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Kategorie: Wissenschattliches

„Love is stronger than Aluhut“

„Love is stronger than Aluhut“

Wenn eine den KV zur Pandemie fragen würde, würde er vermutlich auch irgendwas von sich geben à la „die Pandemie ist eine Erfindung der Deutschen, nur damit er sein Kind nicht sehen kann“. Die ersten Monate im vergangenen Jahr waren noch halbwegs ok. Aber ab Monat 4 der Pandemie fing der Aluhut beim Kv zu drücken. Er schwurbelte sich so durch und das Kind ertrug das nicht und verweigerte Besuch und zeitweise auch jeden Kontakt. Der Sommer kam und ging. Die zweite Welle kam. Es wurde schlimmer. Die dritte Welle kam. Die Impfung kamen und alles wurde besser. Irgendwie.

Das Kind fing an, Frankreich und die Verwandtschaft zu vermissen und überlegte vorsichtig, ob er diesen Sommer nicht doch endlich mal wieder dahin reisen könne. Nach einigem Hin-und-Her war klar: Mit dem Zug taugt nicht – zumal ich es leid bin, ganze Tage damit zu verbraten, das Kind zum Umgang zu bringen – und dass der Vater ihn mit dem Auto abholt, hielt ich für noch weniger zielführend (und pandemiekonform). Zum Glück hat die Lufthansa in der Pandemie ihre Flugrouten nach Frankreich noch einmal* überdacht und fliegt mittlerweile sogar nach Nantes.

An den Besuch knüpfte das Kind eine Bedingung: Der Kv müsse sich impfen lassen. Die französischen Großeltern hatten schon die Erstimpfung zu diesem Zeitpunkt und es war klar, dass sie durchgeimpft sind, wenn das Kind nach Frankreich käme. Der Kv zierte sich und das Kind ließ verlauten: „Wenn Du nicht geimpft bist, kann ich ja zu Mamie und Papy und wir können uns im Garten winken.“ Es war erstaunlich, wie schnell der Kv daraufhin Impftermine hatte.

Wir buchten Flugtickets. Und hatten das Glück, dass der Kinderarzt vom Kind einer der wenigen in Frankfurt ist, der Kinder impft. So bekam das Kind noch vor der Reise nach Frankreich die erste Impfung gegen die Pandemie.

Das Kind flog nach Frankreich. Die Zahlen stiegen: In Deutschland langsam, in Frankreich schneller. Das war so nicht geplant. Ich wurde unruhig. Andere Länder mit hohen Inzidenzen wurden Hochinzidenzgebiete, ich erwarte täglich, dass Frankreich auch ein Hochinzidenzgebiet wird und dann müsste das Kind potentiell in Quarantäne**. Das wäre mit Blick auf 2. Impftermin*** und Beginn an der neuen Schule**** halt blöd.

Die Lösung: Das Kind braucht seine zweite Impfung in Frankreich.

Ich verknündete dem Kind meine Idee. Und dem Kv. Und irgendwie streute ich die Info, dass das Kind ohne Impfung eventuell früher nach Hause müsste. Manchmal braucht es halt einen Katalysator. 6 Tage später hatte der Kv einen Impftermin fürs Kind organisiert. Und eine Woche später (vorgestern) hatte das Kind seine zweite Impfung – inkl. elektronischem Impfzertifikat. Rechtzeitig, dass er zum Rückflug die 14 Tage „Wirkfrist“ durchhaben wird.

Der Kv kam nicht umhin, sowohl mir als auch dem Kind zu sagen, dass er die Impfung doof findet. Tjanun, was soll ich sagen. Anscheinend aber auch nur aus Prinzip*****, sonst hätte er weder sich noch das Kind impfen lassen – oder wie es eine Bekannte so treffend formulierte: „Love is stronger than Aluhut“.

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* Vor Jahren flogen sie gar nicht in die Bretagne. Im vergangenen Jahr hatten sie dann Rennes dazugenommen. Das wäre auch gegangen.

