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Kategorie: Die Buckligen

Halber Tritt

Halber Tritt

Lockdown, Tag 20

Uarg, bin ich gerädert. Die Gurkerei gestern war durchaus anstrengend, obwohl der RB wenigstens die Rückfahrt bestritten hat.

Gut, dass diese Woche smooth anfängt. Ich musste noch Urlaub aus 2020 abbauen und habe 4 halbe Tage auf Montag bis Donnerstag gelegt. Freitag ist ja frei (mal sehen ob wirklich). So fange ich die Tage erst um 11h00 an und kann gegen 15h30 den Rechner zuklappen.

Ich komme heute aber nicht in den Tritt. Es wäre schon gut gewesen, wenn ich meiner Mutter vor und/oder über Weihnachten beim Packen geholfen hätte und halt nicht auf dem letzten Drücker. Das Wochenende fehlt mir tatsächlich zum Urlaubsabschluss. Außerdem müsste ich mich dann nicht um die Entrümpelung parallel zum Arbeiten kümmern.

Nun denn, es ist wie es ist.

1.900/6

1.900/6

Lockdown, Tag 19

Mit heute bin ich binnen sechs Tagen rund 1.900 Kilometer gefahren, also an drei Tagen jeweils 600 und ein paar Kilometer – 315 hin und eben wieder zurück. Nicht nur die Pandemie, sondern auch die Situation bei meinen Eltern machten es unmöglich über Nacht zu bleiben. Außerdem war stellte sich ja erst bei Besuch 1 raus, dass 2 nötig sei und bei 2, dass ich noch ein 3. Mal kommen müsste. Heute dann mit dem RB.

Die Wohnung war leerer als vorgestern. Einiges ist gestern schon zusammen mit meinen Eltern umgezogen*. Dennoch ist noch viel da und es musste auch noch einiges verträumt oder entsorgt werden.

Systematisch ging ich Zimmer für Zimmer durch. Der RB entsorgte fleißig. Irgendwann kamen A und J, um 8 Meter Regal mitzunehmen. Sie nahmen auch die Wohnung ob Vermietbarkeit in Augenschein. Der RB und ich nahmen Keller und Garage in Augenschein.

Das ist eine 8“-Diskette

Mein Entrümpelungsunternehmen-Beschluss erhärtete sich.

Kurze Begegnung der absurden Art: Ein irgendwie zur Verwandtschaft gehörender Bekannter** meiner Eltern, ebenfalls mit Schlüssel für die Wohnung ausgestattet, kam vorbei. Da waren der RB und ich gerade an der Garage. So traf er zunächst A und J in der Wohnung an. Uns erst an der Garage. Aus irgendwelchen Gründen stellte er sich vor und fragte: „Was macht ihr denn hier?“ Was ist das für eine absurde Frage? Tja, was machen wir an einem Sonntag inmitten der Pandemie in Bielefeld während meine Eltern schon, aber die meisten Möbel und Kisten noch nicht umgezogen sind?!***

Das Kind war übrigens nicht mit. Der genoss sturmfrei und übte sich in „Kevin allein zu Haus“. Er rief an, als er wach wurde (9h30, da waren wir schon kurz vor Kassel), als er Internet bzw. Freischaltung von Switch und Tablet brauchte, versorgte die Nachbarinnen mit Lorbeerblättern, machte Kassiopeia rechtzeitig an und zockte sich durch den Tag. Abends brauchte er dann aber doch eine Extra-Kuscheleinheit.

Morgen werde ich dann ein paar Dinge anleihern (Entrümpelung, Parkettaufbereitung) und dann wird sich zeigen, wann ich nochmal nach Bielefeld fahren muss.

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* Unterstützt von meinen Brüdern. Ich sage jetzt nichts dazu, wie bekloppt ich es finde, dass der eine aus der Schweiz kommt und vermutlich sämtliche Quarantäneregeln ignorieren wird****.

** angeheiratet

*** Spaziergang im Schneeregen? Uns wundern, dass meine Eltern nicht da sind? Die Wohnung ausräumen?

**** Jaja, ich weiß es nicht.

Frohes …

Frohes …

… Schaffen.

