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Tag: 6. Mai 2020

Abschottung, Tag 54

Abschottung, Tag 54

Nach der Kneipe war es etwas spät, aber wenigstens habe ich halbwegs ok geschlafen. Wach werden war trotzdem mühsam. Heute hatte ich einen weiteren Klausurtag (und vermutlich mache ich das mit ohne Teams auch noch ein bisschen weiter). So kam ich wieder zu einigem mehr als sonst, wenn auch immer noch nicht alles erledigt ist, was ich auf der Liste habe. Das Kind hatte morgens wieder virtuelles Klassenzimmer. Es klappt ganz gut, dass wir das zur Verfügung stellen, aber für den Termin selbst den Host auf die jeweilige Lehrkraft übertragen. Das Kind vermisst die Schule zwar nicht, aber ihm tun diese Momente trotzdem gut.

Das Skype-Gespräch im Anschluss mit dem Kv tat ihm alles andere als gut. Er regte sich sehr auf. Zurecht.

Am frühen Nachmittag musste ich dann mal Pause machen und holte endlich die bestellte Wolle ab. Weil es sich anbot, holte ich auch noch Kuchen bei einem der wenigen Handwerksbäcker im Viertel. Um nicht direkt nach Hause zu gehen, machte ich noch einen Schlenker über den Supermarkt (schön leer).

Wieder zu Hause aß ich mit dem Kind Kuchen. Wir redeten ein bisschen über die unsägliche Situation mit dem Kv. Dann musste ich noch etwas arbeiten und er wollte zocken.

Wie gestern schon ging gegen 18h00 nicht mehr viel bei mir und ich legte mich hin. Diesmal nicht mit Hörbuch und Fakir, sondern mit Meditation. Nach einer Stunde war ich erholt genug, um das Abendessen vorzubereiten: Der Rhabarber musste kleingeschnitten in den Ofen und Herr Weber musste etwas vorheizen.

Der Clou, die gebackenen Rhabarber-Stücke, sind noch nicht drauf. Aber das war sehr lecker.

Nach dem Essen machte sich das Kind halbwegs schnell bettfertig. Gegen 22h15 war er im Bett. Das war ganz gut, denn ich musste mit dem RB ja noch den Montagselefanten aus dem Raum schaffen. Alles wieder gut. <3 Ich lieb ihn ja. Auch dafür, dass er duchaus reflektiert ist. Nun habe ich ihn auf Gradwanderung geschickt 😉

Mir war danach deutlich wohler und ich hing kurz an dem Gedanken, dass ich dem Kind (schon wieder) nicht vorgelesen hatte, da ging die Tür zum Wohnzimmer auf und das Kind verlangte nach Mamawärme. So kuschelte er sich zunächst mit aufs Sofa und ich las ein paar Kapitel aus Känguruchroniken vor. Danach fand ich, dass nun wirklich Bettzeit sei und das Kind fand, dass ich mit ihm auf? in? seinem Hochbett kuscheln sollte. (Gut, dass wir es mittlerweile angedübelt haben.) und wie wir da oben so lagen, brach es aus ihm raus: Er hat die – leider nicht völlig unbegründete – Angst, dass der Kv ohne Rücksprache kommen könne, um ihn abzuholen. Er führt auch schon im Kopf einen Dialog mit dem Kv, in dem der Kv z.B. sagt: „Wenn du mich liebst, kommst du mit mir mit.“

Es ist so unendlich übel, womit das Kind sich in dieser eh schon angespannten Situation auseinandersetzen muss.

Ich bemühe mich nach Kräften, ihm seine Ängste zu nehmen. Erkläre ihm die Sache mit dem Aufenthaltsbestimmungsrecht. In meinem Kopf lege ich mir eine Eskalstionskaskade zurecht mit Polizei, Anwältin und Gericht. Wenn das Kind in der derzeitigen Lage nicht zum Kv will, werde ich seinen Wunsch mit allen Mitteln verteidigen.

(Und nein, ich brauche die ganze Scheiße auch nicht. Generell nicht und jetzt schon mal gar nicht.)