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RudeBelge, Tag 4

RudeBelge, Tag 4

X-17 Tage bis zur zweiten Welle

Das Wetter ist nicht strandtauglich. Aber so richtig schlecht ist es auch nicht. In der Wohnung müssen wir nicht bleiben. Perfektes Wanderwetter. Also fahren wir mit der Kusttram diesmal acht Stationen in die andere Richtung, um ins westlichste Naturschutzgebiet direkt an der belgisch-französischen Grenze zu kommen.

Lustiges Getier kreuzt unseren Weg.

Am Ende haben wir knapp elf Kilometer geschafft, von denen ca. 80 Prozent durch Sand gingen. Durchaus anstrengender als auf breiten Waldwegen. Wieder in der Ferienwohnung muss ich mich erstmal hinlegen.

Nach dem Essen holen wir uns noch Eis und setzen uns an den Strand. Kurz. Denn es ist doch recht frisch.

Tag 91 seit der Abschottung

Tag 91 seit der Abschottung

Jucheee, Brückentag und ich habe frei! Und Spoiler: Ich halte mich auch daran.

Frei bedeutet ausschlafen. Um 7h30 werde ich wach, weil im Hof eine Mülltonnen-Seance stattfindet*. Ich nutze Meine Blase nutzt den Moment. Wieder im Bett nehme ich Ohrenstöpsel und schlafe auch wieder ein. Wie so oft träume ich wirres Zeug. Irgendwas mit einem Füller und einer neuen Feder für ebendiesen. Zahlenverwirrung hinsichtlich 97 und 79.

Irgendwann kam das Kind zu mir. Ging aber auch wieder. Ich stand gegen 11h00 auf und weckte den RB. Es deutet sich an: Das Kind ist heute etwas neben der Spur.

Nach dem Frühstück kümmere ich mich endlich mal um den Siphon im Bad. Der war nämlich etwas undicht und wurde nun schon länger mit einem Eimer gesichtert. Siphontauschen habe ich bislang auch noch nicht machen müssen. Es ging aber recht einfach.

Danach gehe ich ins Dorf. Ich muss beim Buchladen noch ein Geschenk fürs Kind abholen. Beim besten Mini-Baumarkt besorge ich einen neuen Blumentopf für den Hibiskus. Zu Hause kümmere ich mich dann auch direkt um ums Umtopfen. Der Hibiskus kommt in einen Topf. Der Mangokern, der eine Wurzel entwickelt hat, kommt auch in einen Topf. Die zwei Mini-Tomatenkeimlinge** setze ich auch in Erde.

Das Kind hat Langeweile und weiß nicht wohin mit sich. Der RB arbeitet***. Dem Kind fällt ein, dass er nach was für GL machen muss, wofür er das Haus verlassen muss. Er nimmt das Rad. Kommt aber nach kurzer Zeit wieder und erklärt: „Jemand hat meinen Reifen geklaut.“ Ich gucke irritiert. „Nee, nicht den Reifen, sondern das da drin.“ „Den Schlauch?“ „Ja, genau. Der Schlauch ist geklaut.“ Ich gucke noch irritierter und gehe mit ihm raus und sehe … einen platten Hinterreifen. Da ich aber auch noch das Ventil sehe, schließe ich einen geklauten Schlauch aus. Er versucht mir den Tathergang zu schildern und es wird klar, dass er ein Stück mit dem Rad gefahren ist. Ein geklauter Schlauch kommt definitiv nicht infrage. Ich schicke ihn zu Fuß los.

Ich überrede den RB dazu, Kaffee zu kochen. Wir trinken zusammen Kaffee und ich verarbeite die Szene mit dem Kind und komme aus dem Lachen nicht raus. Mein Kind ist der erste Mensch, dem während der Fahrt ein Schlauch aus dem Reifen geklaut wurde.

Als das Kind wieder da ist, spielen wir zusammen.

