(Un-)froh

(Un-)froh

#ClosedAdvent (11)

Das Kind hat zunächst Zahnschmerzen und geht erst zur zweiten Stunde. Als er aus dem Haus ist, bin ich wach. Der RB bringt mir Tee und irgendwie ist es kalt. Als ich mich an den Schreibtisch setze, stelle ich fest: Die Heizung ist mal wieder ausgefallen. Das ist natürlich super, da heute die Putzhilfe kommt. Mit kaltem Wasser putzt es sich ja bekanntlich super. Der RB und ich machen eine Essens- und Einkaufliste, damit wenigstens er weg ist, wenn die Putzhilfe kommt. Ich kann nicht raus, ich habe heute keinen FREItag. Ich habe diversen Kleinkram und eine Besprechung, auf die ich keinen Bock habe. Die auch kurz entsprechend eskaliert. Gerne hätte ich noch mehr geschafft, aber um 16h00 findet unsere Mini-Weihnachtsfeier, die – wie in diesen Zeiten üblich – digital statt. Insgesamt ist es ganz unterhaltsam, aber es wäre durchaus nett gewesen, wenn wir vorher irgendwas zugeschickt bekommen hätten. Aber gut, es sind auch nur zwei Stunden. Es soll ja im Frühjahr oder wann es halt geht ein Fest nachgeholt werden.

Danach habe ich Hunger und bin sehr froh, dass der RB sich schon ums Abendessen gekümmert hat. Froh bin ich auch, dass endlich Wollnachschub für den Afghan Hue Shift angekommen ist. Blöd, dass eine Farbe immer noch fehlt. Ich werde doch in den Dorf-Wollladen müssen (vor dem Lockdown).

Sehr unfroh werde ich während des Essens. Da eskaliert es zwischen mir und dem Kind. Uff, ich bin enttäuscht, traurig, wütend und auch verzweifelt. Er steht sich so dermaßen selbst im Weg, dass ich langsam nicht mehr weiß, wie ich ihm helfen kann. Und er legt Verhaltensweisen an den Tag, die er definitv nicht hier vorgelebt bekommt. Da steckt etwas tief in ihm drin und es wird so verdammt schwer, dass er aus der Nummer rauskommt.

Danach fühle ich mich wie eine ausgequetschte Zahnpastatube. Ich schicke das Kind in sein Zimmer. Ich will und kann ihn nicht sehen. Er soll nachdenken oder was auch immer tun. Ich kann gerade gar nichts machen. Ich weiß nicht wohin mit mir und bin froh, dass der RB mich ins Bett schickt. Mir dröhnt der Kopf, aber ich bin so leer, dass ich trotzdem einschlafe.

Als ich wieder wach werde ist es nach 23h00. Ich finde einen Brief, den mir das Kind unter der Tür durchgeschoben hat. Der macht mich auch traurig. Das Kind schläft mittlerweile, er hat sich komplett selbst ins Bett gebracht. Das ist das erste Mal ever (abgesehen von Abenden, an denen wir eh nicht zusammen waren), dass er ohne Gute-Nacht-Sagen ins Bett muss. Es tut mir so leid. Ich fühle mich nicht gut. Ich bin ratlos über die Situation. Der RB auch. *seufz* Ich klettere kurz zum Kind aufs Bett und kuschel ihn ein bisschen. Ach, ach. Morgen werden wir sprechen müssen.

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