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Kategorie: Bewegendes

#ClosedNovember (6)

#ClosedNovember (6)

Ich bin dann mal die Spielverderberin: Während gefühlt ganz Deutschland im Freudentaumel über die Wahl Bidens (und Harris) eskapiert, bin ich wütend.

Ich bin wütend über das, was in Leipzig passiert ist. Wütend über meine Hilfslosigkeit. Wütend über meine Machtlosigkeit. Wütend über diese klar dokumentierte Ungerechtigkeit. Über den Rechtsruck und darüber wie sehr Deutschland auf dem rechten Auge blind ist.

Ich bin auch wütend darüber, dass es so vielen so viel wichtiger ist, dass Trump abgewählt worden ist als das, was im eigenen Land passiert.

Und ehrlich gesagt: Ja, es ist gut, dass Trump abgewählt worden. Aber ob Biden und auch Harris die großen Heilsbringerinnen sein werden, wage ich zu bezweifeln. Sehr.

Wieder da

Wieder da

Zweite Welle: Tag 97

Eine Woche, nachdem mein Vater ins Krankenhaus musste, ist er heute wieder nach Hause gekommen. Das ist gut. Gut ist auch, dass der Grund für seine Einlieferung erfolgreich behandelt werden konnte. Nicht so gut, wenn auch aus Pandemiesicht verständlich, war, dass meine Mutter gar nicht zu ihm durfte. Dass mein Vater, aus personeller Sicht auch verständlich, nicht ausreichend Ansprache, Beschäftigung bekam und wohl gar nicht mobilisiert wurde.

Nein, krank zu werden ist während der Pandemie nicht lustig. Besuche bei Ärztinnen möchte eine derzeit ja auf das absolut nötige Minimum.

Aber als Mensch, der auf Hilfe angewiesen ist, alleine krank im Krankenhaus sein zu müssen, das wünsche ich keiner.

In der zweiten Welle

In der zweiten Welle

Zweite Welle: Tag 84

Die Zahlen steigen ins Unermessliche. Ich kann mich darüber gar nicht (mehr) aufregen. Es war so klar, dass es so kommen wird. Die zweite Welle wird heftig – viel heftiger als die erste. Und ich bin mir sicher, dass jede in dieser zweiten Welle mindestens eine dirkete Angehörige oder Freundin haben wird, die sich infiziert. Andere Pandemie haben gezeigt wie es läuft. Aber warum aus der Vergangenheit lernen. Eine sieht ja auch am Rechtsruck wie lernresistent der Mensch ist.

Ich denke ein bisschen: Ach, hätte ich meine Eltern doch im Sommer nochmal besucht. Jetzt wird es so schnell nicht mehr gehen und das letzte Mal haben wir uns Weihnachten 2019 gesehen. Für das Kind ist es noch länger her. *seufz*

In der #CorotäneKneipe diskutieren wir darüber, wie Weihnachten gefeiert wird. Ich bin froh, dass wir keine Weihnachtstradition haben im Sinne von „da kommt die ganze Familie zusammen“ und auch dass ich generell nicht an den Weihnachtstagen hänge. Das Kind wird hier sein und wir werden es uns sicherlich zu dritt gemütlich machen. In der Kneipe machen die meisten mehr oder weniger große Abstriche, um die Liebsten und sich selbst heil durch die Pandemie zu bringen.

Und alle sind müde von den Maßnahmen, von unsolidarischen Mitmenschen vom Hüh und Hott der Regelungen. Wir werden weniger rauskönnen in den nächsten Monaten, es wird dunkler sein. Ich mag mir nicht ausmalen, was das mit der einen oder dem anderen macht. Wir haben alle unterschiedliche Limits. Ich bin immer noch an dem Punkt, dass ich denke „jo, da müssen wir jetzt durch und wenn es noch zwei Jahre dauert, dann ist das so. Aber was sind schon zwei Jahre?! Unter 5 Prozent meines bisherigen Lebens. Das ist nichts.“ Und klar, für das Kind mit seinen 11 Jahren sind 2 Jahre wiederum fast 20 %. Das ist eine ganze andere Nummer. Mir helfen dennoch die Relationen. Mir hilft auch sehr, mit immer wieder bewusst zu machen, in welche priviligierter Situation ich diese Pandemie erlebe:

  • super Kind,
  • toller Partner,
  • eine schöne Wohnung, in der ich gerne bin,
  • ein Job, den ich mag und im HomeOffice ausüben kann, und der ausreichend lukrativ ist.

