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Monat: Juli 2020

Es reicht

Es reicht

X-39 Tage bis zur zweiten Welle

Es ist heiß heute. Ich bin mal wieder froh um unsere EG-Wohnung, bei der die Fenster nach Nordosten und Südwesten rausgehen. Wenn wir bis Mittags die Rollläden der Nordostfenster unterlassen und spätestens dann die Rollläden der anderen Seite runter machen UND die Fenster schließen, bleibt es derzeit in der Wohnung immer noch deutlich kühler als außerhalb.

Das Kind hat heute seit längerer Zeit mal wieder mit Frankreich kommuniziert. Allerdings nicht mit dem Kv, sondern mit der Tante. Die Tante ist die Freundin vom Bruder des Kv und die Mutter von des Kindes Cousine. Die Frau ist etwas … speziell. Wenn das Kind in Frankreich ist, ist er wohl ganz gerne bei ihr. Allerdings meldet sie sich zwischen den Ferien vom Kind nie bei ihm.* Dass sie dieses Jahr direkt am Geburtstag gratuliert hat, lag am Zoom-Meeting. Die ganzen Jahre zuvor kam nichts, denn in der Regel war das Kind ja immer kurz nach seinem Geburtstag in Frankreich** und zwei, drei, vier Wochen später reicht ja auch völlig aus.

Bei mir ist sie unten durch, seitdem sie mich wirklich doof von der Seite angemacht hatte, nachdem es mit dem Kv im November 2014 so eskalierte. Und überhaupt nahm und nimmt sie immer so viel Partei für den Kv, dass eine zwischenzeitlich nicht sicher war, ob sie wirklich mit dem Bruder oder mit dem Kv zusammen ist. Wir haben spätestens*** seit November 2014 keinen Kontakt mehr.

Aber zurück zu heute: Das Kind skypte also mit der Tante. Von sich aus. Warum weiß ich nicht so genau, aber da lasse ich ihm freie Hand. Ich glaube, dass er ein bisschen gehofft hat, dass sie die Wogen etwas glätten könnte. Außerdem ging es wohl darum, ob und wie das Kind sein Geburtstagsgeschenk bekommen könnte, das ja bislang als Köder diente und deswegen nicht verschickt werden konnte.**** Als das Gespräch zu Ende war, war das Kind konsterniert, denn:

  • Die Tante ließ vom Kv ausrichten, dass dieser faché avec lui, also sauer auf das Kind sei. Haha, da hat das Kind direkt doppelt Lust, doch hinzufahren. NICHT!
  • Der Kv könne das Kind ja auch seit Wochen nicht erreichen.*****
  • Die Tante hat die Adresse vom Kind nicht, um ihm was zu schicken. (So schade, dass es in ganz Frankreich niemanden gibt, der ihr da helfen könnte.)
  • Das Kind drehe sich mit seiner Argumentation, warum er nicht kommen wolle im Kreis.******
  • Außerdem müsse das Kind ja auch den Kv verstehen. Dem ginge es ja jetzt schlecht.*******
  • Wenn das Kind nicht nach Frankreich käme, würden sie sich ja so schnell nicht sehen. Und sie würden ihn doch sooo vermissen.********

Ganz ehrlich, bei so viel Mist kann ich nicht mehr diplomatisch bleiben. Da muss ich sagen, was ich denke. Auch dem Kind gegenüber. Ich bin diese französchen Kapriolen und Egotrips so dermaßen leid. Ich weiß gar nicht, wie ich noch mit irgendwem da kommunizieren soll, ohne ausfällig zu werden.

Soll der Kv doch seine vermeintlichen Konsequenzen ziehen und vor Gericht gehen. Ihm sollte dann nur klar sein, dass er sein Kind verklagen muss. Denn es ist das Kind, das nicht will.*********

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* Der Onkel, also Bruder vom Kv, meldet sich allerdings „noch weniger“.

** Dank der frühen hessischen Sommerferien

*** Davor war der Kontakt auch nur darauf beschränkt, wenn wir in Frankreich waren.

**** GooglePlay-Gutscheine.

***** Seine Nummer ist nicht gesperrt, er kann jederzeit hier anrufen. Ob das Kind abnimmet, ist des Kindes Sache.

****** Nee, er muss sie nur mantraartig wiederholen, weil ihn anscheinend niemand ernst nimmt.

******* Für eine Selbstreflektion ist der Leidensdruck aber immer noch nicht hoch genug.

******** Am Arsch. Die haben es die ganzen Jahre nicht auf die Kette bekommen uns auch nur ein einziges Mal in Frankfurt zu besuchen.

