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Kategorie: Wissenschattliches

Nicht gebucht

Nicht gebucht

Es sieht leider so aus, als hätte ich mit dem Alter ein neues Feature freigeschaltet: Migräne. Noch spreche ich von migräneartigen Kopfschmerzen, da ich ja noch keine Diagnose habe. Dank meinem Job weiß ich, dass der Übergang zwischen Spannungskopfschmerz und Migräne so fließend ist wie der Übergang zwischen episodischer und chronischer Migräne. Letztlich ist es eine Ausschlussdiagnose*.

Ich vermute mal stark, dass es eine hormonell induzierte episodische Migräne ist. Ich muss es nochmal beobachten, aber die migräneartigen Kopfschmerzen treten sehr unregelmäßig und mit weitem Abstand voneinander auf. Ob sie zu einem bestimmten Moment im Zyklus auftreten, kann ich noch nicht genau sagen. Sie treten ja glücklicherweise nicht jeden Monat auf. Allerdings sind sie sich jedes Mal sehr ähnlich: Mir ist von jetzt auf gleich kodderig bis schlecht. Der Kopf fühlt sich an, als hätte ich einen Helm auf, der zu eng ist und auch enger wird. Und auf einmal geht nichts mehr: Ich muss mich hinlegen.

Ich werde wohl mal meine Hausärztin konsultieren. Falls ich mich nicht dazu entscheide, doch direkt zur Neurologin zu gehen. Letzteres hätte den Vorteil, dass ich bis zum Termin wohl ausreichend lange Kopfschmerztagebuch führen kann.

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* Das ist auch der Hauptgrund bei mir, warum ich überhaupt zur Ärztin gehen werde: Ausschließen lassen, dass es nichts anders – Schlimmeres – ist. Denn noch helfen Ibu und Hinlegen ausreichend.

VV

VV

Ja, ich habe die Begriffe auch nicht immer benutzt und gerade Vulva ist noch nicht lange in meinem Wortschatz. Wie viele andere in Deutschland bin ich mit dem Begriff „Scheide“ als Bezeichnung für die Gesamtheit der weiblichen Geschlechtsorgane – also äußeren und inneren – groß geworden. Irgendwann kam „Vagina“ dazu – vorrangig auf medizinischer Ebene. Twitter hat mir dann den Ausdruck „Vulva“ beschert und so machte ich mich kundig:

  • Vagina ist „lediglich“ der Verbindungs“schlauch“ zwischen den äußeren und den inneren weiblichen Geschlechtsorganen, also Gebärmutter und Eierstöcke
  • Vulva umfasst die äußeren Geschlechtsorgane: äußere und innere Schamlippen, Klitoris, Venushügel und Perineum

Wenn eine das Wort „Scheide“ benutzen möchte, dann wäre es nur als Synonym / „Übersetzung“ für Vagina legitim. Definitiv nicht für „alles da unten“.

Aber nicht nur ich assoziiere „Scheide“ mit „Schwertscheide“, sondern auch das Kind sagte mir, als ich ihn mal fragte, woran er denn noch denken würde, wenn er das Wort Scheide höre, eben auch „Schwertscheide“. Tja und davon leitet sich die deutsche Bezeichung für Vagina* auch ab. Und der Mann steckt halt sein „Schwert“ wann und wie er will in die Scheide. Ähm, ja, MICH schüttelt es da. Rape Culture und so. Das kann und will ich nicht (mehr) weiterverbreiten. (Aus gleichem Grund bemühe ich mich auch, FCKNZS nicht mehr zu verwenden.)

Und solange es keine sinnige deutsche „Übersetzung“ für Vagina und Vulva oder eine verwendbare Bezeichung für die Gesamtheit der weiblichen Geschlechtsorgane gibt, benutze ich sehr gerne die medizinischen Begriffe. Und bringe sie auch dem Kind bei. Und habe auch der Klassenlehrkraft mitgeteilt, dass und warum ich mir für den kommenden Sexualkundeunterricht wünsche, dass sie die richtigen Begriffe benutzt.

Interessanterweise sind dem Kind in unseren Unterhaltungen die medizinsche Begriffe weniger unangenehm / peinlich. Vermutlich ist er da doch einfach mein Kind: Ich werde auch bei Pimmel und Muschi rot.

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* ja, die direkte Übersetzung von Vagina aus dem Lateinischen ist auch „(Schwert-)Scheide“, dennoch ist es der medizinische Ausdruck.

