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Monat: Januar 2021

Glück in weiß

Glück in weiß

Lockdown, Tag 38

Sonntag ist Wandertag. So will es das Pandemiegesetz. Und gestern war klar, dass es heute schneien soll. Also in den höheren Lagen Schnee und bei uns inne Stadt halt Matsch. So war es auch beim Aufstehen: Schneematsch vor der Tür. Wie es Richtung Taunus aussah, konnte ich natürlich nicht sehen. Aber ich hatte zwei Touren ebenda geplant. Das Kind wollte nicht mit (und Spoiler: Es war gut so. Er hätte sehr geflucht.). Nur mit dem RB unterwegs zu sein, ist ja auch ganz schön.

Ich haderte kurz mit meiner #ZeroHose-Politik, probierte die Schneehose an und war wieder geheilt. Auch hier ein Spoiler: Die doppelten Thermoleggings, der Rock und der Fuktionsmantel haben wirklich gut warm gehalten. (Für die Beine könnte ich bei noch mehr Schnee über wasserdichte Gamaschen nachdenken.)

Und falls ich es noch nicht erwähnt habe: Schneeeeeeee <3 So viel Schnee. Schnee macht mich wirklich wirklich glücklich. So glücklich, dass ich den wirklich steilen Aufstieg (3 Kilometer, tw. 19 % Steigung) auch nur ein kleines Bisschen schlimm fand und gar nicht geflucht habe (das Kind hätte spätestens nach 500 Metern gestreikt – trotz Schnee).

Ich hoffe, wir werden noch ein paar Schneetage habe. Ich muss noch ein bisschen weißes Glück tanken. Das war so schön.

(Schön war auch, dass Kassiopeia leckerste Kartoffelsuppe gekocht hatte, während wir wanderte. Genau das richtige Essen nach so einer Wanderung.)

Haushalten

Haushalten

Lockdown, Tag 35

Ich muss haushalten. Mit meinen Kräften. Deswegen werde ich erstmal nur noch unregelmäßig bloggen. Wenn ich wirklich Zeit und Muße habe.

Ich schlafe schlecht. Das liegt vermutlich an vielem, aber insbesondere auch daran, dass ich so wenig rauskomme. Aber Rausgehen ist mit viel Aufwand verbunden derzeit: drölfzig Schichten, damit eine nicht friert. Ja, ich sollte es machen. Sauerstoff wäre meiner Konzentration sicherlich auch zuträglich. Aber dann denke ich wieder: Wenn ich schon so schlecht schaffe, dann kann ich nicht auch noch ne Stunde für Rausgehen verplempern. Und irgendwie ist das ein Teufelskreis. Ein Teufelskreis ist auch, dass ich wegen schlechtem Nachtschlaf am späten Nachmittag so k.o. bin, dass ich mich für eine Stunde oder so hinlege. Tja und dann kann ich nachts natürlich auch nicht (besser) einschlafen. Wenigstens hier habe ich heute hoffentlich gebremst: Obwohl die Nacht wirklich grottenschlecht war, habe ich am Abend nicht geschlafen.

Die Pandemie zeh/rrt weiter an uns. Das Kind ist unleidlich und unmotiviert. Wir geraten im HomeSchooling sehr aneinander (heute nicht und er hat festgestellt, dass sich das gut anfühlt und dass es sich auch gut anfühlt, Aufgaben wegzuarbeiten). Er vermisst seinen Pre-Pandemie-Alltag: Fahrten nach Frankreich, Familie, Rugby, Bouldern und sogar Schule. Ja, wir sind soweit, dass er es nicht mehr besonders toll findet, nicht in die Schule gehen zu müssen.

Wir wandeln auf einem Grat, an dem sowohl rechts als auch links der Lagerkoller lauert. Ich hoffe, dass es noch so lange gut geht, wie es gut gehen muss.

Noch bin ich guter Dinge, dass wir, also der RB, das Kind und ich – ohne langfristigen (die Autokorrektur schrieb „langfrustigen“) Schaden durch die Pandemie kommen. Aber dafür müssen wir hier gut auf uns aufpassen – und auch jede auf sich.

Und obwohl ich den Winter – vor allem mit Schnee – sehr liebe, sehne ich mich sehr nach Frühling, nach Leben draußen. Selbst wenn dann immer noch Pandemie ist (was sicher so sein wird), lässt sich mit Licht, Frühlingsluft und Sonne einiges besser ertragen.

