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Kategorie: Bewegendes

Impfen hilft

Impfen hilft


Entsprechend liege ich dem RB seit √ľber einem Jahr in den Ohren, dass er sich um seinen Impfstatus k√ľmmern muss. Wobei der Status mittlerweile eindeutig ist: unklar. Das sieht auch seine neue Haus√§rztin so. Er m√ľsste also endlich mal einen Termin machen.


Immerhin hat er es VOR der Saison zur Grippeimpfung geschafft (bei seinem Job ja nicht total doof) und so verseucht (Nebenh√∂hlen, nech?!) wie er dennoch den Winter √ľber war, hat ihn das vermutlich vor Schlimmerem bewahrt.

Nun braucht er also – wie alle Erwachsenen nach StIKo-Empfehlung – eine Auffrischung der Impfungen Tetanus, Diphterie und Pertussis (Keuchhusten; TDP) und Masern. Das sind zwei Spritzen: Einmal mit dem TDP-Kombinationsimpfstoff und einmal mit einem MMR-Kombiimpfstoff, da es Masern nicht als Mono-Impfstoff gibt. Danach gilt es, die TD-Impfung (NICHT Pertussis und Masern) halbwegs regelm√§√üig etwa alle 10 Jahre aufzufrischen. Gibt es √ľbrigens eine belegte Grundimmunisierung mit TDP, ist keine erneute Grundimmunisierung erforderlich, auch wenn die letzte Auffrischung mehr als 10 Jahre her ist.

Kurz gefasst gilt f√ľr erwachsene, „normal gesunde“* Erwachsene, die im Kindesalter bereits einmal mit mindestens TDP grundimmunisiert wurden, aber jetzt nicht mehr wissen, wann und was bei der letzten Auffrischung geimpft wurde**:

  • einmalig TDP und MMR
  • danach alle 10 Jahre TD***

Und ganz ehrlich: Da weiß ich wirklich nicht, wann welche Titer warum bestimmt werden sollten.****

F√ľr alle, die keine Ahnung von ihrem Impfstatus haben und auch nicht belegen k√∂nnen, dass sie im Kindesalter grundimmunisiert wurden, gilt:

  • einmalig Grundimmunisierung TDP und Polio
  • einmalig MMR
  • danach alle 10 Jahre TD

Und es ist auch wirklich kein Beinbruch, wenn Ihr Euren Impfpass verschlampt verloren verlegt habt: Daf√ľr gibt es keine Strafen und die √Ąrztin wird sicherlich auch nicht schimpfen, sondern vielmehr froh sein um jede, die sich impfen l√§sst. Und zur weiteren Beruhigung sei der Twitter-Thread von Anna Aridzanjan empfohlen:

Zu weiteren „individuell“ erforderlichen Impfungen aufgrund des Berufs oder f√ľr Reisen (z.B. Hepatitis A/B) kl√§rt Euch Eure √Ąrztin sicherlich gerne auf. Auch Schwangere und Menschen, die schwanger werden wollen, sollten sich von ihrer √Ąrztin bzw. Frauen√§rztin beraten lassen.

Aber lasst Euch bitte impfen.*****

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* also ohne chronischen Erkrankungen u/o nicht-immunsupprimierte

** Wer nach StIKo geimpft wurde hatte mit ca. 10 Jahren die letzte TDP-Polio-Auffrischung im Kindesalter und sollte so mit 20 Jahre die erste Auffrischung als Erwachsene haben

*** Tetanus gibt es als Mono-Impfstoff, Diphterie jedoch nicht.

**** Ich wei√ü gar nicht, wann dieser Titerbestimmungshype aufkam. Auf jeden Fall ist er relativ fehlgeleitet. Letztlich macht er ja nur Sinn bei Menschen, die nicht geimpft werden k√∂nnen, um zu gucken, ob sie einer besonderen Gef√§hrdung ausgesetzt sind. Oder halt bei Schwangeren oder Menschen, die schwanger werden wollen, um zu gucken, ob sie gegen impfbare teratogene Erkrankungen ausreichend gesch√ľtzt sind.

