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Kategorie: ReiseReise

RudeBelge, Tag 4

RudeBelge, Tag 4

X-17 Tage bis zur zweiten Welle

Das Wetter ist nicht strandtauglich. Aber so richtig schlecht ist es auch nicht. In der Wohnung müssen wir nicht bleiben. Perfektes Wanderwetter. Also fahren wir mit der Kusttram diesmal acht Stationen in die andere Richtung, um ins westlichste Naturschutzgebiet direkt an der belgisch-französischen Grenze zu kommen.

Lustiges Getier kreuzt unseren Weg.

Am Ende haben wir knapp elf Kilometer geschafft, von denen ca. 80 Prozent durch Sand gingen. Durchaus anstrengender als auf breiten Waldwegen. Wieder in der Ferienwohnung muss ich mich erstmal hinlegen.

Nach dem Essen holen wir uns noch Eis und setzen uns an den Strand. Kurz. Denn es ist doch recht frisch.

RudeBelge, Tag 3

RudeBelge, Tag 3

X-16 Tage bis zur zweiten Welle

Das Wetter für heute war nicht gut angesagt und als wir wach werden und rausgucken, bestätigt sich das. Es regnet. Es ist grau. Absolut nicht strandtauglich. Um nicht in der Wohnung zu versauern, entschließen wir uns für einen Städtetrip. Das Auto steht immer noch gut auf seinem Parkplatz, daher wollen wir es nicht bewegen. Außerdem ist ums Eck von der Wohnung eine Haltestelle der Kusttram, die die längste Straßenbahnlinie Europas der Welt ist: 67 Kilometer von De Panne bis Knokke (bzw. umgekehrt).*

Wir fahren „nur“ 28 der 67 Stationen von Koksijde nach Oostende.

Oostende Station (also Hauptbahnhof)

Das Umsteigen in Oostende geht einfach. Alles unter einem Dach und in 14 Minuten sind wir in Brügge.** Oder halt Bruges.

Wir lassen uns durch die Stadt treiben. Es nieselt immer mal wieder, aber eigentlich ist das nicht schlimm. Nur das Kind hat (prä)pubertäre Laune. Fast wäre er in einem Reien gelandet.

Nicht im Bild festgehalten: Viele verschiedene Biersorten für den RB, Schokolade*** sowie ein Besuch im Foltermuseum für alle.

Abends dann #CorotäneKneipe. Das ist auch im Urlaub schön. Rote Bete is a thing…

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* Ticketkauf war kurz etwas kniffelig, weil an unserer Station kein Automat ist und SMS-Ticket bei uns nicht funktionierte. Also lud ich kurzerhand die App runter, aber damit ist es ziemlich einfach.

** Zugticket geht total einfach über die Seite der Belgischen Bahn.

*** Schokolädendichte ist echt, echt hoch in Brügge. Eine weiß gar nicht, wo sie kaufen soll.

RudeBelge, Tag 2

RudeBelge, Tag 2

X-15 Tage bis zur zweiten Welle

Das Kind besorgt Croissants zum Frühstück.

Danach fahren wir mit den Rädern einkaufen. Wir haben gestern noch einen perfekten Parkplatz gefunden. Den geben wir so schnell nicht mehr her.

Hier war mal Holland…

Einkaufen ist entspannt. Fahrt mit dem Rad auch. Wir essen einen kleinen Happen, packen Picknick und Badesachen ein und schwingen uns wieder auf die Räder. Die französische Grenze lockt.

Einen Kilometer vor der Grenze kommen wir mit den Rädern nicht weiter und wir suchen uns einen Picknickplätzchen.

Der RB und das Kind wollen sich nach dem Picknick nicht bewegen, also gehe ich alleine los. Hach, das tut sehr gut. Ich allein am Meer.

Als ich zurück bin aus Frankreich, zieht das Wetter auf. Wir machen uns auf den Rückweg.

Zu Hause duschen wir alle und dann ziehen wir los, um Fritjes essen zu gehen. Dienstags ist Essengehen in Belgien etwas schwierig, aber wir bekommen Pommes, Kippcorn und Frikandel.

Nunja, Frittiertes ist nicht so ganz meins. Aber wenn in Belgien, muss eine ja mal Pommes gegessen haben.

RudeBelge, Tag 1

RudeBelge, Tag 1

X-14 Tage bis zur zweiten Welle

Entspannte Anfahrt ist entspannt. Es war auch nicht stressig, dass ich morgens noch schnell Post für die nun in Belgien wohnende Freundin und Zimtschnecken für uns abgeholt habe. Ich tetrisierte die letzten Sachen ins Auto.

