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Kategorie: Alles anders

Abschottung, Tag 24

Abschottung, Tag 24

Ich bin eine schlechte HomeSchooling-Mutter. Ich habe noch immer nicht die letzten Hausaufgaben von letzter Woche an die Lehrerinnen geschickt. Das Kind hat aber auch noch kein Feedback von ebendiesen Lehrerinnen zu vorherigen Aufgaben. Da fällt es mir etwas schwer, da so streng nachzuhalten. Wobei das Kind wohl fertig ist mit den Aufgaben.

Nächste Woche habe ich Urlaub und das ist auch wirklich gut so. Es war ja eh nicht geplant, dass wir wegfahren. Dass das Kind da ist, war ja auch nicht geplant. Aber gerade ist eh nichts geplant. Dennoch wird es uns allen gut tun, wenn ich nicht arbeiten muss. Ausschlafen, wirklich Zeit miteinander – vor allem das Kind und ich. Mein Job fordert mich gerade sehr. So wie immer. Covid-19 hat auf meine Projekte noch keinen direkten Einfluss. Hier und da indirekten, aber sicherlich haben wir dadurch weniger, sondern eher mehr zu tun.

Arbeit besteht heute aus vielen Telefonaten. Als das letzte Telefonat geschafft ist, ist es spät genug, dass ich den Teig für die Burgerbuns vorbereiten. Während der Teig geht und ich nochmal arbeite, kümmern sich der RB und das Kind ums Hack.

Das Kind am Fleischwolf

Ich klappe den Rechner zu und forme mit dem Kind Patties. Dann ist der Teig gegangen und ich forme Buns. Während die gehen, kümmern wir uns um die weiteren Burgerzutaten. Dann kommen die Buns in den Ofen.

Perfect Buns*

Der RB verschwindet auf den Balkon. Dort ist es angenehmer als auf dem Balkon und so beschließen wir zu ersten Mal** in diesem Jahr draußen zu essen.

Nomnomnom

Danach mache ich noch was für die Arbeit, das Kind skypt mit dem. Kv, der RB verflucht seinen Apfel***.

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* Der Trick war unbeasichtigt: Kurz vor Backende hatte irgendwer versehentlich die Temperatur auf 250 °C hochgedreht.

** Stimmt nicht ganz, wir hatte Anfang der Abschottung schon Kaffee und Kuchen auf dem Balkon.

*** Hah! Meine Rede. Seit 3 Monaten.

Abschottung, Tag 23

Abschottung, Tag 23

Nach dem Spaziergang durch den Osten Frankfurts gestern wachte ich heute mit einem angenehmen Muskelkater aufgewacht. Hach, das tut gut.

Zum Frühstück gab es Bananenbrot, das ich gestern noch gebacken hatte. Gestärkt rasierte ich dem Kind die Haare. Weil Ferien sind, traute er sich endlich zum Iro. Und hey, es sieht verdammt cool aus. Dann durfte der RB an meinen Hinterkopf. Und ich durfte an seinen ganzen Kopf. Nach dem Duschen stellte ich allerdings fest, dass des RBs 3D-Schwäche Zögerlichkeit zu ein paar Besonderheiten geführt hatten. Kurzerhand schnappte ich mir den Bartschneider und arbeitete nach. Dann nahm ich auch die Schere und kümmerte mich um den Pony und die Kotletten.

Die gute Seite 😉

Während das Kind sich durch die Welt videokonferierte – zunächst war Norwegen dabei, später Frankreich -, brachte ich der Nachbarin das kleine Extra-Bananenbrot. Dann saugte ich ein paar Spinnweben von der Decke, aber Saugfried streikte irgendwann. Tja, da kann ich nichts machen. Dann videokonferierte ich mich mit einem befreundeten Paar. Der RB videokonferierte mit anderen Menschen.

Dann kam ich auf die Idee, dass ich endlich mal das Flugticket vom Kind stornieren sollte und griff zum Telefon – ja, natürlich hatte ich den Buchungscode parat. Und weil ich von lange Wartezeiten in der Hotline ausging, fing ich beim ersten Tuten an, die Grie Soß zubereiten. Dann musste ich irgendwelche Zahlen drücken und kurz hatte ich Angst, wieder in den englischsprachigen Teil geraten zu sein. Doch dann – ich war noch immer bei der Petersilie* – sprach mich eine Dame viel, viel, viel schneller als erwartet an. Ich gab den Buchungscode an. Nein, umbuchen kann ich leider nicht, ich weiß ja nicht, wann es weitergeht. Die Rückbuchung würde etwas dauern. Ja, kein Problem. Ist ja alles unschön genug so.

