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Kategorie: Leben mit Kind

Lebenszeichen

Lebenszeichen

Was habe ich auf den 17. Juli hingefiebert: Mein Urlaub startete und auch die Sommerferien des Kindes. Dieses erste Halbjahr 2021 war anstrengend, aufreibend, fordernd, mühsam … gleichzeitig war es so eintönig: HomeOffice, HomeSchooling, HomeIrgendwas. Der Urlaub im April war hat auch nur bedingt einer, denn wenn eine nicht wegfährt, dann ist auch nicht wirklich erholsam. Unsere Strukturtapete – vom Vermieter – im Wohnzimmer hat 1.293.477 Noppen. Kleiner Scherz, aber gefühlt hätte ich sie zählen können in der Zeit. Es war auch nur kurz erholsam, dass das Kind für 10 Tage bei Oma, also meiner Mutter, war. Die Beförderung bauchpinselt natürlich, ist aber auch nicht mit mehr Urlaub oder zumindest weniger Arbeit verbunden. Eher im Gegenteil.

Ende Mai, als klar war, dass der RB und ich zum Ferienanfang den vollen Impfschutz haben würden, haben wir uns entschieden, dass wir wegfahren wollen und wir suchten uns ein Häuschen an der Ostsee. Anfang Juni, nachdem das Kind den KV erfolgreich zum Impfen bequatscht hat, buchte ich dem Kind einen Flug als unbemanntes Flugobjekt mit Begleitservice, damit er die Sommerferien in Frankreich verbringen könnte. Ab da zählte ich die Tage bis zum Urlaub. Aber wie immer vor dem Urlaub kam eins zum anderen. Neben der Arbeit musste ich für das und mit dem Kind seinen ersten Perso beantragen und abholen (was in Nicht-Pandemie-Zeiten semi-banal wäre, aber die Zeiten sind wie sie sind und so wardie Sache mit dem Termin für Antrag und Abholung etwas zeitfressend).

Ich fasste zwischendrin einen Kühlschrank-Beschluss, den ich umgehend in die Tat umsetzte, und nach kurzer Recherche- und Umplanungsphase steht nun ein schöner großer Kühlschrank zwischen Küche und Wohnzimmer. Es gibt auch noch einen Herd-Ofen-Beschluss, aber finale Entscheidung ist noch nicht gefällt.

Das Kind ging zum Wechselunterricht und es ging gut. Ein Kumpel aus der Schule war zum seinem Geburtstag über Nacht da und das was auch gut. Das Kind ging nach reiflicher Überlegung zum Voll-Präsenz-Unterricht und das war gar nicht gut. Um genau zu sein so schlecht, dass ich drei Wochen vor Ferienbeginn für das Kind einen neue Schule organisierte, besuchte (das Kind uns ich) und hospitierten (das Kind). Das Kind wird so insgesamt 9 Wochen Ferien gehabt haben, denn die Lehrkräfte der alten Schule sahen sich nicht in der Lage, die online-Lernbplattform für ihn zu befüllen. Er ging noch einmal hin, um die Bücher abzugeben und noch einmal, um sein Zeugnis zu holen. Ich habe noch immer einen Schlüssel für die Schule. Die Schulleitung weiß das, will ihn aber anscheinend nicht wiederhaben. Die Lehrkräfte des Kindes sind beleidigt – zumindest die Klassenlehrkräfte. Anders kann ich mir die Nicht-Reaktionen bzw. die noch reingewürgte 3 in dem einen Fach nicht erklären. Tjanun. Danke, dass wir nicht mit der Entscheidung hadern müssen.

Ich arbeitete bis zum letzten Tag – und darüber hinaus (jaha, im Urlaub).

