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Kategorie: Wissenschattliches

Zu wenig

Zu wenig

In der letzten Woche (KW 41) sind weniger als eine Million, also 1.000.000, Impfstoffdosen verimpft worden.

DAS IST ZU WENIG!

Aber es ist mehr als das 5-Fache geliefert worden. Damit ist viel zu viel im Lager: Fast 19,5 Millionen Impfstoffdosen. Und das ist mehr als genug, um die fehlenden unter 18 Jahren und alle Kinder zwischen 5-11 Jahren mindestens doppelt zu impfen.

Seit 13 Wochen schleichen wir von 60 % Richtung 70 % Erstgeimpften und haben die 70 % immer noch nicht erreicht.

Ein Trauerspiel.

Steady state

Steady state

Orr, Leute, geht impfen! Das ist echt nicht mehr lustig (Stand: Ende KW40):

  • Nur 2,7 Impfdosen sind in irgendwelche Leute gekommen, 8,2% davon waren auch noch Auffrischimpfungen.
  • An den auf Ganzzahlen gerundeten Anteilen hat sich fast nichts geändert: 77% der Impfbaren sind erst-, 73% vollständig geimpft. Auf die Gesamtbevölkerung bezogen: 69 bzw. 65%.
    • Von den 60-Jähringen sind 86,4 bzw. 84,6% geimpft.
    • 18-59 Jahre: 71,1%
    • 12-17 Jahre: 43,2 bzw. 37,0%
  • Würden alle Eltern ihre 5-11 Jährigen impfen lassen, sobald die Zulassung da ist, würden wir eine Impfquote von 75%. Auch das reicht nicht aus.

Nunja, die Zahlen sprechen für sich: Die Jugend ist unterimpft. Und es gibt nicht DEN einen Grund dafür. Obwohl … doch, es gibt DEN einen Grund: Fehlkommunikation. Meiner Meinung nach auch der Hauptgrund für den gesamten desolaten Verlauf der Pandemie nach der ersten Welle.

Ach Leute, reisst Euch doch auf den letzten Metern zusammen, schickt Eure Jugendlichen zum Impfen (wobei wir damit auch nur auf 71% kämen). Das ist doch großer Mist.

Die Lager sind (zu) voll

Die Lager sind (zu) voll

Na sowas, da musste ich meine Statistik fälschen korrigieren. Da ich ja immer die Werte der letzten Woche mit der davor vergleiche, wurde ich gewahr, dass es bei den Impfstofflieferungen Korrekturen gab. Nach oben. Seit KW33. Interessanterweise hat sich das gar nicht so auf die Zahlen ausgewirkt.

Seit 11 Wochen steigt der Anteil der Erstgeimpften pro Woche nur um einen Prozentpunkt. Das ist irgendwie deprimierend. Zumal der Impfstoff da ist.

In KW 38 gab es mal wieder eine größere Lieferung. Seit 10 Wochen erstmals wieder deutlich über 5 Mio Impfstoffdosen. Was nicht dabei ist: Spikevax wurde seit 5 Wochen nicht mehr geliefert.

Verimpft wurden 1,4 Mio in KW 38. Damit sind seit Ende KW 38 76 % der Impfbaren bzw. 68 % aller Einwohnerinnen erstgeimpft. Vollständig geimpft sind nun 72 bzw. 64 %.

In den Lagern warten 15 Mio Impfstoffdosen darauf, in die Leute zu kommen. Würde das alles für Erstimpfungen verwendet, wären direkt 96 % der Impfbaren ( 12 Jahre) geimpft. Ach, das wäre schön. Dann hätten wir bald (in 4-7 Wochen) dänische Verhältnisse und dann müssten sich auch die Eltern mit Kindern unter 12 Jahren nicht mehr so große Sorgen machen. Denen wünsche ich, dass die Impfung bald für 5-12 Jahre zugelassen wird und dass die Kinderärztinnen dann auch impfen – egal, was die StiKo sagt.

