Durchsuchen nach
Autor: Little B.

Wetterflucht

Wetterflucht

Kurz waren der RB und ich versucht, nicht wandern zu gehen. Aber nachdem ich gestern schon den ganzen Tag nur gepuzzelt haben, während der RB ein wichtige antifaschistische Mission hatte, musste ich raus. Und der RB wollte sich auch bewegen. Die Wetter-App sagte: Taunus geht nicht, Taunus ist nass. Zu weit fahren wollten wir auch nicht. Mir fiel ein, dass ich vor einiger Zeit bereits die Ysenburg-Route geplant hatte. Also flohen wir gen Osten vor der Regenfront. Spoiler: erfolgreich.

Das waren 17,6 dringend nötige, aber auch anstrengende Kilometer. Die Rückfahrt nutzte ich, um Essen zu bestellen, das just in dem Moment geliefert wurde, als wir einparkten.

Digitale Demo

Digitale Demo

Ich dachte echt, ich lese nicht richtig, als ich das Ergebnis von dieser Aktion sehe.

Fazit:

Die Politik‘ ist sich überhaupt nicht bewusst, dass es da draußen Menschen gibt, die nicht nach Lockerung sondern nach einer Lösung im Bezug auf die Pandemie gieren, dass es Unternehmer gibt, die nicht nur ‚öffnen, öffnen, öffnen‘ rufen, sondern lieber das Virus besiegen wollen. Die Quer’denker‘ und Öffnungsfetischisten bestimmen nach meinem Eindruck den Diskurs innerhalb der Politik.

Unter welchem Stein leben die Politikerinnen? Oder sind wir, die wir die Pandemie und die daraus resultierenden Kontakteinschränkungen ernst nehmen, wirklich nicht sichtbar? Tja, wie auch. Demos fallen ja wegen Kontaktbeschränkungen und Abstandhalten aus. Zumindest überlegt sich derzeit jede, die ansatzweise versteht, dass die Pandemie kein Spaß ist, mehrmals, ob sie wirklich auf eine Demo gehen will.

Wie also sichtbar werden?!

Die jeweiligen Mitglieder von Bundes- und Landtag kann eine sehr einfach ergoogeln. Und dann ran an die Tasten. Ich hatte es gestern schon versucht, aber mir fiel nichts ein, was nicht unflätig gewesen wären und „Euch brennt doch der Hut“ war dabei noch das Freundlichste. Heute beim Frühstück kamen mir dann ein paar Fragmente in den Sinn, die ich erstmal grob notierte. Dann töckelte ich zwischen Frühstückende und Start zur heutigen Wanderung meine Gedanken zusammen und verschickte sie dann an „meine“ MdB und LdB. Auch an unsere Bundeskanzlerin schickte ich eine Nachricht, die sich in vielen Teilen gleich war zu denen an die anderen.*

Der Brief ist nicht perfekt und ich wollte auch nicht „zu viel“ Fässer aufmachen, aber vielleicht dient er der einen oder anderen zur Inspiration:

Sehr geehrte XXX,
ich wende mich an Sie als „meine“ Bundstags-/Landtagsabgeordnete. Meine Anliegen: Der Umgang mit dem Pandemiegeschehen in Deutschland. Seit gut 13 Monaten haben wir Pandemie. Seit gut 13 Monaten arbeite ich im HomeOffice. Ich werde – solange die Infektionszahlen nicht auf ein Minimalniveau gesunken sind – auch weiterhin im HomeOffice arbeiten. Ich bin sehr froh, dass meine Arbeitgeberin die Ansichten der Wissenschaft teilt und Arbeit im Büro nur in Ausnahmefällen erlaubt. Aber ich weiß, dass meine Arbeitgeberin mit dieser Haltung eher die Ausnahme ist.

