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Kategorie: wörkfloh

Tage am Meer

Tage am Meer

Tag 1
Später als geplant – im Garten meines Bruders war es auch sehr schön – kommen wir am Meer an. Aber es ist noch hell und schön und so spazieren wir eine erste Runde ans Meer – nur 400 m von unserem Häuschen entfernt.

Tag 2
Einrichten. Einkaufen. Und wieder ans Meer. Nichtstun und aufs Meer gucken. Lesen.

Tag 3
Genug rumgelegen, wir haben die Fahrräder nicht umsonst mitgenommen. Wir fahren eine gemütliche Runde nach Dahme, spazieren dort rum und radeln wieder zurück. Könnte schlimmer sein.

Tag 4
Wandertag. Wir erlaufen uns die Halbinsel zwischen Großenbrode und Fehmarnsundbrücke. Wir folgten zum Kaffee einer Empfehlung aus der Twitterkneipe (Meerkieker, Großenbrode) und zum Abendessen fragten wir Google* (Fisch-Hütte, Heiligenhafen). Beides können wir weiterempfehlen.

Tag 5
Getrennte Wege für den RB und mich: Er fährt mit dem Auto nach Fehmarn und ich fahre mit dem Rad hin – über die die Sund-Brücke. Das war weniger spektakulär als gedacht. Aber nun habe ich es gemacht. In Albertsdorf machten wir 2 (oder 2) mal Familienurlaub – die wenigen als ganze Familie, denn zu oft waren vorlesungsfreie Zeit von meinem Vater und unsere Schulferien inkompatibel. Burg ist keine Reise wert; das Café Traube aber durchaus nett. Und am Südstrand eine besondere Begegnung gehabt: Den Ex-Mann nach 14 Jahren mal wieder gesehen. Zum Abendessen haben wir Glück, beim ersten Griechen in Ostholstein (Apollo 2, Grube) einen Tisch bekommen zu haben: Das Tzatziki ist so gut, dass ich eine Extraportion mitnehme.

Tag 6
Das Wetter macht keinen guten Eindruck, also fliehen wir und besuchen die Ostsee-Erlebniswelt (nur so semi empfehlenswert). Und weil es danach auf „unserer“ Ostsee-Seite immer noch össelig aussieht, fahren wir nach Heiligenhafen und wandern über Steinwarder und Graswarder.

Tag 7
Das Wetter ist wieder gut und wir gehen nochmal an den Strand. Das Meer ist aufgewühlt und präsentiert sich mit Wellen und Brandung. Hachz. Wir sind früh genug dran, dass wir noch einen Tisch auf der Terrasse des Süssauer Seebrückenrestaurans ergattern. Abends fällt mir ein, dass ich ja Puzzle mitgenommen habe…

Tag 8
Das Wetter ist nicht gut. Ich muss noch Aufträge** bearbeiten. Der RB fährt alleine nach Lübeck. Ich schreibe und puzzele.

Tag 9
Tschüss, Ostsee. Wir fahren weiter … zum Glück noch nicht nach Hause.

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* Unsere Erfahrung mit Google-Bewertungen ist gut. Alles > 4,0 Sterne ist in der Regel sehr brauchbar.

** Aufträge als freie Journalistin

Lebenszeichen

Lebenszeichen

Was habe ich auf den 17. Juli hingefiebert: Mein Urlaub startete und auch die Sommerferien des Kindes. Dieses erste Halbjahr 2021 war anstrengend, aufreibend, fordernd, mühsam … gleichzeitig war es so eintönig: HomeOffice, HomeSchooling, HomeIrgendwas. Der Urlaub im April war hat auch nur bedingt einer, denn wenn eine nicht wegfährt, dann ist auch nicht wirklich erholsam. Unsere Strukturtapete – vom Vermieter – im Wohnzimmer hat 1.293.477 Noppen. Kleiner Scherz, aber gefühlt hätte ich sie zählen können in der Zeit. Es war auch nur kurz erholsam, dass das Kind für 10 Tage bei Oma, also meiner Mutter, war. Die Beförderung bauchpinselt natürlich, ist aber auch nicht mit mehr Urlaub oder zumindest weniger Arbeit verbunden. Eher im Gegenteil.

Ende Mai, als klar war, dass der RB und ich zum Ferienanfang den vollen Impfschutz haben würden, haben wir uns entschieden, dass wir wegfahren wollen und wir suchten uns ein Häuschen an der Ostsee. Anfang Juni, nachdem das Kind den KV erfolgreich zum Impfen bequatscht hat, buchte ich dem Kind einen Flug als unbemanntes Flugobjekt mit Begleitservice, damit er die Sommerferien in Frankreich verbringen könnte. Ab da zählte ich die Tage bis zum Urlaub. Aber wie immer vor dem Urlaub kam eins zum anderen. Neben der Arbeit musste ich für das und mit dem Kind seinen ersten Perso beantragen und abholen (was in Nicht-Pandemie-Zeiten semi-banal wäre, aber die Zeiten sind wie sie sind und so wardie Sache mit dem Termin für Antrag und Abholung etwas zeitfressend).

Ich fasste zwischendrin einen Kühlschrank-Beschluss, den ich umgehend in die Tat umsetzte, und nach kurzer Recherche- und Umplanungsphase steht nun ein schöner großer Kühlschrank zwischen Küche und Wohnzimmer. Es gibt auch noch einen Herd-Ofen-Beschluss, aber finale Entscheidung ist noch nicht gefällt.

