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Tag: 17. Mai 2020

Abschottung, Tag 65

Abschottung, Tag 65

Seit letzter Woche besteht ein Wanderbeschluss für heute, naja, für dieses Wochenende, aber da wir gestern nicht konnten, weil wir ausschlafen und einkaufen mussten und auch sonst keine Lust auf Hetzerei hatten, also heute. Gestern hatte ich vorgegeben, dass wir um 12h00 losfahren.

Der RB und das Kind sind schon wach. Ich bekomme einen Tee ans Bett gebracht. Es wird versucht zu kuscheln, aber besser wir stehen auf und frühstücken. Ausreichend. Dann darf das Kind Maus gucken, damit es uns nicht um die Füße wuselt, während wir das Proviant in die Rucksäcke verteilen. 12h30 fahren wir los. Das Kind nölt schon die ganze Zeit, dass er keine Lust habe. Und auch wenn er jetzt wieder Training im Rugby-Club hat (so richtiges Rugbytraining ist es ja nicht), ist das trotzdem nicht genug Bewegung. Einmal pro Woche gehen wir zusammen raus. Basta. Wir fahren mit dem Auto nach Büdingen. Ich war noch nie in Büdingen. Ich mag Covid19 unter diesem Aspekt: Wir lernen echt viel von der Gegend kennen. Ich liebe ja auch diese hr-Sendungen, in denen immer die 10 irgendwas in Hessen vorgestellt werden. Wenn dieses Bundesland Meer hätte, wäre es perfekt, aber auch so denke ich, dass ich hier problemlos ein Jahr lang Urlaub machen kann.

In Büdingen finden wir direkt einen Parkplatz und ich denke: Ach, durchaus pittoresk, das Städtchen.

Aber wir sind nicht zum Sightseeing hier, sondern zum Wandern. Erste Empfehlung von Else: Der wilde Stein.

Während das Gekraxel über den Wilden Stein für das Kind noch ok ist, fängt beim nachfolgenden leichten Aufstieg das Genöle vom Kind wieder an. Die Schuhe sind zu warm, der Weg zu uneben, die Sonne zu heiß und überhaupt hat er ja gar keine Lust gehabt, mit uns mitzugehen. Nach noch nicht einmal einem Kilometer insgesamt, denken wir leider nicht nur an das gestrige Geburtstagskind, …

… sondern mir platzt auch der Kragen: Ich habe keine Lust, mir die Wanderung vom Kind vermiesen zu lassen. Ich gebe ihm sehr laut zu verstehen, dass er zurück zum Auto gehen und da auf uns warten soll. Als er nicht umdrehen will, drehe ich um und stapfe wütend von dannen. Das Kind heult, der RB kommentiert. Ist mir egal. Ich gehe jetzt. Ich berate mich mit Else und biege auf den Parallelweg zur eigentlichen Route ein. Wütend stapfe ich mit 7 km/h vor mich hin. Nach 500 Metern höre ich das Kind hinter mir heulen. Er entschuldigt sich weinend. Ich bin immer noch wütend und schicke ihn zurück. Er geht nicht und weint weiter. Ich herrsche ihn sehr unpädagogisch an, dass er aufhören soll zu plärren. Ich merke, wie mein Ärger ganz langsam verraucht, gehe aber langsam weiter. Vom RB weit und breit nichts zu sehen. Ich bin gerade dabei, das Kind retour zu schicken, um den RB zu suchen, da kommt dieser aus den Wiesen. Also stapfe ich weiter die 8%ige Steigung vor uns in einem Affentempo hoch. Dann habe ich aber auch keine Energie mehr wütend zu sein und wir können unsere Wanderung fortsetzen. Die restlichen 13 Kilometer sind wirklich gut.

(Nicht im Bild: Die Rehe, die unseren Weg kreuzten. Als ich sie sah, legte ich dem Kind die Hand auf den Mund, machte „psst“. Aber es nützte nichts, dass er sich nicht doch erschreckte und aufkiekste.)

Natürlich darf das Kind mal jammern, wenn es steil ist und immer nur bergauf geht. Und ich nehme ihm dann auch den Rucksack ab, damit er den nicht auch noch schleppen muss. Aus der letzten Wanderung hatten wir gelernt und genug Proviant eingepackt: Bei Kilometer 6 gibt es daher eine Kuchenpause und am Büdinger Steinbruch freuen wir uns über unsere Burger. Die allerletzten Kilometer sind wie immer etwas mühsam für uns alle und es tut gut, als wir im Auto sitzen.

Da wir nach dem Wandern nicht mehr kochen wollen, überlegen wir auf der Rückfahrt, was wir bestellen. Das Kind möchte Sushi. Ich bin unentschlossen. Dem RB ist nach Lasagne. Zu Hause bestelle ich Sushi für das Kind und mich. Der RB bleibt ohne Lasagne, weil der Italienener seines Vertrauens sonntags Ruhetag hat. Nach einem lärischen Moment seinerseits, den ich nutze, um das Sushi zu holen, geht er auch schnell, um sich was zu essen zu besorgen. Ein Hoch auf die Großstadt.

Das Kind muss heute mal früher ins Bett, da er morgen um 8h00 Hyrax und Brackets entfernt bekommen soll.