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Kategorie: Bewegendes

Schnapszahlgeburtstag

Schnapszahlgeburtstag

„Das ist ein toller Geburtstsg“, verkündete das Kind heute bereits am Nachmittag. Und das trotz Pandemie. Denn machen wir uns nix vor: Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Da kann Hessen noch so viel lockern. Außerdem muss nicht alles, was erlaubt ist, auch gemacht bzw. ausgereizt werden. Daher war klar, dass heute keine Leute ins Haus kommen werden. Zumindest nicht physisch.* Dafür aber per Zoom-Meeting. Ab 10h00 war unser virtuelles Wohnzimmer geöffnet und immer wieder guckten Leute rein und gratulierten dem Kind. „So viele Leute sehe ich sonst nie an meinem Geburtstag“, freute sich das Kind. (Danke an alle, die vorbeigeschaut und gratuliert haben. ❤️)

Gefreut hat er sich auch über seine Geschenke. Ich konnte gar nicht richtig damit umgehen, dass er vor Freude darüber geweint hat, dass er in einem Sportmotorflugzeug mitfliegen darf. Aber auch von dem vom RB geschenkten Flugsimulator ist er sehr begeistert. Dazu fand das Kind es sehr lustig, seinen ersten Whisky in die Kamera zu halten, denn zum 1. Schnapszahlgeburtstag muss es Schnaps geben…

Ein 11 Jahre alter Whisky, den das Kind aber erst in 7 Jahren probieren darf.

Ansonsten bestand der Tag – gefühlt – nur aus Essen. Vom Frühstück gingen wir zum Kuchenessen über. Daran schloss sich nahtlos die Burgervorbereitung und deren Genuss an.

Auf Wunsch vom Kind** gab es am Abend noch einen Kinoabend. Zunächst stand die Wahl zwischen „Matrix“ und „Planet der Affen“ . Nach dem Matrix-Trailer wollte das Kind ebendiesen sehen. Nach 20 Minuten brachen wir aber ab*** und wechselten zu „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“****.

Das Kind bewertete abschließend den Tag mit 9,99 von 10 Punkten. <3

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* Quasi-Ausnahme war die liebe Nachbarsfamilie, die gegen 10h30 klingelte und an der Tür dem Kind eine gebackene 11 überreichte. So eine tolle Überraschung.

** Am Geburtstag darf das Geburtstagskind natürlich alles bestimmen.

*** Ich hatte nur noch die – damals – total coolen und neuartigen Actionszenen in Erinnerung, aber die Wanzenein- und -auspflanzung sowie die Tankszenen à la HR Giger vergessen.

**** Auch nicht gerade ein Film für zarte Gemüter, aber mehr spannend und weniger ekelig.

Tag 90 seit der Abschottung

Tag 90 seit der Abschottung

Der Wecker soll um 10h00 klingeln, aber um 9h15 werde ich wach, weil die Blase es so will. Ich verscheuche das Kind vom Fernseher und lege mich nochmal hin. Um 10h00 will ich noch nicht aufstehen. Um 10h30 bringt mir das Kind Tee ans Bett um 11h00 werde ich wach und stehe auf. Hoch lebe der Feiertag. Der RB war schon Brötchen jagen. Etwas schwierig am Feiertag. Wir frühstücken. Dann wechseln das Kind und ich den Schlauch an seinem Vorderrad. Wir machen uns fertig für die Radtour (das Kind wollte unbedingt eine Radtour). Ein Glück, dass heute Feiertag ist, denn Sonntag fällt als Wandertag aus, da das Kind Geburtstag hat. (Und Samstag geht auch nur schlecht, denn da muss ich ja Geburtstagskuchen backen.) Der Himmel ist zwar ziemlich verhangen und auch recht dunkel, aber wir fahren dennoch los. Ich habe ja extra eine Tour mit Else geplant, die uns nicht am Main langführt. Das wäre zwar kürzer, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich danach in den Nachrichten stattfinde, ist zu hoch. Dafür ist der Main grundsätzlich und derzeit im Besonderen zu überlaufen. Da macht Fahrradfahren auch nur wenig Spaß. Dafür war die Route ohne Main erfreulich menschenarm (wenn auch nicht so menschenleer wie unsere Wanderrouten).

