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Monat: April 2019

Luxus

Luxus

Heute fuhr ich mit zwei Fahrrädern im Kofferraum durch hessische Lande, also von Frankfurt nach Wiesbaden und zurück. Das war so nicht geplant, aber ließ sich heute morgen um 11h00 auch nicht mehr ändern. Ich hätte sonst umständlich nach Hause fahren müssen, Räder ausladen und dann … ach … war ich auch ein wenig gefühlig, denn um 11h00 war die Gurke, wie ich liebevoll das uralte Motobecane-Rad meines Vaters nannte und dass ich seit einiger Zeit für Stadtfahrten nutzte, für tot erklärt worden. Ich hatte ja gehoff, dass es mit „neue Kette“ drauf nochmal eine Weile gute Dienste leisten können, aber die Fahrradmechanikerin sprach sehr fachfrauisch und vertrauenserweckend, dass ich schweren Herzens einsah: Das Rad ist nicht mehr zu retten. Vielleicht hänge ich den Rahmen mit der Gabel einfach an die Wand.*

Kurz zuvor hatte die Mechanikerin schon das Rad vom midi-monsieur in Augenschein genommen. Da war – das wusste ich schon vorher – mindestens die Hitnerradbremse kaputt, aber auch sonst bräuchte es dringend eine Wartung. Die Fachfrau sprach aber auch von einem neuen Antrieb – also Ritzel, Kettenblätter und Kette (ja, die war besonders ausgeleiert). Aber bevor sie über all das sprach merkte sie äußerst genau an, dass das Fahrrad ja größenechnisch ausgereizt sei. Ja, auch das stimmte: Weiter hoch hätte der Sattel nicht gekonnt. Klar wären die erforderlichen Reperaturen möglich und sicherlich auch sinnvoll, ABER halt nicht für ein Rad, das das Kind höchstens noch 6 Monate fährt und dann halt definitiv rausgewachsen sein wird. Zumal die Kosten für die Reparaturen so hoch wären, dass ich davon auch ein neues Rad für das Kind bekäme.

Also lud ich die Räder wieder ein und fuhr sie halt durch die Lande.

Am  Nachmittag kam dann eins zum anderen: Ich war früher zurück als gedacht, der gefundene Parkplatz lag so, dass ich noch einen kleinen Schlenker zum Drahteselhändler des Viertels machen konnte und dort auch zwei potentielle Objekte fand. Dann war immer noch so viel Zeit, dass ich das Kind vom Hort abholte und mit ihm die Vorauswahl genauer begutachtete. Es passte nur das eine der beiden, aber dafür so gut und der midi-monsieur war so happy, dass wir es direkt mitnahmen. Schließlich braucht er ein Fahrrad.

Das Fahrrad ist letztlich ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk, aber dennoch bin ich sehr dankbar, dass ich „einfach so“ ein neues (ja, diesemal nagelneu) Rad kaufen kann.

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* Mal abgesehen davon, dass ich nicht wüsste, an welche Wand, fände der RB das sicherlich auch nicht so knall. Ich werden dem Rad wohl anders ein Denkmal stechen lassen setzen.

Sentimental?!

Sentimental?!

Als der midi-monsieur geboren wurde … herrje, ist das ein komisches linguistisches Konstrukt; klingt ein wenig, als sei ich unbeteiligt gewesen. Also nochmal: Bei, naja, genau genommen nach der Geburt vom midi-monsieur (damals noch mirco-monsieur) hakelte es ja etwas bei mir: Die Plazenta wollte nicht raus und ich musste noch genäht werden. Dem Kind ging es aber gut und mir auch. Die Hebamme und auch die Ärztin im Kreißsaal waren wegen der Plazenta etwas in Aufruhr und zusselten an mir rum. Was mich sehr nervte. Und wähend ich das Legen des Zugangs noch ganz pragmatisch aufnahm, reagierte ich recht ungehalten, als die Hebamme mir den midi-monsieur anlegen wollten, weil Oxytocin und überhaupt und das könnte doch bewirken, dass die Plazenta auch rausfindet. Nein, einfach nein. Sie sollten zusehen, dass den Uterus leer und dass ich genäht wurde und sagte zur Irritation der Hebamme: „Nimm das Kind von mir, solange ihr an mir noch rumwurschteln müsst.“ Meine Mutter würde sagen: „Dieser Pragmatismus ist so typisch.“