** Mit Test nach Familienbesuch entfällt die womöglich.

*** Selbst bei auf 5 Tage verkürzter Quarantäne passt es nicht.

**** Wenn es 10 Tage Quarantäne wäre, würde er mindestens den ersten Schultag verpassen.

***** Es ist phänomenal, wie sehr sich ein Mensch selbst im Weg stehen kann.

36 Millionen

36 Millionen

Disclaimer: Ich bin „Team Impfen“. Ich bin gegen (fast) alles gemimpft, was in diesen Breitengraden Sinn macht.* Auch das Kind ist gegen alles geimpft – außer FSME* und HPV fand wegen Pandemie bislang auch noch nicht statt. Auch der RB ist altersgerecht durchgeimpft – sogar schon gegen FSME.

Ich werde mich – natürlich – auch gegen Covid-19 impfen lassen und auch das Kind soll dagegen geimpft werden. Und zwar, wann es sich ergibt. Denn da ab 7.6. die Priorisierung aufgehoben ist, gilt ja nicht mehr „wann wir dran sind“.

Seit auch Priogruppe 3 (erhöhte Prio) mit in der Impfschlange steht, sind ca 38 Mio. Menschen impfberechtigt.** Zwar ist von den > 60-Jährigen eine deutliche Mehrheit erstgeimpft***, aber halt noch nicht durchgeimpft****. Gehen wir davon aus, dass alles, was bislang verimpft worden ist, „ausschließlich“ die drei Priogruppen erhalten haben, sind von diesen drei Priogruppen 46 % voll geimpft und nur 1 % noch gänzlich ungeimpft*****. (Mich würden die Impfquoten in den einzelnen Priogruppen bzw. detaillierteren Altersgruppen ja interessieren, aber die gibt es finde ich nicht.) Gemäß der aktuellsten Zahlen für gelieferte und verimpfte Dosen könnten in ca. 4 Wochen diese Menschen vollgeimpft sein (plusminus ein paar Zweitimpfungsnachzügler).

Ursprünglich wollte ich mich darüber aufregen, wie quatschig es ist, dass seit heute das Impfen für alle geöffnet wurde und sich nun zu den verbleibenden 20,5 Mio Menschen aus Prio 1-3, die noch mindestens eine Impfung brauchen ab heute 33 Mio Erwachsene (≥ 16 Jahren) und 3 Mio Jugendliche (12-16 Jahre) drängen. Quatschig ist letztlich aber nur, dass aus dem Versprechen „alle Bürgerinnen bekomme noch im Sommer ein Impfangebot“ ein „Tach auch, jetzt dürfen sich alle impfen lassen. Um den Termin müssen Sie sich schön selbst kümmern.“ wurde.

Denn vermutlich wird gar nicht so viel schief gehen. Zumindest nicht für Menschen aus Prio 1-3. Denn von denen sind (rein rechnerisch) nur noch 206.000 ganz ohne Impfung. Ob von denen noch alle eine Impfung wollen oder dürfen, ist unklar. Die restlichen 20,2 Mio sind „abgesichert“: Die haben schon eine Impfung und demnach auch schon einen Zweittermin.

Problematischer ist es eher für die 36 Mio Menschen, die nun auf den Impfmarkt drängen. 36 Mio Menschen, die sich gleichzeitig um die immer noch nicht üppigen Impfdosen „prügeln müssen“, denn nun gibt es keine Priorisierung mehr. Dabei wäre auch bei diesen Menschen eine Priorisierung immens wichtig, denn sonst „gewinnen“ die, die Computer, Zeit und/oder relevante Kontakte haben – spricht die Mittelschicht und alles darüber. Die, die genug Platz und HomeOffice-Möglichkeiten haben. Menschen, die in prekären Verhältnissen leben, werden das Nachsehen haben. Sozialdarwinismus halt.

Wobei auch das alles noch Jammern auf hohem Niveau ist.****** So betrug in KW 22 die Impfstofflieferung

  • 3,77 Millionen Comirnaty-Dosen
  • 561.180 Moderna-Dosen
  • 604.600 Vaxzevria-Dosen
  • 722.402 Johnson&Johnson-Dosen

Also 5,7 Mio Impfdosen. Wenn wir weiterhin so viele Dosen pro Woche bekommen, haben wir in 16 Wochen ausreichend Impfdosen für alle ≥ 12 Jahre bzw. in 15 Wochen für alle ≥ 16 Jahre. Das ist beides noch im September.