Luxus

Luxus

Heute fuhr ich mit zwei Fahrr√§dern im Kofferraum durch hessische Lande, also von Frankfurt nach Wiesbaden und zur√ľck. Das war so nicht geplant, aber lie√ü sich heute morgen um 11h00 auch nicht mehr √§ndern. Ich h√§tte sonst umst√§ndlich nach Hause fahren m√ľssen, R√§der ausladen und dann … ach … war ich auch ein wenig gef√ľhlig, denn um 11h00 war die Gurke, wie ich liebevoll das uralte Motobecane-Rad meines Vaters nannte und dass ich seit einiger Zeit f√ľr Stadtfahrten nutzte, f√ľr tot erkl√§rt worden. Ich hatte ja gehoff, dass es mit „neue Kette“ drauf nochmal eine Weile gute Dienste leisten k√∂nnen, aber die Fahrradmechanikerin sprach sehr fachfrauisch und vertrauenserweckend, dass ich schweren Herzens einsah: Das Rad ist nicht mehr zu retten. Vielleicht h√§nge ich den Rahmen mit der Gabel einfach an die Wand.*

Kurz zuvor hatte die Mechanikerin schon das Rad vom midi-monsieur in Augenschein genommen. Da war – das wusste ich schon vorher – mindestens die Hitnerradbremse kaputt, aber auch sonst br√§uchte es dringend eine Wartung. Die Fachfrau sprach aber auch von einem neuen Antrieb – also Ritzel, Kettenbl√§tter und Kette (ja, die war besonders ausgeleiert). Aber bevor sie √ľber all das sprach merkte sie √§u√üerst genau an, dass das Fahrrad ja gr√∂√üenechnisch ausgereizt sei. Ja, auch das stimmte: Weiter hoch h√§tte der Sattel nicht gekonnt. Klar w√§ren die erforderlichen Reperaturen m√∂glich und sicherlich auch sinnvoll, ABER halt nicht f√ľr ein Rad, das das Kind h√∂chstens noch 6 Monate f√§hrt und dann halt definitiv rausgewachsen sein wird. Zumal die Kosten f√ľr die Reparaturen so hoch w√§ren, dass ich davon auch ein neues Rad f√ľr das Kind bek√§me.

Also lud ich die Räder wieder ein und fuhr sie halt durch die Lande.

Am¬† Nachmittag kam dann eins zum anderen: Ich war fr√ľher zur√ľck als gedacht, der gefundene Parkplatz lag so, dass ich noch einen kleinen Schlenker zum Drahteselh√§ndler des Viertels machen konnte und dort auch zwei potentielle Objekte fand. Dann war immer noch so viel Zeit, dass ich das Kind vom Hort abholte und mit ihm die Vorauswahl genauer begutachtete. Es passte nur das eine der beiden, aber daf√ľr so gut und der midi-monsieur war so happy, dass wir es direkt mitnahmen. Schlie√ülich braucht er ein Fahrrad.

Das Fahrrad ist letztlich ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk, aber dennoch bin ich sehr dankbar, dass ich „einfach so“ ein neues (ja, diesemal nagelneu) Rad kaufen kann.

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* Mal abgesehen davon, dass ich nicht w√ľsste, an welche Wand, f√§nde der RB das sicherlich auch nicht so knall. Ich werden dem Rad wohl anders ein Denkmal stechen lassen setzen.

Genetik

Genetik

Heute schoss mir durch den Kopf, dass das Kind genetisch ja nicht nur von mir gepr√§gt ist. Ja, werden jetzt einige aufmerksame Leserinnen sagen: „Das ist aber schon immer so.“ Jaha, ich wei√ü es ja auch. Aber manchmal w√ľnsche ich mir tief in mir drin, dass er nur meine Gene h√§tte. Dass er nur von mir gepr√§gt w√§re. Dann k√∂nnte ich manche Dinge wom√∂glich besser handhaben. Dann w√§re er mir manchmal weniger fremd. Also nicht fremd im Sinne von entfernt, wir haben eine sehr enge Beziehung. Aber bei vielen Verhaltensweisen, Grundhaltungen, Herangehensweisen* kann ich nicht wie andere sagen: „Mein Kind eben. Ich wei√ü ja, woher er es hat.“ Dadurch kann ich ihn oft erstmal nur vom Kopf her verstehen, verstehen, was er macht, wie er es macht und warum er es macht. Aber ich kann es nicht nachf√ľhlen. Nicht selten denke und deutlich weniger sage ich: „Warum machst Du es nicht so?“ – also wie ich es machen w√ľrde. Aber er ist er. Ich kann ihn nicht verbiegen. Und ich will das auch gar nicht. Aber ich kann mich ja auch nicht verbiegen. Die Folgen sind je nach Situation und Thema unterschiedlich: a) Es knallt zwischen uns. b) Wir wurschteln nebeinander her. c) Ich √ľberfordere ihn.