Zeitsprung. Fast 10 Jahre später. Der midi-monsieur steht vor dem Übergang zu weiterführenden Schule. Der midi-monsieur ist groß und halt auch zu groß für seinen Ranzen von vor 4 Jahren. Außerdem haben „alle“ anderen Kinder in der Klasse schon neue Schulrucksäcke. Eigentlich sollte es erst für die weiterführende Schule einen neuen Ranzen geben. Aber dann erfuhr ich, dass das Kind wohl keinen wirklichen Ranzen bräuchte, weil an der Ganztagsschule so gut wie alles in der Schule bleibt. Also besprach ich mit dem Kind, dass er es ja bis zum Sommer mit dem neuen – zu Weihnachten bekommenen – Rugby-Rucksack probieren könne. Für die Grundschulsachen reicht der locker und irgendwie ist es für ihn übersichtlicher. Und dann ergab sich, dass das große Rabenkind wohl einen Ranzen bräuchte und weil es im Sozialismus in Norwegen nur ein Einheitsmodell gibt, bestand Interesse. Zufällig fliegt in Bälde die Frau Halbesachen nach Norwegen und so traf ich mich heute mit ihr, um den Ranzen zu übergeben. Bevor ich losfuhr, bot ich dem Kind an, sich noch einmal von seinem Ranzen zu verabschieden. Aber: Das Kind wollte sich nicht mehr vom Ranzen verabschieden. Vermutlich überwiegt die Freude über das Ende der Grundschulzeit. Aber er freut sich, dass er – also der Ranzen – in Norwegen noch weiterlebt.

Doch als ich da so allein mit dem Ranzen in der Bahn saß, dachte ich schon kurz wehmütig: „So ein letztes Bild vom Kind mit dem Ranzen wäre ja schon noch nett gewesen.“ So zum Vergleich: Was ist aus dem Ranzen auf Beinen geworden? Hach, und er ist doch erst gestern zum ersten Mal alleine damit losgezogen.

Ja, doch. Sentimental kann ich auch.

Aber nur kurz. Denn das Kind hat vermutlich sehr recht, dass er den Ranzen, der ihn durch die schwierige Grundschulzeit begleitet hat, nun ablegt. Nein, am Ranzen lag es natürlich nicht, aber er ist halt ein Symbol dafür. Da ist es doch umso schöner, dass er nun mit Lakritz gefüllt wurde neuen Erinnerungen gefüllt wird.

Kindergarten

Kindergarten

Gestern regnete es. Und vorgestern auch. Und das war auch gut so. Zumindest für die Pflanzen – allgemein und im Besonderen auf dem Balkon:

Aber auch in der Wohnung ist eine Pflanzen-Kindergartengruppe. Von neun potentiellen „Kindern“ sind drei schon angegangen.

Morgens früh um sechs

Morgens früh um sechs

… fährt die kleine Hex … äh … der RB zusammen mit mir den midi-monsieur zum Flughafen. Denn der midi-monsieur ist heute und morgen mit dem Rugby-Verein in London. Coole Sache fürs Kind. Heute gab es nach einem Freundschaftsspiel eine Rugby-Stadionführung. Morgen dann Turnier mit vielen englischen Vereinen.

Und wie das so ist: Wenn die Katze das Kind aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse der RB und ich auf dem Tisch im Parkhaus.

Neue, interessante Location. Vielleicht für den Sound nicht ganz optimal. Aber das tat der Stimmung keinen Abbruch.

(Und vermutlich war es ganz gut, dass aus der Lunabar so schlechte Musik kam.)

