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Kategorie: Bewegendes

Glück

Glück

Zweite Welle: Tag 45

Das Kind kam heute recht spät von der Schule. Der Unterricht war um 15h50 zu Ende, aber er war – trotz Fahrrad – erst um 16h15 zu Hause. Dadurch musste er etwas hetzen, um sich rechtzeitig zum Rugby loszukommen. Dann war er aber so zeitig, dass er mich um 16h50 vom Pitch aus anrufen konnte, weil er seinen Zahnschutz vergessen hatte. Glück im Unglück: Ich hatte eine Verabredung im Westend um17h30. Da konnte ich mit dem Rad problemlos kurz am Club vorbeifahren und ihm den Zahnschutz bringen.

Es tat gut, mit dem Rad durch die Stadt zu fahren. Auch die große Runde – 3,5 Kilometer – durch den Grüneburgpark tat gut. Aber besonders gut tat der Grund, warum ich überhaupt 3,5 Kilometer Luftlinie westwärts unterwegs war: Ein Treffen mit Freundin C. Es hat mich sehr gefreut, sie endlich mal wieder zu sehen. Das letzte Mal war Ende Februar.

Ein bisschen wenig Glück hat leider ein lieber Tweep. Daher braucht er dringend Hilfe vom virtuellen Dorf.

Und weil es nicht nur die Heizung, sondern auch das Warmwasser betrifft, ist schnelle Hilfe wichtig. Weitere Infos findet ihr hier.
(Selbst wenn der Spendentopf nicht voll wird, hilft hier wirklich jeder Euro.)

Schwerer

Schwerer

Zweite Welle: Tag 43

Ich war aus. Draußen. In kleiner unterhaltsamer Runde. Das war eine schöne Abwechslung. Es fühlte sich aber auch etwas komisch ungewohnt an: Mit Menschen längere Zeit verbringen, die nicht zu meinem Haushalt gehören.

Ich muss ein bisschen aufpassen, dass ich das nicht verlerne. Ich merke, dass ich extrem im Katastrophenmodus bin: funktionieren, alles am Laufen halten, immer in Habachtstellung. Ich kann eine grundlegende Anspannung nicht abstreiten. Ich habe kein Problem mit der „neuen Normalität“ (zumindest, wenn sich alle an die wenigen Regeln – AHA – halten würden), aber ich merke, dass von meiner Leichtigkeit, meinem Optimismus etwas in der Maske hängen geblieben abhanden geraten ist. Und nein, dass ist nicht dieses „endlich erwachsen werden“. Es ist vielmehr, dass die leichten Momente (Konzerte, spontan Museum, Freundinnen treffen, Umarmungen zur Begrüßung etc.) fehlen.

Ich kann und will nicht wie ein trotziges Kind schmollen, dass ich den SARS-CoV-2 doof finde und dass ich meine altes Leben zurück haben will. Da macht mein Kopf einfach nicht mit. Es ist jetzt wie es ist und wir müssen mit leben. Aber ich finde es doof, dass die Pandemie dazu führt, dass ich viel mehr Gefahr wittere (als eh schon), das Vertrauen in die Menschheit verliere und dass Freundschaften auf dem Prüfstand stehen.

Die Pandemie macht viel mit uns. Und wir werden als andere herausgehen (sollte sie einmal beendet sein). Wir werden nicht zu unserem „früheren Ich“ zurückkehren können.

Bürotag

Bürotag

Zweite Welle: Tag 41

Weil ich heute ein Mitarbeiterinnengespräch hatte, habe ich tatsächlich mein HomeOffice verlassen und bin mit dem Auto (ÖPNV traue ich mich nur wohl dosiert und nicht zu Stoßzeiten) ins Büro gefahren. Mal abgesehen von den drei Malen, wo ich 1) meinen zweiten Bildschirm geholt, 2) den Rechner zur Reperatur abgegeben und 3) den Rechner wieder abgeholt habe, war es das erste Mal seit Ende März, dass ich im Büro war. Promt hatte ich alles vergesen, was ich zum Arbeiten im Büro brauche. Naja, fast alles. Den Rechner und die Maus hatte ich mit, aber ich hatte kein Netzteil und auch keinen Netzwerkadapter dabei. Zum Glück fand sich im Büro Abhilfe.