Wir sehen also, durch die 3 Mio Jugendliche verlängert sich das ganze Impfspektaktel um gerade mal eine Woche.

Fraglich ist nur, wann die Jugendlichen geimpft werden. Wenn wir Medien und verschiedenen Twitter-Bubbles Glauben schenken: vermutlich nie. Ich sage (naja, nicht nur ich): Die Jugendlichen werden im Laufe des Jahres auch geimpft. Nicht alle sofort, wie die Politik es gerne hätte, um sich von ihrer Pflicht zu befreien, die Schulen endlich sicher zu machen und auch nur einen Cent in Kinder und Bildung zu investieren. Denn DAS ist der eigentliche Skandal.

Dass die StIKo keine generelle Empfehlung für die Impfung der Jugendlichen ausspricht*, ist für mich nicht verwunderlich und schon gar kein Aufreger. Zumal sie ja die Impfung nicht verbietet. Wer sein Kind impfen lassen will, dessen Kind wird sicherlich irgendwann auch geimpft.******* Sicherlich etwas später, denn die Kinderärztinnen werden erstmal die vorerkrankten Risikopatientinnen in der Altersgruppe impfen. Verständlicherweise. Daher werde ich auch erstmal nicht beim Kinderarzt anrufen, um mein gesundes (und noch nicht ganz 12jähriges) Kind auf irgendeine Impfliste zu setzen. Das wird sich schon irgendwie fügen.

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* Es fehlt FSME, weil Frankfurt bislang nicht Risikogebiet ist. Allerdings gehen wir in Risikogebieten wandern.

** So ganz genaue Zahlen, wie viele Menschen zu welcher Priogruppe gehören, habe ich nicht gerfunden. Halt nur hier. Vermutlich sind mehr in Gruppe der Priorisierten, da in Prio 3 auch Personengruppen sind, die da nicht aufgrund von Alter u/o Krankheit sind, sondern weil für sie so gut lobbyiert wurde.

*** je nach Bundesland zwischen 70,5-87,5%

**** je nach Bundesland zwischen 36,5-51,6%

***** Es ist schwer abzuschätzen, wie viele bereits Geimpfte auch tatsächlich in eine der Priogruppen gehörte. Ich gehe einfach wohlwollend davon aus, dass der Dränglerinnen-Anteil letztlich sehr gering ist.

****** Und ja, weil wir uns in einer Pandemie befinden, ist ein Blick rund um die Welt durchaus angebracht und den meisten hier geht noch immer ziemlich gut.

******* Da die Kosten für die Impfungen vom Bund getragen werden, ist die fehlende StIKo-Empfehlung hier auch unproblematisch.

Leichte Zahlenmodifikationen

Leichte Zahlenmodifikationen

Stand: Ende Kalenderwoche 19*

Bis zu dieser Woche sind insgesamt 46.508.623 Impfdosen nach Deutschland geliefert worden, davon

  • waren 78 % mRNA-Impfstoffe (22 % – logischerweise – Vektorimpfstoffe)
    • genau 69 % Comirnaty und 21 % Vaxzevria (10 % Moderna und Johnson&Johnson)
  • sind 86 % bereits verimpft worden (40.075.392 = 30.743.232 (Erst-) + 9.332.160 (Zweitimpfung))

Das heißt, dass 21.411.072 Menschen noch eine Zweitimpfung brauchen (die knappe halbe Million J&J-Impflinge unterschlage ich jetzt einfach mal). Wir aber „nur“ 6.433.231 Impfstoff auf Halde haben. Damit würde der am Ende von KW19 verbleibende Impfstoff nur noch für rund jede Dritte, die noch eine Zweitimpfung braucht.