Und dann frage ich mich schon: Bin ich ihm eine gute Mutter? Bin ich ihm die Mutter, die er braucht? Aber was braucht er? Ich kann seine Bed√ľrfnisse manchmal nur erahnen, weil er eben so anders „tickt“. Und dann habe ich Angst, dass er seine Bed√ľrfnisse zur√ľcknimmt, weil er meine sp√ľrt und auf diese R√ľcksicht nehmen will.

Nat√ľrlich haben wir auch viele gute Momente miteinander. Aber mir ist es auch wichtig, dass er Dinge ohne mich erlebt. Dass er wachsen kann an dem, was ich ihm und letztlich auch er sich selbst zutraut. Dass er eigene Erlebnisse hat, die ihn pr√§gen. Doch was ist, wenn ich diese Erlebnisse miterleben sollte, um zu sehen, was sie mit ihm machen, um ihn besser verstehen zu k√∂nnen? Vielleicht reicht f√ľr ein Kind, das noch nicht einmal 10 Jahre alt ist, auch aus, dass er regelm√§√üig Erlebnisse ohne die Mutter hat, wenn es seinen Vater besucht.

Ich merke, dass ich davon wegkommen muss, zu √ľberlegen, wie ich in dem Alter drauf war, was ich in dem Alter f√ľr Bed√ľrfnisse hatte. Es ist egal, wie ich mit fast 10 Jahren war, denn der midi-monsieur ist der midi-monsieur. Und ganz vielleicht sind wir uns doch ganz √§hnlich, nur, dass ich mit fast 10 Jahren noch nicht einmal ansatzweise so viel erlebt hatte wie er.

Es sind halt doch nicht** die Gene, die uns prägen.

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* Nein, es sind auch nicht Verhaltensweisen, Grundhaltungen, Herangehensweisen die der midi-monsieur vom Kv „√ľbernommen“ hat und die mich deswegen so pieken. Ich glaube, er ist dem KV genauso „fremd“ wie er es mir ist.

** nicht nur? nicht vorrangig? √ľberhaupt nicht?

Prost, Papa!

Prost, Papa!

Die Sorgen waren schon gro√ü in den letzten Wochen, seitdem mein Papa mit Lungenentz√ľndung ins Krankenhaus gekommen war. Die Betonung liegt auf Kranken-Haus, denn nicht nur meine Mutter hat sich einen Infekt dort eingefangen, sondern mein Vater ist auch noch im Krankenhaus gest√ľrzt – als eine Schwesternsch√ľlerin ihn begleitet hat – und auch sonst wurd √ľberhaupt nicht wirklich darauf geachtet, welche pflegerischen Sonderleistungen mein Vater als Schlaganfallpatient ben√∂tigt. Hinzu kam, dass er durch den Infekt k√∂rperlich stark abgebaut hatte, sodass er Hilfsmittel ben√∂tigte, f√ľr die sich letztlich aber niemand zust√§ndig f√ľhlte. Abgesehen vom auskurierten Infekt kam er in einem deutlich desolaterem Zustand aus dem Krankenhaus als er eingewiesen wurde. Aber es hei√üt halt Kranken- und kein Gesundheitshaus. (Und ja, ich wei√ü, dass das Personal am wenigsten f√ľr die gruselige Versorgungslage kann.)

Nach den Telefonaten mit meiner Mutter, zusammen mit der Erinnerung an seinen Zustand im Februar drehte sich das Gedankenkarussell* immer wieder und wieder. Tränen flossen auch.

Meine Mutter war gestresst. Sie organisiert ALLES f√ľr meinen Vater. Und das w√§re unter besten Umst√§nden schon ziemlich viel. Aber auch unser Gesundheitssystem krankt und so muss sie sich mit unwilligen √Ąrztinnen rumschlagen, die n√∂tige Therapien nicht verschreiben wollen – sei es aus Regressangst**, sei es, weil sie meinen, dass ein Mensch von 72 Jahren so eine umfangreiche Therapie nicht mehr braucht*** -, sie telefoniert deswegen und wegen tausend anderer Dinge mit der Krankenkasse, sie k√ľmmert sich um Ersatz f√ľr die unwilligen √Ąrztinnen, macht Termin mit diversen Therapeutinnen und √ľbernimmt ganz nebenbei auch komplett die Pflege meines Vaters. Das ist nat√ľrlich gro√ües Gl√ľck f√ľr meinen Vater und wer wei√ü, wie all das liefe, wenn sie nicht mittlerweile verrentet w√§re.

Sie ist so nah an meinem Vater wie sonst niemand anderes. Ihre Berichte √ľber ihn besch√∂nigen nichts (mehr), aber Drama war noch nie ihrs. Daher war nach den letztes Telefonaten mit ihr klar: Meinem Vater geht es sehr schlecht.

