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Monat: Februar 2020

Bonustag

Bonustag

Ob diese Jahr wirklich einen Extratag braucht, wird sich noch zeigen. Überzeugt bin ich nach den ersten beiden Monaten nicht. Mal sehen, wie das alles noch weitergeht.

Vermutlich war es daher keine so schlechte Idee erstmal bis 12h00 im Bett zu bleiben, den Wochen- und NICHT Hamstereinkauf (Markt, Drogerie, Supermarkt) zu erledigen, mich mit dem Kind heftig zu fetzen, um dann doch zu dritt zur Eröffnug von 57Nord zu fahren: Der RB wollte nach nur kurzer Zeit weiter und das Kind wollte zum Schluss nicht mehr weg…

Seifenersatz

Seifenersatz

Auch wenn die Kinder, die sich für meine AG angemeldet haben, die ganze Zeit auf den großen Knall warten, nehme ich meinen Bildungsauftrag durchaus ernst. Also meinen selbstauferlegten – recht weit gefassten – naturwissenschaftlichen Bildungsauftrag. Und da kann eine, also ich, ja auch mal aktuelle Themen aufgreifen.

Ich fragte die Jungs (es sind keine Mädchen dazu gekommen… schade) also erstmal, was sie denn so in der letzten Woche so beschäftigt hat. Viele riefen „Corona“. Einer meldete sich und sagte etwas leise: „Hanau.“ Ich sah ihn an: „Ja, darüber zu sprechen wäre auch sehr wichtig. Aber das passt hier in die NaWi-AG leider nicht so rein.“ (Ich denke immer wieder, dass dieser Schule auch eine Politik-AG gut täte. Aber verpflichtend für alle…)

Wir sprachen also über Corona. Und natürlich ist es etwas schwierig, mit einer Gruppe Halbstarker über ein etwas ernsteres Thema zu sprechen. Aber ich bekam sie über den Punkt, dass ältere Menschen besonders gefährdet sind und verwies sie auf ihr Oma und Opa, die sie ja wohl kaum in Gefahr bringen wollen. Das zog verhältnismäßig gut. Einer traute sich dann auch zu erwähnen, dass die Schwester Asthma hätte und ja wohl auch besonders gefährdet sein. Genau und all diese Menschen und natürlich auch sich selbst gilt es zu schützen. Doch wie macht eine das am besten?

Den Mundschutz redete ich ihnen schnell aus, bekam aber schnell die Kurve auf Hygiene. Ich war durchaus froh, dass ihnen Händewaschen einfiel. Denn darauf wollte ich hinaus: Meine Idee war, mit den Kindern Händewaschen zu üben. Und zwar so, dass sie auch was sehen. Es gibt Desinfektionsmittel, die unter UV-Licht leuchten. Allerdings ist das Zeug sehr teuer (und zur Zeit schwer zu bekommen) und braucht zudem eine spezielle UV-Wellenlänge. Aber irgendwas mit UV wäre natürlich sehr wirkungsvoll. Ich recherchierte und tadaaa: Es gibt diverse UV-Farben, die mit einfachen UV-Taschenlampen leuchten.

Aufgabe 1: Zeit abschätzen. Ich gab den Startschuss und dann sollten die Kinde die Hand heben, wann ihrem Empfinden nach 30 Sekunden rum waren. Nach 15 Sekunden gingen die ersten Hände hoch, nach 25 Minuten waren alle oben. Ja, 30 Sekunden sind länger als eine denkt.

Aufgabe 2: Die Kids zogen Einmalhandschuhe an und dann gab ich jedem einen kleinen Klecks UV-Farbe in die Hand. Dann sollten sie sich die Hand waschen – quasi. Also die „Seife“ so verreiben, wie sie es halt tun würden. Dann ließ ich die Jalousien runter und ging mit der UV-Lampe rum. Die Farbe leuchtete gut und wir konnten deutlich sehen, wo die Seife Farbe hingekommen war und wo nicht.

Upsi.