Daher fordere ich Sie auf, die wissenschaftlichen, epidemiologischen Erkenntnisse zum anzuerkennen und sich für einen sogenannten harten Lockdown einzusetzen, der allen voran Folgendes beinhalten muss:

  • Keine weiteren Lockerungen
  • Keine Öffnungen von Restaurants, Cafés, Hotels ets.
  • Einkauf weiterhin nur mit begrenzter Personenzahl im Laden und nachweislichem Hygienekonzept
  • Härteres und unmittelbares Durchgreifen (Auflösen) bei sogenannten Hygiene-Demos
  • KEINE MENSCHENVERSUCHE durch sogenannte Modellstädte/-regionen mit Durchseuchung der nicht-vulnerablen Mitbürgerinnen.

Es kann nicht angehen, dass sich ein Großteil der Bevölkerung seit über einem Jahr massiv einschränkt, nur damit die Wirtschaft weiterlaufen kann. Es kann auch nicht sein, dass Repressalien wie Ausgangssperren die Ultima Ratio ist – noch bevor die Wirtschaft deutlich mehr in die Pflicht genommen wurde. Daher erwarte ich, dass Sie sich stark machen für

  • HomeOffice-Pflicht in allen Bereichen, in denen es geht. Und wir wissen alle, dass es in viel mehr Bereichen geht, als es derzeit möglich ist. Das Potential der Kontaktreduzierung ist immens und noch lange nicht ausgeschöpft.
  • Test-Pflicht in allen Betrieben, in den kein HomeOffice möglich ist. Jede Arbeitnehmerin muss mindestens 2x pro Woche getestet werden.

Bei der diesjährigen Bundestagswahl werden für mich (und auch mein Umfeld) die Haltung der einzelnen Parteien zur Pandemie und insbesondere zur Pandemieeindämmung entscheidende Punkte sein, wem ich meine Stimmen gebe. Und eins ist sicher: Mit Lockerungen und Menschenversuchen werden Sie keine Wählerstimmen gewinnen.

Next Step: Anrufen.

Lasst uns laut sein.

—————————
* Musste erstmal googeln, welche Anredeformel für die Bundeskanzlerin richtig ist.

 

Pandemüde?

Pandemüde?

Ich bin so müde. So unendlich müde. Ich weiß gar nicht, ob ich schon mal so müde war. Ich komme morgens nur schwer raus. Mir graust es schon vor der Zeitumstellung. Sobald ich am Schreibtisch sitze, geht es erstmal. Ich trinke einen Liter schwarzen Tee. Das hält auch wach. Erstmal bis zum späten Nachmittag. Ab 17h00 fährt mein Körper runter. Es geht von jetzt auf gleich nichts mehr. Spätestens um 18h00 muss (!) ich mich hinlegen. Seit Tagen Wochen geht das nun schon so. Und wenn ich doch nur wüsste, woran das liegt. Beim Blutspenden hatte ich einen ziemlich guten Hb-Wert. Eisen ist es wohl nicht. Bleiben noch

  1. Pandemie
  2. Papas Tod
  3. Vitamin-D-Mangel
  4. schlechter/zu wenig Schlaf
  5. zu wenig Bewegung
  6. zu wenig frische Luft
  7. zu viel zu tun
  8. zu wenig Flüssigkeit
  9. falsche Ernährung

Ad 4:
Ja, ich komme zu spät ins Bett. Ich bin eine Eule und ich leide an Revenge Bedtime Procrastination. Verstärkt durch das abendliche Hinlegen(müssen). Ausschlafen wäre toll, würde aber das Problem nicht lösen, denn ich muss ja zwischen 9 und 10 am Schreibtisch sitzen bzw. wenn das Kind vormittags Schule hat, um spätestens 7h30 aufstehen.

Ad 7:
Das kann ich gerade nicht abstellen und ich sagen schon „nein“. Dennoch schieben sich manche Projekte schon seit Wochen durch meine To-Do-Liste. Und es wird nicht weniger. Es ist auch nur suboptimal, dass ich in der Woche nach Ostern Urlaub habe, aber der ist dringend nötig.
Vom Haushalt will ich gerade nicht reden. Wenn der RB nicht so viel machen würde, würden wir hier heillos untergehen. Außerdem können wir das Problem mit Geld beschmeißen:

  • einmal Pro Woche kommt die Putzhilfe
  • gekocht wird größtenteils mittels Kochbox
  • punktuell wird Essen bestellt
  • die restlichen Einkäufe lassen wir oft liefern.