Lehrbuch

Lehrbuch

Ich halte mich durchaus für aufgeklärt – also im sexuellen Sinne. Aber bis ich auf instagram The Vulva Gallery folgte, war mir nicht wirklich bewusst, wie unterschiedlich Vulven aussehen. Ich habe mir darüber bis dahin keine kaum* Gedanken gemacht. Ich habe das Glück, – achtung, TMI – dass meine Vulva sehr dem gängigen Bild entspricht, das einer in üblichem Aufklärungsmaterial vermittelt wird. So hatte ich nie Bedarf, das zu hinterfragen. Und da ich doch sehr hetero bin, bin ich bislang noch nicht anderen Vulven in freier Wildbahn begegnet. Selbst beim gemeinsamen Duschen sieht eine ja nicht wirklich viel.

Ich will nicht sagen, dass ich ein völlig unverkrampftes Verhältnis zur Sexualität habe, aber ich würde mich als sehr offen bezeichnen und möchte auch, dass das Kind da gewisse Dinge mitnimmt: Neben einem korrekten Wording (Vulva vs. Vagina) möchte ich, dass er einerseits gelassen mit Sex umgeht, aber immer „Safety first“ im Kopf hat. Erlaubt ist, was den Beteiligten gefällt und ohne Konsens geht es nicht. Ich rede offen mit ihm – sei es, weil er fragt, weil es gerade Thema in der Schule ist oder weil ich meine, er müsste mir gerade mal wieder zuhören.

Letztens habe ich ja den Wohnbereich umgestaltet. Dazu zählte auch die Neuanordnung von Bildern. So, dass wir noch Platz für neue Bilder hatten. Ein Loch füllten wir mit einer Eule. Aber dann war da noch ein Loch.

Das ich kurzerhand mit einem Druck von The Vulva Gallery füllte.

Nicht nur, dass es sich gut einfügt. Ich finde es darüber hinaus auch gut, dass das Wording (fürs Kind) so ganz normal im Alltag präsent ist.

Neben dem Bild habe ich auch noch das Buch bestellt.

Und ich möchte Eltern – gerade auch – mit weiblich gelesenen Kindern dieses Buch empfehlen. Auch wenn es auf Englisch ist, sprechen die vielen Bilder der unterschiedlichen Vulven für sich. Ich kann mir vorstellen, dass es den Kindern die Angst nehmen kann, dass mit ihnen etwas „nicht stimmt“, nur weil ihre Vulven nicht aussehen wie im Schulbuch.

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* Ich habe mich immer mal wieder darüber gewundert, wenn ich über Schamlippen-Schönheits-OPs las.

Von Impf und Musik

Von Impf und Musik

Ich war heute impfen. 2. FSME-Impfung. Dabei erfuhr ich, dass der Grippeimpfstoff schon da ist. Also direkt einen Termin auch für diese Impfung ausgemacht. „Ich sehe“, lobte mich meine Ärztin, „Sie haben ja alle Impfungen, die es so gibt. Das ist gut, jede Impfung stärkt das Immunsystem.“ Und dann meinte sie noch, dass wir jetzt durch den Winter kommen müssen. Gesund. Dass sie davon ausgeht, dass nach dem Winter 95 % der Menschen Antikörper haben werden – entweder durch Impfung oder halt genesen.

Von letzter auf diese Woche haben sich so wenig erstimpfen (ca 500.000) lassen, dass die gerundete Prozentzahl sich nicht verändert hat (75 % aller Impfbaren bzw. 67 % aller Bundesbürgerinnen). Fehlen noch 28 % bis zur Prognose meiner Ärztin – in Zahlen: 23,2 Mio Menschen. Das finde ich sehr gruselig. Vor allem, weil es (zu) viele Kinder sein werden.

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Völlig unrelated und noch nicht einmal meine Musik, aber trotzdem sehr interessant: die hr-Serie über HipHop und Rap aus Frankfurt. Klar kenne ich Moses Pelham (immerhin habe ich ihn schon mal angepöbelt) und Sabrina Setlur und weiß auch, dass sie aus Frankfurt kommen. Aber irgendwie war Frankfurt für mich – obwohl auch so gar nicht meine Musik – die Keimzelle des deutschen Techno.

