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Kategorie: Bewegendes

Wahlsonntag

Wahlsonntag

Erstaunlich, was alles in so einen Sonntag passt, obwohl wir erst um 2h00 im Bett waren. Und zu dem Zeitpunkt auch nicht nüchtern.

  • pünktlich aufgestanden (10h00)
  • Kind befrühstückt und
  • zum Aikido geschickt
  • Himbeer-Mohn-Eis angesetzt
  • geduscht
  • zum Bäcker gegangen
  • wählen gegangen
  • Thunfisch-Dip angerührt
  • gefrühstückt, parallel
  • Dinge gesucht und
  • Dinge ausgedruckt
  • zum Dojo gegangen
  • dem Kind beim passagieren zugeguckt

    Stolzer Aikidoka mit organgem Gürtel
  • mich mit der Co-Elterbeirätin besprochen
  • geschwätzt und gegessen
  • nach Hause gegangen
  • Balkon hergerichtet
  • Pastis getrunken
  • Bärlauch-Butter gemacht
  • Gäste empfangen
  • getrunken, gegrillt, gegessen, gelacht
  • diskutiert
  • Wahlergebnisse beobachtet
  • Eis gegessen
  • diskutiert
  • Gäste verabschiedet*
  • mit meiner Mutter telefoniert**
  • Kind ins Bett gebracht***
  • diskutiert
  • Eis gegessen
  • versucht, Tatort nachzugucken
  • kurze Panik gehabt, dass meine Stimme heute nicht gezählt wurde

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* Die lustige Schottland-Reisegruppe, also die für die ersten 4 Tage, hat sich heute erstmals komplett kennengelernt. Jetzt bin ich etwas entspannter, was diese Reisekonstellation anbelangt.

** schlucken müssen, weil meine Mutter erkannt hat, dass es bei meinem Vater nicht mehr um Heilung geht

*** genau genommen der RB, nachdem er Männergespräche mit dem Kind geführt hat. Ich kam nur zum Kuss geben dazu.

Impfen hilft

Impfen hilft


Entsprechend liege ich dem RB seit über einem Jahr in den Ohren, dass er sich um seinen Impfstatus kümmern muss. Wobei der Status mittlerweile eindeutig ist: unklar. Das sieht auch seine neue Hausärztin so. Er müsste also endlich mal einen Termin machen.


Immerhin hat er es VOR der Saison zur Grippeimpfung geschafft (bei seinem Job ja nicht total doof) und so verseucht (Nebenhöhlen, nech?!) wie er dennoch den Winter über war, hat ihn das vermutlich vor Schlimmerem bewahrt.

Nun braucht er also – wie alle Erwachsenen nach StIKo-Empfehlung – eine Auffrischung der Impfungen Tetanus, Diphterie und Pertussis (Keuchhusten; TDP) und Masern. Das sind zwei Spritzen: Einmal mit dem TDP-Kombinationsimpfstoff und einmal mit einem MMR-Kombiimpfstoff, da es Masern nicht als Mono-Impfstoff gibt. Danach gilt es, die TD-Impfung (NICHT Pertussis und Masern) halbwegs regelmäßig etwa alle 10 Jahre aufzufrischen. Gibt es übrigens eine belegte Grundimmunisierung mit TDP, ist keine erneute Grundimmunisierung erforderlich, auch wenn die letzte Auffrischung mehr als 10 Jahre her ist.

Kurz gefasst gilt für erwachsene, „normal gesunde“* Erwachsene, die im Kindesalter bereits einmal mit mindestens TDP grundimmunisiert wurden, aber jetzt nicht mehr wissen, wann und was bei der letzten Auffrischung geimpft wurde**:

  • einmalig TDP und MMR
  • danach alle 10 Jahre TD***

Und ganz ehrlich: Da weiß ich wirklich nicht, wann welche Titer warum bestimmt werden sollten.****

Für alle, die keine Ahnung von ihrem Impfstatus haben und auch nicht belegen können, dass sie im Kindesalter grundimmunisiert wurden, gilt:

  • einmalig Grundimmunisierung TDP und Polio
  • einmalig MMR
  • danach alle 10 Jahre TD

Und es ist auch wirklich kein Beinbruch, wenn Ihr Euren Impfpass verschlampt verloren verlegt habt: Dafür gibt es keine Strafen und die Ärztin wird sicherlich auch nicht schimpfen, sondern vielmehr froh sein um jede, die sich impfen lässt. Und zur weiteren Beruhigung sei der Twitter-Thread von Anna Aridzanjan empfohlen:

Zu weiteren „individuell“ erforderlichen Impfungen aufgrund des Berufs oder für Reisen (z.B. Hepatitis A/B) klärt Euch Eure Ärztin sicherlich gerne auf. Auch Schwangere und Menschen, die schwanger werden wollen, sollten sich von ihrer Ärztin bzw. Frauenärztin beraten lassen.