********* Ich stehe und stand seit Juli 2015 keinem Besuch im Wege.

Fluchen erlaubt

Fluchen erlaubt

X-38 Tage bis zur zweiten Welle

Arbeit, Arbeit, Arbeit. Irgendwann geht das Kind in den Park. Und kurz drauf der RB zur Arbeit. Hiphiphurra, endlich wieder allein. Arbeit, Arbeit, Arbeit.

Kleiner Exkurs: Mein HomeOffice-Arbeitplatz befindet sich im Wohnzimmer. In der kleinen Nische direkt am Fenster. Das Fenster geht – wie das Wohnzimmer auch – zur Straße hin. Da wir parterre wohnen, fühlt es sich an manchen Tagen an, als säße ich auf der Straße. Leute, die wirklich laut schlechte Musik bei offenem Autofenster hören, tun ihr übrigens. Der Vorteil an diesem Platz: Bis zum frühen Nachmittag knallt nicht die Sonne drauf. Außerdem bin ich ganz nah am Internet. Jetzt im Sommer wechsele ich gerne nachmittags auf dem Balkon. Dann ist der im Schatten und das Mikroklima im Hof ist sehr angenehm.

Heute bin ich aber nicht gewechselt. Gegen 16h00 höre ich ein heulendes Kind. Noch nicht wirklich nah, vielleicht so an der Ampel 70 Meter entfernt. „Das klingt wie das Kind“, denke ich, arbeite aber erstmal weiter. Das Heulen kommt näher und wenn ich nicht sicher wäre, dass das Kind im Park ist, wäre ich sicher, dass es das Kind ist. Aber das Kind hat sein Handy dabei und wenn was wäre, riefe er bestimmt erstmal an. Also weiterarbeiten. Das heulende Kind ist mittlerweile recht nah. Hm, der Kindergarten nebenan hat gerade Schließzeit. Ob es vielleicht doch … das Heulen ist mittlerweile in unserem Fahrradhof angekommen. Aufgrund der Höhe des Hofs hallt es da besonders gut. Ich suche meinen Schlüssel und flitze raus. Da versucht das Kind gerade sein Fahrrad einzuparken – heulend und fluchend. Ich ging im Kopf Dinge durch: Handy verloren, Schlüssel verloren – ach nein, kann nicht sein, er ist ja reingekommen -, Ärger mit anderen Kindern gehabt. Währenddessen höre ich ihn weiter fluchen*: „So eine Kackscheiße. Drecksviecher.“ Mir dämmert es. „Wespen sind die unnötogsten Tiere überhaupt.“ Aha. Er streckt mir den Arm hin. Ich sehe … nichts. Okay, ich stehe auch noch recht weit weg. Ich lotse ihn rein, er wäscht die Händer, ich betrachte das Elend den Stich – nichts drin, nicht großartig geschwollen -, hole ein Kühlpack und verarzte das Kind, inkl. blitzdingsen. Nicht schön, aber nicht schlimm. Weiß er jetzt endlich auch, dass Wespenstiche nicht toll sind, aber in seinem Fall kein, absolut gar kein Grund für Panik sind. Schlauer durch Aua…

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* Ja, hier darf geflucht werden.

Mittwoch, Ende Juli

Mittwoch, Ende Juli

X-37 Tage bis zur zweiten Welle

Hahaha, lacht mich ruhig aus, dass ich tatsächlich kurz dachte, dass es nach dem Urlaub nicht mehr so stressig sein würde wie vor dem Urlaub. Tja, ich hätte es ja auch nicht ahnen können. Nein, nein. Die To-Do-Liste, die ich vor dem Urlaub für nach dem Urlaub geschrieben hatte, war ja auch total kurz. Nicht.

Manchmal bin ich etwas putzig.

Nicht putzig, sondern toll war das Bild, dass sich gestern bei der #CorotäneKneipe bot. In dem einen Bild waren nicht – wie üblich – mein langjährigster Freund J. mit (seiner) Freundin A. zu sehen, sondern auch noch Frau und Herr Rabe sowie die Rabenkinder. Das hat mich sehr gefreut.

