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Monat: Mai 2019

Besser anders

Besser anders

Beginnende Pubertät und Transitionsangst gleichzeitig sind eine schlimme Kombination. Für uns alle. Aber für das Kind besonders, denn er muss das alles unmittelbar erleben. Ich muss da vorrangig begleiten. Der RB wird mir, aber auch dem Kind, zur Seite stehen. Und das ist gut. Gut für uns alle.

Es schwebt Unsicherheit im Raum. Über alles, was da kommt. Über Entscheidungen, die gestern über morgen und übermorgen bestimmten.

Es wird sich viel verändern. Ich bin zuversichtlich, dass es besser wird. Daran zu glauben, fällt dem Kind noch schwer.

In 6 Jahren sind wir schlauer.

Bunt

Bunt

Das äußere Tagesgefühl sagt entspannt, dass heute Sonntag war. Das innere war immer wieder unruhig, weil bis zum Wochenende bzw. Montag noch einige Dinge erledigt werden müssen, also Arbeitsdinge vor allen Dingen. Da ist der Text, der eigentlich schon längst fertig sein sollte. Da ist das dringende reingeschobene Projekt, das ich jetzt gerade in Kooperation mit dem RB noch einmal ziemlich umgeworfen habe. Und noch diverse andere Projekte. Es ist viel und ich muss morgen unbedingt gucken, womit ich sinnig anfange, damit nichts vergessen gerät.

Ich habe mich aber doch mehr vom äußeren leiten lassen – obwohl ich tatsächlich von der Arbeit geträumt habe – und

  • ausgeschlafen,
  • gefrühstückt,
  • gebacken,
  • yogiert,
  • gekaffeeklatscht,
  • geduscht,
  • geringelpietzt,
  • gepflanzt,
  • gegrillt,
  • gespielt.

Fühlte sich ganz gut an. Irgendwie bunt.

Wut

Wut

Meistens kann ich Dinge, die mich aufregen, so weit von mir schieben, dass sie mich im Alltag nicht belasten. Oder mich zumindest Arbeit und andere Dinge zu erledigen.

Ich weiß nicht so ganz, was gerade los ist. Aber seit Tagen bekomme ich zu einem Text keinen Zugang. Anfangs waren da noch andere, dringender Projekte, die recht flüssig in die Tastatur flossen. Seit gestern bin ich innerlich total aufgewühlt. „Meine“ Klasseneltern nerven mich sehr. Teilweise schon immer, aber bislang haben wir wohl alle „gute Miene zu bösem Spiel“ gemacht. Das muss nun keine mehr. Die Sache mit dem Hort finde ich extrem unmöglich. Auch da ärgern mich die Miteltern, die zwar auch genervt sind, aber lieber dann doch nichts sagen. Ehrlich: Legt euch gehackt und bringt Euren Kindern ruhig bei, lieber unter dem Radar zu fliegen als den Mund aufzumachen.

Mich nervt dieses Duckmäusertum. Mich nervt es, dass so viel einfach hingenommen wird. Bloß nichts sagen oder gar ändern wollen, es könnte ja schlechter werden. Dann lieber am beschissenen Status Quo festhalten.

Und das zieht sich vom kleinsten Umfeld quer durch die ganze Gesellschaft: „Ja, toll ist das alles nicht, aber so schlimm ist es auch nicht.“ „Und was kann ich als einzelne denn schon machen.“ „Das muss die Politik regeln.“ „Wenn die auch auf der Demo sind, dann gehe ich nicht mit.“ Wenn ich den Flatearthern glauben würde, würde ich sagen, dass wir schon ziemlich nah am äußeren Rand angekommen sind und vermutlich bald einfach runterfallen. Zumindest knubbelt sich die Politik am rechten Rand. Und ich kann bei der ganzen Gemengelage tatsächlich auch verstehen, warum Menschen nicht mehr die früheren Volksparteien wählen. Ich fühle mich von denen auch nicht repräsentiert. Die machen ü.ber.haupt nicht Politik in meinem Sinne. Aber das ist kein Grund die Blau-Braunen zu wählen. Nie. Never. Jamais. (Es übrigens auch kein Grund nicht oder ungültig zu wählen!) Dieser Rechtsruck ist unerträglich und erschreckend und ich habe wirklich Angst.