Ein Wunder, dass am 17.7. nicht nur des Kindes Koffer mit sauberer Wäsche gepackt, sondern auch das Gepäck vom RB und mir parat war. Während ich das Kind am Flughafen ablieferte – wir waren viel zu früh da, kümmerte sich der RB um den Rest zu Hause. Und nachdem das Kind tatsächlich auf dem Weg nach Frankreich war, fuhren wir los Richtung Norden. Zunächst zu meiner Mutter. Und nach einer Nacht dort an die Ostsee. Und uff, was tat es gut, nicht mehr die Strukturtapete zu sehen, dass Meer rauschen zu hören, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen, auszuschlafen, anderes zu sehen und auch Zeit nur zu zweit zu haben.

Morgen dann wieder Arbeit… Dabei habe ich mich doch gerade erst ans Urlaub machen gewöhnt.

Pandemüde?

Pandemüde?

Ich bin so müde. So unendlich müde. Ich weiß gar nicht, ob ich schon mal so müde war. Ich komme morgens nur schwer raus. Mir graust es schon vor der Zeitumstellung. Sobald ich am Schreibtisch sitze, geht es erstmal. Ich trinke einen Liter schwarzen Tee. Das hält auch wach. Erstmal bis zum späten Nachmittag. Ab 17h00 fährt mein Körper runter. Es geht von jetzt auf gleich nichts mehr. Spätestens um 18h00 muss (!) ich mich hinlegen. Seit Tagen Wochen geht das nun schon so. Und wenn ich doch nur wüsste, woran das liegt. Beim Blutspenden hatte ich einen ziemlich guten Hb-Wert. Eisen ist es wohl nicht. Bleiben noch

  1. Pandemie
  2. Papas Tod
  3. Vitamin-D-Mangel
  4. schlechter/zu wenig Schlaf
  5. zu wenig Bewegung
  6. zu wenig frische Luft
  7. zu viel zu tun
  8. zu wenig Flüssigkeit
  9. falsche Ernährung

Ad 4:
Ja, ich komme zu spät ins Bett. Ich bin eine Eule und ich leide an Revenge Bedtime Procrastination. Verstärkt durch das abendliche Hinlegen(müssen). Ausschlafen wäre toll, würde aber das Problem nicht lösen, denn ich muss ja zwischen 9 und 10 am Schreibtisch sitzen bzw. wenn das Kind vormittags Schule hat, um spätestens 7h30 aufstehen.

Ad 7:
Das kann ich gerade nicht abstellen und ich sagen schon „nein“. Dennoch schieben sich manche Projekte schon seit Wochen durch meine To-Do-Liste. Und es wird nicht weniger. Es ist auch nur suboptimal, dass ich in der Woche nach Ostern Urlaub habe, aber der ist dringend nötig.
Vom Haushalt will ich gerade nicht reden. Wenn der RB nicht so viel machen würde, würden wir hier heillos untergehen. Außerdem können wir das Problem mit Geld beschmeißen:

  • einmal Pro Woche kommt die Putzhilfe
  • gekocht wird größtenteils mittels Kochbox
  • punktuell wird Essen bestellt
  • die restlichen Einkäufe lassen wir oft liefern.

Vieles andere wird hier einfach mal ignoriert.

Das Kind kommt völlig zu kurz. Ich weiß gar nicht, wie ich das finde. Ich fürchte, ich bin zu müde, um ein schlechtes Gewissen deswegen zu haben. Er hat die Schule, das tut ihm auf gewisse Weise gut. Er hat seinen Sport wieder, das ist sehr wichtig. Er hat verschiedene Kumpel, mit denen er online zocken kann, das genießt er sehr. Und er hat regelmäßig Kontakt mit der Oma, die ihm bei den Hausaufgaben beisteht.

Ad 8:
Das schwankt. Diese Woche war es besser. Allein dadurch, dass ich einen Liter Tee trinke, ist schon mal viel gewonnen. So trinke ich auch sonst mehr. Ich muss darauf aber noch mehr achten.

Ad 9:
Wir lowcarben nicht mehr. Ich esse wieder zu viele Süßigkeiten. Aber ich kann darauf gerade nicht achten. Auch wenn ich weiß, dass es mir gut tut, auf Süßes zu verzichten, ist die „Sucht“ gerade stärker und ich brauche den Zucker auch, um meine Konzentration aufrecht zu halten. Dank der Kochboxen sind derzeit mindestens 4 Mahlzeiten pro Woche vegetarisch.