Realistisch betrachtet werden wir aber weiterhin Impfstoff geliefert bekommen. Seit der jeweiligen Zulassung liefern durchschnittlich pro Woche

  • BioNTech/Pfizer 1,53 Millionen Impfosen
  • Moderna 235.300 Impfosen
  • AstraZeneca 638.500 Impfdosen
  • Johnson&Johnson 118.350 Impfdosen

Ich betone nochmal, dass das der wöchentliche Durchschnitt seit der ersten Lieferung ist. Da spielen halt auch die sehr geringen Liefermengen in der Anfangszeit rein. Aber selbst wenn wir damit rechnen, bekommen wir wöchentlich rund 2,5 Mio Impfdosen geliefert. Wir bräuchten noch rund 38 Wochen bis wir ausreichend Impfstoffdosen, um alle ≥ 16 Jahre zweimal geimpft zu haben. Das wäre Ende des Jahres. Aber allein in dieser Woche kamen von

  • BioNTech/Pfizer 3,46 Millionen Impfosen
  • Moderna 566.000 Impfosen
  • AstraZeneca 1,13 Mio Impfdosen
  • Johnson&Johnson keine Impfdosen

Also 5,1 Mio Impfdosen, mit denen wir dann in 21 Wochen ausreichend Impfdosen für alle ≥ 16 Jahre hätten. Das ist Ende September.**

Ich finde diese Zahlen gar nicht so schlimm.

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* Die Zahlenwerte sind tw. gerundet.

** Natürlich ist dann noch nicht jede unbedingt zweifach geimpft (wegen Impfabständen und so.)

Quelle: Statista

Mehr Zahlen

Mehr Zahlen

Weil alle so auf den Boomern rumhacken, auch dazu ein paar Zahlen. Viele habe ich allerdings nicht gefunden – und auch nur ab 60 Jahren.

1. Anzahl pro Altersgruppe*

  • ≥ 80 Jahre: 5.681.135
  • 70-79 Jahre: 7.514.272
  • 60-69 Jahre: 10.504.803

2. Impfquote in diesen Altersgruppen**

  • ≥ 80 Jahre: 80 % sind geimpft, also 4,54 Mio
  • 70-79 Jahre: 55 % sind geimpft, also 4,13 Mio
  • 60-69 Jahre: 30 % sind geimpft, also 3,15 Mio

Leider ist nicht klar, zu welchem Anteil bereits vollständiger Impfschutz besteht. Es ist zu vermuten, dass mit steigendem Alter die Quote deutlich steigt. Aber letztlich sind 11,82 Mio Menschen ≥ 60 Jahre geimpft, das ist ziemlich genau die Hälfte. Das ist gar nicht mal so gut.

Pflegebedürftig sind in dieser Altersgruppe 3,25 Mio (14 %).*** Wenn wir also davon ausgehen, dass alle (jaja, aber wenigstens die allermeisten) Pflegebedürftigen bereits geimpft sind, bleiben 8,57 Mio „Boomer“, die jetzt rumreisen dürfen und die Wirtschaft retten sollen. Aber es ist wohl allen klar, dass von den 8,57 Mio noch einige abgezogen werden müssen… Und egal wie, es bleibt ein kleiner Anteil an der Gesamtbevölkerung.

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* Statista-Zahlen

** Zahlen hier gefunden

*** Quelle

Zahlenschlacht

Zahlenschlacht

Kalenderwoche 18*

Bis zu dieser Woche sind insgesamt 41.442.573 Impfdosen nach Deutschland geliefert worden, davon

  • waren 78 % mRNA-Impfstoffe (22 % – logischerweise – Vektorimpfstoffe)
    • genau 69 % Comirnaty und 20 % Vaxzevria (11 % Moderna und Johnson&Johnson)
  • sind 93 % bereits verimpft worden (38.646.171 = 29.823.801 (Erst-) + 8.822.370 (Zweitimpfung))

Das heißt, dass 21.001.431 Menschen noch eine Zweitimpfung brauchen (die knappe halbe Million J&J-Impflinge unterschlage ich jetzt einfach mal). Wir aber „nur“ 2.796.402 Impfstoff auf Halde haben. Unter dieser nackten Zahlenbetrachtung wirkt die Meldung aus Niedersachsen, dass sie kurzfristig Erstimpfungen aussetzen wollen, gar nicht mehr so unsinnig.

Also vorausgesetzt wir bekommen keinen Impfstoff mehr geliefert.