Pyramis – sowas wie „4 gewinnt“ nur mit 5 und in 3D

Als wie fertig gespielt haben, wechseln wir zusammen den Schlauch vom Hinterreifen. Danach habe ich – mal wieder – einen toten Punkt und lege mich ins Bett. Es tut gut, mal einen Moment alleine zu sein. Ich dämmere kurz (!) weg und als ich wieder wach werde, höre ich das Kind auf Französisch reden. Ich höre auch den Kv. Und vor allem höre ich, dass diese Unterhaltung auf Skype stattfindet. Für Skype braucht das Kind aber entweder sein Tablet, das aber in dem Zimmer ist, in dem ich mich gerade befinde, oder seinen Laptop****. Ich gehe über den Balkon, gucke ins Kinderzimmer, sehe das Kind vor seinem Laptop und …

… flippe aus. Ich frage ihn, was das soll und wer ihm erlaubt hätte, das Laptop zu nehmen. Und hui, seine Antwort ist mutig: „Ich hab mir erlaubt, das Tablet zu nehmen.“ Ich glaube, ich höre nicht recht und gehe erstmal wieder. Aber da das Kind keine Anstalten macht, aufzuhören, um die Situation mit mir zu klären, gehe ich nochmal in sein Zimmer, werfe ihm diversen Technikkram auf sein Sofabett und sage: „Mach, was Du willst.“ Ich bin echt sauer.

In der Küche werkelt der RB und bittet mich Pfefferminze zu holen. „Aber die machen wir extra. Das mag das Kind ja nicht so.“ „Ach, das geht in dem vielen Grünzeug, das schon drin ist eh unter.“ „Schon drin? Der Koriander etwa auch?!“ „Ja.“ „Ja?!“ … „Oh Mist, da habe ich gar nicht dran gedacht.“

Das Kind hat mittlerweile alle Technik ins Wohnzimmer gebracht und sich auf sein Bett verzogen. Er weiß, dass er Mist gebaut hat und ärgert sich über sich selbst. Ich weiß, dass er leidet. Ich kann ihn nicht auch noch hinsichtlich des Essens leiden lassen. Hecktisch zaubern wir noch Grillsteaks und Grillpommes aus den Vorräten. Wir essen zusammen. Der RB und ich eine wirklich leckere Joghurtsuppe:

Dann muss der RB arbeiten (online-Tasting) und das Kind und ich fahren mit den Rädern in den Park. Dort passen wir uns mit dem Rugbyball zu. Wir drehe noch eine Runde durch den Park*****, da fährt das Kind durch irgendwas und hat – tadaa – zwei Platten. Wir schieben nach Hause. Dort darf das Kind allein die Schläuche aus den Reifen holen. In beiden sind jeweils zwei kleine Schlitze. Die sind nicht mehr zu retten.

Ich bestelle neue Schläuche, lese dem Kind vor und beende den Abend mit dem RB auf der Couch.

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* Die Müllabfuhr zerrt die Mülltonnen übers Kopfteinpflaster im Innenhof.

** Noitz an mich: Diverses Saatgut entsorgen, das nicht angegangen ist.

*** Offiziell arbeitet er, inoffiziell nutzt er meine Abwesenheit im Wohnzimmer, um „seine“ Musik zu hören.

**** Seit gestern hat das Kind Technikverbot (nur Tablet reicht nicht).

***** Im Park sind viele Menschen. Immer in kleinen Grüppchen mit Abstand zu einander. Aber es ist auch Leben im Park. Das fühlt sich gut an. Ich mag es bei aller Vorsicht und Respekt vor dem Virus, dass das Leben wieder stattfindet. Und lieber draußen als drinnen.

