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Kategorie: möööp

RudeBelge, Tag 3

RudeBelge, Tag 3

X-16 Tage bis zur zweiten Welle

Das Wetter für heute war nicht gut angesagt und als wir wach werden und rausgucken, bestätigt sich das. Es regnet. Es ist grau. Absolut nicht strandtauglich. Um nicht in der Wohnung zu versauern, entschließen wir uns für einen Städtetrip. Das Auto steht immer noch gut auf seinem Parkplatz, daher wollen wir es nicht bewegen. Außerdem ist ums Eck von der Wohnung eine Haltestelle der Kusttram, die die längste Straßenbahnlinie Europas der Welt ist: 67 Kilometer von De Panne bis Knokke (bzw. umgekehrt).*

Wir fahren „nur“ 28 der 67 Stationen von Koksijde nach Oostende.

Oostende Station (also Hauptbahnhof)

Das Umsteigen in Oostende geht einfach. Alles unter einem Dach und in 14 Minuten sind wir in Brügge.** Oder halt Bruges.

Wir lassen uns durch die Stadt treiben. Es nieselt immer mal wieder, aber eigentlich ist das nicht schlimm. Nur das Kind hat (prä)pubertäre Laune. Fast wäre er in einem Reien gelandet.

Nicht im Bild festgehalten: Viele verschiedene Biersorten für den RB, Schokolade*** sowie ein Besuch im Foltermuseum für alle.

Abends dann #CorotäneKneipe. Das ist auch im Urlaub schön. Rote Bete is a thing…

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* Ticketkauf war kurz etwas kniffelig, weil an unserer Station kein Automat ist und SMS-Ticket bei uns nicht funktionierte. Also lud ich kurzerhand die App runter, aber damit ist es ziemlich einfach.

** Zugticket geht total einfach über die Seite der Belgischen Bahn.

*** Schokolädendichte ist echt, echt hoch in Brügge. Eine weiß gar nicht, wo sie kaufen soll.

X-10 Tage bis zur zweiten Welle

X-10 Tage bis zur zweiten Welle

Long story short: Ich habe von 10h00 bis 21h00 quasi durchgehend gearbeitet. Dann trug ich meine Stunden für diese Woche ein: 160%. Das allein ist schon heftig genug. Doch der „Clou“: Ich habe noch vier To-Dos, die ich machen muss. Denn wenn ich dafür eine Kollegin briefen würde, würde das vermutlich länger dauern als wenn ich es selbst mache.

Urlaubsreif. Sowas von.

Das Kind will weiterhin nicht mit dem Kv sprechen. Des Kindes Haltung zur Aussage von Kv, er habe ein Recht mit ihm zu sprechen und ihn zu sehen, ist sehr sehr eindeutig*. Bei mir hat sich der Kv seit Tagen nicht gemeldet. Ich vermute, dass ich bald Post vom Gericht bekommen werde.

So soll es sein.

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* „… une loi de moi – am Arsch …“

X-8 Tage bis zur zweiten Welle

X-8 Tage bis zur zweiten Welle

Das erste Halbjahr dieses bisher absurden Jahrs ist um. Uff. Große Hoffnung aufs zweite Halbjahr habe ich nicht.

Ich habe noch nicht mal Hoffnung, dass es hinsichtlich meiner Überstunden besser wird. Nach gestern gibt es heute noch mehr zu viel Arbeit. Und das nach einer kurzen Nacht. Ich schreibe noch und das Kind spukt bis 2h00 rum. Gegen 6h00 kommt er zu mir. Um 7h30 kann ich den Wecker nicht zuordnen. Um 8h30 stelle ich fest, dass wir verschlafen haben. Das Kind ist aber noch unausgeschlafen. Ich stehe auf und arbeite. Drölfzig Telkos ab 11h30 zerschießeb mir den Mittag und meinen Zeitplan.

Bald ist Urlaub. Zum Glück.

