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Kategorie: Beobachtungen

Hadern

Hadern

Lockdown, Tag 24

Puh, ich hadere. Ich hadere mit meinem Muttersein. Ich finde mich gerade so furchtbar schlecht als Mutter: Das Kind und ich leben nebeneinander her. Ich schaffe es zunehmend weniger, mir Zeit für ihn zu nehmen. Ich reagiere so ungehalten, wenn er mich bei der Arbeit unterbricht. Ich reagiere aber auch nach der Abend ungehalten – wenn er den Abend mal wieder verlängert, während ich Feierabend haben will. Während ich mit dem RB einfach auf dem Sofa abhängen will bzw. ich einfach allein sein will.

Ich merke, wie sehr es mir fehlt, dass das Kind seit einem Jahr nicht mehr beim Kv war. Wie sehr mir diese Auszeiten vom Muttersein fehlen. Wie sehr mir aber auch das Alleinsein fehlt. Nein, ich möchte den RB nicht missen, aber ich hätte gerne mal wieder einszweidrei Tage nur für mich. Gerne in der Wohnung. Auch mit Arbeit. Tage, an denen ich ausschließlich in meinen Rhythmus leben und arbeiten kann. Dinge abarbeiten und dann zufrieden mit meinem Tagewerk rausgehen, was für mich tun, mit mir alleine sein. Ich bin nicht dafür geschaffen, dass ständig jemand um mich rum ist.

Ich bin so auch nicht sozialisiert worden: Klar haben sich meine Eltern immer gekümmert und ich habe ja auch Brüder, die „immer“ da waren. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir ständig aufeinander geklebt haben bzw. kleben mussten (und auch nicht konnten). Genauer betrachtet: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich ständig an wem geklebt habe. Ich habe „schon immer“ mein Ding gemacht und ich hatte da auch viele Freiheiten. Nein, ich war als Kind und Teenie alles andere als Einzelgängerin. Aber ich durfte sehr selbstbestimmt meine Freizeit gestalten.

Nein, das Kind klebt nicht an mir. Meistens zumindest nicht. Also so lange nicht wie er mindestens eines seiner Devices hat. Sobald er sich selbst beschäftigen muss, hat er keine Geduld, keine Muße, keine Idee und er braucht Anleitung und Bestätigung. Er braucht dann Nähe. Wir sind an diesen Punkten so unterschiedlich, dass es sich fremd anfühlt.

Durch die Pandemie und dass dadurch die Freizeitgestaltung vom Kind nicht mehr so ist wie er es braucht und gewohnt ist, driften wir mit unseren Bedürfnissen noch weiter auseinander. Und je mehr mir nach Alleinsein ist, desto mehr sucht er Nähe. Und je mehr er Nähe sucht, desto mehr ist mir nach Alleinsein.

Und dann reagiere ich genervt. Genervt, weil ich ihm nicht geben kann, was er braucht. Genervt, weil meine Idee von Muttersein eine so andere ist, als nötig wäre. Genervt, weil ich damit so schlecht umgehen kann, dass das Kind so anders ist als ich es bin. Genervt, weil ich es nicht schaffe, über meinen Schatten zu springen und auch mal Dinge zu machen, die ich doof finde oder in denen ich keinen Sinn sehe. Genervt, weil ich keine Spielemama bin.

Wir haben natürlich auch gute Momente miteinander. Momente, in denen wir uns nah sind. Wir reden oder auch Dinge machen.

Aber ich bin mir sicher, dass er retrospektiv sagen wird, dass ich zu wenig für ihn da war, zu viel geschimpft habe, zu viel wollte, dass er funktionierte. Und das tut mir regelmäßig abends leid und ich nehme mir vor, am nächsten Tag mehr auf ihn einzugehen. Ihm definitiv Exklusiv-Zeit einzuräumen. Und dann scheitere ich wieder … an mir selbst.

Halber Tritt

Halber Tritt

Lockdown, Tag 20

Uarg, bin ich gerädert. Die Gurkerei gestern war durchaus anstrengend, obwohl der RB wenigstens die Rückfahrt bestritten hat.

Gut, dass diese Woche smooth anfängt. Ich musste noch Urlaub aus 2020 abbauen und habe 4 halbe Tage auf Montag bis Donnerstag gelegt. Freitag ist ja frei (mal sehen ob wirklich). So fange ich die Tage erst um 11h00 an und kann gegen 15h30 den Rechner zuklappen.