Tag 90 seit der Abschottung

Tag 90 seit der Abschottung

Der Wecker soll um 10h00 klingeln, aber um 9h15 werde ich wach, weil die Blase es so will. Ich verscheuche das Kind vom Fernseher und lege mich nochmal hin. Um 10h00 will ich noch nicht aufstehen. Um 10h30 bringt mir das Kind Tee ans Bett um 11h00 werde ich wach und stehe auf. Hoch lebe der Feiertag. Der RB war schon Brötchen jagen. Etwas schwierig am Feiertag. Wir frühstücken. Dann wechseln das Kind und ich den Schlauch an seinem Vorderrad. Wir machen uns fertig für die Radtour (das Kind wollte unbedingt eine Radtour). Ein Glück, dass heute Feiertag ist, denn Sonntag fällt als Wandertag aus, da das Kind Geburtstag hat. (Und Samstag geht auch nur schlecht, denn da muss ich ja Geburtstagskuchen backen.) Der Himmel ist zwar ziemlich verhangen und auch recht dunkel, aber wir fahren dennoch los. Ich habe ja extra eine Tour mit Else geplant, die uns nicht am Main langführt. Das wäre zwar kürzer, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich danach in den Nachrichten stattfinde, ist zu hoch. Dafür ist der Main grundsätzlich und derzeit im Besonderen zu überlaufen. Da macht Fahrradfahren auch nur wenig Spaß. Dafür war die Route ohne Main erfreulich menschenarm (wenn auch nicht so menschenleer wie unsere Wanderrouten).

Und weil es so gut in die Route passt, fahren wir bei Jette und ihrer Familie vorbei. Also nicht nur vorbei, sondern wir sitzen mit ihnen zusammen auf der Terrasse, unterhalten uns und trinken Tee, Kaffee und Wasser und essen Kuchen. Das fühlte sich gar nicht komisch an, sondern war ziemlich schön (komisch ist bloß, dass wir uns nicht zur Begrüßung umarmen). So echte Menschen in Echt sehen. Danke, dass wir da sein durften! (Und der Kuchen war auch sehr lecker.) Gestärkt machen wir uns auf den Rückweg bzw. die zweite Hälfte unserer Tour.

Als wir in Offenbach kurz Halt machen und wir uns nicht entscheiden können, was wir essen wollen*, aber wenigstens können wir uns darauf einigen, dass wir nicht mehr mit den Rädern weiterfahren wollen und steigen nach 36 Kilometern auf den Rädern in den Bus. Und während wir im Bus noch überlegen, ob wir wirklich Pizza bestellen wollen, fahren wir am Weida vorbei, das auf dem Platz davor Tische stehen hat, die nicht dicht an dicht besetzt sind. Da wissen wir nicht nur, was wir essen wollen, sondern auch dass wir dafür – zum ersten Mal seit der Abschottung – rausgehen würden. Wir bringen die Räder nach Hause. Der RB macht sich frisch und geht Geld holen, ich gehe duschen. Das Kind muss (sic!) kurz daddeln. Wir treffen uns am Restaurant.

Das Kind darf früher nach Hause, der RB und ich genießen noch unser Schnäpsje und machen zwei Schlenker durchs Dorf. Ja, es ist viel los draußen, da wo die Leute sitzen dürfen. Aber es ist nicht dicht an dicht und ohne Rücksicht.

Zu Hause gibt es einen kleinen Eklat mit dem Kind**, in folgedessen ich eine schon mehrfach angedrohte Konsequenz*** wahr mache. Das Kind ist kurz etwas konsterniert darüber, aber ist letztlich froh drum, weil er eigentlich total müde und k.o. ist von Radtour. Er geht freiwillig Zähneputzen und dann lese ich ihm vor.

Seit 90 Tagen zähle ich die Abschottungstage. Begonnen habe ich am 14. März, da war ich schon 2 Wochen im HomeOffice, am 13. März wurde bekannt gegeben, dass die Schulen ab 15.3. geschlossen werden. Seitdem war ich – mit heute – nur dreimal zum Vergnügen**** unter bzw. bei Menschen. Uff. Vielleicht müssen und sollten wir den Sommer einfach genießen. Die nächste Welle kommt bestimmt.