Wieder viel zu spät denke ich daran, dass das Kind und ich was essen müssen. Der RB ist ja gar nicht da heute Abend, um uns zu retten. Ich improvisiere mit dem, was da ist. Passt schon.

Danach arbeite ich noch weiter. Irgendwie muss ich ja fertig werden.

Bald ist Urlaub. Zum Glück.

X-7 Tage bis zur zweiten Welle

X-7 Tage bis zur zweiten Welle

Arbeit. Zu viel Arbeit.

Mittags musste ich mal raus. Was anderes machen. Außerdem brauchte das Kind ein Geschenk.

Das Kind war draußen. Bis spät. Das tat ihm gut.

Unsere neuen Sitzmöbelbezüge sind da. Yeah.

Es bleibt bei zu viel Arbeit.

Und wenn es nicht so widerlich, unnötig und energiefressend wäre, wären die Kapriolen des Kv wenigstens eine Abwechslung. Aber es nervt einfach nur.

X-6 Tage bis zur zweiten Welle

X-6 Tage bis zur zweiten Welle

Sonntag – wir müssen raus.

Zunächst erstmal auf den Balkon zu einem späten Frühstück.

Dann wabern wir so rum. Ich plane die Route für die Radtour. Und schicke kurz, bevor wir losfahren, eine e-Mail an den Kv ab. Auf Deutsch.

Gegen 14h45 kommen wir endlich mal los. Es ist bewölkt und nicht zu heiß. Ideales Radfahrwetter. Unser Ziel: Ein Gadde nordwestlich von uns. Die Tour ist sehr entspannt, so gut wie keine fiese Steigung und 13 Kilometer sind auch nicht so lang. Der RB ist aber nicht gut drauf und ich habe schon fast ein schlechtes Gewissen.

Im Gadde angekommen fängt es an zu regnen. Zum Glück ist der Schirm groß genug. Es wird gequatscht, gegrillt, gekokelt. Es hört auf zu regnen und wir müssen uns wieder auf den Rückweg machen. Ein anderer Weg als hin, um Steigungen zu vermeiden. Ich bin schon ein bisschen froh, dass der RB heile zu Hause ankommt. Er ist nicht fit.

Zu Hause beschäftigen uns die Reaktionen des Kv: Ich habe drei e-Mails* bekommen und das Kind eine Sprachnachricht**. Sie trieft vor Ironie. Das Kind ist angewidert. Er ist fertig. Ich bin es auch. Auf einmal merke ich, dass ich nicht mehr kann*** und vor allem auch warum: Seit > 15 Wochen ist mein Gehirn dauerhaft angeschaltet. Neuer Alltag, Job, Ängste vom Kind, Hilfe beim HomeSchooling, Diskussionen mit Lehrkräften, Virtuelles Klassenzimmer organisieren, Sorgen um meine Eltern, Ängste vom RB, Job, immer nerviger werdende Absprachen mit dem Kv, Mischung aus Präsenzunterricht und HomeSchooling, wieder geänderter Alltag.

Vielleichtermutlich könnte ich noch mehr fürs Kind tun. Eine könnte immer mehr tun. Aber dennoch sind wir bislang gut durch diesen neuen Alltag gekommen. Und anstatt rumzuspinnen und durchzudrehen, sollte der Kv mir lieber danken.****

Auf dem Weg ins Bett fielen noch ein paar sehr heftige Sätze. Dieser Sommer wird eine Zäsur sein. Die Kind-Kv-Beziehung hat einen Knacks.*****

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* Weniger impulsiv, dafür mit mehr Hirn hätte es auch getan, aber das ist einfach zu viel verlangt.

** Eigentlich sind es zwei, aber die zweite ist mal wieder das übliche „Je t’aime“-Blabla, das das Kind schon nicht mehr ernst nimmt.