Das Kind ging zum Wechselunterricht und es ging gut. Ein Kumpel aus der Schule war zum seinem Geburtstag über Nacht da und das was auch gut. Das Kind ging nach reiflicher Überlegung zum Voll-Präsenz-Unterricht und das war gar nicht gut. Um genau zu sein so schlecht, dass ich drei Wochen vor Ferienbeginn für das Kind einen neue Schule organisierte, besuchte (das Kind uns ich) und hospitierten (das Kind). Das Kind wird so insgesamt 9 Wochen Ferien gehabt haben, denn die Lehrkräfte der alten Schule sahen sich nicht in der Lage, die online-Lernbplattform für ihn zu befüllen. Er ging noch einmal hin, um die Bücher abzugeben und noch einmal, um sein Zeugnis zu holen. Ich habe noch immer einen Schlüssel für die Schule. Die Schulleitung weiß das, will ihn aber anscheinend nicht wiederhaben. Die Lehrkräfte des Kindes sind beleidigt – zumindest die Klassenlehrkräfte. Anders kann ich mir die Nicht-Reaktionen bzw. die noch reingewürgte 3 in dem einen Fach nicht erklären. Tjanun. Danke, dass wir nicht mit der Entscheidung hadern müssen.

Ich arbeitete bis zum letzten Tag – und darüber hinaus (jaha, im Urlaub).

Ein Wunder, dass am 17.7. nicht nur des Kindes Koffer mit sauberer Wäsche gepackt, sondern auch das Gepäck vom RB und mir parat war. Während ich das Kind am Flughafen ablieferte – wir waren viel zu früh da, kümmerte sich der RB um den Rest zu Hause. Und nachdem das Kind tatsächlich auf dem Weg nach Frankreich war, fuhren wir los Richtung Norden. Zunächst zu meiner Mutter. Und nach einer Nacht dort an die Ostsee. Und uff, was tat es gut, nicht mehr die Strukturtapete zu sehen, dass Meer rauschen zu hören, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen, auszuschlafen, anderes zu sehen und auch Zeit nur zu zweit zu haben.

Morgen dann wieder Arbeit… Dabei habe ich mich doch gerade erst ans Urlaub machen gewöhnt.

Im Schilder-Wald

Im Schilder-Wald

Lockdown, Tag 80

Ich bin froh ob unseres festen Wandertermins. So komme ich wenigstens einmal pro Woche wirkich an die frische Luft und in Bewegung. Wobei ich gestern draußen war, weil ich ein Tweep-Date hatte, genaugenommen hatten das Kind und ich ein Doppeldate. Und das tat uns beiden sehr gut. Am Freitag war ich auch schon unter Menschen, das war aber nicht so unterhaltsam, sondern vorranig altruistisch, denn ich war beim Blutspenden. (Und nun hoffe ich, dass mein Tätowierer aus der Versenkung auftaucht, damit ich mir ein Soli-Puffin-Tattoo stechen lassen kann.) Ansonsten muss ich aber irgendwie etwas mehr an meiner Work-Life-Balance arbeiten, denn derzeit ist es ein recht unausgeglichene Work-Sleep-Disbalance. Daran ändert auch das Wandern nicht so viel. Aber wenigstens ein bisschen.

Also, Wandern. Der RB und ich waren wandern. Das Kind war nicht mit. Der hat ab Montag wieder Rugby-Training, der muss nicht am Wochenende sporteln. Der beschäftigt genießt die Zeit ohne und mit Kumpels beim Zocken. Außerdem hätte er uns heute sehr verflucht, denn die Tour hatte es steigungstechnisch in sich. Aber das Wetter war super und die Strecke sehr schön. Ich habe es sehr genossen.

Wir wanderten 16 Kilometer, von denen die meisten auf dem zweiten Teil der Safari-Route verliefen.

Eskapieren

Eskapieren

Lockdown, Tag 23

Unsere Schule hat schon heute Infos zu den drei Schulwochen im Januar herausgegeben. Ich bin höchst überrascht. Positiv. Hatte sich die Schule doch vor 10 Monate insbesondere durch Totschweigen hervorgehoben. Nach über einem Jahr als Elternbeirätin sind die Klassenlehrerin und ich auch mittlerweile per Du auf einer guten kommunikativen Ebene. Sie hat verstanden, dass ich nicht gegen sie arbeiten möchte, aber durchaus eine eigene Meinung habe. Die Kommunikation mit den Eltern läuft auch gut. Und so ist am Ende des Tages klar, dass die meisten Schülerinnen aus des Kindes Klasse zu Hause bleiben werden.

Arbeit läuft so semi. Irgendwie zäh. Irgendwie bin ich noch nicht ganz da.

Nachdem gestern schon die neuen Boxen (Internetmensch sei dank) kamen, kamen heute auch Kabel und Bananenstecker …

… und so eskapierte ich für den restlichen Nachmittag, indem ich Kabel schnitt, Bananenstecker festmachte, die Boxen anschloss und ausrichtete.

Danach fischte ich noch Patafix (auch dank Internetmensch) aus dem Briefkasten und konnte die Kabel ordentlich befestigen.

Nun haben wir wunderbaren Raumsound im neu gestalteten Wohnzimmer. Damit können wir aus prima eskapieren. Das wird in den nächsten Wochen wohl noch wichtig(er) werden.

Lichtblicke 2020

Lichtblicke 2020

Was für ein Jahr.
Wow.
Uff.

Gesellschaftlich stehen wir – nicht nur, aber insbesondere – wegen der Covid-19-Pandemie vor großen Herausforderungen. Global, aber auch in Deutschland. Ich spüre, dass ich meinen Optimismus verliere und auf vieles nur noch zynisch reagiere.

Im letzten und vorletzten Jahr habe ich das ganze Jahr als Lichtblick empfunden und habe die Monaten auch unter „negativen“ Aspekten – Verzichtet hätte ich gerne auf – betrachtet. Trotz Pandemie war 2020 für mich persönlich nicht so schlimm, aber so ohne weiter nachzudenken, war dieses Jahr recht eintönig (nur zu Hause). Daher ist es mir wichtig, mich in diesem Jahr wieder auf Lichtblicke zu konzentrieren. Was sich für die ganze Zeit festhalten lässt: Der RB und ich sind zusammen – als Paar – gut durch die Pandemie gekommen.