Impfzahlen

Impfzahlen

Seit 17 Wochen werte ich Woche für Woche genau 6 bzw. 12* Zahlen zum Impfen gegen Covid-19 aus. Als ich es meiner Mutter erzählte, musste sie lachen: Papa hätte das wohl auch gemacht. Ich bin halt seine Tochter.

Die erste Auswertung war noch etwas ungenau, aber ab Kalenderwoche 19 hatte ich ein Exelsheet mit definierten Formeln, in die ich nur die Liefermenge der einzelnen Impfstoffe (vier) und die Zahl der Erst- und die der Zweitgeimpften eintrage und den Rest spucken mir dann die Formeln automatisch aus. Das sind auch keine hochtrabenden Formeln: profane Prozentrechnung und ein bisschen Dreisatz.

Anfangs ging es mir darum aufzuzeigen, dass es wirklich „bald genug Impfstoff für alle“ geben wird und dass niemensch, die will, erst 2022 geimpft wird. Mittlerweile ist es ein liebgewonnenes Ritual, mit dem ich auch das Impftempo ablesen kann und sehen kann, wie sehr die Impfbereitschaft zur Urlaubssaison hin eingebrochen ist.

So wuchs ab KW 24 bis KW 30 der Impfdosenlagerbestand von 6,1 Mio auf 14,8 Mio an. Dafür dass in dieser Zeit so viele gejammert haben, weil angeblich Lieferungen wegfallen würden, ist das eine ganze Menge.

Seit KW 31 wird auch deutlich weniger Impfstoff geliefert. KW 34 und 35 waren es jeweils unter 1 Mio. In KW 33 wurde erstmals Impfstoff vernichtet? gespendet? Zumindest war bei Vaxzevria ein deutliches Minus.

Aber hier die Zahlen von KW 35;

Liefermenge:

  • Comirnaty: 848.616
  • Vaxcevria: 0 (- 745.820)
  • Spikevax: 0
  • Covis-19 Vaccine Janssen: 70.740

In den Lagern befinden sich 8,7 Mio Impfstoffdosen.

Seit Lieferbeginn wurden pro Woche durchschnittlich 3,3 Mio Impfdosen nach Deutschland geliefert.

Geimpfte (kumuliert seit Impfbeginn)

  • Erstgeimpft: 52,7 Mio
  • Zweitgeimpft: 51,0 Mio

Damit sind 74 % aller Menschen in Deutschland, die geimpft werden können (≥ 12 Jahre), erstgeimpft und 69 % sind vollständig geimpft.

Auf die Gesamtbevölkerung bezogen sind es 66 bzw. 61 %.

93 % aller geimpften sind vollständig geimpft.

Noch fehlende Dosen zum vollständigen Impfschutz

  • 42,3 bzw. 51,6** Mio, um alle Impfbaren zu impfen
  • 60,3 bzw. 33,6** Mio für die Gesamtbevölkerung

Sollten wir weiterhin mit dem wöchentlichen Durchschnitt beliefert werden dauert es 10 bzw. 16 Wochen bis genug Impfstoff für alle da ist. Mal sehen, ob es dabei bleibt, da wir noch nicht alles geliefert bekommen habe, was eigentlich geliefert werden sollte. Allerdings sind 2 Impfstoffe*** noch nicht zugelassen und die Zusatzverträge für Comirnaty und Spikevax sind wohl noch nicht unter Dach und Fach.

Wichtig wäre aber auch, dass sich die, die geimpft werden können, sich endlich mal impfen lassen. Damit halt auch die geschützt werden, die (noch) nicht geimpft werden können.

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* 12 inkl. der Zahlen der Vorwoche

** Wenn ich den Lagerbestand abziehe.

*** Curevac und Sanofi/GSK

Hypochrondrisch?