Ad 5:
Wenn wir nicht einmal pro Woche wandern gingen, würde ich mich vermutlich gar nicht bewegen. Diese Woche war ich bislang nicht einmal draußen. Mein Bewegungsradius ist also maximal klein. Erstaunlicherweise verkrafte ich die Wanderungen (sind ja in der Regel zwischen 12 und 17 Kilometern) recht gut. Ich müsste mich auch zu Sporteinheiten dazwischen aufraffen, aber hier grätschen mir 4 und 7 und natürlich meine unendliche Müdigkeit dazwischen.

Ad 6:
Hat viel mit 5 und 7 zu tun. Ich sollte konsequent in der Mittagspause wenigstens eine halbe Stunde rausgehen. Ich hoffe darauf, dass es bald wärmer wird und ich so wieder BalkonOffice machen kann.

Ad 3:
Joah, mit Blick auf 6 ist das nicht völlig abwegig. Auch habe ich meine Vitamin-D-Einnahme etwas schleifen lassen. Da bin ich gerade wieder hinterher.

Ad 2:
Ich kann nicht sagen, ob und welchen Einfluss Papas Tod und die Beerdigung auf meinen Zustand haben. Ich will gar nicht abstreiten, dass es einen Einfluss hat/haben könnte. Aber ich kann noch nicht richtig ausmachen, welchen bzw. inwiefern. Vielleicht werde ich dazu mehr wissen, wenn ich in meinen Urlaubstagen Ruhe habe.

Ad 1:
Joah, das liegt auf der Hand. Ich bin immer noch im Katastrophen-Modus: Dinge und ich sollen funktionieren. Ich lebe im Moment. Ich habe keine Angst vor dem Virus bzw. einer Erkrankung. Ich habe Respekt. Aber es ist nun mal Pandemie und damit eine Naturkatastrophe. Ich mache das, was ich machen kann, was ich für richtig halte: Mich soweit wie möglich abschotten, FFP2-Maske tragen, Händewaschen. Und ich mache das unabhängig von den politischen Entscheidungen, denen ich mich aber auch nicht machtlos ausgeliefert fühle, denn ich kann ja das machen, was ich für richtig halte. Hinsichtlich der Politik habe ich gewissermaßen resigniert. Das macht mich durchaus müde.

Ich denke nicht darüber nach, was in einszweidrei Monaten ist. Ich denke tatsächlich auch nicht drüber nach, wann ich geimpft werde und dass es hoffentlich bald ist. Ich werde geimpft, wenn ich dran bin. Daran ändert sich auch nichts durch den kurzfristigen (!) AstraZeneca-Stopp oder weil sich Hinz und Kunz sich irgendwie in die Impflingliste drängeln (können). Vielleicht habe ich einfach keine Kraft mehr, mich darüber aufzuregen. Vielleicht bin ich auch einfach zu pragmatisch, dass ich weiß, dass sich darüber aufregen nicht lohnt.

Und in diesem Pragmatismus machen mich die 80 Millionen Virologinnen, Epidemiologinnen, Logistikerinnen, Pharmaproduzentinnen, Immunologinnen, Impfstoff- und Zulassungsexpertinnen sehr müde. So viel Meinung basierend auf Halbwissen Überschriften ist gruselig. Und ja, da spielt viel rein: Verunsicherung, Angst, fehlende Kommunikation, Vertrauensverlust. Aber Füße stillhalten und die wahren Expertinnen ihren Job machen lassen, scheint nicht mehr zu gehen.

Mich macht es sehr müde, wie wenig solidarisch unsere Gesellschaft ist bzw. wie deutlich wird, wie wenig solidarisch unsere Gesellschaft in den letzten Jahren geworden ist. Es wird auf die Politik – zurecht – geschimpft. Aber Kraft für wirklich effektive Schritte hat anscheinend keine. Es wird nur geschimpft. Es werden Stellvertreterkriege angezettelt, bei denen ich so viel „ich, ich, ich“ raushöre, dass ich echt erschrecke. Wie Menschen auf einmal bereit sind, über Leichen zu gehen.

