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Kategorie: Die schönste Stadt der Welt

X-11 Tage bis zur zweiten Welle

X-11 Tage bis zur zweiten Welle

Ich hätte gerne mehr ausgeschlafen, aber 9h30 klingelte der Wecker. Das Kind kam just rein.

Ausschlafen ging heute nicht, weil das Kind um 10h30 in der Schule sein musste, um sein Zeugnis abzuholen (morgen gibt’s einen Rant dazu).

Während er vor Aufregung etwas anstrengend war, versuchte ich, meine verbliebenen vier To-Dos abzuarbeiten. Insgesamt bis auf ein* Projekt nur Kleinkram**. Allerdings stellte sich raus, dass ich ein – zum Glück kleines – To-Do vergessen hatte und ein weiteres ploppte auf. So hatte ich dann, bis ich duschen ging, bevor ich zum Friseur los musste, drei von nun sechs To-Dos erledigt.

Friseur ging heute schnell, weil keine Farbe. Aber ich finde es schön zu sehen, wie super in dem Salon die Hygieneregeln umgesetzt werden. Es ist wirklich viel Platz, alle tragen ordnungsgemäß ihre Rotzbremsen** und es ist dauerhaft gelüftet. Falls ich Leserinnen habe, die eine Friseurempfehlung für Offenbach (gut aus Ffm zu erreichen) brauchen…

Als ich fertig war, war der RB im Laden noch nicht fertig. So holte ich ihn flugs ab. Schon im Auto meldete der RB, er habe Hunger. Und da machten wir was total Verrücktes: Wir beschlossen spontan im Hafen2 einzukehren. Nach der langen Zeit fühlt es sich immer noch etwas verwegen an, irgendwo essen zu gehen. Aber im Hafen2 können wir prima draußen sitzen. Die Tische stehen – seit eh schon – weit auseinander, die Hygieneregeln werden bei Eintritt erklärt, viele Wege, wo sich potentiell viele Menschen begegenen können, sind Einbahnstraßen.

Schon schön, nur mit dem RB allein zu sein ❤️

Wieder zu Hause machte ich mich an die verbliebenen To-Dos: Jetzt sind nur noch das eine* und das andere Textprojekt** übrig. Das sollte ich übers Wochenende schaffen.

Essen kochen um den Kühlschrank zu leeren zu entspannen.

#CorotäneKneipe mit Weinorakel

Was ist im Weinsatz zu sehen?

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* mittelgroßes Textprojekt

** Es gibt noch ein größeres Textprojekt, das aber nicht über die Agentur läuft, sondern das ich frei bearbeite. Das rechne ich nicht ein, aber wird auch noch bis Montag bearbeitet.

** Wirklich keine einzige „Pimmelnase“ 😉

Blattspam statt #Blümchenspam
X-6 Tage bis zur zweiten Welle

X-6 Tage bis zur zweiten Welle

Sonntag – wir müssen raus.

Zunächst erstmal auf den Balkon zu einem späten Frühstück.

Dann wabern wir so rum. Ich plane die Route für die Radtour. Und schicke kurz, bevor wir losfahren, eine e-Mail an den Kv ab. Auf Deutsch.

Gegen 14h45 kommen wir endlich mal los. Es ist bewölkt und nicht zu heiß. Ideales Radfahrwetter. Unser Ziel: Ein Gadde nordwestlich von uns. Die Tour ist sehr entspannt, so gut wie keine fiese Steigung und 13 Kilometer sind auch nicht so lang. Der RB ist aber nicht gut drauf und ich habe schon fast ein schlechtes Gewissen.

Im Gadde angekommen fängt es an zu regnen. Zum Glück ist der Schirm groß genug. Es wird gequatscht, gegrillt, gekokelt. Es hört auf zu regnen und wir müssen uns wieder auf den Rückweg machen. Ein anderer Weg als hin, um Steigungen zu vermeiden. Ich bin schon ein bisschen froh, dass der RB heile zu Hause ankommt. Er ist nicht fit.

Zu Hause beschäftigen uns die Reaktionen des Kv: Ich habe drei e-Mails* bekommen und das Kind eine Sprachnachricht**. Sie trieft vor Ironie. Das Kind ist angewidert. Er ist fertig. Ich bin es auch. Auf einmal merke ich, dass ich nicht mehr kann*** und vor allem auch warum: Seit > 15 Wochen ist mein Gehirn dauerhaft angeschaltet. Neuer Alltag, Job, Ängste vom Kind, Hilfe beim HomeSchooling, Diskussionen mit Lehrkräften, Virtuelles Klassenzimmer organisieren, Sorgen um meine Eltern, Ängste vom RB, Job, immer nerviger werdende Absprachen mit dem Kv, Mischung aus Präsenzunterricht und HomeSchooling, wieder geänderter Alltag.