Dann erklärte ich ihnen, wie Hände richtig gewaschen werden. Lars macht das im Video auch ganz gut 😉

Aufgabe 3: Nochmal Hände „waschen“ mit einem neuen Klecks Farbe und der Ansage, dass 20-30 Sekunden etwas so lang sind wie zweimal „Happy Birthday“ singen, was zu einer kleinen Kakophonie führte. Dann ging ich wieder mit der UV-Lampe rum und siehe da: Die Farbe war deutlich gründlicher verteilt als beim ersten Versuch.

Dann sprachen wir noch kurz darüber, warum es noch keinen Impfstoff gegen Corona gibt: Es liegt weniger an der Forschung, denn an der klinischen Prüfung. Und für zu Hause gab ich ihnen noch ausgewähltes Infomaterial mit.

Ich hoffe, sie haben wirklich was mitgenommen.

Vorbeugen ist besser als auf die Füße zu kotzen

Vorbeugen ist besser als auf die Füße zu kotzen

Ich bleibe dabei:

Ich habe mehr Angst vor den Nazis in diesem Land als vor COVID-19.

Die Angst vor Krankheit finde ich eh recht rational, denn entweder kann ich nichts dran ändern oder ich konnte präventiv was machen. Zum Beispiel Impfung, gesund leben, auf Hüschjene Hygiene achten. Und wenn das nicht greift, kann ich halt nichts daran ändern. (Was nicht heißt, dass ich bei schlimmer Männergrippe Erkältung nicht auch hervorragend leiden kann.)

Apropos Hygiene und Corona: Wascht euch die Hände. Gründlich! Und desinfiziert sie gelegentlich. DAS ist nämlich eine der wirksamsten Optionen gegen viel Infektionen – nicht nur Corona.

Bleibt fit!

Seuchenschleudern

Seuchenschleudern

Diese ICE-Klimaanlagen sind des Teufels. Genau genommen Seuchenschleudern. Auf jeden Fall bin ich angeschlagen und habe den ganzen Tag im Bett bzw. auf dem Sofa gelegen, gestrickt und genetflixt. Blöderweise zu wenig getrunken.

Die nächsten Tage bleibe ich zu Hause. Wer weiß, was ich mir sonst in der S-Bahn einfangen…

Berlin-Bilanz

Berlin-Bilanz

Wir waren zu kurz da. Berlin ist zu groß für 72 Stunden.

Der Zug auf der Hinfahrt fiel zwar aus, aber da gefühlt im 15-Minuten-Takt irgendein Zaug von Frankfurt nach Berlin fährt, war das nicht weiter schlimm. Einfach Reservierung via App ändern und in den nächsten Zug einsteigen. Und die Rückfahrt war völlig unspektakulär.

Wir haben gar nicht mal sooo viele Sehenswürdigkeiten gesehen.

Dafür aber viele Menschen: 2 Frühstücksdates, 3 Nachmittagsdates, 1 Abenddate und heute noch kurz ein Quasi-Kollegen vom RB kurz von der Arbeit abgehalten. Es war schön, diese Menschen erstmals zu sehen (ein bisschen kennt eine sich ja schon via Twitter) oder auch endlich mal wiederzusehen. Danke, C., R., B., C., G., S., SPML, T.

Wir sind einmal ziemlich nass geworden.

Nur Rock tragen ist eigentlich ganz cool. Insbesondere weil mit den Snagtights auch da sitzt, wo ein Strumpfhose sitzen sollte.

Berlin ist ganz schön clean geworden. Mir fehlt ein wenig Patina und Ranzigkeit. Fast hatte ich ein schlechtes Gewissen, ein paar Aufkleber zu verteilen.

Es war sehr schlau, die bvg-Apps auf dem Handy zu haben. Das hat vieles erleichtert.

ÖPNV-Fahren ist in Berlin wie in Frankfurt (bzw. im rmv-Gebiet). Und ja, der 120er fährt nicht nur als Doppeldecker 😉

Kind und Berlin passt so gut zusammen wie jede Großstadt und Kind. Es hängt halt vom Kind ab. Und der midi-monsieur mag Stadt.

Ich habe zwei #NazisRaus-Bestellungen persönlich abgegeben. <3

Irgendwann schaffe ich es auch mal aufs Tempelhofer Feld.

Auf dem Alex waren wir jetzt auch mal. Einmal reicht auch.* Die Aussicht vom „unserem“ Maintower finde ich spannender.