Natürlich wäre es super, wenn die Pandemie vorbei wäre. Auch ich freue mich auf das Ende. Aber nur weil die Politik uns was anderes vorlebt, kann ich doch nicht unsere Gesellschaft noch weiter einzweien. Es läuft viel schief in diesem Land, in diesem Staat. Aber die Gesellschaft zu verraten, weil ich nicht an erster Stelle der Impfreihenfolge stehe, während ich abgesichert, mit einem Job ohne Existenzsorgen zu Hause im warmen HomeOffice arbeiten kann, das will mir nicht in den Kopf. Unser Problem ist eine kapitalistische und korrupte Politik und nicht, dass ein Impfstoff geprüft wird und dadurch für drei Tage nicht verimpft wird. Aber ich bin sicher, dass das die meisten nicht mehr interessiert, sobald sie dann endlich geimpft sind und ihre Freiheit, die ihnen weder jemals genommen, noch wirklich eingeschränkt wurde, wiederhaben.

Vielleicht bin ich nicht pandemüde, sondern gesellschaftsmüde.

Im Schilder-Wald

Im Schilder-Wald

Lockdown, Tag 80

Ich bin froh ob unseres festen Wandertermins. So komme ich wenigstens einmal pro Woche wirkich an die frische Luft und in Bewegung. Wobei ich gestern draußen war, weil ich ein Tweep-Date hatte, genaugenommen hatten das Kind und ich ein Doppeldate. Und das tat uns beiden sehr gut. Am Freitag war ich auch schon unter Menschen, das war aber nicht so unterhaltsam, sondern vorranig altruistisch, denn ich war beim Blutspenden. (Und nun hoffe ich, dass mein Tätowierer aus der Versenkung auftaucht, damit ich mir ein Soli-Puffin-Tattoo stechen lassen kann.) Ansonsten muss ich aber irgendwie etwas mehr an meiner Work-Life-Balance arbeiten, denn derzeit ist es ein recht unausgeglichene Work-Sleep-Disbalance. Daran ändert auch das Wandern nicht so viel. Aber wenigstens ein bisschen.

Also, Wandern. Der RB und ich waren wandern. Das Kind war nicht mit. Der hat ab Montag wieder Rugby-Training, der muss nicht am Wochenende sporteln. Der beschäftigt genießt die Zeit ohne und mit Kumpels beim Zocken. Außerdem hätte er uns heute sehr verflucht, denn die Tour hatte es steigungstechnisch in sich. Aber das Wetter war super und die Strecke sehr schön. Ich habe es sehr genossen.

Wir wanderten 16 Kilometer, von denen die meisten auf dem zweiten Teil der Safari-Route verliefen.

Haushalten

Haushalten

Lockdown, Tag 35

Ich muss haushalten. Mit meinen Kräften. Deswegen werde ich erstmal nur noch unregelmäßig bloggen. Wenn ich wirklich Zeit und Muße habe.

Ich schlafe schlecht. Das liegt vermutlich an vielem, aber insbesondere auch daran, dass ich so wenig rauskomme. Aber Rausgehen ist mit viel Aufwand verbunden derzeit: drölfzig Schichten, damit eine nicht friert. Ja, ich sollte es machen. Sauerstoff wäre meiner Konzentration sicherlich auch zuträglich. Aber dann denke ich wieder: Wenn ich schon so schlecht schaffe, dann kann ich nicht auch noch ne Stunde für Rausgehen verplempern. Und irgendwie ist das ein Teufelskreis. Ein Teufelskreis ist auch, dass ich wegen schlechtem Nachtschlaf am späten Nachmittag so k.o. bin, dass ich mich für eine Stunde oder so hinlege. Tja und dann kann ich nachts natürlich auch nicht (besser) einschlafen. Wenigstens hier habe ich heute hoffentlich gebremst: Obwohl die Nacht wirklich grottenschlecht war, habe ich am Abend nicht geschlafen.