Vielleichtermutlich könnte ich noch mehr fürs Kind tun. Eine könnte immer mehr tun. Aber dennoch sind wir bislang gut durch diesen neuen Alltag gekommen. Und anstatt rumzuspinnen und durchzudrehen, sollte der Kv mir lieber danken.****

Auf dem Weg ins Bett fielen noch ein paar sehr heftige Sätze. Dieser Sommer wird eine Zäsur sein. Die Kind-Kv-Beziehung hat einen Knacks.*****

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* Weniger impulsiv, dafür mit mehr Hirn hätte es auch getan, aber das ist einfach zu viel verlangt.

** Eigentlich sind es zwei, aber die zweite ist mal wieder das übliche „Je t’aime“-Blabla, das das Kind schon nicht mehr ernst nimmt.

*** Ich kann ja dann doch irgendwie immer wieder.

**** Das wird natürlich nie passieren.

***** Wobei „Knacks“ halt ein Euphemismus ist.

X-5 Tage bis zur zweiten Welle

X-5 Tage bis zur zweiten Welle

Dank Blase und vermutlich auch alkoholinduzierter Kurzschlafeuphorie war ich bereits um 8h50 wach. Das Kind war da auch wach und schlich durch die Wohnung. Ich schlich auch aus dem Zimmer und nutzte die Gunst der Stunde und erschreckte das Kind im halbdunklen Flur*. So begann der Tag mit einem spitzen Schrei.

Ich versuchte danach noch einmal zu schlafen, aber das wurde nichts. Zumal das Kind neben mir nicht stille liegen bleiben konnte. Ich schickte ihn raus, woraufhin ich nochmal wegdöste, aber erholsam war das auch nicht. Dann wurde mir Tee gebracht, der RB kam dazu und ich las dem Kind vor.

Richtig in die Gänge kam ich nicht**. Machte aber mit dem RB einen Essens- und Einkaufsplan. Das Kind war unleidlich, weil er auf Nachricht von seinem Kumpel wartete. Ich war unleidlich, weil das Kind unleidlich war und wollte eigentlich nur meine Ruhe. Der RB erkannte die Lage und ging schon mal alleine einkaufen. Das Kind musste zur Erkenntnis gezwungen werden, ging dann aber auch raus – in den Park. Ich fällte einen Sport-Entschluss und yogierte, als der RB wieder da war und sich auf den Fakir zurückgezogen hatte.

Beim Kaffee ärgerte ich mich über eine e-Mail vom Kv. Eine e-Mail an mich. Auf Französisch. Diese e-Mail ist natürlich auf Französisch. Mal abgesehen davon, dass das Schriftfranzösisch vom Kv nicht ganz einwandfrei ist, rostet mein Französisch zunehmend ein. Außerdem empfinde ich es zunehmend als Unverschämtheit, dass ich dauernd Rücksicht auf seine Befindlichkeiten nehmen soll und dass er nicht in der Lage ist, sich in meiner Sprache adäquat auszudrücken. Stattdessen kann er sich immer darauf zurückziehen, dass ich womöglich was falsch verstanden habe, weil ich dann ja doch nicht so gut Französisch kann. Und weil mich das alles so nervt, bekommt er von mir eine Antwort auf Deutsch.

Das Kind kam nach Hause. Ich telepathierte mit meiner Mutter.*** Der RB kochte. Ich fing an zu arbeiten.**** Wir aßen. Ich arbeitete weiter.**** Der RB guckte seine Serie. Um 22h00 wollte ich Eis und holte welches*****. Nacht-Eis für alle.

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* Das Kind liebt Erschrecken zur Zeit sehr. In beide Richtungen.

** das Wetter, die Urlaubsreife, der unterschwellige Stress mit dem Kv, der Liter Wein von gestern

*** Computerhilfe via Skype mit geteiltem Bildschirm. Diesmal um ihr zu helfen, wie sie die Bilder vom Handy und dann als Anhang an die e-Mail bekommt.

**** jahaaaa

***** Ein Hoch auf die Großstadt!

Tag 98 seit der Abschottung

Tag 98 seit der Abschottung

Der Tag fing – freiwillig – früher an als sonst. Obwohl ich für heute sogar FREItag angekündigt hatte. Aber ich wolltemusste gegen 9h15 am Bahnhof sein.