Das nächste Mal wäre ich dafür zu haben, mich mehr im Osten aufzuhalten und auch mehr zur Teilungsgeschichte zu begucken.

Aber Berlin, bis wir (oder ich) wiederkommen, hörste mal auf, Dich zu zu prosti gentrifizieren.

Und natürlich ein fettes Dankeschön an die temporäre Mitbewohnerin, die uns ihre Wohnung für die drei Nächte überlassen hat.

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* Übrigens: Es gibt auch Kassenautomaten VOR der Halle, dann muss eine drinnen nicht so blöd anstehen. Da gibt es zusätzlich zur Kasse aber auch Automaten.

 

Sonntags in Berlin

Sonntags in Berlin

Regen, Regen, Regen. Scott fand es doof, weil er den ganzen Tag im Rucksack war und nix von Berlin gesehen hat. Da hätte er auch bei Emmy bleiben können.

Wehret den Anfängen

Wehret den Anfängen

Ich glaube, dass wir den Anfängen in dem Sinne nicht mehr wehren können. Es hat sich schon viel zu viel Bahn gebrochen. Ich glaube nicht, dass wir hinsichtlich dem Rechtsruck in Deutschland noch irgendwo am Anfang stehen. Wir sind mitten drin.

Und ich glaube, dass wir uns zu lange in einer falschen Sicherheit gewiegt haben. Nur weil etwas nicht präsent ist, ist es nicht weg. Und der Rassismus und das faschistische Gedankengut war nie, nie nie weg.

Das Lernen und Lehren aus der Geschichte wird vielerorts verpasst bzw. sträflich vernachlässigt. Es gibt ein Geschichtsvakuum, das nach der letzten Lichterkette für Lichtenhagen begann und viele glauben wollten, dass damit nun wirklich der letzte (Neo-)Nazi verstanden hatte, dass sie weder erwünscht waren, noch Recht hatten.

Hahahaha. Und dann kam der NSU, der Mord an Lübcke, die Attentate in München, Halle und Hanau…

Ich rede mit dem Kind schon lange offen – und natürlich so kindgerecht wie möglich – immer wieder über die Nazizeit und den Holocaust. Ich kann und will ihn da nicht mit „Das verstehst du noch nicht“ abspeisen. Denn Kinder verstehen das sehr wohl. Nur wenn wir früh genug damit anfangen, den Kindern zu erklären, was damals passiert, geben wir ihnen die Chance aus der – zum Glück – nicht selbst erlebten Geschichte zu lernen. Bis sie es im Geschichtsunterricht gelehrt bekommen, ist es zu spät.

Und deswegen kommt das Kind natürlich mit, wenn wir uns entsprechende Mahn- bzw. Denkmäler ansehen.

Am „Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas“ wurde das Kind sehr still.

Er weiß jetzt, was eine Zwangssterilisation ist, was die Nürnberger Rassegesetze waren und dass 500.000 Menschen so viele sind wie in Frankfurt gewohnt haben, als ich vor 15 Jahren dahin gezogen bin.

Und jede, die meint, sie könne es ihrem Kind nicht begreiflich machen: Das können wir alle nicht, weil es unbegreiflich ist.

Aber wir können darüber reden, weil das Kind fragt, was ein Stolperstein ist. Wir können zusammen „Der Krieg und ich“ gucken. Das Tagebuch von Anne Frank ist ein Einstieg ins Thema (als Original oder Comic).

Je nach Alter gibt es viele Möglichkeiten, aber bitte, schiebt das Thema nicht auf später.

Denn was ich sehe, wenn ich mit dem Kind über die Naziverbrechen spreche, dass das dieses „wehret den Anfängen“ ist.

Fünfzehn

Fünfzehn

Rund 15 Kilometer Luftlinie liegen zwischen unserer Wohung und den Tatorten in Hanau, an denen gestern ein Nazi zehn Menschen umgebracht hat.

Der Naziterror wird mehr und kommt näher.

Und machen wir uns nichts vor: Die neun Rassismus-Opfer von Hanau werden nichts am Rechtsruck ändern. Der Mord an Lübcke hat schon nichts in Bewegung gesetzt und auch der Anschlag von Halle ist bereits in Vergessenheit geraten.