Ich komme heute aber nicht in den Tritt. Es wäre schon gut gewesen, wenn ich meiner Mutter vor und/oder über Weihnachten beim Packen geholfen hätte und halt nicht auf dem letzten Drücker. Das Wochenende fehlt mir tatsächlich zum Urlaubsabschluss. Außerdem müsste ich mich dann nicht um die Entrümpelung parallel zum Arbeiten kümmern.

Nun denn, es ist wie es ist.

Kein Allheilmittel

Kein Allheilmittel

#ClosedAdvent (19) // Lockdown, Tag 4

Ja, die Pandemie und all die Einschränkungen zehren auch an mir. Zumindest dachte ich das. Aber wenn ich sehe, wie es mir seit Freitag, also Urlaubsanfang, geht, war ich nicht pandemüde, sondern einfach nur urlaubsreif. Sicherlich hat die Pandemie einen leicht (!) verstärkenden Effkt auf die Urlaubsreife, aber ich erwähnte es schon mehrmals: So richtig tangiert mich die Pandemie nicht. (Ich habe letztens den obligatorischen Jahresend-Fragebogen angefangen und so wirklich schlecht schneidet das Jahr nicht ab.) Und in meiner Freiheit fühle ich mich schon mal gar nicht eingeschränkt.

Ehrlicherweise finde ich es auch ein bisschen spannend, diese Zeiten miterleben zu dürfen. Es ist Wahnsinn, was wissenschaftlich binnen eines Jahres passiert ist. Wie schnell Forschung geht (gehen kann). Wie gut eine sehen kann, dass Forschung letztlich immer was mit dem Gemeinwohl zu tun hat. Ja, auch wenn Resultate der Forschung monetarisiert werden. Forschung kostet nun mal Geld und wir leben im Kapitalismus. Deal with it.

Wer halbwegs unaufgeregt und interessiert die Berichte aus der Forschung verfolgt hat, wird auch gelernt haben: Forschung lernt immer dazu. Gute Forschung ist bereit Fehler einzugestehen. Forschung baut aufeinander auf. Nicht allzu selten entdecken zwei Forschungsgruppen Ähnliches oder gar Dasselbe.

Es ist faszinierend, wie viel wir alle in nur einem Jahr über das Virus lernen konnten. Und wir werden noch viel lernen (müssen). Die Impfung ist nicht das Ende der Fahnenstange.

Ja, es ist gut, dass wir mittleweile Impfstoffe haben. Impfen ist wichtig und hilft. Die Impfung wird einer persönlich viel bringen. Keine Frage. Aber Impfen ist kein Allheilmittel. Neben einer ausreichenden Durchimpfung – Stichwort Herdenimmunität – brauchen wir dennoch Medikamente. Denn es wird noch lange Covid-19-Erkrankungen geben. Außerdem wird es einfach noch sehr lange dauern, bis wir – theoretisch – eine ausreichende Durchimpfung erreicht haben werden. Praktisch wird es vermutlich noch viel länger dauern, falls wirklich jemals erreicht. Denn dafü gibt es zu viele Impfgegnerinnen, Impfkritische und Corona-Leugnerinnen. Menschen, die nicht nicht geimpft werden KÖNNEN, werden noch eine ganz lange Zeit ungeschützt sein.

Ich finde dieses Gegeiere auf die Impfungen sehr schwierig. Was verspricht sich eine davon? Dass sie ihr „normales“, Vor-SARS-CoV-2-Leben zurückhaben wird?! Auch mit Impfung wird das Leben nicht wieder das sein, dass es vor der Pandemie war (s. vorheriger Absatz), denn wir werden das SARS-CoV-2 nicht ausrotten wie z.B. Polio.

Ich denke an meinen Vater, der vermutlich zur 1. oder 2. Impfgruppe gemäß BMG gehören wird*. Doch werden wir ihn weiterhin nicht einfach besuchen können, sobald er geimpft ist. Denn zum einen wissen wir ja nicht, ob er wirklich Immunität gegen das Virus aufbaut. Zum anderen – gehen wir von Immunität aus – ist die Impfung keine Garantie für Nicht-Erkranken, sondern für einen milderen Verlauf. Das Problem ist aber, dass mein Vater mit seinen Grunderkrankungen auch einen milden Verlauf tendenziell nicht überstehen wird. Für mich bedeutet das,  dass ich mich (bzw. wir uns) vor jedem Besuch bei meinen Eltern testen lassen werde. Die Schnelltests werden es möglich machen.