Und weil es so gut in die Route passt, fahren wir bei Jette und ihrer Familie vorbei. Also nicht nur vorbei, sondern wir sitzen mit ihnen zusammen auf der Terrasse, unterhalten uns und trinken Tee, Kaffee und Wasser und essen Kuchen. Das fühlte sich gar nicht komisch an, sondern war ziemlich schön (komisch ist bloß, dass wir uns nicht zur Begrüßung umarmen). So echte Menschen in Echt sehen. Danke, dass wir da sein durften! (Und der Kuchen war auch sehr lecker.) Gestärkt machen wir uns auf den Rückweg bzw. die zweite Hälfte unserer Tour.

Als wir in Offenbach kurz Halt machen und wir uns nicht entscheiden können, was wir essen wollen*, aber wenigstens können wir uns darauf einigen, dass wir nicht mehr mit den Rädern weiterfahren wollen und steigen nach 36 Kilometern auf den Rädern in den Bus. Und während wir im Bus noch überlegen, ob wir wirklich Pizza bestellen wollen, fahren wir am Weida vorbei, das auf dem Platz davor Tische stehen hat, die nicht dicht an dicht besetzt sind. Da wissen wir nicht nur, was wir essen wollen, sondern auch dass wir dafür – zum ersten Mal seit der Abschottung – rausgehen würden. Wir bringen die Räder nach Hause. Der RB macht sich frisch und geht Geld holen, ich gehe duschen. Das Kind muss (sic!) kurz daddeln. Wir treffen uns am Restaurant.

Das Kind darf früher nach Hause, der RB und ich genießen noch unser Schnäpsje und machen zwei Schlenker durchs Dorf. Ja, es ist viel los draußen, da wo die Leute sitzen dürfen. Aber es ist nicht dicht an dicht und ohne Rücksicht.

Zu Hause gibt es einen kleinen Eklat mit dem Kind**, in folgedessen ich eine schon mehrfach angedrohte Konsequenz*** wahr mache. Das Kind ist kurz etwas konsterniert darüber, aber ist letztlich froh drum, weil er eigentlich total müde und k.o. ist von Radtour. Er geht freiwillig Zähneputzen und dann lese ich ihm vor.

Seit 90 Tagen zähle ich die Abschottungstage. Begonnen habe ich am 14. März, da war ich schon 2 Wochen im HomeOffice, am 13. März wurde bekannt gegeben, dass die Schulen ab 15.3. geschlossen werden. Seitdem war ich – mit heute – nur dreimal zum Vergnügen**** unter bzw. bei Menschen. Uff. Vielleicht müssen und sollten wir den Sommer einfach genießen. Die nächste Welle kommt bestimmt.

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* An Ausflugtagen haben wir ja bislang in der Regel bestellt, damit keine von uns mehr kochen muss.

** Das Kind hatte, als es nach Hause kam, schnell seine Schuhe abgestreift und einfach mittendrin stehen lassen. Zudem ging bei ihm die Klospülung nicht, obwohl er sie – gaaaaaanz sicher – gedrückt hatte.

*** Da das „vergessene“ Spülen immer wieder ein Thema ist, habe ich ihm schon mehrfach gesagt, dass er Tabletverbot bekommt, wenn das vorkommt, aber bislang nicht durchgezogen. Diesmal nahm ich im das Tablet direkt weg und ich weiß noch nicht, wann er es wiederbekommt. (Und ja, es hat unmittelbar mit dem Tablet zu tun. Denn immer, wenn er an dem Ding hängt, werden Toilettengänge schnellschnell und auch nur auf dem letzten Drücker unternommen. Dabei vergisst er gerne mal die Spülung.)

