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Kategorie: Das Leben und so

Pandemüde?

Pandemüde?

Ich bin so müde. So unendlich müde. Ich weiß gar nicht, ob ich schon mal so müde war. Ich komme morgens nur schwer raus. Mir graust es schon vor der Zeitumstellung. Sobald ich am Schreibtisch sitze, geht es erstmal. Ich trinke einen Liter schwarzen Tee. Das hält auch wach. Erstmal bis zum späten Nachmittag. Ab 17h00 fährt mein Körper runter. Es geht von jetzt auf gleich nichts mehr. Spätestens um 18h00 muss (!) ich mich hinlegen. Seit Tagen Wochen geht das nun schon so. Und wenn ich doch nur wüsste, woran das liegt. Beim Blutspenden hatte ich einen ziemlich guten Hb-Wert. Eisen ist es wohl nicht. Bleiben noch

  1. Pandemie
  2. Papas Tod
  3. Vitamin-D-Mangel
  4. schlechter/zu wenig Schlaf
  5. zu wenig Bewegung
  6. zu wenig frische Luft
  7. zu viel zu tun
  8. zu wenig Flüssigkeit
  9. falsche Ernährung

Ad 4:
Ja, ich komme zu spät ins Bett. Ich bin eine Eule und ich leide an Revenge Bedtime Procrastination. Verstärkt durch das abendliche Hinlegen(müssen). Ausschlafen wäre toll, würde aber das Problem nicht lösen, denn ich muss ja zwischen 9 und 10 am Schreibtisch sitzen bzw. wenn das Kind vormittags Schule hat, um spätestens 7h30 aufstehen.

Ad 7:
Das kann ich gerade nicht abstellen und ich sagen schon „nein“. Dennoch schieben sich manche Projekte schon seit Wochen durch meine To-Do-Liste. Und es wird nicht weniger. Es ist auch nur suboptimal, dass ich in der Woche nach Ostern Urlaub habe, aber der ist dringend nötig.
Vom Haushalt will ich gerade nicht reden. Wenn der RB nicht so viel machen würde, würden wir hier heillos untergehen. Außerdem können wir das Problem mit Geld beschmeißen:

  • einmal Pro Woche kommt die Putzhilfe
  • gekocht wird größtenteils mittels Kochbox
  • punktuell wird Essen bestellt
  • die restlichen Einkäufe lassen wir oft liefern.

Vieles andere wird hier einfach mal ignoriert.

Das Kind kommt völlig zu kurz. Ich weiß gar nicht, wie ich das finde. Ich fürchte, ich bin zu müde, um ein schlechtes Gewissen deswegen zu haben. Er hat die Schule, das tut ihm auf gewisse Weise gut. Er hat seinen Sport wieder, das ist sehr wichtig. Er hat verschiedene Kumpel, mit denen er online zocken kann, das genießt er sehr. Und er hat regelmäßig Kontakt mit der Oma, die ihm bei den Hausaufgaben beisteht.

Ad 8:
Das schwankt. Diese Woche war es besser. Allein dadurch, dass ich einen Liter Tee trinke, ist schon mal viel gewonnen. So trinke ich auch sonst mehr. Ich muss darauf aber noch mehr achten.

Ad 9:
Wir lowcarben nicht mehr. Ich esse wieder zu viele Süßigkeiten. Aber ich kann darauf gerade nicht achten. Auch wenn ich weiß, dass es mir gut tut, auf Süßes zu verzichten, ist die „Sucht“ gerade stärker und ich brauche den Zucker auch, um meine Konzentration aufrecht zu halten. Dank der Kochboxen sind derzeit mindestens 4 Mahlzeiten pro Woche vegetarisch.

Ad 5:
Wenn wir nicht einmal pro Woche wandern gingen, würde ich mich vermutlich gar nicht bewegen. Diese Woche war ich bislang nicht einmal draußen. Mein Bewegungsradius ist also maximal klein. Erstaunlicherweise verkrafte ich die Wanderungen (sind ja in der Regel zwischen 12 und 17 Kilometern) recht gut. Ich müsste mich auch zu Sporteinheiten dazwischen aufraffen, aber hier grätschen mir 4 und 7 und natürlich meine unendliche Müdigkeit dazwischen.