Zahlen

Zahlen

So ganz rund läuft das derzeit mit der Arbeit nicht. Aus irgendwelchen Gründen scheint es nicht mehr möglich zu sein, dass sich an „meine“ Zeiten gehalten wird, sondern davon ausgegangen wird, dass ich rund um die Uhr und v.a. auch über die eigentlichen Bürozeiten hinaus verfügbar bin. Ähm, nein. Es kann nicht sein, dass mir was um 17 Uhr geschickt wird, dass nochmal überarbeitet werden muss und dann noch rausgeschicht wird. Und schon gar nicht an einem Tag, an dem ich eigentlich nur bis 15 Uhr zur Verfügung stehe. Da wird nochmal ein Gespräch erforderlich sein.

Um mich abzulenken, habe ich mit dem Kind seinen Handgepäcksrucksack für London gepackt und mit ihm Pizza gegessen. Wir haben mit meiner Mutter telefoniert und dann war das Kind früh im Bett (morgen geht es früh raus – um 6h30 wird sich am Flughafen getroffen) – mit einem Rugbyball kuschelnd.

Und weil ich dann schon im Rugbythema war, sammelte ich ein paar Daten zusammen. Denn bald ist wieder RugbyJugendFestival in Frankfurt und das wird ein ganz schön buntes Treiben:

  • 4 Altergruppen
  • 7 Nationen
  • 23 Clubs
  • 71 Teams
  • mehr als 850 rugbyverrückte Kinder
Genetik

Genetik

Heute schoss mir durch den Kopf, dass das Kind genetisch ja nicht nur von mir geprägt ist. Ja, werden jetzt einige aufmerksame Leserinnen sagen: „Das ist aber schon immer so.“ Jaha, ich weiß es ja auch. Aber manchmal wünsche ich mir tief in mir drin, dass er nur meine Gene hätte. Dass er nur von mir geprägt wäre. Dann könnte ich manche Dinge womöglich besser handhaben. Dann wäre er mir manchmal weniger fremd. Also nicht fremd im Sinne von entfernt, wir haben eine sehr enge Beziehung. Aber bei vielen Verhaltensweisen, Grundhaltungen, Herangehensweisen* kann ich nicht wie andere sagen: „Mein Kind eben. Ich weiß ja, woher er es hat.“ Dadurch kann ich ihn oft erstmal nur vom Kopf her verstehen, verstehen, was er macht, wie er es macht und warum er es macht. Aber ich kann es nicht nachfühlen. Nicht selten denke und deutlich weniger sage ich: „Warum machst Du es nicht so?“ – also wie ich es machen würde. Aber er ist er. Ich kann ihn nicht verbiegen. Und ich will das auch gar nicht. Aber ich kann mich ja auch nicht verbiegen. Die Folgen sind je nach Situation und Thema unterschiedlich: a) Es knallt zwischen uns. b) Wir wurschteln nebeinander her. c) Ich überfordere ihn.

Und dann frage ich mich schon: Bin ich ihm eine gute Mutter? Bin ich ihm die Mutter, die er braucht? Aber was braucht er? Ich kann seine Bedürfnisse manchmal nur erahnen, weil er eben so anders „tickt“. Und dann habe ich Angst, dass er seine Bedürfnisse zurücknimmt, weil er meine spürt und auf diese Rücksicht nehmen will.

Natürlich haben wir auch viele gute Momente miteinander. Aber mir ist es auch wichtig, dass er Dinge ohne mich erlebt. Dass er wachsen kann an dem, was ich ihm und letztlich auch er sich selbst zutraut. Dass er eigene Erlebnisse hat, die ihn prägen. Doch was ist, wenn ich diese Erlebnisse miterleben sollte, um zu sehen, was sie mit ihm machen, um ihn besser verstehen zu können? Vielleicht reicht für ein Kind, das noch nicht einmal 10 Jahre alt ist, auch aus, dass er regelmäßig Erlebnisse ohne die Mutter hat, wenn es seinen Vater besucht.

Ich merke, dass ich davon wegkommen muss, zu überlegen, wie ich in dem Alter drauf war, was ich in dem Alter für Bedürfnisse hatte. Es ist egal, wie ich mit fast 10 Jahren war, denn der midi-monsieur ist der midi-monsieur. Und ganz vielleicht sind wir uns doch ganz ähnlich, nur, dass ich mit fast 10 Jahren noch nicht einmal ansatzweise so viel erlebt hatte wie er.