Aber lasst Euch bitte impfen.*****

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* also ohne chronischen Erkrankungen u/o nicht-immunsupprimierte

** Wer nach StIKo geimpft wurde hatte mit ca. 10 Jahren die letzte TDP-Polio-Auffrischung im Kindesalter und sollte so mit 20 Jahre die erste Auffrischung als Erwachsene haben

*** Tetanus gibt es als Mono-Impfstoff, Diphterie jedoch nicht.

**** Ich weiß gar nicht, wann dieser Titerbestimmungshype aufkam. Auf jeden Fall ist er relativ fehlgeleitet. Letztlich macht er ja nur Sinn bei Menschen, die nicht geimpft werden können, um zu gucken, ob sie einer besonderen Gefährdung ausgesetzt sind. Oder halt bei Schwangeren oder Menschen, die schwanger werden wollen, um zu gucken, ob sie gegen impfbare teratogene Erkrankungen ausreichend geschützt sind.

Luxus

Luxus

Heute fuhr ich mit zwei Fahrrädern im Kofferraum durch hessische Lande, also von Frankfurt nach Wiesbaden und zurück. Das war so nicht geplant, aber ließ sich heute morgen um 11h00 auch nicht mehr ändern. Ich hätte sonst umständlich nach Hause fahren müssen, Räder ausladen und dann … ach … war ich auch ein wenig gefühlig, denn um 11h00 war die Gurke, wie ich liebevoll das uralte Motobecane-Rad meines Vaters nannte und dass ich seit einiger Zeit für Stadtfahrten nutzte, für tot erklärt worden. Ich hatte ja gehoff, dass es mit „neue Kette“ drauf nochmal eine Weile gute Dienste leisten können, aber die Fahrradmechanikerin sprach sehr fachfrauisch und vertrauenserweckend, dass ich schweren Herzens einsah: Das Rad ist nicht mehr zu retten. Vielleicht hänge ich den Rahmen mit der Gabel einfach an die Wand.*

Kurz zuvor hatte die Mechanikerin schon das Rad vom midi-monsieur in Augenschein genommen. Da war – das wusste ich schon vorher – mindestens die Hitnerradbremse kaputt, aber auch sonst bräuchte es dringend eine Wartung. Die Fachfrau sprach aber auch von einem neuen Antrieb – also Ritzel, Kettenblätter und Kette (ja, die war besonders ausgeleiert). Aber bevor sie über all das sprach merkte sie äußerst genau an, dass das Fahrrad ja größenechnisch ausgereizt sei. Ja, auch das stimmte: Weiter hoch hätte der Sattel nicht gekonnt. Klar wären die erforderlichen Reperaturen möglich und sicherlich auch sinnvoll, ABER halt nicht für ein Rad, das das Kind höchstens noch 6 Monate fährt und dann halt definitiv rausgewachsen sein wird. Zumal die Kosten für die Reparaturen so hoch wären, dass ich davon auch ein neues Rad für das Kind bekäme.

Also lud ich die Räder wieder ein und fuhr sie halt durch die Lande.

Am  Nachmittag kam dann eins zum anderen: Ich war früher zurück als gedacht, der gefundene Parkplatz lag so, dass ich noch einen kleinen Schlenker zum Drahteselhändler des Viertels machen konnte und dort auch zwei potentielle Objekte fand. Dann war immer noch so viel Zeit, dass ich das Kind vom Hort abholte und mit ihm die Vorauswahl genauer begutachtete. Es passte nur das eine der beiden, aber dafür so gut und der midi-monsieur war so happy, dass wir es direkt mitnahmen. Schließlich braucht er ein Fahrrad.

Das Fahrrad ist letztlich ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk, aber dennoch bin ich sehr dankbar, dass ich „einfach so“ ein neues (ja, diesemal nagelneu) Rad kaufen kann.

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* Mal abgesehen davon, dass ich nicht wüsste, an welche Wand, fände der RB das sicherlich auch nicht so knall. Ich werden dem Rad wohl anders ein Denkmal stechen lassen setzen.