Ad 6:
Hat viel mit 5 und 7 zu tun. Ich sollte konsequent in der Mittagspause wenigstens eine halbe Stunde rausgehen. Ich hoffe darauf, dass es bald wärmer wird und ich so wieder BalkonOffice machen kann.

Ad 3:
Joah, mit Blick auf 6 ist das nicht völlig abwegig. Auch habe ich meine Vitamin-D-Einnahme etwas schleifen lassen. Da bin ich gerade wieder hinterher.

Ad 2:
Ich kann nicht sagen, ob und welchen Einfluss Papas Tod und die Beerdigung auf meinen Zustand haben. Ich will gar nicht abstreiten, dass es einen Einfluss hat/haben könnte. Aber ich kann noch nicht richtig ausmachen, welchen bzw. inwiefern. Vielleicht werde ich dazu mehr wissen, wenn ich in meinen Urlaubstagen Ruhe habe.

Ad 1:
Joah, das liegt auf der Hand. Ich bin immer noch im Katastrophen-Modus: Dinge und ich sollen funktionieren. Ich lebe im Moment. Ich habe keine Angst vor dem Virus bzw. einer Erkrankung. Ich habe Respekt. Aber es ist nun mal Pandemie und damit eine Naturkatastrophe. Ich mache das, was ich machen kann, was ich für richtig halte: Mich soweit wie möglich abschotten, FFP2-Maske tragen, Händewaschen. Und ich mache das unabhängig von den politischen Entscheidungen, denen ich mich aber auch nicht machtlos ausgeliefert fühle, denn ich kann ja das machen, was ich für richtig halte. Hinsichtlich der Politik habe ich gewissermaßen resigniert. Das macht mich durchaus müde.

Ich denke nicht darüber nach, was in einszweidrei Monaten ist. Ich denke tatsächlich auch nicht drüber nach, wann ich geimpft werde und dass es hoffentlich bald ist. Ich werde geimpft, wenn ich dran bin. Daran ändert sich auch nichts durch den kurzfristigen (!) AstraZeneca-Stopp oder weil sich Hinz und Kunz sich irgendwie in die Impflingliste drängeln (können). Vielleicht habe ich einfach keine Kraft mehr, mich darüber aufzuregen. Vielleicht bin ich auch einfach zu pragmatisch, dass ich weiß, dass sich darüber aufregen nicht lohnt.

Und in diesem Pragmatismus machen mich die 80 Millionen Virologinnen, Epidemiologinnen, Logistikerinnen, Pharmaproduzentinnen, Immunologinnen, Impfstoff- und Zulassungsexpertinnen sehr müde. So viel Meinung basierend auf Halbwissen Überschriften ist gruselig. Und ja, da spielt viel rein: Verunsicherung, Angst, fehlende Kommunikation, Vertrauensverlust. Aber Füße stillhalten und die wahren Expertinnen ihren Job machen lassen, scheint nicht mehr zu gehen.

Mich macht es sehr müde, wie wenig solidarisch unsere Gesellschaft ist bzw. wie deutlich wird, wie wenig solidarisch unsere Gesellschaft in den letzten Jahren geworden ist. Es wird auf die Politik – zurecht – geschimpft. Aber Kraft für wirklich effektive Schritte hat anscheinend keine. Es wird nur geschimpft. Es werden Stellvertreterkriege angezettelt, bei denen ich so viel „ich, ich, ich“ raushöre, dass ich echt erschrecke. Wie Menschen auf einmal bereit sind, über Leichen zu gehen.