Das kann doch nicht wahr sein! Was geht in den Köpfen vor? Ich komme darüber nicht hinweg. Seit ich das gelesen habe, bin ich aufgebracht. Aufgebracht davon, dass so etwas möglich ist. Das so etwas zugelassen wird. Dass Menschen, die sich antifaschistisch engagieren, so kriminalisiert werden. Während gleichzeitig – ungestraft – Menschen Hitlergrüße zeigen und sich sonstwie rechtsradikal und verfassungsfeindlich darstellen dürfen .

Mich macht es wütend, dass regelmäßig und immer mehr (junge) Menschen auf die Straße gehen – für das Klima, gegen das Sterben im Mittelmeer. Und es sind nicht ein paar hundert. Es sind tausende! Und was macht die Politik?! Sie sitzt das aus. Es wird ignoriert. Stattdessen kommt nach den Europawahlen das große Mimimi und der Schrei nach einer Einschränkung von Artikel 5 des Grundgesetzes. Da will ich schreien und Menschen schütteln und fragen, ob sie noch alle Tassen im Schrank haben. Mir ist danach, nach Berlin zu stürmen und …

… und dann nervt es mich, dass ich zu oft auch nur eine Maulheldin bin. Dass ich vor lauter Wut auf all das gelähmt bin und diese Unlogik und Ungerechtigkeit anstarre, wie das Kanninchen die Schlange. Dass meine Tage auch nur 24 Stunden haben. Dass ich auch zu oft komische Ausreden finde als einfach meinen Arsch zu bewegen.

Raus

Raus

Heute war ein komischer Tag. Es regnete. Es war wieder deutlich kälter als am Wochenende. In Frankfurt wurden heute die Bescheide für die weiterführenden Schulen verschickt. In genau einem Monat ist der letzte Schultag vor den großen Ferien und für den midi-monsieur und seine Klasse der letzte Tag an der Grundschule. Ein wildes Konglomerat, das sich bei der einen oder dem anderen wohl aufs Gemüt schlägt. Anders kann ich mir die absurden Reaktionen darauf, dass unsere Klasse die Bundesjugendspiele heute nicht bestritten hat und auch am Sponsoren-Lauf nicht teilgenommen hat, nicht erklären. Vermutlich kommen jetzt auch einfach die wahren Gemüter zu Tage. Und ehrlicherweise mache ich auch drei Kreuze, wenn die Grundschulzeit vorbei ist und ich mit den meisten der Klasseneltern nichts mehr zu tun haben muss.

Für den midi-monsieur kam noch dazu, dass er heute seinen allerallerallerletzten Tag im Hort hatte. Er ist nicht mal mehr zur offiziellen Verabschiedung eingeladen*. Den Hort hat das etwas eiskalt erwischt, als ich gestern anrief und mitteilte, dass es heute** ENDLICH soweit sei. Es war dann auch sehr bezeichnend, wie die Erzieherinnen auf mich reagierten, als ich heute Mittag einen Kuchen vorbeibrachte, damit das Kind wenigstens mit seinen Kumpels einen kleinen Abschied feiern konnte. Nein, es gab keine Geschenke für das Team. Es gab auch kein Danke. Wofür auch?!

Das Kind ist glücklich, dass die Hortzeit vorbei ist. Er ist auch ein bisschen traurig, dass er den letzten Monat „verpasst“, dass er weniger Zeit mit seinen Freunden hat.

Und dann hatten wir noch einen esoterisch angehauchten Moment am Abend: Endlich, endlich ist dem Kind sein Haizahn*** ausgefallen****. Ich weiß gar nicht, wie lange er den schon hat, aber es war zumindest auch ein Grund, warum wir letztens beim Kieferorthopäden waren. Nun konnte er ihn wohl endlich loslassen.

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* Vermutlich wird es mit Versicherungsdings begründet. Aber es ist ziemlich sicher, dass es daran liegt, dass sowohl er als auch ich den Mund aufgemacht haben.