Vieles andere wird hier einfach mal ignoriert.

Das Kind kommt völlig zu kurz. Ich weiß gar nicht, wie ich das finde. Ich fürchte, ich bin zu müde, um ein schlechtes Gewissen deswegen zu haben. Er hat die Schule, das tut ihm auf gewisse Weise gut. Er hat seinen Sport wieder, das ist sehr wichtig. Er hat verschiedene Kumpel, mit denen er online zocken kann, das genießt er sehr. Und er hat regelmäßig Kontakt mit der Oma, die ihm bei den Hausaufgaben beisteht.

Ad 8:
Das schwankt. Diese Woche war es besser. Allein dadurch, dass ich einen Liter Tee trinke, ist schon mal viel gewonnen. So trinke ich auch sonst mehr. Ich muss darauf aber noch mehr achten.

Ad 9:
Wir lowcarben nicht mehr. Ich esse wieder zu viele Süßigkeiten. Aber ich kann darauf gerade nicht achten. Auch wenn ich weiß, dass es mir gut tut, auf Süßes zu verzichten, ist die „Sucht“ gerade stärker und ich brauche den Zucker auch, um meine Konzentration aufrecht zu halten. Dank der Kochboxen sind derzeit mindestens 4 Mahlzeiten pro Woche vegetarisch.

Ad 5:
Wenn wir nicht einmal pro Woche wandern gingen, würde ich mich vermutlich gar nicht bewegen. Diese Woche war ich bislang nicht einmal draußen. Mein Bewegungsradius ist also maximal klein. Erstaunlicherweise verkrafte ich die Wanderungen (sind ja in der Regel zwischen 12 und 17 Kilometern) recht gut. Ich müsste mich auch zu Sporteinheiten dazwischen aufraffen, aber hier grätschen mir 4 und 7 und natürlich meine unendliche Müdigkeit dazwischen.

Ad 6:
Hat viel mit 5 und 7 zu tun. Ich sollte konsequent in der Mittagspause wenigstens eine halbe Stunde rausgehen. Ich hoffe darauf, dass es bald wärmer wird und ich so wieder BalkonOffice machen kann.

Ad 3:
Joah, mit Blick auf 6 ist das nicht völlig abwegig. Auch habe ich meine Vitamin-D-Einnahme etwas schleifen lassen. Da bin ich gerade wieder hinterher.

Ad 2:
Ich kann nicht sagen, ob und welchen Einfluss Papas Tod und die Beerdigung auf meinen Zustand haben. Ich will gar nicht abstreiten, dass es einen Einfluss hat/haben könnte. Aber ich kann noch nicht richtig ausmachen, welchen bzw. inwiefern. Vielleicht werde ich dazu mehr wissen, wenn ich in meinen Urlaubstagen Ruhe habe.

Ad 1:
Joah, das liegt auf der Hand. Ich bin immer noch im Katastrophen-Modus: Dinge und ich sollen funktionieren. Ich lebe im Moment. Ich habe keine Angst vor dem Virus bzw. einer Erkrankung. Ich habe Respekt. Aber es ist nun mal Pandemie und damit eine Naturkatastrophe. Ich mache das, was ich machen kann, was ich für richtig halte: Mich soweit wie möglich abschotten, FFP2-Maske tragen, Händewaschen. Und ich mache das unabhängig von den politischen Entscheidungen, denen ich mich aber auch nicht machtlos ausgeliefert fühle, denn ich kann ja das machen, was ich für richtig halte. Hinsichtlich der Politik habe ich gewissermaßen resigniert. Das macht mich durchaus müde.