Lustig ist die Konstellation: J. und ich sind seit der Schulzeit ca. 25 Jahren befreundet. A. und Herr Rabe kennen sich ebenfalls aus der Schule. Die Schule war bei uns vier die gleiche. Frau Rabe wiederum war auf der gleichen Schule wie mein jüngerer Bruder (aber die kennen sich nicht). Dennoch sind Frau Rabe und ich das Bindeglied. Wir kennen uns aus diesem komischen Internet. Tja, auch da kann eine Freundinnen finden. Und letztlich ist die Welt ein Dorf so groß wie Bielefeld.

Das Kind geht an die frische Luft

Das Kind geht an die frische Luft

X-36 Tage bis zur zweiten Welle

Das Kind war draußen. Im Park. Nachdem zwei junge Männer vor unserer Tür standen, die das Kind noch aus Kindergartenzweiten kennt, und fragten, ob er mit rauskäme. Wir vereinbarten, dass er um 19h00 wieder da sein sollte. Um 18h15 rief er an und bat um Verlängerung bis 19h30. Um 19h20 rief er an und handelte eine weitere Verlängerung bis 20h15 aus. So muss das sein. So sollen Kindersommer sein. Draußen rumstreunern, Kinder kennenlernen, Spaß haben.

Ich hatte abends noch eine Seance* mit meiner Mutter. Per Telepathie** habe ich mit ihr ihre Steuererklärung gemacht. Alles geschafft und geprüft. Meine Mama happy und ich auch.

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* Skypesitzung

** geteilter Bildschirm

Wirklich nötig?!

Wirklich nötig?!

X-35 Tage bis zur zweiten Welle

Seit über einer Woche sind wir zurück aus dem Urlaub, an den ich mit äußerst gemischten Gefühlen zurückdenke:

  • Der Urlaub war toll.
  • Mussten wir wirklich wegfahren?
  • Wir hatten mit wirklich wenig Menschen engeren Kontakt.
  • Aber ein Kontakt reicht letztlich aus.
  • Wir waren nur wenig außer Haus essen.
  • Immer draußen sitzen beim Essen wäre besser gewesen.
  • Rotzbremse da getragen, wo es in D Pflicht ist, auch wenn es in B und F nicht Pflicht war.
  • Es tat so gut, aus den eigenen vier Wänden zu kommen.
  • Musste es wirklich ins Ausland gehen?
  • In D am Meer wären wir vermutlich mehr Leuten zu nahe gekommen.
  • In B und F sind die Inzidenzen nicht so niedrig.
  • Die Erholung und die Auszeit tat uns allen gut.
  • Es war an beiden Orten nicht überlaufen.
  • In D wären wir vielleicht nicht ÖPNV gefahren.
  • Dank hessischer früher Ferien, waren wir früh dran.

Es ist … kompliziert. Dennoch kann ich sagen, dass wir uns bestimmt nicht unverantwortlich verhalten haben. Nicht wegfahren wäre sicherlich möglich gewesen, aber ob das so gesund für unser aller Psyche gewesen wäre?! Wir – insbesondere das Kind und ich – haben uns seit Anfang März und spätestens seit der Schulschließung komplett zurückgezogen und letztlich abgeschottet. Das Kind war wirklich wenig draußen. Ich nur zum Einkaufen. Für unsere Wanderungen sind wir mit dem Auto gefahren. Wir haben so gut wie niemanden persönlich getroffen – und wenn dann immer auf Abstand.

Ich musste nicht. Natürlich muss eine sowas nicht und wenn es nicht gegangen wäre, dann wären wir zu Hause geblieben. Aber ein bisschen in mir MUSSTE dennoch trotz aller Stoa und Katastrophenmodus ENDLICH mal wieder raus. Wollte die Gelegenheit, das kurze Zeitfenster nutzen, um den Kopf frei zu bekommen.

Und doch ist das alles Jammern auf hohem Niveau. Uns geht es gut. Wir sind gesund. Haben wir das aufs Spiel gesetzt?

Noch nie war ein Urlaub ein derartiges guilty pleasure.

Aber ich weiß auch nicht, wie es mir heute ginge, wären wir nicht gefahren.

Äppel für Brombeeren

Äppel für Brombeeren

Ausschlafen. Wie so oft, wenn ich „vormittags“ – so nach 8h00 – nochmal einschlafe, träume ich wild. Diesmal von meinem älteren Bruder und seiner Freundin, die ich noch nicht mal kenne. Sehr absurd.

