62 Tage 2025

62 Tage 2025

2025 ist zwei Monate alt. Erst. Aber ich erinnere mich kaum, was Anfang des Jahres war. Der Trip nach Paris scheint in einem anderen Leben gewesen zu sein. Dabei war das toll. Und es tat so gut rauszukommen. Aber Paris war bevor 45 zu 47 und Elmo zu 47a wurde. Dann musste Fritze unbedingt seinen Dickkopf durchsetzen. Seitdem überschlagen sich die Ereignisse. Eins kommt an manchen Tagen nicht wirklich hinterher. Nur, dass ich mir das nicht wirklich erlauben kann. Denn ich habe einen am Weltgeschehen hoch interessierten Teenie zu Hause, für den ich immer noch Mamapedia bin und er entsprechende Antworten und Einordnungen von mir „verlangt“. Der Teenie-typisch rumprovoziert und natürlich die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Das gehört zum Alter dazu und ich kann das bis zu einem bestimmten Grad veratmen, aber bei bestimmten Themen halte ich mich an Karl Popper und toleriere seine Provokationen nicht. Und ich sehe, dass es ihm wichtig ist und gut tut, dass ich Grenzen setze.

Ich war dieses Jahr schon auf mehreren Demos und habe mich zudem kurz vor der Wahl an einer Anti-AfD-Aktion beteiligt. Ich musste absurde Diskussionen dazu führen, warum ich nicht auf Demos gehe, zu denen ein unüberschaubares bürgerliches Bündnis aufruft. Nein, ich unterstütze keine Demos (mehr), zu denen die GdP, Amnesty International und/oder das Römer-Bündnis aufrufen. Diese Demos sind – und das ist auch völlig ok und wichtig – für die mittige Masse, zu der ich mich politisch nicht mehr zähle. #AntifaIstHandarbeit

Letzthin lernte ich den Begriff „normalcy bias“. Kurz: die Tendenz, Bedrohungen/Katastrophen zu unterschätzen. Ich denke seitdem immer mal wieder darüber nach und komme zu dem Schluss, dass ich dafür nicht sonderlich anfällig bin. Zum Katastrophieren neige ich allerdings auch nicht. Ich kann wohl behaupten, dass ich mit einem recht gesunden Realismus gesegnet bin, zu dem sich wahlweise Optimismus, Pragmatismus oder ein nötiger Katastrophenmodus gesellt. Und so schrieb ich am 23.2. auf Bluesky

und nur fünf Tage später

Ja, das klingt dystopisch-fatalistisch. Aber diese Gedanke fühlen sich genauso an, wie vor fünf Jahren, als ich bei Beginn der Pandemie dachte: „Ok, dann jetzt also Pandemie. Dann bleiben wir halt zu Hause und versuchen, so heil wie möglich durchzukommen.“

Das heißt nicht, dass ich keine Angst habe. Aber meine „Fear zone“ ist erfahrungsgemäß nicht sehr ausgeprägt und ich verharre auch nicht in Angst. Im Gegenteil sie ist (m)ein guter Antrieb. „Jetzt erst recht“, begleitet mich ständig. Mit Blick darauf, was schon alles passiert ist und was uns die nächsten Jahre erwartet, ist keine Zeit mehr, die Klappe zu halten.

Es ist ein Privileg, die Klappe aufmachen, Haltung zeigen zu können. Immer wieder mache ich mir bewusst, wie priviligiert ich als weiße, mittelalte, nicht-behinderte, cis, hetero Frau mit deutschem Pass, akademischen Abschluss und einem gut bezahlten Job bin. Neben dem Frausein diskreditiert mich „nur“, dass ich alleinerziehend bin. Ich werde vorerst noch keine Einschnitte in meinem Leben spüren. Wenn es global nicht total eskaliert, werde ich die erste Legislatur unter Fritze wohl „unbeschadet“ überleben.

Aber ich bin es all denen, die nicht priviligiert sind, und letztlich dieser Gesellschaft schuldig, mich als Ally an ihre Seite zu stellen. Und ich weiß, dass ich dafür noch mehr aus meiner Komfortzone raus muss.

(Wenigstens bin ich mit meinem Job und meinen neuen Kolleg*innen sehr zufrieden und habe gerade nicht das Bedürfnis, meine berufliche Situation zu ändern.)

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