Januar: Seit dem 1.1. bin ich nicht mehr hauptberuflich selbstständig, sondern wieder festangestellt. (Die zwei wöchtentlichen Präsenztage überzeugen mich noch nicht so.) China mit dem SARS-CoV-2 ist weit weg und so startet das Jahr ohne irgendwelche schlimmen Gedanken. Im Gegenteil ich freue mich auf das, was das Jahr bringen sollte. Ich kümmere mich um neue Brillen, ärgere mich über Hello Fresh. Ich hole das Kind aus Paris ab und dreh die obligate Runde durch Frankreichs Hauptstadt. Ich habe Geburtstag. Schule fängt wieder an. Wir gehen auf ein Konzert. Ich muss zu einem Kundentermin über Nacht. Den Monat beende ich mit einem Konzert.
Lichtblicke: dass beim Kind-Abholen trotz Streik alles geklappt hat, der „Teekocher“ zum Geburtstag, #NazisRaus-Merch

Februar: Zum Halbjahreszeugnis gibt es ein längeres Gespräch mit den Klassenlehrkräften des Kindes. Das hallt noch den ganzen Monat über nach. Der RB und ich lowcarben wieder. Der neue Virus kommt näher und es wird diskutiert, ob er gefährlicher als die Grippe ist. Wir gehen mit S und M essen. (Hihi, sie hat SM gesagt.) Ich bin diesen Monat nicht so ganz fit, also ziemlich k.o. Wir gehen zum Circus FlicFlac und mit der Twittergruppe vegan essen. Das Festangestellten-Dasein pendelt sich ein. Ein wenig hadere ich noch – insbesondere wegen der vielen unnötige Meetings, die mich von Arbeiten abhalten. In Hanau erschießt ein Rassist zehn Menschen. Wir fahren nach Berlin und treffen Menschen aus dem Internet. Danach ist klar: Der Virus ist gefährlich(er als gedacht). Es gilt Abstand zu halten und Hände zu waschen. (Was ich in der AG die den Kindern übe.) Der Monate endet mit einem letzten privaten Termin für dieses Jahr mit vielen Menschen an einem Ort. Wir starten das Projekt Putzhilfe.
Post, der mit wichtig ist: Menschen, keine Tweetvorlagen
Lichtblicke: so viele Leute bestellen #NazisRaus-Merch, Circus FlicFlac, Berlin-Trip

März: Der Monat beginnt mit einer Hochzeit – der Fake-Heirat zwischen dem RB und mir, vollzogen vom Kind. SARS-CoV-2 ist überall auf der Welt angekommen und damit leben wir nun amtlich in einer Pandemie. Ich bin seit Anfang des Monats bereits im HomeOffice, muss aber noch für einen beruflichen Termin an den Flughafen (mit ohne Händeschütteln). Die AG sage ich ab und meine FREItage gehen zunehmend für die Arbeit darauf. Ab dem 18.3. ist das Kind zu Hause. Die Schulen sind geschlossen. Auch der Laden vom RB schließt für den direkten Verkauf (er stellt sich schnell auf digital ein: Online-Shop und virtuelle Tastings). Alle Kontakte werden reduziert und so kommt auch die Putzhilfe nicht mehr. Ich mache erstmals sowas wie einen HamsterPrepperkauf. Das Kind ist im Großen und Ganzen kooperativ beim Lernen in häuslicher Umgebung. Ich komme zu wenig raus und es muss sich alles noch einspielen.
Lichtblicke: Start der #CorotäneKneipe

April: Der Monat plätschert so vor sich hin. HomeOffice und „HomeSchooling“ pendeln sich nur langsam ein und dann sind auch schon Ferien. Wir nutzen, dass Kino nun gestreamt wird und machen einen Kinoabend mit dem Känguru. Die Balkonsaison beginnt mit BalkonOffice und Grillen. Wir machen die erste große Wanderung. Wir fangen an, Masken zu tragen. zum ersten und einzigen Mal während der Pandemie nähe ich selbst Masken. Ich rege mich zunehmend über die Schule und deren Nicht-Kommunikation auf. Auch mit den Lehrkräften rappelt es gewaltig. Aber mach ein Gewitter wirkt reinigend. Noch mehr rege ich mich über die verpasste Digitalisierung auf. Der RB versucht mir die Haar zu schneiden (ich muss nacharbeiten). Nach meinen Urlaubstagen komme ich nur schwer wieder in einen vernünftigen Schalfrhythmus. Auf gewisse Weise zehrt das alles. Aber uns geht es gut. Uns fehlt nix und wir haben genug Platz. Trotzdem balancieren wir immer mal wieder an der Grenze zum Lagerkoller. Das Kind bekommt neue Möbel und wir rücken Möbel in der Wohnung. Für das Kind ist die Schulschließung super und er traut sich, endlich einen Iro stehen zu lassen. Er vermisst nicht die Schule und noch weniger seine Mitschülerinnen. Ab Ende des Monats geht es los mit dem virtuellen Klassenzimmer (das auch nur möglich ist, weil ich es einrichte).
Lichtblicke: Urlaub, die #CorotäneKneipe etabliert sich und findet zweimal pro Woche statt, wir können viel auf dem Balkon sein, Wanderung allein

