Tag 90 seit der Abschottung

Tag 90 seit der Abschottung

Der Wecker soll um 10h00 klingeln, aber um 9h15 werde ich wach, weil die Blase es so will. Ich verscheuche das Kind vom Fernseher und lege mich nochmal hin. Um 10h00 will ich noch nicht aufstehen. Um 10h30 bringt mir das Kind Tee ans Bett um 11h00 werde ich wach und stehe auf. Hoch lebe der Feiertag. Der RB war schon Brötchen jagen. Etwas schwierig am Feiertag. Wir frühstücken. Dann wechseln das Kind und ich den Schlauch an seinem Vorderrad. Wir machen uns fertig für die Radtour (das Kind wollte unbedingt eine Radtour). Ein Glück, dass heute Feiertag ist, denn Sonntag fällt als Wandertag aus, da das Kind Geburtstag hat. (Und Samstag geht auch nur schlecht, denn da muss ich ja Geburtstagskuchen backen.) Der Himmel ist zwar ziemlich verhangen und auch recht dunkel, aber wir fahren dennoch los. Ich habe ja extra eine Tour mit Else geplant, die uns nicht am Main langführt. Das wäre zwar kürzer, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich danach in den Nachrichten stattfinde, ist zu hoch. Dafür ist der Main grundsätzlich und derzeit im Besonderen zu überlaufen. Da macht Fahrradfahren auch nur wenig Spaß. Dafür war die Route ohne Main erfreulich menschenarm (wenn auch nicht so menschenleer wie unsere Wanderrouten).

Und weil es so gut in die Route passt, fahren wir bei Jette und ihrer Familie vorbei. Also nicht nur vorbei, sondern wir sitzen mit ihnen zusammen auf der Terrasse, unterhalten uns und trinken Tee, Kaffee und Wasser und essen Kuchen. Das fühlte sich gar nicht komisch an, sondern war ziemlich schön (komisch ist bloß, dass wir uns nicht zur Begrüßung umarmen). So echte Menschen in Echt sehen. Danke, dass wir da sein durften! (Und der Kuchen war auch sehr lecker.) Gestärkt machen wir uns auf den Rückweg bzw. die zweite Hälfte unserer Tour.

Als wir in Offenbach kurz Halt machen und wir uns nicht entscheiden können, was wir essen wollen*, aber wenigstens können wir uns darauf einigen, dass wir nicht mehr mit den Rädern weiterfahren wollen und steigen nach 36 Kilometern auf den Rädern in den Bus. Und während wir im Bus noch überlegen, ob wir wirklich Pizza bestellen wollen, fahren wir am Weida vorbei, das auf dem Platz davor Tische stehen hat, die nicht dicht an dicht besetzt sind. Da wissen wir nicht nur, was wir essen wollen, sondern auch dass wir dafür – zum ersten Mal seit der Abschottung – rausgehen würden. Wir bringen die Räder nach Hause. Der RB macht sich frisch und geht Geld holen, ich gehe duschen. Das Kind muss (sic!) kurz daddeln. Wir treffen uns am Restaurant.

Das Kind darf früher nach Hause, der RB und ich genießen noch unser Schnäpsje und machen zwei Schlenker durchs Dorf. Ja, es ist viel los draußen, da wo die Leute sitzen dürfen. Aber es ist nicht dicht an dicht und ohne Rücksicht.

Zu Hause gibt es einen kleinen Eklat mit dem Kind**, in folgedessen ich eine schon mehrfach angedrohte Konsequenz*** wahr mache. Das Kind ist kurz etwas konsterniert darüber, aber ist letztlich froh drum, weil er eigentlich total müde und k.o. ist von Radtour. Er geht freiwillig Zähneputzen und dann lese ich ihm vor.

Seit 90 Tagen zähle ich die Abschottungstage. Begonnen habe ich am 14. März, da war ich schon 2 Wochen im HomeOffice, am 13. März wurde bekannt gegeben, dass die Schulen ab 15.3. geschlossen werden. Seitdem war ich – mit heute – nur dreimal zum Vergnügen**** unter bzw. bei Menschen. Uff. Vielleicht müssen und sollten wir den Sommer einfach genießen. Die nächste Welle kommt bestimmt.

———————————–
* An Ausflugtagen haben wir ja bislang in der Regel bestellt, damit keine von uns mehr kochen muss.

** Das Kind hatte, als es nach Hause kam, schnell seine Schuhe abgestreift und einfach mittendrin stehen lassen. Zudem ging bei ihm die Klospülung nicht, obwohl er sie – gaaaaaanz sicher – gedrückt hatte.

*** Da das „vergessene“ Spülen immer wieder ein Thema ist, habe ich ihm schon mehrfach gesagt, dass er Tabletverbot bekommt, wenn das vorkommt, aber bislang nicht durchgezogen. Diesmal nahm ich im das Tablet direkt weg und ich weiß noch nicht, wann er es wiederbekommt. (Und ja, es hat unmittelbar mit dem Tablet zu tun. Denn immer, wenn er an dem Ding hängt, werden Toilettengänge schnellschnell und auch nur auf dem letzten Drücker unternommen. Dabei vergisst er gerne mal die Spülung.)

**** Einkaufen ging und gehe ich ja weiterhin.

One thought on “Tag 90 seit der Abschottung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.