Vorher musste ich aber noch kurz in den Supermarkt und zur Bäckerei. Zum Glück geht es mit der U-Bahn schnell zum Bahnhof. Nach kurzer Ankunftsabstimmung mit Frau Rabe holte ich einen Kaffee und wartete dann am Gleis mit einem Frühstücks-Carepaket.

Denn wer will schon nach einem sehr frühen Flug zwischen zwei Zügen noch hungrig und müde Proviant für die Weiterfahrt jagen.

Ich wartete mit ihr auf ihren Anschlusszug. Wie schon letztens bei Jette war es sehr schön, sich mal wieder in Echt gesehen zu haben. Wenn auch nur kurz.*

Dann fuhr ich nach Hause, holte Brötchen und frühstückte mit den Mitbewohnern.

Bereits auf der Rückfahrt vom Bahnhof hatte mich der Kv per Messenger gefragt, was denn nun mit den Sommerferien sei. Tja, der letzte Stand war, dass das Kind nicht hin will. Bei Frühstück fragte ich das Kind nach seiner Meinung: Nein, er will weiterhin nicht hin. Also kontaktierte er nach dem Frühstück direkt den Kv („ich mach’s lieber gleich“) und teilte ihm seine Entscheidung mit. Die Reaktion war nicht unerwartet, aber dennoch kacke, weil Gaslighting par excellence: Das wäre nicht so gemeint gewesen. Das Kind habe da was falsch verstanden.**

Während das Kind skypte, setzte ich mich doch kurz an den Rechner und klärte ein paar Dinge.*** Dann musste ich los, da ich einen Blutspendetermin hatte. Das Kind konnte ich nur kurz drücken und beruhigen. Aber der RB war zum Glück da.

Auf dem Rückweg von der Blutspende entdeckte ich eine Eis-Spende via paypal. Zu Hause machte ich kurz das eine Projekt fertig.*** Dann scheuchte ich das Kind zum Eisessen auf. Ich erzählte ihm von der Spende und er war sehr gerührt. Als wir losgehen wollten, kam gerade der RB nach Hause und wir gingen zu dritt.

Vielen Dank, liebe Spenderin!

Wieder zu Hause merkte ich, dass der Tag bisher doch etwas anstrengend war, und legte mich hin. Der RB ging einkaufen. Das Kind daddelte.

Als ich wieder wach war, kochten wir Essen. Dabei ging das Drama mit dem Kv weiter. In einer WA an mich zog er die Sorgen des Kindes ins Lächerliche und bezeichnete sie als délire (Wahn).**** Schade, dass er belegen muss, dass die Entscheidung vom Kind richtig ist.

Nach dem Essen war wieder #CorotäneKneipe. (Ach, das ist schon schön mit euch allen.)

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* Und pssst, wir haben uns zur Begrüßung und Verabschiedung umarmt.

** Ich könnte echt kotzen, denn wie oft musste ich mir genau diese Sätze anhören. Also auf mich bezogen natürlich.

*** Lieber mache ich es heute fertig, als das ich mich am Montag nochmal mit dem Kleinkram stressen muss.

**** Unter diesen Umständen diskutiere ich gar nicht mehr mit diesem Mensch. Soll er doch vor Gericht ziehen.

Tag 92 seit der Abschottung

Tag 92 seit der Abschottung

Morgen hat das Kind Geburtstag. Daher muss heute noch so einiges vorbereitet werden. Der RB fährt auf den Markt und kurz in den Laden. Ich gehe in den Supermarkt. Sind die Zugangsbeschränkungen aufgehoben? Immerhin sind erfreulich viele noch mit Maske unterwegs. Wieder zu Hause hat das Kind – so ohne technische Spielzeug – große Langeweile. Ich kann ihm aber keine Abwechselung bieten, da ich Kuchen backen muss. Ich empfehle ihm eindringlich, in den Park zu fahren, was er auch tut.

Ich backe Kuchen. Der RB kommt nach Hause. Ich gehe nochmal kurz ins Dorf. Finde aber nicht, was ich suche. Zu Hause mache ich uns Himbeerquark mit Erdbeeren. Das Kind kommt passend nach Hause. Wir essen zusammen. Dann kümmere ich mich um die Haare vom RB. Der Paketbote bringt die neuen Schläuche für des Kindes Fahrrad. Das Kind lernt nun, wie ein Schlauch gewechselt wird. Tadaa, das Rad ist wieder einsatzbereit. Dann rasiere ich dem Kind die Haare.

Später kümmere ich mich ums Essen. Wir essen draußen. Es ist schon ziemlich dunkel und als wir fertig sind, ist klar, dass wir vor der #CorotäneKneipe noch schnell alles abdecken sollten.