Und dann konnten wir pünktlich los.* Machten den geplanten Schlenker über Wiesbaden, um meinen Arbeitsrechner für eine Reparatur abzugeben.

Fahrt war problemlos. Ein Fahrerinnenwechsel. Der RB „kämpfte“ sich durch Belgien – um Antwerpen und Gent war es etwas zäh. Wie von mir „vorausgesehen“ kamen wir kurz nach 17h00 an unserer ersten Urlaubsstation an. Unser Vermieter begrüßte uns, erklärte uns die wichtigsten Dinge. Wir richteten uns kurz ein, …

Danach drehten wir eine Runde am Strand.

Ooooh, es tat so gut: Luft, Wasser (zumindest das, was die Ebbe übrig gelassen hat), Barfuß im Sand.

Die Preise in den Restaurants sind huiuiui. Wir waren aber für Einkaufen zu spät dran, als wir vom Strand kamen. Gut, dass wir uns ein Notfallessen*** mitgenommen hatten.

Ach, das war eine gute Idee, nicht auf Urlaub mit Wegfahren zu verzichten. Wir haben es so bitter nötig.

Bonne nuit

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* Ich wollte spätestens um 11h00 unterwegs sein, der RB meinte darauf: „Lass uns 10h00 anpeilen.“ Hihi. Wir fuhren um 10h30 los.

** Die Bäckerin sagte mir, dass sie besser schmecken, wenn sie etwas warm sind. Da das im Auto in der Sonne nicht geklappt hat, nutzten wir die Mikrowelle in der Ferienwohnung.

*** Nudeln, Soße, Gemüse, Thunfisch

X-13 bis zur zweiten Welle

X-13 bis zur zweiten Welle

Der Tag ist etwas unkoordiniert. Wir schlafen zwar nicht bis in die Puppen, aber irgendwie fehlen hinten raus zweidrei Stunden.

Weil ich mich gestern noch weiter über die Ignoranz der Schule uffgerescht hab, werde ich noch nachts ak- und kreativ. Das Ergebnis überreiche ich dem Kind, als er morgens ins Bett kommt.

Alles muss eine selber machen*

Er hat sich sehr gefreut (und ich mich auch, weil er meine Schrift lesen konnte ).

Dann Frühstück, rumkruschen, packen bzw. Sachen zusammensuchen, mit meiner Mutter telefonieren. Wir wurschteln so nebeneinander her. Weder effizient noch effektiv. Um wenigstens produktiv zu sein, mache ich mich an das eine Textprojekt. Als ich es wegschicke, ist es viel später als gehofft. Der RB fängt an zu kochen. Ich tetrisiere unsere drei Fahrräder ins Auto.**

Weil ich seit Tagen unkoordiniert wegen der Blumen bin, haben wir keine Blumensitterin. Also stellen wir alle Blumen auf den Balkon und hoffen, dass es hin und wieder regnet in unserer Abwesenheit.

Wir freuen uns alle sehr auf Urlaub. Das Kind ist dennoch angespannt. Die Situation mit dem Kv ist ungeklärt. Er, also das Kind, möchte nicht mit dem Kv sprechen und verweigert die Annahme jedes Anrufes. Ich will auch nicht mit ihm kommunizieren. Seine letzten Nachrichten zeigen deutlich, dass er eh nicht auf mich hören würde. Wir werden ihn wohl morgen Abend, wenn wir angekommen sind, darüber unterrichten, dass wir im Urlaub sind.

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* Idee darf gerne geklaut werden.

** Der RB und ich sind unszum Glück einig, dass ich besser packe.

Tag 94 seit der Abschottung

Tag 94 seit der Abschottung

Ich konnte heute nicht arbeiten. Ich bin fertig. Meine Konzentration reicht gerade mal dafür, dass ich nicht über meine eigenen Füße stolpere. Ich guckte auch tatsächlich nur einmal kurz in meine e-Mails.

Ich musste unbedingt Sport machen und so turnte ich als das Kind in der Schule war im Wohnzimmer etwas rum. Danach recherchierten der RB und ich kurz: Irland hat fünf Phasen für die Rückkehr zum normalen Leben und ist derzeit bei Phase 2. Dazu gibt es 14 Tage Quarantäne für alle, die einreisen. Vielleicht wird das in den kommenden Tagen geklockert. Vielleicht auch nicht. Und selbst wenn: Wie wäre es in einem Land mit noch halben Lockdown (Phase 3) zu reisen? Wir hatten ja eine Rundreise geplant. Wäre das die lange Anfahrt wert?