Mai: Gleich am 1. Mai machen wir eine große Wanderung und das soll der Startschuss für unsere wöchentlichen Wanderungen sein. Der Kv macht zunehmend Druck, dass er das Kind sehen will. Also in Echt. Aber die Pandemie lässt es nicht zu. Das Kind will auch nicht. Wir verbringen weiterhin viel Zeit auf dem Balkon. Ich habe viel zu tun. Für einige Projekte stehen wichtig Deadlines an und es muss einiges weggeschafft werden. Mein FREItag ist nicht mehr existent und mein Überstundenkonto füllt sich. Die Schule geht wieder – im Wechselmodell – los. Das funktioniert gut. Auch das Rugby-Training geht wieder los. Beides tut dem Kind gut. Das restliche Leben öffnet sich ebenfalls wieder und es fühlt sich komisch an. Ich komme nicht umhin zu nutzen, dass ich wieder zum Friseur kann.
Lichtblicke: Wanderungen, Friseur, Schule und Rugby fürs Kind laufen wieder an

Juni: Deutschland ist echt gut durch die erste Welle gekommen. Die Hoffnung ist groß, dass das nicht verspielt wird. (Ich brauche nicht spoilern, denn wir waren ja alle dabei.) Ich habe weiterhin viel zu tun. Sehr viel. Gut, dass die Putzhilfe wieder kommt, zum Putzen kommt hier gerade keine. Wir stornieren den Urlaub in Irland, weil dort alles – richtigerweise – strenger gehandhabt wird als anderswo. Wir überlegen hin und her, aber entscheiden, dass wir raus müssen und buchen für die geplante Urlaubszeit kurzfristig eine Woche Belgien und eine Woche Lothringen. Das Kind hat Geburtstag und wir lassen, weil es ein Sonntag ist, den ganzen Tag zoom laufen und so schauen immer mal wieder Menschen vorbei und gratulieren ihm. Das gefällt ihm sehr. Die Corona-Warn-App geht an den Start. Ich spende erstmals Blut. Die Situation mit dem KV spitzt sich zu. Das Kind will nicht zu ihm fahren. Auch wenn das Kind zur Zeugnisvergabe nochmal kurz hin muss, ist das Schuljahr am 30.6. für ihn zu Ende.
Lichtblicke: Wir wandern weiterhin, das Kind hat einen schönen Geburtstag – trotz aller Widrigkeiten, Frau Rabe kurz gesehen, mit Herrn Fischer im Gadde gegrillt

Juli: Zunächst einmal Endpsurt vor dem dringend benötigten Urlaub. Friseur quetsche ich irgendwie auch noch rein. Ich ärgere mich, dass beim Zeugnis „business as usual“ gemacht wird. Aber freue mich dann nur noch auf den Urlaub. Wir fahren mit gemischten Gefühlen weg: Der Urlaub ist nötig, aber müssen wir wirklich wegfahren? (Retrospektiv: Wir haben einen sehr günstigen Moment erwischt, dank früher hessischer Sommerferien und sehr niedrigen Inzidenzen. Es war okay.) Die Tage am Meer waren toll. Da können wir gerne nochmal hinfahren. (Wobei Belgien recht teuer ist.) Die eine Freundin zu sehen war schön (und) schmerzlich: Unsere Ansichten – allgemein und hinsichtlich der Pandemie – driften zunehmend deutlich auseinander. Lothringen war auch okay, aber nochmal müssen wir nicht dahin. Aber es tat gut, rauszukommen, nicht mehr im eigenen Saft zu schmoren. Auf dem Rückweg fahren wir beim Vater vom RB vorbei. Es eskaliert zwischen dem Kv und dem Kind, da das Kind nicht zu ihm will. Wir starten wieder mit LowCarb. Ich starte wieder in die Arbeit. Das Geburtstagsgeschenk vom Kind wird eingelöst und er darf in einem Sportflogzeug mitfliegen.
Lichtblicke: Urlaub mit vielen schönen Ausflügen, glückliches Kind nach Flug

August: Ein insgesamt schöner Sommermonat – teilweise sehr heiß, was das Arbeiten erschwert. Wir wandern. Ich habe viel zu arbeiten. Wir haben eine Fliegenproblem. Außerdem wohne Franz und Ferdinand im Hof. Wir sind bei anderen Menschen (auf der Terrasse) zu Besuch. Ich ägere mich sehr über die Situation im Schulelternbeirat. Ich gehe mal wieder zu Friseur (kurze Haare wollen alle 6 Wochen geschnitten werden). Nachdem Juni und Juli hinsichtlich der Pandemie wirklich entspannt waren, zeichnet sich nur sehr deutlich der Beginn einer zweiten Welle ab. Die Schule fängt wieder an. Ganz normal. Ich bin zum ersten Mal seit Pandemiebeginn bei einer Ärztin. Ich beschließe nur noch Röcke zu tragen. Am Ende des Monats bin ich krank. In Berlin findet die erste große Demo von Nazis und Coronaleugnerinnen statt.
Post, der mit wichtig ist: Mit beiden Beinen im Leben
Lichtblicke: unsere Wanderungen, Normalität mit Maske, der RB ist sehr bewegungsmotiviert

September: Wir starten mit einem Twitter-Essenstreffen in den Monat. So schön, wieder andere Menschen zu sehen (draußen). Meine Arbeit wird nicht weniger. Ich fahre für einen Tag ins Büro. Das ist zwar unproduktiv wie eh schon, aber halt auch eine Abwechselung – wenn auch komisch, weil so viele im HomeOffice sind. Ich netzwerke und habe im nächsten Jahr eine neue Kollegin. Ich komme ein bisschen mehr aus meiner HomeOffice-Höhle raus. Das ist wichtig. Ich starte das AfghanHueShift-Strickprojekt. Kassiopeia zieht bei uns ein (erfolgreich durch die Twitterkneipe geinfluencet). Das Kind hat gar keinen Kontakt mehr zum Kv. Ich mache meine letzte Steuererklärung für die Freiberuflilchkeit. So rückblickend ist dieser Monat der mit den meisten Fremdbegegnungen während der Pandemie.
Post, der mit wichtig ist: Privilegien
Lichtblicke: so viele Spenden für Nils, viele Menschen gesehen