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* An Ausflugtagen haben wir ja bislang in der Regel bestellt, damit keine von uns mehr kochen muss.

** Das Kind hatte, als es nach Hause kam, schnell seine Schuhe abgestreift und einfach mittendrin stehen lassen. Zudem ging bei ihm die Klospülung nicht, obwohl er sie – gaaaaaanz sicher – gedrückt hatte.

*** Da das „vergessene“ Spülen immer wieder ein Thema ist, habe ich ihm schon mehrfach gesagt, dass er Tabletverbot bekommt, wenn das vorkommt, aber bislang nicht durchgezogen. Diesmal nahm ich im das Tablet direkt weg und ich weiß noch nicht, wann er es wiederbekommt. (Und ja, es hat unmittelbar mit dem Tablet zu tun. Denn immer, wenn er an dem Ding hängt, werden Toilettengänge schnellschnell und auch nur auf dem letzten Drücker unternommen. Dabei vergisst er gerne mal die Spülung.)

**** Einkaufen ging und gehe ich ja weiterhin.

Abschottung, Tag 72

Abschottung, Tag 72

Wochenends wird gewandert. Punkt. Damit wir alle mal rauskommen, was anderes erleben und sehen und frische Luft und überhaupt. Und weil wir gestern nicht gewandert sind, wird heute gewandert – ein der vier Routen, die ich am Donnerstag ausbaldowert habe. Aber erst freuen wir uns über … nein, nicht Nachwuchs o.ä. … sondern über …

… den Paneer

Hat sich die nächtliche Kocherei gelohnt. Dann Frühstück und dann auch schon fertig machen, denn wir haben etwas Anfahrt vor uns.

Am Ende sind es mit 17 Kilometern knapp 2 Kilometer mehr als geplant, weil hier noch eine Schleife und da noch mal gucken. Aber toll ist sie schon, die 7-Hügel-Tour im Osten von Darmstadt. (Eigentlich nur eine Strecke von A nach B, aber Else und ich haben eine Rundkurs draus gemacht.) Danach haben wir uns das Abendessen sehr verdient: Diesmal nicht bestellt, aber …

… Grillen geht genauso schnell.

Das Kind geht angemessen früh ist Bett. Der RB und ich gucken noch Tatort, während ich puzzle.

Abschottung, Tag 65

Abschottung, Tag 65

Seit letzter Woche besteht ein Wanderbeschluss für heute, naja, für dieses Wochenende, aber da wir gestern nicht konnten, weil wir ausschlafen und einkaufen mussten und auch sonst keine Lust auf Hetzerei hatten, also heute. Gestern hatte ich vorgegeben, dass wir um 12h00 losfahren.

Der RB und das Kind sind schon wach. Ich bekomme einen Tee ans Bett gebracht. Es wird versucht zu kuscheln, aber besser wir stehen auf und frühstücken. Ausreichend. Dann darf das Kind Maus gucken, damit es uns nicht um die Füße wuselt, während wir das Proviant in die Rucksäcke verteilen. 12h30 fahren wir los. Das Kind nölt schon die ganze Zeit, dass er keine Lust habe. Und auch wenn er jetzt wieder Training im Rugby-Club hat (so richtiges Rugbytraining ist es ja nicht), ist das trotzdem nicht genug Bewegung. Einmal pro Woche gehen wir zusammen raus. Basta. Wir fahren mit dem Auto nach Büdingen. Ich war noch nie in Büdingen. Ich mag Covid19 unter diesem Aspekt: Wir lernen echt viel von der Gegend kennen. Ich liebe ja auch diese hr-Sendungen, in denen immer die 10 irgendwas in Hessen vorgestellt werden. Wenn dieses Bundesland Meer hätte, wäre es perfekt, aber auch so denke ich, dass ich hier problemlos ein Jahr lang Urlaub machen kann.

