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Kategorie: KuKu

Kunst auf der Strecke

Kunst auf der Strecke

Lockdown, Tag 26

Es war klar, dass wir heute raus müssen. Viel zu lange haben wir uns schon nicht mehr wandernd durch die Gegend bewegt. Der Startpunkt sollte nicht zu weit weg sei. Der befand sich zwar jenseits der Stadtgrenzen, aber der größte Teil der Route war dann doch in Frankfurt – umfassenden AssimilierungsEingemeindungsaktionen sei dank.

Auf den ersten 500 Meter durften wir Kunst entlang des Erlenbachs in Massenheim betrachten:

Auch auf den restlichen 11,5 Kilometern orientierten wir uns mehr oder weniger dicht am Erlenbach:

Auch wemm das Kind auf den ersten zwei Kilometern etwas unwillig war, fand auch er die Tour am Ende schön. Es tat wirklich, wirklich gut. Das Wetter war super: blauer Himmel, frische Luft und sonnig. So waren die die – 4 °C nicht so spüren.

Zu Hause kümmerte sich derweil Kassiopeia um unser Abendessen: Grünkohl passte perfekt zu dem Wetter.

Die Kartoffeln (Drillinge) haben wir direkt im Grünkohl gegart. Das geht super und ist sehr lecker. (Und Notiz für mich: Es muss nicht immer frischer Grünkohl sein, TK-Grünkohl tut es sehr gut auch und ist einfacher zu verarbeiten.)

Bewegtbilder

Bewegtbilder

X-61 Tage bis zur zweiten Welle

Die Nächte sind zur Zeit (mal wieder) nicht gut. Zu spät ins Bett (wegen Blacklist), nicht zur Ruhe kommen wegen Keineahnung. Gut, heute Nacht beschäftigte mich die Absage der heutigen antirassistischen Demo in Hanau. Wie richtig (mit Blick auf die Pandemie) oder falsch (mit Blick auf den immensen Rechtsruck in Deutschland) ist es. Ich bin ambivalent mit Tendenz zu „falsch“.

Daher sage ich dem RB beim Wecken mit Tee, dass wir heute zu einer der Live-Übertragungs-Kundgebungen in Frankfurt gehen werden.

Wobei geweckt hat der RB mich ja nicht. Ich bin ja bereits seit 9h00 wach, weil das Kind Rugby von 10 bis 12h00 hat. Aber ich habe versucht, nochmal zu schlafen, nachdem das Kind aus dem Haus ist. Wenigstens habe ich dabei rausgefunden, dass Die Ärzte eine neue Single rausgebracht haben. Das musste der RB dann auch einmal laut „ertragen“.

Ich freue mich auf das Konzert – wann auch immer es stattfinden wird.

Das Kind kommt wieder, verschwindet mit Essen in seiner Höhle, der RB und ich machen eine Essensliste und dann müssen wir auch los.

#SayTheirNames

Die Redebeiträge zum Gedenken sind insgesamt wirklich gut. Ich empfehle, sich den Live-Stream (jetzt natürlich nicht mehr live) mal anzuschauen:

Danach bin ich eigentlich total k.o., aber der Einkauf muss noch gemacht werden. Dann „darf“ ich mich aber hinlegen, während sich der RB ums Essen kümmert. Das, also das Hinlegen, ist vermutlich nicht so schlau, aber fertig wie ich bin, muss es sein.

Solidarity

Solidarity

Sometimes antisocial, always antifascist! – Stage Bottles –

As many workers fight to make their stand
And behind them every honest working men
In unity with each other and your friend becomes your brother
And in the tyrants heart will be a lesson learned

Give them hope, give them strength, give them live
Like a candle burning in the black of night
We’re all with you in our hearts and in our minds
And we’ll pray for the workers through their darkest times

And I know your hearts are made of a further kind,
And a riot stick wont kill your piece of mind
You can fight with all the spirit that you posses
Because your fight’s a struggle that is blessed

Give them hope, give them strength, give them live
Like a candle burning in the black of night
We’re all with you in our hearts and in our minds
And we’ll pray for the workers through their darkest times

The tyrant has no smile upon his face
Cause he knows that in his mind he’s in disgrace
The religion of union will take their breath away
Our time will come and then we will have our day

Give them hope give them strength give them live
Like a candle burning in the black of night
We’re all with you in our hearts and in our minds
And we’ll pray for our nation through its darkest times

Give them hope, give them strength, give them live
Like a candle burning in the black of night
We’re all with you in our hearts and in our minds
And we’ll pray for the workers through their darkest times

Liebes Tagebuch am Fünften (Oktober 2019)

Liebes Tagebuch am Fünften (Oktober 2019)

Der Fünfte ist der Fünfte ist der Fünfte. Und egal, ob Werktag, Feiertag oder eben Wochenende – Frau Brüllen fragt: WMDEDGT?