Entweder weiß Niedersachsen mehr als alle anderen ODER DIE NIEDERSÄCHSISCHE IDEE IST EINFACH QUATSCH. Und selbst wenn Niedersachsen mehr wüsste, wäre es unsinnig, denn der diese Woche verbleibende Impfstoff reicht nur noch für maximal jede Zehnte**, die noch eine Zweitimpfung braucht.

Realistisch betrachtet werden wir aber weiterhin Impfstoff geliefert bekommen. Seit der jeweiligen Zulassung liefern durchschnittlich pro Woche

  • BioNTech/Pfizer 1,44 Millionen Impfosen
  • Moderna 216.000 Impfosen
  • AstraZeneca 650.000 Impfdosen
  • Johnson&Johnson 157.800 Impfdosen

Ich betone nochmal, dass das der wöchentliche Durchschnitt seit der ersten Lieferung ist. Da spielen halt auch die sehr geringen Liefermengen in der Anfangszeit rein. Aber selbst wenn wir damit rechnen, bekommen wir wöchentlich rund 2,5 Mio Impfdosen geliefert. Wir bräuchten noch rund 37 Wochen bis wir ausreichend Impfstoffdosen, um alle ≥ 16 Jahre zweimal geimpft zu haben. Das wäre Ende des Jahres. Aber allein in dieser Woche kamen von

  • BioNTech/Pfizer 3,47 Millionen Impfosen
  • Moderna 550.800 Impfosen
  • AstraZeneca 1,5 Mio Impfdosen
  • Johnson&Johnson 216.600 Impfdosen

Also 5,74 Mio Impfdosen, mit denen wir dann in 16 Wochen ausreichend Impfdosen für alle ≥ 16 Jahre hätten. Das ist Ende August.***

Ich finde diese Zahlen gar nicht so schlimm.

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* Die Zahlenwerte sind tw. gerundet.

** Die verimpften Dosen sind Stand 13.5. Bis Ende KW 18 werden wohl noch so 2-3 Millionen verimpft.

*** Natürlich ist dann noch nicht jede unbedingt zweifach geimpft (wegen Impfabständen und so.)

Quelle: Statista

Kein Allheilmittel

Kein Allheilmittel

#ClosedAdvent (19) // Lockdown, Tag 4

Ja, die Pandemie und all die Einschränkungen zehren auch an mir. Zumindest dachte ich das. Aber wenn ich sehe, wie es mir seit Freitag, also Urlaubsanfang, geht, war ich nicht pandemüde, sondern einfach nur urlaubsreif. Sicherlich hat die Pandemie einen leicht (!) verstärkenden Effkt auf die Urlaubsreife, aber ich erwähnte es schon mehrmals: So richtig tangiert mich die Pandemie nicht. (Ich habe letztens den obligatorischen Jahresend-Fragebogen angefangen und so wirklich schlecht schneidet das Jahr nicht ab.) Und in meiner Freiheit fühle ich mich schon mal gar nicht eingeschränkt.

Ehrlicherweise finde ich es auch ein bisschen spannend, diese Zeiten miterleben zu dürfen. Es ist Wahnsinn, was wissenschaftlich binnen eines Jahres passiert ist. Wie schnell Forschung geht (gehen kann). Wie gut eine sehen kann, dass Forschung letztlich immer was mit dem Gemeinwohl zu tun hat. Ja, auch wenn Resultate der Forschung monetarisiert werden. Forschung kostet nun mal Geld und wir leben im Kapitalismus. Deal with it.

Wer halbwegs unaufgeregt und interessiert die Berichte aus der Forschung verfolgt hat, wird auch gelernt haben: Forschung lernt immer dazu. Gute Forschung ist bereit Fehler einzugestehen. Forschung baut aufeinander auf. Nicht allzu selten entdecken zwei Forschungsgruppen Ähnliches oder gar Dasselbe.

Es ist faszinierend, wie viel wir alle in nur einem Jahr über das Virus lernen konnten. Und wir werden noch viel lernen (müssen). Die Impfung ist nicht das Ende der Fahnenstange.

