Familie

Familie

#ClosedAdvent (8)

Ich habe zwei Brüder und drei Nichten und zwei Neffen*. Dazu noch drei Tanten und einen Onkel – jeweils mit PartnerIn -, zwei Cousinen, vier Cousins. Meine Großeltern auf beiden Seiten sind schon eine Weile tot**. Es gibt noch über meinen Großvater eingeheiratete „Onkel“ und „Tanten“, aber zu denen bestand eigentlich nur Kontakt auf Familienfeiern, die meine Großeltern iniitert haben. Allerdings besteht auch zu meinen anderen Verwandten kein Kontakt mehr – abgesehen von losen Kontakten mit einer Nichte und einer Tante.

Ich bin kein Familienmensch. Ich fand schon immer das Narrativ „Blut ist dicker als Wasser“ schwierig, ebenso das Konstrukt, dass Familie ein besonderes Band sei. Nur weil ich mir mit ein paar Menschen zufällig ein paar Chromosomen „teile“, muss ich mich nicht automatisch mit ihnen verstehen.

Während ich mich lange wirklich gut mit meinen Brüder verstanden habe, hatte ich mit einen Großteil meiner Tanten und Onkels schon immer keinen wirklichen Vertrag. Und mit meinen Cousinen und Cousins schon mal gar nicht. Die sind – bis auf einen – so viel jünger als ich, dass wir einfach keine Beziehung zueinander haben. Und das ist auch schon ein Kernproblem: Auf Familienfeiern war ich immer die einzige in meinem Alter und allein auf weiter Flur. Das war auf Familienfeiern mit Oma und Opa immer besonders schlimm. Da konnte ich mit niemandem spielen. Dazu kam, dass meine Eltern keinen Wert darauf legten, dass ich irgendwie niedlich und mädchenhaft unterwegs sein musste. Aber mit der kleinen Draufgängerin konnte keine was anfangen. Das war einzig bei meinen Großeltern anders – insbesondere mit meiner Großmutter. Sie hat mich immer so genommen, wie ich war. Mich bestärkt und stets für voll genommen. Die Familienfeiern bei ihnen waren zwar auch nicht optimal für mich, aber dennoch erträglicher. Zu meinen Großeltern bin ich auch immer wieder in den Ferien gefahren.

Ich bin ich froh, dass diese Familienfeiern nicht mehr stattfinden. Die letzte große war die Hochzeit meines jüngeren Bruders. Und uff, ich wusste danach wieder, warum ich keinen Kontakt zur Verwandtschaft pflege.

Mittlerweile habe ich ja auch keinen Kontakt mehr zu meinen Brüdern. Dadurch ist auch dieses elende „wenigstens zu Weihnachten sehen wir uns alle“ weggefallen. Das war nämlich in der Regel stressiger als schön.

Ich vermisse nichts.

Möglicherweise habe ich ein Eremiten-Gen von meinem Vater geerbt, denn ich kann ganz gut ohne Menschen um mich rum sein. Ehrlich gesagt können mir Menschen, wenn ich die Zeitspanne der Nähe nicht abschätzen kann, auch schnell zu viel werden. Dabei würde ich noch nicht einmal sagen, dass ich Menschen nicht mag. Ich bin auch gerne unter Menschen. Aber ich mag es eben auch sehr, allein zu sein. Und unter diesem Gesichtspunkt frage ich mich manchmal echt, wie sinnvoll es war, ein Kind zu bekommen. Aus der Familiennummer komme ich wohl erstmal nicht mehr raus.

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* Das ist zumindest mein letzter Stand.

** Ich habe die Todesdaten nicht aktiv abgespeichert.

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