Browsed by
Kategorie: Einmischen

Einigung

Einigung

Für den RB und mich ist es nicht so einfach, uns auf einen Film zu einigen. Unsere Geschmäcker gehen cineastisch sehr auseinander.

Heute hat das Durchzuchen von Amazon und Netflix fast so lang gedauert wie der Film selbst. Fast. Zumindest gefühlt.

Es wurde „Der Stellvertreter“.

Nicht ganz leichte Kost am späten Abend. Was bleibt ist Innehalten und die Quintessenz:

#NazisRaus

Wut

Wut

Meistens kann ich Dinge, die mich aufregen, so weit von mir schieben, dass sie mich im Alltag nicht belasten. Oder mich zumindest Arbeit und andere Dinge zu erledigen.

Ich weiß nicht so ganz, was gerade los ist. Aber seit Tagen bekomme ich zu einem Text keinen Zugang. Anfangs waren da noch andere, dringender Projekte, die recht flüssig in die Tastatur flossen. Seit gestern bin ich innerlich total aufgewühlt. „Meine“ Klasseneltern nerven mich sehr. Teilweise schon immer, aber bislang haben wir wohl alle „gute Miene zu bösem Spiel“ gemacht. Das muss nun keine mehr. Die Sache mit dem Hort finde ich extrem unmöglich. Auch da ärgern mich die Miteltern, die zwar auch genervt sind, aber lieber dann doch nichts sagen. Ehrlich: Legt euch gehackt und bringt Euren Kindern ruhig bei, lieber unter dem Radar zu fliegen als den Mund aufzumachen.

Mich nervt dieses Duckmäusertum. Mich nervt es, dass so viel einfach hingenommen wird. Bloß nichts sagen oder gar ändern wollen, es könnte ja schlechter werden. Dann lieber am beschissenen Status Quo festhalten.

Und das zieht sich vom kleinsten Umfeld quer durch die ganze Gesellschaft: „Ja, toll ist das alles nicht, aber so schlimm ist es auch nicht.“ „Und was kann ich als einzelne denn schon machen.“ „Das muss die Politik regeln.“ „Wenn die auch auf der Demo sind, dann gehe ich nicht mit.“ Wenn ich den Flatearthern glauben würde, würde ich sagen, dass wir schon ziemlich nah am äußeren Rand angekommen sind und vermutlich bald einfach runterfallen. Zumindest knubbelt sich die Politik am rechten Rand. Und ich kann bei der ganzen Gemengelage tatsächlich auch verstehen, warum Menschen nicht mehr die früheren Volksparteien wählen. Ich fühle mich von denen auch nicht repräsentiert. Die machen ü.ber.haupt nicht Politik in meinem Sinne. Aber das ist kein Grund die Blau-Braunen zu wählen. Nie. Never. Jamais. (Es übrigens auch kein Grund nicht oder ungültig zu wählen!) Dieser Rechtsruck ist unerträglich und erschreckend und ich habe wirklich Angst.

Das kann doch nicht wahr sein! Was geht in den Köpfen vor? Ich komme darüber nicht hinweg. Seit ich das gelesen habe, bin ich aufgebracht. Aufgebracht davon, dass so etwas möglich ist. Das so etwas zugelassen wird. Dass Menschen, die sich antifaschistisch engagieren, so kriminalisiert werden. Während gleichzeitig – ungestraft – Menschen Hitlergrüße zeigen und sich sonstwie rechtsradikal und verfassungsfeindlich darstellen dürfen .

Mich macht es wütend, dass regelmäßig und immer mehr (junge) Menschen auf die Straße gehen – für das Klima, gegen das Sterben im Mittelmeer. Und es sind nicht ein paar hundert. Es sind tausende! Und was macht die Politik?! Sie sitzt das aus. Es wird ignoriert. Stattdessen kommt nach den Europawahlen das große Mimimi und der Schrei nach einer Einschränkung von Artikel 5 des Grundgesetzes. Da will ich schreien und Menschen schütteln und fragen, ob sie noch alle Tassen im Schrank haben. Mir ist danach, nach Berlin zu stürmen und …

… und dann nervt es mich, dass ich zu oft auch nur eine Maulheldin bin. Dass ich vor lauter Wut auf all das gelähmt bin und diese Unlogik und Ungerechtigkeit anstarre, wie das Kanninchen die Schlange. Dass meine Tage auch nur 24 Stunden haben. Dass ich auch zu oft komische Ausreden finde als einfach meinen Arsch zu bewegen.

Wohin?

Wohin?