**** Einkaufen ging und gehe ich ja weiterhin.

Abschottung, Tag 89

Abschottung, Tag 89

Der Tag beginnt mit einem WhatsApp-Austausch mit den Kolleginnen. Nein, ich muss nicht an der Telko um 9h00 teilnehmen – auch wenn ich schon wach bin. Ich habe heute noch genug Telefonate. Zwischen den Telefonaten komme ich aber durchaus dazu, meine To-Do-Liste etwas zu schrumpfen. Zwischendurch muss das Kind in die Schule. Der RB macht Besorgungen und Einkäufe. Um 13h00 kommt die Putzhilfe. Während die Wohnung geputzt wird, arbeite ich weiter. Die Putzhilfe geht*, das Kind kommt wieder. Ich muss zwischendurch eine Kollegin aufmunternd auf Spur bringen und organisieren, dass ein Projekt nicht vollständig gegen die Wand gefahren wird. Das Kind fährt los zum Rugby-Training. Ein Projekt, das ich heute fertig machen wollte, schaffe ich nicht mehr. Also werde ich doch am Freitag arbeiten müssen. Dennoch richte ich den Abwesenheitsassistenten ein – ich muss ja Freitag nicht zwingend in meine e-Mails gucken. Der RB kommt wieder, geht dann aber schnell nochmal einkaufen. Um 18h00 hat mein Körper gecheckt, dass ein langes Wochenende bevorsteht und er fährt runter: Ich muss mich hinlegen. Nach 15 Minuten Powernap mache ich mich an die Grie Soß und der RB kümmert sich mit Herrn Weber um den Rest.

Heute essen wir zeitig genug, sodass wir mal wieder pünktlich in der Kneipe sind. Es ist schon das 25. Mal, dass die #CorotäneKneipe ihre virtuellen Türen öffnet. Und wie immer ist es schön, die anderen zu sehen, sich auszutauschen und auch einfach nur füreinander da zu sein. <3

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* Es könnte sein, dass der Mittwoch mein neuer Lieblingstag wird. Denn die halbwegs aufgeräumte und vor allem saubere Wohnung fühlt sich wirklich gut an.

Abschottung, Tag 85

Abschottung, Tag 85

Ich bin müde. Ich bin unendlich müde. Seit 14 Wochen bin ich im HomeOffice. Ich hatte – seit Jahresanfang – eine Woche Urlaub. Das Kind ist seit 21 Wochen ohne Unterbrechnung in meiner Obhut, Betreuung. 7 Wochen davon fand hier HomeSchooling Lernen in häuslicher Umgebung statt. Seit 3 Wochen hat das Kind wieder Schule: an 3 Tagen pro Woche ist er für 2:45 Stunden in der Schule – mit Fahrtwegen ist er idR 3:30 Stunden aus dem Haus. Zusätzlich hat er seit 4 Wochen wieder Rugby-Training: Dafür ist er an zwei Tage pro Woche für 2 Stunden aus dem Haus. Ich habe derzeit also von 168 Stunden pro Woche das Kind 153,5 Stunden um mich. Okay, ziehen wir den Schlaf ab, dann bleiben 83,5 Stunden.

In diese Zeit muss ich 19,5 Stunden Arbeit unterbringen (wenn ich konsequent in der Zeit arbeite, in der das Kind in der Schule ist), 17,5 Stunden gehen grob geschätzt fürs Essen (inkl. Zubereitung) drauf. In gut organisierten Wochen brauche ich ca 3 Stunden fürs Einkaufen. Und 3,5 Stunden sollte ich für die allgemeine Körperpflege einplanen. Das Kind muss auch noch Hausaufgaben machen (7 Stunden insgesamt).

Damit bleiben 33 Stunden pro Woche übrig, die ich – theoretisch – qualitativ hochwertig mit dem Kind verbringen könnte. Oder sollte? Müsste? Wie auch immer, denn ich KANN nicht. Also, ich kann das in ca. zwei Drittel der Zeit nicht, womit rund 22 Stunden bleiben, in denen sich das Kind selbstbeschäftigen muss.

22 Stunden, die auf mir lasten, an mir und meinem Gewissen nagen.

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Der RB lässt mich schlafen und damit das Kind mich auch schlafen lässt, nimmt er ihn mit raus. Gegen 11h00 bringt er, der RB, mir Tee ans Bett. Ich werde entspannt wach. Dann rasiere ich dem RB die Haare. Wir machen die Essensplanung für die kommenden Tage. Dann verabschiedet sich der RB, um auf die #BlackLifesMatter-Demo zu gehen. Ich mache mich fertig und fahre mit dem Rad zum Markt. Auf dem Rückweg komme ich in einen Platzregen und bin nass bis auf die Haut A-N-N-A, als ich zu Hause ankomme. Ich trockne mich, esse einen Happen und gehe dann nochmal los zum Supermarkt.