In Büdingen finden wir direkt einen Parkplatz und ich denke: Ach, durchaus pittoresk, das Städtchen.

Aber wir sind nicht zum Sightseeing hier, sondern zum Wandern. Erste Empfehlung von Else: Der wilde Stein.

Während das Gekraxel über den Wilden Stein für das Kind noch ok ist, fängt beim nachfolgenden leichten Aufstieg das Genöle vom Kind wieder an. Die Schuhe sind zu warm, der Weg zu uneben, die Sonne zu heiß und überhaupt hat er ja gar keine Lust gehabt, mit uns mitzugehen. Nach noch nicht einmal einem Kilometer insgesamt, denken wir leider nicht nur an das gestrige Geburtstagskind, …

… sondern mir platzt auch der Kragen: Ich habe keine Lust, mir die Wanderung vom Kind vermiesen zu lassen. Ich gebe ihm sehr laut zu verstehen, dass er zurück zum Auto gehen und da auf uns warten soll. Als er nicht umdrehen will, drehe ich um und stapfe wütend von dannen. Das Kind heult, der RB kommentiert. Ist mir egal. Ich gehe jetzt. Ich berate mich mit Else und biege auf den Parallelweg zur eigentlichen Route ein. Wütend stapfe ich mit 7 km/h vor mich hin. Nach 500 Metern höre ich das Kind hinter mir heulen. Er entschuldigt sich weinend. Ich bin immer noch wütend und schicke ihn zurück. Er geht nicht und weint weiter. Ich herrsche ihn sehr unpädagogisch an, dass er aufhören soll zu plärren. Ich merke, wie mein Ärger ganz langsam verraucht, gehe aber langsam weiter. Vom RB weit und breit nichts zu sehen. Ich bin gerade dabei, das Kind retour zu schicken, um den RB zu suchen, da kommt dieser aus den Wiesen. Also stapfe ich weiter die 8%ige Steigung vor uns in einem Affentempo hoch. Dann habe ich aber auch keine Energie mehr wütend zu sein und wir können unsere Wanderung fortsetzen. Die restlichen 13 Kilometer sind wirklich gut.

(Nicht im Bild: Die Rehe, die unseren Weg kreuzten. Als ich sie sah, legte ich dem Kind die Hand auf den Mund, machte „psst“. Aber es nützte nichts, dass er sich nicht doch erschreckte und aufkiekste.)

Natürlich darf das Kind mal jammern, wenn es steil ist und immer nur bergauf geht. Und ich nehme ihm dann auch den Rucksack ab, damit er den nicht auch noch schleppen muss. Aus der letzten Wanderung hatten wir gelernt und genug Proviant eingepackt: Bei Kilometer 6 gibt es daher eine Kuchenpause und am Büdinger Steinbruch freuen wir uns über unsere Burger. Die allerletzten Kilometer sind wie immer etwas mühsam für uns alle und es tut gut, als wir im Auto sitzen.

Da wir nach dem Wandern nicht mehr kochen wollen, überlegen wir auf der Rückfahrt, was wir bestellen. Das Kind möchte Sushi. Ich bin unentschlossen. Dem RB ist nach Lasagne. Zu Hause bestelle ich Sushi für das Kind und mich. Der RB bleibt ohne Lasagne, weil der Italienener seines Vertrauens sonntags Ruhetag hat. Nach einem lärischen Moment seinerseits, den ich nutze, um das Sushi zu holen, geht er auch schnell, um sich was zu essen zu besorgen. Ein Hoch auf die Großstadt.

Das Kind muss heute mal früher ins Bett, da er morgen um 8h00 Hyrax und Brackets entfernt bekommen soll.

