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Tag: 14. April 2020

Abschottung, Tag 32

Abschottung, Tag 32

Weil auf Twitter sich mal wieder drölfzig Tipper eingeschlichen haben und ich nach 3 Tweets im Thread keine Lust mehr hatte, auf dem Handy zu tippen, hier nochmal in Reinform:

Es wird diskutiert, ob die Schulen bald wieder (schrittweise und mit diversen nur bedingt zu erfüllenden Auflagen) öffnen sollen. Ja, diskutieren kann eine das ja. Aber ehrlich gesagt ist das eine Scheindiskussion, die davon ablenken soll, was durch die Pandemie überdeutlich wird: Unser Schul- naja letztlich das ganze Bildungssystem ist im Arsch. Seit Jahren ist versäumt worden, die entsprechenden Stellschrauben Richtung Zukunft … naja, wenigstens Richtung Gegenwart zu stellen. Aber das Grundprinzip unseres Bildungssystem hat sich seit der Einführung der Schulpflicht (1919) ja nicht wesentlich geändert. (Jaja, ich höre jetzt alle schon aufschreien.) Sowohl die täglichen Beschulungs- als auch die Ferienzeiten haben sich seit damals nicht geändert: nur Vormittagsschule und auch die Ferien bitte so, dass die Kinder auf dem Feld mithelfen können. Das ist – auch jenseits der akademisch Priviligierten – mittlerweile fernab aller gegenwärtigen Realitäten. Und zu all dem kommt hinzu, dass durch Sparwut und mangelnde Wertschätzung (des Lehrerinnenberufs) unsere Schulen Bildungsflickenteppiche sind. Es fehlt an allem: Lehrerinnen, Ausstattung, Moderiniserung(swillen), Internet, sauberen Toiletten (inkl. Klopapier, Seife und warmem Wasser). Jede noch so kleine Änderung muss sich gegen die bildungsbürgerliche Arroganz (nur Bücher sind das einzig Wahre), den Föderalismus und eine tiefsitzende Technikfeindlichkeit behaupten. Und Fleixbilität ist nicht nur als Wort eine Fremdwort in diesem System.

Und nun haben wir den Schlamassel: Es zeigt sich, dass die Lehrinhalte nicht so einfach in die Schüler hineindiffundieren, wenn sie nur Bücher aber keine Erklärungen dazu haben. Es zeigt sich auch, dass Eltern keine Lehrerinnen sind – vermutlich auch eine schmerzhafte Erfahrung für viele Eltern. Es zeigt sich aber auch, dass einfach vieles verpasst und versäumt wurde in den letzten Jahren. Der Digitalpakt ist da nur ein Tropfen auf den heißen Stein (und die Gelder wurden ja bislang nur zögerlich abgerufen). Letztlich fehlt es aber an zu vielem.

Natürlich ist es einfacher zu sagen: So, die Schulen machen nun wieder auf. Anstelle zu sagen: Ja, wir wissen unser Schulsystem ist nicht dafür ausgelegt, keinen Präsenzunterricht zu haben, daher werden wir gucken, was die Kinder in diesem Halbjahr lernen können. Vielleicht denken wir auch einfach mal darüber nach, ob wir die Ferien verschieben. Aber anscheindend haben einige so große Angst, Ihr Gesicht zu verlieren, dass sie lieber Schülerinnen und deren Familien unkalkulierbaren Risiken aussetzen.

Ich finde nach wie vor, dass die Gesundheit aller über der Bildung und auch über der Wirtschaft steht. Aber ich verstehe auch, dass sich die wirtschaftliche Unsicherheit (Kurzarbeit, Jobverlust) auch auf die Gesundheit der Betroffenen niederschlagen kann.

Und über Prüfungen für Haupt- und Realschulabschlüsse sowie Abitur kann ja gerne gesondert nachgedacht werden.

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Ansonsten war heute ein Urlaubstag. Ich schlief also lang. Dann kam das Kind und wir kuschelten und „kämpften“ miteinander und hatten viel Spaß. Das Frühstück fand erst danach statt.

Anschließend kümmerte ich mich noch um einen Text*, den ich dann auch endlich verschicken konnte.

Die Zeit des Kindes im Internet und vor seinen dgitalen Geräten muss etwas in Bahnen gelenkt werden. Und nicht, weil ich nicht will, dass er das überhaupt macht, sondern weil er ab einer gewissen Zeit ohne Pause einfach nicht mehr klar denken kann. Also haben wir einen Plan gemacht. Er durfte mir sagen, wie viele Stunden er pro Tag Internetzugang haben will** und diese Stunden durfte er sich selbst über die kommenden Tag einteilen.

Auch haben wir die To-Dos von uns allen dieser Woche visualisiert.

Es gibt keine farbliche Zuordnung. Jede weiß, was sie zu tun hat.

Ich verbrachte einen Teil des Nachmittags damit, Spinnweben von den Zimmerdecken zu saugen. Beim Staubwischen machte ich eine sehr … ähm … spezielle Entdeckung

Zum Glück tot, aber da war ein Gespinst von einer Dreck-Mehlmotte in einem Legostein***

Außerdem verräumte ich meine Wäsche und sortierte dabei eine Schublade neu. Dann skypte ich mit meiner Mutter.

Weil der RB heute erstmal ein Online-Tasting hatte, aßen wir relativ früh. Das Kind nutzte noch ein bisschen Internetzeit, guckte dann aber später mit mir Rocketman zu Ende. Ich litt derweil unter einem Siebenbürgen**** dem leckeren Krautsalat, den der RB gemacht hatte.

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* Extra-Auftrag…

** Er hat direkt was übers Verhandeln gelernt. Denn als er mit 5 Stunden in die Verhandlung einstieg und ich direkt „ok“ sagt, verbesserte er sich direkt in „6 Stunden“. Das verneinte ich. Wir einigten uns auf 5,5 Stunden.

*** Stein aus meinem (!) Legoset, das aufgebaut im Wohnzimmer steht.

**** kleiner politisch inkorrekter Running Gag zwischen dem RB und mir