Kurzum: Der RB und ich stornierten heute alles, was storniert werden konnte und überlegten, was wir stattdessen machen könnten. Denn wir müssen hier raus.* Also sollte es was sein, was wir gut mit dem Auto erreichen könnten, damit wir unabhängig von öffentlichen Transportmittel jederzeit zurückkönnen. Und zu weit weg sollte es auch nicht sein. Aber Meer wäre doch schon super. Schnell einigten wir uns auf Belgien und fanden auch noch eine hübsche Ferienwohnung**.

Zwischendurch befragte ich das Kind, ob es trotzdem mit uns wegfahren möchte, wen wir nicht nach Ireland fahren, oder ob er dann früher zum Kv wolle. Nein, er wolle mit uns in den Urlaub. „Okay, sollen wir es dann so planen, dass Du danach gut zum Papa kannst?“, fragte ich. Er druckste rum***. „Wie lang willst Du denn zum Papa?“ „Ich weiß nicht.“ „Du musst nicht drei Wochen zum Papa.“ „Ich will auch nur zwei“, sagte er zögerlich. „Auch gut.“ Ich guckte mein Kind an. Er guckte zurück. „Eigentlich will ich gar nicht zum Papa“, kam dann schnell aus ihm raus. Upps. „Oh, und warum?“ „Mich stresst der Papa. Und ich fühle mich bei ihm nicht sicher.“ „Weil er den Virus nicht ernst nimmt?“ „Ja, er hat gesagt, dass es nicht schlimm ist, wenn ich COVID19 bekomme, weil es für Kinder ja nicht schlimm ist.“ „Okay. Das ist nicht gut. Und das ist falsch. Wir finden einen Weg. Du musst nicht zum Papa. Unter diesen Umständen schon mal gar nicht.“

Dem Kv bekommt die Pandemie nicht. Überhaupt nicht. Und ausbaden muss es das Kind. Ich bin nur froh, dass das Kind seine Bedürfnisse artikulieren kann. Ich werde mich dann mal auf einen Gerichtstermin einstellen. Auch wenn ich total müde und erschöpft bin. Ich möchte meine wenigen Energien nicht für diesen Mann verschwenden. Ich möchte, dass dieser Energiefresser aus unserem Leben verschwindet.

Später planten wir unsere Reise weiter: Nach einer Woche am Meer geht es noch eine Woche in die Vogesen.

Diese Aussicht wird mich jetzt hoffentlich durch die nächsten 3 Wochen**** tragen.

Das Kind überlegt noch an einer Strategie, wie er dem Kv seine Entscheidung mitteilen möchte. Ich werde ihn natürlich dabei unterstützen.

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* Ja, es ist sehr priviligiert, dass wir raus „müssen“. Und ob es wirklich schlau ist, weiß ich auch nicht. Ich bin echt unsicher. Stichwort „Virentourismus“.

** Herrje, Bilder von Ferienwohnungen sind ja auch hier und ein Panoptikum des Grauen oder zumindest längst vergangener Zeiten.

*** Er dachte, ich hätte schon einen Flug von Frankreich nach Frankfurt gebucht. Und war sehr erleichtert, dass dem nicht so war.

**** Ich muss mich ausreichend disziplinieren, damit es nur 11 Arbeitstage bleiben.

Berlin-Bilanz

Berlin-Bilanz

Wir waren zu kurz da. Berlin ist zu groß für 72 Stunden.

Der Zug auf der Hinfahrt fiel zwar aus, aber da gefühlt im 15-Minuten-Takt irgendein Zaug von Frankfurt nach Berlin fährt, war das nicht weiter schlimm. Einfach Reservierung via App ändern und in den nächsten Zug einsteigen. Und die Rückfahrt war völlig unspektakulär.

Wir haben gar nicht mal sooo viele Sehenswürdigkeiten gesehen.

Dafür aber viele Menschen: 2 Frühstücksdates, 3 Nachmittagsdates, 1 Abenddate und heute noch kurz ein Quasi-Kollegen vom RB kurz von der Arbeit abgehalten. Es war schön, diese Menschen erstmals zu sehen (ein bisschen kennt eine sich ja schon via Twitter) oder auch endlich mal wiederzusehen. Danke, C., R., B., C., G., S., SPML, T.

Wir sind einmal ziemlich nass geworden.

Nur Rock tragen ist eigentlich ganz cool. Insbesondere weil mit den Snagtights auch da sitzt, wo ein Strumpfhose sitzen sollte.