*** Ich kann ja dann doch irgendwie immer wieder.

**** Das wird natürlich nie passieren.

***** Wobei „Knacks“ halt ein Euphemismus ist.

Tag 97 seit der Abschottung

Tag 97 seit der Abschottung

Die 100 ist bald geschafft.

Wieder mal ein Tag voll mit Arbeit. Uff. Das Kind kommt zu kurz. Viel zu kurz. Ich habe wieder bis 23h00 am Rechner gesessen.

Der RB war zu Hause, aber so richtig anwesend war er nicht. Er ist auch urlaubsreif. Wir sind alle urlaubsreif.

Nach der Arbeit und dem Vorlesen hat mich noch der Rappel gepackt und ich musste sporteln. Frisch geduscht danach noch schnell das Bett neu bezogen. Wenig fühlt sich so gut an, wie frisch geduscht in ein frisch bezogenes Bett.

Jetzt schnell schlafen. Morgen will ich früh zum Bahnhof und später habe ich meinen ersten Blutspendetermin.

Wieder kein #Blümchenspam.

Tag 96 seit der Abschottung

Tag 96 seit der Abschottung

Ich mag diese Tage nicht. Kurz vor Urlaub wird nochmal alles hochgedreht bzw. ich habe den Anspruch möglichst viel weggearbeitet zu haben, damit meine Kolleginnen nicht zu viel verschlimmbessern abfangen müssen, ohne wirklich im Thema zu sein.

Um 9h30 ging ich an den Schreibtisch und um 23h00 verließ ich ihn. Unterbrechungen waren minimal:

  • Frühstück
  • Wohnung etwas aufräumen
  • Kind zur Schule schicken
  • Die Putzhilfe reinlassen
  • Das Zimmer wechseln, damit die Putzhilfe weiterarbeiten kann
  • Das Kind zum Rugby-Training schicken
  • Mit dem RB überlegen, was wir bestellen
  • Abendessen

Wenigstens ist die Wohnung wieder sauber.

Achja, Muskelkater habe ich vom Geturne am Montag.

Noch nicht einmal mehr #Blümchenspam habe ich zum Posten. Aber ich war ja auch sm Samstag zum letzten Mal außer Hause.

Tag 95 seit der Abschottung

Tag 95 seit der Abschottung

Heute kam die #CoronaWarnApp. Richtig überzeugt war ich ja bislang nicht. Die absolute Freiwilligkeit macht für mich keinen wirklichen Sinn. Wir sehen doch jetzt schon, wie freiwillig sich die Leute an die echt minimalen Pandemieempfehlungen halten wollen. Wer sich durch Rotzbremse und Abstandhalten in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlt und es nicht als Minimalkonsens für die gesamte Gesellschaft einhalten will, der ist halt nicht zu helfen.

Und für mich dachte ich: „Durch mein persönliches Verhalten komme ich zwar nur wenig unter Leute. Dann trage ich Rotzbremse und halte möglichst Abstand. Aber so aus Prinzip und Solidarität kann die App ruhig im Hintergrund laufen.“ Also habe ich sie heute morgen direkt installiert.

Gegen Mittag stellte ich aber fest, dass mein GPS an ist. Und machte es aus. Denn an’es GPS frisst Akku. Da machte „ping“* und die #CoronaWarnApp sagte:

Ich tauchte in die Einstellungen der App und meines Handys, konnte aber nichts einstellen bzw. genau genommen etwas ausstellen. Genervt twitterte ich

Tschüss, #CoronaWarnApp

Was dann folgte, war ein bisschen lustig, ein bisschen nerviger, aber zum Glück auch in Teilen hilfreich. Und um es kurz zu machen: So wie es derzeit aussieht, scheint bei meiner Android- und Bluetooth-Version in Kombination mit meinem Handy** die für die App erforderliche Standortermittlung zu bedeuten, dass mit Bluetooth auch immer GPS an sein muss.*** Und weil mich das im ersten Moment so nervte, schmiss ich die App direkt vom Handy.****

Ansonsten habe ich so viel gearbeitet, dass ich abends zu spät daran dachte, dass wir was essen müssen. Zum Glück haben so viel im Haus, dass ich problemlos was Leckeres zaubern konnte. Dennoch aßen wir erst, als die virtuellen Türen der #CorotäneKneipe schon aufgingen. Aber die Besucherinnen sind ja schon groß.