Als ich wieder da bin, ist auch der RB wieder da. Er hat Kuchen mitgebracht, den wir zu dritt essen.

Dann falle ich in ein Loch. Ich bin müde. Unendlich müde. Gegen 17h00 lege ich mich hin. Und schlafe promt ein. Bis 20h00. Das war nicht der Plan, aber anscheinend nötig.

Als ich wieder wach bin, koche ich das Abendessen.

Das Kind nötige ich danach halbwegs früh ins Bett. Ich lese vor und wir kuscheln. Er bedankt sich dafür, dass ich mit ihm kuschel. Genau genommen dafür, dass ich mir die Zeit nehme, mit ihm zu kuscheln. Ach, fickt Euch, ihr beschissenen 22 Stunden. Mein Kind soll nicht das Gefühl haben, dass er sich für sowas bedanken muss.

Abschottung, Tag 83

Abschottung, Tag 83

Dieses Internet ist sehr, sehr merkwürdig manchmal. Gestern twitterte ich folgende Begebenheit:

Nicht nur, dass der so viele Likes hats, sondern dass er auch geretweetet wurde – und zwar nur von Menschen, die mir nicht folgen. Außerdem schien er einige Menschen sehr zu triggern – eigene Trennungskindgeschichte, Rosenkrieg. Väterrechtler hatte ich mir zum Glück nicht eingefangen. Aber dennoch führte ich absurde Diskussionen dazu mit Menschen, die ich nicht kenne, die mir nicht folgen, die die Geschichte dahinter nicht kennen. Ich musste halt arbeiten und hatte so leider nur kurz Zeit für Amüsemeng. Aber mal im Ernst: Dinge einfach stehen lassen geht nicht, oder?!

Nun denn. Ich schüttel den Kopf und schmunzel etwas, aber freue mich lieber darüber, dass mein (sic!) Internet im Normalfall super ist. So super, dass das Kind wohl ein supercooles Geschenk zum Geburtstag bekommen wird. Hachz.

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Mein Wecker klingelte um kurz nach 8h00, weil ich vor 9h00 zur Bank musste, damit ich ab 9h00 ausreichend Bargeld für die Zollauslösung habe. Um 8h35 verließ ich das Haus, ging zur Bank, zum Bäcker und war um 8h55 wieder zu Hause. Hoch lebe das Dorf.

Ich arbeitete ab 9h00 bis 16h30 durch. Nur kurz unterbrochen von einem kurzen Frühstück.

Das Kind hatte zwischendurch virtuelles Klassenzimmer. Der RB hatte frei musste nicht in den Laden.

Um 16h30 wollte ich nicht mehr auf dem Computer starren und puzzelte. Ab und an machte der Rechner ein Geräusch und ich guckte oder telefonierte. Der RB ging derweil einkaufen, damit wir ein gesundes und ausgewogenes Mahl zu Abend haben würden. Ob des Wetters wurde es Spaghetti-Bolo, was endlich wieder geht, jetzt wo das Kind keine Hyrax mehr hat.

Nach dem Essen waberte ich zwischen Puzzle und Arbeit noch ein wenig hin und her, las dem Kind vor und guckte mit dem RB die vorletzte Folge von Good Omens.

Abschottung, Tag 77

Abschottung, Tag 77

Als der Wecker um 9h30 klingelt, möchte ich noch nicht aufstehen. Gegen 10h00 bringt mir der RB Tee ans Bett. Gegen 10h15 wanke ich Richtung Schreibtisch. Ich werde schon vermisst und ärgere mich ein wenig darüber, dass die Kolleginnen denken, dass ich bei einer 30-Stunden-Woche 24/5 erreichbar und verfügbar bin.

Ich beende ein paar Projekte. Das tut gut.

Um 16h00 mache ich den Rechner nicht nur zu, sondern auch aus. Irgendwann ist mal gut. Außerdem will ich noch Dinge einkaufen. Ich scheuche das Kind auf, mich zu begleiten. Zusammen machen wir uns auf den Weg. Ich zu Fuß, das Kind per Roller.