Oktober: Das Kind übernachtet zum einzigen Mal in diesem Jahr aushäusig. Wir helfen zweimal bei der Weinlese für meine Lieblingsweine. Ich habe weiterhin viel zu tun. Das Kind hat Herbstferien und hat – allen steigenden Zahlen zum Trotz – Boulder-Camp, das ihm viel Spaß macht. Ich war noch einmal im Büro. Der RB hat runden Geburtstag und er freut sich sehr über die Video-Glückwünsche. Ich habe Termine bei Ärztinnen (impfen, HNO, CT). Mein Vater muss wegen Lungenentzündung ins Krankenhaus. Wir treffen uns erstmals mit anderen Menschen zum Wandern. Ich beginne mit der Planung des digitalen BAdventskaffees. Übers virtuelle Dorf bekommen wir die Gelegenheit Äpfel und Walnüsse zu ernten.
Lichtblicke: Weinlese, NMA-Konzert, Apfelernte

November: Ich bin in diesem Monat nicht auf der Höhe. Aber das ist der Monat auch nicht. Es gibt „Lockdown light“ und es ist eigentlich ziemlich klar, dass das nicht das bringen wird, was sich damit erhofft wird. Nach über zwei Monaten ohne Kontakt zum Kv nimmt das Kind den Faden wieder auf – ganz rund läuft es nicht. Ich komme endlich auf die schlaue Idee, meinen Blog-Umzug in professionelle Hände zu geben und auf einmal geht alles ganz schnell. Das Kind kränkelt ein wenig vor sich hin und geht ein paar Tage nicht in die Schule. Das ist zwar richtig so, aber tut mir nicht gut. Joe Biden gewinnt die US-Wahl. Die Corona-Leugnerinnen drehen weiter frei. Wir wandern „schon wieder“ mit anderen Menschen. Ich besorge mir einen richtigen Schreibtisch (der erstmal sehr prominent im Wohnzimmer steht). Ich merke zunehmend, dass ich nicht mehr kann, wie ich will. Zum Glück gestehe ich mir irgendwann auch ein, dass ich auch nicht wollen muss, sondern einfach nicht mehr kann. Die Woche Krankschreibung war richtig und gut. In der Schule eskaliert es auch und ich habe ein langes Gespräch mit der einen Klassenlehrkraft. Wir fassen einen #NixMas-Beschluss und ich starte in den alljährlichen Backwahn. Am Ende des Monats schneit es sogar.
Lichtblicke: Blog-Umzug, Wanderung alleine, ärztlich verordnete Auszeit, Schnee

Dezember: Arbeit, Arbeit. Und Keksbacken. Und viele Kekspäckchen packen. Der „Lockdown Light“ hat nicht viel genützt. Die Zahlen steigen zwar nicht mehr exponetiell, aber die Zahl der Toten steigt. Das ist alles nicht schön. Freundin A infiziert sich mit Covid-19 und ich mache für sie einen Quarantäne-Einkauf. Es zeichnet sich ab, dass es wieder einen Lockdown geben muss – mit vorgezogenen bzw. verlängerten Winterferien (nicht in Hessen, aber wir fangen eh früh mit den Ferien an und haben drei Wochen), dennoch ist das Kind drei Tag vor offiziellem Ferienbeginn zu Hause. Der digitale BAdventskaffee funktioniert super. Ich komme extrem wenig raus und wandern fällt an zwei Wochenenden aus. Die Woche, in der mein Urlaub startet, verlangt nochmal viel. Der RB hat Weihnachtsgeschäft und so kommen wir zu nichts – noch nicht einmal zum Kochen. Unsere #NixMas-Gestaltung gefällt uns allen sehr gut und nimmt viel Druck und Stress raus – insbesondere auch, dass das Kind die vielen Geschenke nicht auf einmal bekommt. Wir gestalten das Arbeits- zum Herrenzimmer um und auch das Wohnzimmer wird umgestellt. Ich ärgere mich über die Heizung. Eve zieht bei uns ein (noch so ein Twitterkneipen-Influence-Ding). Ich färbe mir, weil ich nicht mehr zu Friseur kann, die Haar schwarz. Wir haben zwei Outdoor-Dates und ich fahre sehr spontan zu meinen Eltern.
Post, der mit wichtig ist: Kein Allheilmittel
Lichtblicke: digitaler Badventskaffee, wir können „problemlos“ Essen bestellen, meine Eltern doch noch gesehen

Es geht ein Jahr zu Ende, in dem

  • es normal wurde, Maske zu tragen,
  • ich viel zu wenig Menschen umarmt habe,
  • auf einmal vieles virtuell möglich war – eigentlich alles außer Tiernahrung Schule,
  • ich nicht einmal im Museum war,
  • das Kind das Bouldern für sich entdeckte,
  • wir Hessen vorranig zu Fuß erkundeten,
  • wir viele Serien schauten,
  • ich als Elternbeirätin viel zu tun hatte,
  • die Twitterkneipe zu einer festen Institution wurde und uns allen die Pandemie etwas leichter macht(e),
  • wir sehr gut gegessen haben – sowohl aushäusig als auch selbst gekocht,
  • wir zwei richtige Arbeitsplätze in der Wohung eingerichtet haben,
  • das Kind immer mal wieder pubertäre Anflüge hatte,
  • ich wieder festangestellt arbeitete (und diese Entscheidung genau richtig war),
  • uns Konzerte sehr fehlten,
  • wir viel über die Menschheit und deren Abgründe lernen durften und mussten,
  • sich – leider – zeigte, dass nicht alle Menschen mit Eigenverantwortung umgehen können und/oder solidarisch leben wollen,
  • viele, viele Menschen im Mittelmeer ertrunken sind oder in Camps IN EUROPA unter allerschlimmsten Bedingungen vegetieren müssen,
  • Faschismus und Rassismus noch ein Stück weiter in die Gesellschaft gedrungen sind (überall in Europa),
  • sich zeigte, dass Gleichberechtigung nur leidlich funktioniert,
  • die Wissenschaft wahnsinnige Leistungen vollbracht hat,
  • Kommunikation wichtiger denn je war,
  • der Föderalismus keinen Sinn machte,
  • sich alle Fehler und Versäumnisse im Schulsystem mit geballte Macht offenbarten,
  • dem wir – der RB, das Kind und ich – gesund geblieben sind und zum Glück auch die meisten andere Menschen, die uns lieb und wichtig sind.