Entsprechend wichtig war es mir, ihn zu sehen. Entsprechend mulmig war mir aber auch.

Gedankenkarussell.

Heute dann fuhren der RB und ich hin. Und schon bei der Begr√ľ√üung war klar: Papa ist viel besser drauf als erwartet. Der H√§ndedruck (ja, mein Vater m√∂chte per Handschlag begr√ľ√üt werden – und wenn er nicht gerade hilflos rumliegt, ist alles andere auch v√∂llig fehl am Platz) war kr√§ftig wie noch nie seit dem Schlaganfall. Er war wach und fit und sah f√ľr seine Verh√§ltnisse sehr gut aus. Er beteiligte sich so gut es die Aphasie zulie√ü an unseren Gespr√§chen. Er a√ü mit gro√üen Appetit Grie So√ü. Kurzum: Puh! Aufatmen.

Prost, Papa! Auf Dich, aufs Leben!

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* Manche davon kann ich (noch) nicht aussprechen.

** Was bei Schlaganfallpatientinnen Quatsch ist, da diese idR außer Budget laufen.

*** O-Ton: „Er ist ja keine 22 mehr und schon verrentet.“

Wohin?

Wohin?

Eigentlich bin ich ja mit einem recht unersch√ľtterlichen Optimismus gesegnet. Irgendwie wird (und wurde bislang) alles schon gut. Irgendwann. Aber heute hat es mir ein bisschen den Boden unter den F√ľ√üen weggerissen.

Obwohl ich noch sehr optimistisch aufgewacht war, denn


hatte es mir dann doch erstmal die Laune verhagelt. Neben organisationsbedingter schlechter Laune scheint es da was zu geben, das wohl nicht wieder gut wird. Es wurde dann aber bei mir nach Tee und Dusche besser und war wieder bestens, als ich mit dem RB auf dem Weg ins Museum war. Die aktuelle Austellung des Museums f√ľr angewandte Kunst „Moderne am Main“ wollte schon l√§nger von uns besucht werden (und sie l√§uft nur noch bis zum 14.4.).

Sehr interessante Ausstellung. Wer noch kann, sollte sie besuchen.

Unser Kultur-Date rundeten wir mir einem kleinen Snack in meinem liebsten Innenstadtcaf√©, dem Naschmarkt, ab. Dann musste der RB in den Laden und ich dringend arbeiten. Als ich wieder am EssSchreibArbeitstisch sa√ü, gab es ein bisschen dies und das. Die Kundin war nicht ganz zufrieden, aber gut. Daf√ľr war es an anderer Stelle erfreulicher. Parallel schrieb ich mit meiner Mutter und da musste ich schon sehr schlucken. Meinem Vater geht es echt schlecht. Auf der einen Seite br√§uchte er wohl Ruhe, aber auf der anderen Seite muss er therapeutisch am Ball bleiben. Ihm fehlen Kraft und Antrieb. Und gerade letzteres macht mir gro√üe Sorgen.

Später dann kam das Abstimmungsergebnis des Europäischen Parlaments zum Urheberrecht.

Und ich frage mich (nicht nur) seitdem: Wohin wird das alles noch f√ľhren? Es ist so viel passiert, beschlossen worden in den letzten wenigen Jahren, das in die allgemeine Freiheit eingreift. Nein, die wenigsten von uns, also aus meinem direkten Umfeld, sind unmittelbar davon betroffen oder sp√ľren es. Aber es ist da. Vorneweg krakelen die Blaubraunen und hintenrum beschlie√üt unsere (haha, meine ist das nicht) Regierung genau das, was die Blaubraunen krakelt haben. Nur, dass die nun den n√§chsten Schritt nach recht gegangen sind.

Ich habe noch nie damit gehadert, ein Kind in die(se) Welt gesetzt zu haben. Aber gerade frage ich mich, ob das so sinnig war. Was hinterlasse ich ihm? Wie wird er leben? Noch geht es ihm und uns gut. Gef√ľhlt seht ihm noch alles offen. So wie mir – damals in den 1980ern und 1990ern. Im 29. Jahr nach der Wende frage ich mich allerdings: Wo stehen wir, also die Gesellschaft? Sind wir wirklich 29 Jahre weiter? Oder haben wir uns seitdem kontinuierlich zur√ľckentwickelt? Mir fehlt der Zukunftswille, ach, allein schon ein leises Blinzeln in die Zukunft von unserer Politik. Ich sehe kein Gestalten mehr, kein „wir wollen eine bessere, gerechtere Gesellschaft“. Es wirkt alles zu machtgierig und machterhaltend, r√ľckw√§rtsgewandt.