Und bis dahin haushalte ich mit meinen Kräften…

Schnee

Schnee

Lockdown, Tag 32

In der Nacht schneite es schon. Yeah. Beim Aufstehen lag das weiße Glück immer noch. Da war auch vergessen, dass ich mal wieder grottenschlecht – der verdammten Heizung sei dank – geschlafen. Spätes Frühstück. Dann zog der Schnee das Kind in den Park (jaja, vermutlich nicht 100 % pandemiekonform) und den RB und mich in den nördlichen Grüngürtel. Ein schöner Spaziergang durch den Schnee.

Unabgesprochen kamen wir alle fast zeitgleich wieder zu Hause an. Zum Aufwärmen gab’s Waffeln.

Dann machte ich mit dem Kind HomeSchooling. Es war klar, dass die erste Woche nicht ganz rund laufen würde hinsichtlich Lernen in häuslicher Umgebung. Selbstorganisation will halt gelernt werden.

À propos: Weil ich Freitag so furchtbar unproduktiv war, musste ich eine Nachtschicht einlegen. Sonst erschlägt mich mein To-Do-Liste nächste Woche.

Unproduktiv, sehr.

Unproduktiv, sehr.

Lockdown, Tag 30

So einen unproduktiven Tag hatte ich schon ewig nicht mehr. Ich habe nix, gar nichts, gebacken bekommen.

Das wenige Sinnvolle an diesem Tag war, dass ich dem Kind die Hausaufgaben gescannt und beim Upload assistiert habe. Dass ich im Kanninchenbau „Bücher und DVDs ausmisten“ verloren gegangen bin. Dass ich gekocht habe.

Vor der Twitterkneipe spielten wir eine Runde Carcassonne mit dem Kind. Danach gab es eine Runde Gruppenkuscheln und siehe da, das Kind schlief geisterfrei ein.

Der bleiche Hai

Der bleiche Hai

Noch im letzten Jahr, kurz vor den Ferien, als schon die Präsenzpflicht ausgesetzt war, hatte das Kind einen Kontrolltermin beim Kieferorthopäden. Soweit alles ok, aber er hatte einen gelben Zettel dabei, auf dem der Kieferorthopäde eine Zahnäztin kollegial um die Entfernung eines Milchzahns bat. Wie schon an anderer Stelle kam der bleibende nicht unter dem Milchzahn durch, sondern davor (oder hinter oder neben – je nach Blickwinkel halt). Mein kleiner Hai halt.

Das stresste mich kurzfristig, denn zum einen haben wir Pandemie und zum anderen hat das Kind keine feste Zahnärztin. Er war zweimal mit bei meinem, aber a) den will ich wechseln, b) ist der 30 Minuten Fahrzeit weg und das ist mir aktuell zu viel Gegurke (auch der Grund für a). Ich grübelte und befragte den Twitterschwarm, konnte mich aber nicht entscheiden.

Weihnachten kam. Silvester verging. Ich fing wieder an zu arbeiten. Beim Teekochen ließ ich meinen Blick durchs Fenster über die Straße schweifen.

„Ach, stimmt ja“, denke ich „da drüben ist ja auch eine dentalmedizinische Praxis.“ Nein, das ist nicht neu für mich. Seit über acht Jahren kann ich in ein Behandlungs- und das Wartezimmer gucken. Ich war sogar einmal da. Aber da die damals keine PZR anboten, bin ich bei meinem „alten“ Zahnarzt geblieben.

Lustig, wie blind eine wird für Dinge, die direkt vor ihrer Nase stattfinden.

Heute war der Termin. Das Kind war aufgeregt, weil er halt bislang nicht regelmäßig zur Zahnärztin gegangen ist (weil es in Hessen? zumindest in Frankfurt Schulzahnärztinnen gibt – auch an der weiterführenden Schule) und weil klar war, dass etwas gemacht werden müsste (er hat super Zähne und kein Karies, sodass außer dem kieferorthopädischen, kein dentalen Eingriffe bisher nötig waren).

Der Zahnarzt war nett, setzte eine lokale Betäubung und holte dann recht flux den Zahn raus.

Das Kind stand auf und … war recht bleich um die Nase.