Ich denke nicht darüber nach, was in einszweidrei Monaten ist. Ich denke tatsächlich auch nicht drüber nach, wann ich geimpft werde und dass es hoffentlich bald ist. Ich werde geimpft, wenn ich dran bin. Daran ändert sich auch nichts durch den kurzfristigen (!) AstraZeneca-Stopp oder weil sich Hinz und Kunz sich irgendwie in die Impflingliste drängeln (können). Vielleicht habe ich einfach keine Kraft mehr, mich darüber aufzuregen. Vielleicht bin ich auch einfach zu pragmatisch, dass ich weiß, dass sich darüber aufregen nicht lohnt.

Und in diesem Pragmatismus machen mich die 80 Millionen Virologinnen, Epidemiologinnen, Logistikerinnen, Pharmaproduzentinnen, Immunologinnen, Impfstoff- und Zulassungsexpertinnen sehr müde. So viel Meinung basierend auf Halbwissen Überschriften ist gruselig. Und ja, da spielt viel rein: Verunsicherung, Angst, fehlende Kommunikation, Vertrauensverlust. Aber Füße stillhalten und die wahren Expertinnen ihren Job machen lassen, scheint nicht mehr zu gehen.

Mich macht es sehr müde, wie wenig solidarisch unsere Gesellschaft ist bzw. wie deutlich wird, wie wenig solidarisch unsere Gesellschaft in den letzten Jahren geworden ist. Es wird auf die Politik – zurecht – geschimpft. Aber Kraft für wirklich effektive Schritte hat anscheinend keine. Es wird nur geschimpft. Es werden Stellvertreterkriege angezettelt, bei denen ich so viel „ich, ich, ich“ raushöre, dass ich echt erschrecke. Wie Menschen auf einmal bereit sind, über Leichen zu gehen.

Natürlich wäre es super, wenn die Pandemie vorbei wäre. Auch ich freue mich auf das Ende. Aber nur weil die Politik uns was anderes vorlebt, kann ich doch nicht unsere Gesellschaft noch weiter einzweien. Es läuft viel schief in diesem Land, in diesem Staat. Aber die Gesellschaft zu verraten, weil ich nicht an erster Stelle der Impfreihenfolge stehe, während ich abgesichert, mit einem Job ohne Existenzsorgen zu Hause im warmen HomeOffice arbeiten kann, das will mir nicht in den Kopf. Unser Problem ist eine kapitalistische und korrupte Politik und nicht, dass ein Impfstoff geprüft wird und dadurch für drei Tage nicht verimpft wird. Aber ich bin sicher, dass das die meisten nicht mehr interessiert, sobald sie dann endlich geimpft sind und ihre Freiheit, die ihnen weder jemals genommen, noch wirklich eingeschränkt wurde, wiederhaben.

Vielleicht bin ich nicht pandemüde, sondern gesellschaftsmüde.

Im Schilder-Wald

Im Schilder-Wald

Lockdown, Tag 80

Ich bin froh ob unseres festen Wandertermins. So komme ich wenigstens einmal pro Woche wirkich an die frische Luft und in Bewegung. Wobei ich gestern draußen war, weil ich ein Tweep-Date hatte, genaugenommen hatten das Kind und ich ein Doppeldate. Und das tat uns beiden sehr gut. Am Freitag war ich auch schon unter Menschen, das war aber nicht so unterhaltsam, sondern vorranig altruistisch, denn ich war beim Blutspenden. (Und nun hoffe ich, dass mein Tätowierer aus der Versenkung auftaucht, damit ich mir ein Soli-Puffin-Tattoo stechen lassen kann.) Ansonsten muss ich aber irgendwie etwas mehr an meiner Work-Life-Balance arbeiten, denn derzeit ist es ein recht unausgeglichene Work-Sleep-Disbalance. Daran ändert auch das Wandern nicht so viel. Aber wenigstens ein bisschen.