Ich w√ľrde die Gedanken gerne absch√ľtteln, aber es geht nicht. Denn es kommt immer mehr dazu. Dieser massive Rechtsruck macht mir Angst und ich habe noch mehr Angst, dass viele es unter „DAS wird uns nicht wieder passieren“ abtun. Es war toll, dass am Wochenende 10.000 f√ľr #FrankfurtGegen13 demonstriert haben, aber es ist erschreckend, dass bei der Demo #GegenDenRechtsruck maximal nur ein Viertel dabei waren. So √§ndert sich nichts.

Es wird nur noch schlimmer, während wir uns gleichzeitig schleichend immer mehr daran gewöhnen.

An rechte Parolen.
An Freiheitseinschränkungen.
An ertrinkende Menschen im Mittelmeer.
An die zu wenigen Insekten und zu heiße Sommer.

Daran, dass unsere Stimme(n) nicht interessieren.

Dem Ruf gerecht werden

Dem Ruf gerecht werden

K√ľrzlich erst schrieb das Zeitmagazin, dass Frankfurt Deutschlands Demo-Hauptstadt sei.

Und als wollten die Frankfurter diesem Ruf unbedingt gerecht werden, gab es heute allein 3 Großdemonstration. Dazu waren noch 9 kleinere angemeldet. Also insgesamt 12 Demos. In der Innenstadt.

Und nachdem heute Morgen der Wecker so klingelte, dass der RB und ich vor 10h30 vom Markt zur√ľck waren. Und ich danach direkt die restlichen Sachen einkaufen ging, sodass ich um 12h00 wieder zu Hause war, als der Kumpel vom Kind kam, die beide bis 14h40 bei uns spielten und dann zusammen zum Kumpel gingen, konnte ich mich trotz Dings (oder halt doch Seuche) dann doch aufmachen, um zur #SaveyourInternet-Demo dazuzusto√üen.

Als ich 15h20 an der Paulskirche ankam, war die Demo, die eigentlich um 14h00 losgehen sollte, immer noch da. Gut f√ľr mich, so musste ich nicht suchen.

Ich ging bis zur Zwischenkundgebung am Willy-Brandt-Platz mit. Die Stimmung war entspannt. Erfreulich viele junge Menschen beteiligten sich. Es war wenig Polizei zu sehen.

Dann wechselte ich folgte ich den Wasserwerfern √ľber Friedensstra√üe und Kaiserstra√üe zur Hauptwache, wo die #GegendenRechtsruck-Demo erwartet wurde …

… von einem gro√üen, wirklich gro√üen Polizeiaufgebot (inkl. Bundespolizei, USK und Beamten aus „allen“ Bundesl√§ndern).

Die Stimmung war schon sehr angespannt. Ich habe noch nie so viel Polizisten in voller Montur gesehen. Es war kurz beängstigend. Aber die Demo endete friedlich (zumindest soweit ich das gesehen habe).

Dann k√ľndigte sich an, dass die #SaveyourInternet-Demo auf dem Rossmarkt nebenan zur Abschlusskundgebung eintreffen w√ľrde.

Wow, da waren immer noch 10.000 unterwegs.

Aber da musste ich dann nach Hause.

Fridays For Future – ein Statement

Fridays For Future – ein Statement

Dem h√∂chst treffenden rantigen Thread bzw. Thread-Rant von Ulrike auf Twitter zu #FridaysforFuture ist nix hinzuzuf√ľgen:

Diese Diskreditierungsversuche von #FridaysForFurture aus der (deutschen) Politik machen mich so w√ľtend, dass ich jetzt mal einen Sonntagmorgenthread dazu ablassen muss.

1) Verweis auf die Schulpflicht: Ich halte die allgemeine Schulpflicht insgesamt f√ľr eine gute Sache, aber f√ľr dieses Argument wird sie instrumentalisiert – u. a. von denen, die es seit Jahrzehnten (!!) nicht nur nicht hinbekommen, die Schulen zu erfolgreichen Lernorten f√ľr alle zu machen, sondern die es offenkundig √ľberhaupt nicht juckt, wie viel Unterreicht wegen Lehrkraftmangel sowieso st√§ndig ausf√§llt. Ich brauche nur an die Diskussion mit einem Bremer Lokalpolitiker zu denken, der mir allen Ernstes erkl√§rt hat, Eltern w√ľrden den Unterrichtsausfall √ľbersch√§tzen, seine Statistiken zeigten, dass Unterricht zu 98 % stattfinden k√∂nnte.