Das Gespräch lief gut. Das Feedback durchweg positiv. Die Kritik auf sehr hohem Niveau. Und dennoch ärgert mich der eine oder andere Kritikpunkt sehr. Ich weiß noch nicht, wie ich damit umgehen soll. Es kiekst mich, obwohl es das nicht sollte, denn es kommt aus einer Anspruchshaltung der Kritikerin heraus, die tw. einfach überzogen ist, bzw. sich etwas an bestimmten Prozessen grundlegend verändern müsste, damit ich den einen oder anderen Kritikpunkt wirklich ändern könnte. Außerdem nervt es mich, dass mir sowas nicht direkt gesagt wird, sondern halt so ein anonymes Feedback dafür benutzt wird.

Ansonsten war das Arbeiten im Büro erstaunlich angenehm. Ich arbeite ja gerne im HomeOffice und war auch schon oft genug genervt von meinen Bürotagen, aber heute war es eine ganz nette Abwechselung. Vielleicht auch weil nicht so viele da sind und es daher nicht laut und stressig war, weil immer wer was von mir wollen könnte. Neben dem Gespräch habe ich auch ein paar Sachen weggeschafft.

Die Rückfahrt nutzte ich – dank Freisprechanlage -, um endlich mal wieder mit meiner Mutter zu telefonieren. Da ist gerade viel im Umbruch und ich bin gespannt, wie das weitergeht. Und ob das alles so klappt, wie geplant. Zusammengezuckt bin ich allerdings, als sie meinte, dass wir da, wo sie hinziehen werden, ja auch Urlaub machen könnten. Ja, können wir, aber das müssen wir auch wollen.

Mit beiden Beinen im Leben

Mit beiden Beinen im Leben

X-63 Tage bis zur In der zweiten Welle

Ich habe einen Plan: Ich möchte Hosen aus meiner Gaderobe verbannen. Also nicht komplett verbannen, aber ich habe keine Lust mehr auf Jeans und Co. Ich habe zwei gut sitzende Jeans, aber es ist sehr tagesformabhängig, wie ich mich darin fühle.

Letztlich fing es damit an, dass ich Snagtights für mich entdeckte: Endlich mal Strumpfhosen, die passen. Die nicht rutschen, die nichts abschnüren. Dazu noch in tollen Farben und 80 DEN. Das ist, wenn es kühler ist, ja nicht so unwichtig. Als wir im Februar in Berlin waren, hatte ich nur Röcke (und Strumpfhosen) dabei. Dann kam SARS-CoV2 und ich saß im HomeOffice in allem, nur nicht in Jeans.

Seit Wochen trage ich nur noch Röcke und Kleider – auch im Urlaub hatte ich keine Hosen mit – und es fühlt sich wirklich gut an. Ich trage vor allem kurze Röcke, also kurz über Knie kurz. Etwas über Knie lang geht auch. Aber da habe ich bislang nicht so viele gefunden, die mir gefallen und die nicht Midi-lang sind. Midi-lang mag ich an mir nicht. Aber eigentlich mag ich die kurzen Röcke am liebsten – leichte A-Linie, Skaterstyle. Darin lässt sich auch prima wandern.

Bis noch vor einiger Zeit habe ich im Sommer – wenn überhaupt – lange Röcke getragen. Weil ich darunter meine Beine verstecken kann.* Weil ich meine Beine nicht schön fand.** Weil sie nicht unbedingt so aussehen, was landläufig als „schöne Beine“ bezeichnet wird: etwas kräftig(er), krumme Knie, keine glatte Haut, Krampfadern*** (v.a. rechts), Oberschenkel ohne Lücke**** und mit Hip Dips. Wenn ich viel Sport treibe – also Gymnastik, Yoga, Radfahren – dann wird das ganze zwar etwas definierter, aber die Grundproblemeform bleibt bestehen.*****

Die Erkenntnis, die in den letzten Jahren in mir reifte und für die es wohl auch ein gewisses Alter braucht: Ich werde mit meinen Beinen leben müssen. Und wenn ich so drüber nachdenke, dann haben mich meine Beine auch die vergangenen 43 Jahr äußerst treu begleitet. Okay, das rechte Knie spinnt gelegentlich. Aber bislang machen die Beine ihren Job gut. Ich stehe mit ebendiesen Beinen fest im Leben.