Die Kneipe ist heute klein, aber fein. Das Kind geht versucht früh ins Bett zu gehen. Ich dekoriere während der Kneipe den Kuchen.

Nach der Kneipe machen wir noch den Geburtstagstisch fertig und verpacken* die Geschenke.

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* Ich habe kein Geschenkpapier und aus ökologischen Gesichtspunkten sehe ich auch nicht ein, welches zu kaufen. Daher werden die Geschenke in Kartons verpackt und die wiederum in den Geschenksack gesteckt. Ist genug Auspackerei.

Tag 91 seit der Abschottung

Tag 91 seit der Abschottung

Jucheee, Brückentag und ich habe frei! Und Spoiler: Ich halte mich auch daran.

Frei bedeutet ausschlafen. Um 7h30 werde ich wach, weil im Hof eine Mülltonnen-Seance stattfindet*. Ich nutze Meine Blase nutzt den Moment. Wieder im Bett nehme ich Ohrenstöpsel und schlafe auch wieder ein. Wie so oft träume ich wirres Zeug. Irgendwas mit einem Füller und einer neuen Feder für ebendiesen. Zahlenverwirrung hinsichtlich 97 und 79.

Irgendwann kam das Kind zu mir. Ging aber auch wieder. Ich stand gegen 11h00 auf und weckte den RB. Es deutet sich an: Das Kind ist heute etwas neben der Spur.

Nach dem Frühstück kümmere ich mich endlich mal um den Siphon im Bad. Der war nämlich etwas undicht und wurde nun schon länger mit einem Eimer gesichtert. Siphontauschen habe ich bislang auch noch nicht machen müssen. Es ging aber recht einfach.

Danach gehe ich ins Dorf. Ich muss beim Buchladen noch ein Geschenk fürs Kind abholen. Beim besten Mini-Baumarkt besorge ich einen neuen Blumentopf für den Hibiskus. Zu Hause kümmere ich mich dann auch direkt um ums Umtopfen. Der Hibiskus kommt in einen Topf. Der Mangokern, der eine Wurzel entwickelt hat, kommt auch in einen Topf. Die zwei Mini-Tomatenkeimlinge** setze ich auch in Erde.

Das Kind hat Langeweile und weiß nicht wohin mit sich. Der RB arbeitet***. Dem Kind fällt ein, dass er nach was für GL machen muss, wofür er das Haus verlassen muss. Er nimmt das Rad. Kommt aber nach kurzer Zeit wieder und erklärt: „Jemand hat meinen Reifen geklaut.“ Ich gucke irritiert. „Nee, nicht den Reifen, sondern das da drin.“ „Den Schlauch?“ „Ja, genau. Der Schlauch ist geklaut.“ Ich gucke noch irritierter und gehe mit ihm raus und sehe … einen platten Hinterreifen. Da ich aber auch noch das Ventil sehe, schließe ich einen geklauten Schlauch aus. Er versucht mir den Tathergang zu schildern und es wird klar, dass er ein Stück mit dem Rad gefahren ist. Ein geklauter Schlauch kommt definitiv nicht infrage. Ich schicke ihn zu Fuß los.

Ich überrede den RB dazu, Kaffee zu kochen. Wir trinken zusammen Kaffee und ich verarbeite die Szene mit dem Kind und komme aus dem Lachen nicht raus. Mein Kind ist der erste Mensch, dem während der Fahrt ein Schlauch aus dem Reifen geklaut wurde.

Als das Kind wieder da ist, spielen wir zusammen.

Pyramis – sowas wie „4 gewinnt“ nur mit 5 und in 3D

Als wie fertig gespielt haben, wechseln wir zusammen den Schlauch vom Hinterreifen. Danach habe ich – mal wieder – einen toten Punkt und lege mich ins Bett. Es tut gut, mal einen Moment alleine zu sein. Ich dämmere kurz (!) weg und als ich wieder wach werde, höre ich das Kind auf Französisch reden. Ich höre auch den Kv. Und vor allem höre ich, dass diese Unterhaltung auf Skype stattfindet. Für Skype braucht das Kind aber entweder sein Tablet, das aber in dem Zimmer ist, in dem ich mich gerade befinde, oder seinen Laptop****. Ich gehe über den Balkon, gucke ins Kinderzimmer, sehe das Kind vor seinem Laptop und …

… flippe aus. Ich frage ihn, was das soll und wer ihm erlaubt hätte, das Laptop zu nehmen. Und hui, seine Antwort ist mutig: „Ich hab mir erlaubt, das Tablet zu nehmen.“ Ich glaube, ich höre nicht recht und gehe erstmal wieder. Aber da das Kind keine Anstalten macht, aufzuhören, um die Situation mit mir zu klären, gehe ich nochmal in sein Zimmer, werfe ihm diversen Technikkram auf sein Sofabett und sage: „Mach, was Du willst.“ Ich bin echt sauer.