Wenn andere sagen, dass 2020 weg kann, fühle ich mich immer etwas ertappt, weil ich denke: Naja, so schlimm ist das alles für mich persönlich nicht. Und ich denke auch, dass, wenn sich wirklich alle an die wenigen Regeln (Abstand, Maske, soziale Kontakte einschränken (sic!)) halten würden, dann wäre es für alle auch einfacher zu ertragen und wir kämen deutlich entspannter durch die Pandemie.

FFP2-Masken

FFP2-Masken

Zweite Welle: Tag 77

FREItag und das Kind hat Ferien. Nach einer entsprechenden Ansage gestern Abend durfte ich auch tatsächlich ausschlafen.

Fas zu lange geschlafen, denn ich habe einen Friseurtermin. Da mein Friseur in der Nähe vom Laden vom RB ist, gehen wir zusammen zu Fuß von einen ins andere Risikogebiet.

Nach dem Friseur muss ich schnell navh Hause. Deswegen muss ich den ÖPNV nutzen. Ich bin ganz froh, dass ich eine FFP2-Maske dabei habe.

Weil sich ein Termin nicht anders legen ließ, muss ich eine Stunde lang Interview führen.

Anschließend hole ich eine Bestellung bei der Dorf-Buchhandlung ab.

Danach sitze ich etwas untätig strickend auf dem Sofa und sinniere über die Wochenendplanung, die etwas durcheinander geraten ist. Da wir morgen zur Weinlese fahren, können wir morgen nicht einkaufen.

Hmhm, dank des neuen Kochbuchs bin ich dann doch inspiriert und gehe einkaufen.*

Als das Kind halbwegs früh im Bett ist, will ich die bisher benutzten FFP2-Masken „aufbereiten“. Das geht wohl im Backo für 30 Minuten bei 60-80 °C.

Tja, blöd ist’s, wenn eine – also ich – nach 30 Minuten in den Herd fasst und denkt, dass der nicht geheizt habe und den Herd beherzt auf >100 °C stellt, dann sehen FFP2-Masken recht schnell so aus:

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* Mir kurz freue ich micht über die Aussicht, den Samstag nichr mit Einkaufshetzerei zu vertun und dass wir so am Sonntag ja wirklich nichts vorhaben.

Donnerschdag

Donnerschdag

Zweite Welle: Tag 62

Das Kind bekam heute ein Kompliment. Und ich damit auch. Oder bekam ich das Kompliment und dadurch das Kind? Zumindest begegnete ich heute einer Nachbarin: „Ich muss Dir mal ein Kompliment machen“, leitete sie ein. Ich war irritiert. „Ich finde, dass Du das mit der Erziehung von Deinem Sohn prima machst.“ Ui, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. „Der ist immer so freundlich und höflich. Er grüßt immer, wenn er uns sieht. Hält die Tür auf.“ „Oh, danke“, stammele ich. „Ich habe mit so vielen Kindern zu tun. Da bin ich schon froh, wenn die mir nicht die Tür vor der Nase zuschlagen. Aber so wie er, das machen die wenigsten“, setzt sie nach und verschwindet die Treppe rauf. Ich bleibe perplex stehen. Und natürlich erfreut. Und ein bisschen stolz.

Anderes Thema:


Wenn eine um 7h30 anfängt zu arbeiten, obwohl die Kernarbeitszeiten zwischen 9h00 und 18h00 liegen, zudem klar kommuniziert ist, dass ich erst ab zwischen 9h30 und 10h00 erreichbar bin, dann kann sich niemand darüber beschweren, dass ich „so schwer erreichbar bin“. Ich beschwere mich ja auch nicht darüber, dass ich nach 18h00 keine mehr erreiche, obwohl ich da oft noch arbeite. Dazu kommt, dass ich als Schreiberling auch immer mal wieder längere Konzentrationsphasen ohne Unterbrechung brauche, damit ich in den Flow komme, und so auch über Tag nicht ständig sofort zur Verfügung stehe. Nöckelig werde ich allerdings, wenn diese Personen – arbeitszeittechnisch zurecht – um 16h30 Feierabend machen, ohne das zu kommunizieren.

Bedingen

Bedingen

Zweite Welle: Tag 55

Die Koinzidenz ist durchaus interessant. Ob es nur eine temporäre oder auch eine kausale ist, muss noch beobachtet werden:

Das Kind ist derzeit erstaunlich entspannt. So hier im Alltag. Selbst die Schule wird gerade nicht gehasst. Im Gegenteil so langsam weichen sich die Cliquen auf und er wird von den anderen angenommen – in seiner ganzen Andersartigkeit. Er ist selbstständig, zuverlässig und für sein Alter gut organisiert. Hier zu Hause ist er – wie es sich gehört – präpubertär aufmüpfig, aber noch erträglich. Und ich bin mir sicher, dass es Jammern auf sehr hohem Niveau ist, weil eben „selbstständig, zuverlässig und für sein Alter gut organisiert“. Das Rugby-Training macht ihm wieder großen Spaß und ich freue mich, dass er das Bouldern für sich entdeckt hat.