Deswegen war mein Posting auf Instagram auch kein fishing for compliments.

Es ist vielmehr ein Aufruf, sich darum zu scheren, was die anderen denken können:

Liebe alle, aber als Frauen gelesene Menschen besonders,
versteckt euch nicht – in Sack und Asche -, weil ihr meint, nicht der „Norm“ zu entsprechen.
Zieht an, worin ihr euch gefallt. Schwitzt im Sommer nicht unnötig, weil ihr meint, irgendwas unter langbeinigen oder -ärmeligen Klamotten verstecken zu müssen******. Tragt schwarz, wenn es euch gefällt, aber nicht, weil ihr meint etwas kaschieren zu müssen******.
Seid gnädig mit euch und euren Körpern.*******

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* Ich habe auch ein paar ganz lange Röcke. Das mag ich im Sommer manchmal ganz gerne. Zumal ich unter den langen Röcken auch mal die Kompressionsstulpen tragen kann.

** Und an manchen Tagen auch immer noch nicht schön finde.

*** Bereits einmal Veröden und einmal Stripen lassen.

**** Hier eine große Empfehlung für entweder Antitranspirant-Creme oder halt ChubRubs-Shorts

***** Deswegen lasse ich das mit dem Sport aber nicht.

****** Ich schreibe bewusst „zu müssen“, denn ihr müsst gar nichts. Wenn ihr es wollt, weil ihr euch wohler fühlt, ist das was anderes, aber wenn ihr meint zu müssen, um einer „Norm“ zu entsprechen, die es letztlich nicht gibt, dann LASST ES EINFACH!

******* Und nein, ihr müsst nicht mit den 5 Kilogramm zu viel leben, wenn ihr euch damit nicht wohl fühlt, aber das ist dann eure Sache und in eurem Kopf und letztlich – hoffentlich – eure Norm, die ihr auch keiner anderen überstülpen dürft.

Warum in die Ferne schweifen

Warum in die Ferne schweifen

X-62 Tage bis zur zweiten Welle
(Ich sollte wirklich langsam aufhören zu zählen, sondern es beim Namen nennen. Aber Vogel Strauß mächtig in mir ist.)

Natürlich war die Nacht doof, nachdem ich gestern Abend kurz genappt habe. Dazu kommt noch, dass das Kind das Prinzip „andere ausschlafen lassen“ nicht verinnerlicht hat. Mööp.

Es ist Sonntag und wir müssen heute raus. Der RB müsste eigentlich nicht raus, der ist schon die Woche über ca 40 Kilometer gelaufen… Der meint das jetzt ernst.

Mir fällt ein, dass ich eigentlich mit dem Kind die Strecke zum Schulschwimmbad, also das städtische Schwimmbad, in dem das Schulschwimmen stattfindet, per Fahrrad üben wollte. Also kümmere ich mich um alle Fahrräder, da diverse Reifen bzw. Bremsen verzogen sind und schleifen. Des Kindes und mein Rad bekomme ich soweit hin. Im Vorderrad vom RB ist eine so fette Acht, dass ich da nichts machen kann. Ergo: Das Kind fährt mit dem Rad und der RB und ich wandern hinterher. Doch dann fällt dem Kind ein, dass er mit zwei Schulkollegen in ebendiesem Schwimmbad verabredet sei. Ahasoso. Ob er, das Kind, sich um eine Karte gekümmert hätte. Er guckt sparsam. Diese Planlosigkeit bzw. Termine, die Vorlauf brauchen, auf dem allerletzten Drücker anzuküdigen, nervt mich zwar, aber ich gucke dennoch, ob so kurzfristig noch ein Ticket zu bekommen ist. Das Kind hat Glück, schnappt sich seine Schwimmsachen, ich installiere ihm Else Komoot auf dem Handy und er düst los.