Ich weiß nicht, ob es ein Zurück zur Vor-Pandemie-Normalität geben wird. Daher bin ich mir auch ziemlich sicher, dass es nicht so hilfreich ist, dieser Normalität nachzutrauern. Und panisch in die Zukunft gucken. Wir müssen mit der Situation leben, so wie sie ist. Mit allen Unsicherheiten. Und wir werden bei jedem Schritt, den die Forschung macht, neu denken oder zumindest nachjustieren müssen.

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* Und ich hoffe sehr, dass meine Mutter ihn impfen lassen wird. Ich bin mir sicher, er würde es wollen.

Falsch-Geld

Falsch-Geld

#ClosedAdvent (18) // Lockdown, Tag 3

Ausschlafen ist nicht so wirklich. Schließlich kommt die Putzhilfe heute. Der RB und ich räumen zusammen auf. Dann fährt er los Getränke kaufen. Das Kind hat Aufgaben in Moodle gefunden. Es ist etwas skurril, denn ich habe ja ab heute frei. Und ich kann tatsächlich frei machen*.

Während die Putzhilfe werkelt, gehe ich raus. Ich muss noch was beim Dorf-Buchhandel abholen. Vorher muss ich allerdings zur Bank, da der Dorfbuchhandel bei Abholung nur Bargeld nimmt. Nein, ich rege mich darüber nicht auf. Es ist einfach so. Also zur Bank, um Bargeld zu holen. Es gibt zwei Schlangen an der Tür, eine rechts für die IN-der-Bank-Kundinnen, links für die Automaten im Vorraum. Ich reihe mich in die Automatenschlange ein. Gerade wird ein Automat repariert, es sind drei Techniker im Raum. Plus dem Sicherheitsheizel. So können nicht so viele an die Automaten: immer nur zwei (und selbst das ist ja in dem unbelüfteten Raum etwas grenzwertig). Eine ältere Frau kommt dazu: „Stehen Sie alle für die Automaten an?“ „Nein, die rechte Schlange ist für in die Bank. Ich bin das Ende der Automatenschlange“, sage ich. Sie guckt unwirsch und stellt sich … neben mich. Eine Person kommt raus. Die Person vor mir in der Schlage geht rein. Die Frau neben mir hampelt rum: „Aber können da nicht mehr rein?“ „Da wird doch gerade an dem einen Automaten gearbeitet. Und der Sicherheitsmann ist auch drin. Dazu zwei Kundinnen. Das sind 6 Personen. Wollen Sie da wirklich noch mit rein?“ „Aber es dauert so lange.“ „Ja, aber das Gras wächst auch nicht schneller, wenn Sie daran ziehen.“ Sie hampelt weiter neben mir und somit vor der Tür rum. „Es wäre gut, wenn Sie sich hinter mich stellen, damit Sie nicht direkt vor der Tür stehen. Die Leute müssen ja irgendwie rauskommen.“ „Hören Sie auf mir Anweisungen zu geben“, zischt sie mich an. Ich atme und bin kurz davor, sie vorzulassen. Einfach um sie dumm dastehen zu lassen. Aber dann sehe ich, dass sie einen Stapel Überweisungen in der Hand hält. Da kommt endlich wieder wer raus und ich kann rein. Ich bin so schnell, dass die hampelnde Frau nach mir dran ist. Sie steht nun direkt vor der Tür. Ich mache die Tür auf und gucke sie an. Sie guckt mich an und merkt schon, dass sie nicht an mir vorbei kommt. Ich gucke sie intensiver an. „Sie müssen schon den Platz VOR der Tür frei machen, damit ich rauskann.“ Nur widerwillig tritt sie beiseite.

Menschen.

Beim Buchhandel geht es schnell. Dann hüpfe ich noch kurz in den dm. Das ist auch nicht sonderlich aufregend. Selbst Klopapier bekomme ich.