Gut, dass der Heimweg nicht so weit war.

Schnaps…

Schnaps…

…zahlen-Geburtstag. Heute.

Üblicherweise mache ich einmal im Jahr bei 12von12 mit, nämlich im Januar. An meinem Geburtstag. Und eigentlich wollte ich es auch heute so machen. Aber … es war einfach zu viel bzw. dadurch zu wenig Fotogenes los.

#1: Der RB hat gebacken (ich werde mich noch daran gewöhnen, dass er jedes Jahr ein anderes Rezept probieren will)

#2: Twitter verheißt beim Aufstehen eine Tatsache, die ich kaum zu hoffen gewagt habe: Schnee. Ich traue mich fast nicht den Rolladen zu öffnen, aber … tadaaaa …

Ich gebe hiermit zu Protokoll: Schnee an meinem Geburtstag gab es seit Jahren nicht mehr. Das ist ein gutes Zeichen!

Danach ging ich duschen und hübschte mich auf, denn ich hatte – trotz Geburtstag – diverse Kundentermine und direkt um 10h00 die erste Videokonferenz

#3: Symbolbild für den Tag. Ich hing von 10h00 bis 13h00 in Videocalls und von 15h00 bis 16h30 nochmal.

#4: Mittagspause – mit Kind, RB und Kuchen

Gegen 17h00 erlaubte ich mir den Rechner auszumachen. Ich skypte mit meiner Mutter (und kurz mit meinem Vater). Es tut gut zu sehen, wie gut meiner Mutter der Umzug getan hat. Dann bestellen wir Geburtstags-Wunschessen:

#5: Koreanisch – nomnomnom

Vor der Geburtstags-Twitterkneipe musste ich mich dann kurz hinlegen. Dann war ich ausgeruht, um (zu) lange durchzuhalten.

Kunst auf der Strecke

Kunst auf der Strecke

Lockdown, Tag 26

Es war klar, dass wir heute raus müssen. Viel zu lange haben wir uns schon nicht mehr wandernd durch die Gegend bewegt. Der Startpunkt sollte nicht zu weit weg sei. Der befand sich zwar jenseits der Stadtgrenzen, aber der größte Teil der Route war dann doch in Frankfurt – umfassenden AssimilierungsEingemeindungsaktionen sei dank.

Auf den ersten 500 Meter durften wir Kunst entlang des Erlenbachs in Massenheim betrachten:

Auch auf den restlichen 11,5 Kilometern orientierten wir uns mehr oder weniger dicht am Erlenbach:

Auch wemm das Kind auf den ersten zwei Kilometern etwas unwillig war, fand auch er die Tour am Ende schön. Es tat wirklich, wirklich gut. Das Wetter war super: blauer Himmel, frische Luft und sonnig. So waren die die – 4 °C nicht so spüren.

Zu Hause kümmerte sich derweil Kassiopeia um unser Abendessen: Grünkohl passte perfekt zu dem Wetter.

Die Kartoffeln (Drillinge) haben wir direkt im Grünkohl gegart. Das geht super und ist sehr lecker. (Und Notiz für mich: Es muss nicht immer frischer Grünkohl sein, TK-Grünkohl tut es sehr gut auch und ist einfacher zu verarbeiten.)

Hadern

Hadern

Lockdown, Tag 24

Puh, ich hadere. Ich hadere mit meinem Muttersein. Ich finde mich gerade so furchtbar schlecht als Mutter: Das Kind und ich leben nebeneinander her. Ich schaffe es zunehmend weniger, mir Zeit für ihn zu nehmen. Ich reagiere so ungehalten, wenn er mich bei der Arbeit unterbricht. Ich reagiere aber auch nach der Abend ungehalten – wenn er den Abend mal wieder verlängert, während ich Feierabend haben will. Während ich mit dem RB einfach auf dem Sofa abhängen will bzw. ich einfach allein sein will.

Ich merke, wie sehr es mir fehlt, dass das Kind seit einem Jahr nicht mehr beim Kv war. Wie sehr mir diese Auszeiten vom Muttersein fehlen. Wie sehr mir aber auch das Alleinsein fehlt. Nein, ich möchte den RB nicht missen, aber ich hätte gerne mal wieder einszweidrei Tage nur für mich. Gerne in der Wohnung. Auch mit Arbeit. Tage, an denen ich ausschließlich in meinen Rhythmus leben und arbeiten kann. Dinge abarbeiten und dann zufrieden mit meinem Tagewerk rausgehen, was für mich tun, mit mir alleine sein. Ich bin nicht dafür geschaffen, dass ständig jemand um mich rum ist.

