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Kategorie: Leben mit Kind

Diese Tage …

Diese Tage …

Diese Tage gefallen mir nicht.

Und ich bin froh, schon vor ein paar Tagen auf die Vernunft und nicht den schnöden Mammon gehört zu haben. Es ist viel zu tun, da kann ich nicht noch mehr machen. Umso richtiger fühlt sich diese und die andere Entscheidung an.

Meine To-Do-Liste hat mal wieder einen Hydra-Effekt und ich habe große Angst, dass irgendwas vergessen gerät. Außerdem schweben diverse „könnte vielleicht noch kommen“-Projekte im Orbit, die ich mir schon mal notiert habe, damit ich nicht aus allen Wolken falle, sollten sie tatsächlich anfallen.

Solche Tage führen dazu, dass ich nicht dusche und nur schlecht esse. Schlaf ist auch zu wenig für die Konzentration, die all die Projekte erfordern.

Ich freue mich aufs Wochenende. Auch darauf, dass das Kind dann erstmal beim Kv ist. Dass danach ein langes Wochenende mit Stuttgart-Plan bevorsteht, ist auch gut und dass wir in 15 Tagen nach Paris fahren und zu NMA gehen, ist ein Highlight für die nächsten Wochen.

Es wird auch wieder ruhiger werden. Ich weiß das und das ist gut. Ansonsten würde ich auf dem Zahnfleisch laufen.

Apropos Zahnfleisch: Ich bewundere die Compliance des Kindes hinsichtlich des Aufdrehens seines Höllenapparates seiner Hyrax-Apparatur. Seit 4 Tage ist sie nun drin und es können schon deutlich Fortschritte erkannt werden. Wow!

Nachmittags im Museum

Nachmittags im Museum

Wenn eine das erste Mal in das neue Historische Museum geht, kann es vorkommen, dass sie ob der Architektur verwirrt ist. Es kann auch vorkommen, dass eine das Konzept nicht sofort versteht und sich wundert, wie vollgestopft das Museum ist. Doch wenn eine dann erstmal einen Plan gesehen hat und die Themen-Touren gefunden hat, macht das alles doch viel Sinn und ist durchaus spannend.

Nachdem das Kind gestern den ganzen Tag an diversen Bildschirmen sich von seinen Kieferschmerzen ablenken durfte, war klar, dass wir heute raus mussten. Und so hatte er die Wahl zwischen dem Frankfurter Verkehrsmuseum, der Anne-Frank-Stiftung und dem Historischen Museum. Er entschied sich für letzteres. Und dafür, dass er erst keinen Bock hatte, finde ich vier Stunden im Museum durchaus ordentlich. Aber – und das mag ich wirklich sehr an den Frankfurter Museen – es gab viel für Kinder zu entdecken und auszuprobieren. Wir fingen im Jungen* Museum an. Und natürlich war es ein gutes Zugpferd, dass er mit einem Tablet durch die Ausstellung „Dafür? Dagegen!“ musste, um sie zu verstehen. Allerdings war das auch vergessen, als wir mittels Brettspiel die Kämpfe um die Startbahn West (1980) etwas nachvollzogen. Ziviler Ungehorsam. Sehr wichtig.

Als er da erstmal mit Informationen voll war, legten wir eine Kaffee-Schokoladen-Kuchen-Pause ein. Eine nette ältere Dame freute sich über das Kind im Museum und beglückwünschte ihn zu seinem Interesse. Tja, da konnte er auch nicht mehr rummoppern, wie doof es doch immer ist, wenn Muddi ihn zu seinem Glück zwingt.

Gestärkt gingen wir dann in den Nordbau und ich folgte der Themen-Tour „33 – 45: Frankfurt und der Nationalsozialismus“. Das Kind war mal mehr, mal weniger bei mir, ich konnte aber dem Weg vollständig folgen und dem Kind auch immer wieder ein paar wichtige Aspekte vermitteln. (Das Thema muss und sollte ja durchaus in „passenden“ Häppchen behandelt und erörtert werden.)

Unterm Dach-juchee war beim Kind die Luft raus, sodass er sich gar nicht mehr für das tolle Frankfurt-Modell begeistern und auch nichts mit der Sonderausstellung zu den Frankfurter Ernst-May-Siedlungen angfangen konnte.

