X-1 Tage bis zur zweiten Welle

X-1 Tage bis zur zweiten Welle

Würdich noch inner alten Heimatt wohnen, könntich die Überschrift direkt ändern in: Zweite Welle, Tag 1. Ist zum Glück nicht so, aber warten wir es ab. Hoffentlich können wir trotzdem in den Urlaub fahren.

Heute kam ich aus dem Kopfschütteln nicht heraus. Und daher stelle ich mal was klar:

Wer die ganze Geschichte mit dem Kv nicht kennt, kann gerne nachfragen*, aber ich empfehle dringend, eigene Erfahrungen nicht – niemals – als das allgemeingültige anzusehen.

Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich dem Kv gegenüber immer fair war. Und ich hätte wirklich Gründe gehabt, viele Dinge anders zu handhaben. Nicht zuletzt, weil er auch keinen Unterhalt zahlt. Dennoch:

  1. Der Kv sieht das Kind in den Ferien** in der Regel länger als ihm per Gericht zusteht.
  2. Er sieht ihn unter Umständen, die per Gericht eigentlich „untersagt“ sind.
  3. Ich übernehme jede Ferien in der Regel eine Fahrt nach Paris, um das Kind zu übergeben*** – auf eigene Kosten.
  4. Der Kv konnte hier immer – zumindest eine Nacht – übernachten, wenn er das Kind geholt hat. Oder wenn er ihn zum Geburtstag oder sonstwie zwischendurch besuchen wollte.
  5. Der Kv kann das Kind immer anrufen. Das Kind kann immer den Kv anrufen. Sie können in der Regel auch immer skypen.

Ich ertrage dabei, dass er nicht in der Lage ist, die hessischen Ferientermine zu googeln und dass ich sie ihm auf dem Silbertablett servieren muss. Ich ertrage auch, dass er immer bis zum letzten Moment braucht, um sich hinsichtlich irgendwelcher Termine auszueiern****. Ich ertrage nach allen Ferien den Papajetlag und puffere ab, wenn der Kv dem Kind verspricht, zum Geburtstag zu kommen und es dann im letzten Moment absagt. Ich ertrage auch, wenn mein Kind mir heulend Nachrichten schickt, weil gerade alles doof ist beim Papa – 1.000 Kilometer weit entfernt.

Ich weiß, dass das Kind seinen Vater liebt. Dass er ein Teil seiner Identität ist. Ich will ihm das nicht nehmen. ABER ich bin auch nicht für die Beziehungsarbeit zwischen Kv und Kind zuständig. Wenn er sich demontiert, dann fange ich das Kind auf. Ohne Frage. Aber es ist sicherlich nicht meine Aufgabe, den Kv zu entschuldigen, wenn er Bockmist baut.

Und wenn es dem Kv wichtiger ist, auf sein vermeintliches Recht am Kind***** zu pochen, denn das Kind und seine Sorgen ernst zu nehmen und darauf einzugehen, dann ist das einfach großer Bockmist.

Und dieser Bockmist hat nichts mit mir zu tun. Das richtet sich gegen das Kind.

Dann stehe ich meine Kind mindestens unterstützend zur Seite oder stelle mich auch schützend vor ihn.

—————–

Kurzer Schreckmoment am Abend: Das Kind war für anderthalb Stunden verschwunden.

Ich musste um 18h00 einem virtuellen Event bewohnen. Das fand das Kind nicht gut. Um nicht vor Langeweile zu sterben, ging er raus. Ohne sich mit mir abzustimmen******. Ohne Schlüssel. Ohne Roller. Ohne Fahrrad. Aber mit 2 Euro.

Ich richtete meine Aufnahme ein und lief raus. Ich sah das Kind noch in der Ferne über die Kreuzung huschen. Kam ihm aber nicht nach. Ich ging nach Hause. Die Veranstaltung lief noch, ich hörte rein, blieb aber unruhig.

Ich ging nochmal los, zog eine größere Runde. Kein Kind.

Wieder zu Hause immer noch kein Kind. Die Veranstaltung neigte sich zu Ende. Der RB kam nach Hause und ich fuhr mit dem Rad zum Park.

Ich drehte eine große Runde. Kein Kind.

Ich fuhr am Spielplatz vorbei. Sah erstmal nix. Zu viele Kinder. Doch das Kind hatte ein knallrotes Poloshirt zu einer gelben kurzen Hose an und lag, als ich ihn erspähte, in einer Nestschaukel. Zusammen mit ein paar Jungs.

Ich war erleichtert. Dem Kind ging es gut UND er hatte wen zum Spielen gefunden.

Als er mich sah, kam er direkt zu mir. Ihm war klar, dass irgendetwas nicht ganz rund gelaufen war. Ich brauchte nicht schimpfen. Wollte ich auch nicht. Er war zerknirscht.

Auf dem Weg besprachen wir, dass es besser ist, sich zu vergewissern, dass ich auch wirklich mitbekomme, wenn er rausgeht. Wir waren uns aber auch einig, dass es ziemlich doof ist, wenn ich so spät noch arbeiten muss.

Zu Hause gekocht, gegessen

Nomnomnom…

und dann #CorotäneKneipe.

————————————-
* Ob ich antworte, steht auf einem anderen Blatt.

** Aufgrund der Entfernung geht es nur in den Ferien, oder er kommt halt hier her.

*** Eigentlich hat der Kv zu organisieren, wie das Kind zu ihm kommt.

**** Mittlerweile gebe ich daher Termine vor.

***** Ich habe doch als erwachsener Mensch kein RECHT an einem anderen Menschen. Ich habe maximal eine Pflicht.

****** Er sagt, er habe mir gesagt, dass er rausgeht.

2 thoughts on “X-1 Tage bis zur zweiten Welle

  1. O, wie ich das kenne … seit Jahren wird die Umgangsplanung auf verlangen des Vaters mit „Hilfe“ des Jugendamts gemacht – und alles, ws der Vater zu sagen hat, ist „ich will …“ und „mir steht zu …“ und „es ist mein Recht …“.
    Keine der „professionellen“ Beiständinnen sieht sich bemüssigt anzumerken, dass es um die Kinder, äh Jugendlichen, geht und nicht um die Ansprüche und „Rechte“ des Vaters.
    Und wenn ich sge, dass die Jugendlichen ein Mitspracherecht haben und an der Sitzung dabei sein sollte, wird das mit Hinweis auf Loyalitätskonflikte abgeschmettert.
    Danke für nichts, Jugendamt.
    Dir und dem Kind Besseres
    a, wartend auf das Coronatestergebnis des einen Jugendlichen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.