Die Pandemie zeh/rrt weiter an uns. Das Kind ist unleidlich und unmotiviert. Wir geraten im HomeSchooling sehr aneinander (heute nicht und er hat festgestellt, dass sich das gut anfühlt und dass es sich auch gut anfühlt, Aufgaben wegzuarbeiten). Er vermisst seinen Pre-Pandemie-Alltag: Fahrten nach Frankreich, Familie, Rugby, Bouldern und sogar Schule. Ja, wir sind soweit, dass er es nicht mehr besonders toll findet, nicht in die Schule gehen zu müssen.

Wir wandeln auf einem Grat, an dem sowohl rechts als auch links der Lagerkoller lauert. Ich hoffe, dass es noch so lange gut geht, wie es gut gehen muss.

Noch bin ich guter Dinge, dass wir, also der RB, das Kind und ich – ohne langfristigen (die Autokorrektur schrieb „langfrustigen“) Schaden durch die Pandemie kommen. Aber dafür müssen wir hier gut auf uns aufpassen – und auch jede auf sich.

Und obwohl ich den Winter – vor allem mit Schnee – sehr liebe, sehne ich mich sehr nach Frühling, nach Leben draußen. Selbst wenn dann immer noch Pandemie ist (was sicher so sein wird), lässt sich mit Licht, Frühlingsluft und Sonne einiges besser ertragen.

Und bis dahin haushalte ich mit meinen Kräften…

Schnee

Schnee

Lockdown, Tag 32

In der Nacht schneite es schon. Yeah. Beim Aufstehen lag das weiße Glück immer noch. Da war auch vergessen, dass ich mal wieder grottenschlecht – der verdammten Heizung sei dank – geschlafen. Spätes Frühstück. Dann zog der Schnee das Kind in den Park (jaja, vermutlich nicht 100 % pandemiekonform) und den RB und mich in den nördlichen Grüngürtel. Ein schöner Spaziergang durch den Schnee.

Unabgesprochen kamen wir alle fast zeitgleich wieder zu Hause an. Zum Aufwärmen gab’s Waffeln.

Dann machte ich mit dem Kind HomeSchooling. Es war klar, dass die erste Woche nicht ganz rund laufen würde hinsichtlich Lernen in häuslicher Umgebung. Selbstorganisation will halt gelernt werden.

À propos: Weil ich Freitag so furchtbar unproduktiv war, musste ich eine Nachtschicht einlegen. Sonst erschlägt mich mein To-Do-Liste nächste Woche.

Unproduktiv, sehr.

Unproduktiv, sehr.

Lockdown, Tag 30

So einen unproduktiven Tag hatte ich schon ewig nicht mehr. Ich habe nix, gar nichts, gebacken bekommen.

Das wenige Sinnvolle an diesem Tag war, dass ich dem Kind die Hausaufgaben gescannt und beim Upload assistiert habe. Dass ich im Kanninchenbau „Bücher und DVDs ausmisten“ verloren gegangen bin. Dass ich gekocht habe.

Vor der Twitterkneipe spielten wir eine Runde Carcassonne mit dem Kind. Danach gab es eine Runde Gruppenkuscheln und siehe da, das Kind schlief geisterfrei ein.

Der bleiche Hai

Der bleiche Hai

Noch im letzten Jahr, kurz vor den Ferien, als schon die Präsenzpflicht ausgesetzt war, hatte das Kind einen Kontrolltermin beim Kieferorthopäden. Soweit alles ok, aber er hatte einen gelben Zettel dabei, auf dem der Kieferorthopäde eine Zahnäztin kollegial um die Entfernung eines Milchzahns bat. Wie schon an anderer Stelle kam der bleibende nicht unter dem Milchzahn durch, sondern davor (oder hinter oder neben – je nach Blickwinkel halt). Mein kleiner Hai halt.

