Browsed by
Kategorie: Die Buckligen

Massage

Massage

Der Zustand meines Vaters ist ernst und es ist klar, dass er nicht vollständig rekonvalesziert. Wichtig ist, den Status zu erhalten. Optimum ist es, diesen zu verbessern.

Anfang April sah es danach aus, als würde es schwierig werden zu verhindern, dass es schlechter wird.

Heute war er für all das erstaunlich fit. Er ist sprachlich fitter, die Mobilität muss trainiert werden (und wird es auch). Er hat Schmerzen, aber weiß auch, was ihm gut tut.

Zum Beispiel Massagen vom Enkel, …

… die dieser ihm gerne macht.

Prost, Papa!

Prost, Papa!

Die Sorgen waren schon groß in den letzten Wochen, seitdem mein Papa mit Lungenentzündung ins Krankenhaus gekommen war. Die Betonung liegt auf Kranken-Haus, denn nicht nur meine Mutter hat sich einen Infekt dort eingefangen, sondern mein Vater ist auch noch im Krankenhaus gestürzt – als eine Schwesternschülerin ihn begleitet hat – und auch sonst wurd überhaupt nicht wirklich darauf geachtet, welche pflegerischen Sonderleistungen mein Vater als Schlaganfallpatient benötigt. Hinzu kam, dass er durch den Infekt körperlich stark abgebaut hatte, sodass er Hilfsmittel benötigte, für die sich letztlich aber niemand zuständig fühlte. Abgesehen vom auskurierten Infekt kam er in einem deutlich desolaterem Zustand aus dem Krankenhaus als er eingewiesen wurde. Aber es heißt halt Kranken- und kein Gesundheitshaus. (Und ja, ich weiß, dass das Personal am wenigsten für die gruselige Versorgungslage kann.)

Nach den Telefonaten mit meiner Mutter, zusammen mit der Erinnerung an seinen Zustand im Februar drehte sich das Gedankenkarussell* immer wieder und wieder. Tränen flossen auch.

Meine Mutter war gestresst. Sie organisiert ALLES für meinen Vater. Und das wäre unter besten Umständen schon ziemlich viel. Aber auch unser Gesundheitssystem krankt und so muss sie sich mit unwilligen Ärztinnen rumschlagen, die nötige Therapien nicht verschreiben wollen – sei es aus Regressangst**, sei es, weil sie meinen, dass ein Mensch von 72 Jahren so eine umfangreiche Therapie nicht mehr braucht*** -, sie telefoniert deswegen und wegen tausend anderer Dinge mit der Krankenkasse, sie kümmert sich um Ersatz für die unwilligen Ärztinnen, macht Termin mit diversen Therapeutinnen und übernimmt ganz nebenbei auch komplett die Pflege meines Vaters. Das ist natürlich großes Glück für meinen Vater und wer weiß, wie all das liefe, wenn sie nicht mittlerweile verrentet wäre.

Sie ist so nah an meinem Vater wie sonst niemand anderes. Ihre Berichte über ihn beschönigen nichts (mehr), aber Drama war noch nie ihrs. Daher war nach den letztes Telefonaten mit ihr klar: Meinem Vater geht es sehr schlecht.

Entsprechend wichtig war es mir, ihn zu sehen. Entsprechend mulmig war mir aber auch.

Gedankenkarussell.

Heute dann fuhren der RB und ich hin. Und schon bei der Begrüßung war klar: Papa ist viel besser drauf als erwartet. Der Händedruck (ja, mein Vater möchte per Handschlag begrüßt werden – und wenn er nicht gerade hilflos rumliegt, ist alles andere auch völlig fehl am Platz) war kräftig wie noch nie seit dem Schlaganfall. Er war wach und fit und sah für seine Verhältnisse sehr gut aus. Er beteiligte sich so gut es die Aphasie zuließ an unseren Gesprächen. Er aß mit großen Appetit Grie Soß. Kurzum: Puh! Aufatmen.

Prost, Papa! Auf Dich, aufs Leben!

——————–
* Manche davon kann ich (noch) nicht aussprechen.

** Was bei Schlaganfallpatientinnen Quatsch ist, da diese idR außer Budget laufen.

*** O-Ton: „Er ist ja keine 22 mehr und schon verrentet.“

Fahrlässig

Fahrlässig

Das Netz ist voller Texte zum Thema Nicht-Impfen. Schwurbelige unwissenschaftliche Texte mit Aluhut-Siegel. Texte ohne Referenzen – und wenn dann falschen oder gefälschten oder falsch interpretierten.

Zum Glück ist das Netz auch voller kluger Texte zum Thema Impfen. Kluge, wissenschaftlich fundierte und referenzierte Texte.

Und vielleicht schaffe ich es auch noch mal irgendwann, einen solchen Text zu verfassen. Weil es mir wichtig ist. Heute bleibe ich emotional, ja sogar polemisch:

Alle, die nicht ausreichend geimpft sind, obwohl sie es könnten und ihr(e) Kind(er) nicht durchimpfen lassen, sind doof.

Ja, sogar noch mehr als das: Sie handeln fahrlässig. Fahrlässig sich gegenüber, fahrlässig der geliebten* Brut gegenüber, fahrlässig gegenüber der Gesellschaft.

Ersters wäre ja noch zu verknusen. Im besten Fall würde Darwin das erledigen. (Tut er natürlich nicht, weil das ja noch die Herde ist.)
Bei zweiterem würde ich auch gerne sagen: Dann soll es halt Darwin richten. So wichtig und geliebt scheint die Brut ja doch nicht zu sein. ABER was können die Kinder für ihre bekloppten Eltern?!
Wenn ich an Drittens denke, könnte ich die Wände hoch gehen: Jaja, profitiert ihr ruhig vom (noch bestehenden) Herdenschutz, aber leistet bloß nicht Euren Beitrag dazu.

Wenn ich lese, dass gerade in Köln fast 100 Masernfälle bestätigt wurde, wenn ich zufällig erfahre, dass meine Nichte wegen Windpocken – ja, diese ach so harmlose Kinderkrankheit – im Krankenhaus war, dann frage ich mich echt, was mit der Menschheit nicht stimmt. Ist Euch Euer Leben und das Eurer Kinder so wenig wert, dass ihr unnötige Krankenhausaufenhalte und Tod einfach in Kauf nehmt?

Das muss eine erstmal in den Kopf bekommen: Ein Kind ist wegen einer Kinderkrankheit im Krankenhaus. Was muss denn noch passieren, um zu raffen, dass Kinderkrankheiten nicht niedlich sind.

Kinderkrankheiten heißen Kinderkrankheiten, weil Kinder daran sterben können.

Was ist so toll daran, Kinder leiden zu sehen? Kinder im Fieberdelir, mit Juckreiz aus der Hölle, mit Schmerzen, die eine eigentlich keiner wünscht.

Sorry, but not sorry: Ich habe ab.so.lut kein Verständnis für so ein Handeln.

———————————
* Viele Impfgegnerinnen/ -verweigererinnen behaupten zumindest, dass sie das tun.