In der Küche werkelt der RB und bittet mich Pfefferminze zu holen. „Aber die machen wir extra. Das mag das Kind ja nicht so.“ „Ach, das geht in dem vielen Grünzeug, das schon drin ist eh unter.“ „Schon drin? Der Koriander etwa auch?!“ „Ja.“ „Ja?!“ … „Oh Mist, da habe ich gar nicht dran gedacht.“

Das Kind hat mittlerweile alle Technik ins Wohnzimmer gebracht und sich auf sein Bett verzogen. Er weiß, dass er Mist gebaut hat und ärgert sich über sich selbst. Ich weiß, dass er leidet. Ich kann ihn nicht auch noch hinsichtlich des Essens leiden lassen. Hecktisch zaubern wir noch Grillsteaks und Grillpommes aus den Vorräten. Wir essen zusammen. Der RB und ich eine wirklich leckere Joghurtsuppe:

Dann muss der RB arbeiten (online-Tasting) und das Kind und ich fahren mit den Rädern in den Park. Dort passen wir uns mit dem Rugbyball zu. Wir drehe noch eine Runde durch den Park*****, da fährt das Kind durch irgendwas und hat – tadaa – zwei Platten. Wir schieben nach Hause. Dort darf das Kind allein die Schläuche aus den Reifen holen. In beiden sind jeweils zwei kleine Schlitze. Die sind nicht mehr zu retten.

Ich bestelle neue Schläuche, lese dem Kind vor und beende den Abend mit dem RB auf der Couch.

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* Die Müllabfuhr zerrt die Mülltonnen übers Kopfteinpflaster im Innenhof.

** Noitz an mich: Diverses Saatgut entsorgen, das nicht angegangen ist.

*** Offiziell arbeitet er, inoffiziell nutzt er meine Abwesenheit im Wohnzimmer, um „seine“ Musik zu hören.

**** Seit gestern hat das Kind Technikverbot (nur Tablet reicht nicht).

***** Im Park sind viele Menschen. Immer in kleinen Grüppchen mit Abstand zu einander. Aber es ist auch Leben im Park. Das fühlt sich gut an. Ich mag es bei aller Vorsicht und Respekt vor dem Virus, dass das Leben wieder stattfindet. Und lieber draußen als drinnen.

Tag 90 seit der Abschottung

Tag 90 seit der Abschottung

Der Wecker soll um 10h00 klingeln, aber um 9h15 werde ich wach, weil die Blase es so will. Ich verscheuche das Kind vom Fernseher und lege mich nochmal hin. Um 10h00 will ich noch nicht aufstehen. Um 10h30 bringt mir das Kind Tee ans Bett um 11h00 werde ich wach und stehe auf. Hoch lebe der Feiertag. Der RB war schon Brötchen jagen. Etwas schwierig am Feiertag. Wir frühstücken. Dann wechseln das Kind und ich den Schlauch an seinem Vorderrad. Wir machen uns fertig für die Radtour (das Kind wollte unbedingt eine Radtour). Ein Glück, dass heute Feiertag ist, denn Sonntag fällt als Wandertag aus, da das Kind Geburtstag hat. (Und Samstag geht auch nur schlecht, denn da muss ich ja Geburtstagskuchen backen.) Der Himmel ist zwar ziemlich verhangen und auch recht dunkel, aber wir fahren dennoch los. Ich habe ja extra eine Tour mit Else geplant, die uns nicht am Main langführt. Das wäre zwar kürzer, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich danach in den Nachrichten stattfinde, ist zu hoch. Dafür ist der Main grundsätzlich und derzeit im Besonderen zu überlaufen. Da macht Fahrradfahren auch nur wenig Spaß. Dafür war die Route ohne Main erfreulich menschenarm (wenn auch nicht so menschenleer wie unsere Wanderrouten).

Und weil es so gut in die Route passt, fahren wir bei Jette und ihrer Familie vorbei. Also nicht nur vorbei, sondern wir sitzen mit ihnen zusammen auf der Terrasse, unterhalten uns und trinken Tee, Kaffee und Wasser und essen Kuchen. Das fühlte sich gar nicht komisch an, sondern war ziemlich schön (komisch ist bloß, dass wir uns nicht zur Begrüßung umarmen). So echte Menschen in Echt sehen. Danke, dass wir da sein durften! (Und der Kuchen war auch sehr lecker.) Gestärkt machen wir uns auf den Rückweg bzw. die zweite Hälfte unserer Tour.