Ja, es ist gut, dass wir mittleweile Impfstoffe haben. Impfen ist wichtig und hilft. Die Impfung wird einer persönlich viel bringen. Keine Frage. Aber Impfen ist kein Allheilmittel. Neben einer ausreichenden Durchimpfung – Stichwort Herdenimmunität – brauchen wir dennoch Medikamente. Denn es wird noch lange Covid-19-Erkrankungen geben. Außerdem wird es einfach noch sehr lange dauern, bis wir – theoretisch – eine ausreichende Durchimpfung erreicht haben werden. Praktisch wird es vermutlich noch viel länger dauern, falls wirklich jemals erreicht. Denn dafü gibt es zu viele Impfgegnerinnen, Impfkritische und Corona-Leugnerinnen. Menschen, die nicht nicht geimpft werden KÖNNEN, werden noch eine ganz lange Zeit ungeschützt sein.

Ich finde dieses Gegeiere auf die Impfungen sehr schwierig. Was verspricht sich eine davon? Dass sie ihr „normales“, Vor-SARS-CoV-2-Leben zurückhaben wird?! Auch mit Impfung wird das Leben nicht wieder das sein, dass es vor der Pandemie war (s. vorheriger Absatz), denn wir werden das SARS-CoV-2 nicht ausrotten wie z.B. Polio.

Ich denke an meinen Vater, der vermutlich zur 1. oder 2. Impfgruppe gemäß BMG gehören wird*. Doch werden wir ihn weiterhin nicht einfach besuchen können, sobald er geimpft ist. Denn zum einen wissen wir ja nicht, ob er wirklich Immunität gegen das Virus aufbaut. Zum anderen – gehen wir von Immunität aus – ist die Impfung keine Garantie für Nicht-Erkranken, sondern für einen milderen Verlauf. Das Problem ist aber, dass mein Vater mit seinen Grunderkrankungen auch einen milden Verlauf tendenziell nicht überstehen wird. Für mich bedeutet das,  dass ich mich (bzw. wir uns) vor jedem Besuch bei meinen Eltern testen lassen werde. Die Schnelltests werden es möglich machen.

Ich weiß nicht, ob es ein Zurück zur Vor-Pandemie-Normalität geben wird. Daher bin ich mir auch ziemlich sicher, dass es nicht so hilfreich ist, dieser Normalität nachzutrauern. Und panisch in die Zukunft gucken. Wir müssen mit der Situation leben, so wie sie ist. Mit allen Unsicherheiten. Und wir werden bei jedem Schritt, den die Forschung macht, neu denken oder zumindest nachjustieren müssen.

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* Und ich hoffe sehr, dass meine Mutter ihn impfen lassen wird. Ich bin mir sicher, er würde es wollen.

Abschottung, Tag 39

Abschottung, Tag 39

Schlafen und arbeiten klappt immer noch nicht so super. Bedingt sich auch blöderweise gegenseitig.

Heute bekam der RB die langersehnte Zusage für die Corona-Soforthilfe.

Danach war er ausgeglichen genung, um das Kind freundlicherweise zur Schule zu fahren, damit er – das Kind – dort gemachte Aufgaben abgeben und neue Aufgaben sowie eine Klassenarbeit (ja, genau) abholen konnte.

Am frühen Nachmittag ließ ich das Kind dann die Arbeit schreiben. Nein, nicht unter realistischen Bedingungen – wie soll ich denn auch nur ansatzweise 23 weitere Kinder simulieren? Aber er saß ruhig bei mir, ohne Hilfsmittel und füllte binnen 40 Minuten die Zettel aus. Morgen muss er sie dann zur Schule bringen.

Danach machte er Waffeln und ich versuchte zu arbeiten.

Um 17h00 ging bei mir gar nichts mehr und ich legte mich auf den Fakir. Der garantiert Entspannung und mindestens einen Powernap.

Danach machte ich mich ans Abendbrot, währendessen der RB nach Hause kam.

