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Tag: 21. Juli 2019

Rigoros

Rigoros

Heute bekam ich auf Twitter folgende Reply:

Nur semi-kokettierend fragte ich nach, ob das ein Kompliment sei (ja, ist es). Dann erinnerte ich mich, dass ich diesen Satz schon einmal gehört habe – von meiner Mutter.

Ja, vielleicht sollte eine es nicht darauf anlegen, sich mit mir anzulegen. Und schon gar nicht irgendwelche Stellvertreterkämpfchen mit mir ausfechten zu wollen. Ich habe kein Problem damit, dass mich wer nicht mag und seine Zeit nicht mit mir verbringen möchte. (Ich spreche hier vorrangig von privaten Situationen. Im Jobberreich erwarte ich da von allen Seiten ein gewisse Ignoranz den einzelnen Persönlichkeiten gegenüber.)

Ich hasse nichts mehr als einen Konsens um des Konses Willen. Ich kann und muss nicht alle Menschen lieb haben und ich muss auch nicht mit allen Menschen klarkommen. Wenn ich Menschen (sei es von meiner Seite oder auch von deren Seite aus) nicht mal mehr auf der Ebene „Guten Tag, schönes Wetter, Tschüss“ begegnen kann, gehe ich diesen Menschen aus dem Weg. Das macht Gruppengefüge manchmal schwierig oder gar unmöglich. Aber ich kann und will mich an diesen Stellen nicht verbiegen.

In Diskussionen muss es auch keinen Konsens geben (und schon gar nicht den einen, den eine der beiden Seiten bestimmt gerne hätte): Mein Gegenüber kann gerne eine eigene Meinung bzw. Sichtweise haben. Das kann und muss ich akzeptieren, insbesondere wenn es um Erlebnisse geht. Bei sachlich belgebaren falschen Meinungen tue ich das nicht. Ich bringe die sachlichen Argumente vor und hoffe, dass sie verstanden werden. Ist das nicht der Fall, wundere ich mich zwar darüber, aber dann bin ich irgendwann halt raus. Früher oder später – je nach Gegenüber – komme ich dann zu dem Punkt: „Kannste so meinen, ist halt falsch, aber es ist NICHT meine Aufgabe, dich zu bekehren.“ Wie auch?! Siehe Diskussionen übers Impfen, zu Homöopathie oder zum Rechtsruck in Deutschland. Da muss ich nicht persönlich werden. ABER ich kann persönliche Konsequenzen daraus ziehen: sich aus dem Weg gehen bishin zum Kontaktabbruch. Ich bin bei sowas rigoros.

Ich muss dann auch nicht im Nachgang noch drölfzig mal über den Sachverhalt diskutieren. Wenn die Standpunkte allen klar sind und keine von ihrem abrücken will, dann lautet der „Konsens“: Agree to disagree. Wir sind uns nicht einig. Davon geht die Welt in der Regel nicht unter.

Gerade dieser Punkt ist mir wichtig: Ich hasse nichts mehr als Dinge nochmal und nochmal und nochmal aufs Brot geschmiert zu bekommen. Einer meiner Grundsätze für Diskussionen, respektive Streits ist: Wer nachtragend ist, hat viel zu schleppen. Dazu gehört auch zu wissen, wann eine Diskussion Sinn macht oder halt auch nicht. Das spart ungemein viele Nerven und Energien.

Ein weiterer: Ich darf mich nicht so provozieren lassen bzw. so reinsteigern, dass ich den Respekt vor meinem Gegenüber verliere. Wenn ich mit mir nahestehenden Menschen streite, muss ich jederzeit in der Lage sein, ihr zu sagen, was sie mir bedeutet.

Zudem gilt für mich: Worte können messerschaft sein und so tief gehen, dass sie nicht wieder rausgehen. Wenn es so weit ist, dass ich mein Gegenüber mit Worten bewusst verletze, dann stimmt etwas in meiner Beziehung zu dieser Person nicht. Und je besser ich eine Person kenne, desto genauer weiß ich, wo und wie ich sie am tiefsten verletzen kann. Gesagtes ist gesagt und ich halte nicht viel davon, sich danach wortreich zu entschuldigen, eine habe es nicht so gemeint. Denn in der Regel hat eine es genauso gemeint, wie sie es gesagt hat. (Und wer so außer sich gerät, dass sie nicht mehr weiß, was sie sagt, hat ein ernstes Problem.)

Menschen, die mich länger und/oder besser kennen, wissen ob dieser Grundsätze. Ob es das einfacher macht, weiß ich nicht.