Als ich am Dienstag von meinen Eltern wegfuhr, war klar: Da ist noch viel zu viel zu tun. Das schafft meine Mutter niemals bis Samstag. Wir vereinbarten, dass ich heute wiederkommen werde. Gut, dass ich Silvester schon immer nicht so wichtig fand. Wir vereinbarten auch, dass es doch ok ist, wenn das Kind mitkäme, um Oma und Opa nochmal* zu sehen.

Also fuhren das Kind und ich heute morgen um 8h00 los und kamen bestens durch. Soo leer habe ich die A5/A7 noch nie erlebt. Zeitweise waren wir das einzige Auto auf der Bahn – inmitten des Winterwinderlands.

Bei meinen Eltern hatte ich den Eindruck, dass seit Dienstag nicht viel passiert ist. Meine Mutter tigerte kopflos durch die Wohnung und war alles andere als strukturiert. Sie war aber auch erstmal nicht zugänglich für Strukturierungsvorschläge und so kümmerte ich mich um die Küche – bis auf Geschirr, das wird vom Umzugsunternehmen verpackt, und Dingen, die meine Eltern noch bis morgen Vormittag brauchen. Dabei sortierte ich sehr kräftig aus**. Trotzdem muss meine Mutter mit ihren Vorräten nach dem Umzug erstmal nicht mehr einkaufen – so für 3-4 Wochen.

Hihi, DAS musste ich dem RB mitbringen.***

Das Kind half hier und da, aber vor allem kümmerte er sich um Opa. Spielte mit ihm Mau-Mau.

Irgendwann ließ meine Mutter zu, dass ich etwas mehr Struktur in das Kistenchaos bringen durfte. Und so wurden auch wieder Wege frei. Uff.

Kurz bevor wir wieder fahren wollten, war klar, dass meine Mutter es nicht mehr schaffen würde, die Wohnung morgen so zu hinterlassen, dass die Möbelpacker ohne weitere Anweisung aktiv sein können. „Sehen wir der Realität ins Auge, H.“, stieg ich direkt ein, „Du wirst bist morgen nicht mehr viel schaffen.“ „Vermutlich nicht“, antwortete meine Mutter etwas kläglich. „Du musst Dich jetzt auf das konzentrieren, was wichtig ist: Du packst noch die Sachen, die morgen unbedingt mitgenommen werden müssen. Und um den Rest kümmer ich mich. Ich komme am Sonntag nochmal her und dann mache ich alles fertig, damit die Möbelpacker problemlos arbeiten können.“ Meine Mutter war zu dem Zeitpunkt schon so durch, dass sie meine klare Ansage widerspruchslos akzeptierte.

Mit gemischten Gefühlen fuhren wir nach Hause:

  • Für das Kind war es schön, Oma und Opa gesehen zu haben. Aber er hat sehr darunter gelitten, sie nicht umarmen zu können.
  • Ich bin etwas genervt, weil meine Mutter mir erst am 27.12. Bescheid gegeben hat, dass sie umziehen. Ich hatte schon in der Woche davor Urlaub und an #NixMas hätte ich auch Kisten packen können.
  • Zwischenzeitlich war ich sehr frustriert darüber, dass meine Eltern nach Lüneburg ziehen. Zum einen, weil es so viel weiter weg ist und zum anderen weil es „feindliches Territorium“ (danke M. für die Beschreibung) ist. Aber ich gönne ihnen den Neuanfang und ich gönne ihnen auch, dass sie nun ganz nah bei einem ihrer Kinder wohnen.
  • Hoffentlich geht morgen alles gut. Hoffentlich übersteht mein Vater die Fahrt gut. (Warum geht auf einmal eine 2-Stunden-Fahrt nach Lüneburg, aber 20 Minuten in die Nachbarstadt zu dem Schlaganfallexperten waren nie möglich.)