2021 wird uns nochmal viel abverlangen, da brauchen wir uns nichts vormachen. 2020 ist vielleicht vorbei, aber die Pandemie noch lange nicht. Daher wünsche ich allen:

Durchhaltevermögen, Geduld, Mut, Resilienz, Menschen, die Halt geben, Gesundheit.

Falsch-Geld

Falsch-Geld

#ClosedAdvent (18) // Lockdown, Tag 3

Ausschlafen ist nicht so wirklich. Schließlich kommt die Putzhilfe heute. Der RB und ich räumen zusammen auf. Dann fährt er los Getränke kaufen. Das Kind hat Aufgaben in Moodle gefunden. Es ist etwas skurril, denn ich habe ja ab heute frei. Und ich kann tatsächlich frei machen*.

Während die Putzhilfe werkelt, gehe ich raus. Ich muss noch was beim Dorf-Buchhandel abholen. Vorher muss ich allerdings zur Bank, da der Dorfbuchhandel bei Abholung nur Bargeld nimmt. Nein, ich rege mich darüber nicht auf. Es ist einfach so. Also zur Bank, um Bargeld zu holen. Es gibt zwei Schlangen an der Tür, eine rechts für die IN-der-Bank-Kundinnen, links für die Automaten im Vorraum. Ich reihe mich in die Automatenschlange ein. Gerade wird ein Automat repariert, es sind drei Techniker im Raum. Plus dem Sicherheitsheizel. So können nicht so viele an die Automaten: immer nur zwei (und selbst das ist ja in dem unbelüfteten Raum etwas grenzwertig). Eine ältere Frau kommt dazu: „Stehen Sie alle für die Automaten an?“ „Nein, die rechte Schlange ist für in die Bank. Ich bin das Ende der Automatenschlange“, sage ich. Sie guckt unwirsch und stellt sich … neben mich. Eine Person kommt raus. Die Person vor mir in der Schlage geht rein. Die Frau neben mir hampelt rum: „Aber können da nicht mehr rein?“ „Da wird doch gerade an dem einen Automaten gearbeitet. Und der Sicherheitsmann ist auch drin. Dazu zwei Kundinnen. Das sind 6 Personen. Wollen Sie da wirklich noch mit rein?“ „Aber es dauert so lange.“ „Ja, aber das Gras wächst auch nicht schneller, wenn Sie daran ziehen.“ Sie hampelt weiter neben mir und somit vor der Tür rum. „Es wäre gut, wenn Sie sich hinter mich stellen, damit Sie nicht direkt vor der Tür stehen. Die Leute müssen ja irgendwie rauskommen.“ „Hören Sie auf mir Anweisungen zu geben“, zischt sie mich an. Ich atme und bin kurz davor, sie vorzulassen. Einfach um sie dumm dastehen zu lassen. Aber dann sehe ich, dass sie einen Stapel Überweisungen in der Hand hält. Da kommt endlich wieder wer raus und ich kann rein. Ich bin so schnell, dass die hampelnde Frau nach mir dran ist. Sie steht nun direkt vor der Tür. Ich mache die Tür auf und gucke sie an. Sie guckt mich an und merkt schon, dass sie nicht an mir vorbei kommt. Ich gucke sie intensiver an. „Sie müssen schon den Platz VOR der Tür frei machen, damit ich rauskann.“ Nur widerwillig tritt sie beiseite.

Menschen.

Beim Buchhandel geht es schnell. Dann hüpfe ich noch kurz in den dm. Das ist auch nicht sonderlich aufregend. Selbst Klopapier bekomme ich.

Nachmittags schleiche ich zunächst rum wie Falsch-Geld. Ich müsste noch meine Stunden eintragen, aber ich will nicht. Ich kümmere mich um die Wäsche, räume rum. Schleiche wie Falsch-Geld umher. Der RB und ich planen das Essen bis nach Weihnachten. Und fassen dabei einen Pommesföhn-Beschluss, den ich kurzerhand bestelle**. Vor Weihnachten soll er noch geliefert werden.

Der RB muss sich entspannen und geht in die Wanne. So gehe ich gegen 18h30 einkaufen. Es ist erstaunlich leer im Supermarkt. ich bekomme alles und komme gut durch. Ich freue mich einmal mehr über den Hackenporsche. Er ist so praktisch und es geht so viel rein. Der Einkrauf für eine über eine Woche. Yeah, müssen wir nur noch auf den Markt und direkt vor den Feiertagen nochmal Milch und eins-zwei frische Sachen kaufen.

Wir essen Muscheln zum Start ins NixMas-Schlemmen. Mit Herz.

Danach ist #CorotäneKneipe und es ist wieder – wie immer – schön, mit all den lieben Menschen Zeit zu verbringen. Und wir sind zwischenzeitlich mal wieder ganz viele.

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* Ich muss noch meine Stunden eintragen und einen internen Text schreiben.