Hypochrondrisch?

Seit dem Urlaub plage ich mich mit einem medizinischen Problem. An einer mur nicht einsehbaren Stellen. Was mich per se ja schon wahnsinnig macht.

Zwei Wochen nach dem Urlau war das Problem so massiv, dass ich zur Hausärztin ging. Ich wäre lieber direkt zu Fachärztin gegangen, aber es betrifft eine Fachrichtung, bei der zeitnahe Termine nahezu unmöglich sind.

Die Hausärztin fühlte sich nicht zuständig überfordert und war meiner Meinung, dass ich zur Fachärztin muss. Sie setzte ihre MTA an und auch ich telefonierte mir die Finger wund und schrieb verzweifelt eine e-Mail an meine Fachärztin. Die erfreulicherweise meine Dringlichkeit sah und mir verhältnismäßig zeitnah einen Termin anbot.

Ja, da ist was. Nein, nicht das von mir befürchtete. Ja, es muss behandelt werden. Was ich seitdem mehr oder weniger konsequent tue. Vielleicht erwarte ich nach 2 Wochen zu viel, denn es ist ja schon deutlich besser geworden, aber es ist halt noch nicht weg. Und irgendwie kommt es immer wieder, wenn auch nicht so massiv wie vor der Behandlung.

Heute musste ich was für die Arbeit eine Erkrankung recherchieren. Medizinische Bilder sind ja eher nicht so lecker und ästhetisch. Doch das macht mir für Gewöhnlich nichts aus. Allerdings verkrampfte sich heute mein Magen merklich mit jedem weiteren Bild und jeder tieferen Info: Denn meine Symptome und die der Erkrankung sind sehr kongruent.

Nun bin ich etwas unentspannt – zumal ich ja vor Montag nicht viel machen kann. Und so richtig beruhigend sind meine Mantra-Versuche à la „die Inzidenz ist total niedrig. Das wäre schon ein arg großer Zufall“ und „ein bisschen wäre es ja Glück im Unglück, denn aktuell wäre es noch ein sehr frühes Stadium“ nicht.

Muss ich wohl etwas in die Tüte atmen.

Und Montag um einen Termin bei der Fachärztin betteln.

„Love is stronger than Aluhut“

„Love is stronger than Aluhut“

Wenn eine den KV zur Pandemie fragen würde, würde er vermutlich auch irgendwas von sich geben à la „die Pandemie ist eine Erfindung der Deutschen, nur damit er sein Kind nicht sehen kann“. Die ersten Monate im vergangenen Jahr waren noch halbwegs ok. Aber ab Monat 4 der Pandemie fing der Aluhut beim Kv zu drücken. Er schwurbelte sich so durch und das Kind ertrug das nicht und verweigerte Besuch und zeitweise auch jeden Kontakt. Der Sommer kam und ging. Die zweite Welle kam. Es wurde schlimmer. Die dritte Welle kam. Die Impfung kamen und alles wurde besser. Irgendwie.

Das Kind fing an, Frankreich und die Verwandtschaft zu vermissen und überlegte vorsichtig, ob er diesen Sommer nicht doch endlich mal wieder dahin reisen könne. Nach einigem Hin-und-Her war klar: Mit dem Zug taugt nicht – zumal ich es leid bin, ganze Tage damit zu verbraten, das Kind zum Umgang zu bringen – und dass der Vater ihn mit dem Auto abholt, hielt ich für noch weniger zielführend (und pandemiekonform). Zum Glück hat die Lufthansa in der Pandemie ihre Flugrouten nach Frankreich noch einmal* überdacht und fliegt mittlerweile sogar nach Nantes.

An den Besuch knüpfte das Kind eine Bedingung: Der Kv müsse sich impfen lassen. Die französischen Großeltern hatten schon die Erstimpfung zu diesem Zeitpunkt und es war klar, dass sie durchgeimpft sind, wenn das Kind nach Frankreich käme. Der Kv zierte sich und das Kind ließ verlauten: „Wenn Du nicht geimpft bist, kann ich ja zu Mamie und Papy und wir können uns im Garten winken.“ Es war erstaunlich, wie schnell der Kv daraufhin Impftermine hatte.