Zudem hatten wir Erbstücke Schätze im Gepäck (ein Hoch auf das Auto vom RB):

Ich war durchaus gerührt (und auch ein bisschen versöhnt), dass meine Eltern mir das Besteckset und auch den Schreibtisch (beide von meinem Vater) angeboten haben. Dazu habe ich noch ganz viele Flaschen alkoholische Getränke mitgenommen, die der RB via WhatsApp auswählte.

Die Rückfahrt verlief auch erfreulich unspektakulär – abgesehen davon, dass das Navi ab Kirchheimer Dreieck komische Ideen hatte (via A7 und A66 nach Frankfurt), die sehr zur Belustigung vom Kind und mir beitrugen.

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* Das klingt ein bisschen final. Aber es wird mit dem Umzug und besteheder Pandemie durchaus unmöglich sie zu besuchen, denn: Zum Autofahren ist es für einen Tagestrip zu weit, Übernachtungen**** sind aber – wegen Pandemie – nicht möglich. Zugfahren ginge für einen Tagestrip, aber ich fahre während der Pandemie nicht Zug.

**Aaarghs, ich habe diverse Gewürze und andere Lebensmittel mit schon lange abgelaufenen MHD***** gefunden und entsorgt. Auch unbeschriftete selbstgemachte Marmeladen mussten weg.

*** Der RB kommt aus dem Saarland. Und im Saarland nutzt einen Maggi (flüssig) oder halt Fondor. Und in einem Maggi-Flüssig-Haushalt gibt es kein Fondor und umgekehrt. Der RB kommt aus einem Maggi-Haushalt – findet das Zeug allerdings – glücklicherweise – grauslich.

**** Ich möchte auch nicht in Lüneburg übernachten. Aber dazu haben der RB und ich ja schon eruiert, dass wir dann einen Besuch bei meinen Eltern mit einem Hamburg-Trip verbinden können.

***** Jaha, ich weiß, dass MHD nicht bedeutet, dass das Lebensmittel sofort nicht mehr essbar ist, aber Gewürze schmecken sicherlich nicht mehr so gut, wenn ihr MHD seit 2014 abgelaufen ist und Trockenhefe funktioniert irgendwann auch nicht mehr, wenn sie zu halt ist.

Aufräumkommando

Aufräumkommando

#ClosedAdvent (29) // Lockdown, Tag 14

Was für ein Mist: Trotz früh im Bett konnte ich bis 3h00 nicht richtig einschlafen. Mir schwante schon Schlimmes für den heutigen Tag, denn der Wecker ging um 6h20. Ich war erstaunlich fit, saß um 7h20 im Auto und war nach unspektakulärer Fahrt um 10h25 bei meinen Eltern.

Kurzes Hallo, keine Umarmung, Maske. Ich verschwand im Arbeitszimmer, packte Kisten, rangierte Möbel und fand Dinge* wieder:

Am Ende des Tages war das Zimmer soweit geordnet, dass die Möbelpacker problemlos alles rausräumen können, was sie rausräumen sollen.

Am Anfang hätte ich gerne einfach eine Mulde gehabt, um Dinge, insbesondere Papier, wegzuschmeißen. Ich habe gefühlt tausend Standordner in der Hand gehabt und davon wenigstens die Hälfte geleert. Ich habe noch mehr Bücher in der Hand gehabt, die teilweise älter als ich sind. Alle Fachbücher meiner Eltern werden erstmal eingelagert. Was nicht eingelagert wird, sind die Bücher meines Vaters, also Bücher, die er geschrieben oder herausgegeben hat oder ein Kapitel beigetragen hat. Und uff, schon bei der Dissertationsschrift hatte ich einen Kloß im Hals und ein Tränchen im Auge. Aber bei einem anderen Buch – ich musste gucken, ob er einen Beitrag darin hatte – hat es mich zerrissen:

aus: Thomas Eckert (Hrsg.). Übergänge im Bildungswesen. Waxmann, 2007

Mein Vater ist Erziehungswissenschaftler und brannte für die Themen Lernchancen und Interessenforschung. Gerade auch welchen Beitrag die schulische Bildung auf das MINT-Interesse hat. Wobei er eigentlich eher den M-I-T-Part betrachtete. Zu den „klassischen“ Naturwissenschaften Biologie und Chemie (und Ableger) hatte er keinen direkten Draht. Aber er fand es sehr faszinierend, dass ich Biochemie studiert habe – obwohl ich Chemie ganz bewusst zur Oberstufe hin abgewählt hatte. Er hat mein Studium sehr interessiert verfolgt und wollte damals auch unbedingt meine Diplomarbeit lesen, obwohl er nichts davon verstanden hat.
Daher kann ich diesen Text durchaus als Widmung an mich verstehen. Und da musste ich zwischen all den Kisten und Regalen sehr weinen. Weinen, weil mir (mal wieder) bewusst wurde, wie sehr mein Vater mich liebt und wie sehr er meinen eigenen Weg gutheißt. Aber ich musste auch weinen, weil mit auf einmal sehr heftig und schmerzlich bewusst wurde, dass all sein Wissen, seine Leidenschaft für seine Themen diesem verfickten Schlaganfall zum Opfer gefallen ist. Dass das alles – ganz realistisch – nie wiederkommen wird. Dass er seine Arbeit nicht beenden durfte. (Und während ich das so schreibe, meldet sich in mir wieder der Wunsch, Pädagogik zu studieren. Ja, auch mit dem Gadanken, das Erbe meines Vaters fortzusetzen.)

Ein Glück, dass ich alleine im Arbeitszimmer werkelte, damit wir so viel Abstand wie möglich zueinander einhalten können. So musste ich mit meiner Mutter nicht über meine Tränen sprechen. Außerdem war ich so schon ausgeweint, als sie in einer Unterhaltung über die vielen einzulagernden Bücher sagte: „Weißt du, B., das kann ich nicht so einfach entsorgen. Das ist unser Leben.“

Als ich mit dem Arbeitszimmer fertig war, begingen wir noch ich noch die Garage und den Keller des Grauens. Ich werde mich um die Leerung dieser beiden Räume kümmern, wenn meine Eltern ausgezogen sind und das Umzugsunternehmen da war. Außerdem werde ich am 1.1. nochmal hinfahren** und meiner Mutter dabei helfen, den Rest der Wohnung so zu sortieren, dass das Umzugsunternehmen auch ohne ihr Beisein agieren kann.

Dann fuhr ich nach Hause, was trotz dem kurzen Schlaf und dem vielen Werkeln recht gut ging. Wohlbehalten kam ich um 15 Stunden nach Abfahrt wieder zu Hause an. Da war es ganz schön, mit der Twitterkneipe runterzukommen***, zu quatschen und zu lachen.

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* Auch ein Eisernes Kreuz von 1939, dessen originäre Besitzer sicherlich nicht mein Vater ist und ich noch eruieren muss, warum er es hat.

** Dann wird auch das Kind mitkommen, damit er Oma und Opa nochmal sieht, bevor es nach dem Umzug noch schwerer wird.

*** Wo sie mich doch eh schon über Tag „begleiten“ mussten durften.

#NixMas deluxe

#NixMas deluxe

#ClosedAdvent (24) // Lockdown, Tag 9

Das Kind musste heute noch einkaufen: Batterien für das Lego-Set. Und damit sich der Weg lohnt, sollte er noch Eier mitbringen. Hihi, wir können jetzt auch Ostern feiern, denn er hat 20 Eier mitgebracht.

Er brachte also R2D2 zum Laufen.

Den Nachmittag verbrachten draußen – der RB und ich spazierengehend, das Kind im Park – und Möbel aufbauend, denn das IKEA-Paket kam doch noch gestern Abend. So konnte der RB mein Weihnachtsgeschenk umsetzen: Sich ein Musikzimmer ein- und so die Schallplatten aus dem Wohnzimmer rauszuräumen.

Die Weihnachtselfe freut sich über das sich leerende Wohnzimmer

Wir telefonierten kurz mit meiner Mutter. Achach, sie findet meine schwarzen Haare nicht gut und meinem Vater geht es nicht gut. Insgesamt war die Stimmung nur semi. Aber der RB und ich mussten los, um das Essen zu holen.