Genetik

Genetik

Heute schoss mir durch den Kopf, dass das Kind genetisch ja nicht nur von mir geprägt ist. Ja, werden jetzt einige aufmerksame Leserinnen sagen: „Das ist aber schon immer so.“ Jaha, ich weiß es ja auch. Aber manchmal wünsche ich mir tief in mir drin, dass er nur meine Gene hätte. Dass er nur von mir geprägt wäre. Dann könnte ich manche Dinge womöglich besser handhaben. Dann wäre er mir manchmal weniger fremd. Also nicht fremd im Sinne von entfernt, wir haben eine sehr enge Beziehung. Aber bei vielen Verhaltensweisen, Grundhaltungen, Herangehensweisen* kann ich nicht wie andere sagen: „Mein Kind eben. Ich weiß ja, woher er es hat.“ Dadurch kann ich ihn oft erstmal nur vom Kopf her verstehen, verstehen, was er macht, wie er es macht und warum er es macht. Aber ich kann es nicht nachfühlen. Nicht selten denke und deutlich weniger sage ich: „Warum machst Du es nicht so?“ – also wie ich es machen würde. Aber er ist er. Ich kann ihn nicht verbiegen. Und ich will das auch gar nicht. Aber ich kann mich ja auch nicht verbiegen. Die Folgen sind je nach Situation und Thema unterschiedlich: a) Es knallt zwischen uns. b) Wir wurschteln nebeinander her. c) Ich überfordere ihn.

Und dann frage ich mich schon: Bin ich ihm eine gute Mutter? Bin ich ihm die Mutter, die er braucht? Aber was braucht er? Ich kann seine Bedürfnisse manchmal nur erahnen, weil er eben so anders „tickt“. Und dann habe ich Angst, dass er seine Bedürfnisse zurücknimmt, weil er meine spürt und auf diese Rücksicht nehmen will.

Natürlich haben wir auch viele gute Momente miteinander. Aber mir ist es auch wichtig, dass er Dinge ohne mich erlebt. Dass er wachsen kann an dem, was ich ihm und letztlich auch er sich selbst zutraut. Dass er eigene Erlebnisse hat, die ihn prägen. Doch was ist, wenn ich diese Erlebnisse miterleben sollte, um zu sehen, was sie mit ihm machen, um ihn besser verstehen zu können? Vielleicht reicht für ein Kind, das noch nicht einmal 10 Jahre alt ist, auch aus, dass er regelmäßig Erlebnisse ohne die Mutter hat, wenn es seinen Vater besucht.

Ich merke, dass ich davon wegkommen muss, zu überlegen, wie ich in dem Alter drauf war, was ich in dem Alter für Bedürfnisse hatte. Es ist egal, wie ich mit fast 10 Jahren war, denn der midi-monsieur ist der midi-monsieur. Und ganz vielleicht sind wir uns doch ganz ähnlich, nur, dass ich mit fast 10 Jahren noch nicht einmal ansatzweise so viel erlebt hatte wie er.

Es sind halt doch nicht** die Gene, die uns prägen.

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* Nein, es sind auch nicht Verhaltensweisen, Grundhaltungen, Herangehensweisen die der midi-monsieur vom Kv „übernommen“ hat und die mich deswegen so pieken. Ich glaube, er ist dem KV genauso „fremd“ wie er es mir ist.

** nicht nur? nicht vorrangig? überhaupt nicht?

Prost, Papa!

Prost, Papa!

Die Sorgen waren schon groß in den letzten Wochen, seitdem mein Papa mit Lungenentzündung ins Krankenhaus gekommen war. Die Betonung liegt auf Kranken-Haus, denn nicht nur meine Mutter hat sich einen Infekt dort eingefangen, sondern mein Vater ist auch noch im Krankenhaus gestürzt – als eine Schwesternschülerin ihn begleitet hat – und auch sonst wurd überhaupt nicht wirklich darauf geachtet, welche pflegerischen Sonderleistungen mein Vater als Schlaganfallpatient benötigt. Hinzu kam, dass er durch den Infekt körperlich stark abgebaut hatte, sodass er Hilfsmittel benötigte, für die sich letztlich aber niemand zuständig fühlte. Abgesehen vom auskurierten Infekt kam er in einem deutlich desolaterem Zustand aus dem Krankenhaus als er eingewiesen wurde. Aber es heißt halt Kranken- und kein Gesundheitshaus. (Und ja, ich weiß, dass das Personal am wenigsten für die gruselige Versorgungslage kann.)