Nach Spätstück und allgemeinem Rumgepuzzle bekommt der RB einen Rappel: Er muss raus und sich bewegen. Hihi, soweit habe ich ihn ist er schon. Zumindest eine kleine Runde raus. Das Kind will nicht mit.*

Zum Glück ist der Lohrberg nicht weit.**

Im Main-Äppel-Haus nehmen wir Äpfel mit. Was sich kurz drauf als sehr schlau herausstellt: Bereits auf dem Hinweg schwer behangende Brombeersträucher gesehen. Auf dem Rückweg kommen wir an noch mehr vorbei. Kurzerhand kommen die Äpfel lose in meinen Rucksack und wir nehmen die Papiertüte, um Brombeeren zu sammeln.

Nach dem Essen spielen wir noch zu dritt und ich lese dem Kind verhältnismäßig früh vor. Dennoch schläft er um 23h30 immer noch nicht*** und da ist mir kurz die Hutschnur geplatzt.

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* Der war von seinem gestrigen Flug nich so mit Eindrücken voll, dass er sich heute nur berieseln lassen wollte.

** Am Ende waren es dann doch 9 Kilometer.

*** Dieses Gespuke gepaart mit Mamaaaaa-Rufen macht mich wahnsinnig.

Nur Fliegen ist schöner

Nur Fliegen ist schöner

X-33 Tage bis zur zweiten Welle

Für heute ergab sich, dass das Kind seinen Geburtstagsgutschein einlösen konnte. Dank dem Internet – insbesondere Rainer – konnte ich ihm nämlich einen Mitflug in einem „kleinen“ Traktor* Motorsportflugzeug schenken.

Nach Einkauf und spätem Essen** fuhren wir dann endlich*** los gen Egelsbach.

Weil es des Kindes Geschenk war, durfte er entscheiden, ob er allein mitfliegen wollte oder ob ich**** ihn begleiten sollte. Er wollte allein.

Das Kind war sehr happy, als er wieder am Boden war. Er durfte selbst steuern. Hatte wohl einen guten Bluck für die Gegend und erkannte von oben das Felsenmeer, die Grube Messel.

Nun schwebt er weiter… Und sein Wunsch, Pilot zu werden, ist nicht kleiner geworden.

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* O-Ton des Piloten

** hatten kein Frühstück und kein Mittag, sondern erst um 14h30 einen erweiterten Snack für alle

*** Das Kind jibbelte schon seit 10h00.

**** oder der RB

Telegram

Telegram

X-32 Tage bis zur zweiten Welle

  • schlecht aus dem Bett gekommen
  • gearbeitet (getauschter FREItag, um Dienstag frei zu haben)
  • schlapp gefühlt
  • Arbeiten vorzeitig beendet
  • über die neuen Docs gefreut

  • Thermometer bestellt
  • eingekauft und gekocht

  • #CorotäneKneipe

Es gibt keine zweitbeste Geburt

Es gibt keine zweitbeste Geburt

Seit Wochen, Monaten, ach, was weiß ich, immer und immer wieder ist es Thema: Geburt und Säuglingsernährung. Erst vor kurzem schrieb eine liebe Tweep über ihre Sorgen hinsichtlich Stillen und im Tweet las eine – zumindest ich – direkt die Schere und auch Angst im Kopf, wie wohl darauf reagiert wird. Gestern twitterte ich Folgendes:

Natürlich ist das etwas verkürzt – Twitter halt.

Ich bin etwas versucht, darüber zu schreiben, wie die Geburt vom Kind und die anschließende Ernährung bis zur Beikost verlief, ABER darum geht es nicht. Alle, die nicht mehr dazu wissen, müssen jetzt damit leben und mir einfach glauben, dass mich das Thema nicht triggert oder welche auf immer gearteten Trauma aufreißt.

Was mich an diesem ganzen Themenkomplex so immens stört, ist, dass zum Gebären und zum Stillen fähigen Menschen von einer bestimmten Bubble (KEINE Einzelpersonen) vorgemacht/ vorgeschwärmt/ suggeriert wird, wie das alles am allerallerallerbesten für Mutter und Kind verlaufen muss. Und das ganze unter den scheinheiligen Deckmäntelchen „selbstbestimmte Geburt“ und „das Beste fürs Kind“.

