Tag 94 seit der Abschottung

Tag 94 seit der Abschottung

Ich konnte heute nicht arbeiten. Ich bin fertig. Meine Konzentration reicht gerade mal dafür, dass ich nicht über meine eigenen Füße stolpere. Ich guckte auch tatsächlich nur einmal kurz in meine e-Mails.

Ich musste unbedingt Sport machen und so turnte ich als das Kind in der Schule war im Wohnzimmer etwas rum. Danach recherchierten der RB und ich kurz: Irland hat fünf Phasen für die Rückkehr zum normalen Leben und ist derzeit bei Phase 2. Dazu gibt es 14 Tage Quarantäne für alle, die einreisen. Vielleicht wird das in den kommenden Tagen geklockert. Vielleicht auch nicht. Und selbst wenn: Wie wäre es in einem Land mit noch halben Lockdown (Phase 3) zu reisen? Wir hatten ja eine Rundreise geplant. Wäre das die lange Anfahrt wert?

Kurzum: Der RB und ich stornierten heute alles, was storniert werden konnte und überlegten, was wir stattdessen machen könnten. Denn wir müssen hier raus.* Also sollte es was sein, was wir gut mit dem Auto erreichen könnten, damit wir unabhängig von öffentlichen Transportmittel jederzeit zurückkönnen. Und zu weit weg sollte es auch nicht sein. Aber Meer wäre doch schon super. Schnell einigten wir uns auf Belgien und fanden auch noch eine hübsche Ferienwohnung**.

Zwischendurch befragte ich das Kind, ob es trotzdem mit uns wegfahren möchte, wen wir nicht nach Ireland fahren, oder ob er dann früher zum Kv wolle. Nein, er wolle mit uns in den Urlaub. „Okay, sollen wir es dann so planen, dass Du danach gut zum Papa kannst?“, fragte ich. Er druckste rum***. „Wie lang willst Du denn zum Papa?“ „Ich weiß nicht.“ „Du musst nicht drei Wochen zum Papa.“ „Ich will auch nur zwei“, sagte er zögerlich. „Auch gut.“ Ich guckte mein Kind an. Er guckte zurück. „Eigentlich will ich gar nicht zum Papa“, kam dann schnell aus ihm raus. Upps. „Oh, und warum?“ „Mich stresst der Papa. Und ich fühle mich bei ihm nicht sicher.“ „Weil er den Virus nicht ernst nimmt?“ „Ja, er hat gesagt, dass es nicht schlimm ist, wenn ich COVID19 bekomme, weil es für Kinder ja nicht schlimm ist.“ „Okay. Das ist nicht gut. Und das ist falsch. Wir finden einen Weg. Du musst nicht zum Papa. Unter diesen Umständen schon mal gar nicht.“

Dem Kv bekommt die Pandemie nicht. Überhaupt nicht. Und ausbaden muss es das Kind. Ich bin nur froh, dass das Kind seine Bedürfnisse artikulieren kann. Ich werde mich dann mal auf einen Gerichtstermin einstellen. Auch wenn ich total müde und erschöpft bin. Ich möchte meine wenigen Energien nicht für diesen Mann verschwenden. Ich möchte, dass dieser Energiefresser aus unserem Leben verschwindet.

Später planten wir unsere Reise weiter: Nach einer Woche am Meer geht es noch eine Woche in die Vogesen.

Diese Aussicht wird mich jetzt hoffentlich durch die nächsten 3 Wochen**** tragen.

Das Kind überlegt noch an einer Strategie, wie er dem Kv seine Entscheidung mitteilen möchte. Ich werde ihn natürlich dabei unterstützen.

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* Ja, es ist sehr priviligiert, dass wir raus „müssen“. Und ob es wirklich schlau ist, weiß ich auch nicht. Ich bin echt unsicher. Stichwort „Virentourismus“.

** Herrje, Bilder von Ferienwohnungen sind ja auch hier und ein Panoptikum des Grauen oder zumindest längst vergangener Zeiten.

*** Er dachte, ich hätte schon einen Flug von Frankreich nach Frankfurt gebucht. Und war sehr erleichtert, dass dem nicht so war.

**** Ich muss mich ausreichend disziplinieren, damit es nur 11 Arbeitstage bleiben.

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