Natürlich wäre es super, wenn die Pandemie vorbei wäre. Auch ich freue mich auf das Ende. Aber nur weil die Politik uns was anderes vorlebt, kann ich doch nicht unsere Gesellschaft noch weiter einzweien. Es läuft viel schief in diesem Land, in diesem Staat. Aber die Gesellschaft zu verraten, weil ich nicht an erster Stelle der Impfreihenfolge stehe, während ich abgesichert, mit einem Job ohne Existenzsorgen zu Hause im warmen HomeOffice arbeiten kann, das will mir nicht in den Kopf. Unser Problem ist eine kapitalistische und korrupte Politik und nicht, dass ein Impfstoff geprüft wird und dadurch für drei Tage nicht verimpft wird. Aber ich bin sicher, dass das die meisten nicht mehr interessiert, sobald sie dann endlich geimpft sind und ihre Freiheit, die ihnen weder jemals genommen, noch wirklich eingeschränkt wurde, wiederhaben.

Vielleicht bin ich nicht pandemüde, sondern gesellschaftsmüde.

Letzte Etappe

Letzte Etappe

Lockdown, Tag 72

Der RB hat ,am Sonntag eine Fortbildung, das Kind hatte am Freitag mal wieder Rugby-Training. Daraus ergab sich, dass der RB und ich am Samstag nur zu zweit die letzte Etappe der Hohen Straße liefen. Also natürlich nicht die allerletzte Etappen, denn Hohe Straße geht ja bis Leipzig, aber die letzte Etappe auf dem ausgebauten Stück von Frankfurt nach Büdingen. Danach ist sie wohl erstmal nicht ausgebaut. aber das werde ich noch genauer eruieren. Aber alles weitere ist keine Tagestour mehr von Frankfurt aus. Da würden sich verlängerte Wochenenden mit mehreren Etappen anbieten.

Wie auch immer: Schön war’s. Und lang war’s. Und anfangs war es auch noch ziemlich frisch und windig. Außerdem mussten wir wirklich viele antifaschistische Aufkleber verteilen. Bald ist Kommunalwahl in Hessen und rund um Büdingen ist es leider ziemlich braun. [insert Kotzsmiley]

(Wenn es interessiert: Hier Etappe 1, zwei, drei, vier, fünf und sechs)

Nun müssen wir uns eine neue Wanderperspektive suchen. Vielleicht wandern wir zukünftig den Limes entlang.

Eine Narbe bleibt

Eine Narbe bleibt

Am 28.1. wollte ich noch schnell FFP2-Masken im Backofen aufbereiten. Ich griff schief in den Backofen und da machte es schon „zisch“ und ich hatte mir eine ordentliche Brandwunde an der Hand zugegezogen. Zum Glück war der Backofen „nur“ 80 °C heiß. Dennoch roch es verbrannt.

Das war gegen 13h10.

Drei Stunden später machte mein Vater seinen letzten Atemzug.

Die Wunde blieb. Ich spürte sie ständig. Ich spüre sie immer noch.

Trotz Wund- und Brandgel zickte die Wunde rum. Entzündete sich leicht. „Da wird eine veritable Narbe bleiben“, dachte ich.

Am Samstag haben wir meinen Vater beerdigt.

Meine Wunde ist deutlich verheilter.

Aber eine Narbe wird bleiben.

Nicht nur auf der Hand.

Glück in weiß

Glück in weiß

Lockdown, Tag 38

Sonntag ist Wandertag. So will es das Pandemiegesetz. Und gestern war klar, dass es heute schneien soll. Also in den höheren Lagen Schnee und bei uns inne Stadt halt Matsch. So war es auch beim Aufstehen: Schneematsch vor der Tür. Wie es Richtung Taunus aussah, konnte ich natürlich nicht sehen. Aber ich hatte zwei Touren ebenda geplant. Das Kind wollte nicht mit (und Spoiler: Es war gut so. Er hätte sehr geflucht.). Nur mit dem RB unterwegs zu sein, ist ja auch ganz schön.

Ich haderte kurz mit meiner #ZeroHose-Politik, probierte die Schneehose an und war wieder geheilt. Auch hier ein Spoiler: Die doppelten Thermoleggings, der Rock und der Fuktionsmantel haben wirklich gut warm gehalten. (Für die Beine könnte ich bei noch mehr Schnee über wasserdichte Gamaschen nachdenken.)

