Revival
Ich habe dieses Jahr sehr wenig gebloggt. Ich habe immer mal wieder angesetzt, aber es dann doch verworfen: Hat dazu nicht eh schon jede*r was gesagt/geschrieben? Will ich das jetzt so von mir preisgeben? Ach, das ist doch zu belanglos.
Zudem habe ich im letzten Jahr deutlich weniger im Internet stattgefunden. Es ist so viel im Real Life passiert. Ich war viel unterwegs.
Wenn mir wer vor genau einem Jahr gesagt hätte, wie gut 2023 wird: Ich hätte es nicht geglaubt. Vor einem Jahr war ein ziemlich düsterer Tag (und der Tag drauf war anfangs noch schlimmer). Retrospektiv war es der Abschluss des wirklich schlimmen Jahres 2022; was danach kam, war gut. Sehr gut. Seit Tagen geistert dieser Spruch: „2023 has been a year of survival. 2024 will be a year of revival.“ durch meine diversen Timeline. Ich tausche 2023 in 2022 und 2024 in 2023. So passt es sehr.
Ich habe im letzten Jahre unheimlich viel Klarheit gewonnen. Bin noch mehr bei mir. Ich habe noch mehr gelernt und angenommen, mein Bauchgefühl als Warnsignal zu akzeptieren. Wenn das Bauchgefühl nicht sofort „ja“ signalisiert, sollte ich mindestens noch einmal darüber nachdenken. Alles, was sich diffus anfühlt, ist eher ein Nein, denn ein Ja.
Im vergangenen Jahr sind viele tolle Menschen in mein Leben getreten. Ich bin dankbar um jede einzelne Begegnung. Und ich bin dankbar für all die Menschen, mit denen sich der Kontakt intensiviert hat. Ich fühle mich gerade sehr angenommen und angekommen.
Es tat auch unheimlich gut, auf so vielen Konzerten gewesen zu sein. Und zwar in den unterschiedlichsten Konstellationen. Es waren allesamt gute bis megatolle Konzerte. Je kleiner, desto besser. Also grob. Das Konzert der Die Ärzte, für das ich glücklicherweise drei Karten schießen konnte, war super. Und das war natürlich recht groß. Auch das Festival in Eindhoven war groß und wirklich großartig. Und obwohl die Konzertsaison erst im Februar anfing, war ich wohl auf 34 Konzerten (davon 5 (Mini-)Festivals). Bands habe ich halt deutlich mehr gesehen. Am öftesten habe ich Pillhuhn Polka gesehen. Besonders gefreut habe ich mich über Syndrome81, Rancœur (für die ich extra nach Leipzig gefahren bin). Bis dato unbekannt, aber direkt begeistert: The Meffs.
Aber auch sonst habe ich viel unternommen: Ausstellungen, Ausflüge, Oper, Kino. Für mich war es das erste Jahr nach der Pandemie, in dem ich weitestgehend angstfrei agiert habe. Das tat sehr gut. Dennoch glaube ich, dass wir – als Gesellschaft – eine kollektive PTBS und/oder einen BurnOut haben. Trotz allem, was passiert ist und passiert seit vier Jahren, tun wir so, als wären wir in einem neuen Normal. Aber das neue Normal ist so anders, dass es schwierig ist, damit mitzuhalten. Gerade meine Generation, die nur Frieden kennt und in den progressiven und prosperierenden 1980ern und 1990ern aufgewachsen ist, muss lernen, dass es nicht immer nur nach oben geht.
Mit dem Kind ist es Pubertäts-bedingt schon ein wildes Auf-und-Ab, aber im Großen und Ganzen ist er ein toller junger Mann. Er kämpft halt mit seinen Schul-Dämonen und eben auch mit den Hormonen. Doch es gibt so viele Momente, in denen ich sehe und erlebe, dass die Erziehung tief verankert ist. Wir müssen da jetzt durch. Und es gibt viel Licht am Ende des Tunnels: Die feste Zahnspange kommt im Januar 2024 endlich raus und er kann dann endlich wieder Kontaktsport machen – See you at the pitch!
Der Job war dieses Jahr besser als im letzten Jahr. Heute weiß ich, dass ich 2022 noch zu sehr im BurnOut steckte, als dass ich wieder hätte arbeiten sollen. Aber als Alleinerziehende wäre es nicht möglich gewesen, mit Krankengeld über die Runden zu kommen. Dafür war das Jahr ökonomisch zu strapaziös. 2023 war dennoch durchwachsen. Was aber nur bedingt an mir lag, dass ist mir mittlerweile klar. Was in der Konsequenz bedeutet, dass (s)ich was ändern muss. Und weil nicht klar ist, ob „sich“ stattfindet, arbeite ich an Plan B. Ein Schritt, den ich mir vor einem Jahr noch nicht zugetraut habe. Was einfach zeigt, wie sehr der BurnOut noch nachwirkte. Am liebsten würde ich wieder freiberuflich arbeiten. Und auch dafür formiert sich gerade eine Idee in meinem Kopf. Mal sehen, wohin die Reise geht. Irgendwas wird sich schon ergeben. Ich sitze nicht mehr wie das verschreckte Kaninchen vor der Schlange, sondern spüre wieder, dass ich es selbst regeln kann und werde.
Wie sehr ich wieder zu meiner Stärke in diesem Jahr gefunden habe, drückt sich auch in den Tattoos aus, die ich mir dieses Jahr auf die Haut habe zaubern lassen. Vor allem das Tattoo am linken Arm, das ich über die Schulter bis zum Hals habe verlängern lassen. Das Tattoo ist immer zu sehen. Das Tattoo an sich, aber mit dem Wort „COURAGE“ zusätzlich, sagt jeden Tag: I don’t give a shit. Ich muss mich nicht verbiegen. Ich muss nicht mehr anderer Leuts Befindlichkeiten aushalten. Ich bin gut und muss mich nicht in – wo auch immer stattfindenden – toxischen Beziehungen klein machen lassen.
2023 war ein gutes Jahr.
Möge es 2024 so weiter gehen!