Das stresste mich kurzfristig, denn zum einen haben wir Pandemie und zum anderen hat das Kind keine feste Zahnärztin. Er war zweimal mit bei meinem, aber a) den will ich wechseln, b) ist der 30 Minuten Fahrzeit weg und das ist mir aktuell zu viel Gegurke (auch der Grund für a). Ich grübelte und befragte den Twitterschwarm, konnte mich aber nicht entscheiden.

Weihnachten kam. Silvester verging. Ich fing wieder an zu arbeiten. Beim Teekochen ließ ich meinen Blick durchs Fenster über die Straße schweifen.

„Ach, stimmt ja“, denke ich „da drüben ist ja auch eine dentalmedizinische Praxis.“ Nein, das ist nicht neu für mich. Seit über acht Jahren kann ich in ein Behandlungs- und das Wartezimmer gucken. Ich war sogar einmal da. Aber da die damals keine PZR anboten, bin ich bei meinem „alten“ Zahnarzt geblieben.

Lustig, wie blind eine wird für Dinge, die direkt vor ihrer Nase stattfinden.

Heute war der Termin. Das Kind war aufgeregt, weil er halt bislang nicht regelmäßig zur Zahnärztin gegangen ist (weil es in Hessen? zumindest in Frankfurt Schulzahnärztinnen gibt – auch an der weiterführenden Schule) und weil klar war, dass etwas gemacht werden müsste (er hat super Zähne und kein Karies, sodass außer dem kieferorthopädischen, kein dentalen Eingriffe bisher nötig waren).

Der Zahnarzt war nett, setzte eine lokale Betäubung und holte dann recht flux den Zahn raus.

Das Kind stand auf und … war recht bleich um die Nase.

Gut, dass der Heimweg nicht so weit war.

Kunst auf der Strecke

Kunst auf der Strecke

Lockdown, Tag 26

Es war klar, dass wir heute raus müssen. Viel zu lange haben wir uns schon nicht mehr wandernd durch die Gegend bewegt. Der Startpunkt sollte nicht zu weit weg sei. Der befand sich zwar jenseits der Stadtgrenzen, aber der größte Teil der Route war dann doch in Frankfurt – umfassenden AssimilierungsEingemeindungsaktionen sei dank.

Auf den ersten 500 Meter durften wir Kunst entlang des Erlenbachs in Massenheim betrachten:

Auch auf den restlichen 11,5 Kilometern orientierten wir uns mehr oder weniger dicht am Erlenbach:

Auch wemm das Kind auf den ersten zwei Kilometern etwas unwillig war, fand auch er die Tour am Ende schön. Es tat wirklich, wirklich gut. Das Wetter war super: blauer Himmel, frische Luft und sonnig. So waren die die – 4 °C nicht so spüren.

Zu Hause kümmerte sich derweil Kassiopeia um unser Abendessen: Grünkohl passte perfekt zu dem Wetter.

Die Kartoffeln (Drillinge) haben wir direkt im Grünkohl gegart. Das geht super und ist sehr lecker. (Und Notiz für mich: Es muss nicht immer frischer Grünkohl sein, TK-Grünkohl tut es sehr gut auch und ist einfacher zu verarbeiten.)

Hadern

Hadern

Lockdown, Tag 24

Puh, ich hadere. Ich hadere mit meinem Muttersein. Ich finde mich gerade so furchtbar schlecht als Mutter: Das Kind und ich leben nebeneinander her. Ich schaffe es zunehmend weniger, mir Zeit für ihn zu nehmen. Ich reagiere so ungehalten, wenn er mich bei der Arbeit unterbricht. Ich reagiere aber auch nach der Abend ungehalten – wenn er den Abend mal wieder verlängert, während ich Feierabend haben will. Während ich mit dem RB einfach auf dem Sofa abhängen will bzw. ich einfach allein sein will.