** Statt eigentlich am Freitag, aber da ist schulfrei und das Kind zum Geburtstag eingeladen.

*** Bei einem Milchaugenzahn wuchs der bleibende Nachfolger etwas weiter oben aus dem Zahnfleisch, sodass er ziemlich lange zwei Zähne an der Stelle hatte.

**** Er war nun so wackelig, dass das Kind ihn sich endlich rausdrücken konnte. Nachdem er den Bereich groß- und oberflächig mit Lidocain betäubt hatte

Recherche

Recherche

Heute habe ich mit dem Kind recherchieren geübt. In diesem komischen Internet. Und dann haben wir geübt, wie er aus Texten die wichtigsten Infos zieht. Quasi digital und analog. Und noch mit so einem Zwischenmedium: Film.

Und er lernte, dass ein Thema selten solitär ist, sondern dass es in der Regel einen Kontext gibt. Wenn er – wie in diesem Fall – über einen einzelnen Artikel der UN-Kinderrechtskonventionen – recherchieren soll, dann ist es wichtig zu wissen, was diese sind. Warum es die gibt. Wer sich daran halten muss soll.

Zu seinem Unmut ist seine komische Mutter Verfechterin des Mottos „Wer schreibt, der bleibt“. Was für ihn bedeutet, dass er sich – neben mir sitzend – die wichtigsten Informationen aufschreiben muss. Dabei üben wir dann gleichzeitig einfache Formen des Mindmapping, da ich ihn ja auch durchaus ein wenig kenne und weiß, dass er lineare Texte nicht so gut aufnimmt wie Bilder. Also erzeigen wir aus den Infomationen ein Bild – mit verschiedenen Farben, Pfeilen, Kreisen.

Ich glaube ja tatsäcchlich, dass es ihm auch ein bisschen Spaß macht.

Wahlsonntag

Wahlsonntag

Erstaunlich, was alles in so einen Sonntag passt, obwohl wir erst um 2h00 im Bett waren. Und zu dem Zeitpunkt auch nicht nüchtern.

  • pünktlich aufgestanden (10h00)
  • Kind befrühstückt und
  • zum Aikido geschickt
  • Himbeer-Mohn-Eis angesetzt
  • geduscht
  • zum Bäcker gegangen
  • wählen gegangen
  • Thunfisch-Dip angerührt
  • gefrühstückt, parallel
  • Dinge gesucht und
  • Dinge ausgedruckt
  • zum Dojo gegangen
  • dem Kind beim passagieren zugeguckt

    Stolzer Aikidoka mit organgem Gürtel
  • mich mit der Co-Elterbeirätin besprochen
  • geschwätzt und gegessen
  • nach Hause gegangen
  • Balkon hergerichtet
  • Pastis getrunken
  • Bärlauch-Butter gemacht
  • Gäste empfangen
  • getrunken, gegrillt, gegessen, gelacht
  • diskutiert
  • Wahlergebnisse beobachtet
  • Eis gegessen
  • diskutiert
  • Gäste verabschiedet*
  • mit meiner Mutter telefoniert**
  • Kind ins Bett gebracht***
  • diskutiert
  • Eis gegessen
  • versucht, Tatort nachzugucken
  • kurze Panik gehabt, dass meine Stimme heute nicht gezählt wurde

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* Die lustige Schottland-Reisegruppe, also die für die ersten 4 Tage, hat sich heute erstmals komplett kennengelernt. Jetzt bin ich etwas entspannter, was diese Reisekonstellation anbelangt.

** schlucken müssen, weil meine Mutter erkannt hat, dass es bei meinem Vater nicht mehr um Heilung geht

*** genau genommen der RB, nachdem er Männergespräche mit dem Kind geführt hat. Ich kam nur zum Kuss geben dazu.

Reibungslos

Reibungslos

Es fühlt sich ziemlich sehr gut an, zu wissen, dass alles läuft, wenn ich nicht da bin. Dass der RB sich um Haushalt, Einkauf und Kind kümmert. Dass ich morgens nicht noch schnell diesdasjenes machen muss, sondern eine kleine Yoga-Einheit einlegen kann und trotzdem mit Duschen, Teemachen, Business tauglich aufrüschen pünktlich zu meinem Arbeitstermin komme.