** Ja, bei großen A. Und nein, bei technischen Geräten habe ich kein schlechtes Gewissen. Denn der nächste Elektrofachmarkt mit eventuell ausreichender Auswahl ist keine Option ja eh zu. Aber selbst wenn offen wäre: Ich brauche keine Beratung, also sehe ich nicht ein, durch die Gegend zu gurken und im schlimmsten Fall nicht das zu bekommen, was ich will oder halt deutlich teuerer.

Lockdown, Tag 1

Lockdown, Tag 1

#ClosedAdvent (16)

Da das Kind nicht um 8h15 in der Schule sein muss, muss hier auch niemand zu unsäglichen, dem Biorhythmus komplett widerstrebenden Uhrzeiten aufstehen. Das ist gut. Zumal die Nachtschicht halt ausreichend lang dauerte. Aber sechs Stunden Schlaf durfte ich trotzdem bekommen.

Ich brauche etwas, bis ich in die Gänge komme, aber die Dusche hilft, dass ich um 10h00 halbwegs frisch aussehe, als die erste Videokonferenz ansteht. Die zweite folgt umgehend. Dann etwas Projektarbeit und mit dem Kind feststellen, dass keine Aufgaben in Moodle stehen. Tja nun. Kann er sich mit Ethik beschäftigen. Wobei ich die verhältnismäßig intensive Bibelarbeit, die gerade ansteht doch recht befremdlich finde. Ich bin gespannt, ob sich in diesem Außmaß auch mit Koran und Thora beschäftigt wird.

Zwischendrin legt mir der RB ein Päckchen auf den Tisch: „Da ist wohl ein Päckchen vom #Badventskaffee zurückgekommen.“ Ich bin etwas irritiert, hatten doch alle, die da waren ihre Kekse. Ich brauche etwas, bis ich schalte: Die liebe S. hat „meine“ Verpackung genutzt, um mir einen Keksgruß zurückzuschicken. <3

Sogar die Streudeko wurde recyclet.

Ich jongliere diverse Projekte und weiß schon mittags, dass ich wieder eine Nachtschicht einlegen muss. Tja nun, ab Freitag habe ich frei, das wird schon irgendwie gehen.

Der RB rotiert, weil nun der nächste Mitarbeiter krank ist. Der luftleere Luftballon ist nicht mehr weit. Aber natürlich ist der RB bei allem Stress sehr dankbar, dass er noch offen haben darf. Und sein Hygienekonzept ist so gut, dass ihm bislang auch die obligate Herbst-Winter-Erkältung erspart geblieben ist.

Das Kind hat sich sehr schnell selbst in WhatsApp eingewiesen und telefoniert nun fröhlich durch die Gegend. Es tut sehr gut zu hören, dass er mit anderen Kindern Kontakt hat. Sie zusammen zocken. Er sich draußen mit ihnen trifft.

Meine letzte Videokonferenz ist um 18h30 zu Ende. Der RB muss um 20h00 das nächste Online-Tasting bestreiten. JETZT ist also Zeit zum Essen. Gekocht hat – natürlich – niemand. Also bestellen wir erneut, was der RB und ich zusammen abholen gehen, damit ich überhaupt mal rauskomme. Und ja, ich bin gerade sehr dankbar, dass wir es uns leisten können, einen dritten Tag in Folge Essen bestellen zu können. Genauso wie ich dankbar dafür bin, dass wir uns eine Putzhilfe leisten können. Ich wüsste nicht, wie wir uns aufreiben würden, müssten wir die Dinge anders handhaben.

Die Nachtschicht geht lange, aber ist wenigstens sehr produktiv. Ohne die nächtliche Ruhe wüsste ich derzeit nicht, wann ich Texte schreiben sollte.

Eingeknickt

Eingeknickt

#ClosedAdvent (15) // 1 Tage bis Lockdown

Der RB muss früh raus. Das bedeutet für mich: „ausschlafen“, weil er das Kind zur Schule schickt.

Ich „verschlafe“ prompt und fürchte, dass sich das den ganzen Tag über rächen wird. Ich bekomme zwischen meinen gefühlt Millionen Videokonferenzen aber doch so einiges gewuppt und Dinge auf den Weg.

Das Kind kommt schwer bepackt aus der Schule. Alle Bücher und Ordner für quasi alle Fächer hat er dabei. Er darf – auch weil ich keine Zeit habe – den Nachmittag daddeln. Um Schulkram kann er sich morgen, übermorgen und Freitag auch noch kümmern. Sofern denn nötig. Worum er sich aber kümmern will, sind seine langsam stärker werdenden Sozialkontakte. Es gibt da mittlerweile ein paar Kinder aus der Klasse und Schule, mit denen er sich anfreundet. Und um mit ihnen während der Ferien in Kontakt zu bleiben, braucht er WhatsApp. Joah. Ich habe mich da nun eineinhalb Jahre gegen gesperrt. Nicht weil ich finde, dass er keinen Messenger-Dienst braucht – er hat ja von Anfang an Threema – sondern weil ich sehe, wie seine Peers mit WhatsApp umgehen. Nun bin ich alo eingeknickt, damit er mit seinen Kumpels Kontakt halten kann,. Aber ich habe ihn eindringlich gebeten, mit mir zu sprechen, wenn darüber Dinge passieren, die ihm nicht gut tun.

Am Abend ist klar, dass ich nicht zum Kochen komme – zumindest nicht zu dem, was mal (eigentlich für gestern) geplant war. Und auch Einkaufen habe ich keine Lust, zumal auch keine Idee. Das Kind wünscht sich seit Tagen Sushi, der RB hat es nicht so mit kaltem Fisch. Aber da der RB heute noch ein Online-Tasting nach Ladenschluss hat, bestellen das Kind und ich kurzerhand Sushi.