Boah, war das eine gute Entscheidung, dass wir die örtliche Gastro supporten und uns bekochen lassen.

Das war insgesamt ein schöner und entspannter Tag. Für uns war es genau richtig, dass wir keinen Baum hatten und auch keine Bescherung gemacht haben. Es war schön, wie die CorotäneKneipistinnen sich uber den Tag begleitet haben: Bäume wurden gezeigt, sich zugeprostet, unterstützt beim Familie ertragen oder vermissen.

Eine neue Tradition?

Eine neue Tradition?

#ClosedAdvent (21) // Lockdown, Tag 6

Jaja, hier ist #NixMas. Das heißt aber nicht, dass das Kind keine Weihnachtsgeschenke bekommt. Die deutsche und die französische Oma haben nach Geschenken gefragt. Das Kind hat beiden Dasselbe genannt. Joah. Die französische Oma war schneller (und ich habe glücklicherweise das Päckchen geöffnet). Nun schenkt die deutsche Oma das große Geschenk, das ich ihm sonst geschenkt hätte. Passt schon.

#NixMas heißt aber, dass wir keinen Baum haben (werden) und dass es auch sonst kein typisches Höllisch-Abend-Zinnober geben wird. Insbesondere KEINE Bescherung. Dem Kind bekommt die Aufregung der Bescherung nicht. Außerdem schenken wir Erwachsenen uns ja nichts, also wäre es nur ein Haufen* Geschenke fürs Kind, von dem das Kind völlig überfordert ist. Also habe ich mir überlegt, wie ich die Geschenke ans Kind bekomme, sodass er jedes ausreichend würdigen kann, ohne auf das eine Gewünschte zu jiepern.

Also entzerren wir das Geschenkechaos: Ich habe die Geschenke durchnummeriert und Lose erstellt. Jeden Tag darf er ein oder zwei Lose ziehen und sich über die Geschenke freuen. Gestern haben wir bereits angefangen**. Heute kamen noch zwei Geschenke und so sind wir mittlerweile schon bei Nummer 14***.

Das Kind findet das Vorgehen gut und meinte schon, dass wir das gerne so immer machen können. Und mit den vielen Geschenken können wir das Spielchen bis Silvester durchziehen.

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* und dieses Jahr recht groß, da die französische Verwandtschaft Geschenke geschickt hat.

** DAS Geschenk ist vorerst nicht im Lostopf. Ich weiß noch nicht, wann ich das Los dazugebe.

*** Es kommt wohl noch ein Geschenk vom RB dazu und ich warte auch noch auf eine Lieferung.

Familie

Familie

#ClosedAdvent (8)

Ich habe zwei Brüder und drei Nichten und zwei Neffen*. Dazu noch drei Tanten und einen Onkel – jeweils mit PartnerIn -, zwei Cousinen, vier Cousins. Meine Großeltern auf beiden Seiten sind schon eine Weile tot**. Es gibt noch über meinen Großvater eingeheiratete „Onkel“ und „Tanten“, aber zu denen bestand eigentlich nur Kontakt auf Familienfeiern, die meine Großeltern iniitert haben. Allerdings besteht auch zu meinen anderen Verwandten kein Kontakt mehr – abgesehen von losen Kontakten mit einer Nichte und einer Tante.

Ich bin kein Familienmensch. Ich fand schon immer das Narrativ „Blut ist dicker als Wasser“ schwierig, ebenso das Konstrukt, dass Familie ein besonderes Band sei. Nur weil ich mir mit ein paar Menschen zufällig ein paar Chromosomen „teile“, muss ich mich nicht automatisch mit ihnen verstehen.