Nachmittags schleiche ich zunächst rum wie Falsch-Geld. Ich müsste noch meine Stunden eintragen, aber ich will nicht. Ich kümmere mich um die Wäsche, räume rum. Schleiche wie Falsch-Geld umher. Der RB und ich planen das Essen bis nach Weihnachten. Und fassen dabei einen Pommesföhn-Beschluss, den ich kurzerhand bestelle**. Vor Weihnachten soll er noch geliefert werden.

Der RB muss sich entspannen und geht in die Wanne. So gehe ich gegen 18h30 einkaufen. Es ist erstaunlich leer im Supermarkt. ich bekomme alles und komme gut durch. Ich freue mich einmal mehr über den Hackenporsche. Er ist so praktisch und es geht so viel rein. Der Einkrauf für eine über eine Woche. Yeah, müssen wir nur noch auf den Markt und direkt vor den Feiertagen nochmal Milch und eins-zwei frische Sachen kaufen.

Wir essen Muscheln zum Start ins NixMas-Schlemmen. Mit Herz.

Danach ist #CorotäneKneipe und es ist wieder – wie immer – schön, mit all den lieben Menschen Zeit zu verbringen. Und wir sind zwischenzeitlich mal wieder ganz viele.

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* Ich muss noch meine Stunden eintragen und einen internen Text schreiben.

** Ja, bei großen A. Und nein, bei technischen Geräten habe ich kein schlechtes Gewissen. Denn der nächste Elektrofachmarkt mit eventuell ausreichender Auswahl ist keine Option ja eh zu. Aber selbst wenn offen wäre: Ich brauche keine Beratung, also sehe ich nicht ein, durch die Gegend zu gurken und im schlimmsten Fall nicht das zu bekommen, was ich will oder halt deutlich teuerer.

Eingeknickt

Eingeknickt

#ClosedAdvent (15) // 1 Tage bis Lockdown

Der RB muss früh raus. Das bedeutet für mich: „ausschlafen“, weil er das Kind zur Schule schickt.

Ich „verschlafe“ prompt und fürchte, dass sich das den ganzen Tag über rächen wird. Ich bekomme zwischen meinen gefühlt Millionen Videokonferenzen aber doch so einiges gewuppt und Dinge auf den Weg.

Das Kind kommt schwer bepackt aus der Schule. Alle Bücher und Ordner für quasi alle Fächer hat er dabei. Er darf – auch weil ich keine Zeit habe – den Nachmittag daddeln. Um Schulkram kann er sich morgen, übermorgen und Freitag auch noch kümmern. Sofern denn nötig. Worum er sich aber kümmern will, sind seine langsam stärker werdenden Sozialkontakte. Es gibt da mittlerweile ein paar Kinder aus der Klasse und Schule, mit denen er sich anfreundet. Und um mit ihnen während der Ferien in Kontakt zu bleiben, braucht er WhatsApp. Joah. Ich habe mich da nun eineinhalb Jahre gegen gesperrt. Nicht weil ich finde, dass er keinen Messenger-Dienst braucht – er hat ja von Anfang an Threema – sondern weil ich sehe, wie seine Peers mit WhatsApp umgehen. Nun bin ich alo eingeknickt, damit er mit seinen Kumpels Kontakt halten kann,. Aber ich habe ihn eindringlich gebeten, mit mir zu sprechen, wenn darüber Dinge passieren, die ihm nicht gut tun.

Am Abend ist klar, dass ich nicht zum Kochen komme – zumindest nicht zu dem, was mal (eigentlich für gestern) geplant war. Und auch Einkaufen habe ich keine Lust, zumal auch keine Idee. Das Kind wünscht sich seit Tagen Sushi, der RB hat es nicht so mit kaltem Fisch. Aber da der RB heute noch ein Online-Tasting nach Ladenschluss hat, bestellen das Kind und ich kurzerhand Sushi.

Dem RB setze ich derweil Linsen mit Rindswurst auf, die gut durchköcheln können, bis der RB nach Hause kommt.

Noch aus dem Laden heraus startet er die TwitterKneipe. Ich arbeite parallel etwas an einem Text, der endlich mal fertig werden muss. Der RB kommt zwischendurch nach Hause und ist kurz vor luftleerem Luftballon.

Da Twitterkneipe und Texten nur so halb zusammengeht, hänge ich noch eine Nachtschicht an, nachdem die Kneipentür zu ist und der RB im Bett ist.

