Abschottung, Tag 38

Abschottung, Tag 38

Ich habe nicht gut geschlafen. Und dann wieder erster Arbeitstag nach dem Urlaub. Dabei hatte ich mich gerade erst an den Zustand gewöhnt. Arbeitstag bestand fast ausschließlich darin, dass ich mich organisieren und telefonieren musste. Wirklich gearbeitet habe ich nicht.

Das Kind hatte auch keinen guten Tag: Papa-Blues, Pubertätsanflüge, kein Bock auf HomeSchooling. Wir gerieten viel aneinander.

Meine Mutter verzweifelt in NRW an ihrer Landesregierung. Verständlich. Und ich bin wütend.

Ich fühle mich unsolidarisch mit den #CoronaEltern: Ich kann vieles verstehen und ich kann auch verstehen, dass viele auf dem Zahnfleisch gehen im Spagat zwischen HomeOffice und HomeSchooling / -Kindergarten. Und vermutlich ist es mit wachsender Kinderzahl auch deutlich schwieriger. Es ist sicherlich von Vorteil, dass das Kind fast 11 Jahre alt ist und hoch-compliant hinsichtlich medizinischer Anordnungen. Seine Liebe zum Zocken und dass er sich mit seinen Kumpels dazu online verarbreden kann, erleichtert die Situation auch. Ja, ihm fehlen die Bewegung und das Rugby-Training. Ihm fehlen aber nicht die Schule und seine Mitschülerinnen. Das ist nicht sein Sozialgefüge, dem er sich verbunden und das er vermisst. Er ist vermutlich auch einer der wenigen, die es nicht schlimm finden, dass die Klassenfahrt ausfällt.

Sicherlich habe ich auch den Vorteil, dass ich den Spagat zwischen HomeOffice und Kind (nein, natürlich nicht HomeSchooling) kenne. Dass das Kind das kennt. Mama zu Hause bedeutet halt nicht, dass Mama verfügbar ist. Es klappt(e) natürlich nie völlig reibungslos und ich fände es auch schlimm, wenn das Kind völlig teilnahmslos akzeptieren würde, dass er still in der Ecke sitzen muss und sich selbst beschäftigen soll. Entsprechend kommt er natürlich immer wieder an und will mal eben was fragen, spielen, Fernsehen, doch schon das Tablet, über Hausaufgaben diskutieren etc. Und ja, ich werde ihm nicht gerecht. Zumindest nicht im Sinne von: Mama ist immer da und verfügbar, hat stets ein offenes Ohr und eine tolle Idee zur Beschäftigung. Nee, sorry, aber ich bin keine Spiel- und Bastelmutti. Ich hänge nicht dem bildungsromantischen Bullerbü-Ideal (wobei Bullerbü so falsch ist wie Rabeneltern) nach. Ich bin keine Mutter mit dem Wunsch nach einem Mutterkreuz. Ich bin eine Frau, die gerne arbeitet, die gerne kindunabhängige soziale Interaktionen hat, die ein eigenes Leben hat, die auch ein Kind hat.

Diese aufopfernde Mutterrolle ist eine gesellschaftlich geprägte und geförderte. Und auch das führt bei mir dazu, dass ich sie – aus Prinzip – für mich ablehne. Ich bin für mein Kind da – ohne Frage. Ich würde jederzeit für ihn durchs Feuer gehen. Er weiß, dass er sich immer auf mich verlassen kann und ich sehe, dass er sich (noch) immer an mich wendet, wenn ihn etwas bedrückt oder schief läuft. Und solange das so ist – auch jetzt in der Pandemie -, denke ich: Uns, also dem Kind und mir, geht es nicht schlechter als davor und für uns müssen keine Schulen (Kindergärten ja eh nicht mehr) geöffnet werden. Für mich sollen sie so lange wie möglich zu bleiben, damit wir als Gesellschaft diese Pandemie so gut und mit so wenig Toten wie möglich überstehen werden.

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