Nach den Telefonaten mit meiner Mutter, zusammen mit der Erinnerung an seinen Zustand im Februar drehte sich das Gedankenkarussell* immer wieder und wieder. Tränen flossen auch.

Meine Mutter war gestresst. Sie organisiert ALLES für meinen Vater. Und das wäre unter besten Umständen schon ziemlich viel. Aber auch unser Gesundheitssystem krankt und so muss sie sich mit unwilligen Ärztinnen rumschlagen, die nötige Therapien nicht verschreiben wollen – sei es aus Regressangst**, sei es, weil sie meinen, dass ein Mensch von 72 Jahren so eine umfangreiche Therapie nicht mehr braucht*** -, sie telefoniert deswegen und wegen tausend anderer Dinge mit der Krankenkasse, sie kümmert sich um Ersatz für die unwilligen Ärztinnen, macht Termin mit diversen Therapeutinnen und übernimmt ganz nebenbei auch komplett die Pflege meines Vaters. Das ist natürlich großes Glück für meinen Vater und wer weiß, wie all das liefe, wenn sie nicht mittlerweile verrentet wäre.

Sie ist so nah an meinem Vater wie sonst niemand anderes. Ihre Berichte über ihn beschönigen nichts (mehr), aber Drama war noch nie ihrs. Daher war nach den letztes Telefonaten mit ihr klar: Meinem Vater geht es sehr schlecht.

Entsprechend wichtig war es mir, ihn zu sehen. Entsprechend mulmig war mir aber auch.

Gedankenkarussell.

Heute dann fuhren der RB und ich hin. Und schon bei der Begrüßung war klar: Papa ist viel besser drauf als erwartet. Der Händedruck (ja, mein Vater möchte per Handschlag begrüßt werden – und wenn er nicht gerade hilflos rumliegt, ist alles andere auch völlig fehl am Platz) war kräftig wie noch nie seit dem Schlaganfall. Er war wach und fit und sah für seine Verhältnisse sehr gut aus. Er beteiligte sich so gut es die Aphasie zuließ an unseren Gesprächen. Er aß mit großen Appetit Grie Soß. Kurzum: Puh! Aufatmen.

Prost, Papa! Auf Dich, aufs Leben!

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* Manche davon kann ich (noch) nicht aussprechen.

** Was bei Schlaganfallpatientinnen Quatsch ist, da diese idR außer Budget laufen.

*** O-Ton: „Er ist ja keine 22 mehr und schon verrentet.“

Wohin?

Wohin?

Eigentlich bin ich ja mit einem recht unerschütterlichen Optimismus gesegnet. Irgendwie wird (und wurde bislang) alles schon gut. Irgendwann. Aber heute hat es mir ein bisschen den Boden unter den Füßen weggerissen.

Obwohl ich noch sehr optimistisch aufgewacht war, denn


hatte es mir dann doch erstmal die Laune verhagelt. Neben organisationsbedingter schlechter Laune scheint es da was zu geben, das wohl nicht wieder gut wird. Es wurde dann aber bei mir nach Tee und Dusche besser und war wieder bestens, als ich mit dem RB auf dem Weg ins Museum war. Die aktuelle Austellung des Museums für angewandte Kunst „Moderne am Main“ wollte schon länger von uns besucht werden (und sie läuft nur noch bis zum 14.4.).

Sehr interessante Ausstellung. Wer noch kann, sollte sie besuchen.

Unser Kultur-Date rundeten wir mir einem kleinen Snack in meinem liebsten Innenstadtcafé, dem Naschmarkt, ab. Dann musste der RB in den Laden und ich dringend arbeiten. Als ich wieder am EssSchreibArbeitstisch saß, gab es ein bisschen dies und das. Die Kundin war nicht ganz zufrieden, aber gut. Dafür war es an anderer Stelle erfreulicher. Parallel schrieb ich mit meiner Mutter und da musste ich schon sehr schlucken. Meinem Vater geht es echt schlecht. Auf der einen Seite bräuchte er wohl Ruhe, aber auf der anderen Seite muss er therapeutisch am Ball bleiben. Ihm fehlen Kraft und Antrieb. Und gerade letzteres macht mir große Sorgen.

Später dann kam das Abstimmungsergebnis des Europäischen Parlaments zum Urheberrecht.