2) Seit Beginn der PISA-Studien (die auch problematisch sind, aber anderes Fass) wissen wir, dass es auch in den deutschen Schulen massive Probleme gibt. Die Politik reagiert darauf mit hektischem Hin und Her in der Schulpolitik, echte Besserung ist m.E. nicht in Sicht. Trotzdem soll oberste Piorität sein, auch nur ja keine Stunde des schulischen Angebots zu versäumen?

3) Wen das PISA-Argument nicht √ľberzeugt, braucht nur mal darauf zu schauen, wie sich schulische Bildung zum Rest des gesellschaftlichen Lebens verh√§lt – angefangen von dem Konsens, dass Schule ein notwendiges √úbel sei („soll ja auch keinen Spa√ü machen“, „muss halt sein“, „Horrorfach Mathe“), √ľber die wenig nachhaltige Wissensvermittlung („braucht man nie wieder im Leben“, „habe ich mal in der Schule gelernt, aber soooo lange her“) bis hin zu Ph√§nomenen wie Flat Earthern Hom√∂oopathiegl√§ubigen und Impfverweigerern, die es gar nicht geben d√ľrfte, wenn die Schule fl√§chendeckend ihren Bildungsauftrag erf√ľllen w√ľrde. Mal ganz abgesehen von dem mangelnden Verst√§ndnis der Ergebnisse der Klimaforschung.

3) √Ąhnlich wie 2): Alle, die es bisher in verantwortlichen politischen/gesellschaftlichen Positionen verbockt haben, das Ruder rumzurei√üen, um die globale Erw√§rmung zu stoppen, haben doch die schulische und in der Regel noch weitere Bildungsanstalten durchlaufen – das allein n√ľtzt offensichtlich nichts.

4) Da es mir hier bes. um die √Ąu√üerungen aus der dt. Politik geht: Eure Parteien haben alle Jugendorganisationen. Viele eurer Promis sind als ganz junge Leute in eben diese Jugendorganisationen eingetreten – & jetzt argumentiert ihr, in dem Alter h√§tte man keine Ahnung? Meint ihr im Ernst, so lockt man Nachwuchs an? Indem man jungen Leuten sagt, sie w√ľssten nix, k√∂nnten nix und sollten erstmal alt werden, wenn sie mitreden wollen? Mir bleibt da echt der Mund offen stehen.

5) Oft gesagt, aber offensichtlich immer noch nicht verstanden: die Forderungen von #FridaysForFuture sind doch gar nicht neu Рdas fordern Wissenschaft und große Teile der Gesellschaft schon lange, nur bisher leider nicht in dieser Radikalität. Ich bin soooo dankbar, dass die Jungen ihre Energie und Leidenschaft und Freiheit einsetzen, um so laut zu sein.

6) Zu allen diesen Punkten, besonders zu den Mängeln in der Schullandschaft (hallo, liebe dt. Politik, schon vergessen, wie lange ihr euch gerade erst beharkt hab, als es darum ging, dt. Schulen langsam mal auf den Stand zu bringen, der in jedem Unternehmen Mindeststandard ist?) könnte ich noch erweiternde Unterpunkte aufmachen, aber das erspare ich euch & mir.

Ich mache jetzt Waffeln & Tee & gehe laufen, & wenn ich zur√ľckkomme, will ich in meiner TL keine Anti#FridaysForFuture-Statments aus der dt. Politik mehr sehen. Danke und sch√∂nen Sonntag!

„Weil ihr uns die Zukunft klaut“

„Weil ihr uns die Zukunft klaut“

Auf 12h00 war der Start der Frankfurter „Fridays for Futur“-Demo angesetzt. 12h00 ist f√ľr einen Schulstreik eine recht moderate Uhrzeit. Da zum Beispiel beim Kind die 5. Stunde ausfiel, hatte er um 11h30 Schulschluss. Damit h√§tten wir es durchaus p√ľnktlich zum Treffpunkt geschafft. Aber die Demo war f√ľr 3 Stunden angesetzt, es regnete und ich musste auch noch was zu Ende arbeiten, als der midi-monsieur um 11h40 zu Hause war. Um 13h45 machten wir uns dann endlich auf den Weg. An der Hauptwache trafen wir auf den Demozug und reihten uns ein.

Und ich musste erstmal mit meiner Ergriffenheit fertig werden. Um mich rum ganz viele junge Menschen – im Schnitt ein Vierteljahrhundert j√ľnger als ich – und skandierten so kreative wie treffende Demo-„Ges√§nge“. Ich hatte einen Klo√ü ihm Hals und musste mit den Tr√§nen k√§mpfen. So viele Kinder und Jugendliche, die definitiv nicht einfach nur „schw√§nzten“, sondern denen es um die Sache geht. Wow! Auch das Kind war zun√§chst ganz still.