Und falls ich es noch nicht erwähnt habe: Schneeeeeeee <3 So viel Schnee. Schnee macht mich wirklich wirklich glücklich. So glücklich, dass ich den wirklich steilen Aufstieg (3 Kilometer, tw. 19 % Steigung) auch nur ein kleines Bisschen schlimm fand und gar nicht geflucht habe (das Kind hätte spätestens nach 500 Metern gestreikt – trotz Schnee).

Ich hoffe, wir werden noch ein paar Schneetage habe. Ich muss noch ein bisschen weißes Glück tanken. Das war so schön.

(Schön war auch, dass Kassiopeia leckerste Kartoffelsuppe gekocht hatte, während wir wanderte. Genau das richtige Essen nach so einer Wanderung.)

Haushalten

Haushalten

Lockdown, Tag 35

Ich muss haushalten. Mit meinen Kräften. Deswegen werde ich erstmal nur noch unregelmäßig bloggen. Wenn ich wirklich Zeit und Muße habe.

Ich schlafe schlecht. Das liegt vermutlich an vielem, aber insbesondere auch daran, dass ich so wenig rauskomme. Aber Rausgehen ist mit viel Aufwand verbunden derzeit: drölfzig Schichten, damit eine nicht friert. Ja, ich sollte es machen. Sauerstoff wäre meiner Konzentration sicherlich auch zuträglich. Aber dann denke ich wieder: Wenn ich schon so schlecht schaffe, dann kann ich nicht auch noch ne Stunde für Rausgehen verplempern. Und irgendwie ist das ein Teufelskreis. Ein Teufelskreis ist auch, dass ich wegen schlechtem Nachtschlaf am späten Nachmittag so k.o. bin, dass ich mich für eine Stunde oder so hinlege. Tja und dann kann ich nachts natürlich auch nicht (besser) einschlafen. Wenigstens hier habe ich heute hoffentlich gebremst: Obwohl die Nacht wirklich grottenschlecht war, habe ich am Abend nicht geschlafen.

Die Pandemie zeh/rrt weiter an uns. Das Kind ist unleidlich und unmotiviert. Wir geraten im HomeSchooling sehr aneinander (heute nicht und er hat festgestellt, dass sich das gut anfühlt und dass es sich auch gut anfühlt, Aufgaben wegzuarbeiten). Er vermisst seinen Pre-Pandemie-Alltag: Fahrten nach Frankreich, Familie, Rugby, Bouldern und sogar Schule. Ja, wir sind soweit, dass er es nicht mehr besonders toll findet, nicht in die Schule gehen zu müssen.

Wir wandeln auf einem Grat, an dem sowohl rechts als auch links der Lagerkoller lauert. Ich hoffe, dass es noch so lange gut geht, wie es gut gehen muss.

Noch bin ich guter Dinge, dass wir, also der RB, das Kind und ich – ohne langfristigen (die Autokorrektur schrieb „langfrustigen“) Schaden durch die Pandemie kommen. Aber dafür müssen wir hier gut auf uns aufpassen – und auch jede auf sich.

Und obwohl ich den Winter – vor allem mit Schnee – sehr liebe, sehne ich mich sehr nach Frühling, nach Leben draußen. Selbst wenn dann immer noch Pandemie ist (was sicher so sein wird), lässt sich mit Licht, Frühlingsluft und Sonne einiges besser ertragen.

Und bis dahin haushalte ich mit meinen Kräften…

Schnee

Schnee

Lockdown, Tag 32

In der Nacht schneite es schon. Yeah. Beim Aufstehen lag das weiße Glück immer noch. Da war auch vergessen, dass ich mal wieder grottenschlecht – der verdammten Heizung sei dank – geschlafen. Spätes Frühstück. Dann zog der Schnee das Kind in den Park (jaja, vermutlich nicht 100 % pandemiekonform) und den RB und mich in den nördlichen Grüngürtel. Ein schöner Spaziergang durch den Schnee.

Unabgesprochen kamen wir alle fast zeitgleich wieder zu Hause an. Zum Aufwärmen gab’s Waffeln.