 

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* Jungen von jung

** Der eigentliche Namespate ist zwar nicht so dramatisch, aber es böte sich dennoch an.

*** Passend zur Fachnummer gibt es ein historisches Fakt zu Frankfurt

Verhütung ist Männersache

Verhütung ist Männersache

„Mama, worüber schreibst Du bei Deiner Arbeit am liebsten?“
Interessante Frage. „Am liebsten schreibe ich, wenn sich herausgestellt hat, dass das Medikament den Patientinnen wirklich viel bringt. Wenn es die Krankheit besonders lange aufhält oder wenn es wenige Nebenwirkungen gibt. Weißt Du, ich schreibe ja viel über Krebsmedikamente. Da geht es leider oft nur darum, zu verhindern, dass der Krebs weiter wächst.“
„Mama, gibt es Impfungen gegen Krebs?“

Ich erklärte ihm die Sache mit dem HPV und – schwubbs – waren wir in einer Unterhaltung über Verhütung. Ich besprach mit dem Kind die Rolle des Manns bei der Verhütung (bezogen auf eine heteronormale Beziehung*). Es geht nicht nur darum Schwangerschaften zu verhindern, sondern insbesondere auch sexuell übertragbare Krankheiten (STI). Wir sprachen also über Kondome, über die Möglichkeit, sich auf STI testen lassen zu können (was ihn sichtlich erleichterte) und das es wirklich wichtig ist, sich gegen STI zu schützen und dass ein Schutz gegen STI halt auch immer ein Schutz gegen Schwangerschaften ist.

Die Sache mit den Kondomen ist ihm noch etwas suspekt. Allerdings kamen wir so darauf, dass keine Verhütungsmethode 100 Prozent Sicherheit bietet und dass es halt gerade mit einem Kondom immer mal zu Anwendungsproblemen kommen kann (Kondom reißt, hat ein Loch, rollt sich vom Penis ab und verbleibt in der Vagina**). „Wenn sowas passieren sollte – oder was anderes, was Dich bzw. euch unsicher sein lässt, ob die Verhütung wirklich funktioniert hat, kannst Du immer zu mir kommen. Damit schnell gehandelt werden kann“, gab ich ihm noch mit und war froh, dass er das erstmal nicht in Frage stellte.

Mal sehen, wie er sich dann in zwei drei vier fünf Jahren so verhält. Bis dahin wird das Thema sicherlich noch ein paar Mal eine Rolle spielen und ich hoffe, dass wir auch weiterhin so offen miteinander sprechen können.

Achja, es freute mich sehr, dass er die Begriffe Vulva und Vagina richtig benutzt.

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* Nein, damit verschließe ich mich nicht der Option, dass er sich gleichgeschlechtlich verlieben kann. Aber derzeit redet er nur von Mädchen, wenn er erzählt, in wen er sich verliebt hat.

** Habe gehört, dass das passieren kann. *hust*

Medienkompetenz

Medienkompetenz

Ja, das Kind hat ein Smartphone. Es hat so einen Halbvertrag auf Prepaid-Basis. Er hat ein gar nicht so geringes Datenvolumen und zu Hause hat er zwischen 7h00 und 21h00 Zugang zum WLAN. Er hat auch ein Tablet – ohne SIM-Karte – und mit eingeschränkterem WLAN-Zugang. Zudem hat er noch eine Switch.

Seine Bildschirmzeit ist hier durchaus ein Thema. Obwohl es rational betrachtet durchaus Quatsch ist: Das Kind hat montags und donnerstags bis 15h50 Schule, gegen 16h10 ist er zu Hause und um 16h30 muss er wieder los zum Sport. An den anderen Tagen hat er bis 14h00 Uhr Schule (wobei eigentlich noch ein weiterer Tag bis 15h50 gehen sollte), ist gegen 14h30 zu Hause. Am Dienstag hat er nichts weiter am Nachmittag. Am Mittwoch muss er um 16h30 und am Freitag um 16h45 zum Sport. Am Wochenende ist oft genug ein Rugby-Tunier. Am Ende der Woche bleibt – ganz rational betrachtet – gar nicht so viel Zeit zum Zocken. Trotzdem fühlt es sich so an, als würde er die ganze Zeit ausschließlich zocken. Zudem weiß ich ziemlich genau, was er macht: Auf der Switch spielt er Zelada und auch wenn ich selbst keinen Vertrag mit Videospielen habe, finde ich das Spiel nicht wirklich schlimm. Das Tablet nutzt er oft dazu, um auf you.tube irgendwelche Let’s-Player zu gucken, um sich Tipps für Zelda zu holen. Außerdem skypt er damit mit dem Kv und spielt Minecraft. Er hat auch noch ein paar andere Spiele drauf. Aber wogegen ich mich explizit ausgesprochen habe – auch wenn es „alle“ spielen -, ist Fortnite. Und er fand das auch nur kurz nicht gut, aber auch nicht so wirklich. Und nun in der neuen Schule ist es gut, dass er es gar nicht spielt. (Wer nicht spielt, spielt halt nicht, aber utner denen, die spielen, gibt es ordentlich Hackordnungskämpfe.)