Eine „selbstbestimmte Geburt“ bedeutet mal so rein vom Wortlaut: Die gebärende Person bestimmt unter Berücksichtigung diverser (eigener) Faktoren und zur Verfügung stehenden Option selbst, wie sie gebären will. Und ganz ehrlich: NUR diese Person. Daraus muss ich keine Pärchenkacke machen oder gar irgendein Wohlfühlevent für den/die Partner*in. Bei der Geburt sollte sich die gebärende Person so wohl fühlen wie eben möglich.

Und sofern alle unmittelbar Beteiligten gesund sind und sich das zutrauen und wollen, stehen der Gebärenden erstmal alle Varianten offen:

  • geplanter Kaiserschnitt im Krankenhaus*
  • vaginale Geburt in Krankenhaus, Geburtshaus, zu Hause, im Wald, whatever

Diese Wahlmöglichkeiten** sind Luxus! Das halte sich bitte jede mal vor Augen. Und ja, die vaginale Geburt im Wald allein ist darunter die natürliche Geburtsform. Zumindest die, die stattfinden muss, wenn es keine anderen Optionen gibt. Ob sie deswegen automatisch die beste ist?! Der Mensch hat sich weiterentwickelt: Ist vom Baum geklettert, läuft aufrecht, spricht, denkt (zumindest einige). Die Medizin entwickelte sich mit. Heutzutage sind viele Dinge möglich, die früher undenkbar waren*** und ohne die heutzutage Menschen einfach sterben würden. Die gebärende Person  und/ oder Kinder bei oder nach Geburten. Kinder an Unterernährung, weil Stillen einfach nicht möglich ist.4*

Wird eine Person schwanger – insbesondere zum ersten Mal -, geht das mit vielen Unsicherheiten aufgrund der Veränderungen (sic!) einher. Es passieren Dinge mit dem Körper, die eine nicht für möglich gehalten hat. Es treten Probleme5* auf, die verunsichern6*. Die auch Angst machen (können). Die den Körper an seine Grenzen bringen. Und in diesem ganzen „Schlamassel“ muss sich die schwangere Person informieren und entscheiden, wie sie gebären will. Oder sollte?! Die Informationsflut ist immens: die Gynäkologin, die Hebamme, die Mutter, die Tante, die Schwester, die beste Freundin, die Nachbarin aus dem 2. Stock, die Sitznachbarin in der U-Bahn7* – sie alle wissen etwas zu dem Thema beizutragen. Dazu noch Bücher und – tadaaa – das böse Internet.

Die „unwissende“ schwangere Person möchte dabei nur eins: Das Beste fürs Kind. Aber auch etwas, mit dem sie sich wohl fühlt.

Und so viele Meinungen es auch gibt, in der Regel heißt es am Ende immer: Nur mit vaginaler Geburt und Stillen bekommt das Kind den besten Start ins Leben.

Das wird in einigen Bubbles so hochgejazzt, dass letztlich eine vaginale Hausgeburt nur mit Hebamme8* als DIE Benchmark schlechthin gilt. Wie?! Eine möchte das nicht?! Doch, doch, Du musst nur fest genug an Deine eigene Kraft glauben. JEDE gebärende Person hat die Kraft dafür in sich. Das ist DAS Geburtserlebnis schlechthin. Und welche Bindung eine dadurch zum Kind aufbaut.9* Das kann NIE.MALS mit einem Kaiserschnitt erreicht werden.

Klingt alles etwas überspitzt und dramatisch?! Mitnichten. Ich bin mir sicher, dass es bei vielen schwangeren Personen genauso ankommt.

Und Personen, die nicht vaginal gebären können oder wollen, stehen verschämt rum. Drucksen sich Entschuldigungen und Rechtfertigungen zurecht, warum sie nicht vaginal entbunden haben.

Dabei ist das meiner Meinung nach eine mindestens genauso große Leistung, sich entgegen der Mainstream-Meinung ganz auf sich zu besinnen und eine wirklich selbstbestimmte Entscheidung zu treffen – wenn wir in diesem ganzen Themenkomplex von Leistung sprechen wollen. Und dabei möchte ich auch die Personen einschließen, die aufgrund anatomischer Gegebenheiten eben gar nicht vaginal gebären können. Das mag zwar für die meisten der valideste Grund sein, warum sich eine gegen eine vaginale Geburt entscheiden darf entscheidet, aber doch auch bei diesen Personen sitzt immer wieder das Teufelchen auf der Schulter, das von Schuld und „ist halt nur das zweitbeste“ flüstert.

