konnte.

Aber auch in Nicht-Diskussionen sollten wir öfter mal einen Schritt zurück treten, eine Pause einlegen. Ein Klassiker bei uns ist, dass mich das Kind, sobald ich nach der Arbeit zur Wohnungstür hereinkomme, mit irgendwelchen Anliegen „überfällt“. Seit ich ihm signalisiere, dass ich bitte erstmal ankommen möchte, dass ich einen Moment für mich brauche, hat sich dieser Moment deutlich entzerrt. Denn ganz ehrlich, woher soll er wissen, dass ich nicht direkt ansprechbar bin. Ja, wir sind alle irgendwie damit aufgewachsen, dass unsere Liebsten qua Beziehung zueinander, erspüren oder zumindest uns ansehen können müssen, wie es uns geht, wann sie Rücksicht nehmen sollten. Tja, das ist halt nicht so. Klar kann eine manchmal erahnen oder antizipieren, was das Gegenüber für Bedürfnisse hat. ABER valide ist das nicht. Da kann ich natürlich darauf warten, dass ich gefragt werde oder ich artikuliere halt einfach mein Bedürfnis.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.