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Tag: 15. April 2020

Abschottung, Tag 33

Abschottung, Tag 33

Ich konnte erst spät einschlafen. Der Siebenbürge ließ mich leiden. Als ich fast eingeschlafen war, kam das Kind mit Sack und Pack Decke und Puffin, weil er nicht schlafen konnte. Neben mir ging es dann wohl doch und auch ich konnte einschlafen.

Irgendwann war das Kind wach. Er kann das ja noch nciht so ganz mit dem Ausschlafen. Außerdem hatte er von 10 bis 10h30 Internet. Ich bekam gar nicht so richtig mit, dass er sich aus dem Zimmer schlich. Dafür bekam ich mit, als er wiederkam. Er organisierte mir einen Tee und wir verbrachten eine ganze Weile zusammen im Bett. Es ist gut, dass ich gerade Urlaub habe und ich mir Zeit für ihn nehmen kann: Ihm geht es nicht gut. Dass er nicht beim Kv sein kann. Die Situation mit der Schule findet er auch unbefriedigend: Von den Lehrkräften kommt nichts. Naja, nicht nichts, aber es kommen e-Mails mit Arbeitsaufträgen und es wird auch auf Nachfragen recht schnell geantwortet. Die Mathelehrkraft hat schnell die zugeschickten Aufgaben korrigiert und auch ein paar nette Worte an das Kind. Von den Deutsch- und Englischlehrkräften kam bislang nichts zurück. Und auch sonst kommen von den Klassenlehrerinnen keine Nachfragen, wie es den Kindern in der aktuellen Situation geht. Beim Kind kommt noch erschwerend hinzu, dass er keinen Kontakt zu irgendeiner seiner Mitschülerinnen hat. Diese Situation zeigt leider sehr deutlich, wie sehr er Außenseiter ist und das macht ihm schwer zu schaffen.

Dann ging ich endlich mal (wieder) duschen. Der RB und ich machten einen Essensplan für die kommenden Tage und gingen zum Markt. Da der Markt nun außerhalb des Dorfskerns ist, ist der Weg etwas weiter, aber ein bisschen Bewegung ist ja nicht schlecht. Wir liefen – in vorauseilenedem Gehorsam* – mit unseren genähten Masken rum. Wir waren damit eine sehr kleine Minderheit. Aber wenigstens machten die Leute so mehr Platz. Manche machten Platz. Viele Menschen standen nach dem Motto „Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein“** doof rum wie immer und sahen nicht ein, auch nur irgendwas an ihrem Verhalten zu ändern. Wir bekamen, was wir wollten***. Auf dem Rückweg teilten wir uns kurz auf: Der RB ging zum Bäcker und ich zum Supermarkt und dann waren wir auch erstmal versorgt****.

Zu Hause aßen wir eine Kleinigkeit, das Kind hing mit dem Kv im Skype. Der RB verbschiedete sich auf den Fakir und ich guckte mir die Pressekonferenz mit unserer Kanzlerin an. Ich versuchte kurz, die mit Bouffy parallel zu gucken, aber das funktionierte nicht. Es läuft verdammt viel nicht gut in diesem Land und dass an den EU-Außengrenzen Leute sich selbst (zum Sterben) überlassen werden, ist widerlich. Gleichzeitig darf es nicht sein, dass der deutsche Spargel verrottet. Dennoch komme ich nicht umhin, die Entscheidungen und das Vorgehen der Politik – zumindest von Frau Merkel, Herrn Bouffier und sogar Herrn Söder***** – hinsichtlich der Covid1-Pandemie gut zu finden. Das läuft tatsächlich nicht so schlecht in Deutschland. Und dass die Kanzlerin Naturwissenschaftlerin ist, ist sicherlich gerade äußerst hilfreich, wenn es darum geht, Kurven und berechnete Szenarien zu interpretieren. Dann weiß eine nämlich auch, dass sicher nicht die WHO schuld ist. Nach der PK fiel eine ziemlich Anspannung von mir ab, von der ich noch nicht einmal wusste, dass ich sie hatte.

Dann machte ich mich dran, endlich den letzten Schwung der Deutsch- und Englisch-Hausaufgaben an die jeweilige Lehrkraft zu schicken******. Und irgendwie war es dann auch schon wieder recht spät und fast Zeit für die #CorotäneKneipe. Daher war ich auch noch dabei, die Grie Soß zu machen, als der RB die Kneipentür öffnete.

Es war wieder einmal eine schöne Ablenkung. Ja, auch wenn wir um Covid19 als Thema nicht drumherum kommen, finden wir ausreichend andere und haben auch einiges zu lachen. Das tut sehr gut.

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* Seit heute 17h30 gibt es eine dringende Empfehlung Masken beim Einkauf und im ÖPNV zu tragen.

** Loriot-Fans wissen Bescheid, allen anderen empfehle ich „Pappa ante Portas“ zu gucken.

*** Wir dürfen nicht vergessen, dass wir für Samstag Spareribs bestellt haben.

**** Irgendwer muss vermutlich vor Samstag nochmal Milch kaufen.

***** Sicher nicht Herr Laschet

****** Einen verbalen Seitenhieb konnte ich mir dabei nicht verkneifen. Aber mir kommt einfach zu wenig von der Schule.