Als wir in Offenbach kurz Halt machen und wir uns nicht entscheiden können, was wir essen wollen*, aber wenigstens können wir uns darauf einigen, dass wir nicht mehr mit den Rädern weiterfahren wollen und steigen nach 36 Kilometern auf den Rädern in den Bus. Und während wir im Bus noch überlegen, ob wir wirklich Pizza bestellen wollen, fahren wir am Weida vorbei, das auf dem Platz davor Tische stehen hat, die nicht dicht an dicht besetzt sind. Da wissen wir nicht nur, was wir essen wollen, sondern auch dass wir dafür – zum ersten Mal seit der Abschottung – rausgehen würden. Wir bringen die Räder nach Hause. Der RB macht sich frisch und geht Geld holen, ich gehe duschen. Das Kind muss (sic!) kurz daddeln. Wir treffen uns am Restaurant.

Das Kind darf früher nach Hause, der RB und ich genießen noch unser Schnäpsje und machen zwei Schlenker durchs Dorf. Ja, es ist viel los draußen, da wo die Leute sitzen dürfen. Aber es ist nicht dicht an dicht und ohne Rücksicht.

Zu Hause gibt es einen kleinen Eklat mit dem Kind**, in folgedessen ich eine schon mehrfach angedrohte Konsequenz*** wahr mache. Das Kind ist kurz etwas konsterniert darüber, aber ist letztlich froh drum, weil er eigentlich total müde und k.o. ist von Radtour. Er geht freiwillig Zähneputzen und dann lese ich ihm vor.

Seit 90 Tagen zähle ich die Abschottungstage. Begonnen habe ich am 14. März, da war ich schon 2 Wochen im HomeOffice, am 13. März wurde bekannt gegeben, dass die Schulen ab 15.3. geschlossen werden. Seitdem war ich – mit heute – nur dreimal zum Vergnügen**** unter bzw. bei Menschen. Uff. Vielleicht müssen und sollten wir den Sommer einfach genießen. Die nächste Welle kommt bestimmt.

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* An Ausflugtagen haben wir ja bislang in der Regel bestellt, damit keine von uns mehr kochen muss.

** Das Kind hatte, als es nach Hause kam, schnell seine Schuhe abgestreift und einfach mittendrin stehen lassen. Zudem ging bei ihm die Klospülung nicht, obwohl er sie – gaaaaaanz sicher – gedrückt hatte.

*** Da das „vergessene“ Spülen immer wieder ein Thema ist, habe ich ihm schon mehrfach gesagt, dass er Tabletverbot bekommt, wenn das vorkommt, aber bislang nicht durchgezogen. Diesmal nahm ich im das Tablet direkt weg und ich weiß noch nicht, wann er es wiederbekommt. (Und ja, es hat unmittelbar mit dem Tablet zu tun. Denn immer, wenn er an dem Ding hängt, werden Toilettengänge schnellschnell und auch nur auf dem letzten Drücker unternommen. Dabei vergisst er gerne mal die Spülung.)

**** Einkaufen ging und gehe ich ja weiterhin.

Abschottung, Tag 78

Abschottung, Tag 78

Der RB und der Junior RB lassen mich ausschlafen. Um 10h45 wache ich auf. Tee ist fast fertig und dann frühstücken wir. Gestärkt übe ich mich in Bondage sichere ich das Paket, das die Freundin in Belgien mit Sommerklamotten versorgen soll, mit viel Pakettesa.

Weil ich doch nicht mit dem RB mitfahre, um zum Markt zu kommen, verheddere ich mich etwas in der Geburtstagsgeschenkbestellung fürs Kind. Glücklicherweise, denn so bin ich noch zu Hause, als die SMS vom Radladen kommt, dass mein Rad inspiziert und repariert ist. Yeah!

Ich mache mich fertig, nehme Helm und Schloss mit und gehe zum Radladen. Die Werkstattschlange ist erfreulicherweise nicht sehr lang und schnell habe ich mein Rad wieder. Yeah!

Auf dem Rad fahre ich zum Markt. Unterwegs will ich noch Geld abheben – auf dem Markt geht ja nur Bargeld -, aber die Automaten sind leer. Ich fahre trotzdem zum Markt. Ich will ja nur zum Metzger.

Als ich dran bin, leite ich ein: „Ich habe ein Problem. Der Geldautomat unterwegs war leer und jetzt habe ich kein Bargeld. Bekomme ich trotzdem was und kann es nächste Wiche bezahlen?“ „Kein Problem. Wir kennen Sie ja.“

Mit Uffschnitt und Grillfleisch radel ich wieder heim.