Auf dem Handy hat er Skype und sonst nichts. Wenn ich noch ein altes nicht-mobildatenfähiges gehabt hätte, hätte er das und nicht mein altes Smartphone bekommen. Aber nur, weil das Smartphone smart ist und er Datenvolumen hat, heißt das für mich noch lange nicht, dass er das ausreizen muss oder gar darf. Er hat daher auch kein WhatsApp (Nein, es ist nicht erst ab 16 Jahren erlaubt. Wenn Eltern früher einverstanden sind, dürfen die Kinder auch früher.), kein Instagram, kein Twitter, kein Snapshat, kein TikTok und was es nicht sonst noch so an SocialMedia-Apps gibt. Sogar you.tube habe ich ihm runtergeschmissen, damit sich das nicht im Bus mit den Freundinnen und Kumpels so hochschaukelt und das Datenvolumen schubdiwupp weg ist.

Außerdem bin ich der Auffassung, dass Kinder in dem Alter nur selten all dies sinnvoll nutzen können. Es sind zu viele Informationen, zu viele Möglichkeiten, die Kinder mit 10 Jahren noch nicht überblicken und filtern können. Daran gebunden ist auch Rechtliches, von dem die Kinder keine Ahnung haben.

Eines dieser Rechtlichen Dinge ist: das Recht am eigenen Bild. Das Kind ist sich seines Rechtes ziemlich bewusst. Er authorisiert jedes Bild, das von ihm hochgeladen wird. Entspechend kann ich seinen Ärger verstehen, wenn er von Klassenkameradinnen fotografiert oder gefilmt wird und dann nicht weiß, ob diese Aufnahmen irgendwo hochgeladen. Denn einige haben halt schon die eine oder andere SocialMedia-App. Und ja, es wird versucht, den Coolnessfaktor der einzelnen daran zu bemessen, ob und welche Apps auf dem Handy sind.

Das wird noch ein zähes Ringen die nächsten Monate oder gar Jahre. Da werden noch einige Gespräche laufen – mit dem midi-monsieur, um ihn zu stärken, mit den Lehrerinnen, mit den anderen Eltern. Ich gehe davon aus hoffe, dass sich einiges mit der Zeit verwächst. Ich baue darauf, dass die Kinder – trotz Pubertät – dazulernen.

Das Gute ist: Die Lehrerinnen vom Kind sind durchaus auf Zack, haben ein Verständnis für das, was bei den Kindern aktuell ist und sie hören zu, wenn die Kinder oder die Eltern sich an sie wenden.

Auswärtsdienstag

Auswärtsdienstag

Morgens fast einen Autounfall bei 130 auf der Autobahn gehabt. Ich rätsel immer noch, ob es der tote Winkel war, oder ob die Geschwindigkeit des Anderen einfach viel zu hoch war und ich kaum Chance hatte, ihn wirklich zu sehen. Passiert ist nicht. Ich bin dankbar um meine Reflexe.

Produktiven Tag gehabt. Gute Gespräche. Same, same, but different.

Das Kind war erstmal mit einem Klassenkollegen unterwegs. Ausgerechnet das Kind, um das ich mir die meisten Gedanken mache. Das Treffen endete auch etwas komisch.

(Da fällt mir ein, dass ich endlich mal die Adressliste der Klasse fertig machen muss.)

Kartoffel-Pü-Koma.

Erfreulich: Der Schlaf wird besser. Immer noch etwas zu kurz (ist ja jetzt auch schon wieder spät), aber ich bin morgens nicht mehr ganz so gerädert.

Lakritzschnaps ist einfach lecker.

