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Tag: 29. Mai 2019

Wut

Wut

Meistens kann ich Dinge, die mich aufregen, so weit von mir schieben, dass sie mich im Alltag nicht belasten. Oder mich zumindest Arbeit und andere Dinge zu erledigen.

Ich weiß nicht so ganz, was gerade los ist. Aber seit Tagen bekomme ich zu einem Text keinen Zugang. Anfangs waren da noch andere, dringender Projekte, die recht flüssig in die Tastatur flossen. Seit gestern bin ich innerlich total aufgewühlt. „Meine“ Klasseneltern nerven mich sehr. Teilweise schon immer, aber bislang haben wir wohl alle „gute Miene zu bösem Spiel“ gemacht. Das muss nun keine mehr. Die Sache mit dem Hort finde ich extrem unmöglich. Auch da ärgern mich die Miteltern, die zwar auch genervt sind, aber lieber dann doch nichts sagen. Ehrlich: Legt euch gehackt und bringt Euren Kindern ruhig bei, lieber unter dem Radar zu fliegen als den Mund aufzumachen.

Mich nervt dieses Duckmäusertum. Mich nervt es, dass so viel einfach hingenommen wird. Bloß nichts sagen oder gar ändern wollen, es könnte ja schlechter werden. Dann lieber am beschissenen Status Quo festhalten.

Und das zieht sich vom kleinsten Umfeld quer durch die ganze Gesellschaft: „Ja, toll ist das alles nicht, aber so schlimm ist es auch nicht.“ „Und was kann ich als einzelne denn schon machen.“ „Das muss die Politik regeln.“ „Wenn die auch auf der Demo sind, dann gehe ich nicht mit.“ Wenn ich den Flatearthern glauben würde, würde ich sagen, dass wir schon ziemlich nah am äußeren Rand angekommen sind und vermutlich bald einfach runterfallen. Zumindest knubbelt sich die Politik am rechten Rand. Und ich kann bei der ganzen Gemengelage tatsächlich auch verstehen, warum Menschen nicht mehr die früheren Volksparteien wählen. Ich fühle mich von denen auch nicht repräsentiert. Die machen ü.ber.haupt nicht Politik in meinem Sinne. Aber das ist kein Grund die Blau-Braunen zu wählen. Nie. Never. Jamais. (Es übrigens auch kein Grund nicht oder ungültig zu wählen!) Dieser Rechtsruck ist unerträglich und erschreckend und ich habe wirklich Angst.

Das kann doch nicht wahr sein! Was geht in den Köpfen vor? Ich komme darüber nicht hinweg. Seit ich das gelesen habe, bin ich aufgebracht. Aufgebracht davon, dass so etwas möglich ist. Das so etwas zugelassen wird. Dass Menschen, die sich antifaschistisch engagieren, so kriminalisiert werden. Während gleichzeitig – ungestraft – Menschen Hitlergrüße zeigen und sich sonstwie rechtsradikal und verfassungsfeindlich darstellen dürfen .

Mich macht es wütend, dass regelmäßig und immer mehr (junge) Menschen auf die Straße gehen – für das Klima, gegen das Sterben im Mittelmeer. Und es sind nicht ein paar hundert. Es sind tausende! Und was macht die Politik?! Sie sitzt das aus. Es wird ignoriert. Stattdessen kommt nach den Europawahlen das große Mimimi und der Schrei nach einer Einschränkung von Artikel 5 des Grundgesetzes. Da will ich schreien und Menschen schütteln und fragen, ob sie noch alle Tassen im Schrank haben. Mir ist danach, nach Berlin zu stürmen und …

… und dann nervt es mich, dass ich zu oft auch nur eine Maulheldin bin. Dass ich vor lauter Wut auf all das gelähmt bin und diese Unlogik und Ungerechtigkeit anstarre, wie das Kanninchen die Schlange. Dass meine Tage auch nur 24 Stunden haben. Dass ich auch zu oft komische Ausreden finde als einfach meinen Arsch zu bewegen.