2 für 1

2 für 1

#ClosedAdvent (10)

Zwei Tweets, die den Tag zusammenfassen (der Rest war Arbeit):

Bring Down The Curve!

Bring Down The Curve!

#ClosedAdvent (9)

Dieses unbedingte Auf-Weihnachten-Hinarbeiten bezogen auf die Pandemie ist mir echt unverständlich. Wäre es denn wirklich sooo schlimm, einmal in Leben ein anderes Weihnachten als sonst zu feiern? Was ist mit all den Leuten, denen Weihnachten aus kulturellen/religiösen Gründen egal ist?

Ja, die Kanzlerin hat heute eine sehr emotionale Rede zur Lage der Nation gehalten und dabei viel Gutes und Richtiges gesagt, ABER zu sagen, dass die aktuellen Empfehlungen der Leopoldina sich darauf beziehen, Weihnachten möglich zu machen, ist mMn falsch.
Primär geht es der Wissenschaft nicht um Weihnachten, sondern darum die Seitwärtsbewegung zu stoppen und die Kurve nach unten zu bringen. Hier wird bei der Veröffentlichung der Empfehlungen Koinzidenz und Korrelation vermischt.
Die Wissenschaft spricht sich schon länger für härtere Maßnahmen aus. Und vielleicht hofft sie durch den Weihnachtsbezug bessere und mehr Akzeptanz dafür zu bekommen.

ABER seien wir ehrlich: Ein harter Lockdown ist unabhängig von Weihnachten nötig und ist v.a. überfällig. Um Weihnachten zu „retten“ hätten früher stärkere Maßnahmen erfolgen müssen. Es hätte schon zu den Herbstferien das Rumgereise untersagt werden müssen. Und dann zwei Wochen alles zu – spätestens Anfang November. Komisch, dass keine mehr von #FlattenTheCurve redet. Ab nächster Woche die Schulen und ab Weihnachten die Geschäfte zu schließen ist nur Kosmetik fürs Gewissen.

In 15 Tagen ist Weihnachten. Bis dahin sind dann mindestens 9.000 weitere Menschen gestorben. Damit sterben in den kommenden 15 Tagen halb so viele Menschen wie seit Pandemiebeginn insgesamt in Deutschland an Covid-19 gestorben sind. Das ist eine Vereineinhalbfachung in 15 Tagen (vs 8 Monate).

Das kann doch keine wollen.

Meiner Meinung nach sind die Zahlen aktuell viel zu hoch (und sie werden es bis Weihnachten bleiben), um auch nur ansatzweise mit gutem Gewissen durch die Gegend zu reisen und Verwandtschaft zu besuchen. Da nützt auch eine Vorquarantäne nichts, denn ich glaube nicht, dass sich jede, die an Höllisch Abend weitere Haushalte treffen wird, wirklich KONSEQUENT 10 Tage zu Hause bleibt, nicht (gar nicht) rausgeht, nicht einkaufen geht.

Und jede, die rumreist oder sich mit Haushalten / Menschen trifft, die sie nicht eh schon regelmäßig sieht, wird ihren Anteil daran haben, dass die Anzahl der Neuinfektion UND DER TOTEN nach den Weihnachten noch schneller steigen werden bzw. dass wir das Neujahr mit exponentiell ansteigenden Infektionszahlen starten werden.

Aber letztlich muss es jede für sich verantworten.

#ClosedNovember (18)

#ClosedNovember (18)

Viel Spannendes ist heute nicht passiert. Abgesehen von einem Stille-Post-Moment in der Kind-Lehrkraft-Mutter-Kommunikation. Und dass ich abends noch zum Römer bzw Paulsplatz gedüst bin, um wenigstens etwas Gegenpräsenz zu den Schwurblern zu bieten. Aber die Polizei hatte aus Sanstag gelernt und die Schwurblerinnen nahezu hermetisch gesichert. Jeder Gegenprotest wurde zerstreut und im Keim erstickt.

Von (!!!) den Schwurblerinnen kommemd kam mir eine ehemalige Kindergarten-Mitmutter entgegen. Sie hat mich wohl nicht erkannt. Oder wollte es wie ich nicht. Bereits im Frühjahr habe ich sie wegen Schwurbelscheiße auf WA geblockt und bei fb entfreundet.