Dann plane ich die ursprüngliche Fahrradtour (via Schwimmbad) um, sodass der RB und ich noch eine schöne Runde zu laufen haben: Nicht mehr via Schwimmbad. Die Strecke ist zum Wandern nicht so spannend. Aber quasi die Extra-Schleife. Die Anfahrt mit dem Auto ist kurz, sodass es ok ist, dass wir erst spät (16h00) zu Hause loskommen.

Zwischendurch meldet sich das Kind, dass er nach Hause fährt. Er freut sich, dass wir noch unterwegs sind, denn er genießt es auch, mal einfach alleine zu sein.

Dem RB und mir tat es auch sehr gut, dass wir mal nur zu zweit unterwegs sind.******

Um 19h40 sind wir wieder zu Hause und machen dann schnell Abendessen:

LowCarb-Quiche und Salat

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* Ja, mit „er“. Die Nidder fließt aber in die Nidda.

** Milch zum Selberzapfen, Eier, Mehl … dazu noch Gemüse, Obst und Marmelade

*** Nur zwischen der ersten und zweiten Reihe. No corn was harmed.

**** Wusstet ihr, dass Wespen nur 22 Tage leben?! Da wäre ich vermutlich auch etwas aggressiv.

***** Wir sind den Pfad „rückwärts“ gegangen. Was aber nicht schlimm ist.

****** Das fehlt uns ja doch sehr in den letzten Monaten. Zeit nur für uns. Zeit, in der ich keinen Erziehungsauftrag habe. (Allein deshalb ist es total absurd, dass ich nicht wollen würde, dass das Kind zum Kv fährt.)

Bewegtbilder

Bewegtbilder

X-61 Tage bis zur zweiten Welle

Die Nächte sind zur Zeit (mal wieder) nicht gut. Zu spät ins Bett (wegen Blacklist), nicht zur Ruhe kommen wegen Keineahnung. Gut, heute Nacht beschäftigte mich die Absage der heutigen antirassistischen Demo in Hanau. Wie richtig (mit Blick auf die Pandemie) oder falsch (mit Blick auf den immensen Rechtsruck in Deutschland) ist es. Ich bin ambivalent mit Tendenz zu „falsch“.

Daher sage ich dem RB beim Wecken mit Tee, dass wir heute zu einer der Live-Übertragungs-Kundgebungen in Frankfurt gehen werden.

Wobei geweckt hat der RB mich ja nicht. Ich bin ja bereits seit 9h00 wach, weil das Kind Rugby von 10 bis 12h00 hat. Aber ich habe versucht, nochmal zu schlafen, nachdem das Kind aus dem Haus ist. Wenigstens habe ich dabei rausgefunden, dass Die Ärzte eine neue Single rausgebracht haben. Das musste der RB dann auch einmal laut „ertragen“.

Ich freue mich auf das Konzert – wann auch immer es stattfinden wird.

Das Kind kommt wieder, verschwindet mit Essen in seiner Höhle, der RB und ich machen eine Essensliste und dann müssen wir auch los.

#SayTheirNames

Die Redebeiträge zum Gedenken sind insgesamt wirklich gut. Ich empfehle, sich den Live-Stream (jetzt natürlich nicht mehr live) mal anzuschauen:

Danach bin ich eigentlich total k.o., aber der Einkauf muss noch gemacht werden. Dann „darf“ ich mich aber hinlegen, während sich der RB ums Essen kümmert. Das, also das Hinlegen, ist vermutlich nicht so schlau, aber fertig wie ich bin, muss es sein.

6 Monate

6 Monate

X-58 Tage bis zur zweiten Welle

Nach gestern war der Tag erfreulich unspektakulär.

Das Kind hatte einen ok’en Tag in der Schule. Danach Rugby-Training.

Ich habe gearbeitet.

Spannend war das Abendessen, dessen Zubereitung etwas länger gedauert hat. Das Kind und ich aßen spät.

Melonen-Curry

Der RB kam noch später, weil er noch seiner Bürgerpflicht nachging und bei der Gedenk-Demo* war.

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* Ich tue mich schwer, „Hanau-Gedenk-Demo“ zu schreiben, weil es nicht um Hanau die Stadt geht, sondern um den Nazi-Anschlag am 19.2., bei dem neun** Menschen aus rassistischen Motiven ermordet wurden.