Kurz vor dem ersten Ziel stürzt das Kind mit dem Roller. Auf der Straße. Weil er so weit vorgerollert ist, sehe ich es nicht sofort, sondern höre ihn nur. Ich sprinte los und sammel ihn von der Straße. Das linke Knie ist aufgeschlagen, der Ellenbogen angekratzt. Die Handgelenke tun etwas weh. Ich überprüfe, dass die Handgelenke nichts Ernstzunehmendenes haben. Zum Glück scheint es nur die Haut zu sein, die schmerzt. Aus dem 2. Stock im Haus, vor dem wir gerade stehen, ruft uns eine Dame zu: „Brauchen Sie das?“ und winkt mit einem Päckchen Taschentücher. Ich bin sehr dankbar, denn ich habe so gut wie nie Taschentücher bei mir. Noch nie. Wir haben Wasser dabei und können so die Wunde am Knie reinigen. Das Kind ist tapfer und damit er sich nicht in seinem vermeintlich Unglück verliert, sage ich ihm zum Trost: „So müssen Kindersommerknie aussehen. Ich sah als Kind jeden Sommer so aus.“

Die Worte wirken. Wir können unseren Weg fortsetzen: Asialaden und dann bester Mini-Baumarkt. Zum Schuhladen – für endlich mal Wanderschuhe fürs Kind – will er nicht. Stattdessen gehe ich kurz in den Drogeriemarkt und hole noch was zur desinfizierenden Wundversorgung. Und einen kleinen Schokoriegel fürs Kind.

Wieder zu Hause verheddere ich mich in der Zeit und habe keine Lust, alles zu kochen, was wir geplant haben. Etwas zu spät gehe ich nochmal in den Supermarkt. Dadurch essen wir auch erst später als geplant und können erst später in die Kneipe. Wobei der RB erstmal „auf“ ein Konzert geht.

Die heute doch recht kleine Runde dauert wieder lang. Aber schön ist es, wie wir uns immer mehr kennenlernen. Ich mag die Diskussionskultur in unserer Runde.

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Nachtrag von Mittwoch: Endlich hat das Finanzamt meine Steuerklasse geändert. Nach nur 23 Monaten und 9 Tagen seit der ersten Nachricht meinerseits ob der Steuerklassenwechsels hat es endlich geklappt.

Abschottung, Tag 75

Abschottung, Tag 75

Eigentlich müsste ich den heutigen Tag aus der Zählung rausnehmen. Heute war ich nicht abgeschottet. Ich habe nur kurz gearbeitet. Bis 14h00. Dann fuhr ich mit dem RB los gen Offenbach. Er musste zum Laden und ich hatte – tadaa – einen Friseurtermin. Dort war ich über zwei Stunden. Mit Mundschutz. Und alle um mich rum auch mit Mundschutz – mehr oder weniger korrekt getragen. Das fühlte sich alles gar nicht so komisch an, wie befürchtet. Es tat gut, betüddelt zu werden. Und es tat sehrsehr gut, dass der Mopp endlich vom Kopf ist.

Danach wollte ich mich eigentlich nur kurz dem RB zeigen. Außerdem hatte ich Durst und ich wollte nicht in irgendeinen Laden. Also ging wieder zum Laden. Doch dann kam die eine Freundin vorbei und wir quatschten zu dritt. Von einem Freund führte der Rückweg von der Arbeit an uns vorbei und wir quatschten zu viert weiter (bzw. zu dritt, der RB musste zwischendurch auch mal arbeiten). Irgendwann meldete sich das Kind vom Rugby zurück und wir fassten einen Pizzabeschluss. Es kam fast zu einem Eklat zwischen dem Kind und mir, aber dann fand ich doch online die Speisekarte vom Pizzamensch unserer Wahl. Als der RB und ich fahren wollten, kam

der dritte Mensch vorbei, mit dem wir befreundet sind.

Es tat so gut, mit den Leuten zu quatschen, sie zu sehen. Aber gleichzeitig fühlte es sich so falsch und komisch an, die Leute nicht zur Begrüßung umarmen zu können. Nicht nah beieinander stehen zu dürfen. Weird world.