Mag-ich-nicht-Suppe

Mag-ich-nicht-Suppe

Das Kind ist echt zu bemitleiden: Seit der blöden LowCarberei seiner erwachsenen Mitbewohner gibt es dauernd neue Gericht, von denen er natürlich schon vor dem ersten Bissen weiß, dass er sie nicht mag. Heute: Linsen-Hack-Suppe

Zutaten
300 g Linsen (ich hatte 200 g rote und 100 g gelbe)
300 g Rinderhack
1 Zwiebel
30 g Ingwer
2 Knoblauchzehen
ca. 1,5 L Flüssigkeit (ich hatte 300 mL Brühe dabei)
Saure Sahne (ich hatte noch einen 100-g-Rest, geht auch ohne)
60 – 100 g frischen Spinat
Kreuzkümmel, Kurkuma und Chiliflocken (1:1:1 mischen, gerne etwas mehr (ich hatte jeweils 3 TL))
Salz
Pfeffer
Zitrone

Zubereitung
Zwiebel, Knobi und Ingwer klein schneiden und in ÖlButterSchmalz anbraten, Hack zugeben und krümelig braten, zwischendrin einen Teil der Gewürzmischung zugeben

Wenn das Hack fast durch ist, Linsen zugeben, kurz anschwitzen.

1 L Flüssigkeit zugeben, Salz und Pfeffer rein, kurz aufkochen und dann köcheln lassen, ab und zu mal rühren.

Je nach Bedarf Flüssigkeit nachgeben.

Wenn die Linsen gar sind, Hitze runter, ggf. Saure Sahne reinrühren, mit Gewürzmischung, Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken.

Frischen Spinat einrühren, kurz ziehen lassen.

Nicht sehr fotogen, aber sehr lecker.

Damit der arme midi-monsieur aber nicht vor dem vollen Suppenteller verhungert, hatten wir ihm trockenes Brot hingestellt …

… mit dem sich wohl wunderbar die Suppe dippen ließ und während der RB und ich uns noch verschwörerisch angrinsten, war des Kindes Teller leer.

Sonntag halt

Sonntag halt

Ausgeschlafen, nachdem der RB und ich nachts noch was besprechen mussten.

„The Bold Type“ angefangen, während ich die Wäsche faltete, das Bad putzte und kochte.

Der RB musste arbeiten.

Das Kind war auf der Dippemess, schob Langeweile, streunte durchs Viertel.

Kleine Eskalation am Essenstisch.

Zum Einschlafen wünschte sich das Kind Gruppenkuscheln.

Feierabend.

12von12 – oder eben nicht

12von12 – oder eben nicht

Heute morgen dachte ich irgendwann: „Achja, 12von12.“ Aber dann fühlte ich mich so zombiehaft wegen der schlechten Nacht und dem wenigen Schlaf – und das obwohl ich echt früh im Bett war. Also keine 12 von heute. Aber mal überlegen, welche Fotos ich hätte machen können:

#1: Ein um 7h30 noch schlafendes Kind, das mit seinem Wecker kuschelt. (Herrje, was dieses Nicht-Lerchenhafte anbelangt ist der midi-monsieur ja schon mein Kind.)

#2: Selfie von mir allein im Bett mit Scott im Arm. (Ich musste micht nochmal hinlegen. Und allein bin ich, weil ich den RB ich heute Nacht schon vertrieben hatte.)

#3: Aufgeklappter Rechner mit Tee daneben. (Irgendwann bin ich wieder wach und sitze wie ein Zombie vor dem Rechner und tue so, als ob ich arbeite.)

#4: Kündigungsbestätigung vom JournalFrankfurt. (Es ist einfach nur peinlich und ich bin froh, gekündigt zu haben.)

#5: Brot mit Erdnussbutter und Schokostreusel. (Deutlich nach dem Tee esse ich erstmals. Mein Essverhalten ist eh etwas suboptimal in letzter Zeit.)

#6: Verschwommene Mail, mit der ich einen Auftrag annehme. (Nachdem ich vorher mit dem RB geklärt habe, ob er mal wieder einen Tag mit dem Kind alleine bleiben kann.)

#7: Blanko-PowerPoint-Präsentation. (Ich bin ja eigentlich mehr so Word-Nutzerin. PowerPoint nutze ich in der Regel nur, um Experten-Präsentationen anzugucken.)

#8: Aus Gründen mache ich einen Test zur Medienerziehung. Mit Note 2 bin ich zufrieden.

#9: Das Kind und ich am Herd. (Ich erkläre ihm, wie er sich die Spaghetti-Bolo warm machen soll.)

#10: Wenn ich schon eine Tweep habe, die den gleichen Vornamen hat, dann _muss_ ich ja zur Lesung ihres Romans.