Also, Wandern. Der RB und ich waren wandern. Das Kind war nicht mit. Der hat ab Montag wieder Rugby-Training, der muss nicht am Wochenende sporteln. Der beschäftigt genießt die Zeit ohne und mit Kumpels beim Zocken. Außerdem hätte er uns heute sehr verflucht, denn die Tour hatte es steigungstechnisch in sich. Aber das Wetter war super und die Strecke sehr schön. Ich habe es sehr genossen.

Wir wanderten 16 Kilometer, von denen die meisten auf dem zweiten Teil der Safari-Route verliefen.

Letzte Etappe

Letzte Etappe

Lockdown, Tag 72

Der RB hat ,am Sonntag eine Fortbildung, das Kind hatte am Freitag mal wieder Rugby-Training. Daraus ergab sich, dass der RB und ich am Samstag nur zu zweit die letzte Etappe der Hohen Straße liefen. Also natürlich nicht die allerletzte Etappen, denn Hohe Straße geht ja bis Leipzig, aber die letzte Etappe auf dem ausgebauten Stück von Frankfurt nach Büdingen. Danach ist sie wohl erstmal nicht ausgebaut. aber das werde ich noch genauer eruieren. Aber alles weitere ist keine Tagestour mehr von Frankfurt aus. Da würden sich verlängerte Wochenenden mit mehreren Etappen anbieten.

Wie auch immer: Schön war’s. Und lang war’s. Und anfangs war es auch noch ziemlich frisch und windig. Außerdem mussten wir wirklich viele antifaschistische Aufkleber verteilen. Bald ist Kommunalwahl in Hessen und rund um Büdingen ist es leider ziemlich braun. [insert Kotzsmiley]

(Wenn es interessiert: Hier Etappe 1, zwei, drei, vier, fünf und sechs)

Nun müssen wir uns eine neue Wanderperspektive suchen. Vielleicht wandern wir zukünftig den Limes entlang.

Danke.

Danke.

Der Tod meines Vaters und die Tage danach bzw. seitdem waren und sind ereignis- und erkenntnisreich. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass ich eine Familienaufstellung spannend finde(n könnte). Vermutlich ist es normal, dass in solchen emotionalen Ausnahmesituationen familiäre Beziehungsgrundmuster und Spannungen besonders deutlich werden. Und auch dass sich nichts schlagartig ändert an gewachsenen Beziehungsmustern, nur weil wir uns ein Erlebnis teilen.

Dennoch ist es für mich irritierend, wie nah meine Mutter und ich uns waren in den knapp 48 Stunden, nachdem mein älterer Bruder und ich endlich angekommen waren. Ich habe meine Mutter in diesen zwei Tagen so viel umarmt wie mein ganzes Leben nicht – also der Part, an den ich mich aktiv erinnere. Es war ungewohnt, aber fühlte sich nicht falsch an. Wir waren uns so nah, dass ich ihr sogar mein Tattoo gezeigt habe, das ich mir für Papa habe machen lassen. Wir waren uns auch so nah, dass sie mir indirekt eingestand, dass sie mir nie so nah war, wie mein Vater und ich es uns waren*.

Als ich dann erstmal wieder nach Hause fuhr, vereinbarte ich mit meiner Mutter, dass ich drei Tage drauf wiederkäme. Mit dem Kind. Damit sie die Tage vor der Beerdigung nicht alleine ist. Aber ich spürte auch, dass ich das Kind und den RB um mich brauchte. Und ums Kind musste ich mich auch kümmern: Dem hatte ich bislang nur per Videoanruf vom Tod des Opas erzählt. Das war natürlich suboptimal. Auch wenn der RB alles tat, um das Kind aufzufangen.

Die zwei Tage zu Hause taten gut nach den beiden Tagen im emotionalen Ausnahmezustand**. Das Kind brauchte dringend Beistand beim Trauern. Ich brauchte Normalität. Ich arbeitete sogar ein bisschen. Mein Vater hätte es auch so gemacht.