Danach machte ich die Grie Soß fertig – die Petersilie war ja noch gar nicht verarbarbeitet. Der RB kümmerte sich um Herrn Weber und das Grillen.

Und damit das Kind wenigstens etwas frische Luft bekam, musste er noch mit mir auf den Balkon, um die beiden Avocados endlich einzuplanzen und die Pilea-Babys in ihre Kinderzimmer eigene Blumentöpfe zu überführen.

Danach videokonferierten der RB und ich noch mit einem anderen befreundeten Paar. Es tut gut, sich wenigstens so zu sehen und zu sprechen.

Und als hätte das Kind mitbekommen, dass ich heute das Flugticket zu seinem Papa storniert hatte**, hatte er heute abend besonders großes Vermissen. Wäre er doch auch, wenn keine Pandemie wäre, bereits seit gestern beim Kv. Er weinte und schluchzte viel. Er war traurig und brauchte Einschlafbegleitung. Ich hoffe nur, dass er sich nicht die kommenden zwei Wochen weiter reinsteigert***.

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* Wenn ich Grie Soß mache, rolle ich das Päggscher auf, vereinzele die verschiedenen Kräutersorten. Dann fange ich immer mit der Petersilie an, die anderen Kräuter folgen dann auch sortenrein und in einer bestimmten Reihenfolgen. Am Ende kommt immer die Kresse rein.

** Ich hatte es ihm extra nicht gesagt.

*** ja, das klingt nicht sehr nett. Ich brauche Urlaub.

Abschottung ,Tag 22

Abschottung ,Tag 22

Das Kind hatte gestern wieder einen Fotoauftrag*, damit er sich an der frischen Luft bewegt:

Das Wochenende fing mit Quasi-Ausschlafen an. Hätte ich nicht noch unbedingt eine Folge Mrs. Maisel gucken müssen, hätte ich auch eine Stunde mehr Schlaf bekommen. Aber es war schon okay.

Der RB und ich machten schnell einen Essensplan bis Donnerstag. Dann ging (!!!) er los Richtung Laden (und kam da auch zu Fuß an). Ich ging schnell einkaufen. Das Kind hing derweil im Internet rum.

Allerdings hatte ich gestern einen Rausgeh-Deal vorgegeben: Heute geht das Kind mit mir raus, dafür machen einen Kinoabend.

Also gingen wir gegen 14h00 los. Weil ich kein Mehl bekommen hatte (und tatsächlich mal ein Kilo brauche), gingen wir zunächst so, dass wir an ein paar Supermärkten vorbeikamen. Allerdings war mir entweder die Schlange zu lang oder es gab halt keins. Dafür war „unsere“ Metzger auf dem Markt (das hätte ich 2 Stunden früher wissen sollen), ich kaufte etwas Uffschnitt und Notfall-Grillgut. Und wenn wir schon mal unterwegs waren, konnten wir auch gleich gucken gehen, ob das eine Spargelbüdchen schon an Ort und Stelle ist. Ist es. Also nahm ich auch Spargel für morgen mit.

Dann ging es weiter (bzw. das Kind rollerte) – Richtung Offenbach und damit RB.

Während der Osthafenpark wirklich leer war, …

… war der südliche Main-Uferweg total überlaufen bzw. voll mit Radfahrern.

Ein Radfahrer fuhr mit Vollspeed erstmal in einen Zaun. Eine andere Radfahrerin musste vor unseren Augen notärztlich behandelt werden**.

Dann machten wir uns zusammen mit dem RB, der zwischenzeitlich zu uns gestoßen war, auf dem Weg nach Hause. Weil ich noch einen Mehlversuch starten wollte, ging es über die Kaiserleibrücke zur Metro.

Und dann auch endlich zurück. Wir waren alle schon ziemlich k.o. und als wir zu Hause waren hatten das Kind und ich auch gut 11 Kilometer in den Beinen.

Der Kinoabend war redlich verdient.

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* Farben des Regenbogen sammeln.