Und ich frage mich (nicht nur) seitdem: Wohin wird das alles noch führen? Es ist so viel passiert, beschlossen worden in den letzten wenigen Jahren, das in die allgemeine Freiheit eingreift. Nein, die wenigsten von uns, also aus meinem direkten Umfeld, sind unmittelbar davon betroffen oder spüren es. Aber es ist da. Vorneweg krakelen die Blaubraunen und hintenrum beschließt unsere (haha, meine ist das nicht) Regierung genau das, was die Blaubraunen krakelt haben. Nur, dass die nun den nächsten Schritt nach recht gegangen sind.

Ich habe noch nie damit gehadert, ein Kind in die(se) Welt gesetzt zu haben. Aber gerade frage ich mich, ob das so sinnig war. Was hinterlasse ich ihm? Wie wird er leben? Noch geht es ihm und uns gut. Gefühlt seht ihm noch alles offen. So wie mir – damals in den 1980ern und 1990ern. Im 29. Jahr nach der Wende frage ich mich allerdings: Wo stehen wir, also die Gesellschaft? Sind wir wirklich 29 Jahre weiter? Oder haben wir uns seitdem kontinuierlich zurückentwickelt? Mir fehlt der Zukunftswille, ach, allein schon ein leises Blinzeln in die Zukunft von unserer Politik. Ich sehe kein Gestalten mehr, kein „wir wollen eine bessere, gerechtere Gesellschaft“. Es wirkt alles zu machtgierig und machterhaltend, rückwärtsgewandt.

Ich würde die Gedanken gerne abschütteln, aber es geht nicht. Denn es kommt immer mehr dazu. Dieser massive Rechtsruck macht mir Angst und ich habe noch mehr Angst, dass viele es unter „DAS wird uns nicht wieder passieren“ abtun. Es war toll, dass am Wochenende 10.000 für #FrankfurtGegen13 demonstriert haben, aber es ist erschreckend, dass bei der Demo #GegenDenRechtsruck maximal nur ein Viertel dabei waren. So ändert sich nichts.

Es wird nur noch schlimmer, während wir uns gleichzeitig schleichend immer mehr daran gewöhnen.

An rechte Parolen.
An Freiheitseinschränkungen.
An ertrinkende Menschen im Mittelmeer.
An die zu wenigen Insekten und zu heiße Sommer.

Daran, dass unsere Stimme(n) nicht interessieren.

Dem Ruf gerecht werden

Dem Ruf gerecht werden

Kürzlich erst schrieb das Zeitmagazin, dass Frankfurt Deutschlands Demo-Hauptstadt sei.

Und als wollten die Frankfurter diesem Ruf unbedingt gerecht werden, gab es heute allein 3 Großdemonstration. Dazu waren noch 9 kleinere angemeldet. Also insgesamt 12 Demos. In der Innenstadt.

Und nachdem heute Morgen der Wecker so klingelte, dass der RB und ich vor 10h30 vom Markt zurück waren. Und ich danach direkt die restlichen Sachen einkaufen ging, sodass ich um 12h00 wieder zu Hause war, als der Kumpel vom Kind kam, die beide bis 14h40 bei uns spielten und dann zusammen zum Kumpel gingen, konnte ich mich trotz Dings (oder halt doch Seuche) dann doch aufmachen, um zur #SaveyourInternet-Demo dazuzustoßen.

Als ich 15h20 an der Paulskirche ankam, war die Demo, die eigentlich um 14h00 losgehen sollte, immer noch da. Gut für mich, so musste ich nicht suchen.

Ich ging bis zur Zwischenkundgebung am Willy-Brandt-Platz mit. Die Stimmung war entspannt. Erfreulich viele junge Menschen beteiligten sich. Es war wenig Polizei zu sehen.

Dann wechselte ich folgte ich den Wasserwerfern über Friedensstraße und Kaiserstraße zur Hauptwache, wo die #GegendenRechtsruck-Demo erwartet wurde …

… von einem großen, wirklich großen Polizeiaufgebot (inkl. Bundespolizei, USK und Beamten aus „allen“ Bundesländern).

Die Stimmung war schon sehr angespannt. Ich habe noch nie so viel Polizisten in voller Montur gesehen. Es war kurz beängstigend. Aber die Demo endete friedlich (zumindest soweit ich das gesehen habe).

Dann kündigte sich an, dass die #SaveyourInternet-Demo auf dem Rossmarkt nebenan zur Abschlusskundgebung eintreffen würde.

Wow, da waren immer noch 10.000 unterwegs.

Aber da musste ich dann nach Hause.