** ja, es waren zehn Ermordete. Aber die 10. Person wurde wohl eher nicht wg Rassismus umgebracht.

Letzter Ferientag

Letzter Ferientag

X-55 Tage bis zur zweiten Welle

Irgendwie war die Nacht durchwachsen. Zu spät im Bett, nicht zur Ruhe gefunden, komisch geschlafen. Entsprechend spät aus dem Bett gekommen. Zu spät für eine Wanderung mit einer längeren Anfahrt. Zum Glück hatte ich noch eine geplante Route im Taunus mit nur 30 Minuten Anfahrt. Frühstück, Proviant verpacken und los.

Erkenntnisse:

  • Die Wildschweinroute hat nicht viel mit Wildschweinen zu tun. Hmpf. (Und an diversen Stempelstationen fehlten die Stempel.)
  • Das Kind läuft weniger nörgelig mit, wenn er unter „erschwerten“ Bedingungen wandern muss: So hatte er sich ab dem Barfußpfad vorgenommen, mindestens einen Kilometer barfuß zu laufen und lief ohne Schuhe erstaunlich leichtfüßig mit.
  • Andere Menschen haben echt keinen Sinn dafür, wann eine vielleicht mal ruhiger sein sollte. Die Fledermäuse im Fledermausstollen hatten Glück, dass sie durch ein Eisengatter geschützt sind, sonst wären die Kinder der anderen Familie mit „Mama, Papa, da sind Fledermäuse drin“ einfach reingestürmt.
  • Das Kind war insgesamt schlecht drauf. (Der Grund kam erst später raus.)

Weil LowCarb und Essen gehen / bestellen insgesamt recht schwierig ist, hatten wir Essen vorbereitet.

Zitronen-Hühnersuppe mit Quarkklößchen

Das Kind war verhältnismäßig früh im Bett, geisterte aber wieder rum. Orrr, dabei sollte er doch nach der Wanderung durchaus müde sein. Das war er auch, aber der morgige Schulstart ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Er hat Angst vor der Schule. Also nicht vor der Schule, sondern vor allen vor seinen Mitschülern (ja, mit Absicht kein generisches Femininum). Angst vor Hänseleien wegen seiner Frisur, aber auch weil er nicht klapperdürr ist, Angst vor Ausgrenzung, weil dem Platzhirsch der Klasse seine Nase nicht passt, Angst vor dem Alleinsein – in der Klasse und auch auf dem Schulhof.

Uff.

Es war Mitternacht und das Kind sollte schlafen, aber ich wusste: Er konnte so nicht schlafen. Wir redeten. Natürlich kann ich in 30 Minuten Bettkanten-Gespräch nicht die Welt in Ordnung bringen und ihn auch nicht nachhaltig fit machen, um das Mobbing zu ertragen. Und nein, damit meine ich nicht, dass die Täter aus der Pflicht genommen werden sollen, aber ich kann nur für mein Kind da sein, kann es immer wieder bei den Lehrkräften ansprechen.

Wir sprachen. Ich versuchte ihn zu stärken, ihm Mut zu machen, bestätigte ihm, dass er toll ist, wie er ist. Dass er zu sich stehen soll.

Nein, sein Weg ist nicht leicht. Er ist da alles anders andere als mir ähnlich. Er will dazugehören. Will Freunde finden, aber es fällt ihm so unendlich schwer. Er macht es sich unendlich schwer. Er schafft es nicht, offen zu sein. Er geht immer vom Schlimmsten aus. Die anderen wollen ihm nur was Böses. Ihm fällt es unendlich schwer zu erkennen, ob jemand ihm wirklich Böses will oder ob er nur gefoppt wird. Und gerade im Schulumfeld hat er in der Grundschule leidvoll gelernt, dass sich ein Vertrauensvorschuss nicht lohnt. Dass sein Vertrauen mit Füßen getreten wird. Von Lehrkräften und auch von Mitschülern.

Am Ende unseres Gesprächs war er entspannter. Ich konnte es spüren. Er ließ sich fest drücken, bedankte sich, nahm seinen Orca fest in den Arm und rollte sich ein.