** So makaber es ist, aber das Kind weiß jetzt, warum ich darauf bestehe, dass er Helm trägt. Auch beim Rollerfahren.

Abschottung, Tag 21

Abschottung, Tag 21

Nachtrag zu gestern: Ich sollte aktuell keine Nachrichten gucken. Zum einen, weil ich bis zum 19.4. nichts mehr hören will, wie lange eventuellvielleichtmöglicherweise die Kontaktsperre noch laufen wird. Liebe Politikerinnen, macht euch dazu einfach Gedanken hinter verschlossen Türen, aber verdammt nochmal NICHT vor laufenden Kameras. Zum anderen ertrage ich es nicht, dass die himmlische Ruhe um die blaubraunen Nazis durch einen fast 2minütigen Beitrag beendet werden musste. Liebe Medien, gebt denen doch bitte keine Plattform mehr.

Die HomeSchooling-Phase ist vorerst vobei. Das Kind hat im Großen und Ganzen gut mitgemacht. Ja, ich kann verstehen, dass er keinen Bock hatte. Und dafür hat er es gut gemacht. Er kam insgesamt gut zurecht, hat sich meistens helfen lassen und hat mit der Zeit verstanden, dass ich bestimmte Anforderungen an sein Arbeiten habe und dass er sich das Leben sehr erleichtert, wenn er sie von vornherein berücksichtigt. Nun also Osterferien: Eine Aufgabe hat er noch, bei der war von Anfang an klar, dass sie bis Ferienende fertig sein soll. (Und nein, ich finde das nicht schlimm, auch wenn Hausaufgaben in den Ferien eigentlich verboten sind.)

Ich habe heute wieder gearbeitet. Ich bin mal gespannt, wie das wird, wenn die Schule wieder losgeht und ich dann wieder AG habe, ob ich es schaffe, konsequent nur Montag bis Donnerstag zu arbeiten.

Ich telefonierte kurz mit dem Kv, da das Kind draußen war und wir uns ja tatsächlich mittlerweile über das Kind und dessen Befinden austauschen. Am Ende brachen seine Sorgen aus ihm raus und er bat mich mit tränenerstickter Stimme, dass ich auf das Kind aufpasse.

Meine Yoga-Einheit habe ich heute auch noch untergebracht. Das war anstrengend, tat aber gut.

Um 17h00 musste ich nochmal in ein Webinar. Das dauerte bis 19h00. Ein Hoch auf die Mutefunktion. So konnte ich parallel Dinge versandfertig machen, Briefmarken drucken und dem RB das erjagte Essen abnehmen. Denn passend zum späteren Kneipenabend gab es heute Schnitzel für alle aus der potentiellen Stammkneipe.

#CorotäneKneipe war wieder mal sehr nett. Und lang.

Abschottung, Tag 16

Abschottung, Tag 16

Zeitumstellung, Nachteuleritis und zack, ist es echt spät, als ich ins Bett gehe. Entsprechend anstrengend ist es, als ich um 11h30 aufstehe. Das Kind weiß noch nicht, dass um 12h00 wieder Kinderquatsch(en) angesagt ist. Er freut sich sehr, dass es doch ein paar Kinder gibt, die Lust haben.

Während er also in seiner Online-Konferenz hängt und der RB die Bäder putzt, yogiere ich. Endlich mal wieder. Das tut gut. Dann muss ich das Kind aus zoom schmeißen, da ich verabredet bin. Es tut gut, andere Gesichter zu sehen.

Danach müsste ich mich eigentlich an einen Text setzen*, aber irgendwie ist mir mehr danach, das Küchenfenster zu putzen. Huiuiui, da kommt eine ziemliche Brühe runter**. Währenddessen hat der RB eine Verabredung auf zoom. Das Kind daddelt in seinem Zimmer.

Ich setze Pizzateig an und brauche diverse Mehlreste auf, die wir so haben***. Der Teig geht und ich räume die Küche auf. Dann ist Pizzaparty angesagt.

Durch die Zeitumstellung fühlt sich alles irgendwie komisch an****. Das Kind bleibt auch bis 23h30 auf. Ich will dann eigentlich endlich meinen Text schreiben, aber beim Ins-Bett-Bringen zeigt sich, dass die letzten zwei Wochen nicht gut für das Mutter-Kind-Verhältnis waren. Er fühlt sich vernachlässigt. Und retrospektiv hat er auch Recht. Dadurch, dass ich es gewohnt bin, im HomeOffice zu arbeiten, habe ich halt mehr oder weniger weitergearbeitet wie sonst. Er lief halt mit. Nicht gut. Wir müssen uns ein anderes System ausdenken.

