Sentimental?!

Sentimental?!

Als der midi-monsieur geboren wurde … herrje, ist das ein komisches linguistisches Konstrukt; klingt ein wenig, als sei ich unbeteiligt gewesen. Also nochmal: Bei, naja, genau genommen nach der Geburt vom midi-monsieur (damals noch mirco-monsieur) hakelte es ja etwas bei mir: Die Plazenta wollte nicht raus und ich musste noch genäht werden. Dem Kind ging es aber gut und mir auch. Die Hebamme und auch die Ärztin im Kreißsaal waren wegen der Plazenta etwas in Aufruhr und zusselten an mir rum. Was mich sehr nervte. Und wähend ich das Legen des Zugangs noch ganz pragmatisch aufnahm, reagierte ich recht ungehalten, als die Hebamme mir den midi-monsieur anlegen wollten, weil Oxytocin und überhaupt und das könnte doch bewirken, dass die Plazenta auch rausfindet. Nein, einfach nein. Sie sollten zusehen, dass den Uterus leer und dass ich genäht wurde und sagte zur Irritation der Hebamme: „Nimm das Kind von mir, solange ihr an mir noch rumwurschteln müsst.“ Meine Mutter würde sagen: „Dieser Pragmatismus ist so typisch.“

Zeitsprung. Fast 10 Jahre später. Der midi-monsieur steht vor dem Übergang zu weiterführenden Schule. Der midi-monsieur ist groß und halt auch zu groß für seinen Ranzen von vor 4 Jahren. Außerdem haben „alle“ anderen Kinder in der Klasse schon neue Schulrucksäcke. Eigentlich sollte es erst für die weiterführende Schule einen neuen Ranzen geben. Aber dann erfuhr ich, dass das Kind wohl keinen wirklichen Ranzen bräuchte, weil an der Ganztagsschule so gut wie alles in der Schule bleibt. Also besprach ich mit dem Kind, dass er es ja bis zum Sommer mit dem neuen – zu Weihnachten bekommenen – Rugby-Rucksack probieren könne. Für die Grundschulsachen reicht der locker und irgendwie ist es für ihn übersichtlicher. Und dann ergab sich, dass das große Rabenkind wohl einen Ranzen bräuchte und weil es im Sozialismus in Norwegen nur ein Einheitsmodell gibt, bestand Interesse. Zufällig fliegt in Bälde die Frau Halbesachen nach Norwegen und so traf ich mich heute mit ihr, um den Ranzen zu übergeben. Bevor ich losfuhr, bot ich dem Kind an, sich noch einmal von seinem Ranzen zu verabschieden. Aber: Das Kind wollte sich nicht mehr vom Ranzen verabschieden. Vermutlich überwiegt die Freude über das Ende der Grundschulzeit. Aber er freut sich, dass er – also der Ranzen – in Norwegen noch weiterlebt.

Doch als ich da so allein mit dem Ranzen in der Bahn saß, dachte ich schon kurz wehmütig: „So ein letztes Bild vom Kind mit dem Ranzen wäre ja schon noch nett gewesen.“ So zum Vergleich: Was ist aus dem Ranzen auf Beinen geworden? Hach, und er ist doch erst gestern zum ersten Mal alleine damit losgezogen.

Ja, doch. Sentimental kann ich auch.

Aber nur kurz. Denn das Kind hat vermutlich sehr recht, dass er den Ranzen, der ihn durch die schwierige Grundschulzeit begleitet hat, nun ablegt. Nein, am Ranzen lag es natürlich nicht, aber er ist halt ein Symbol dafür. Da ist es doch umso schöner, dass er nun mit Lakritz gefüllt wurde neuen Erinnerungen gefüllt wird.

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