1h00 ich verschwinde ins Bett. Der RB ist noch aufgekratzt wach, aber ich bin nach einem Tag zu Fuß durch Stuttgart k.o. Schlafe schnell ein und durch bis

9h45, als der Wecker klingelt. Semiversehentlich. Ich stelle den Wecker eine Stunde weiter und bleibe erstmal liegen. Allerdings fordert die Blase ihren Tribut. Danach lese ich etwas im Internet, bis um

10h45 der Wecker erneut klingelt. So spannend ist das alles nicht. Ich beschließe, dass der RB nun auch wach sein sollte und gehe zu ihm.

11h30 Der RB geht, um Heißgetränk zu bereiten. Bei Tee und Kaffee werden wir wach(er) und besprechen, was wir die nächsten Tage essen wollen. Dann gehe ich duschen.

12h55 Aufbruch zum Markt: Bank, Metzger, Drogeriemarkt, Gemüsestand, Supermarkt.

14h00 Wir sind wieder zu Hause. Ich helfe noch schnell beim Verräumen.

14h10 Ich breche auf, weil ich im Museum für Kommunikation mit Tweeps verabredet bin. Nach Kaffee und Kuchen vergnügen wir uns in der ständigen sowie aktuellen Sonderausstellung.

17h00 Wir verlassen das Museum und am Willy-Brandt-Platz trennen sich unsere Wege. Ich entscheide mich spontan dazu, noch ein Stück zu Fuß zu gehen. Die neuen Hochhäuser und die Innenstadt habe ich schon lange nicht mehr bei Tag gesehen.

Natürlich war es nur semischlau, abends um 17h30 über die Zeil zu laufen. Umgekehrt wäre es aber auch genauso albern, von der Hauptwache zur Konsti zu fahren, um dort in die Bahn nach Hause umzusteigen.

18h30 Endlich wieder zu Hause. Ich habe Hunger und mache mich ans Kochen.

20h30 Der RB geht „kurz“ einkaufen. Braucht allerdings für vier Artikel zwei Anläufe.

Als er wieder da ist, leiten wir den gemütlichen Teil des Abends:

Peaky Blinders, Guinness und passende Chips Crisps.

Schönes Restwochenende allerseits.

Banksy gesehen

Banksy gesehen

Sagen wir es mal so: Wenn die Gesellschaft stimmt, ist es mir auch egal, wo ich mich gerade aufhalte. Daher war es auch nicht schlimm, dass wir uns heute in Stuttgart getroffen haben. (Liebe Stuttgarterinnen, nicht böse sein, aber ich werde mit eurer Stadt nicht warm.) Es fing schon auf der Hinreise an, dass mein Zug ausfiel und im Ersatzzug die Reservierungen nicht mehr gültig waren. Gut, da kann Stutttgart nichts dafür. Dann waren im Zug ganz viel Menschen in Tracht. Und ich finde Tracht eh schon schlimm, aber wenn sich Norddeutsche Nicht-Bayerinnen in Dirndl und Lederhosen zwängen, ist das Grauen durchaus perfekt. Naja, bald ist Halloween. Dass ein Teil dieser Trachtenträgerinnen mit mir ausstieg, war dann auch nicht besser. Da war dann der Bahnhof, oder die Katastrophe, die Hauptbahnhof genannt wird. Die Innenstadt war proppevoll. Diese Stadt ist definitiv nicht für so viele Menschen ausgelegt. Wenigstens haben wir was Nettes fürs Mittagessen gefunden, aber ganz einfach war das auch nicht. Immerhin waren wir dann ausreichend gestärkt, um die Staatsgalerie leerzugucken. Also wenn die uns gelassen hätten und nicht bereits um 17h00 (an einem Freitag und zudem Brückentag) zumachen würden. Aber ein bisschen was haben wir gesehen:

Ich bin ja froh, dass wir direkt im richtigen Teil der Staatsgalerie gelandet sind, also Kunst ab 1800, und nicht bei den wirklich ollen Schinken.