Wir buchten Flugtickets. Und hatten das Glück, dass der Kinderarzt vom Kind einer der wenigen in Frankfurt ist, der Kinder impft. So bekam das Kind noch vor der Reise nach Frankreich die erste Impfung gegen die Pandemie.

Das Kind flog nach Frankreich. Die Zahlen stiegen: In Deutschland langsam, in Frankreich schneller. Das war so nicht geplant. Ich wurde unruhig. Andere Länder mit hohen Inzidenzen wurden Hochinzidenzgebiete, ich erwarte täglich, dass Frankreich auch ein Hochinzidenzgebiet wird und dann müsste das Kind potentiell in Quarantäne**. Das wäre mit Blick auf 2. Impftermin*** und Beginn an der neuen Schule**** halt blöd.

Die Lösung: Das Kind braucht seine zweite Impfung in Frankreich.

Ich verknündete dem Kind meine Idee. Und dem Kv. Und irgendwie streute ich die Info, dass das Kind ohne Impfung eventuell früher nach Hause müsste. Manchmal braucht es halt einen Katalysator. 6 Tage später hatte der Kv einen Impftermin fürs Kind organisiert. Und eine Woche später (vorgestern) hatte das Kind seine zweite Impfung – inkl. elektronischem Impfzertifikat. Rechtzeitig, dass er zum Rückflug die 14 Tage „Wirkfrist“ durchhaben wird.

Der Kv kam nicht umhin, sowohl mir als auch dem Kind zu sagen, dass er die Impfung doof findet. Tjanun, was soll ich sagen. Anscheinend aber auch nur aus Prinzip*****, sonst hätte er weder sich noch das Kind impfen lassen – oder wie es eine Bekannte so treffend formulierte: „Love is stronger than Aluhut“.

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* Vor Jahren flogen sie gar nicht in die Bretagne. Im vergangenen Jahr hatten sie dann Rennes dazugenommen. Das wäre auch gegangen.

** Mit Test nach Familienbesuch entfällt die womöglich.

*** Selbst bei auf 5 Tage verkürzter Quarantäne passt es nicht.

**** Wenn es 10 Tage Quarantäne wäre, würde er mindestens den ersten Schultag verpassen.

***** Es ist phänomenal, wie sehr sich ein Mensch selbst im Weg stehen kann.

36 Millionen

36 Millionen

Disclaimer: Ich bin „Team Impfen“. Ich bin gegen (fast) alles gemimpft, was in diesen Breitengraden Sinn macht.* Auch das Kind ist gegen alles geimpft – außer FSME* und HPV fand wegen Pandemie bislang auch noch nicht statt. Auch der RB ist altersgerecht durchgeimpft – sogar schon gegen FSME.

Ich werde mich – natürlich – auch gegen Covid-19 impfen lassen und auch das Kind soll dagegen geimpft werden. Und zwar, wann es sich ergibt. Denn da ab 7.6. die Priorisierung aufgehoben ist, gilt ja nicht mehr „wann wir dran sind“.

Seit auch Priogruppe 3 (erhöhte Prio) mit in der Impfschlange steht, sind ca 38 Mio. Menschen impfberechtigt.** Zwar ist von den > 60-Jährigen eine deutliche Mehrheit erstgeimpft***, aber halt noch nicht durchgeimpft****. Gehen wir davon aus, dass alles, was bislang verimpft worden ist, „ausschließlich“ die drei Priogruppen erhalten haben, sind von diesen drei Priogruppen 46 % voll geimpft und nur 1 % noch gänzlich ungeimpft*****. (Mich würden die Impfquoten in den einzelnen Priogruppen bzw. detaillierteren Altersgruppen ja interessieren, aber die gibt es finde ich nicht.) Gemäß der aktuellsten Zahlen für gelieferte und verimpfte Dosen könnten in ca. 4 Wochen diese Menschen vollgeimpft sein (plusminus ein paar Zweitimpfungsnachzügler).

