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Kategorie: Falsch abgebogen

Zerreißen

Zerreißen

Das Kind ist zerrissen. Zerrissen zwischen Deutschland und Frankreich. Zwischen dem Kv und mir. Zwischen zwei Sprachen. Zwischen Freizeit und Alltag. Zwischen aluhutesken Populizismen und eindeutig antifaschistischen Ansichten.

Ich kann das mit dem Kopf nachvollziehen, aber ich kann es nicht nachempfinden. Das kann wohl nur eine, die das selbst erleben musste.

Aber es zerreißt mich, ihn so zu sehen und zu erleben. Er ist auf der Suche. Er sucht seinen Platz. Seine innere Heimat. Sich selbst.

Und ich weiß nicht, ob und wie ich ihm helfen kann.

XVIIXIXIV

XVIIXIXIV

Auf Twitter geistert gerade so ein Jahrzehnt-Meme rum, dabei twittert jede in Stichworten, was die letzten zehn Jahre passiert ist. Tjanun, das Jahrzehnt ist aber erst 2020 zu Ende. Und das Jahr selbst ist halt auch noch nicht beendet.

Dennoch drängt sich mir ein Rückblick auf. Nicht auf die letzten zehn, aber wenigstens auf die zurückliegenden fünf Jahre – und zwar auf den heutigen Tag genau. Denn heute vor fünf Jahren war der schlimmste schwärzeste zäsurbringenste Tag in meinem Leben.

Heute vor 5 Jahren eskalierte* es so dermaßen zwischen dem Kv und mir (wir waren bereits 4 Monate getrennt), dass ich ihn am Ende eines langen Abends von der Polizei aus der Wohnung holen lassen musste.

Seitdem ist verdammt viel passiert:

  • Gerichtsverhandlung wegen Umgang
  • zwei Jobkündigungen
  • Selbstständigkeit angefangen
  • Einschulung vom Kind
  • Urlaub mit meinen Eltern
  • anstrengende Grundschuljahre
  • Elternbeirätin gewesen
  • Konzertliebe wiederentdeckt
  • verschiedene Kurzreisen
  • mich von meinem kleinen Bruder „getrennt“
  • mich an kindfreie Ferien gewöhnt
  • manchmal kein Weihnachten gefeiert
  • Psychotherapie für mich und fürs Kind
  • den Adventskaffee ritualisiert
  • viele Menschen aus dem Internet getroffen
  • im Europapark gewesen
  • Freundschaften geknüpft
  • mir viele Sorgen um meinen Papa gemacht
  • Zeit mit Freundinnen verbracht
  • bunte Haare gehabt (blau, lila, schwarz, rot)
  • eine wilde Phase gehabt
  • eine Freundschaft gekündigt
  • oft nach Wiesbaden gezogen
  • Haare von schulterlang über Bob mit Pony auf Feathercut-kurz
  • viel wegen Rugby unterwegs gewesen
  • 40 geworden
  • Mitbewohnerinnen gehabt
  • mit dem RB zusammengekommen und -gezogen
  • noch mehr Konzerte besucht
  • min. 18 Mal nach Paris gefahren
  • drei Mal richtig Urlaub gemacht
  • mich politisch radikalisiert positioniert
  • Schulwechsel fürs Kind
  • weiterhin Eltenbeirätin
  • AG-Leitung
  • einen Arbeitsvertrag unterschrieben
  • 7 Tattoos
  • Freiheit genossen

Wow, und wer weiß, was ich noch vergessen habe. Dabei habe ich

  • getrauert und geweint
  • gewütet
  • mich geärgert
  • resigniert
  • gekämpft
  • geschimpft
  • gewundert
  • mit den Augen gerollt
  • gehofft
  • mich viel gefreut
  • nachgedacht
  • immer das Kind geliebt
  • viel Spaß gehabt
  • geflucht
  • meine Ängste abgelegt
  • Mut gehabt
  • gestritten
  • viel aus dem Bauch heraus entschieden
  • gelacht
  • das Leben genossen,

denn das Tolle war und ist:
Es ist alles besser geworden.


Für immer ein Teil von mir.

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* Passwort auf Anfrage

Sag niemals nie

Sag niemals nie

Hmhm, ich mag ja keine absoluten Aussagen – also nie, immer, alle(s), nichts – und ich habe auch keines diese Wörter benutzt, aber so ein bisschen absolut klang es doch schon:

Denn interessanterweise kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, mir die Arme tätowieren zu lassen.

Und ich rudere hiermit offiziell zurück, denn seit heute habe ich mein erstes Arm-Tattoo. (Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht das letzte sein wird, denn ich habe für den anderen Arm auch schon eine Motividee… wobei „Idee“ auch etwas lapidar ist, denn es steht in meinem Kopf schon fest.)