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* Ja, am Wochenende, da Extra-Auftrag

** Das habe ich wurde auch sicherlich seit 2 Jahren nicht mehr geputzt.

*** Ich mag es ja eh gern, wenn im Pizzateig ein Teil Vollkornmehl ist. Das Geheimnis ist eh, einen Teil (10-15%) durch Hartweißengrieß zu ersetzen.

**** Für mich ist es nicht nur eine Stunde. Es beeinflusst sehr meinen Biorhythmus und mein Zeitgefühl.

Abschottung, Tag 15

Abschottung, Tag 15

Ausgeschlafen. Etwas zu lange, aber immerhin konnten der RB und ich endlich mal wieder einen Essensplan machen. Die letzten Wochen war mir wieder zu viel Kochen on demand.

Dann musste der RB auch schon los und ich beschloss, heute etwas Self-care zu betreiben. Ich duschte ausgiebig und zog ich mich ordentlich an. Dann ging ich zum Markt, aber der war sehr ausgedünnt. Ich bekam Kartoffeln und Knoblauch. Unsere anderen Stammstände waren gar nicht da. Auf dem Weg nach Hause besorgte ich noch ein paar Sachen beim türkischen Supermarkt.

Danach ging ich mit unserem neuen Hackenporsche einkaufen. Die Schlange vor dem Supermarkt war lang. Aber gut, damit hatte ich gerechnet. Auch heute bekam ich alles von der Liste – sogar Hefe. Weswegen ich direkt zwei Würfel mitnahm*.

Ich muss mehr auf mich achten. Dann fühlt sich die Abschottung vielleicht insgesamt besser an. Vielleicht war aber heute auch nur ein guter Tag in der Abschottung – auch weil ich heute nicht zwischen Arbeit und HomeSchooling jonglieren** musste, sondern weil letztlich ein ganz normaler Samstag war. So normal er eben sein konnte.

(Einmal täglich schaue ich auf die Corona-Map der John-Hopkins-University: Ich bin immer noch irritiert-fasziniert, dass die Todesrate in Deutschland so niedrig ist.)

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* Einen habe ich halbiert und (beide Hälften) eingefroren.

** Ich weiß, dass ich auf einem sehr, sehr, sehr hohen Niveau jammere: Ich habe eine Arbeit, die derzeit alles andere als gefährdet ist und von der wir zur Not auch zu Dritt leben können.. Ich habe nur ein Kind, der außer „kein Bock“ keine wirklichen Probleme in der Schule hat. Wir haben genug Platz und einen großen Balkon. Wir haben Internet und genug zu essen. Wir sind gesund.

Abschottung, Tag 12

Abschottung, Tag 12

Ich habe einen Wunsch für die Nach-COVID19-Abschottungszeit:

Wenn wir dann alle wieder raus dürfen, zeigen wir dann bitte geballt und mehrheitlich, dass wir gegen Nazis sind?

Ihr braucht ja nicht alle ein Tattoo 😉 Aber traut Euch, Buttons anzustecken und/oder Aufkleber zu verteilen.

Es zeigt sich gerade so wunderbar, dass die rechten Stimmen verstummen, wenn wir ihnen keinen Raum geben.

DANKE!

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In diesem Leben werde ich keine Lerche mehr. Ich bin eine Eule. Durch und durch. Sobald sich auch nur ansatzweise die Gelegenheit bietet, meinen Tag-Nach-Rhythmus zu verschieben, passiert das auch. Die Nächte werden länger als es gut ist. Die Tage fangen später an. Das ist für die eh schon angeschlagene Konzentration nicht sonderlich förderlich. Ich verbringe gefühlt mehr Zeit damit, meine Projekte zu sortieren und aufzuschreiben als dass ich sie wirklich bearbeite.

Das Kind ist mit seinen Matheaufgaben fertig und GL hat er auch fast geschafft (also, alles, was bis zu den Osterferien vorgesehen war). Deutsch und Englisch sind deutlich umfangreicher. Er macht das aber gut.

Ihn über Mittag rausgeschickt, damit er mal Sonne und frische Luft bekommt. Da müssen wir noch mehr dran arbeiten. Vielleicht lasse ich ihn einfach die ALBA-Sportstunde auf dem Balkon turnen.

Der RB war im Laden. Das ist nicht so schlecht*, dass er da immer mal wieder hin will und muss. Wobei mir natürlich auch nicht ganz wohl dabei ist, denn er kann dadurch ja auch immer wieder was anschleppen**.

Als er wieder da war, legte ich mich für eine gute Stunde ins Bett***, dann beriet ich kurz telefonisch****, während der RB mit dem gefrühjahrskurten***** Herrn Weber das Abendessen zubereitete.