Auf dem Rückweg holten der RB und ich die vorbestellten Sachen beim Pizzamensch ab.

Nach dem Essen war ich auf einmal total fertig. Sicherlich spielte die kurze Nacht mit rein, aber mich hatten diese 6 Stunden außerhalb der Wohnung in der Zivilisation mit wechselnden Menschen und Eindrücken echt schwer gefordert. Das musste ich erstmal verarbeiten. Anderthalb Stunden schlief ich, dann konnte ich die Dringlichkeit des einen Projekts* nicht mehr ignorieren und setze mich nochmal an den Rechner, um es fertig zu machen. Es wurde sehr spät. Sehrsehr spät.

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* Extra-Auftrag

Abschottung, Tag 71

Abschottung, Tag 71

Yeah, immer noch zwei Tage Wochenende. Und Einkaufen müssen wir auch nicht, weil der RB gestern war. So plätscherte der Tag vor sich hin:

  • Spätes Frühstück
  • Yoga
  • Versuch Baguette zu backen mit Hefewasser (muss ich nochmal testen – ohne Roggenvollkornmehl)
  • Internetgedaddel
  • leckerem Abendessen
Herzhafte Waffeln und asiatischer Hähnchen-Garnelen-Salat
  • Kinoabend mit Spaceballs (das Kind wird jetzt in die Klassiker eingewiesen)
  • Puzzelei für mich

Das Aufregendste war fast das nächtliche Paneerkochen, weil der RB – zum Glück – beim Ins-Bett-Gehen über den Hackenporsche mit den sechs Litern Frischmilch stolperte. Und weil die nicht in den Kühlschrank gepasst hätten, musste ich sie „noch schnell“ verarbeiten.

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Ansonsten:

Das wäre so schön. Sich mal wieder frei zu bewegen, ohne sich über andere Menschen ärgern zu müssen.

Abschottung, Tag 64

Abschottung, Tag 64

Ich bin empfindlich und dünnhäutig. Viele in meinem Umfeld sind empfindlich und dünnhäutig. Die Pandemie macht viel mit uns allen. Und ich bin schon froh, dass in meinem unmittelbaren Umfeld keine Aluhutträgerinnen und Verschwörungstheoretikerinnen sind (vom Kv mal abgesehen).

Ich bin so genervt von der Situation hier in Deutschland. Trotz okayer Zahlen läuft hier einfach viel zu viel falsch. Im Umgang mit der Pandemie und darüber hinaus auch generell. Mich kotzt hier vieles an. Aber ich lebe hier. Ich will nicht sagen, dass ich keine andere Wahl hätte, aber so auf den ersten, zweiten und dritten Blick wüsste ich erstmal nicht, wo ich leben und arbeiten könnte. Tja, also muss ich mit der Scheiße hier leben. Und verbunden mit meiner Dünnhäutigkeit reagiere ich gerade sehr empfindlich, wenn immer wieder von außen gesagt wird, was in D alles falsch läuft und in allen anderen Ländern so viel besser. Ja, toll, super. Das nützt uns hier halt nichts, weil die, die Entscheidungen aka Politik machen, nicht unbedingt Twitter lesen und auch nicht wirklich die gesamte Gesellschaft im Blick hat. Und ich möchte darüber nicht mit Menschen aneinander geraten, die ich mag.

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Ausschlafen konnte ich nicht wirklich, denn ich hatte die Waschmaschine programmiert und gegen 9h00 schleuderte die. Das Kind kam um – haha – den Dreh zu mir. Er kuschelte. Naja, was er so kuscheln nennt (da kommt er wohl doch etwas nach mir). Lang hielt es nicht, dann ging er und machte mir Tee. Ich durfte Tee trinken und ihm dabei Känguruchroniken vorzulesen. Als der RB wach wurde und dazu kam, machte das Kind Kaffee für ihn. Wir machten die Einkaufsliste. Dann schickte ich das Kind los, um die bestellten Avatar-Comics beim Dorfbuchladen abzuholen. 30 Minuten ohne Kind. Kennen wir ja gar nicht mehr.