Fridays For Future – ein Statement

Fridays For Future – ein Statement

Dem höchst treffenden rantigen Thread bzw. Thread-Rant von Ulrike auf Twitter zu #FridaysforFuture ist nix hinzuzufügen:

Diese Diskreditierungsversuche von #FridaysForFurture aus der (deutschen) Politik machen mich so wütend, dass ich jetzt mal einen Sonntagmorgenthread dazu ablassen muss.

1) Verweis auf die Schulpflicht: Ich halte die allgemeine Schulpflicht insgesamt für eine gute Sache, aber für dieses Argument wird sie instrumentalisiert – u. a. von denen, die es seit Jahrzehnten (!!) nicht nur nicht hinbekommen, die Schulen zu erfolgreichen Lernorten für alle zu machen, sondern die es offenkundig überhaupt nicht juckt, wie viel Unterreicht wegen Lehrkraftmangel sowieso ständig ausfällt. Ich brauche nur an die Diskussion mit einem Bremer Lokalpolitiker zu denken, der mir allen Ernstes erklärt hat, Eltern würden den Unterrichtsausfall überschätzen, seine Statistiken zeigten, dass Unterricht zu 98 % stattfinden könnte.

2) Seit Beginn der PISA-Studien (die auch problematisch sind, aber anderes Fass) wissen wir, dass es auch in den deutschen Schulen massive Probleme gibt. Die Politik reagiert darauf mit hektischem Hin und Her in der Schulpolitik, echte Besserung ist m.E. nicht in Sicht. Trotzdem soll oberste Piorität sein, auch nur ja keine Stunde des schulischen Angebots zu versäumen?

3) Wen das PISA-Argument nicht überzeugt, braucht nur mal darauf zu schauen, wie sich schulische Bildung zum Rest des gesellschaftlichen Lebens verhält – angefangen von dem Konsens, dass Schule ein notwendiges Übel sei („soll ja auch keinen Spaß machen“, „muss halt sein“, „Horrorfach Mathe“), über die wenig nachhaltige Wissensvermittlung („braucht man nie wieder im Leben“, „habe ich mal in der Schule gelernt, aber soooo lange her“) bis hin zu Phänomenen wie Flat Earthern Homöoopathiegläubigen und Impfverweigerern, die es gar nicht geben dürfte, wenn die Schule flächendeckend ihren Bildungsauftrag erfüllen würde. Mal ganz abgesehen von dem mangelnden Verständnis der Ergebnisse der Klimaforschung.

3) Ähnlich wie 2): Alle, die es bisher in verantwortlichen politischen/gesellschaftlichen Positionen verbockt haben, das Ruder rumzureißen, um die globale Erwärmung zu stoppen, haben doch die schulische und in der Regel noch weitere Bildungsanstalten durchlaufen – das allein nützt offensichtlich nichts.

4) Da es mir hier bes. um die Äußerungen aus der dt. Politik geht: Eure Parteien haben alle Jugendorganisationen. Viele eurer Promis sind als ganz junge Leute in eben diese Jugendorganisationen eingetreten – & jetzt argumentiert ihr, in dem Alter hätte man keine Ahnung? Meint ihr im Ernst, so lockt man Nachwuchs an? Indem man jungen Leuten sagt, sie wüssten nix, könnten nix und sollten erstmal alt werden, wenn sie mitreden wollen? Mir bleibt da echt der Mund offen stehen.

5) Oft gesagt, aber offensichtlich immer noch nicht verstanden: die Forderungen von #FridaysForFuture sind doch gar nicht neu – das fordern Wissenschaft und große Teile der Gesellschaft schon lange, nur bisher leider nicht in dieser Radikalität. Ich bin soooo dankbar, dass die Jungen ihre Energie und Leidenschaft und Freiheit einsetzen, um so laut zu sein.

6) Zu allen diesen Punkten, besonders zu den Mängeln in der Schullandschaft (hallo, liebe dt. Politik, schon vergessen, wie lange ihr euch gerade erst beharkt hab, als es darum ging, dt. Schulen langsam mal auf den Stand zu bringen, der in jedem Unternehmen Mindeststandard ist?) könnte ich noch erweiternde Unterpunkte aufmachen, aber das erspare ich euch & mir.

Ich mache jetzt Waffeln & Tee & gehe laufen, & wenn ich zurückkomme, will ich in meiner TL keine Anti#FridaysForFuture-Statments aus der dt. Politik mehr sehen. Danke und schönen Sonntag!

