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Tag: 6. Juni 2020

Abschottung, Tag 85

Abschottung, Tag 85

Ich bin müde. Ich bin unendlich müde. Seit 14 Wochen bin ich im HomeOffice. Ich hatte – seit Jahresanfang – eine Woche Urlaub. Das Kind ist seit 21 Wochen ohne Unterbrechnung in meiner Obhut, Betreuung. 7 Wochen davon fand hier HomeSchooling Lernen in häuslicher Umgebung statt. Seit 3 Wochen hat das Kind wieder Schule: an 3 Tagen pro Woche ist er für 2:45 Stunden in der Schule – mit Fahrtwegen ist er idR 3:30 Stunden aus dem Haus. Zusätzlich hat er seit 4 Wochen wieder Rugby-Training: Dafür ist er an zwei Tage pro Woche für 2 Stunden aus dem Haus. Ich habe derzeit also von 168 Stunden pro Woche das Kind 153,5 Stunden um mich. Okay, ziehen wir den Schlaf ab, dann bleiben 83,5 Stunden.

In diese Zeit muss ich 19,5 Stunden Arbeit unterbringen (wenn ich konsequent in der Zeit arbeite, in der das Kind in der Schule ist), 17,5 Stunden gehen grob geschätzt fürs Essen (inkl. Zubereitung) drauf. In gut organisierten Wochen brauche ich ca 3 Stunden fürs Einkaufen. Und 3,5 Stunden sollte ich für die allgemeine Körperpflege einplanen. Das Kind muss auch noch Hausaufgaben machen (7 Stunden insgesamt).

Damit bleiben 33 Stunden pro Woche übrig, die ich – theoretisch – qualitativ hochwertig mit dem Kind verbringen könnte. Oder sollte? Müsste? Wie auch immer, denn ich KANN nicht. Also, ich kann das in ca. zwei Drittel der Zeit nicht, womit rund 22 Stunden bleiben, in denen sich das Kind selbstbeschäftigen muss.

22 Stunden, die auf mir lasten, an mir und meinem Gewissen nagen.

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Der RB lässt mich schlafen und damit das Kind mich auch schlafen lässt, nimmt er ihn mit raus. Gegen 11h00 bringt er, der RB, mir Tee ans Bett. Ich werde entspannt wach. Dann rasiere ich dem RB die Haare. Wir machen die Essensplanung für die kommenden Tage. Dann verabschiedet sich der RB, um auf die #BlackLifesMatter-Demo zu gehen. Ich mache mich fertig und fahre mit dem Rad zum Markt. Auf dem Rückweg komme ich in einen Platzregen und bin nass bis auf die Haut A-N-N-A, als ich zu Hause ankomme. Ich trockne mich, esse einen Happen und gehe dann nochmal los zum Supermarkt.

Als ich wieder da bin, ist auch der RB wieder da. Er hat Kuchen mitgebracht, den wir zu dritt essen.

Dann falle ich in ein Loch. Ich bin müde. Unendlich müde. Gegen 17h00 lege ich mich hin. Und schlafe promt ein. Bis 20h00. Das war nicht der Plan, aber anscheinend nötig.

Als ich wieder wach bin, koche ich das Abendessen.

Das Kind nötige ich danach halbwegs früh ins Bett. Ich lese vor und wir kuscheln. Er bedankt sich dafür, dass ich mit ihm kuschel. Genau genommen dafür, dass ich mir die Zeit nehme, mit ihm zu kuscheln. Ach, fickt Euch, ihr beschissenen 22 Stunden. Mein Kind soll nicht das Gefühl haben, dass er sich für sowas bedanken muss.