Als das Kind wieder da war, gingen der RB und ich einkaufen. Zunächst auf dem Markt. Als der RB Kaffee kaufte, war ich kurz versucht, die neue Freiheit zu testen: Uns beim Café draußen hinzusetzen und einen Kaffee zu trinken. Aber puh, das Prozedere war es mir nicht wert. Nach einem kurzen Abstecher nach Hause gingen wir noch zum Supermarkt und dann war es auch endlich Zeit für Kaffee und Kuchen.

… und Obst.

Gestärkt setzte ich Bunteig an, kümmerte mich um e-Mails, ärgerte mich, machte Coleslaw, versorgte den Bunteig, recherchierte ein Eierlikörkuchenrezept (nein, ein Kuchen ohne Eierlikör drin, wird nicht zum Eierlikörkuchen, wenn ich Eierlikör drüber kippe), formte Buns, ließ den Kuchenteig rühren und schnitt Rhabarber.

Der RB kümmerte sich um die Patties und Herrn Weber…

Als Nachtisch spielten wir zu dritt. Zum Insbettbringen las ich noch vor. Der RB und ich versuchten, uns danach auf einen Film zu einigen.

Abschottung, Tag 52

Abschottung, Tag 52

Long story short: Kackscheißtag.

Dabei fing der Tag gar nicht so schlecht an. Zwar mit etwas dumpfen Kopf und dem Gefühl von aufsteigender Seuche, aber ich hatte ok geschlafen, war vom Wecker wach geworden und halbwegs fit für den Tag. Allerdings war mir den ganzen Tag über kalt.

Ich versuchte Dinge abzuarbeiten, aber telefonierte wieder elends viel. Das zerreißt mir immer den Tag.

Ich chattete auch mit Nintendo in der Hoffnung, das Profil vom Kindes irgendwie sinnvoll mit einem passenden Account zu verknüpfen. Mir konnte nur bedingt geholfen werden. Das Kind nahm es aber mit Fassung.

Am späten Nachmittag dann zusammen mit dem RB den Kopf über Menschen geschüttelt. Über Menschen, die gegen Zwangsimpfungen sind und auch sonst eher in Aluhuthausen unterwegs sind. Zur Klarstellung auch an dieser Stelle:

Kinderkrankheiten heißen nicht so, weil sie so niedlich sind, oder Kinder so niedlich damit aussehen, sondern weil Kinder daran sterben (können). Und in unserer Zeit und unseren Breitengraden sterben mehr ungeimpfte Kinder an einer Kinderkrankheit als dass Impfschäden überhaupt auftreten.

Apropos Alhuhut: Der vom Kv drückt kräftig und er scheint gerade zu viel Zeit zu haben. Da er unbedingt sein Kind sehen will, hat er mittlerweile das französische Innenministerium kontaktieren lassen. Ergebnis: Er darf nach dem 11. Mai herkommen und das Kind abholen. Dass das Kind in Quarantäne muss, wenn er wieder nach D kommt, will er nicht glauben. Er möchte lieber das Innen- und Außenministerium anrufen (von welchem Land ist unklar). Dem Kind gegenüber haut er Dinge raus wie: Das mit dem Virus ist nicht so schlimm. Anderswo würden ja viel mehr Menschen verhungern, als bisher an Covid-19 verstorben sind. Und impfen lässt er sich auch nicht.

Da musste ich leider dem Kind gegenüber sehr deutlich werden:
1. Solange der Kv die Pandemie nicht ernst nimmt, wird das Kind nicht zu ihm fahren.
2. Der Kv ist Risikogruppe und wenn er sich ansteckt, gepaart mit seinem Unwill überhaupt zum Arzt zu gehen, kann sich das Kind schon mal auf eine Beerdigung einstellen.

Die selbstgemachte Ramen hatte zwar was tröstliches, konnte aber an den Themen auch nicht ändern.

Ich war noch nie so froh über das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht wie jetzt.

Nachdem das Kind im Bett war, musste ich nochmal an den Schreibtisch, da die Projekte echt nicht weniger werden.

Und weil das alles noch nicht doof genug war, haben der RB und ich uns zum Abschluss der Tages noch ordentlich gestritten.