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Tag: 14. März 2020

Abschottung, Tag 1

Abschottung, Tag 1

Das Kind wäre heute eigentlich zu einem Geburtstag eingeladen gewesen. Aber der wurde abgesagt. Blöd, aber richtig. Das Kind war verständlicherweise sehr enttäuscht. Auf der einen Seite.

Auf der anderen Seite machte es ihm sehr deutlich, wie ernst die Lage ist. Und ich werde auch nicht müde, ihn darauf hinzuweisen. Gleichzeitig muss ich aber aufpassen, dass er nicht dystopisch wird. Er hat da einen Hang zu. Zudem ist die Situation total neu: Keine Schule. Kein Training. Neuer Alltag. Was passiert mit uns. Was passiert mit denen, die wir lieben? Was passiert mit der Welt?

Er ist verunsichert und hat Angst. Alles ganz normal. Ich nehme das ernst, aber dennoch muss ich dagegensteuern. Fast mantraartig: Seit Stunden (und werde es wohl noch weiter tun) sage ich, dass wir alle die Situation nicht kennen, dass sie für uns alle neu ist. Dass wir das Beste daraus machen müssen, dass Angst verständlich ist, aber die falsche Ratgeberin ist. Ich erkläre ihm, warum es wichtig ist, sich jetzt in die Abschottung zu begeben*.

Das versteht er.

Deutlich besser als viele Erwachsene.

Dennoch ist das doof, unheimlich, bedrohlich.

Ich bleibe zuversichtlich.

Befeuert wurde meine Zuversicht am Abend: Eine Freundin hatte zur Online-Kneipe eingeladen und ein paar Leute** folgten und es war ein super. Wir unterhielten uns über dies und das. Wir tranken „miteinander“. Die einen aßen, die anderen gingen rauchen – wie so in Echt. Zum Schluss waren dann 4 Stunden wie im Flug vergangen und es zeigte sich:

Hey, physical distancing ist eben NICHT social distancing.

Es ist vieles möglich. Wir müssen nun einfach anders, neu denken. Lasst uns das Beste daraus machen.

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* Nein, es ist keine Quarantäne, denn hier ist (noch) keine positiv getestet. Und nein, es ist auch keine Isolation (was mehr oder weniger ja Quarantäne ist), denn wir dürfen weiterhin nach draußen, wir dürfen zusammen in der Wohnung bleiben und Einkaufen ist auch noch ok. Wir müssen erstmal nur unsere persönlichen, also physischen Kontakte auf ein unausweichliches Minimum reduzieren.

** Ein bisschen lustig war es durchaus, dass auch die Ex vom RB dabei war, die nicht sonderlich gut auf mich zu sprechen war(?) … ist(?). Aber weder sie noch ich wussten, dass wir uns auf diesem Weg begegnen würden. Aber schmunzeln musste ich schon.