Die „Begegnung“ war also nicht überraschend, aber dennoch bleibt die Frage, warum verfällt eine studierte, nicht auf den Kopf gefallene Frau so einem Mist?!

Selbstwahrnehmung

Selbstwahrnehmung

Auch wenn es heutzutage nicht sonderlich angesehen ist, mit seiner Figur zu hadern, weil jede*r ja was wert ist, egal wie dick oder dünn, kann und will ich nicht aus meiner Haut bei diesem Thema.

Mir ist es ziemlich egal, was andere über meine Figur denken. Und ich habe bislang auch noch nichts Negatives erfahren. Und vermutlich vielleicht irgendwie ist meine Figur auch ganz in Ordnung. Aber sie gefällt mir nicht. Ja, ich habe da sicherlich ein Problem, dass ich meinen Körper nicht so annehmen kann und will, wie er ist. Da nützen mir auch die Bodypositiv-Bewegung nichts.

Nein, ich will kein Hungerhaken sein. Auch wenn ich mal – zu Teeniezeiten – knapp 50  Kilogramm gewogen und – Bildern nach zu urteilen – relativ dünn war, geht es mir nicht darum, wieder so dünn zu sein. Das schaffe ich eh nie wieder, macht auch keinen (gesundheitlichen) Sinn. Was ich aber auf den Bildern sehe und das ist auch das, was mir „fehlt“: Mir gefallen meine Proportionen auf den Bildern. Ich hatte schon immer Rundungen. Ich war die erste in der Klasse mit nennenswertem Busen, der gefühlt ewig nicht aufhören wollte zu wachsen, womit ich aber nie gehadert habe (außer wenn er sich beim PMS bemerkbar machte). Ich hatte eine – in meinen Augen – wirklich schöne Taille und auch meine Hüften waren schon immer etwas breiter, passten aber ganz gut zum Rest.

Das verlor ich irgendwann Anfang meiner 20er, als ich den Fehler machte, mit der Pille verhüten zu wollen. Ich nahm relativ schnell relativ viel zu. Was ich allerdings nur ganz bedingt wirklich wahrnahm. Fragt nicht, ich kann das nicht erklären.

Ender meiner 20er Jahre war ziemlich viel im Um- und Aufbruch und ich schaffte es tatsächlich, mein Essensverhalten zu ändern und trieb vermehrt Sport. Mit 30 wog ich etwas unter 70 Kilo und das fühlte sich ziemlich gut an. In die Schwangerschaft startete ich mit knapp 70 Kilo. Während der Schwangerschaft nahm ich 18 Kilo zu und danach recht schnell 13 Kilo ab.

Tja, doch davon nahm ich im Laufe der Zeit ein Großteil wieder zu. Die Gründe sind vielfältig und vielschichtig. Wohl fühlte ich mich nicht. Weder in meiner Haut, noch mit meiner Figur (bestimmt durchs Gewicht) und letztlich erst recht nicht mit meinem Leben. Aber ich nahm dieses Unwohlsein ja lange Zeit gar nicht richtig wahr.

Mittlerweile hat sich viel verändert und der Ballast der Nach-Schwangerschaftszeit ist weg – auf eigentlich allen Ebenen. Ich habe relativ schnell nach der Trennung wahrgenommen, dass mein Körper nicht die Form hat, die ich gerne hätte. Ich fühlte (und war) sehr unförmig. Aber es dauerte noch etwas, bis ich dazu kam bzw. mir die Muße nahm, das anzugehen.

Seit dem Paris-Trip war ich aber wieder angefixt. Das Fahrrad ist seitdem nicht mehr nur Transportmittel, sondern auch Sportgerät. Und seit fast einem halben Jahr mache ich ja auch relativ regelmäßig Workouts (sprich, ich hüpfe zu youtube-Videos).

Natürlich tut sich was dadurch. Das merke ich ja auch.

Aber eben … ich finde meine Hüften noch immer zu breit, meinen Bauch nicht flach genug, die Taille ist auch noch nicht in Wunschform und von dem fiesen Rückenspeck mal zu schweigen.

Und so aufgeschrieben klingt das ziemlich krass und steht auch leicht konträr zu dem, was ich im Spiegel sehe – zumindest, wenn ich nicht nackt bin.

Eigentlich ist das schon ganz hübsch und in Ordnung.

Vielleicht werden meine Selbstwahrnehmung und ich ja noch Freundinnen.