Als das Kind und ich wieder bei meiner Muter waren, war sie wieder da, die Distanz, die uns seit jeher begleitet. Kurzfristig fragte ich mich, warum ich überhaupt so viel vor der Beerdigung gekommen bin. Ich fühlte mich wie ein Fremdkörper. Und womöglich war ich das für meine Mutter auch: Ein geschäftiger, nicht trauernder Fremdkörper, der Dinge erledigt, die erledigt werden müssen. Ich weiß, dass es ihr gut tat, dass ich Dinge einfach gemacht habe, aber mein vermeintlichens Nichttrauern wirkte womöglich befremdlich. Es ist schwer zu beschreiben, aber es war klar, dass ich in diesen Tagen meiner Mutter den Rücken freihalten wollte und auch konnte. Dass ich diese Tage nicht zum Trauern brauchte. Ich brauchte auch die Beerdigung nicht zum Trauern oder zum Abschiednehmen.

Ich trauere nicht bzw. nur wenig nach Außen. Dadurch wirke ich sehr sachlich, kühl und emotionslos.

Nicht, dass ich nicht geweint habe. Mich hat es bei der Abschiednahme in der Trauerhalle zerrissen. Dabei habe ich es gar nicht lange in der Trauerhalle ausgehalten. Ich wollte eigentlich gar nicht rein. Aber es war gut. Ich habe lange und heftig weinen müssen. Allein.

Es gab immer wieder Momente, die mir die Tränen in die Augen trieben. Vieles davon sind geschriebene Momente. Besonderes schön-traurig war die Nachricht einer Tweep, die mir schrieb, dass ein Buch meines Vaters sie durch das Studium begleitet hat. <3 Es tut so gut zu wissen, dass sein Schaffen Spuren hinterlassen hat.

Mit ausgesprochenen Beileidsbekundungen hingegen kann ich nur schlecht umgehen. Sie wirken auf mich so floskelhaft – auch wenn sie das natürlich nicht sind. Der Papa vom RB brachte es auf den Punkt, als der RB ihm vom Tod meines Papas erzählte: „Liebe Grüße an B. und was man so sagt. Du weißt schon.“

Wenn ich daran denke, dass Papa nicht mehr da ist, ist das komisch. Und ich denke, wie unfair dieser Schlaganfall war. Was er Papa genommen hat. Und ich sehe Bilder aus der Zeit, auf denen er zuversichtlich lächelt. Er hat sich nicht unterkriegen lassen. Er hat immer daran geglaubt, dass noch was Gutes kommt. Er hat immer nach vorne geschaut. Sein ganzes Leben lang.

Ja, ich bin „seine“. Ich habe viel von ihm – neben einer latent „preußischen“ Grundhaltung*** halt auch seine Zuversicht. Und vielleicht sieht meine Trauer deswegen so anders aus: Ich trauere nicht, dass er gehen musste, sondern bin froh und dankbar für die Zeit mit ihm, für das, was er mir mit auf den Weg gegeben hat.

Danke, Papa.
Für alles.

———————————–
* „Du warst immer seine. Da konnte ich loslassen. Er war so stolz auf Dich. Und er hat Dich so lieb gehabt.“

** nicht nur wegen des Todes meines Vaters, sondern vor allem auch wegen der Konstellation vor Ort.

*** Dinge, die getan werden müssen, werden getan. Ohne Murren.

Rund um die Ronneburg

Rund um die Ronneburg

Lockdown, Tag Drölf Million 66

Gestern drehten der RB und ich schon eine Runde im frühlingsmilden Wetter. Hachz, das fühlt sich schon ganz anders an. Es ist erstaunlich, wie sehr sich sogar auf mich, die große Winterliebhaberin, dieser Wetterunterschied auswirkt. Die Trägheit der letzten Tage ist wie weggeschmolzen. Und weil die Runde gestern nur eine kleine durchs Viertel war, war klar, dass wir das superkalifragilistikexpialigetische Wetter nutzen müssen und wollen. Und weil ich nach Etappe 3 oder so von der Hohen Straße überlegt hatte, dass wir den alten Handelsweg auf jeden Fall bis Büdingen nachlaufen (bevor wir uns was Neues suchen). Zwei Etappen fehlen uns noch. Heute war eine davon dran. Der Ausgangspunkt hätte auch die Ronneburg sein können, aber mein innerer Monk versucht immer so anzuknüpfen, dass wir direkt da weiterlaufen können, wo wir zuvor die Hohe Straße verlassen haben. Daher ging die Tour quasi rund um die Ronneburg.