„Weil ihr uns die Zukunft klaut“

„Weil ihr uns die Zukunft klaut“

Auf 12h00 war der Start der Frankfurter „Fridays for Futur“-Demo angesetzt. 12h00 ist für einen Schulstreik eine recht moderate Uhrzeit. Da zum Beispiel beim Kind die 5. Stunde ausfiel, hatte er um 11h30 Schulschluss. Damit hätten wir es durchaus pünktlich zum Treffpunkt geschafft. Aber die Demo war für 3 Stunden angesetzt, es regnete und ich musste auch noch was zu Ende arbeiten, als der midi-monsieur um 11h40 zu Hause war. Um 13h45 machten wir uns dann endlich auf den Weg. An der Hauptwache trafen wir auf den Demozug und reihten uns ein.

Und ich musste erstmal mit meiner Ergriffenheit fertig werden. Um mich rum ganz viele junge Menschen – im Schnitt ein Vierteljahrhundert jünger als ich – und skandierten so kreative wie treffende Demo-„Gesänge“. Ich hatte einen Kloß ihm Hals und musste mit den Tränen kämpfen. So viele Kinder und Jugendliche, die definitiv nicht einfach nur „schwänzten“, sondern denen es um die Sache geht. Wow! Auch das Kind war zunächst ganz still.

Wir liefen mit bis zum Römer, wo die Demo endete, und blieben auch noch ein Weilchen für die Abschlusskundgebung. Und auch da dachte ich „wow“, denn die Redebeiträge der Schülerinnen waren deutlich, klar und auf den Punkt. Sie machten klar, wofür sie auf die Straße gehen. Und sie machten klar, dass sie nicht „aus Spaß an der Freude“ schwänzten vom Unterricht fernblieben.

Schwänzen bedeutet der Schule aus Faulheit fernbleiben. Wir bleiben aber nicht aus Faulheit fern, sondern aus Notwendigkeit.

Und nein, Bettina Wiesmann, die Schulstreiks müssen jetzt NICHT ein Ende finden. Es hat – hoffentlich – gerade erst angefangen und das Signal ist noch lange nicht angekommen. Weitere Schulstreiks dienen dem Klima nicht direkt, aber sind für die streikenden Schülerinnen ein Mittel, gehört und gesehen zu werden, zu zeigen, dass JETZT was passieren muss, damit auch noch in 25, 50 Jahren dieser Planet bewohnt werden kann.

Rar

Rar

Natürlich gibt es sie. Sie, diese anständigen, normalen, korrekten Männer*, die nach einer Trennung, in die ein Kind** involviert ist, ohne zu diskutieren, Unterhalt für das Kind zahlen. Und ich möchte betonen: Unterhalt FÜRS KIND! Unterhalt für die Mutter aka böse Ex-Partnerin muss ja nur noch in Ausnahmefällen gezahlt werden. Also: Unterhalt fürs Kind. Damit das Kind

  • ein Dach überm Kopf,
  • was zu essen,
  • Kleidung und
  • (im besten Fall) die Möglichkeit Hobbies nachzugehen

hat. Und es geht nicht darum, dass der Kindesvater diese Kosten alleine trägt, sondern dass er seinen Teil dazu beiträgt. Dass sich der Unterhalt am Einkommen des Vaters orientiert, ist nur fair: Hat das Kind zuvor vom – wie auch immer hohen – Einkommen des Vaters profitiert, sollte es das auch nach der Trennung. UNABHÄNGIG davon, was die Mutter verdient. Die muss nämlich auch ihren Anteil zum kindlichen Unterhalt beitragen. Gemessen an ihren finanziellen Möglichkeiten. Und da wird nicht gegengerechnet, dass für gewöhnlich das Kind die meiste Zeit bei der Mutter ist, dass der „Mental Load“ fast ausschließlich auf ihr lastet. Denn in der Regel sind es die alleinerziehenden Mütter, die sich Gedanken machen über: Braucht mein Kind neue Klamotten? Auffangen, wenn das Vatervermissen akut ist. Welche Größe hat das Kind aktuelle? Steht ein U-Termin an? Läuft in der Schule alles gut? Wo ist das Kind wann zum Geburtstag eingeladen? Welches Geschenk wird gewünscht? Stehen Impf-Termine an? Das Kind kann heute nicht in die Schule, wie mache ich das mit der Arbeit? Braucht es vielleicht doch Nachhilfe? Das Kind braucht nachts Zuspruch. Wie kommt das Kind zu seinem Hobby? Eigentlich müsste es mal wieder zum Friseur. Elternabend – und wer passt aufs Kind auf? Geschenkliste für die buckelige Verwandtschaft. Geht es meinem Kind gut? Geht es ihm wirklich gut?

