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Tag: 30. Juli 2019

Insel der Glückseeligen?

Insel der Glückseeligen?

Heute auf dem Bahnhofsvorplatz war es durchaus skurril bis widerlich.

Die Nazis hatten 37 (?) Gedenktafel vorbereitet und aufgestellt. Darauf waren Mensch (teilweise nicht unkenntlich gemacht) zu sehen, die angeblich von Ausländer umgebracht worden sein sollen. Diese Vereinnahmung und Instrumentalisierung der Toten hat mich sehr abgestoßen.

Diese Aufsteller wurden allerdings von den Bannern des Vereinigung der Verfolgten des Naziregims und Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten verdeckt.

Hinter diesen Bannern standen neben dem RB und mir maximal 15 Leute. Das war für die Polizei wohl ausreichend, um mit ca 10 Personen vor und 10 Personen hinter uns zu stehen.

Währenddessen spukten die Nazis durch die Menge und hetzten rum. Eine bekommt ganz ekelige Phantasien bei sowas. Ich weiß nicht, ob das auf Dauer gesund ist.

Unsere Demoseite war nicht wegen des von der Bahnhofsmission initiierten Trauergottestdienst da. Das hinderte uns aber nicht daran, das Bedürfnis der Menschen, die wirklich deswegen gekommen waren, zu respektieren. Im Gegensatz zu den Nazis, die die Ruhe nutzten, um immer wieder rumzupöbeln.

Peter Feldman, Frankfurts Oberbürgermeister, hielt eine sehr gute Ansprache, wie ich fand. Er positionierte sich und Frankfurt gegen die Hetze und gegen jede Instrumentalisierung der Tat. Er betonte, dass Nationalitäten weder bei der Tat noch in Frankfurt eine Rolle spielen.

Die Nazis nutzten diesen Moment, um sich vermeintlich unbehelligt am fraglichen Bahngleis selbst zu inszenieren.

Als sich die Veranstaltung langsam auflöste, kam der OB zu uns und gab uns allen die Hand und bedankte sich fürs Kommen.

Ja, Frankfurt ist bunt. Und ja, wir konnten die Aktion der Nazis stören. Manchmal fühlt es sich an, als lebten wir auf der Insel Glückseeligen.

Aber wir haben auch den NSU2.0 und leben im Land der Einzeltäter. Und Kassel gehört auch zu Hessen.

Rassismus und das verstärkte Wieder-aus-den-Löchern-Kriechen der Nazis ist kein Ost-Problem. Es ist ein bundesweites.

Es geht uns alle an!
Jetzt!