Dieses Wetter tat so gut. Nur mit dem RB allein tat so gut. Auch mal wieder deutlich über 10 Kilometer (15 Kilometer) zu wandern, tat gut. Jetzt fehlen uns nur noch 7,5 der insgesamt 38,3 Kilometer von Frankfurt nach Büsingen.

Das Essen bestellten wir auf der Fahrt und holten es auf dem Weg nach Hause ab. Das war gut. Das Abholen und das Essen. 😉

Morgen fängt der Wechselunterricht an. Das Kind ist darüber höchst ambivalent. Zum einen fehlt es ihm wirklich, andere Kinder zu sehen. Zum anderen hat er arber Angst, weil wer seine Pappenheimerinnen kennt und jede einzelne, die sich nicht richtig an die Pandemieregeln hält, für ihn ein großer Stressfaktor ist.

Eine Narbe bleibt

Eine Narbe bleibt

Am 28.1. wollte ich noch schnell FFP2-Masken im Backofen aufbereiten. Ich griff schief in den Backofen und da machte es schon „zisch“ und ich hatte mir eine ordentliche Brandwunde an der Hand zugegezogen. Zum Glück war der Backofen „nur“ 80 °C heiß. Dennoch roch es verbrannt.

Das war gegen 13h10.

Drei Stunden später machte mein Vater seinen letzten Atemzug.

Die Wunde blieb. Ich spürte sie ständig. Ich spüre sie immer noch.

Trotz Wund- und Brandgel zickte die Wunde rum. Entzündete sich leicht. „Da wird eine veritable Narbe bleiben“, dachte ich.

Am Samstag haben wir meinen Vater beerdigt.

Meine Wunde ist deutlich verheilter.

Aber eine Narbe wird bleiben.

Nicht nur auf der Hand.

Glück in weiß

Glück in weiß

Lockdown, Tag 38

Sonntag ist Wandertag. So will es das Pandemiegesetz. Und gestern war klar, dass es heute schneien soll. Also in den höheren Lagen Schnee und bei uns inne Stadt halt Matsch. So war es auch beim Aufstehen: Schneematsch vor der Tür. Wie es Richtung Taunus aussah, konnte ich natürlich nicht sehen. Aber ich hatte zwei Touren ebenda geplant. Das Kind wollte nicht mit (und Spoiler: Es war gut so. Er hätte sehr geflucht.). Nur mit dem RB unterwegs zu sein, ist ja auch ganz schön.

Ich haderte kurz mit meiner #ZeroHose-Politik, probierte die Schneehose an und war wieder geheilt. Auch hier ein Spoiler: Die doppelten Thermoleggings, der Rock und der Fuktionsmantel haben wirklich gut warm gehalten. (Für die Beine könnte ich bei noch mehr Schnee über wasserdichte Gamaschen nachdenken.)

Und falls ich es noch nicht erwähnt habe: Schneeeeeeee <3 So viel Schnee. Schnee macht mich wirklich wirklich glücklich. So glücklich, dass ich den wirklich steilen Aufstieg (3 Kilometer, tw. 19 % Steigung) auch nur ein kleines Bisschen schlimm fand und gar nicht geflucht habe (das Kind hätte spätestens nach 500 Metern gestreikt – trotz Schnee).

Ich hoffe, wir werden noch ein paar Schneetage habe. Ich muss noch ein bisschen weißes Glück tanken. Das war so schön.

(Schön war auch, dass Kassiopeia leckerste Kartoffelsuppe gekocht hatte, während wir wanderte. Genau das richtige Essen nach so einer Wanderung.)