Abschottung, Tag 57

Abschottung, Tag 57

Gestern abend noch den Wanderbeschluss für heute bekräftigt, denn am Sonntag soll das Wetter schlecht werden. Da der RB gestern einkaufen war, können wir heute ausschlafen. Ich besorge Brötchen. Wir frühstücken und als der RB kurz aus dem Fenster guckt, regnet es. Öhm, so war das nicht geplant. Es ist aber nur ein kurzer Schauer und ich bin fest entschlossen, den Wandertag trotzdem durchzuziehen. Wir brauchen Bewegung und frische Luft. Wir machen uns fertig und fahren los. Blauer Himmel erwartet uns nicht wirklich an unserem Startpunkt. Eher erhöhte Luftfeuchtigkeit. Aber egal, im Wald sind wir recht gut geschützt. Regenjacken haben wir auch dabei. Dank Else, die ja immer so kleine Wege kennt, und sicherlich auch wegen des Wetters sehen wir recht wenig Menschen. Insgesamt tolle Wanderung, die wegen Berg natürlich etwas beschwerlicher war als die letzten beiden. Daher war der Wutanfall vom Kind bei Kilometer 4 auch sehr verständlich. Da ist er dann doch „mein“ Kind: Bei körperlicher Anstrengung bekommen wir von jetzt auf gleich einen Hungerast. Dann geht gar nichts mehr. Dann beherrscht uns nur noch die Wut. (Ich habe in so einer Situation schon mal mein Mountainbike in den Graben geschmissen. Zum Glück ist nichts passiert, sonst hätte ich viele Kilometer laufen müssen.)

Auf dem Rückweg, nach 4 Stunden Wanderung, bestelle ich unser Essen vor. Dieses Mal Koreanisch. Zu Hause springe ich kurz unter die Dusche. Dann gehe ich das Essen abholen.

Abschottung, Tag 46

Abschottung, Tag 46

Die Nacht war eine der schlechtesten. Der Kopf dröhnt, ich bin fertig. Ich merke: Ich habe wieder zu wenig auf mich geachtet in den letzten Tagen. Mir geht es nicht gut. Womöglich macht mir der Wetterumschwung noch zusätzlich zu schaffen.

Kurz wach wurde ich um kurz vor 9h00, weil ich Regentropfen hörte und noch Wäsche auf dem Balkon war. Wenigstens war ich da wach genug, um mich krank zu melden, denn so fühle ich mich: arbeitsunfähig.

Das Kind versuchte, mich schlafen zu lassen. Der RB schaffte es, mich schlafen zu lassen und weckte mich erst gegen 12h00 mit einem Tee. Als ich dann aufgestanden war, war klar: Ich musste raus. Raus und laufen. Viel laufen. (Wenn das Fahrrad in Ordnung wäre, wäre auch noch viel mehr Fahrrad fahren eine Option gewesen.) Da ich nicht wieder Richtung Berger Hang wollte, besprach ich mich mit Else. Es war klar, dass ich ein wenig ÖPNV nutzen müsste, wenn ich keine 25-km-Tour machen möchte. Die Route stand, ich packte meine Sachen, machte dazwischen noch ein Paket fertig, aß etwas Müsli und dann schnürte ich die Wanderstiefel und ging … zum Bus.

Das war das erste Mal ÖPNV seit über 5 Wochen. Hui. Aber alle saßen brav mit Masken drin. Außer dem Mittelstüfler, der unbedingt mit dem Rad in den Bus musste. Ich musste sogar umsteigen.

An meinem Startpunkt angekommen regnete es erstmal. Gut, dass ich die Regenjacke dabei hatte. Und nein, umdrehen kam nicht infrage. Ich musste mich bewegen, ich brauchte frische Luft und ich brauchte auch die Zeit für mich allein. Also gehe ich ungeachtet der drei Regentropfen weiter und es war auch gut so. Nach ein paar Metern hörte es auf zu regnen und es wurde sogar warm.