Ich bin so auch nicht sozialisiert worden: Klar haben sich meine Eltern immer gekümmert und ich habe ja auch Brüder, die „immer“ da waren. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir ständig aufeinander geklebt haben bzw. kleben mussten (und auch nicht konnten). Genauer betrachtet: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich ständig an wem geklebt habe. Ich habe „schon immer“ mein Ding gemacht und ich hatte da auch viele Freiheiten. Nein, ich war als Kind und Teenie alles andere als Einzelgängerin. Aber ich durfte sehr selbstbestimmt meine Freizeit gestalten.

Nein, das Kind klebt nicht an mir. Meistens zumindest nicht. Also so lange nicht wie er mindestens eines seiner Devices hat. Sobald er sich selbst beschäftigen muss, hat er keine Geduld, keine Muße, keine Idee und er braucht Anleitung und Bestätigung. Er braucht dann Nähe. Wir sind an diesen Punkten so unterschiedlich, dass es sich fremd anfühlt.

Durch die Pandemie und dass dadurch die Freizeitgestaltung vom Kind nicht mehr so ist wie er es braucht und gewohnt ist, driften wir mit unseren Bedürfnissen noch weiter auseinander. Und je mehr mir nach Alleinsein ist, desto mehr sucht er Nähe. Und je mehr er Nähe sucht, desto mehr ist mir nach Alleinsein.

Und dann reagiere ich genervt. Genervt, weil ich ihm nicht geben kann, was er braucht. Genervt, weil meine Idee von Muttersein eine so andere ist, als nötig wäre. Genervt, weil ich damit so schlecht umgehen kann, dass das Kind so anders ist als ich es bin. Genervt, weil ich es nicht schaffe, über meinen Schatten zu springen und auch mal Dinge zu machen, die ich doof finde oder in denen ich keinen Sinn sehe. Genervt, weil ich keine Spielemama bin.

Wir haben natürlich auch gute Momente miteinander. Momente, in denen wir uns nah sind. Wir reden oder auch Dinge machen.

Aber ich bin mir sicher, dass er retrospektiv sagen wird, dass ich zu wenig für ihn da war, zu viel geschimpft habe, zu viel wollte, dass er funktionierte. Und das tut mir regelmäßig abends leid und ich nehme mir vor, am nächsten Tag mehr auf ihn einzugehen. Ihm definitiv Exklusiv-Zeit einzuräumen. Und dann scheitere ich wieder … an mir selbst.

Eskapieren

Eskapieren

Lockdown, Tag 23

Unsere Schule hat schon heute Infos zu den drei Schulwochen im Januar herausgegeben. Ich bin höchst überrascht. Positiv. Hatte sich die Schule doch vor 10 Monate insbesondere durch Totschweigen hervorgehoben. Nach über einem Jahr als Elternbeirätin sind die Klassenlehrerin und ich auch mittlerweile per Du auf einer guten kommunikativen Ebene. Sie hat verstanden, dass ich nicht gegen sie arbeiten möchte, aber durchaus eine eigene Meinung habe. Die Kommunikation mit den Eltern läuft auch gut. Und so ist am Ende des Tages klar, dass die meisten Schülerinnen aus des Kindes Klasse zu Hause bleiben werden.

Arbeit läuft so semi. Irgendwie zäh. Irgendwie bin ich noch nicht ganz da.

Nachdem gestern schon die neuen Boxen (Internetmensch sei dank) kamen, kamen heute auch Kabel und Bananenstecker …

… und so eskapierte ich für den restlichen Nachmittag, indem ich Kabel schnitt, Bananenstecker festmachte, die Boxen anschloss und ausrichtete.

Danach fischte ich noch Patafix (auch dank Internetmensch) aus dem Briefkasten und konnte die Kabel ordentlich befestigen.

Nun haben wir wunderbaren Raumsound im neu gestalteten Wohnzimmer. Damit können wir aus prima eskapieren. Das wird in den nächsten Wochen wohl noch wichtig(er) werden.