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* also nicht wirklich „ping“, denn mein Handy macht keine Geräusche.

** Huawei Mate 20

*** Jaha, ich weiß, dass die App nicht darauf zugreift, aber a) ggf. andere Apps (auch wenn ich das weitestgehend ausgeschaltet habe) und b) halt Akku.

**** Ich habe sie abends aber nochmal installiert und mache sie halt – falls ich dran denke – an, wenn ich draußen unter Leuten bin.

Tag 94 seit der Abschottung

Tag 94 seit der Abschottung

Ich konnte heute nicht arbeiten. Ich bin fertig. Meine Konzentration reicht gerade mal dafür, dass ich nicht über meine eigenen Füße stolpere. Ich guckte auch tatsächlich nur einmal kurz in meine e-Mails.

Ich musste unbedingt Sport machen und so turnte ich als das Kind in der Schule war im Wohnzimmer etwas rum. Danach recherchierten der RB und ich kurz: Irland hat fünf Phasen für die Rückkehr zum normalen Leben und ist derzeit bei Phase 2. Dazu gibt es 14 Tage Quarantäne für alle, die einreisen. Vielleicht wird das in den kommenden Tagen geklockert. Vielleicht auch nicht. Und selbst wenn: Wie wäre es in einem Land mit noch halben Lockdown (Phase 3) zu reisen? Wir hatten ja eine Rundreise geplant. Wäre das die lange Anfahrt wert?

Kurzum: Der RB und ich stornierten heute alles, was storniert werden konnte und überlegten, was wir stattdessen machen könnten. Denn wir müssen hier raus.* Also sollte es was sein, was wir gut mit dem Auto erreichen könnten, damit wir unabhängig von öffentlichen Transportmittel jederzeit zurückkönnen. Und zu weit weg sollte es auch nicht sein. Aber Meer wäre doch schon super. Schnell einigten wir uns auf Belgien und fanden auch noch eine hübsche Ferienwohnung**.

Zwischendurch befragte ich das Kind, ob es trotzdem mit uns wegfahren möchte, wen wir nicht nach Ireland fahren, oder ob er dann früher zum Kv wolle. Nein, er wolle mit uns in den Urlaub. „Okay, sollen wir es dann so planen, dass Du danach gut zum Papa kannst?“, fragte ich. Er druckste rum***. „Wie lang willst Du denn zum Papa?“ „Ich weiß nicht.“ „Du musst nicht drei Wochen zum Papa.“ „Ich will auch nur zwei“, sagte er zögerlich. „Auch gut.“ Ich guckte mein Kind an. Er guckte zurück. „Eigentlich will ich gar nicht zum Papa“, kam dann schnell aus ihm raus. Upps. „Oh, und warum?“ „Mich stresst der Papa. Und ich fühle mich bei ihm nicht sicher.“ „Weil er den Virus nicht ernst nimmt?“ „Ja, er hat gesagt, dass es nicht schlimm ist, wenn ich COVID19 bekomme, weil es für Kinder ja nicht schlimm ist.“ „Okay. Das ist nicht gut. Und das ist falsch. Wir finden einen Weg. Du musst nicht zum Papa. Unter diesen Umständen schon mal gar nicht.“

Dem Kv bekommt die Pandemie nicht. Überhaupt nicht. Und ausbaden muss es das Kind. Ich bin nur froh, dass das Kind seine Bedürfnisse artikulieren kann. Ich werde mich dann mal auf einen Gerichtstermin einstellen. Auch wenn ich total müde und erschöpft bin. Ich möchte meine wenigen Energien nicht für diesen Mann verschwenden. Ich möchte, dass dieser Energiefresser aus unserem Leben verschwindet.