Dass ich währenddessen keine Nachrichten bekomme, weil Entscheidung nicht gefällt werden können oder wollen. Oder weil Dramen passiert sind, die ich ohne unmittelbare Anwesenheit eh nicht lösen könnte. (Nein, es ist nichts dergleichen passiert, aber wenn wäre der RB groß, erwachsen und Manns genug, das aus selbst zu lösen / organisieren.)

Dass ich danach nicht darüber nachdenken muss, was noch alles erledigt werden muss, sondern einfach nur aus den Businessklamotten schlüpfen kann, um das Konzertoutfit überzustreifen. Dass mir dabei sogar ein Brot gemacht wird, damit ich in der Bahn nicht versehentlich irgendwen anknabbere.

Doch, das ist alles ziemlich großartig, dass ich mich da einfach verlassen und Mental Load abgeben kann. Und das alles, ohne groß darüber zu diskutieren. Der RB macht einfach.

Viel vs wenig

Viel vs wenig

Vielleicht ist es gerade zu viel. Zu viel Arbeit. Zu viel, an das gedacht werden muss. Zu viele Termine. Zu viel Haushalt. Zu viele Gedanken. Zu viele Sorgen. Zu viel Ärger. Zu viel zu organisieren. Zu viel Ablenkung. Zu viel Chaos. Zu viel HomeOffice. Zu viel Kopfschmerzen.

Vielleicht ist es auch zu wenig. Zu wenig Schlaf. Zu wenig Pause. Zu wenig echte Freizeit. Zu wenig Moment zu zweit. Zu wenig Sonne. Zu wenig Trennung zwischen Arbeit und Privatleben. Zu wenig Fokus. Zu wenig zu trinken. Zu wenig Ausgleich. Zu wenig BalkonOffice.

Ich bin wenigstens froh, dass ich das Kind vom Rugby abhole. Das heißt dreimal pro Woche aufs Rad. Und wenn es passt auch noch eine bis fünf Runden um den Hauptpitch. Sonst wäre es noch weniger frische Luft.

Außerdem „zwinge“ ich mich wieder auf die Matte. Diesemal vorrangig Yoga. Nein, nicht mit Adriene. Ich kann mich nicht auf die Asanas konzentrieren, wenn mir das auf Englisch angesagt wird.

Schlechtes Gewissen

Schlechtes Gewissen

Heute kaue ich den ganzen Tag darauf rum, dass ich am Samstag Vormittag beruflich zu einer Veranstaltung muss. 16 Kilometer entfernt. Ich komme da mit der Bahn hin. Sogar recht problemlos. Es dauert allerdings etwa dreimal so lang wie mit dem Auto. Und weil die Veranstaltung bis mindestens 13h30 geht, ich aber um 16h00 umgezogen – in Business-Klamotten beim Ska-Festival ist irgendwie uncool – in Mainz sein möchte und dahin definitv mit der Bahn fahren werde, die aber 44-57 Minuten (je nach Verbindung) braucht, ist es nahezu unmöglich, dass ich das alles schaffe, wenn ich den Vormittagstermin mit der Bahn bestreite.

Aber ich fühle mich durchaus wie eine Umweltsau.

Ganz nah

Ganz nah

Nur noch 6 Wochen und dann fahren wir zu den Puffins. Also heute in 6 Wochen werden wir um diese Uhrzeit (23h30) die Puffins schon gesehen haben. Und es wird bestimmt großartig. Ich habe ja #Puffins auf Instagram abonniert und das war vermutlich die zweitbeste Idee des letzten Jahres. (Die beste war natürlich das Blinddate mit dem RB.)

Und abgesehen von der Instant-Guten-Laune, wenn ich die Bilder sehe, sehe ich auch Bilder von „unserer“ Puffin-Insel und wie nah – nämlich gaaaaanz nah – wir da den Puffins kommen können.

Oooh, das wird so großartig.

(Es wird sehr schwer, den Rucksack zu und wirklich alle Puffins dazulassen.)