Nachmittags im Museum

Nachmittags im Museum

Wenn eine das erste Mal in das neue Historische Museum geht, kann es vorkommen, dass sie ob der Architektur verwirrt ist. Es kann auch vorkommen, dass eine das Konzept nicht sofort versteht und sich wundert, wie vollgestopft das Museum ist. Doch wenn eine dann erstmal einen Plan gesehen hat und die Themen-Touren gefunden hat, macht das alles doch viel Sinn und ist durchaus spannend.

Nachdem das Kind gestern den ganzen Tag an diversen Bildschirmen sich von seinen Kieferschmerzen ablenken durfte, war klar, dass wir heute raus mussten. Und so hatte er die Wahl zwischen dem Frankfurter Verkehrsmuseum, der Anne-Frank-Stiftung und dem Historischen Museum. Er entschied sich für letzteres. Und dafür, dass er erst keinen Bock hatte, finde ich vier Stunden im Museum durchaus ordentlich. Aber – und das mag ich wirklich sehr an den Frankfurter Museen – es gab viel für Kinder zu entdecken und auszuprobieren. Wir fingen im Jungen* Museum an. Und natürlich war es ein gutes Zugpferd, dass er mit einem Tablet durch die Ausstellung „Dafür? Dagegen!“ musste, um sie zu verstehen. Allerdings war das auch vergessen, als wir mittels Brettspiel die Kämpfe um die Startbahn West (1980) etwas nachvollzogen. Ziviler Ungehorsam. Sehr wichtig.

Als er da erstmal mit Informationen voll war, legten wir eine Kaffee-Schokoladen-Kuchen-Pause ein. Eine nette ältere Dame freute sich über das Kind im Museum und beglückwünschte ihn zu seinem Interesse. Tja, da konnte er auch nicht mehr rummoppern, wie doof es doch immer ist, wenn Muddi ihn zu seinem Glück zwingt.

Gestärkt gingen wir dann in den Nordbau und ich folgte der Themen-Tour „33 – 45: Frankfurt und der Nationalsozialismus“. Das Kind war mal mehr, mal weniger bei mir, ich konnte aber dem Weg vollständig folgen und dem Kind auch immer wieder ein paar wichtige Aspekte vermitteln. (Das Thema muss und sollte ja durchaus in „passenden“ Häppchen behandelt und erörtert werden.)

Unterm Dach-juchee war beim Kind die Luft raus, sodass er sich gar nicht mehr für das tolle Frankfurt-Modell begeistern und auch nichts mit der Sonderausstellung zu den Frankfurter Ernst-May-Siedlungen angfangen konnte.

 

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* Jungen von jung

** Der eigentliche Namespate ist zwar nicht so dramatisch, aber es böte sich dennoch an.

*** Passend zur Fachnummer gibt es ein historisches Fakt zu Frankfurt

Geht immer

Geht immer

Es ist und bleibt mein liebstes Frankfurter Museum: das Museum für Kommunikation.

Heute spontan hin und in der neuen Sonderausstellung, Neues und Spannendes über e-Mobilität gelernt:

Dann das Kind eine Stunde in der Werkstatt abgegeben und bevor wir wieder nach Hause radelten, noch gestärkt.

Wohin?

Wohin?

Eigentlich bin ich ja mit einem recht unerschütterlichen Optimismus gesegnet. Irgendwie wird (und wurde bislang) alles schon gut. Irgendwann. Aber heute hat es mir ein bisschen den Boden unter den Füßen weggerissen.

Obwohl ich noch sehr optimistisch aufgewacht war, denn


hatte es mir dann doch erstmal die Laune verhagelt. Neben organisationsbedingter schlechter Laune scheint es da was zu geben, das wohl nicht wieder gut wird. Es wurde dann aber bei mir nach Tee und Dusche besser und war wieder bestens, als ich mit dem RB auf dem Weg ins Museum war. Die aktuelle Austellung des Museums für angewandte Kunst „Moderne am Main“ wollte schon länger von uns besucht werden (und sie läuft nur noch bis zum 14.4.).

Sehr interessante Ausstellung. Wer noch kann, sollte sie besuchen.