Mein ursprünglicher Platz am Arm ging nicht und so musste es versetzt werden. Aber mir ist es wichtig, dass ich es – sofern ich nicht lange Ärmel anhabe – sehen kann. Ich denke, dass ich es irgendwann mal in ein weiteres Tattoo einbetten lassen werden, aber erstmal darf und muss es alleine wirken.

Mit diesem Tattoo ist nun das Bedeutungstripel voll. Die nächsten Tattoos werden nur noch für den Spaß gestochen. 😀

Damals

Damals

Heute vor zwei Jahren habe ich mich bei Twitter angemeldet. Und mein allererster Tweet lautete:

Was mich damals zu Hause erwartete, ist auch erst zwei Jahre her und dennoch fühlt es sich zum Glück weit weit weg an. Seitdem ist viel, sehr viel passiert. Und ich bin unendlich dankbar für all die Entwicklungen der letzten zwei Jahre.

Der 17. November 2014 war einer der schwärzesten Tage in meinem Leben und ich möchte diese Angst nie wieder erleben (müssen). Zeitgleich war es vielleicht auch einer meiner stärksten Tage: Trotz meiner Angst blieb ich ruhig und besonnen und schaffte es, überlegt zu handeln und das wohl einzig Richtige zu tun.

Ich war noch nie jemand, der in stressigen Momenten in Panik verfällt. In Krisensituationen schaffe ich es für gewöhnlich in ein „Notfallpogramm“ zu schalten und völlig sachlich vorzugehen. Ja, das ist sicherlich eine Stärke von mir, von meinem eigentlichen Ich. Das Problem damals war, dass ich ja gar nicht mehr ich selbst war. Beziehungsweise mit ganz kleinen Schritten wieder auf dem Weg zu mir war. Den ersten war ich ziemlich genau sechs Monate zuvor bei der Kur gegangen. Mein Therapeut forderte mich auf, einen Brief an mich zu schreiben. An mich nach der Kur. Einen Brief, den ich immer wieder lesen sollte, wenn ich das Gefühl haben sollte, dass ich von meinem Weg (der damals noch offen war) abkomme. Es beeindruckt mich noch immer, wie nachhaltig diese kleine und vermeintliche einfache Maßnahme wirkt(e).

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Schnapsidee

Schnapsidee

.. und dabei habe ich nicht mal was getrunken. Vielleicht sollte ich das tun, damit ich mich wieder abregen kann.

Der mini-monsieur und ich bestreiten nun seit knapp zwei Monaten den Alltag allein. Und es klappt dank der Babysitterin auch eigentlich ganz gut. Ich spüre, wie wenig (also gar nicht) mir der abwesende Mann in Haus fehlt. Dem mini-monsieur geht es da – verständlicherweise – etwas anders. Es gibt immer mal wieder Abende mit Vermissenstränen.

Da der Vater des Kindes nunmal zeitlich deutlich flexibler ist als ich und auch als der mini-monsieur, kam die Idee auf, dass er hierher kommt. Also auch bei uns nächtigt. Ganz wohl war mir bei der Idee nicht, aber es ist nun mal die einfachste und für den mini-monsieur schönste Option.

Doch allein schon die Terminfindung bietet so viel Reibungspotential, dass ich eigentlich keinen Bock mehr habe. Denn nach vielem Hin-und-her ohne eine definitve Aussage aus französischem Munde legte ich dann ein Datum fest. Es schien akzeptiert und für mich demnach auch planbar – immerhin muss ich ja mit der Babysitterin klären, wann sie nicht kommen braucht.

Heute dann wieder das alte Machtspiel: Der gnädige Herr muss sich nicht an Absprachen halten. Er offenbart, dass er schon zwei Tage vor dem eigentlichen Termin in der Stadt sei. ABER nicht bei uns nächtigen würde. Aber den mini-monsieur ja trotzdem vom Kindergarten abholen könne. Aber nur bis die Babysitterin käme. Das Kind versteht die Welt nicht mehr und ich habe schon eine Vermutung. Also biete ich ihm an, dass er die ganze Zeit bei uns wohnen könne, dann könne ich ja mal an dem einen Abend ausgehen.

Bingo! Er schläft nicht bei uns, weil er doch tatsächlich nicht früher kommt, um mehr Zeit mit seinem Kind zu verbringen, sondern weil ein Konzert stattfindet (nichts großes, er kennt die Band halt persönlich).

Ich glaube, es hackt. Ich kann eigentlich gönnen. Und weiß, dass seine Freiheiten auch ihren Preis haben. Aber mal ganz ehrlich, ist es wirklich zu viel verlangt, wenn man die ganze Zeit, während ich zwischen Job, Kind und Haushalt hin- und herhüpfe, ausgehen kann, wann und wohin man will, sich in der wenigen Zeit, die man dann mal mit seinem Kind hat, diese auch ganz dem Kind zu widmen?