Ich merke, wie sehr es mir fehlt, dass das Kind seit einem Jahr nicht mehr beim Kv war. Wie sehr mir diese Auszeiten vom Muttersein fehlen. Wie sehr mir aber auch das Alleinsein fehlt. Nein, ich möchte den RB nicht missen, aber ich hätte gerne mal wieder einszweidrei Tage nur für mich. Gerne in der Wohnung. Auch mit Arbeit. Tage, an denen ich ausschließlich in meinen Rhythmus leben und arbeiten kann. Dinge abarbeiten und dann zufrieden mit meinem Tagewerk rausgehen, was für mich tun, mit mir alleine sein. Ich bin nicht dafür geschaffen, dass ständig jemand um mich rum ist.

Ich bin so auch nicht sozialisiert worden: Klar haben sich meine Eltern immer gekümmert und ich habe ja auch Brüder, die „immer“ da waren. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir ständig aufeinander geklebt haben bzw. kleben mussten (und auch nicht konnten). Genauer betrachtet: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich ständig an wem geklebt habe. Ich habe „schon immer“ mein Ding gemacht und ich hatte da auch viele Freiheiten. Nein, ich war als Kind und Teenie alles andere als Einzelgängerin. Aber ich durfte sehr selbstbestimmt meine Freizeit gestalten.

Nein, das Kind klebt nicht an mir. Meistens zumindest nicht. Also so lange nicht wie er mindestens eines seiner Devices hat. Sobald er sich selbst beschäftigen muss, hat er keine Geduld, keine Muße, keine Idee und er braucht Anleitung und Bestätigung. Er braucht dann Nähe. Wir sind an diesen Punkten so unterschiedlich, dass es sich fremd anfühlt.

Durch die Pandemie und dass dadurch die Freizeitgestaltung vom Kind nicht mehr so ist wie er es braucht und gewohnt ist, driften wir mit unseren Bedürfnissen noch weiter auseinander. Und je mehr mir nach Alleinsein ist, desto mehr sucht er Nähe. Und je mehr er Nähe sucht, desto mehr ist mir nach Alleinsein.

Und dann reagiere ich genervt. Genervt, weil ich ihm nicht geben kann, was er braucht. Genervt, weil meine Idee von Muttersein eine so andere ist, als nötig wäre. Genervt, weil ich damit so schlecht umgehen kann, dass das Kind so anders ist als ich es bin. Genervt, weil ich es nicht schaffe, über meinen Schatten zu springen und auch mal Dinge zu machen, die ich doof finde oder in denen ich keinen Sinn sehe. Genervt, weil ich keine Spielemama bin.

Wir haben natürlich auch gute Momente miteinander. Momente, in denen wir uns nah sind. Wir reden oder auch Dinge machen.

Aber ich bin mir sicher, dass er retrospektiv sagen wird, dass ich zu wenig für ihn da war, zu viel geschimpft habe, zu viel wollte, dass er funktionierte. Und das tut mir regelmäßig abends leid und ich nehme mir vor, am nächsten Tag mehr auf ihn einzugehen. Ihm definitiv Exklusiv-Zeit einzuräumen. Und dann scheitere ich wieder … an mir selbst.

Fehlerteufel 2

Fehlerteufel 2

Lockdown, Tag 22

Ich rege mich nicht über die Beschlüsse der Ministerinnenkonferenz mit der Kanzlerin auf. Es nützt nix. Es ändert nix. Nix ändert irgendwas. Es ist zum Auswandern, wenn ich nur wüsste wohin und wenn es sich nicht nach „die Ratten verlassen das sinkende Schiff“ anfühlen würde.

Wenigstens ist in Hessen die Präsenzpflicht für die Schulen aufgehoben. Zumindest für des Kindes Klassenstufe.

Semi-gute News: Ich habe das 100ste Quadrat vom #AfghanHueShift fertig gestrickt.

Leider hat sich in den letzten 10 Quadraten ein blöder Fehler eingeschlichen – aka: ich habe bei den Knäuel nicht aufgepasst. Und die ersten 25 sind auch nicht so schön wie die restlichen 75 geworden. Daher werde ich wohl 35 Quadrate aufribbeln müssen. Aber erstmal zwei Auftrags-Pussyhats stricken.