Unser Kultur-Date rundeten wir mir einem kleinen Snack in meinem liebsten Innenstadtcafé, dem Naschmarkt, ab. Dann musste der RB in den Laden und ich dringend arbeiten. Als ich wieder am EssSchreibArbeitstisch saß, gab es ein bisschen dies und das. Die Kundin war nicht ganz zufrieden, aber gut. Dafür war es an anderer Stelle erfreulicher. Parallel schrieb ich mit meiner Mutter und da musste ich schon sehr schlucken. Meinem Vater geht es echt schlecht. Auf der einen Seite bräuchte er wohl Ruhe, aber auf der anderen Seite muss er therapeutisch am Ball bleiben. Ihm fehlen Kraft und Antrieb. Und gerade letzteres macht mir große Sorgen.

Später dann kam das Abstimmungsergebnis des Europäischen Parlaments zum Urheberrecht.

Und ich frage mich (nicht nur) seitdem: Wohin wird das alles noch führen? Es ist so viel passiert, beschlossen worden in den letzten wenigen Jahren, das in die allgemeine Freiheit eingreift. Nein, die wenigsten von uns, also aus meinem direkten Umfeld, sind unmittelbar davon betroffen oder spüren es. Aber es ist da. Vorneweg krakelen die Blaubraunen und hintenrum beschließt unsere (haha, meine ist das nicht) Regierung genau das, was die Blaubraunen krakelt haben. Nur, dass die nun den nächsten Schritt nach recht gegangen sind.

Ich habe noch nie damit gehadert, ein Kind in die(se) Welt gesetzt zu haben. Aber gerade frage ich mich, ob das so sinnig war. Was hinterlasse ich ihm? Wie wird er leben? Noch geht es ihm und uns gut. Gefühlt seht ihm noch alles offen. So wie mir – damals in den 1980ern und 1990ern. Im 29. Jahr nach der Wende frage ich mich allerdings: Wo stehen wir, also die Gesellschaft? Sind wir wirklich 29 Jahre weiter? Oder haben wir uns seitdem kontinuierlich zurückentwickelt? Mir fehlt der Zukunftswille, ach, allein schon ein leises Blinzeln in die Zukunft von unserer Politik. Ich sehe kein Gestalten mehr, kein „wir wollen eine bessere, gerechtere Gesellschaft“. Es wirkt alles zu machtgierig und machterhaltend, rückwärtsgewandt.

Ich würde die Gedanken gerne abschütteln, aber es geht nicht. Denn es kommt immer mehr dazu. Dieser massive Rechtsruck macht mir Angst und ich habe noch mehr Angst, dass viele es unter „DAS wird uns nicht wieder passieren“ abtun. Es war toll, dass am Wochenende 10.000 für #FrankfurtGegen13 demonstriert haben, aber es ist erschreckend, dass bei der Demo #GegenDenRechtsruck maximal nur ein Viertel dabei waren. So ändert sich nichts.

Es wird nur noch schlimmer, während wir uns gleichzeitig schleichend immer mehr daran gewöhnen.

An rechte Parolen.
An Freiheitseinschränkungen.
An ertrinkende Menschen im Mittelmeer.
An die zu wenigen Insekten und zu heiße Sommer.

Daran, dass unsere Stimme(n) nicht interessieren.

Einfach ja sagen

Einfach ja sagen

Manchmal ist es ja ganz gut, einfach mal ja zu sagen. Einfach darauf zu vertrauen, dass einer ein anderer Mensch nichts Böses will, wenn sie eine Unternehmung vorschlägt.

So war es, als Silke Herrn Walthers und meine Post-Richard-III.-Euphorie ausnutzte und uns direkt zum nächsten Kulturabend „verdonnerte“. Ich guckte nämlich nur aufs Datum und sagte zu. Später klärte ich dann noch mit dem RB, ob er den midi-monsieur ins Bett bringen könne an dem Abend und das war es dann auch schon. Ich kümmerte mich Nullkommanichts darum, was genau uns nun an dem Abend erwarten würde. Ich hatte noch nicht einmal registriert, dass es eine Lesung sein würde. Aber gut, nach bereits zwei*, naja drei** Lesungen, ist mir nun auch dieses Format geläufig.

Gelesen hat Ferdinand von Schirach, den ich Banausin ja bis heute auch nicht kannte. Wobei er nicht nur aus seinem Buch „Strafe“ vorgelesen hat, sondern auch über den Prozess gegen Sokrates (ja, der olle Philosph aus der Antike) referierte.