Aufklärung – immer mal wieder

Aufklärung – immer mal wieder

Letztens sitzen zwei junge Männer auf meiner Essbank und giggeln: „Du, Mama, wie heißt das, wenn sich zwei Frauen lieben?“
„Lesbisch.“
„Und wenn sich zwei Männer lieben?“
„Schwul“, antwortet der beste Kindkumpel.
Verständiges Nicken.
„Und der Überbegriff für beides: homosexuell“, gebe ich zu bedenken.
Die Jungs gucken sich an und kichern: „Hihi, sexuell…“

Das Thema Sex ist derzeit höchst präsent beim midi-monsieur und seinern Peergroup Kumpels. Was an mehreren Dingen liegt: Da sind zum einen die Viertklässler aus dem Hort, die Sexualkundeunterricht haben. Die eine Lehrerin ist schwanger – da muss eine ja auch wissen, wie das so geht. Und hier zu Hause wird es sicherlich dadurch unterstützt, dass der RB da ist und wir uns halt auch mal küssen (und nein, natürlich nicht VOR dem Kind Sex haben). Küssen ist eine Vorstufe zum Sex. Aber Küssen ist auch bäh. Und vermutlich müsste ich mir mehr Gedanken machen, wenn der midi-monsieur das ekelige Geknutsche einfach zu hinnehmen würde. So schmunzel ich und verweise auf so in 5 bis 7 Jahre, was natürlich noch ekeliger ist…

Aber so ekelig und komisch das alles mit dem Sex ist, so interessant ist es natürlich auch. Und so stellt der midi-monsieur Fragen. Das Prinzip „Geschlechtsverkehr“ ist ihm schon länger geläufig, aber da gibt es ja viel drumherum, was noch besprochen werden kann, muss und sollte. Dabei bin ich sehr froh, dass er bei den medizinischen Begriffen für die weiblichen und männlichen Geschlechtsorgane nicht zusammenzuckt und wir nicht irgendwelche „verniedlichen“ Worte finden müssen. Denn mal ganz ehrlich: Entweder sind die Begriffe total albern oder taugen vor allem zu Dirty Talk. Beides eher nicht so meins.

Wenn er fragt, bekommt er eine Antwort. Eine sachlich richtige Antwort. Bienen und Blumen gab es hier noch nie und ich finde es auch nicht schlimm, wenn er mit seinen 8 Jahren die „Fachbegriffe“ gleich richtig kennenlernt. Daher sprechen wir über Spermien, Eierstöcke, Eizellen, DNA, die Gebärmutter, Regelblutung und so weiter. Heute fing das Gespräch damit an, dass er postulierte, dass man Sex nicht nur hat, um schwanger zu werden.

Ja, katholisch ist hier keiner… Und ich erklärte weiter, dass eine auch gar nicht bei jedem Mal Sex schwanger werden kann. Dass verschiedene Faktoren zusammenkommen müssen, damit die Frau schwanger wird, und malte stilisiert die inneren Geschlechtsorgane einer Frau auf.

Nach der ersten Erklärungsrunde wusste er dann, dass – normalerweise – immer eine Eizelle pro Zyklus heranreift. Dass es ein taugliches und erfolgreiches Spermium bedarf, damit diese befruchtet wird und dass sich die befruchtete Eizelle in die Schleimhaut in der Gebärmutter einnistet. Schmunzeln musste er, als ich sagte, dass sich Eizelle und Spermium auch verpassen können: Eizelle kommt von rechts und das Spermium schwimmt nach links. Tja, dann zack, „Bus verpasst“ (wie er es selbst ausführte).

Dann ging es in die nächste Runde: Weil es für ihn ja gerade großes Thema ist, dass er – auf gar keinen Fall – noch ein Gechwister bekommen möchte, ging ich auf das Prinzip der Hormonspirale ein und warum ich deswegen ja nicht mehr schwanger werden kann. Es war ausgesprochen aufschlussreich zu sehen, wie sehr ihn diese Zeichnung und Erklärung beruhigten. Mein Wort, dass er kein Geschwister bekommen würde, hatte da nicht so viel Gewicht gehabt bislang.

Und weil wir gerade im Thema waren und er das Wort aufbrachte, sprachen wir auch über „pervers“. Ich weiß, dass das Wort keine ausschließliche sexuelle Konnotation hat, aber für mich kommt das Wort daher und ich tue mich extrem schwer, es anders zu hören. Daher erklärte ich es ihm. Wir googelten zusammen und lasen, was da stand „(in sexueller Hinsicht) widernatürlich“. Tja, was bedeutet das und wie erkläre ich es dem Kind? Gibt es da eine allgemeingültige Definition, was widernatürlich ist, oder definiert das jede für sich? Ein heikles Thema, das aber besprochen werden wollte: „Pervers ist Sex, wenn einer etwas gut findet, womit einem anderen geschadet wird.“ Und weil ich viele Spielarten unter Erwachsenen für mich zwar nicht interessant, aber nicht zwingend wideratürlich finde, kam ich nicht umhin, auf Pädophilie einzugehen. „Wenn jemand Sex mit Kindern haben möchte, dann ist das pervers. Denn Sex sollte immer etwas zwischen Gleichberechtigten sein. Und Sex sollten auch immer beide wollen. Und ein Kind will für gewöhlich keinen Sex.“ Es arbeitete in ihm. „Du findest ja schon Küssen ekelig. Stell Dir vor jemand Fremdes will Dich küssen? Und Sex willst du ja auch noch nicht. Sex ist nur erlaubt, wenn beide es wollen und daran Spaß haben.“

Damit beendeten wir das Thema – vorerst -, sprachen kurz noch darüber, dass auch „geil“ eine andere Bedeutung neben töfte, super und knorke hat und er sich jetzt wohl überlegt, ob er das Wort wirklich so oft benutzen möchte.

Die nächsten Fragen kommen bestimmt.