Später planten wir unsere Reise weiter: Nach einer Woche am Meer geht es noch eine Woche in die Vogesen.

Diese Aussicht wird mich jetzt hoffentlich durch die nächsten 3 Wochen**** tragen.

Das Kind überlegt noch an einer Strategie, wie er dem Kv seine Entscheidung mitteilen möchte. Ich werde ihn natürlich dabei unterstützen.

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* Ja, es ist sehr priviligiert, dass wir raus „müssen“. Und ob es wirklich schlau ist, weiß ich auch nicht. Ich bin echt unsicher. Stichwort „Virentourismus“.

** Herrje, Bilder von Ferienwohnungen sind ja auch hier und ein Panoptikum des Grauen oder zumindest längst vergangener Zeiten.

*** Er dachte, ich hätte schon einen Flug von Frankreich nach Frankfurt gebucht. Und war sehr erleichtert, dass dem nicht so war.

**** Ich muss mich ausreichend disziplinieren, damit es nur 11 Arbeitstage bleiben.

Tag 91 seit der Abschottung

Tag 91 seit der Abschottung

Jucheee, Brückentag und ich habe frei! Und Spoiler: Ich halte mich auch daran.

Frei bedeutet ausschlafen. Um 7h30 werde ich wach, weil im Hof eine Mülltonnen-Seance stattfindet*. Ich nutze Meine Blase nutzt den Moment. Wieder im Bett nehme ich Ohrenstöpsel und schlafe auch wieder ein. Wie so oft träume ich wirres Zeug. Irgendwas mit einem Füller und einer neuen Feder für ebendiesen. Zahlenverwirrung hinsichtlich 97 und 79.

Irgendwann kam das Kind zu mir. Ging aber auch wieder. Ich stand gegen 11h00 auf und weckte den RB. Es deutet sich an: Das Kind ist heute etwas neben der Spur.

Nach dem Frühstück kümmere ich mich endlich mal um den Siphon im Bad. Der war nämlich etwas undicht und wurde nun schon länger mit einem Eimer gesichtert. Siphontauschen habe ich bislang auch noch nicht machen müssen. Es ging aber recht einfach.

Danach gehe ich ins Dorf. Ich muss beim Buchladen noch ein Geschenk fürs Kind abholen. Beim besten Mini-Baumarkt besorge ich einen neuen Blumentopf für den Hibiskus. Zu Hause kümmere ich mich dann auch direkt um ums Umtopfen. Der Hibiskus kommt in einen Topf. Der Mangokern, der eine Wurzel entwickelt hat, kommt auch in einen Topf. Die zwei Mini-Tomatenkeimlinge** setze ich auch in Erde.

Das Kind hat Langeweile und weiß nicht wohin mit sich. Der RB arbeitet***. Dem Kind fällt ein, dass er nach was für GL machen muss, wofür er das Haus verlassen muss. Er nimmt das Rad. Kommt aber nach kurzer Zeit wieder und erklärt: „Jemand hat meinen Reifen geklaut.“ Ich gucke irritiert. „Nee, nicht den Reifen, sondern das da drin.“ „Den Schlauch?“ „Ja, genau. Der Schlauch ist geklaut.“ Ich gucke noch irritierter und gehe mit ihm raus und sehe … einen platten Hinterreifen. Da ich aber auch noch das Ventil sehe, schließe ich einen geklauten Schlauch aus. Er versucht mir den Tathergang zu schildern und es wird klar, dass er ein Stück mit dem Rad gefahren ist. Ein geklauter Schlauch kommt definitiv nicht infrage. Ich schicke ihn zu Fuß los.