Er sieht etwas erleuchtet aus 😉

Das Publikum war sehr aufmerksam und sehr still, sodass ich mir etwas „laut“ vorkam, als ich spontan applaudieren musste, als von Schirach sinngemäß sagte: „Es ist ja schon gut, dass sich der Staat nicht in die Kirche einmischt.*** Aber noch besser wäre es, wenn sich die Kirche nicht auch in den Staat einmischen würde.“ Danach war ich dann aber auch still und lachte auch nur in mich hinein, als das Pärchen vor Herrn Walther total kinoesk die Köpfe zum Knutschen Kuscheln zusammensteckte.****

Da ich nichts wusste, habe ich nichts erwartet und so war es einfach toll: die erzählten bzw. vorgelesenen Geschichten, die Stimme, die Atmosphäre, die Begleitung (nagut, die kannte ich ja vorher, da konnte nichts schief gehen).

Doch, es lohnt sich durchaus, einfach mal ja zu sagen und Dinge zu machen, die eine sich selbst eher nicht rausgesucht hätte.

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* Sarah Kuttner und Mama Schulze

** Ich weiß immer noch nicht, ob ich die Titanic-Lesung werten soll. Wobei wir ja eigentlich wegen Andrea Diener da waren.

*** Stimmt auch nur bedingt. Aber der staatliche Einfluss auf die Kirche ist sicherlich deutlich unbedeutender, als die umgekehrte Einmischung.

**** Das muss eine Frankfurter Mode sein: Bei Richard III. hatte ich ein Pärchen im Blickfeld, das mitten im Stück tatsächlich knutschte und sie sich auf seinem Schoß räkelte. Ähmja… Ich werde alt und verständnislos.

Wildes Herz

Wildes Herz

Etwas verantwortungslos kam ich mir ja schon vor. Und auch der RB hatte zwischenzeitlich – zumindest beim Essen – Bedenken, ob das wirklich so eine gute Idee war, dass wir alle, also der midi-monsieur, der RB und ich, zusammen ins Kino gehen und zwar in einen Film, den vor allem der RB gucken wollte. Gut, er hätte auch allein gehen können. Aber da wir ja total aneinander kleben und NIIIICHTS mehr getrennt machen können ich fand den Film auch interessant. Doch er läuft nur* diese Woche im Mal-Seh’n-Kino, einem winzig kleinen, total schnuckeligen und tollem Programmkino, das ich bislang noch gar nicht kannte.

Etwas problematisch neben dem Film selbst war, dass er nur um 20h00 läuft. Das ist eigentlich etwas spät für das Kind, aber die Babysitterin war erst am Sonntag da und am Freitag und am Samstag muss er wieder von ihr betreut werden**. Und so beschlossen der RB und ich, dass wir zusammen reingehen: Der RB befand es inhaltlich für tragbar und ich hinsichtlich des Aufbleibens.

Nach einem etwas anstrengendem Essen zu dritt in einem meiner Lieblingscafés gab es auch kurz nach Beginn von „Wildes Herz“ einen Durchhänger beim midi-monsieur, den ich etwas unpädagogisch mit „Ich gehe auch mit Dir in Filme, die ich nicht gut finde“ im Keim erstickte. Nunja, was soll ich sagen?! Es hat gewirkt und das Kind hat sich dann auf den Film eingelassen: Feine Sahne Fischfilet hat nicht nur einen neuen Fan, sondern das Kind hat ein Ziel für die Pubertät:

Ich bin etwas hin- und hergerissen: Monchi als Vorbild zu haben – zumindest so aus politischer Sicht und hinsichtlich seiner Einstellung – ist sicherlich nicht verkehrt, aber vielleicht können wir, respektive der midi-monsieur, ja doch irgendwie die Pubertät anders gestalten.

Auf jeden Fall fanden wir drei den Film sehr gut:

Und ich verbuche das mal auch unter „politischer Bildung“ fürs Kind*** und fühle mich nicht mehr veranwortungslos.

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* Zumindest sieht es derzeit danach aus.

** Außerdem hatte er Rugby-Training und ihn nach Hause zu bringen und dann ins Kino zu hetzen, wäre auch blöd gewesen.

*** Vielleicht wirkt das ja so auf ihn, wie auf mich die versehentlich mit 11 gegessenen Sp**e-Co*kies und das mit 13 gelesene „Wir Kinder von Bahnhof Zoo“ – halt auf politischer Ebene.