Der Abend endete spät, aber amüsant in der CorotäneKneipe.

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* Also für unseren häuslichen Frieden

** Allerdings hat er heute weißes Blattgold angeschleppt. 24 Rollen Klopapier. Damit sollten wir erstmal versorgt sein.

*** Oberstes Gebot der Stunde: Wenn mein Körper nach Schlaf verlangt, lege ich mich hin. Es ist wirklich KEINER in diesem Haushalt gedient, wenn ich mich zwinge wach zu bleiben.

**** Spätere Erkenntnis dazu:

Wenn du wegen deiner Grunderkrankung irgendwann mit COVID19 im Krankenhaus liegst, wirst Du sicher nicht denken: Ach, wäre ich doch öfter ins Büro gegangen.

***** Er hat nun ein gußeisernes Grillrost, neue Aromaschinen und die rausgekratzten Sedimentschichten hätten jede Geologin erfreut.

Abschottung, Tag 10

Abschottung, Tag 10

Die Nacht war hochgradig bescheiden. Der Stress ist stressiger als es ich es wohl wahrhaben will. Konzentriertes Arbeiten wäre heute nicht dringewesen. Also habe ich mich krankgemeldet. Ich musste raus, mir fehlt Bewegung, Abwechselung, frische Luft.

Der RB widmete sich dem Kind und dessen Englisch-Hausaufgaben, als ich wach wurde. Ich guckte kurz in meine e-Mails und beschließe dann, dass ich laufen muss. Es dauert noch etwas, bis ich endlich fertig bin, aber dann wartete das gute Wetter auf mich. Wieder einmal bin ich dankbar, dass wir da wohnen, wo wir wohnen, denn von uns aus ist eine wirklich schnell im Grünen.

Das Seckbacher und Enkheimer Ried ist nicht weit und so schaffe ich es 10 Kilometer zu laufen. Die Luft ist super, das Wetter noch besser. Ich komme runter. Und am Schluss tun mir die Beine angenehm weh.

Das Moos sah sehr einladend aus. Ich war kurz versucht mich reinzulegen.

Ich fahre mit dem ÖPNV zurück und habe ein schlechtes Gewissen, aber die restlichen 5 Kilometer zu laufen wäre nicht gut. Auf dem Rückweg kehre ich noch beim Bäcker ein: Die Kundinnen dürfen nur einzeln eintreten. Vor dem Laden steht eine Schlange, in der jede 2 Meter Abstand zur Vorderfrau hält.

Zu Hause gibt es Kaffee und Kuchen für alle. Es wird langsam schwierig, das Kind aus seiner Zockerhöhle zu locken holen. Aber zum Essen geht es noch. Und eine Runde zusammen Karten zocken, ist auch noch ein Lockmittel.

Später schreibe ich dann endlich den Text, der schon längst hätte irgendwo sein sollen.

Ich sollte überlegen, nicht nur dem Kind, sondern auch mir einen Tagesplan zu machen, damit ich mich strukturierte fühle und vielleicht auch das Kind weiß, wann ich arbeite und wann er mich stören darf. Außerdem muss ich noch mehr Zeit einplanen, die ich dem Kind widme.

Abschottung, Tag 9

Abschottung, Tag 9

Die Abschottung bzw. dass ich nicht richtig rausgehe macht sich bemerkbar: Die Nächte werden länger und länger, der Schlaf schlechter. Mit Müh und Not um 11h00 aus dem Bett gekommen. Dann war ich allerdings schlagswach, weil beim midi-monsieur von der gestrigen Standpauke nichts hängengeblieben war. Die Folge: Er durfte keine Maus gucken und musste Hausaufgaben nacharbeiten. Fast wäre auch das Kinderquatschen* für ihn ausgefallen. Aber dann war er doch noch rechtzeitig fertig.

Ich kümmerte mich derweil um die Rouladen für abends und räumte das Wohnzimmer um, um mir einen besseren HomeOffice-Platz einzurichten. Dafür musste ich auch ein wenig mit der Heizung diskutieren. Oh Mann, das ist eine neverending story in dieser Wohnung.

Dann packte ich zwei Pakete ins Auto, einen Umschlag mit einem Pussyhat und fuhr in Begleitung gen Landeshauptstadt. Denn da wollte ich meinen Bildschirm und meine Tastatur holen. Auf Dauer ist der Bildschirm vom ApfelBuch zu klein zum Arbeiten**.

