Eigentlich ist eigentlich zu viel
Letztens sagte jemensch im Fernsehen: Sätze mit „eigentlich“ kann eine auch weglassen. Oder ohne „eigentlich“ formulieren.
Dennoch: Eigentlich war heute ein guter Tag, uneigentlich kickte am späten Nachmittag der Burnout rein. Anders formuliert: Bis ich am späten Nachmittag eine Nachricht von meinem Noch-AG erhielt, war der Tag wirklich gut. Danach war er fies.
Ich hatte mittags einen Vorbesprechungstermin für mein Puffin-Tattoo. Es passte alles, sodass der Termin fürs Stechen bereits steht. Die Tätowiererin hat ihr Studio in einem kleine Städtchen kurz bevor der Main in den Rhein mündet. Und weil das Wetter so gut war, hatte ich beschlossen, dass ich einen Teil des Rückwegs für meine therapeutische Wanderung nutze. Das war sehr schön, denn es ging über die Felder und durch Wingerte.
An der Flörsheimer Warte gibt es ein Labyrinth, was aber kein richtiges ist, denn ich konnte nur einem Weg folgen, der dann in der Mitte endete.
Ich war schon nach ein paar Windungen genervt, dass ich nur diesem einen vorgezeichneten und ausgelatschten Weg folgen kann. Ich werte das mal metaphorisch …
Ansonsten war die Wanderung prima: Ich hörte Musik, dachte auf diesem und jenen rum, freute mich auf den baldigen Tattoo-Termin und auch sonst fühlte sich alles gut an.
Am Ziel meiner Wanderung – der nächsten S-Bahn-Haltestelle mainaufwärts – angekommen, erreichte mich dann eine Nachricht von einer Kollegin, in der sie fragte, ob ich nächste Woche wieder arbeiten würde und was mit Projekt xyz sei. Und zack, bekam ich Herzrasen, Stress und flattrige Gedanken. Wenigstens hatte ich es geschafft, mitzuteilen, dass sie nicht mehr mit mir planen sollen. Ich werde diese Woche noch mit meiner Ärztin sprechen, um zu klären, wie wir die Zeit bis zum Urlaub mit Krankschreibung überbrücken können. Ich kann und darf nicht mehr zurück in die Agentur-Mühle. Die Fahrt in der S-Bahn war semi-lustig. Aber immerhin schaffte ich es auf dem Rückweg wie geplant einkaufen zu gehen. Das wäre vor 2 Wochen noch nicht gegangen.
Zu Hause war ich aber immer noch flatterig. Ich wusste nicht, wohin mit mir. Bekam Atem-Support, was wirklich half.
Faltete Wäsche und machte etwas Haushalt, um mich abzulenken. Später kochte ich tatsächlich Essen.
Es half, Dinge zu tun. Aber entspannt war ich nicht, also entschloss ich mich zu was, was ich sonst nie mache, weil es mich eigentlich nicht entspannt: Baden. Ich lud mir ein Buch über Burnout auf den Kindle und blieb tatsächlich eine Stunde lang im Wasser. Lesend.
Dann ging es mir etwas besser und ich konnte halbwegs gut einschlafen.
(gelaufen: 10 Kilometer)