#11: Nächtliche Skyline oder – was technisch allerdings nicht möglich wäre – Selfie von mir auf dem Rad, wie ich nachts durch Frankfurt fahre und dabei mein Handy um den Hals trage und die Taschenlampe an habe und als Frontlicht benutze. (Das Klemmlicht hatte ich zwar rausgesucht, aber nicht mitgenommen.)

#12: Teller Spaghetti-Bolo. (Ja, Hartweizennudeln, aber ich habe beschlossen, dass wir die Tiefkühltruhe leermachen und abtauen müssen.)

Reflektion

Reflektion

Nach dem Sport ist vor dem Sport: Heute war mal wieder Rugby fürs Kind angesagt. Erstmals Turnier in der neuen Altersstufe. Es war nass. Und es war lehrreich. Das Kind hat sich anfangs sehr geärgert. Nicht zu unrecht, aber nur sich ärgern und Flunsch ziehen bringt halt nichts. Wir sprachen und ich bin froh, dass er es mittlerweile schafft, sich nicht reinzusteigern, sondern Situationen reflektiert und sie mehr und mehr kontruktiv angehen kann.

Auf dem Weg nach Hause mussten wir dann noch ein Situation reflektieren. Da hatte das Kind einen Bock geschossen und mir war es wichtig das zu klären. Während ich nach der Maxime lebe „Wer nachtragend ist, hat viel zu schleppen“, steigert sich das Kind in die kleinsten Nichtigkeiten rein und hat die Tendenz, „Rache üben zu wollen“. Damit kann ich nur sehr schwierig umgehen. Ich werde es vermutlich lernen müssen, weil es halt ein Charakterzug von ihm ist. Aber er muss – wie ich finde – auch lernen, seine „Rachegelüste“ besser zu kanalisieren.

Premiere

Premiere

Fußball ist nicht so meins. Ab und zu mal ein Länderspiel im Fernsehen, aber dieses Fansein rund um einzelne Mannschaften ist geht nicht an mich ran. Der RB behauptet, dass er St.-Pauli-Fan ist. Aber sein Fansein hält sich sehr im Rahmen: Er hat zwei Pauli-Tassen und ein paar T-Shirts, ansonsten taucht das Thema hier nicht auf. Er guckt auch keine Spiele im Fernsehen und reist der Mannschaft auch nicht hinterher. Joah, soll mir recht sein.

Mich zog es bislang in kein Stadion – außer zu Konzerten. Immer mal wieder dachte ich, dass ich als Wahl-Frankfurterin wenigstens einmal die SGE im Waldstadion gesehen haben muss und der FSV hat sein Stadion quasi direkt vor meiner Haustür. Aber es ergab sich bislang nicht.

Heute sollte es dann soweit sein. Der RB erzählte irgendwann, dass im Bornheimer Hang die SGE gegen Chemie Leipzig spielen würde. Ein Freundschaftsspiel. Also ein Spiel, bei dem es um nichts geht. (Spoiler: Doch um viel, aber halt nicht um Tore.) Und irgendwie gefiel mir der Gedanke und ich sagte, dass ich mitkommen wolle – inklusive Kind. Der RB wollte unbedingt im Chemie-Block stehen. Also auf keinen Fall sitzen und auch nicht bei den SGE-Fans stehen.

Tja, da standen wir dann heute auch. Mittendrin zwischen den Fans aus Leipzig. Und es war toll. Ich habe nicht ganz so viel vom Spiel mitbekommen, weil mich das Drumherum deutlich mehr in den Bann gezogen hat. Ich musste kurz das Kind mental einfangen, weil er anfangs etwas unlaunig war*. Außerdem kamen wir mit ein paar Chemie-Fans ins Gespräch und ich erfuhr einiges über deren Verein, deren Fans (durch und durch antifaschistisch) und über die nur 15-jährige Freundschaft der Eintracht- und Chemie-Fans.

Das hat mir durchaus gut gefallen. So lasse ich mir Fußball gerne nochmal gefallen.

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* Das Kind tut sich ja anfangs oft schwer, wenn er in unbekannten Menschenmengen ist. Dazu kamen noch viele unbekannte Eindrücke, Gerüche und Hunger. Aber ich kenne meinen Sohn, er muss manchmal zu seinem Glück gezwungen werden. Und entsprechend viel Spaß hatte er dann tatsächlich auch in der zweiten Halbzeit.