Ich überrede den RB dazu, Kaffee zu kochen. Wir trinken zusammen Kaffee und ich verarbeite die Szene mit dem Kind und komme aus dem Lachen nicht raus. Mein Kind ist der erste Mensch, dem während der Fahrt ein Schlauch aus dem Reifen geklaut wurde.

Als das Kind wieder da ist, spielen wir zusammen.

Pyramis – sowas wie „4 gewinnt“ nur mit 5 und in 3D

Als wie fertig gespielt haben, wechseln wir zusammen den Schlauch vom Hinterreifen. Danach habe ich – mal wieder – einen toten Punkt und lege mich ins Bett. Es tut gut, mal einen Moment alleine zu sein. Ich dämmere kurz (!) weg und als ich wieder wach werde, höre ich das Kind auf Französisch reden. Ich höre auch den Kv. Und vor allem höre ich, dass diese Unterhaltung auf Skype stattfindet. Für Skype braucht das Kind aber entweder sein Tablet, das aber in dem Zimmer ist, in dem ich mich gerade befinde, oder seinen Laptop****. Ich gehe über den Balkon, gucke ins Kinderzimmer, sehe das Kind vor seinem Laptop und …

… flippe aus. Ich frage ihn, was das soll und wer ihm erlaubt hätte, das Laptop zu nehmen. Und hui, seine Antwort ist mutig: „Ich hab mir erlaubt, das Tablet zu nehmen.“ Ich glaube, ich höre nicht recht und gehe erstmal wieder. Aber da das Kind keine Anstalten macht, aufzuhören, um die Situation mit mir zu klären, gehe ich nochmal in sein Zimmer, werfe ihm diversen Technikkram auf sein Sofabett und sage: „Mach, was Du willst.“ Ich bin echt sauer.

In der Küche werkelt der RB und bittet mich Pfefferminze zu holen. „Aber die machen wir extra. Das mag das Kind ja nicht so.“ „Ach, das geht in dem vielen Grünzeug, das schon drin ist eh unter.“ „Schon drin? Der Koriander etwa auch?!“ „Ja.“ „Ja?!“ … „Oh Mist, da habe ich gar nicht dran gedacht.“

Das Kind hat mittlerweile alle Technik ins Wohnzimmer gebracht und sich auf sein Bett verzogen. Er weiß, dass er Mist gebaut hat und ärgert sich über sich selbst. Ich weiß, dass er leidet. Ich kann ihn nicht auch noch hinsichtlich des Essens leiden lassen. Hecktisch zaubern wir noch Grillsteaks und Grillpommes aus den Vorräten. Wir essen zusammen. Der RB und ich eine wirklich leckere Joghurtsuppe:

Dann muss der RB arbeiten (online-Tasting) und das Kind und ich fahren mit den Rädern in den Park. Dort passen wir uns mit dem Rugbyball zu. Wir drehe noch eine Runde durch den Park*****, da fährt das Kind durch irgendwas und hat – tadaa – zwei Platten. Wir schieben nach Hause. Dort darf das Kind allein die Schläuche aus den Reifen holen. In beiden sind jeweils zwei kleine Schlitze. Die sind nicht mehr zu retten.

Ich bestelle neue Schläuche, lese dem Kind vor und beende den Abend mit dem RB auf der Couch.

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* Die Müllabfuhr zerrt die Mülltonnen übers Kopfteinpflaster im Innenhof.

** Noitz an mich: Diverses Saatgut entsorgen, das nicht angegangen ist.

*** Offiziell arbeitet er, inoffiziell nutzt er meine Abwesenheit im Wohnzimmer, um „seine“ Musik zu hören.

**** Seit gestern hat das Kind Technikverbot (nur Tablet reicht nicht).

***** Im Park sind viele Menschen. Immer in kleinen Grüppchen mit Abstand zu einander. Aber es ist auch Leben im Park. Das fühlt sich gut an. Ich mag es bei aller Vorsicht und Respekt vor dem Virus, dass das Leben wieder stattfindet. Und lieber draußen als drinnen.