Es sind halt doch nicht** die Gene, die uns prägen.

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* Nein, es sind auch nicht Verhaltensweisen, Grundhaltungen, Herangehensweisen die der midi-monsieur vom Kv „übernommen“ hat und die mich deswegen so pieken. Ich glaube, er ist dem KV genauso „fremd“ wie er es mir ist.

** nicht nur? nicht vorrangig? überhaupt nicht?

Huiuiui

Huiuiui

Letzte Woche als ich so genervt war, musste ich was total Unsinniges tun: Ich guckte bei meinem Mobilfunkanbieter, ob nicht mal wieder Zeit für einer Vertragsverlängerung sei und was ich dabei für ein Handy bekommen könnte. Dann recherchierte ich ein wenig rum, um zu gucken, welches Handy von den angebotenen denn wohl am nettesten sei. Verglich diverse Features und entschied mich, nach 6 Jahren den Südkoreanerinnen untreu zu werden. Aus Gründen wäre es das aktuelleste ungrade nummerierte geworden, aber das schnitt – verglichen mit meinem ausgewählten smarten Phone – halt nicht so gut ab. Einzig wegen der Größe war ich mir unsicher. Ich meine, wer rennt denn mit einem halben Tablet als mobiles Telefon rum?!

Nun denn. Heute kam es. Und tadaaa: Es ist schon einrichtet (nur die SIM-Karte steckt noch im alten) und die Größe – oh, Wunder – ist überhaupt kein Problem. Im Gegenteil: Mein bisheriges S7 kommt mir total mini und unübersichtlich dagegen vor.

Mal abgesehen davon, dass ich sowohl das S3 als auch das S5**** noch hier rumfliegen habe, wird das nun frisch ausgediente S7 einer wichtigen Bestimmung übergehen: Es wird das erste Handy vom midi-monsieur. Er liegt mir seit einiger Zeit in den Ohren, dass er ein Handy bräuchte. Also so zum Schulwechsel, damit er mit seinen alten Schulkameraden noch Kontakt halten könne. Und überhaupt und sowieso haben ja eh alle außer A, B, C, D, E, F, G, H in seiner Klasse schon ein Handy. Das Gute ist, dass er ja im Juni Geburtstag hat. Das ist kurz vor den Sommerferien und zum Glück auch erst NACH der Klassenfahrt. Das passt also super.

Ansonsten muss ich mich öffentlich beim RB entschuldigen für meine Despektierlichkeiten hinsichtlich des USB-C-Anschlusses seines neuen Handys. Das scheint wohl *hust* der aktuelle *husthust* Standard zu sein.

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* mit dem neuen fotografiert

** mit dem alten fotografiert

*** mit dem Handy vom RB fotografiert

**** wird als stationärer mp3-Player an der Anlage genutzt

Beherrschung

Beherrschung

Es hat mich heute sehr viel Beherrschung gekostet, bei Kilometer 28 nicht ganz laut zu fluchen. Ein paar Meter zuvor hatte es sich schon angekündigt. Der rechte Oberschenkelmuskel machte Andeutungen, ziemlich gleich zuzugehen (ich bin mir nicht sicher, ob das ein Krampf ist, es fühlt sich anders an). Also machte ich den Fuss aus dem Cleat, um das Bein auszuschütteln. Doch dabei deutete der linke Oberschenkelmuskel an, ebenfalls gleich zuzugehen. Gut, dass der rechte Fuß schon vom Pedal gelöst war. Vermutlich wäre ich sonst vom Rad gefallen, denn beide Muskel waren in dem Moment, in dem ich zum Absteigen bremste, zu. Da ging gar nichts mehr. Irgendwie kam ich vom Rad und dann musste ich warten. Vorsichtig massieren. Kleine Bewegungen. Trinken. Essen. Vorsichtig massieren. Kleine Bewegungen. Nach ein paar Minuten ging es dann wieder. Ich schob das Rad den Rest der kleinen Steigung hoch und schwang mich dann wieder aufs Rad. Ich versuchte, nicht zu viel zu powern. ABER dabei kann ich mich halt nur schwer beherrschen. Da war es ganz gut, dass bei Kilometer 32 eine U-Bahn-Haltestelle war, an der ich in „meine“ U-Bahn eingesteigen konnte. Es war zwar nur eine Haltestelle weit, aber es ersparte mir die Ansteigung nach Hause. (Zum Glück kann ich mich dahingehend mittlerweile gut beherrschen, dass ich niemandem was auf dem Rad beweisen muss.)