Eigentlich bin ich ja mit einem recht unerschütterlichen Optimismus gesegnet. Irgendwie wird (und wurde bislang) alles schon gut. Irgendwann. Aber heute hat es mir ein bisschen den Boden unter den Füßen weggerissen.

Obwohl ich noch sehr optimistisch aufgewacht war, denn


hatte es mir dann doch erstmal die Laune verhagelt. Neben organisationsbedingter schlechter Laune scheint es da was zu geben, das wohl nicht wieder gut wird. Es wurde dann aber bei mir nach Tee und Dusche besser und war wieder bestens, als ich mit dem RB auf dem Weg ins Museum war. Die aktuelle Austellung des Museums für angewandte Kunst „Moderne am Main“ wollte schon länger von uns besucht werden (und sie läuft nur noch bis zum 14.4.).

Sehr interessante Ausstellung. Wer noch kann, sollte sie besuchen.

Unser Kultur-Date rundeten wir mir einem kleinen Snack in meinem liebsten Innenstadtcafé, dem Naschmarkt, ab. Dann musste der RB in den Laden und ich dringend arbeiten. Als ich wieder am EssSchreibArbeitstisch saß, gab es ein bisschen dies und das. Die Kundin war nicht ganz zufrieden, aber gut. Dafür war es an anderer Stelle erfreulicher. Parallel schrieb ich mit meiner Mutter und da musste ich schon sehr schlucken. Meinem Vater geht es echt schlecht. Auf der einen Seite bräuchte er wohl Ruhe, aber auf der anderen Seite muss er therapeutisch am Ball bleiben. Ihm fehlen Kraft und Antrieb. Und gerade letzteres macht mir große Sorgen.

Später dann kam das Abstimmungsergebnis des Europäischen Parlaments zum Urheberrecht.

Und ich frage mich (nicht nur) seitdem: Wohin wird das alles noch führen? Es ist so viel passiert, beschlossen worden in den letzten wenigen Jahren, das in die allgemeine Freiheit eingreift. Nein, die wenigsten von uns, also aus meinem direkten Umfeld, sind unmittelbar davon betroffen oder spüren es. Aber es ist da. Vorneweg krakelen die Blaubraunen und hintenrum beschließt unsere (haha, meine ist das nicht) Regierung genau das, was die Blaubraunen krakelt haben. Nur, dass die nun den nächsten Schritt nach recht gegangen sind.

Ich habe noch nie damit gehadert, ein Kind in die(se) Welt gesetzt zu haben. Aber gerade frage ich mich, ob das so sinnig war. Was hinterlasse ich ihm? Wie wird er leben? Noch geht es ihm und uns gut. Gefühlt seht ihm noch alles offen. So wie mir – damals in den 1980ern und 1990ern. Im 29. Jahr nach der Wende frage ich mich allerdings: Wo stehen wir, also die Gesellschaft? Sind wir wirklich 29 Jahre weiter? Oder haben wir uns seitdem kontinuierlich zurückentwickelt? Mir fehlt der Zukunftswille, ach, allein schon ein leises Blinzeln in die Zukunft von unserer Politik. Ich sehe kein Gestalten mehr, kein „wir wollen eine bessere, gerechtere Gesellschaft“. Es wirkt alles zu machtgierig und machterhaltend, rückwärtsgewandt.

Ich würde die Gedanken gerne abschütteln, aber es geht nicht. Denn es kommt immer mehr dazu. Dieser massive Rechtsruck macht mir Angst und ich habe noch mehr Angst, dass viele es unter „DAS wird uns nicht wieder passieren“ abtun. Es war toll, dass am Wochenende 10.000 für #FrankfurtGegen13 demonstriert haben, aber es ist erschreckend, dass bei der Demo #GegenDenRechtsruck maximal nur ein Viertel dabei waren. So ändert sich nichts.

Es wird nur noch schlimmer, während wir uns gleichzeitig schleichend immer mehr daran gewöhnen.

An rechte Parolen.
An Freiheitseinschränkungen.
An ertrinkende Menschen im Mittelmeer.
An die zu wenigen Insekten und zu heiße Sommer.

Daran, dass unsere Stimme(n) nicht interessieren.

#DayOrange

#DayOrange

Bundesweite Demos und Aktionen für die Seenotrettung, gegen Seehofer und gehen das Ertrinkenlassen im Mittelmeer.

„Mama, kein Problem, ich gehe allein zur Party, es ist wichtig, dass Du da hingehst.“ Am liebsten wäre er wohl mitgekommen.