Während ich mich lange wirklich gut mit meinen Brüder verstanden habe, hatte ich mit einen Großteil meiner Tanten und Onkels schon immer keinen wirklichen Vertrag. Und mit meinen Cousinen und Cousins schon mal gar nicht. Die sind – bis auf einen – so viel jünger als ich, dass wir einfach keine Beziehung zueinander haben. Und das ist auch schon ein Kernproblem: Auf Familienfeiern war ich immer die einzige in meinem Alter und allein auf weiter Flur. Das war auf Familienfeiern mit Oma und Opa immer besonders schlimm. Da konnte ich mit niemandem spielen. Dazu kam, dass meine Eltern keinen Wert darauf legten, dass ich irgendwie niedlich und mädchenhaft unterwegs sein musste. Aber mit der kleinen Draufgängerin konnte keine was anfangen. Das war einzig bei meinen Großeltern anders – insbesondere mit meiner Großmutter. Sie hat mich immer so genommen, wie ich war. Mich bestärkt und stets für voll genommen. Die Familienfeiern bei ihnen waren zwar auch nicht optimal für mich, aber dennoch erträglicher. Zu meinen Großeltern bin ich auch immer wieder in den Ferien gefahren.

Ich bin ich froh, dass diese Familienfeiern nicht mehr stattfinden. Die letzte große war die Hochzeit meines jüngeren Bruders. Und uff, ich wusste danach wieder, warum ich keinen Kontakt zur Verwandtschaft pflege.

Mittlerweile habe ich ja auch keinen Kontakt mehr zu meinen Brüdern. Dadurch ist auch dieses elende „wenigstens zu Weihnachten sehen wir uns alle“ weggefallen. Das war nämlich in der Regel stressiger als schön.

Ich vermisse nichts.

Möglicherweise habe ich ein Eremiten-Gen von meinem Vater geerbt, denn ich kann ganz gut ohne Menschen um mich rum sein. Ehrlich gesagt können mir Menschen, wenn ich die Zeitspanne der Nähe nicht abschätzen kann, auch schnell zu viel werden. Dabei würde ich noch nicht einmal sagen, dass ich Menschen nicht mag. Ich bin auch gerne unter Menschen. Aber ich mag es eben auch sehr, allein zu sein. Und unter diesem Gesichtspunkt frage ich mich manchmal echt, wie sinnvoll es war, ein Kind zu bekommen. Aus der Familiennummer komme ich wohl erstmal nicht mehr raus.

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* Das ist zumindest mein letzter Stand.

** Ich habe die Todesdaten nicht aktiv abgespeichert.

Wieder da

Wieder da

Zweite Welle: Tag 97

Eine Woche, nachdem mein Vater ins Krankenhaus musste, ist er heute wieder nach Hause gekommen. Das ist gut. Gut ist auch, dass der Grund für seine Einlieferung erfolgreich behandelt werden konnte. Nicht so gut, wenn auch aus Pandemiesicht verständlich, war, dass meine Mutter gar nicht zu ihm durfte. Dass mein Vater, aus personeller Sicht auch verständlich, nicht ausreichend Ansprache, Beschäftigung bekam und wohl gar nicht mobilisiert wurde.

Nein, krank zu werden ist während der Pandemie nicht lustig. Besuche bei Ärztinnen möchte eine derzeit ja auf das absolut nötige Minimum.

Aber als Mensch, der auf Hilfe angewiesen ist, alleine krank im Krankenhaus sein zu müssen, das wünsche ich keiner.

Geburtstage

Geburtstage

Zweite Welle: Tag 85

Meine Mutter hat am 15., der RB hat am 19.10. und mein Vater hat eben heute Geburtstag.

Wegen des nahenden Geburtstags vom RB und des unerwarteten Arbeitspensums war ich Anfang der Woche zu verpeilt, um das Geschenk für meine Eltern so auf den Weg zu bringen, damit es pünktlich zum Geburtstag meiner Mutter da ist.

Wenigstens kam das Paket heute an.

Schön war, dass sie so Kuchen zum Tee hatten, als wir am Nachmittag per Skype gratulierten.

Schön war auch zu sehen, dass mein Vater recht gut drauf war. Teilnahm, antwortete.

Ach, möge es für ihn noch weiter aufwärts gehen und besser werden.

