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Tag: 13. März 2020

Business as usual

Business as usual

Nun ist es klar: Schul- und trainingsfrei bis zu den Osterferien. Dann die Osterferien. Und danach sehen wir weiter. Wir werden auch gucken müssen, ob das Kind überhaupt zum Kv fahren fliegen kann. Wenn die Grenzen dicht sind, sind sie dicht.

Das wird eine intensive Zeit. Das wird eine Zeit, die wir alle noch nicht erlebt haben. Ich glaube auch nicht, dass es nach Tschernobyl so war. Ich kann mich zumindest nicht erinnern. Und so aufgeklärt und umfassend wie dieser Tage scheint es auch nicht gewesen zu sein.

Ich bei mir merke, dass ich in meinen persönlichen Krisenmodus umgeschaltet habe, was dazu führt, dass ich entspannt bin. Was nicht heißt, dass ich mir nicht bewusst bin, dass die Lage ernst ist. ABER meine Grundstimmung ist: Wenn wir uns alle daran halten,

  • persönliche Kontakte deutlich zu reduzieren
  • uns regelmäßig und gründliche die Hände waschen

und so versuchen Infektionsketten zu unterbrechen bzw. gar nicht erst entstehen zu lassen, dann haben wir schon viel gewonnen. Für uns alle und insbesondere für die besonders gefährdeten unter uns.

Ich bin schon seit zwei Wochen im HomeOffice. Aber das bin ich seit 4,5 Jahren eh. Und je nach Arbeitspensum gab es da durchaus Zeiten, in denen ich längere Zeit keine wirklichen persönlichen Außenweltkontakte hatte. Ich weiß also, dass ich das kann, aber auch dass das nicht das Lustigste überhaupt ist. Und überhaupt: Ich habe das große Glück, dass mein Job derzeit alles andere als gefährdet ist. Ich kann problemlos weiterarbeiten. Gerade bei meinem Kunden sind aktuell keine Projekte mit Präsenz geplant. Hier läuft „business as usual“. Das fühlt sich so surreal wie beruhigend an.

Es wird sich natürlich zeigen, wie das alles läuft, wenn das Kind hier nun den ganzen Tag rumspukt. Wir werden einen Plan machen, wann er Lernstoff be- und erarbeiten soll, wann er daddeln darf und auch Sporteinheiten – RingFit sei dank – werden auch berücksichtigt. Ich werde sicherlich auch meine Arbeitszeiten anpassen müssen, um das Kind nicht den ganzen Tag sich selbst zu überlassen*.

Gestern war ich sowas wie hamsterkaufen. Ich habe ein paar Dinge besorgt, die sich gut lagern lassen** und aus denen sich gut abwechslungsreiche*** Gerichte kochen lassen. Aber wir sind weit entfernt von empfohlenen Mengen****. Denn wir werden weiter Lebensmittel bekommen und einkaufen können (solange wir nicht in Quarantäne sind). Aber ich finde es durchaus beruhigend, dass wir einige Zeit über die Runden kommen werden, ohne das Haus verlassen zu müssen.

Der RB versucht auch noch „business as usual“ und wirklich happy bin ich damit nicht. Ich weiß, dass er verhältnismäßig vorsichtig ist – zumal ich ihn da auch regelmäßig dezent***** drauf hinweise. Denke aber, dass er sich mit noch stärkeren Einschnitten anfreunden muss.

Die nächsten Wochen werden für uns alle nicht einfach. Und einige wird es härter treffen als andere. Wir werden uns alle einschränken müssen und können – hoffentlich nicht immer auf allen Ebenen – nicht mehr „business as usual“ betreiben. Der Alltag wird bzw. ist nun ein anderer.

Wir sind in einer Krisensituation und mMn wird sich nun zeigen, wie solidarisch unsere Gesellschaft überhaupt (noch) ist******.

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* Dadurch, dass die Schule ausfällt, fällt auch meine AG aus, weswegen ich den Freitag nun in meine Arbeitszeit einbeziehen kann.

** Trockenobst, TK-Gemüse und -Früchte, TK-Fisch

*** nicht zum Kochen, aber für die Vitamine: Säfte (gibt es hier eher selten)

**** höchstens beim Süßkram, den ich zum Heben der Stimmung besorgt habe.

***** Also so dezent und diplomatisch ich halt sein kann.

****** ein bisschen übel ist mir diesbezüglich ja schon.