Ich lief entlang der Nidda und es war erfreulich wenig los. Die paar anderen Spaziergänger und -fahrer waren überschaubar und hielten auch Abstand. Ich sammelte Sonne, frische Luft und #Blümchenspam. Bei Kilometer 7 hatte ich kurzfristig keine Lust mehr, aber da war ich gerade durch Berkersheim durch und dann hätte ich umdrehen müssen, um zum ÖPNV zu kommen. Also lief ich weiter und stieg dann erst an der BGU in den Bus – nach 11 Kilometern.

Boah, tat das gut. Diese Auszeit war so nötig.

Abschottung, Tag 30

Abschottung, Tag 30

(Dieses Durchzählen ist wirklich deprimierend.*)

Die Nacht war nicht sooo gut. Keine Ahnung warum. Vor 4h00 bin ich vermutlich nicht richtig eingeschlafen. Um 9h00 werde ich wach, weil das Kind Ostereier auf dem Balkon sucht und sich mit der Nachbarsfamilie unterhält, die gleiches im Hof macht. In meinem Kopf rauscht es. Ich schlafe – zum Glück aller – nochmal ein. Als ich gegen 11h30 wieder aufwache, rauscht es in meinem Kopf immer noch.

Das Osterfrühstück ist eher ein Mittagessen. Aber immerhin auf dem Balkon.

Danach machen wir einen kurzen Familienausflug. Gestern hatte ich ja absichtlich viele kleine Hefezöpfe und mehrere Rübli-Muffins statt einem großen Kuchen gemacht. Ich wollte sie nämlich an den einen oder anderen Alleinstehenden im Freundeskreis verteilen. Also gehen wir mit einem improvisierten Osternest in die erweiterte Nachbarschaft.

Dann kümmere ich mich um den Kartoffelsalat à la Oma**, den sich das Kind zum Osterschnitzel gewünscht hat. Mein Kreislauf ist zickig und in meinem Kopf rauscht es immer noch. Entweder ist es das durchaus schwüle Wetter oder eine Prodromiphase. Ersteres wäre mir lieber.

Als der Kartoffelsalat fertig ist, nehmen der RB und ich drei weitere Impro-Osternester und fahren gen Offenbach und verteilen drei weitere Male Brioche und Rübli-Muffins. Bei den einen bekommen wir im ungeplanten Austausch Mundschutze Rotzbremsen.

Es tut sehr gut, die Freunde zu sehen. Ich hätte sie gerne umarmt. Das fehlt mir schon. Ich würde gerne „bald wieder“ sagen. Aber ich glaube nicht daran. Das geht höchstens bald, wenn die ersten Covid19 durchgemacht haben***.

Zu Hause essen der RB und ich erstmal Kuchen. Das Kind hängt an der Nadel einem Bildschirm und zockt und hat sich wohl an Osterschokolade übergessen.

Während später das Kind unter des RBs Anleitung Schnitzel macht, lege ich mich nochmal hin. So ganz wohl ist mir nicht. Wenigstens rauscht es nicht mehr in meinem Kopf.

Schnitzel und Kartoffelsalat sind lecker.

Das Kind hat später wieder Blues. Papa-Blues. Oma-und-Opa-Blues****. Zum Glück schläft er dennoch schnell ein.

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* Vor allem, weil ich ja noch 14 Tage aufrechnen muss, in denen ich – abgesehen von einem Tag – bereits im HomeOffice war.

** also Oma vom Kind = meine Mutter; traditionell gibt es den bei uns nur zu Weihnachten, aber Soulfood ist dieser Tag wichtig.

*** Also, wenn entweder ich oder diejenige, die ich umarmen will, SARS-CoV2-Antikörper hat. Ansonsten ist es nämlich auch witzlos.

**** Ich fürchte, dass an diesere Stelle das gestrige Gespräch zwischen dem Kind und mir nachwirkt, in dem ich ihm gesagt habe, dass Covid19 für Opa eine tödliche Bedrohung ist.