Ursprünglich wollte ich mich darüber aufregen, wie quatschig es ist, dass seit heute das Impfen für alle geöffnet wurde und sich nun zu den verbleibenden 20,5 Mio Menschen aus Prio 1-3, die noch mindestens eine Impfung brauchen ab heute 33 Mio Erwachsene (≥ 16 Jahren) und 3 Mio Jugendliche (12-16 Jahre) drängen. Quatschig ist letztlich aber nur, dass aus dem Versprechen „alle Bürgerinnen bekomme noch im Sommer ein Impfangebot“ ein „Tach auch, jetzt dürfen sich alle impfen lassen. Um den Termin müssen Sie sich schön selbst kümmern.“ wurde.

Denn vermutlich wird gar nicht so viel schief gehen. Zumindest nicht für Menschen aus Prio 1-3. Denn von denen sind (rein rechnerisch) nur noch 206.000 ganz ohne Impfung. Ob von denen noch alle eine Impfung wollen oder dürfen, ist unklar. Die restlichen 20,2 Mio sind „abgesichert“: Die haben schon eine Impfung und demnach auch schon einen Zweittermin.

Problematischer ist es eher für die 36 Mio Menschen, die nun auf den Impfmarkt drängen. 36 Mio Menschen, die sich gleichzeitig um die immer noch nicht üppigen Impfdosen „prügeln müssen“, denn nun gibt es keine Priorisierung mehr. Dabei wäre auch bei diesen Menschen eine Priorisierung immens wichtig, denn sonst „gewinnen“ die, die Computer, Zeit und/oder relevante Kontakte haben – spricht die Mittelschicht und alles darüber. Die, die genug Platz und HomeOffice-Möglichkeiten haben. Menschen, die in prekären Verhältnissen leben, werden das Nachsehen haben. Sozialdarwinismus halt.

Wobei auch das alles noch Jammern auf hohem Niveau ist.****** So betrug in KW 22 die Impfstofflieferung

  • 3,77 Millionen Comirnaty-Dosen
  • 561.180 Moderna-Dosen
  • 604.600 Vaxzevria-Dosen
  • 722.402 Johnson&Johnson-Dosen

Also 5,7 Mio Impfdosen. Wenn wir weiterhin so viele Dosen pro Woche bekommen, haben wir in 16 Wochen ausreichend Impfdosen für alle ≥ 12 Jahre bzw. in 15 Wochen für alle ≥ 16 Jahre. Das ist beides noch im September.

Wir sehen also, durch die 3 Mio Jugendliche verlängert sich das ganze Impfspektaktel um gerade mal eine Woche.

Fraglich ist nur, wann die Jugendlichen geimpft werden. Wenn wir Medien und verschiedenen Twitter-Bubbles Glauben schenken: vermutlich nie. Ich sage (naja, nicht nur ich): Die Jugendlichen werden im Laufe des Jahres auch geimpft. Nicht alle sofort, wie die Politik es gerne hätte, um sich von ihrer Pflicht zu befreien, die Schulen endlich sicher zu machen und auch nur einen Cent in Kinder und Bildung zu investieren. Denn DAS ist der eigentliche Skandal.

Dass die StIKo keine generelle Empfehlung für die Impfung der Jugendlichen ausspricht*, ist für mich nicht verwunderlich und schon gar kein Aufreger. Zumal sie ja die Impfung nicht verbietet. Wer sein Kind impfen lassen will, dessen Kind wird sicherlich irgendwann auch geimpft.******* Sicherlich etwas später, denn die Kinderärztinnen werden erstmal die vorerkrankten Risikopatientinnen in der Altersgruppe impfen. Verständlicherweise. Daher werde ich auch erstmal nicht beim Kinderarzt anrufen, um mein gesundes (und noch nicht ganz 12jähriges) Kind auf irgendeine Impfliste zu setzen. Das wird sich schon irgendwie fügen.