Dann machte ich mit dem Kind HomeSchooling. Es war klar, dass die erste Woche nicht ganz rund laufen würde hinsichtlich Lernen in häuslicher Umgebung. Selbstorganisation will halt gelernt werden.

À propos: Weil ich Freitag so furchtbar unproduktiv war, musste ich eine Nachtschicht einlegen. Sonst erschlägt mich mein To-Do-Liste nächste Woche.

Unproduktiv, sehr.

Unproduktiv, sehr.

Lockdown, Tag 30

So einen unproduktiven Tag hatte ich schon ewig nicht mehr. Ich habe nix, gar nichts, gebacken bekommen.

Das wenige Sinnvolle an diesem Tag war, dass ich dem Kind die Hausaufgaben gescannt und beim Upload assistiert habe. Dass ich im Kanninchenbau „Bücher und DVDs ausmisten“ verloren gegangen bin. Dass ich gekocht habe.

Vor der Twitterkneipe spielten wir eine Runde Carcassonne mit dem Kind. Danach gab es eine Runde Gruppenkuscheln und siehe da, das Kind schlief geisterfrei ein.

Schnaps…

Schnaps…

…zahlen-Geburtstag. Heute.

Üblicherweise mache ich einmal im Jahr bei 12von12 mit, nämlich im Januar. An meinem Geburtstag. Und eigentlich wollte ich es auch heute so machen. Aber … es war einfach zu viel bzw. dadurch zu wenig Fotogenes los.

#1: Der RB hat gebacken (ich werde mich noch daran gewöhnen, dass er jedes Jahr ein anderes Rezept probieren will)

#2: Twitter verheißt beim Aufstehen eine Tatsache, die ich kaum zu hoffen gewagt habe: Schnee. Ich traue mich fast nicht den Rolladen zu öffnen, aber … tadaaaa …

Ich gebe hiermit zu Protokoll: Schnee an meinem Geburtstag gab es seit Jahren nicht mehr. Das ist ein gutes Zeichen!

Danach ging ich duschen und hübschte mich auf, denn ich hatte – trotz Geburtstag – diverse Kundentermine und direkt um 10h00 die erste Videokonferenz

#3: Symbolbild für den Tag. Ich hing von 10h00 bis 13h00 in Videocalls und von 15h00 bis 16h30 nochmal.

#4: Mittagspause – mit Kind, RB und Kuchen

Gegen 17h00 erlaubte ich mir den Rechner auszumachen. Ich skypte mit meiner Mutter (und kurz mit meinem Vater). Es tut gut zu sehen, wie gut meiner Mutter der Umzug getan hat. Dann bestellen wir Geburtstags-Wunschessen:

#5: Koreanisch – nomnomnom

Vor der Geburtstags-Twitterkneipe musste ich mich dann kurz hinlegen. Dann war ich ausgeruht, um (zu) lange durchzuhalten.

Hadern

Hadern

Lockdown, Tag 24

Puh, ich hadere. Ich hadere mit meinem Muttersein. Ich finde mich gerade so furchtbar schlecht als Mutter: Das Kind und ich leben nebeneinander her. Ich schaffe es zunehmend weniger, mir Zeit für ihn zu nehmen. Ich reagiere so ungehalten, wenn er mich bei der Arbeit unterbricht. Ich reagiere aber auch nach der Abend ungehalten – wenn er den Abend mal wieder verlängert, während ich Feierabend haben will. Während ich mit dem RB einfach auf dem Sofa abhängen will bzw. ich einfach allein sein will.

Ich merke, wie sehr es mir fehlt, dass das Kind seit einem Jahr nicht mehr beim Kv war. Wie sehr mir diese Auszeiten vom Muttersein fehlen. Wie sehr mir aber auch das Alleinsein fehlt. Nein, ich möchte den RB nicht missen, aber ich hätte gerne mal wieder einszweidrei Tage nur für mich. Gerne in der Wohnung. Auch mit Arbeit. Tage, an denen ich ausschließlich in meinen Rhythmus leben und arbeiten kann. Dinge abarbeiten und dann zufrieden mit meinem Tagewerk rausgehen, was für mich tun, mit mir alleine sein. Ich bin nicht dafür geschaffen, dass ständig jemand um mich rum ist.

