Worauf es (mir) ankommt

Worauf es (mir) ankommt

Disclaimer: Bitte im Nachfolgenden das Wort Beziehung nicht ausschließlich auf Paarbeziehungen beziehen. Es geht um alle Arten von Beziehung: vor allem freundschaftliche, auch romantische, aber ebenso familiäre und berufliche.

Seit einiger Zeit denke ich darüber nach, was mir in Beziehungen wichtig ist. Was macht Beziehungen aus, worüber fühlen sich Menschen einander verbunden:

Verpflichtung … Verpflichtungen werden meiner Meinung nach vor allem vertraglich geregelt. Mein Arbeitsvertrag ist eine Verpflichtung. Ein (gemeinsamer) Kaufvertrag ist eine Verpflichtung. Eine Ehe ist eine Verpflichtung – ob mit oder ohne Ehevertag. Ich möchte nicht, dass sich Menschen mir zu irgendwas verpflichtet fühlt. Also so generell. Ich halte das nicht für einen guten Beziehungstreiber.

Verantwortung … Ich kann meine Verantwortungen im Leben selber tragen. Das sollte mMn nach jede können. Dazu zählt auch, zu wissen, wann eine sich Hilfe holen muss. Und ja, es ist toll, nicht für alles alleine verantwortlich zu sein. Wenn jemensch meine Verantwortungen mittragen möchte, gerne. Aber nur so, wie es für alle passt und sich gut anfühlt. Dabei ist aber niemensch verantwortlich für mein Seelenheil.

Vertrauen … ist eine heikle Sache. Vertrauen ist mMn ein archaisches Bedürfnis: Ich muss meinen Mitmenschen vertrauen können, sonst stehe ich allein vor dem Mammut. Oder mein Kind wird vergessen, wenn ich gerade Beeren sammel und der Stamm weiterzieht. Vertrauen hat viel mit Überleben zu tun. Vertrauen sortiert in Freundin und Feindin. Ich dachte lange, dass ich leicht Vertrauen fasse. Aber das stimmt so nicht. Vielleicht ist es mit dem Alter und den Erfahrungen normal. Vertrauen bedeutet für mich, dass Informationen, die ich über mich preisgebe, gut aufgehoben sind. Dass sie weder gegen mich verwendet werden oder weitererzählt werden. Auch besondere Ereignisse oder Erlebnisse, die ich mit einer Person erlebt habe, zählen für mich dazu. Ich tue mich schwer damit, alle Infos mit allen zu teilen – vor allem unabgesprochen. Das macht für mich Dreieckskonstellationen schwierig, in denen die drei Beziehungen unterschiediche Vertauensebenen/ -level haben.* Vertrauen bedeutet für mich aber auch, dass ich mich auf die Person verlassen kann.

Vertrautheit … ist für mich sehr wichtig. Und es ist natürlich ein Unterschied, ob ich jemensch vertraue oder der Person vertaut bin. Jemensch vertraut zu sein, bedeutet für mich, dass ich sein kann, wie ich bin. Dass ich angenommen werde, wie ich bin. Meine Stärken werden geschätzt und meine Schwächen respektiert.

Verlässlichkeit … hat für mich viel mit Respekt zu tun. Und sich auf jemensch zu verlassen, bedeutet auch dieser Person zu vertrauen – zumindest für die Sachen, für die eine sich auf die andere verlässt. Verlässlichkeit ist für mich die kleine Schwester von Verbindlichkeit.

Verbindlichkeit … Ohne Verbindlichkeit geht es für mich nicht. In einer Beziehung müssen sich beide einander verbunden fühlen. Daraus entwächst dann die „Sicherheit“, dass beide diese Beziehung verbindlich gestalten wollen. Also im Sinne einer wie auch immer gearteten Kontinuität. Das muss kein regelmäßiger Termin sein. Aber ich finde lose Enden sehr unbefriedigend. Wobei ich das ganz schlecht definieren kann. Das ist tatsächlich mehr ein Gefühl. Denn ich brauche nicht immer die nächste Verabredung, aber ich brauche die Gewissheit, dass sich mein Gegenüber eine nächste Verabredung vorstellen kann – wann auch immer. Es muss sich auch nicht aus jeder Messenger-Unterhaltung verabschiedet werden. Die können einfach locker weitergeführt werden. Wie es gerade passt. Das ist ja das Gute daran.

Ehrlichkeit … ist so wichtig wie schwierig. Denn wir möchten gemocht werden. Wir möchten niemensch auf die Füße treten oder uns in irgendwelche Nesseln setzen. Es braucht eine Menge Vertrauen, um wirklich ehrlich sein zu können. (Oder Wut, aber das ist ein anderes Thema.)

Offenheit … im Sinne von „offen sein für die andere Person“, für ihre Eigenheiten, Stärken, Schwächen, Erfahrungen, Geschichte. Offen sein, mit der Person Neues zu lernen. Offen sein, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Offen sein, die eigenen Grenzen zu verschieben.

Interessen … bzw. Themen müssen sich zumindest an einigen Stellen überschneiden. So gut es ist, sich nicht nur mit Menschen zu umgeben, die uns ähnlich sind (was auch schnell langweilig werden kann), so wichtig ist es, wenigstens ein paar Anknüpfungspunkte zu haben – aber da gibt es ja zum Glück viele Optionen.

Haltung … ist für mich sehr wichtig. Ich merke, dass ich sehr ungnädig mit Menschen bin, mit denen ich keine ausreichend große Schnittmenge hinsichtlich der Haltung zu Politik und Gesellschaft im Großen und zum Miteinander im Kleinen habe.

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* Wenn A mit B und C einen engen Austausch hat, müssen B und C nicht unbedingt den gleichen engen Austausch haben. Wenn C also A etwas im Vertrauen** erzählt, bedeutet das nicht, dass A es B erzählen kann. Vielleicht gibt es einen Grund, warum C es B nicht erzählen will. Oder auch A hat ein Problem mit B, wie geschickt ist es, das mit C zu besprechen?

** Ich tue mich sehr schwer damit, zu sagen, welche Informationen bitte vertrauenvoll behandelt werden sollten. Ich denke (zu oft), dass die Leute doch wissen müssen, welche Informationen so privat/persönlich sind, dass sie nicht einfach mit Dritten geteilt werden müssen. Aber ich lerne immer wieder, dass es da unterschiedliche Auffassungen gibt. Das auch der Indikator „möchte ich, dass so eine Info über mich einfach an Dritte weitergegeben wird“ nicht bei allen gleich ist. Da haben die Menschen unterschiedliche „Schmerzgrenzen“.

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