Aufschieberitis

Aufschieberitis

Zweite Welle: Tag 59

Eigentlich mache ich ja Steuererklärungen ganz gerne. Zumindest habe ich sie 15 Jahre lang sehr gerne gemacht. Es fing damit an, dass es meinem Vater sehr wichtig war, dass ich weiß, wie eine Steuererklärung gemacht wird. Und nicht nur dass ich das grundlegende Prozedere kennen sollte, sondern auch noch diverse Tricks und Kniffe.*

Als ich mit der Selbstständigkeit anfing war ich einmal beim Steuerberater. Und später noch einmal.** Ansonsten habe ich mich komplett alleine um meine Steuer gekümmert. Als Freiberuflerin ist es auch nicht so schwierig. Umsatzsteuer-Voranmeldung ist kein Hexenwerk, wenn eine keine Gewerbekacke am Hacken hat. Gut, die Sache mit der Lohnsteuervorauszahlung hätte mich fast die Existenz gekostet, aber auch das ließ sich regeln. Die Steuererklärungen gingen aber recht problemlos von der Hand. Wenn ich mich denn endlich mal dran gesetzt hatte.*** In jedem Jahr allerdings immer erst, wenn das Finanzamt mich schon liebevoll erinnert hatte. So auch in diesem Jahr. Und ich weiß auch schon warum… dieses Jahr – alsp für 2019 – muss ich erstmals nachzahlen. Das war leider zu erwarten, weil ich am Ende des Jahres nochmal einen Batze extra verdient hatte. Tjanun, wenn eine nicht genug Ausgaben hat und zudem aus Steuerklasse 2 rausrutscht. Naja, jetzt ist es gemacht.

Gemacht hat auch das Kind heute was, was er vor sich hergeschoben hat ihm schwer auf der Seele lag. Seit Tagen (oder Wochen?) geht er nicht ans Telefon, wenn eine französische Vorwahl zu sehen ist. Egal, ob es der Kv oder die Großeltern sind, er möchte nicht mit ihnen sprechen. Also mit den Großeltern will er schon telefonieren, aber er hat Angst davor und keine Lust, dass sie ihn bedrängen, ob bzw. wann er das nächste Mal nach Frankreich kommt. Denn er will nicht nach Frankreich. Er will vor allen Dingen nicht zum Kv. Zumindest hat er sich heute ein Herz gefasst und wollte anrufen. Als es allerdings zeitlich passte, sagte er beim Blick auf die Uhr: „Jetzt guckt Papy immer seine Sendung****.“ Ja und?! „Dabei will er nicht gestört werden.“ Bitte? „Er hat gesagt, wenn er dabei gestört wird, wird er sehr böse.“ „Mein lieber Sohn, wenn Du Deine Großeltern anrufen willst, dann ruf sie an. Wenn sie nicht drangehen, weil ihnen der Fernseher wichtig ist, ist das ihr Problem. Aber die rufen ja auch an, wann es ihnen gerade passt und überlegen nicht, ob Du gerade in der Schule bist oder bei Rugbytraining.“ Ich glaube echt, es hackt. Ich bekomme echt die Motten, dass jenseits des Rheins regelmäßig erwartet wird, dass das Kind auf irgendwelche albernen Befindlichkeiten Rücksicht nehmen muss. Dass das Kind schon so „gedrillt“ ist, dass es immer die französischen Befindlichkeiten mitdenkt. Noch ein Grund mehr, warum es gut ist, dass er vorerst nicht hinfährt.*****

Zumindest war das Kind nach dem Telefonat ähnlich erleichtert wie ich nachdem ich auf „Steuererklärung versenden“ gedrückt hatte. Aufschieberitis sucks.

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* Mein älterer Bruder hat das aus irgendwelchen Gründen nicht gelernt oder lernen wollen. Er hatte früh eine Steuerberaterin und regelmäßig Nachzahlungen.

** Also in 4,5 Jahren Freiberuflichkeit nur zwei Termine beim Steuerberater

*** Aber das ganze Eingetöckel von Fahrten, gezahlter USt, geleistete Krankenversicherungsbeiträge etc…

**** irgendeine banale Serie

***** Ganz zynisch könnte ich nun den Französinnen für ihren unachtsamen Umgang mit der Pandemie danken.