Ich bin so auch nicht sozialisiert worden: Klar haben sich meine Eltern immer gekümmert und ich habe ja auch Brüder, die „immer“ da waren. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir ständig aufeinander geklebt haben bzw. kleben mussten (und auch nicht konnten). Genauer betrachtet: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich ständig an wem geklebt habe. Ich habe „schon immer“ mein Ding gemacht und ich hatte da auch viele Freiheiten. Nein, ich war als Kind und Teenie alles andere als Einzelgängerin. Aber ich durfte sehr selbstbestimmt meine Freizeit gestalten.

Nein, das Kind klebt nicht an mir. Meistens zumindest nicht. Also so lange nicht wie er mindestens eines seiner Devices hat. Sobald er sich selbst beschäftigen muss, hat er keine Geduld, keine Muße, keine Idee und er braucht Anleitung und Bestätigung. Er braucht dann Nähe. Wir sind an diesen Punkten so unterschiedlich, dass es sich fremd anfühlt.

Durch die Pandemie und dass dadurch die Freizeitgestaltung vom Kind nicht mehr so ist wie er es braucht und gewohnt ist, driften wir mit unseren Bedürfnissen noch weiter auseinander. Und je mehr mir nach Alleinsein ist, desto mehr sucht er Nähe. Und je mehr er Nähe sucht, desto mehr ist mir nach Alleinsein.

Und dann reagiere ich genervt. Genervt, weil ich ihm nicht geben kann, was er braucht. Genervt, weil meine Idee von Muttersein eine so andere ist, als nötig wäre. Genervt, weil ich damit so schlecht umgehen kann, dass das Kind so anders ist als ich es bin. Genervt, weil ich es nicht schaffe, über meinen Schatten zu springen und auch mal Dinge zu machen, die ich doof finde oder in denen ich keinen Sinn sehe. Genervt, weil ich keine Spielemama bin.

Wir haben natürlich auch gute Momente miteinander. Momente, in denen wir uns nah sind. Wir reden oder auch Dinge machen.

Aber ich bin mir sicher, dass er retrospektiv sagen wird, dass ich zu wenig für ihn da war, zu viel geschimpft habe, zu viel wollte, dass er funktionierte. Und das tut mir regelmäßig abends leid und ich nehme mir vor, am nächsten Tag mehr auf ihn einzugehen. Ihm definitiv Exklusiv-Zeit einzuräumen. Und dann scheitere ich wieder … an mir selbst.

Eskapieren

Eskapieren

Lockdown, Tag 23

Unsere Schule hat schon heute Infos zu den drei Schulwochen im Januar herausgegeben. Ich bin höchst überrascht. Positiv. Hatte sich die Schule doch vor 10 Monate insbesondere durch Totschweigen hervorgehoben. Nach über einem Jahr als Elternbeirätin sind die Klassenlehrerin und ich auch mittlerweile per Du auf einer guten kommunikativen Ebene. Sie hat verstanden, dass ich nicht gegen sie arbeiten möchte, aber durchaus eine eigene Meinung habe. Die Kommunikation mit den Eltern läuft auch gut. Und so ist am Ende des Tages klar, dass die meisten Schülerinnen aus des Kindes Klasse zu Hause bleiben werden.

Arbeit läuft so semi. Irgendwie zäh. Irgendwie bin ich noch nicht ganz da.

Nachdem gestern schon die neuen Boxen (Internetmensch sei dank) kamen, kamen heute auch Kabel und Bananenstecker …

… und so eskapierte ich für den restlichen Nachmittag, indem ich Kabel schnitt, Bananenstecker festmachte, die Boxen anschloss und ausrichtete.

Danach fischte ich noch Patafix (auch dank Internetmensch) aus dem Briefkasten und konnte die Kabel ordentlich befestigen.

Nun haben wir wunderbaren Raumsound im neu gestalteten Wohnzimmer. Damit können wir aus prima eskapieren. Das wird in den nächsten Wochen wohl noch wichtig(er) werden.