Abschottung, Tag 28

Abschottung, Tag 28

4 Wochen in der Abschottung mit Kind. Ich bin bereits seit 6 Wochen im HomeOffice. Okay, heute bin ich nicht im HomeOffice. Heute ist zum einen Feiertag und zum anderen habe ich ja URLAUB!

Gegen 9h30 werde ich wach, aber ich will noch nicht aufstehen. Also drehe ich mich nochmal um und schlafe bis 11h00. Yeah! Der Tag kann nur gut werden. Der RB ist schon wach und kommt dann mit Tee zu mir. Kurz drauf frühstücken wir auf dem Balkon.

Seit Tagen kündige ich an, dass wir heute rausgehen müssen. Ja, wir. Jedes einzelne Mitglied dieses Haushalts braucht dringen frische Luft, Sonne und Bewegung. Also bespreche ich mit Else zwei Routen. Als wir endlich loskommen, ist klar, dass die etwas kürzere und nicht so weit entfernte Route sicherlich besser in die Tagesplanung passt.

Das Kind braucht bei Kilometer 2 eine klare Ansage*, damit die weitere Tour entspannt und erholsam für alle weiter gehen kann. Und am m Ende unserer Runde haben wir 13,2 Kilometer in den Beinen. Das tat sehr gut.

Zu Hause hängt das Kind sich erstmal ins Internet, während der RB und ich das Essen vorbereiten, dann schere ich ihm die Seiten nach (der Iro darf erstmal bleiben) und er geht duschen. Dann geht der RB duschen und ich koche. Nachdem der RB die Nachabrin beliefert hat, gehe ich duschen und als ich feritg bin, können wir essen. Auf dem Balkon.

Danach ist es Zeit in unserem dürftigen Kostümfundus zu gucken, was der RB und ich zur Twitterkneipe tragen. Das heutige Motto: Karneval und Halloween – also irgendwas mit Verkleidung.

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* Sollte das Murren und Nölen nicht aufhören, gäbe es am Abend kein Internet für ihn.

Abschottung, Tag 26

Abschottung, Tag 26

Der Tag fängt etwas verspätet an. Ich fühle mich matschig. Also erstmal eine Ibu und ne Dusche.

Immer noch viel Arbeit. Was auch daran liegt, das ich nächste Woche Urlaub habe und einfach ein paar Dinge auf den Weg bringen will, damit mich danach nicht der Schlag trifft.

Ich schicke den RB zum Markt und überrede das Kind, dass er sich um den Apple Crumble kümmert. Während ich brav arbeite, schält und schnippelt das Kind also Äpfel, dann wiegt er die Zutaten ein und lässt den Tatort unvollendet zurück. Also knete ich schnell die Streusel und schiebe alles in den Ofen. Dann lässt langsam die Ibu nach und bevor ich noch eine nehme, gehe ich lieber eine Runde raus. Hui, ist das warm.

Wenn ich einen BH anhätte, würde ich den Hoodie ausziehen, aber T-Shirt ohne BH finde ich dann doch komisch*.

Wieder zu Hause ziehe ich einen BH Rock an und den Hoodie aus. Der Crumble ist fertig und wir essen auf dem Balkon. Dann arbeite ich weiter.

Heute Abend kocht der RB – was sich so kochen nennt: Er mischt Dinge zusammen. Aber es wird lecker. Wir essen auf dem Balkon. Das Kind ist auf dem Absprung, weil er wieder zum Zocken verarbredet ist. Ich freue mich im Großen und Ganzen für ihn. Auch wenn ich dem sehr ambivalent gegenüberstehe, dass er so viel vor irgendwelchen elektrischen Geräten abhängt.

Beim ins-Bett-Bringen hat er wenigstens keinen Papa-Blues und wir albern ein bisschen rum.

Ich mach spät noch was für die Arbeit fertig.

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* Scheiß-Gesellschaftszwänge