Dem RB setze ich derweil Linsen mit Rindswurst auf, die gut durchköcheln können, bis der RB nach Hause kommt.

Noch aus dem Laden heraus startet er die TwitterKneipe. Ich arbeite parallel etwas an einem Text, der endlich mal fertig werden muss. Der RB kommt zwischendurch nach Hause und ist kurz vor luftleerem Luftballon.

Da Twitterkneipe und Texten nur so halb zusammengeht, hänge ich noch eine Nachtschicht an, nachdem die Kneipentür zu ist und der RB im Bett ist.

Vor-Urlaubs-Wahnsinn

Vor-Urlaubs-Wahnsinn

#ClosedAdvent (14) // 2 Tage bis Lockdown

Es sind noch Kekse da. Obwohl das Kind so viele gegessen hat, dass er heute wegen Bauchschmerzen zu Hause bleibt.

Und es ist noch ganz viel Arbeit da. Eigentlich habe ich am Freitag ja frei, aber das sehe ich gerade noch nicht. Die Aussicht auf zwei Wochen frei trägt mich allerdings. Außerdem merke ich, wie wichtig und richtig es war, dass ich im November die Reißleine gezogen habe.

Ab Mittwoch wird der Lockdown entlightet. In der Schule findet kein Unterricht, sondern nur noch Notbetreuung statt. Welches Kind zu Hause bleiben kann, soll das bitte. Es regen sich viele über den hessischen Weg auf. Aber mal ehrlich: Unsere Winterferien fangen am Freitag an und gehen eh bis zum 10.1. Viele Eltern haben sich darauf eingestellt und wir wissen alle, wie „einfach“ es ist, kurz vor Weihnachten Urlaub zu nehmen. Ich habe auch nicht frei, aber das Kind kann sich ja eigentlich selbst beschäftigen und ich hoffe darauf, dass es zumindest ein paar Aufgabe via Moodle geben wird.

Der RB rotiert im Weihnachtsstress. Ich hoffe, dass er bis zum 23.12. durchhält. Das Weihnachstsgeschäft ist einfach viel. Als er dann auch noch für den kranken Mitarbeiter einspringen muss, ist klar, dass heute hier keine Essen kochen kann und wir bestellen Pizza*.

Als das Kind im Bett ist, gibt es noch eine NAchtschicht für mich, während der RB Weihnachtsfeier via Zoom hat.

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* Fürs Protokoll: Die ich abhole und so wenigstens für 20 Minuten rauskomme.

(Un-)froh

(Un-)froh

#ClosedAdvent (11)

Das Kind hat zunächst Zahnschmerzen und geht erst zur zweiten Stunde. Als er aus dem Haus ist, bin ich wach. Der RB bringt mir Tee und irgendwie ist es kalt. Als ich mich an den Schreibtisch setze, stelle ich fest: Die Heizung ist mal wieder ausgefallen. Das ist natürlich super, da heute die Putzhilfe kommt. Mit kaltem Wasser putzt es sich ja bekanntlich super. Der RB und ich machen eine Essens- und Einkaufliste, damit wenigstens er weg ist, wenn die Putzhilfe kommt. Ich kann nicht raus, ich habe heute keinen FREItag. Ich habe diversen Kleinkram und eine Besprechung, auf die ich keinen Bock habe. Die auch kurz entsprechend eskaliert. Gerne hätte ich noch mehr geschafft, aber um 16h00 findet unsere Mini-Weihnachtsfeier, die – wie in diesen Zeiten üblich – digital statt. Insgesamt ist es ganz unterhaltsam, aber es wäre durchaus nett gewesen, wenn wir vorher irgendwas zugeschickt bekommen hätten. Aber gut, es sind auch nur zwei Stunden. Es soll ja im Frühjahr oder wann es halt geht ein Fest nachgeholt werden.

Danach habe ich Hunger und bin sehr froh, dass der RB sich schon ums Abendessen gekümmert hat. Froh bin ich auch, dass endlich Wollnachschub für den Afghan Hue Shift angekommen ist. Blöd, dass eine Farbe immer noch fehlt. Ich werde doch in den Dorf-Wollladen müssen (vor dem Lockdown).

Sehr unfroh werde ich während des Essens. Da eskaliert es zwischen mir und dem Kind. Uff, ich bin enttäuscht, traurig, wütend und auch verzweifelt. Er steht sich so dermaßen selbst im Weg, dass ich langsam nicht mehr weiß, wie ich ihm helfen kann. Und er legt Verhaltensweisen an den Tag, die er definitv nicht hier vorgelebt bekommt. Da steckt etwas tief in ihm drin und es wird so verdammt schwer, dass er aus der Nummer rauskommt.

Danach fühle ich mich wie eine ausgequetschte Zahnpastatube. Ich schicke das Kind in sein Zimmer. Ich will und kann ihn nicht sehen. Er soll nachdenken oder was auch immer tun. Ich kann gerade gar nichts machen. Ich weiß nicht wohin mit mir und bin froh, dass der RB mich ins Bett schickt. Mir dröhnt der Kopf, aber ich bin so leer, dass ich trotzdem einschlafe.

Als ich wieder wach werde ist es nach 23h00. Ich finde einen Brief, den mir das Kind unter der Tür durchgeschoben hat. Der macht mich auch traurig. Das Kind schläft mittlerweile, er hat sich komplett selbst ins Bett gebracht. Das ist das erste Mal ever (abgesehen von Abenden, an denen wir eh nicht zusammen waren), dass er ohne Gute-Nacht-Sagen ins Bett muss. Es tut mir so leid. Ich fühle mich nicht gut. Ich bin ratlos über die Situation. Der RB auch. *seufz* Ich klettere kurz zum Kind aufs Bett und kuschel ihn ein bisschen. Ach, ach. Morgen werden wir sprechen müssen.