Scott wollte unbedingt mit. Jetzt wo er auch einen Pussyhat hat, ist er prädistiniert zum Pussyhat ausliefern. Meint er.

Auf dem Hinweg versuchte ich meine beiden Hermes-Pakete abzugeben, aber die eine Hermesannahmestelle auf dem Weg nimmt keine Pakete mehr an.***

Im Büro traf ich auf einen Kollegen, was mich ausreichend irritierte. Ich werde das Gefühl nicht los, dass er die Situation nicht ernst nimmt. Ich packte schnell mein dreieinhalb Sachen ein und fuhr zurück. Mit einem kleinen Schlenker durch Dribbdebach, um einen Pussyhat auszuliefern.

Zu Hause verdonnerte ich das Kind zu frischer Luft: Herrn Weber schrubben. Ich richtete den HomeOffice-Platz ein.

Wir aßen früh.

Um 20h45 war ich total k.o. und legte mich hin. Ich schlief eine gute Stunde, dann musste das Kind ins Bett und ich war wach. Aber nicht wach genug, um noch was zu arbeiten****. Der RB und ich guckten noch Clö. Dann war es doch sehr spät. Im Bett konnte ich dann erstmal nicht einschlafen.

Ich merke, wie sehr mich die Anspannung durch die Viruskrise erschöpft, aber nicht zur Ruhe kommen lässt. Ich nehme mir keine Ruhe und bin die ganze Zeit am Tun und Machen. Nein, kein blinder Aktionismus, aber doch eine Art Betäubung.

Mir macht der Virus nur bedingt Angst. Mir macht allerdings Angst, wie sorglos manche Menschen mit der Situation umgehen und uns alle damit auf zweierleiweisen gefährden: Zum einen steigen so die Infektionsraten weiter exponetiell an – Von #FlattenTheCurve sind wir noch sehr weit entfernt. Zum anderen fordern diese Menschen heraus, dass wir eine Ausgangssperre bekommen werden. Dass der Staat (noch) massiv(er als eh schon) in unsere Freiheiten eingreifen wird. Und so sinnig das für diese spezielle Situation sein mag, so sehr macht es mir Angst, dass es ein Präzendenzfall wird. Dass bestimmte Einschränkungen nach der Viruskrise nicht rückgängig gemacht werden. Dass Überwachung und Abgrenzung (aka Grenzkontrollen) bleiben werden. Zum Polizeistaat ist es dann nur noch ein Katzensprung.

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* Der nächste Termin ist am Dienstag, 24.03. PW gibt es auf Anfrage.

** Um mit Brille zu lesen müsste ich ihn weiter weg schieben, dann kann ich aber nicht mehr tippen. Um Ohne Brille lesen zu können, muss ich so nah ran, dass ich nicht vernünftig tippen kann.

*** Aber nur die. Es gibt kein generelles Paketannahmeverbot von Hermes. Das wollte er mir allerdings weis machen.

**** Ja, am Sonntag Abend (oder halt sonst außerhalb meiner Arbeitszeiten), da es ein Extra-Auftrag ist, der extern vergütet wird.

Abschottung, Tag 8

Abschottung, Tag 8

Kein so runder Tag. Lag auch daran, dass ich zu lange geschlafen habe. Das Kind hing den ganzen Tag an irgendeinem Bildschirm. Ich war kurz draußen, um einzukaufen. Die meisten Leute sind entspannt, aber vorsichtig. Ein paar wirken panisch und ich frage mich, warum sie rausgehen. Andere sind mir zu sorglos. Über allem schwebt die drohende Ausgangssperre.

Von der gestrigen RingFit-Sporteinheit habe ich tatsächlich Muskelkater.

Das Angrillen vor ein paar Tagen hat gezeigt, dass Herr Weber nach fast 5 Jahren in dieser Familie ein Lifting braucht: Heute kamen neue Grillroste. Bald hoffentlich auch neue Aromaschienen.

Zeiten wie diese verlangen nach Soulfood. Und auch wenn es sich falsch anfühlt, so viel vor Ostern Grie Soß zu essen. Aber Grie Soß macht vieles besser.

Der Abend endete mit einer Standpauke ans Kind. Es ging um Grundlegendes. Nichts, das speziell mit der Abschottung zu tun hat. Durch diese höchstens verstärkt wird.

Okay, der Abend fürs Kind endete mit einer Standpauke. Der Abend für den RB und mich endete mit Picard, Cloé und für Scott mit einem Pussyhat.