Zeitgleich geht der Kontakt zum Kv immer weiter zurück. Seit Wochen lehnt das Kind jede Kontaktaufnahme ab. Er sagt, er fühle sich nicht bereit und er habe keine Lust, belatschert zu werden. Er möchte ernst genommen werden. Und nein, das passiert beim Kv nicht. Der Kv sieht vorrangig sich selbst und seine Bedürfnisse. Er redet von seinen Rechten, aber was das Kind will, ist egal zweitrangig. Wenn der Kv sich meldet, dann ist immer ein Unterton dabei. Neutrale, interessierte Kommunikation ist von Seiten des Kv nicht möglich. Und das will das Kind – zurecht – nicht mehr ertragen.

Haben also der Nicht-Kontakt und der entspanntere Alltag miteinander zu tun? Bedingt das eine das andere? Möglich ist das. Vielleicht ist es aber eh ein Prozess, den das Kind gerade durchmachen würde. Was ich auf jeden Fall beobachte: Das Kind reflektiert sich sehr stark und benennt eindeutig, welche Verhaltensweisen vom Kv kommen. Warum er manchmal handelt, wie er handelt. Er erkennt dabei auch, dass diese Verhaltensweisen nicht immer gut ankommen (können) bei Unbekannten. (Wenn er wen länger kennt und Vertrauen hat, kommen die nicht so zu tragen.) Und durch den Nicht-Kontakt und insbesondere dadurch, dass er nun über acht Monate nicht in Frankreich war, bekommt er diese Verhaltensweisen auch nicht mehr „regelmäßig“ vorgelebt. Denn hier finden die unter Garantie nicht statt – eher im Gegenteil.

Und ich sitze hier und staune über mein Kind. Ich sehe, wie er sich wiederfindet, weil er nicht mehr zerrissen* ist. Weil der RB und ich ihn so nehmen, wie er ist. Weil er sein Ding machen darf. Weil er nicht die Bedürfnisse eines (oder hier halt zwei) Erwachsenen mitdenken muss.

Auch wenn ich manchmal dem Kind wünsche, dass er nie wieder Kontakt zum Kv haben muss, weiß ich, dass das nicht richtig wäre. Also nur richtig wäre, wenn das Kind es selbst will. Und ich weiß, dass er eigentlich nach Frankreich will. Dass er gerne dort ist.

Doch erstmal ist Pandemie. Die Zahlen in Frankreich und in der Bretagne steigen und steigen. Das Kind will da nicht hin. Außerdem ist der Kv vom Sockel gestürzt und nun liegt ein Scherbenhaufen vor dem Kind, mit dem er erstmal klarkommen muss. Und es ist gut, dass er die Zeit dazu hat.

Ach, mein liebstes Lieblingskind, ich bewundere Dich für Deine Resillienz.

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* Er benannte die Zerrissenheit lange damit, dass es unterschiedliche Sprachen sind. Auch hing er zwischen den Erziehungsstilen. Schule und Ferien. Landleben und Großstadt…

Glück

Glück

Zweite Welle: Tag 45

Das Kind kam heute recht spät von der Schule. Der Unterricht war um 15h50 zu Ende, aber er war – trotz Fahrrad – erst um 16h15 zu Hause. Dadurch musste er etwas hetzen, um sich rechtzeitig zum Rugby loszukommen. Dann war er aber so zeitig, dass er mich um 16h50 vom Pitch aus anrufen konnte, weil er seinen Zahnschutz vergessen hatte. Glück im Unglück: Ich hatte eine Verabredung im Westend um17h30. Da konnte ich mit dem Rad problemlos kurz am Club vorbeifahren und ihm den Zahnschutz bringen.

Es tat gut, mit dem Rad durch die Stadt zu fahren. Auch die große Runde – 3,5 Kilometer – durch den Grüneburgpark tat gut. Aber besonders gut tat der Grund, warum ich überhaupt 3,5 Kilometer Luftlinie westwärts unterwegs war: Ein Treffen mit Freundin C. Es hat mich sehr gefreut, sie endlich mal wieder zu sehen. Das letzte Mal war Ende Februar.

Ein bisschen wenig Glück hat leider ein lieber Tweep. Daher braucht er dringend Hilfe vom virtuellen Dorf.