Das Kind und ich essen Erdbeeren und telefonieren mit meiner Mutter. Gegen 18h00 scheuche ich das Kind auf, dass wir doch noch mal nach besseren Wanderschuhen für ihn gucken sollten. Als wir losgehen, kommt der RB gerade wieder.

Vor dem Schuhladen ist eine ziemliche Schlange. Es dürfen nur 18 Menschen in den Laden und anscheinend bietet sich Samstagabend 30 Minuten vor Geschäftsschluss bestens für Familienausflüge* in Schuhläden an. Wir haben Glück: erstens dürfen wir um 18h35 noch rein und zweitens finden wir ein paar Wanderschuhe (und ein Paar Halbsandalen**) fürs Kind.

Wieder zu Hause kümmern wir uns ums Abendessen (der RB und ich) und Balkongießen (das Kind). Dann Essen und bevor wir unsere Kinoabendreihe „Filmklassiker füts Kind“*** beginnen, setze ich noch schnell Krautsalat an****.

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* Ja, wir sind auch eine Kleinstfamilie. Aber halt nicht Mutter, Vater Kind(er) und Säugling, der als Mensch zählt.

** Keine richtige Sandalen, eher so eine Art Trekkingsandale, aber vorne geschlossen

*** Heute „Blues Brothers“, den auch ich zum ersten Mal sehe.

**** Ob der Menge werden wir die nächsten 10 Tage Krautsalat essen (müssen).

Abschottung, Tag 75

Abschottung, Tag 75

Eigentlich müsste ich den heutigen Tag aus der Zählung rausnehmen. Heute war ich nicht abgeschottet. Ich habe nur kurz gearbeitet. Bis 14h00. Dann fuhr ich mit dem RB los gen Offenbach. Er musste zum Laden und ich hatte – tadaa – einen Friseurtermin. Dort war ich über zwei Stunden. Mit Mundschutz. Und alle um mich rum auch mit Mundschutz – mehr oder weniger korrekt getragen. Das fühlte sich alles gar nicht so komisch an, wie befürchtet. Es tat gut, betüddelt zu werden. Und es tat sehrsehr gut, dass der Mopp endlich vom Kopf ist.

Danach wollte ich mich eigentlich nur kurz dem RB zeigen. Außerdem hatte ich Durst und ich wollte nicht in irgendeinen Laden. Also ging wieder zum Laden. Doch dann kam die eine Freundin vorbei und wir quatschten zu dritt. Von einem Freund führte der Rückweg von der Arbeit an uns vorbei und wir quatschten zu viert weiter (bzw. zu dritt, der RB musste zwischendurch auch mal arbeiten). Irgendwann meldete sich das Kind vom Rugby zurück und wir fassten einen Pizzabeschluss. Es kam fast zu einem Eklat zwischen dem Kind und mir, aber dann fand ich doch online die Speisekarte vom Pizzamensch unserer Wahl. Als der RB und ich fahren wollten, kam

der dritte Mensch vorbei, mit dem wir befreundet sind.

Es tat so gut, mit den Leuten zu quatschen, sie zu sehen. Aber gleichzeitig fühlte es sich so falsch und komisch an, die Leute nicht zur Begrüßung umarmen zu können. Nicht nah beieinander stehen zu dürfen. Weird world.

Auf dem Rückweg holten der RB und ich die vorbestellten Sachen beim Pizzamensch ab.

Nach dem Essen war ich auf einmal total fertig. Sicherlich spielte die kurze Nacht mit rein, aber mich hatten diese 6 Stunden außerhalb der Wohnung in der Zivilisation mit wechselnden Menschen und Eindrücken echt schwer gefordert. Das musste ich erstmal verarbeiten. Anderthalb Stunden schlief ich, dann konnte ich die Dringlichkeit des einen Projekts* nicht mehr ignorieren und setze mich nochmal an den Rechner, um es fertig zu machen. Es wurde sehr spät. Sehrsehr spät.

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* Extra-Auftrag

Abschottung, Tag 65

Abschottung, Tag 65

Seit letzter Woche besteht ein Wanderbeschluss für heute, naja, für dieses Wochenende, aber da wir gestern nicht konnten, weil wir ausschlafen und einkaufen mussten und auch sonst keine Lust auf Hetzerei hatten, also heute. Gestern hatte ich vorgegeben, dass wir um 12h00 losfahren.