Wir liefen mit bis zum R√∂mer, wo die Demo endete, und blieben auch noch ein Weilchen f√ľr die Abschlusskundgebung. Und auch da dachte ich „wow“, denn die Redebeitr√§ge der Sch√ľlerinnen waren deutlich, klar und auf den Punkt. Sie machten klar, wof√ľr sie auf die Stra√üe gehen. Und sie machten klar, dass sie nicht „aus Spa√ü an der Freude“ schw√§nzten vom Unterricht fernblieben.

Schwänzen bedeutet der Schule aus Faulheit fernbleiben. Wir bleiben aber nicht aus Faulheit fern, sondern aus Notwendigkeit.

Und nein, Bettina Wiesmann, die Schulstreiks m√ľssen jetzt NICHT ein Ende finden. Es hat – hoffentlich – gerade erst angefangen und das Signal ist noch lange nicht angekommen. Weitere Schulstreiks dienen dem Klima nicht direkt, aber sind f√ľr die streikenden Sch√ľlerinnen ein Mittel, geh√∂rt und gesehen zu werden, zu zeigen, dass JETZT was passieren muss, damit auch noch in 25, 50 Jahren dieser Planet bewohnt werden kann.

Rar

Rar

Nat√ľrlich gibt es sie. Sie, diese anst√§ndigen, normalen, korrekten M√§nner*, die nach einer Trennung, in die ein Kind** involviert ist, ohne zu diskutieren, Unterhalt f√ľr das Kind zahlen. Und ich m√∂chte betonen: Unterhalt F√úRS KIND! Unterhalt f√ľr die Mutter aka b√∂se Ex-Partnerin muss ja nur noch in Ausnahmef√§llen gezahlt werden. Also: Unterhalt f√ľrs Kind. Damit das Kind

  • ein Dach √ľberm Kopf,
  • was zu essen,
  • Kleidung und
  • (im besten Fall) die M√∂glichkeit Hobbies nachzugehen

hat. Und es geht nicht darum, dass der Kindesvater diese Kosten alleine tr√§gt, sondern dass er seinen Teil dazu beitr√§gt. Dass sich der Unterhalt am Einkommen des Vaters orientiert, ist nur fair: Hat das Kind zuvor vom – wie auch immer hohen – Einkommen des Vaters profitiert, sollte es das auch nach der Trennung. UNABH√ĄNGIG davon, was die Mutter verdient. Die muss n√§mlich auch ihren Anteil zum kindlichen Unterhalt beitragen. Gemessen an ihren finanziellen M√∂glichkeiten. Und da wird nicht gegengerechnet, dass f√ľr gew√∂hnlich das Kind die meiste Zeit bei der Mutter ist, dass der „Mental Load“ fast ausschlie√ülich auf ihr lastet. Denn in der Regel sind es die alleinerziehenden M√ľtter, die sich Gedanken machen √ľber: Braucht mein Kind neue Klamotten? Auffangen, wenn das Vatervermissen akut ist. Welche Gr√∂√üe hat das Kind aktuelle? Steht ein U-Termin an? L√§uft in der Schule alles gut? Wo ist das Kind wann zum Geburtstag eingeladen? Welches Geschenk wird gew√ľnscht? Stehen Impf-Termine an? Das Kind kann heute nicht in die Schule, wie mache ich das mit der Arbeit? Braucht es vielleicht doch Nachhilfe? Das Kind braucht nachts Zuspruch. Wie kommt das Kind zu seinem Hobby? Eigentlich m√ľsste es mal wieder zum Friseur. Elternabend – und wer passt aufs Kind auf? Geschenkliste f√ľr die buckelige Verwandtschaft. Geht es meinem Kind gut? Geht es ihm wirklich gut?

All diese Gedanken fressen Zeit und Energie. Beides rares Gut bei Alleinerziehenden, das unbezahlt bleibt. Ist der Kindesvater ein guter, dann versteht und wei√ü er, was die Mutter alles f√ľr das gemeinsame Kind tut. Dann wei√ü er, was es sie kostet, aus dem gemeinsamen Kind einen guterzogenen Menschen zu machen. Diese V√§ter tun ihr M√∂glichstes, ihren Teil dazu beizutragen: Sie zahlen – ohne Diskussion. Sie nehmen ihre Umg√§nge wahr – ohne Diskussion. Sie k√ľmmern sich w√§hrend ihrer Umg√§nge auch mal um Termine, Hobbies, Geschenke etc – ohne Diskussion. Sie nehmen das Kind auch au√üerhalb des Umgangs, wenn Not an der Frau ist – ohne Diskussion. Sie versuchen ihr Bestes, damit die M√ľtter keine unn√∂tigen Energien verlieren in noch unn√∂tigeren K√§mpfen, um die wenige Zeit, die sie haben, so gut wie m√∂glich f√ľrs Kind nutzen zu k√∂nnen.