Und weil es nicht nur die Heizung, sondern auch das Warmwasser betrifft, ist schnelle Hilfe wichtig. Weitere Infos findet ihr hier.
(Selbst wenn der Spendentopf nicht voll wird, hilft hier wirklich jeder Euro.)

Schwerer

Schwerer

Zweite Welle: Tag 43

Ich war aus. Draußen. In kleiner unterhaltsamer Runde. Das war eine schöne Abwechslung. Es fühlte sich aber auch etwas komisch ungewohnt an: Mit Menschen längere Zeit verbringen, die nicht zu meinem Haushalt gehören.

Ich muss ein bisschen aufpassen, dass ich das nicht verlerne. Ich merke, dass ich extrem im Katastrophenmodus bin: funktionieren, alles am Laufen halten, immer in Habachtstellung. Ich kann eine grundlegende Anspannung nicht abstreiten. Ich habe kein Problem mit der „neuen Normalität“ (zumindest, wenn sich alle an die wenigen Regeln – AHA – halten würden), aber ich merke, dass von meiner Leichtigkeit, meinem Optimismus etwas in der Maske hängen geblieben abhanden geraten ist. Und nein, dass ist nicht dieses „endlich erwachsen werden“. Es ist vielmehr, dass die leichten Momente (Konzerte, spontan Museum, Freundinnen treffen, Umarmungen zur Begrüßung etc.) fehlen.

Ich kann und will nicht wie ein trotziges Kind schmollen, dass ich den SARS-CoV-2 doof finde und dass ich meine altes Leben zurück haben will. Da macht mein Kopf einfach nicht mit. Es ist jetzt wie es ist und wir müssen mit leben. Aber ich finde es doof, dass die Pandemie dazu führt, dass ich viel mehr Gefahr wittere (als eh schon), das Vertrauen in die Menschheit verliere und dass Freundschaften auf dem Prüfstand stehen.

Die Pandemie macht viel mit uns. Und wir werden als andere herausgehen (sollte sie einmal beendet sein). Wir werden nicht zu unserem „früheren Ich“ zurückkehren können.

Bürotag

Bürotag

Zweite Welle: Tag 41

Weil ich heute ein Mitarbeiterinnengespräch hatte, habe ich tatsächlich mein HomeOffice verlassen und bin mit dem Auto (ÖPNV traue ich mich nur wohl dosiert und nicht zu Stoßzeiten) ins Büro gefahren. Mal abgesehen von den drei Malen, wo ich 1) meinen zweiten Bildschirm geholt, 2) den Rechner zur Reperatur abgegeben und 3) den Rechner wieder abgeholt habe, war es das erste Mal seit Ende März, dass ich im Büro war. Promt hatte ich alles vergesen, was ich zum Arbeiten im Büro brauche. Naja, fast alles. Den Rechner und die Maus hatte ich mit, aber ich hatte kein Netzteil und auch keinen Netzwerkadapter dabei. Zum Glück fand sich im Büro Abhilfe.

Das Gespräch lief gut. Das Feedback durchweg positiv. Die Kritik auf sehr hohem Niveau. Und dennoch ärgert mich der eine oder andere Kritikpunkt sehr. Ich weiß noch nicht, wie ich damit umgehen soll. Es kiekst mich, obwohl es das nicht sollte, denn es kommt aus einer Anspruchshaltung der Kritikerin heraus, die tw. einfach überzogen ist, bzw. sich etwas an bestimmten Prozessen grundlegend verändern müsste, damit ich den einen oder anderen Kritikpunkt wirklich ändern könnte. Außerdem nervt es mich, dass mir sowas nicht direkt gesagt wird, sondern halt so ein anonymes Feedback dafür benutzt wird.

Ansonsten war das Arbeiten im Büro erstaunlich angenehm. Ich arbeite ja gerne im HomeOffice und war auch schon oft genug genervt von meinen Bürotagen, aber heute war es eine ganz nette Abwechselung. Vielleicht auch weil nicht so viele da sind und es daher nicht laut und stressig war, weil immer wer was von mir wollen könnte. Neben dem Gespräch habe ich auch ein paar Sachen weggeschafft.

Die Rückfahrt nutzte ich – dank Freisprechanlage -, um endlich mal wieder mit meiner Mutter zu telefonieren. Da ist gerade viel im Umbruch und ich bin gespannt, wie das weitergeht. Und ob das alles so klappt, wie geplant. Zusammengezuckt bin ich allerdings, als sie meinte, dass wir da, wo sie hinziehen werden, ja auch Urlaub machen könnten. Ja, können wir, aber das müssen wir auch wollen.