FREItag oder nicht FREItag

FREItag oder nicht FREItag

X-46 Tage bis zur zweiten Welle

Es ist heiß. Uff. Ich hätte die noch halbwegs kühle Nacht nutzen sollen, um zu schlafen. Tja, ich habe die ganze Nacht gelesen. Normalerweise schlafe ich beim Lesen ein. Heute Nacht nicht. Ich las digitale Seite um digitale Seite, bis das Buch zu Ende und es dann 6h00 war. Ist mir ja auch schon länger nicht passiert. Fühlt sich gut an.

Und weil ich heute FREItag habe, ist es auch nicht schlimm, dass ich bis 11h00 schlafe. Allerdings muss ich heute dennoch einen Text fertig machen. Es ist viel zu tun. Ich spiele mit dem Gedanken, meine Stunden zu erhöhen.

Mein Kreislauf mag bei der Hitze nicht, wenn ich aufrecht sitze, also mache ich …

… BedOffice mit Kompression.

Irgendwann bin ich fertig und gehe dann nochmal ins Dörfchen, Besorgungen machen. Unter anderem diverse Fliegenfallen.

Nach dem Essen bin ich k.o. und muss mich vor der #CorotäneKneipe nochmal hinlegen.

Dann ist es aber wieder schön, die Crew zu sehen.

Das Kind ist halbwegs früh im Bett und geistert nur kurz wegen Hunger rum. Nächste Woche ist Rugby-Camp. Ich hoffe, dass der Rhythmus sich dann reguliert, wenn er von 9h00 bis 15h00 draußen ausgepowert wird.

Wirklich nötig?!

Wirklich nötig?!

X-35 Tage bis zur zweiten Welle

Seit über einer Woche sind wir zurück aus dem Urlaub, an den ich mit äußerst gemischten Gefühlen zurückdenke:

  • Der Urlaub war toll.
  • Mussten wir wirklich wegfahren?
  • Wir hatten mit wirklich wenig Menschen engeren Kontakt.
  • Aber ein Kontakt reicht letztlich aus.
  • Wir waren nur wenig außer Haus essen.
  • Immer draußen sitzen beim Essen wäre besser gewesen.
  • Rotzbremse da getragen, wo es in D Pflicht ist, auch wenn es in B und F nicht Pflicht war.
  • Es tat so gut, aus den eigenen vier Wänden zu kommen.
  • Musste es wirklich ins Ausland gehen?
  • In D am Meer wären wir vermutlich mehr Leuten zu nahe gekommen.
  • In B und F sind die Inzidenzen nicht so niedrig.
  • Die Erholung und die Auszeit tat uns allen gut.
  • Es war an beiden Orten nicht überlaufen.
  • In D wären wir vielleicht nicht ÖPNV gefahren.
  • Dank hessischer früher Ferien, waren wir früh dran.

Es ist … kompliziert. Dennoch kann ich sagen, dass wir uns bestimmt nicht unverantwortlich verhalten haben. Nicht wegfahren wäre sicherlich möglich gewesen, aber ob das so gesund für unser aller Psyche gewesen wäre?! Wir – insbesondere das Kind und ich – haben uns seit Anfang März und spätestens seit der Schulschließung komplett zurückgezogen und letztlich abgeschottet. Das Kind war wirklich wenig draußen. Ich nur zum Einkaufen. Für unsere Wanderungen sind wir mit dem Auto gefahren. Wir haben so gut wie niemanden persönlich getroffen – und wenn dann immer auf Abstand.

Ich musste nicht. Natürlich muss eine sowas nicht und wenn es nicht gegangen wäre, dann wären wir zu Hause geblieben. Aber ein bisschen in mir MUSSTE dennoch trotz aller Stoa und Katastrophenmodus ENDLICH mal wieder raus. Wollte die Gelegenheit, das kurze Zeitfenster nutzen, um den Kopf frei zu bekommen.

Und doch ist das alles Jammern auf hohem Niveau. Uns geht es gut. Wir sind gesund. Haben wir das aufs Spiel gesetzt?

Noch nie war ein Urlaub ein derartiges guilty pleasure.

Aber ich weiß auch nicht, wie es mir heute ginge, wären wir nicht gefahren.