Und das liegt nicht daran, dass andere gebärende Personen „stolz“ auf die vaginale Geburt sind, sondern vor allem daran, dass Personen, die nicht vaginal geboren haben, mitleidige Blicke und „muss Du selbst wissen, aber …“, „käme für mich nicht infrage“ oder „vielleicht klappt es ja beim nächsten vaginal“ etc. etc. zugeworfen wird. Der nicht vaginal gebärenden Person wird offen oder unterschwellig an vielen Stellen signalisiert:

  • Es ist nur das zweitbeste.
  • Eine Notlösung.
  • Zu einfach gemacht.

Der einfache Grund dafür: Eine selbstbestimmte Geburt ist in den Köpfen vieler und der Gesellschaft im Besonderen die vaginale Geburt – so interventionsfrei wie eben möglich.10* Nur da „leistet“ die gebärende Person ausreichend, das sie Anerkennung verdient.

NEIN! Jede einzelne Geburt ist eine Leistung. Egal, wie das Kind zur Welt kommt. Dieses unsinnge „das Natürlichste ist das Beste und einzig Wahre“ funktioniert in Zeiten moderner Medizin nicht mehr. Oder sagt Ihr auch Paaren, die nicht auf natürlichem Wege schwanger werden können, dass sie kein Kind „verdient“ haben, weil die Natur es anscheinend nicht norgesehen hat?

Das Thema Stillen ist das gleichen in Grün, damit muss ich den Text jetzt nicht unnötig verlängern.

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* Ein Notkaiserschnitt ist keine planbare bzw. „frei“ zu entscheidende Variante

** Ja, ich weiß, dass es die nicht überall gibt und dass die Geburtshilfe in Deutschland in den letzten Jahren sehr gelitten hat. Das Wegsparen der Hebammen ist aus meiner Sicht ein Unding, aber dennoch sind wir weiterhin in einer sehr priviligierten Situation.

*** Paare, die noch vor 10, 20 Jahren kinderlos geblieben wären, können schwanger werden

4* Spätestens an dieser Stelle sollte klar sein, dass diese Betrachtungsweise ein höchst priviligierte ist.

5* Übelkeit bishin zu Hyperemesis gravidarum, Rückenschmerzen an verschiedensten Stellen, Wassereinlagerungen, Sodbrennen, Gestationsdiabetes, etc, etc.

6* Und auch verunsichern, wenn sie nicht auftreten.

7* okay, in Zeiten von Covid19 weniger

8* Die vollständige Alleingeburt ist dabei vielen doch nicht ganz geheuer. So ein bisschen Sicherheit brauchen wir dann wohl doch alle.

9* Denkt eine daran, was für ein Schlag ins Gesicht das für alle ist, die adoptieren / adoptiert sind?

10* Dabei sind auch gewünschte PDA und andere Interventionen verpönt. Die gebärende Person hat bittedanke zu leiden. Und wenn das Leiden zu schlimm ist, dann hat sie sich nicht gut genug vorbereitet.

Back to work

Back to work

X-30 Tage bis zur zweiten Welle

Na prima, da fängt der erste Tag nach dem Urlaub mit schlechtem Schlaf an. Ich konnte zunächst nicht richtig einschlafen und dann bin ich wegen „bloß nicht verschlafen“ nicht richtig eingeschlafen. Um Kurz nach 8h00 war ich dann wach, duschte und saß um 9h30 am Schreibtisch. Und dann tat ich, was eine so am ersten Tag nach dem Urlaub so macht: e-Mails checken, von den Kolleginnen auf den aktuellsten Stand bringen, kleine Projekte auf den Weg bringen.

Irgendwann ist mein Kopf nicht mehr aufnahmefähig. Außerdem brauchen wir noch was vom Markt. Das Kind ist zwar gerade erst nach Hause gekommen und würde gerne daddeln, aber ich verdonnere ihn dazu, dass er zur Bibliothek fährt und sich Lesestoff besorgt. Wir verlassen zusammen das Haus.

Später bereite ich das Essen vor. Der RB kommt etwas knapp nach Hause, grillt, isst hastig und hat dann Online-Tasting.

Sonderlich spannend war das heute alles nicht.