Aber ansonsten war es eine tolle Tour.

Prost, Papa!

Prost, Papa!

Die Sorgen waren schon groß in den letzten Wochen, seitdem mein Papa mit Lungenentzündung ins Krankenhaus gekommen war. Die Betonung liegt auf Kranken-Haus, denn nicht nur meine Mutter hat sich einen Infekt dort eingefangen, sondern mein Vater ist auch noch im Krankenhaus gestürzt – als eine Schwesternschülerin ihn begleitet hat – und auch sonst wurd überhaupt nicht wirklich darauf geachtet, welche pflegerischen Sonderleistungen mein Vater als Schlaganfallpatient benötigt. Hinzu kam, dass er durch den Infekt körperlich stark abgebaut hatte, sodass er Hilfsmittel benötigte, für die sich letztlich aber niemand zuständig fühlte. Abgesehen vom auskurierten Infekt kam er in einem deutlich desolaterem Zustand aus dem Krankenhaus als er eingewiesen wurde. Aber es heißt halt Kranken- und kein Gesundheitshaus. (Und ja, ich weiß, dass das Personal am wenigsten für die gruselige Versorgungslage kann.)

Nach den Telefonaten mit meiner Mutter, zusammen mit der Erinnerung an seinen Zustand im Februar drehte sich das Gedankenkarussell* immer wieder und wieder. Tränen flossen auch.

Meine Mutter war gestresst. Sie organisiert ALLES für meinen Vater. Und das wäre unter besten Umständen schon ziemlich viel. Aber auch unser Gesundheitssystem krankt und so muss sie sich mit unwilligen Ärztinnen rumschlagen, die nötige Therapien nicht verschreiben wollen – sei es aus Regressangst**, sei es, weil sie meinen, dass ein Mensch von 72 Jahren so eine umfangreiche Therapie nicht mehr braucht*** -, sie telefoniert deswegen und wegen tausend anderer Dinge mit der Krankenkasse, sie kümmert sich um Ersatz für die unwilligen Ärztinnen, macht Termin mit diversen Therapeutinnen und übernimmt ganz nebenbei auch komplett die Pflege meines Vaters. Das ist natürlich großes Glück für meinen Vater und wer weiß, wie all das liefe, wenn sie nicht mittlerweile verrentet wäre.

Sie ist so nah an meinem Vater wie sonst niemand anderes. Ihre Berichte über ihn beschönigen nichts (mehr), aber Drama war noch nie ihrs. Daher war nach den letztes Telefonaten mit ihr klar: Meinem Vater geht es sehr schlecht.

Entsprechend wichtig war es mir, ihn zu sehen. Entsprechend mulmig war mir aber auch.

Gedankenkarussell.

Heute dann fuhren der RB und ich hin. Und schon bei der Begrüßung war klar: Papa ist viel besser drauf als erwartet. Der Händedruck (ja, mein Vater möchte per Handschlag begrüßt werden – und wenn er nicht gerade hilflos rumliegt, ist alles andere auch völlig fehl am Platz) war kräftig wie noch nie seit dem Schlaganfall. Er war wach und fit und sah für seine Verhältnisse sehr gut aus. Er beteiligte sich so gut es die Aphasie zuließ an unseren Gesprächen. Er aß mit großen Appetit Grie Soß. Kurzum: Puh! Aufatmen.

Prost, Papa! Auf Dich, aufs Leben!

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* Manche davon kann ich (noch) nicht aussprechen.

** Was bei Schlaganfallpatientinnen Quatsch ist, da diese idR außer Budget laufen.

*** O-Ton: „Er ist ja keine 22 mehr und schon verrentet.“