Mit beiden Beinen im Leben

Mit beiden Beinen im Leben

X-63 Tage bis zur In der zweiten Welle

Ich habe einen Plan: Ich möchte Hosen aus meiner Gaderobe verbannen. Also nicht komplett verbannen, aber ich habe keine Lust mehr auf Jeans und Co. Ich habe zwei gut sitzende Jeans, aber es ist sehr tagesformabhängig, wie ich mich darin fühle.

Letztlich fing es damit an, dass ich Snagtights für mich entdeckte: Endlich mal Strumpfhosen, die passen. Die nicht rutschen, die nichts abschnüren. Dazu noch in tollen Farben und 80 DEN. Das ist, wenn es kühler ist, ja nicht so unwichtig. Als wir im Februar in Berlin waren, hatte ich nur Röcke (und Strumpfhosen) dabei. Dann kam SARS-CoV2 und ich saß im HomeOffice in allem, nur nicht in Jeans.

Seit Wochen trage ich nur noch Röcke und Kleider – auch im Urlaub hatte ich keine Hosen mit – und es fühlt sich wirklich gut an. Ich trage vor allem kurze Röcke, also kurz über Knie kurz. Etwas über Knie lang geht auch. Aber da habe ich bislang nicht so viele gefunden, die mir gefallen und die nicht Midi-lang sind. Midi-lang mag ich an mir nicht. Aber eigentlich mag ich die kurzen Röcke am liebsten – leichte A-Linie, Skaterstyle. Darin lässt sich auch prima wandern.

Bis noch vor einiger Zeit habe ich im Sommer – wenn überhaupt – lange Röcke getragen. Weil ich darunter meine Beine verstecken kann.* Weil ich meine Beine nicht schön fand.** Weil sie nicht unbedingt so aussehen, was landläufig als „schöne Beine“ bezeichnet wird: etwas kräftig(er), krumme Knie, keine glatte Haut, Krampfadern*** (v.a. rechts), Oberschenkel ohne Lücke**** und mit Hip Dips. Wenn ich viel Sport treibe – also Gymnastik, Yoga, Radfahren – dann wird das ganze zwar etwas definierter, aber die Grundproblemeform bleibt bestehen.*****

Die Erkenntnis, die in den letzten Jahren in mir reifte und für die es wohl auch ein gewisses Alter braucht: Ich werde mit meinen Beinen leben müssen. Und wenn ich so drüber nachdenke, dann haben mich meine Beine auch die vergangenen 43 Jahr äußerst treu begleitet. Okay, das rechte Knie spinnt gelegentlich. Aber bislang machen die Beine ihren Job gut. Ich stehe mit ebendiesen Beinen fest im Leben.

Deswegen war mein Posting auf Instagram auch kein fishing for compliments.

Es ist vielmehr ein Aufruf, sich darum zu scheren, was die anderen denken können:

Liebe alle, aber als Frauen gelesene Menschen besonders,
versteckt euch nicht – in Sack und Asche -, weil ihr meint, nicht der „Norm“ zu entsprechen.
Zieht an, worin ihr euch gefallt. Schwitzt im Sommer nicht unnötig, weil ihr meint, irgendwas unter langbeinigen oder -ärmeligen Klamotten verstecken zu müssen******. Tragt schwarz, wenn es euch gefällt, aber nicht, weil ihr meint etwas kaschieren zu müssen******.
Seid gnädig mit euch und euren Körpern.*******

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* Ich habe auch ein paar ganz lange Röcke. Das mag ich im Sommer manchmal ganz gerne. Zumal ich unter den langen Röcken auch mal die Kompressionsstulpen tragen kann.

** Und an manchen Tagen auch immer noch nicht schön finde.

*** Bereits einmal Veröden und einmal Stripen lassen.

**** Hier eine große Empfehlung für entweder Antitranspirant-Creme oder halt ChubRubs-Shorts

***** Deswegen lasse ich das mit dem Sport aber nicht.

****** Ich schreibe bewusst „zu müssen“, denn ihr müsst gar nichts. Wenn ihr es wollt, weil ihr euch wohler fühlt, ist das was anderes, aber wenn ihr meint zu müssen, um einer „Norm“ zu entsprechen, die es letztlich nicht gibt, dann LASST ES EINFACH!

******* Und nein, ihr müsst nicht mit den 5 Kilogramm zu viel leben, wenn ihr euch damit nicht wohl fühlt, aber das ist dann eure Sache und in eurem Kopf und letztlich – hoffentlich – eure Norm, die ihr auch keiner anderen überstülpen dürft.