Leider – anders kann eine die Zahlen zu Alleinerziehenden nicht deuten – sind solche V√§ter bzw. M√§nner so rar wie Zeit und Energie bei Alleinerziehenden. Die Mehrheit der getrennten V√§ter scheint sich eher ums Zahlen dr√ľcken zu wollen. Zahlen werden so lange gedreht und gebogen, bis f√ľrs Kind nichts mehr bleibt. Es wird damit gedroht, den eigenen Job zu k√ľndigen, nur um nicht zahlen zu m√ľssen***. Es werden Verm√∂genswerte geschickt umverteilt. Es wird gemauschelt und getrickst. Und eines der liebsten Argumente dieser V√§ter ist es, dass sie es nicht einsehen, nur zahlen zu m√ľssen, aber keine Rechte am Kind zu haben.

Niemand hat das Recht an einem anderen Mensch – auch oder erst recht nicht an einem (am eigenen) Kind. Wir haben aber die verdammte Pflicht, unseren Kindern alle F√ľrsorge (emotional und finanziell) zukommen zu lassen. „Man hat“ keine Kinder. Eine ist Mutter bzw. Vater. Eine ist verantwortlich f√ľr das Kind, das sie in die Welt gesetzt hat. Kinder sind kein Dings, kein Lifestyle- oder Statussymbol.

Nun h√∂re ich schon die M√§nner, die „Aber sie hat angefangen. Ich darf das Kind nicht sehen. Also muss ich auch nicht zahlen.“ krakelen. Ja, auch solche Frauen gibt es, aber ich bin mir sicher, dass nicht jeder nicht- oder zu-wenig-zahlende Vater so eine Ex-Partnerin hat.

Und selbst wenn sie „angefangen“ hat: Es geht in letzter Instanz um ein Kind. Es geht darum, dass es dem eigenen Kind gut geht. Es geht nicht darum, der Ex einen auszuwischen, zu zeigen, wer am l√§ngeren Hebel sitzt.

Und daher ist der Vorstoß von Ministerin Giffey auch eine Katastrophe: Dieser Vorschlag zäumt das Pferd so dermaßen falsch auf Рnein, nicht von hinten. Es ist einfach falsch. Denn es geht nicht um die Kinder. Sollte diese bekloppte SchnapsIdee Realtität werden, gibt sie den eh schon nicht- oder zu-wenig-zahlenden Vätern ein weiteres Machtinstrument. Die Väter, die eh schon so wenig wie möglich zahlen, werden sich noch weiter runterrechnen mit jedem Tag Umgang, den sie wahrnehmen. Ich sehe auch schon kommen, dass ebendiese Väter vermehrt vor Gericht ziehen und mehr Umgangstage einklagen, um sich noch weiter aus dem Unterhalt zu lavieren.

Und ganz weit am Horizont sehe ich Kindesv√§ter, die vom Unterhaltsvorschuss auch noch ihren Teil abhhaben wollen, wenn sie denn mal ihr eigenes Kind h√ľten.

Als hätten unsere Familiengerichte und Jugendämter nicht schon genug zu tun.

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* Ja, es gibt auch die umgekehrten F√§lle, aber in der Mehrheit gehen die M√§nner und die M√ľtter bleiben alleinerziehend zur√ľck. Daher bleibe ich mal beim Allgemeinfall.

** mehrere Kinder sind mitgemeint

*** Damit kommen sie vermutlich nicht durch, aber erstmal steht das Wort im Raum und die AE muss sich auch noch darum k√ľmmern.

Dankbar

Dankbar

Was f√ľr ein Gl√ľck, dass es auf dieser Welt so viele schlaue M√§nner gibt, die in ihrer unendlichen G√ľte uns arme dummen Frauen dar√ľber aufkl√§ren, wie sie ihr Leben richtig zu gestalten haben.

Ich bin sehr, sehr dankbar.

Nein, nicht dankbar f√ľr solche M√§nner, sondern f√ľr M√§nner wie den RB. Er nicht nur wei√ü, wie eine Emanzipation und Gleichberechtigung schreibt, sondern auch was diese Begriffe bedeuten.