All diese Gedanken fressen Zeit und Energie. Beides rares Gut bei Alleinerziehenden, das unbezahlt bleibt. Ist der Kindesvater ein guter, dann versteht und weiß er, was die Mutter alles für das gemeinsame Kind tut. Dann weiß er, was es sie kostet, aus dem gemeinsamen Kind einen guterzogenen Menschen zu machen. Diese Väter tun ihr Möglichstes, ihren Teil dazu beizutragen: Sie zahlen – ohne Diskussion. Sie nehmen ihre Umgänge wahr – ohne Diskussion. Sie kümmern sich während ihrer Umgänge auch mal um Termine, Hobbies, Geschenke etc – ohne Diskussion. Sie nehmen das Kind auch außerhalb des Umgangs, wenn Not an der Frau ist – ohne Diskussion. Sie versuchen ihr Bestes, damit die Mütter keine unnötigen Energien verlieren in noch unnötigeren Kämpfen, um die wenige Zeit, die sie haben, so gut wie möglich fürs Kind nutzen zu können.

Leider – anders kann eine die Zahlen zu Alleinerziehenden nicht deuten – sind solche Väter bzw. Männer so rar wie Zeit und Energie bei Alleinerziehenden. Die Mehrheit der getrennten Väter scheint sich eher ums Zahlen drücken zu wollen. Zahlen werden so lange gedreht und gebogen, bis fürs Kind nichts mehr bleibt. Es wird damit gedroht, den eigenen Job zu kündigen, nur um nicht zahlen zu müssen***. Es werden Vermögenswerte geschickt umverteilt. Es wird gemauschelt und getrickst. Und eines der liebsten Argumente dieser Väter ist es, dass sie es nicht einsehen, nur zahlen zu müssen, aber keine Rechte am Kind zu haben.

Niemand hat das Recht an einem anderen Mensch – auch oder erst recht nicht an einem (am eigenen) Kind. Wir haben aber die verdammte Pflicht, unseren Kindern alle Fürsorge (emotional und finanziell) zukommen zu lassen. „Man hat“ keine Kinder. Eine ist Mutter bzw. Vater. Eine ist verantwortlich für das Kind, das sie in die Welt gesetzt hat. Kinder sind kein Dings, kein Lifestyle- oder Statussymbol.

Nun höre ich schon die Männer, die „Aber sie hat angefangen. Ich darf das Kind nicht sehen. Also muss ich auch nicht zahlen.“ krakelen. Ja, auch solche Frauen gibt es, aber ich bin mir sicher, dass nicht jeder nicht- oder zu-wenig-zahlende Vater so eine Ex-Partnerin hat.

Und selbst wenn sie „angefangen“ hat: Es geht in letzter Instanz um ein Kind. Es geht darum, dass es dem eigenen Kind gut geht. Es geht nicht darum, der Ex einen auszuwischen, zu zeigen, wer am längeren Hebel sitzt.

Und daher ist der Vorstoß von Ministerin Giffey auch eine Katastrophe: Dieser Vorschlag zäumt das Pferd so dermaßen falsch auf – nein, nicht von hinten. Es ist einfach falsch. Denn es geht nicht um die Kinder. Sollte diese bekloppte SchnapsIdee Realtität werden, gibt sie den eh schon nicht- oder zu-wenig-zahlenden Vätern ein weiteres Machtinstrument. Die Väter, die eh schon so wenig wie möglich zahlen, werden sich noch weiter runterrechnen mit jedem Tag Umgang, den sie wahrnehmen. Ich sehe auch schon kommen, dass ebendiese Väter vermehrt vor Gericht ziehen und mehr Umgangstage einklagen, um sich noch weiter aus dem Unterhalt zu lavieren.

Und ganz weit am Horizont sehe ich Kindesväter, die vom Unterhaltsvorschuss auch noch ihren Teil abhhaben wollen, wenn sie denn mal ihr eigenes Kind hüten.

Als hätten unsere Familiengerichte und Jugendämter nicht schon genug zu tun.

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* Ja, es gibt auch die umgekehrten Fälle, aber in der Mehrheit gehen die Männer und die Mütter bleiben alleinerziehend zurück. Daher bleibe ich mal beim Allgemeinfall.

** mehrere Kinder sind mitgemeint

*** Damit kommen sie vermutlich nicht durch, aber erstmal steht das Wort im Raum und die AE muss sich auch noch darum kümmern.