Der RB und das Kind sind schon wach. Ich bekomme einen Tee ans Bett gebracht. Es wird versucht zu kuscheln, aber besser wir stehen auf und frühstücken. Ausreichend. Dann darf das Kind Maus gucken, damit es uns nicht um die Füße wuselt, während wir das Proviant in die Rucksäcke verteilen. 12h30 fahren wir los. Das Kind nölt schon die ganze Zeit, dass er keine Lust habe. Und auch wenn er jetzt wieder Training im Rugby-Club hat (so richtiges Rugbytraining ist es ja nicht), ist das trotzdem nicht genug Bewegung. Einmal pro Woche gehen wir zusammen raus. Basta. Wir fahren mit dem Auto nach Büdingen. Ich war noch nie in Büdingen. Ich mag Covid19 unter diesem Aspekt: Wir lernen echt viel von der Gegend kennen. Ich liebe ja auch diese hr-Sendungen, in denen immer die 10 irgendwas in Hessen vorgestellt werden. Wenn dieses Bundesland Meer hätte, wäre es perfekt, aber auch so denke ich, dass ich hier problemlos ein Jahr lang Urlaub machen kann.

In Büdingen finden wir direkt einen Parkplatz und ich denke: Ach, durchaus pittoresk, das Städtchen.

Aber wir sind nicht zum Sightseeing hier, sondern zum Wandern. Erste Empfehlung von Else: Der wilde Stein.

Während das Gekraxel über den Wilden Stein für das Kind noch ok ist, fängt beim nachfolgenden leichten Aufstieg das Genöle vom Kind wieder an. Die Schuhe sind zu warm, der Weg zu uneben, die Sonne zu heiß und überhaupt hat er ja gar keine Lust gehabt, mit uns mitzugehen. Nach noch nicht einmal einem Kilometer insgesamt, denken wir leider nicht nur an das gestrige Geburtstagskind, …

… sondern mir platzt auch der Kragen: Ich habe keine Lust, mir die Wanderung vom Kind vermiesen zu lassen. Ich gebe ihm sehr laut zu verstehen, dass er zurück zum Auto gehen und da auf uns warten soll. Als er nicht umdrehen will, drehe ich um und stapfe wütend von dannen. Das Kind heult, der RB kommentiert. Ist mir egal. Ich gehe jetzt. Ich berate mich mit Else und biege auf den Parallelweg zur eigentlichen Route ein. Wütend stapfe ich mit 7 km/h vor mich hin. Nach 500 Metern höre ich das Kind hinter mir heulen. Er entschuldigt sich weinend. Ich bin immer noch wütend und schicke ihn zurück. Er geht nicht und weint weiter. Ich herrsche ihn sehr unpädagogisch an, dass er aufhören soll zu plärren. Ich merke, wie mein Ärger ganz langsam verraucht, gehe aber langsam weiter. Vom RB weit und breit nichts zu sehen. Ich bin gerade dabei, das Kind retour zu schicken, um den RB zu suchen, da kommt dieser aus den Wiesen. Also stapfe ich weiter die 8%ige Steigung vor uns in einem Affentempo hoch. Dann habe ich aber auch keine Energie mehr wütend zu sein und wir können unsere Wanderung fortsetzen. Die restlichen 13 Kilometer sind wirklich gut.

(Nicht im Bild: Die Rehe, die unseren Weg kreuzten. Als ich sie sah, legte ich dem Kind die Hand auf den Mund, machte „psst“. Aber es nützte nichts, dass er sich nicht doch erschreckte und aufkiekste.)

Natürlich darf das Kind mal jammern, wenn es steil ist und immer nur bergauf geht. Und ich nehme ihm dann auch den Rucksack ab, damit er den nicht auch noch schleppen muss. Aus der letzten Wanderung hatten wir gelernt und genug Proviant eingepackt: Bei Kilometer 6 gibt es daher eine Kuchenpause und am Büdinger Steinbruch freuen wir uns über unsere Burger. Die allerletzten Kilometer sind wie immer etwas mühsam für uns alle und es tut gut, als wir im Auto sitzen.

Da wir nach dem Wandern nicht mehr kochen wollen, überlegen wir auf der Rückfahrt, was wir bestellen. Das Kind möchte Sushi. Ich bin unentschlossen. Dem RB ist nach Lasagne. Zu Hause bestelle ich Sushi für das Kind und mich. Der RB bleibt ohne Lasagne, weil der Italienener seines Vertrauens sonntags Ruhetag hat. Nach einem lärischen Moment seinerseits, den ich nutze, um das Sushi zu holen, geht er auch schnell, um sich was zu essen zu besorgen. Ein Hoch auf die Großstadt.

Das Kind muss heute mal früher ins Bett, da er morgen um 8h00 Hyrax und Brackets entfernt bekommen soll.