Berlin ist ganz schön clean geworden. Mir fehlt ein wenig Patina und Ranzigkeit. Fast hatte ich ein schlechtes Gewissen, ein paar Aufkleber zu verteilen.

Es war sehr schlau, die bvg-Apps auf dem Handy zu haben. Das hat vieles erleichtert.

ÖPNV-Fahren ist in Berlin wie in Frankfurt (bzw. im rmv-Gebiet). Und ja, der 120er fährt nicht nur als Doppeldecker 😉

Kind und Berlin passt so gut zusammen wie jede Großstadt und Kind. Es hängt halt vom Kind ab. Und der midi-monsieur mag Stadt.

Ich habe zwei #NazisRaus-Bestellungen persönlich abgegeben. <3

Irgendwann schaffe ich es auch mal aufs Tempelhofer Feld.

Auf dem Alex waren wir jetzt auch mal. Einmal reicht auch.* Die Aussicht vom „unserem“ Maintower finde ich spannender.

Das nächste Mal wäre ich dafür zu haben, mich mehr im Osten aufzuhalten und auch mehr zur Teilungsgeschichte zu begucken.

Aber Berlin, bis wir (oder ich) wiederkommen, hörste mal auf, Dich zu zu prosti gentrifizieren.

Und natürlich ein fettes Dankeschön an die temporäre Mitbewohnerin, die uns ihre Wohnung für die drei Nächte überlassen hat.

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* Übrigens: Es gibt auch Kassenautomaten VOR der Halle, dann muss eine drinnen nicht so blöd anstehen. Da gibt es zusätzlich zur Kasse aber auch Automaten.

 

Sonntags in Berlin

Sonntags in Berlin

Regen, Regen, Regen. Scott fand es doof, weil er den ganzen Tag im Rucksack war und nix von Berlin gesehen hat. Da hätte er auch bei Emmy bleiben können.

Wehret den Anfängen

Wehret den Anfängen

Ich glaube, dass wir den Anfängen in dem Sinne nicht mehr wehren können. Es hat sich schon viel zu viel Bahn gebrochen. Ich glaube nicht, dass wir hinsichtlich dem Rechtsruck in Deutschland noch irgendwo am Anfang stehen. Wir sind mitten drin.

Und ich glaube, dass wir uns zu lange in einer falschen Sicherheit gewiegt haben. Nur weil etwas nicht präsent ist, ist es nicht weg. Und der Rassismus und das faschistische Gedankengut war nie, nie nie weg.

Das Lernen und Lehren aus der Geschichte wird vielerorts verpasst bzw. sträflich vernachlässigt. Es gibt ein Geschichtsvakuum, das nach der letzten Lichterkette für Lichtenhagen begann und viele glauben wollten, dass damit nun wirklich der letzte (Neo-)Nazi verstanden hatte, dass sie weder erwünscht waren, noch Recht hatten.

Hahahaha. Und dann kam der NSU, der Mord an Lübcke, die Attentate in München, Halle und Hanau…

Ich rede mit dem Kind schon lange offen – und natürlich so kindgerecht wie möglich – immer wieder über die Nazizeit und den Holocaust. Ich kann und will ihn da nicht mit „Das verstehst du noch nicht“ abspeisen. Denn Kinder verstehen das sehr wohl. Nur wenn wir früh genug damit anfangen, den Kindern zu erklären, was damals passiert, geben wir ihnen die Chance aus der – zum Glück – nicht selbst erlebten Geschichte zu lernen. Bis sie es im Geschichtsunterricht gelehrt bekommen, ist es zu spät.

Und deswegen kommt das Kind natürlich mit, wenn wir uns entsprechende Mahn- bzw. Denkmäler ansehen.

Am „Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas“ wurde das Kind sehr still.

Er weiß jetzt, was eine Zwangssterilisation ist, was die Nürnberger Rassegesetze waren und dass 500.000 Menschen so viele sind wie in Frankfurt gewohnt haben, als ich vor 15 Jahren dahin gezogen bin.

Und jede, die meint, sie könne es ihrem Kind nicht begreiflich machen: Das können wir alle nicht, weil es unbegreiflich ist.

Aber wir können darüber reden, weil das Kind fragt, was ein Stolperstein ist. Wir können zusammen „Der Krieg und ich“ gucken. Das Tagebuch von Anne Frank ist ein Einstieg ins Thema (als Original oder Comic).

Je nach Alter gibt es viele Möglichkeiten, aber bitte, schiebt das Thema nicht auf später.

Denn was ich sehe, wenn ich mit dem Kind über die Naziverbrechen spreche, dass das dieses „wehret den Anfängen“ ist.