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* Es fehlt FSME, weil Frankfurt bislang nicht Risikogebiet ist. Allerdings gehen wir in Risikogebieten wandern.

** So ganz genaue Zahlen, wie viele Menschen zu welcher Priogruppe gehören, habe ich nicht gerfunden. Halt nur hier. Vermutlich sind mehr in Gruppe der Priorisierten, da in Prio 3 auch Personengruppen sind, die da nicht aufgrund von Alter u/o Krankheit sind, sondern weil für sie so gut lobbyiert wurde.

*** je nach Bundesland zwischen 70,5-87,5%

**** je nach Bundesland zwischen 36,5-51,6%

***** Es ist schwer abzuschätzen, wie viele bereits Geimpfte auch tatsächlich in eine der Priogruppen gehörte. Ich gehe einfach wohlwollend davon aus, dass der Dränglerinnen-Anteil letztlich sehr gering ist.

****** Und ja, weil wir uns in einer Pandemie befinden, ist ein Blick rund um die Welt durchaus angebracht und den meisten hier geht noch immer ziemlich gut.

******* Da die Kosten für die Impfungen vom Bund getragen werden, ist die fehlende StIKo-Empfehlung hier auch unproblematisch.

Leichte Zahlenmodifikationen

Leichte Zahlenmodifikationen

Stand: Ende Kalenderwoche 19*

Bis zu dieser Woche sind insgesamt 46.508.623 Impfdosen nach Deutschland geliefert worden, davon

  • waren 78 % mRNA-Impfstoffe (22 % – logischerweise – Vektorimpfstoffe)
    • genau 69 % Comirnaty und 21 % Vaxzevria (10 % Moderna und Johnson&Johnson)
  • sind 86 % bereits verimpft worden (40.075.392 = 30.743.232 (Erst-) + 9.332.160 (Zweitimpfung))

Das heißt, dass 21.411.072 Menschen noch eine Zweitimpfung brauchen (die knappe halbe Million J&J-Impflinge unterschlage ich jetzt einfach mal). Wir aber „nur“ 6.433.231 Impfstoff auf Halde haben. Damit würde der am Ende von KW19 verbleibende Impfstoff nur noch für rund jede Dritte, die noch eine Zweitimpfung braucht.

Realistisch betrachtet werden wir aber weiterhin Impfstoff geliefert bekommen. Seit der jeweiligen Zulassung liefern durchschnittlich pro Woche

  • BioNTech/Pfizer 1,53 Millionen Impfosen
  • Moderna 235.300 Impfosen
  • AstraZeneca 638.500 Impfdosen
  • Johnson&Johnson 118.350 Impfdosen

Ich betone nochmal, dass das der wöchentliche Durchschnitt seit der ersten Lieferung ist. Da spielen halt auch die sehr geringen Liefermengen in der Anfangszeit rein. Aber selbst wenn wir damit rechnen, bekommen wir wöchentlich rund 2,5 Mio Impfdosen geliefert. Wir bräuchten noch rund 38 Wochen bis wir ausreichend Impfstoffdosen, um alle ≥ 16 Jahre zweimal geimpft zu haben. Das wäre Ende des Jahres. Aber allein in dieser Woche kamen von

  • BioNTech/Pfizer 3,46 Millionen Impfosen
  • Moderna 566.000 Impfosen
  • AstraZeneca 1,13 Mio Impfdosen
  • Johnson&Johnson keine Impfdosen

Also 5,1 Mio Impfdosen, mit denen wir dann in 21 Wochen ausreichend Impfdosen für alle ≥ 16 Jahre hätten. Das ist Ende September.**

Ich finde diese Zahlen gar nicht so schlimm.

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* Die Zahlenwerte sind tw. gerundet.

** Natürlich ist dann noch nicht jede unbedingt zweifach geimpft (wegen Impfabständen und so.)

Quelle: Statista