Die Türen der #CorotäneKneipe gingen auf, als wir noch aßen, aber die Leute sind ja groß und können alleine rein. Späte Erkenntnisse des Abends:

  1. Ja, wir können SARS-CoV-2 von irgendwelchen Griffen aufnehmen. Aber solange die Hautbarriere intakt ist, passiert erstmal nichts, sofern
  2. wir uns danach nicht mit den Händen im Gesicht respektive irgendwelchen Schleimhäuten rumfummeln.
  3. Die selbstgenähten Rotzbremsen sollen bei 60 °C gewaschen werden – in der Waschmaschine mit Waschmittel. Ob der Virus wirklich durch hohe Hitze kaputt geht, ist nicht ganz klar. Der Haupteffekt kommt wohl durch die Tenside im Waschmittel, weswegen
  4. Händewaschen immer noch die beste Hygienemaßnahme ist.

Abschottung, Tag 25

Abschottung, Tag 25

Ich arbeite (zu) viel. Ich bin eine schlechte Mutter, denn ich bin so auf „das Kind ist in den Ferien nicht da, also arbeite ich viel und genieße die Abende mit dem RB“ gepolt, dass es mir schwer fällt, ihn wahrzunehmen mich auf ihn einzulassen und Arbeit mal sein zu lassen. Aber dann bin ich gerade an einer Sache und will die wenigstens noch fertig machen. Blöd halt, wenn parallel drölfzig Mails ankommen, die eine, also ich, dann nur mal eben kurz anschaut und schwubbs, ins nächste Projekt rutscht.

Nachdem ich das Kind heute wiederholt angeranzt hatte, mich nicht zu stören, war klar, dass das nicht so weitergehen kann. Ich machte das Mailprogramm zu, schloss Teams und machte wirklich dieses eine Projekt zu Ende. Dann machte ich mir was zu essen. Das Kind suchte ein Spiel raus und wir spielten ein paar Partien Drecksau. Geht auch – wenn eine wirklich will. Trotzdem ist es gut, dass ich nächste Woche Urlaub habe.

Beim abendlichen Kochen verschätzte ich mich irgendwie hinsichtlich des Volumens vom Weißkohl. Aber lecker er, …

… der vietnamesische Hähnchen-Krautsalat …

… und gereicht hätte es vermutlich wirklich für alle, die später in der #CorotäneKneipe waren.

Achja, das ist schon eine feine Sache mit der Online-Kneipe für alle, die mal was anderes sehen wollen als die eigenen Primärkontakte.

Freiwilliger Arrest

Freiwilliger Arrest

Ich kann zum Glück jederzeit von Zuhause arbeiten. Und ich arbeite auch gerne zu Hause, denn hier kann ich Dinge einfach abarbeiten. Ich werde nicht schief angeguckt, wenn ich kein Mittag machen (bzw. zu anderen Zeiten als in der Agentur). Es stört keine mit mit sehr lautem Reden meine Gedanken. Keine kommt mal eben an meinen Platz, um mal eben eine Frage zu stellen (okay, im HomeOffice macht das das Kind auch gerne).

Aktuell schwebt über allem noch „Corona“ und damit ich weder irgendwas in die Agentur schleppe, noch dass ich irgendwas (muss ja nicht zwingend SARS-CoV-2 sein) im ÖPNV aufsammel, bin ich seit einer Woche und bleibe ich bis auf weiteres im HomeOffice und komme da nur raus, wenn es nicht anders geht.

(Ich muss nur daran denken, ab und zu mal an die frische Luft zu gehen. Am besten abends, wenn ich keinem begegne.)

Vorbeugen ist besser als auf die Füße zu kotzen

Vorbeugen ist besser als auf die Füße zu kotzen

Ich bleibe dabei:

Ich habe mehr Angst vor den Nazis in diesem Land als vor COVID-19.

Die Angst vor Krankheit finde ich eh recht rational, denn entweder kann ich nichts dran ändern oder ich konnte präventiv was machen. Zum Beispiel Impfung, gesund leben, auf Hüschjene Hygiene achten. Und wenn das nicht greift, kann ich halt nichts daran ändern. (Was nicht heißt, dass ich bei schlimmer Männergrippe Erkältung nicht auch hervorragend leiden kann.)

Apropos Hygiene und Corona: Wascht euch die Hände. Gründlich! Und desinfiziert sie gelegentlich. DAS ist nämlich eine der wirksamsten Optionen gegen viel Infektionen – nicht nur Corona.

Bleibt fit!